Die dreibeinigen Herrscher – als das britische Fernsehen den literarischen Tripod-Stoff auf die Mattscheibe brachte

Autor: DerSchneider

Kaum eine Science-Fiction-Serie der 1980er Jahre hat im deutschsprachigen Raum ein derart nachhaltiges, bis heute waches Kultgedächtnis hinterlassen wie Die dreibeinigen Herrscher. Wer am Sonntagnachmittag des 6. April 1986 vor dem Fernseher des ZDF saß, erlebte den Auftakt einer Reise, die für viele Kinder und Jugendliche jener Zeit prägend werden sollte – eine Reise in eine düstere Zukunft, in der die Menschheit nicht durch Atombomben, sondern durch gigantische, dreibeinige Maschinen von außerirdischen Wesen unterworfen worden war. Die BBC-Serie, eine Koproduktion mit dem australischen Seven Network, bleibt bis heute ein faszinierendes Zeugnis einer Ära, in der ambitionierte Fernsehunterhaltung mit begrenzten Mitteln Welten erschuf, die in der Erinnerung ihrer Zuschauer weiterleben.

Von der Buchvorlage zur Fernsehserie

Die Grundlage der Serie bildet die berühmte Jugendbuch-Trilogie des britischen Autors John Christopher (Pseudonym von Samuel Youd), die in den späten 1960er Jahren erschien: The White Mountains (1967), The City of Gold and Lead (1968) und The Pool of Fire (1969). Die Erzählung spielt im Jahr 2089, in einer Welt, die von riesigen außerirdischen Maschinen – den „Tripods“ – beherrscht wird. Die Menschheit lebt auf vorindustriellem Niveau, und jedem jungen Menschen wird bei Erreichen des 15. Lebensjahres ein goldenes Implantat in die Kopfhaut gesetzt – die sogenannte „Weihe“. Dieses Gerät unterdrückt alle eigenständigen Gedanken, jede Aggression und jedes individuelle Interesse und macht die Menschen zu willenlosen, zufriedenen Sklaven.

Die Fernsehadaption entstand in den Jahren 1984 und 1985. Produziert wurde sie von der BBC in Großbritannien gemeinsam mit dem australischen Seven Network. Die Musik komponierte Ken Freeman. Als Produzent zeichnete Richard Bates verantwortlich. Die Regie übernahmen ein Team erfahrener Fernsehregisseure: Graham Theakston, Christopher Barry und Bob Blagden. Für die erste Staffel schrieb Alick Rowe die Drehbücher, für die zweite Staffel Christopher Penfold.

Die Besetzung – junge Gesichter, nachhaltige Wirkung

Die Hauptrollen wurden mit weitgehend unbekannten, jungen Schauspielern besetzt – ein Umstand, der der Serie eine gewisse Authentizität verlieh und den Zuschauern ermöglichte, sich mit den Protagonisten zu identifizieren.

RolleDarstellerDeutscher Synchronsprecher
Will ParkerJohn ShackleyStefan Krause
Henry ParkerJim BakerMatthias Nickolai
Jean-Paul „Beanpole“ DelietCeri SeelNicolas Böll
Fritz EgerRobin HayterPhilipp Moog
OzymandiasRoderick HornFred Maire

John Shackley spielte Will Parker in allen 25 Episoden, während Ceri Seel als Beanpole in 17 und Jim Baker als Henry in 15 Episoden zu sehen war. Die erwachsenen Darsteller umfassten unter anderem Pamela Salem als Gräfin de Ricordeau und Charlotte Long als Eloise.

Die deutsche Erstausstrahlung – ein sonntägliches Ritual

Die deutschsprachige Erstausstrahlung begann am 6. April 1986 im ZDF und wurde zu einem festen Sonntagnachmittags-Ritual für eine ganze Generation. Die Serie lief zunächst mit den 13 Folgen der ersten Staffel, bevor 1988 die zweite Staffel folgte. Die Ausstrahlung erfolgte nachmittags – eine Sendezeit, die für viele Kinder und Jugendliche ideal war, um die abenteuerliche Reise der drei Protagonisten zu verfolgen.

Staffel 1: Die Flucht in die Weißen Berge (13 Episoden)

Die erste Staffel folgt weitgehend der Handlung des ersten Buchs The White Mountains und erzählt die Geschichte der Flucht der drei Jugendlichen vor der bevorstehenden Weihe.

Episode 1 – „Die Flucht beginnt“
Die Serie beginnt im Jahr 2089. Will Parker, sein Vetter Henry und ihr Freund Jean-Paul „Beanpole“ Deliet erfahren die schockierende Wahrheit über die Weihe – das goldene Implantat, das jeden 15-Jährigen willenlos macht. Die drei schwören, sich dieser Kontrolle zu entziehen und fliehen in Richtung der „Weißen Berge“, wo angeblich noch freie Menschen leben sollen.

