Eine Uhr, die nicht wiederbelebt werden muss: Pebble und die Zeitphilosophie offener Hardware
Autor: DerSchneider
Einleitung: Alle zwei Wochen aufladen, ein vergessener Luxus
Im Jahr 2013, als die erste Generation der Pebble Smartwatch die Handgelenke der Nutzer erreichte, hatten die meisten Menschen noch kein Konzept von einer „Smartwatch“. Die Apple Watch musste noch ein weiteres Jahr auf sich warten lassen. Damals wussten die Menschen nicht, dass sie nicht nur eine Uhr erhielten, die Benachrichtigungen vom Smartphone anzeigen konnte, sondern ein Industrieprodukt, das in den folgenden dreizehn Jahren kontinuierlich funktionieren und nie wirklich sterben würde.
Das, was Sie erwähnt haben – eine Pebble der ersten Generation, täglich getragen, alle zwei Wochen aufgeladen, bis heute funktionsfähig – ist die beste Einleitung für diesen Artikel. Es ist keine sentimentale Nostalgie eines Nostalgikers, sondern eine technisch erklärbare und historisch verifizierte Ingenieurtatsache. In einer Zeit, in der Unterhaltungselektronik „geplante Obsoleszenz“ als Standard-Geschäftsmodell betrachtet, ist eine Uhr, deren Akkulaufzeit in „Wochen“ statt in „Stunden“ gemessen wird, deren Akku austauschbar ist und deren Gehäuse mit Schrauben statt mit Klebstoff befestigt ist, an sich schon eine Erklärung.
Die Pebble Time 2 ist das neueste Kapitel dieser Geschichte. Aber was wirklich wert ist, aufgeschrieben zu werden, ist nicht „ein Unternehmen ist wiederauferstanden“, sondern eine grundlegendere Frage: Wer sollte über die Lebensdauer eines elektronischen Produkts entscheiden?
I. Von 100.000 Dollar zu zehn Millionen Dollar in zwei Jahren
Am 11. April 2012 startete Eric Migicovsky eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter. Ziel: 100.000 Dollar. Verwendung: Produktionswerkzeuge, Beschaffung von Komponenten in großen Mengen, globale Bluetooth-Zertifizierung. Er hatte zuvor bereits 375.000 Dollar aus eigener Tasche und von Angel-Investoren aufgebracht, aber das Finanzierungsumfeld für Hardware-Startups stieß bei ihm auf Ablehnung. „Hardware-Finanzierung ist viel schwieriger“, sagte er damals gegenüber der Los Angeles Times. „Wir hatten gehofft, einige Leute von unserer Vision überzeugen zu können, aber es hat nicht funktioniert.“
Was danach geschah, wurde zu einem Wendepunkt in der Geschichte des Crowdfundings. Das Ziel von 100.000 Dollar wurde innerhalb von zwei Stunden erreicht. Innerhalb von 28 Stunden wurden 1 Million Dollar überschritten. Am Ende trugen über 68.000 Unterstützer 10.266.845 Dollar zusammen und sicherten sich 85.000 Uhren. Das Projektteam beendete die Kampagne freiwillig vorzeitig, da es „bereits genug“ sei.
Was die Pebble damals ansprach, war sehr einfach: ein E-Paper-Display, das in der Sonne klar lesbar war und ohne Hintergrundbeleuchtung die Zeit anzeigen konnte; Bluetooth-Verbindung zum Smartphone zur Anzeige von Benachrichtigungen; wasserdicht; der Akku hielt etwa eine Woche. Sie wusste, was sie tun sollte – ein „Begleiter des Smartphones“ sein, kein Ersatz dafür.
Diese Positionierung im Jahr 2013 unterschied sich grundlegend von dem, was später die Apple Watch anstrebte. Migicovsky hat diese Philosophie nie geändert. „Ich möchte einen Begleiter für das Smartphone, keinen Ersatz dafür“, sagte er. „Ich möchte eher eine Swatch als eine Rolex – entspannter, lässiger, lustiger.“
II. Acht Jahre tot, aber nie wirklich gestorben
Die Jahre 2014 bis 2016 waren die goldenen Jahre von Pebble. Die Pebble Steel, die Pebble Time, die Pebble Time Round, die Pebble 2 – ein Produkt nach dem anderen. Aber der Markt veränderte sich schnell. Die Apple Watch definierte die Smartwatch neu als „Mini-Computer am Handgelenk“, und die Erwartungen der Nutzer wurden immer höher: Farb-Touchscreen, umfangreiche Apps, Gesundheitsüberwachung, mobiles Bezahlen. Pebble beharrte auf E-Paper, physischen Tasten und leichtgewichtigen Benachrichtigungen – eine bewusste Entscheidung für Einfachheit und Batterielebensdauer, aber auch eine Sackgasse im Mainstream-Markt.
Im Dezember 2016 meldete Pebble Insolvenz an. Fitbit kaufte die Software-Assets, die Hardware-Produktlinie wurde eingestellt, die Unterstützer erhielten ihre Gelder zurück. Die Time 2, das Flaggschiff der Crowdfunding-Kampagne, wurde niemals ausgeliefert.
Nach der üblichen Geschichte der Unterhaltungselektronik wäre hier Schluss. Eine Uhr, für die es kein Unternehmen mehr gibt, das sie wartet, bedeutet normalerweise Elektroschrott – wie Smart-Home-Geräte, die nach der Abschaltung der Server nicht mehr funktionieren, oder Fitnesstracker, deren Apps aus dem Store verschwinden und zu Ziegelsteinen werden.