Episode 2 – „Gefahren und Misstrauen überall“
Die Flüchtlinge begegnen dem geheimnisvollen Ozymandias, der ihnen einen Kompass und eine Karte gibt und den Weg zu einem Schiffskapitän weist, der sie über den Ärmelkanal bringen soll. Die Jagd durch die „Schwarzen Garden“ – die Polizeitruppe der Dreibeiner-Herrscher – beginnt.

Episode 3 – „Aus dem Gefängnis befreit“
Auf der Überfahrt nach Frankreich entgehen Will und Henry knapp einer Kontrolle. Der Schiffskapitän hat jedoch finstere Pläne mit ihnen. Bei der Ankunft in Frankreich tappen sie in eine Falle der Schwarzen Garden. Beanpole, der sie bewachen soll, hilft ihnen stattdessen bei der Flucht.

Episode 4 – „In den Ruinen von Paris“
Die Flucht führt die drei Jungen durch das verwüstete, gespenstische Paris – eine postapokalyptische Ruinenstadt, in der sie auf Überreste der alten Zivilisation stoßen.

Episode 5 – „Gastfreundschaft mit bitterem Geschmack“
Die drei geben sich als Wanderer aus und finden Unterschlupf auf dem Schloss des Comte de Ricordeau. Will verliebt sich in die schöne Eloise, die Tochter des Grafen. Die Gastfreundschaft erweist sich jedoch als ambivalent.

Episode 6 – „Wills Heiratsantrag“ (deutscher Titel nicht eindeutig überliefert)
Will beschließt, Eloise zu heiraten und am Schloss zu bleiben – sehr zum Missfallen von Henry und Beanpole, die ohne ihn weiterziehen. Die Freundschaft steht vor dem Zerbruch.

Episode 7 – (kein deutscher Titel bekannt)
Während Henry und Beanpole weiterreisen, wird Will von einem Rivalen um Eloise schwer getroffen und erlebt eine herbe Enttäuschung in seiner Liebe.

Episode 8 – „Wieder mit den Freunden vereint“
Will entscheidet sich, das Schloss zu verlassen und seine Freunde einzuholen. Die drei sind wiedervereint und setzen ihre Reise fort.

Episode 9 – (kein deutscher Titel bekannt)
Die Freunde entkommen knapp einem Dreibeiner und rasten auf einem Weinberg, um neue Kräfte zu sammeln.

Episode 10 – (kein deutscher Titel bekannt)
Die Jungen helfen bei der Weinlese. Der Abschied von ihren neuen Freunden fällt ihnen schwer.

Episode 11 – (kein deutscher Titel bekannt)
Von Hunger getrieben, stehlen Will, Henry und Beanpole Essen von einem Dorffest – und geraten in große Schwierigkeiten.

Episode 12 – (kein deutscher Titel bekannt)
Nach vielen Gefahren erblicken die Jungen endlich die Weißen Berge – das Ziel ist zum Greifen nah.

Episode 13 – (kein deutscher Titel bekannt)
Will, Henry und Beanpole erreichen die Weißen Berge – doch direkt am Ziel werden sie erneut von der Schwarzen Garden gefangen genommen. Ein dramatischer Cliffhanger beschließt die erste Staffel.

Staffel 2: Die Stadt aus Gold und Blei (12 Episoden)

Die zweite Staffel folgt der Handlung des zweiten Buchs The City of Gold and Lead und führt die Protagonisten in das Herz der feindlichen Macht.

Episode 14 – „Vorbereitung für die Höllenfahrt“
Die Jungen sind in den Weißen Bergen und trainieren mit den freien Menschen. Sie sollen an einem von den Dreibeinern ausgetragenen Wettbewerb teilnehmen, um als Diener Zugang zur feindlichen Basis zu erhalten.

Episode 15 – „Den Rhein abwärts mit Volldampf“
Auf dem Weg zu den Spielen per Lastkahn wird die Mission durch eine angebliche Pest bedroht.

Episode 16 – „Zwei reizende Helferinnen“
Will und Beanpole verpassen ihr Schiff, nachdem sie von der Schwarzen Garden gejagt wurden. Mit Hilfe von Zerline und Papagena entkommen sie und erreichen gerade noch rechtzeitig die Spiele.

Episode 17 – „Der Eintrittspreis für die goldene Stadt“
In den Spielen treten Will, Beanpole und der dritte Kandidat Fritz in einem harten Wettkampf gegeneinander an – der Sieg verschafft ihnen Einlass in die Stadt der Dreibeiner.

Episode 18 – „Sklaven und Meister“
Will und Fritz werden in die „Stadt aus Gold und Blei“ gebracht. Will wird Sklave eines Meisters, Fritz erhält eine andere Aufgabe. Beanpole wird zurückgelassen.

Episode 19 – „Das Geheimnis der Margerite“
Will ist Sklave von Meister 468, der ihn in den Wissenschaften unterrichtet. Fritz versucht, in die Machtelite aufzusteigen. Will erfährt die wahre Herkunft der Meister.

Episode 20 – (kein deutscher Titel bekannt)
Nach einer schweren Prügelstrafe trifft Fritz auf einen weiteren ungeweihten Menschen. Will erfährt von den schrecklichen Plänen der Meister für die Menschheit.

Episode 21 – (kein deutscher Titel bekannt)
Will wird dem Cognosc vorgestellt, einem Mitglied der herrschenden Klasse, das seine Gedanken hinterfragt. Fritz entdeckt eine versteckte Karte der Stadt.

Episode 22 – (kein deutscher Titel bekannt)
Der Cognosc hat Wills Gedanken gelesen und kennt den wahren Grund für die Mission. Will und Fritz beschließen, so schnell wie möglich aus der Stadt zu fliehen.

Episode 23 – (kein deutscher Titel bekannt)
Will und Fritz entkommen der Schwarzen Garden und erreichen den unterirdischen Fluss, der aus der Stadt führt. Will gelingt die Flucht, Fritz bleibt zurück.

Episode 24 – (kein deutscher Titel bekannt)
Will treibt im Fluss und wird von Beanpole gefunden. Die beiden eilen zurück zu den Weißen Bergen, um ihre Entdeckungen zu teilen.

Episode 25 – (kein deutscher Titel bekannt) – Das Serienfinale
Auf dem Rückweg werden Will und Beanpole fast von der Schwarzen Garden gefasst, aber ein reisender Zirkus versteckt sie. Will durchschaut den Verrat des Anführers, überzeugt andere zur Flucht und kehrt mit ihnen in die Weißen Berge zurück – das abrupte Ende der Serie.

Das vorzeitige Ende – ein unvollendetes Vermächtnis

Die Serie endete mit der 25. Episode und wurde nicht fortgesetzt – obwohl ein Drehbuch für eine dritte Staffel bereits existierte. Die BBC-Entscheidungsträger Michael Grade und Jonathan Powell brachen die Produktion aufgrund enttäuschender Einschaltquoten ab. Damit blieb die Verfilmung des dritten Buchs The Pool of Fire aus, und die Zuschauer wurden mit einem offenen Ende zurückgelassen.

Der Abbruch der Serie ist bis heute Gegenstand von Fan-Diskussionen. Die dritte Staffel hätte die finale Konfrontation mit den Dreibeinern und die Befreiung der Menschheit erzählen sollen – ein Abschluss, der den Zuschauern bis heute vorenthalten bleibt.

Produktion, Ästhetik und zeitgenössische Wahrnehmung

Die Serie war eine aufwendige Koproduktion, die ihrer Zeit entsprechend mit begrenzten Mitteln auskam. Die Spezialeffekte – insbesondere die Darstellung der Dreibeiner – waren für damalige Verhältnisse ambitioniert, wirken aus heutiger Perspektive jedoch oft charmant-retro. Die Entscheidung, die Dreibeiner als mechanische Konstruktionen mit tentakelartigen Greifarmen darzustellen, wich von der Buchvorlage ab, in der sie eher krakenähnliche Wesen sind.

Die Musik von Ken Freeman trug wesentlich zur düster-atmosphärischen Stimmung der Serie bei. Die Kombination aus synthetischen Klängen und orchestralen Elementen schuf einen Sound, der sich in das Gedächtnis der Zuschauer einbrannte.

Die Rezeption im deutschen Sprachraum

Im deutschsprachigen Raum erlangte die Serie einen Kultstatus, der ihr in Großbritannien verwehrt blieb. Die sonntägliche Ausstrahlung im ZDF schuf ein gemeinsames Fernseherlebnis für eine ganze Generation. Für viele war es die erste Begegnung mit dystopischer Science-Fiction – eine Welt, in der die Freiheit des Individuums gegen eine übermächtige, entmenschlichende Maschinenherrschaft verteidigt werden muss.

Die Serie wurde mehrfach auf VHS und DVD veröffentlicht. Die BBC brachte 2009 eine Komplettbox mit beiden Staffeln auf den Markt.

Einordnung und Vermächtnis

Die dreibeinigen Herrscher steht in einer Traditionslinie britischer Science-Fiction-Fernsehserien, die mit begrenzten Mitteln große Ideen vermittelten. Die Themen der Serie – Überwachung, Gedankenkontrolle, der Verlust der Individualität und der Widerstand gegen eine scheinbar übermächtige Ordnung – sind heute aktueller denn je.

Die Serie scheiterte letztlich an den Quoten, doch ihr kulturelles Erbe ist beachtlich. Sie prägte nicht nur eine Generation von Zuschauern, sondern beeinflusste auch spätere Science-Fiction-Produktionen. Der unvollendete Charakter der Erzählung – das Ausbleiben der dritten Staffel – verleiht der Serie etwas Melancholisches, fast Mythisches: eine Geschichte, die unvollendet bleiben musste, deren Faszination aber genau darin liegt.

Quellen

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