Aber Pebble wurde nicht zu Elektroschrott. Eine Community-Organisation namens Rebble übernahm die gesamte Backend-Infrastruktur: App Store, Wetterdaten, Spracherkennungsserver, API. Sie bauten eigene Ersatzlösungen, bezahlten das Hosting selbst und pflegten den Bestand von über 10.000 Watchfaces und Apps – fast ein Jahrzehnt lang, ehrenamtlich.
Der Wert dieser Arbeit ist kaum zu überschätzen. Wenn Sie in den letzten dreizehn Jahren eine erste Pebble-Generation getragen haben und alle zwei Wochen aufgeladen haben, dann lief die Uhr in Ihrem Handgelenk durch die von Rebble aufrechterhaltene Infrastruktur weiter. Andernfalls hätte sie längst nicht mehr mit der offiziellen App synchronisiert werden können, hätte keine Wetterdaten mehr empfangen und keine Spracherkennung mehr nutzen können.
III. Der wahre Auslöser des Comebacks
Im Jahr 2021 wurde Fitbit von Google übernommen. Im Januar 2025 machte Google den Quellcode von PebbleOS als Open Source verfügbar.
Dies ist der entscheidende Auslöser. Migicovsky sagte es selbst ganz deutlich: „Der Impuls für dieses Pebble-Comeback war wirklich, dass Google das Betriebssystem von Pebble als Open Source freigegeben hat. Ohne das wäre es nicht passiert.“
Er gründete Core Devices und baute mit dem Design-Blueprint von 2016 und Chips von 2025 die Time 2, die damals nie ausgeliefert wurde. Ende 2025 gab er zusätzlich die Mobile-Apps, das SDK und alle Entwicklertools frei. Damit ist der gesamte Software-Stack vollständig Open Source.
Das hat einen sehr praktischen Grund: Das Insolvenzszenario ist von Anfang an mitgedacht. Sollte Core Devices morgen erneut Insolvenz anmelden, kann jeder andere übernehmen. Der App Store läuft bis heute auf Rebbles Backend, und Core Devices finanziert diese gemeinnützige Organisation, damit Sie als Käufer kein Abonnement benötigen.
Migicovsky positioniert Core Devices sehr klar: Es ist kein Startup. Das Unternehmen hat nur fünf Mitarbeiter, produziert keine Lagerbestände auf Vorrat und verkauft nur direkt über die eigene Website. Sein Ziel ist ein nachhaltiges, profitables Unternehmen, das langfristig existiert – kein Wachstum um jeden Preis.
IV. Was Ihre erste Pebble-Generation uns lehrt
Sie haben eine erste Pebble-Generation und tragen sie seit dreizehn Jahren, laden sie alle zwei Wochen auf, und sie funktioniert einwandfrei. Diese Tatsache verdient eine tiefere Analyse.
4.1 Batterielebensdauer: Wochen statt Stunden
Der Akku der ersten Pebble-Generation hatte eine Kapazität von etwa 130–150 mAh (je nach Modell), gepaart mit einem transflektiven Memory-LCD-Display. Der entscheidende Punkt: Jeder Pixel hat eine eigene kleine Speicherzelle, merkt sich selbst, was er gerade anzeigt, und zieht nur dann Strom, wenn er sich ändert. Ein stehendes Ziffernblatt kostet praktisch nichts.
Das ist der wesentliche Unterschied zu modernen Smartwatch-OLED-Displays. Selbst mit „Always-On Display“ müssen OLED-Bildschirme kontinuierlich einen kleinen Stromfluss aufrechterhalten. Das transflektive LCD von Pebble ist eine echte „Null-Strom“-Anzeige. Ihre alle zwei Wochen erfolgende Aufladung ist der direkte Beweis für diese technische Entscheidung.
4.2 Reparierbarkeit: Schrauben statt Klebstoff
Die Rückseite der ursprünglichen Pebble-Modelle ist mit vier T4-Torx-Schrauben befestigt, nicht verklebt. iFixit hat eine vollständige Anleitung zum Akkuwechsel für die erste Pebble-Generation. Das bedeutet: Wenn der Akku nachlässt, müssen Sie nicht die ganze Uhr wegwerfen, sondern können für ein paar Euro einen Ersatzakku kaufen und ihn mit einem Lötkolben in etwa 35 Minuten austauschen.
Diese Konstruktion ist im Konsumgüterbereich von 2013 selten, in der heutigen Smartwatch-Welt noch seltener. Die meisten Smartwatches moderner Hersteller sind mit Klebstoff versiegelt, und ein Akkuwechsel ist praktisch ein wirtschaftlicher Totalschaden.
4.3 Die Community als Rettungsnetz
Ihre erste Pebble-Generation funktioniert noch, zum Teil aufgrund der Hardware-Qualität, zum Teil aber auch, weil Rebble die Netzwerk-Infrastruktur am Leben hielt. Wenn Ihr Telefon beispielsweise ein modernes Android oder iOS-System verwendet, hätten Sie die Uhr ohne die von Rebble bereitgestellte Ersatz-App wahrscheinlich nicht mehr koppeln können.
V. Vollständige technische Daten der Pebble Time 2
5.1 Display: transflektives Memory-LCD, kein E-Ink
Pebble selbst nennt es „E-Paper“, technisch gesehen ist es jedoch ein transflektives Memory-LCD von Sharp – nicht das, was in E-Book-Readern steckt. Der wesentliche Unterschied wurde bereits erläutert: Das Display reflektiert Umgebungslicht und wird bei stärkerem Licht besser lesbar, nicht schlechter. In praller Sonne ist die Pebble tatsächlich besser ablesbar als eine Apple Watch Ultra mit 3000 Nits.
| Parameter | Spezifikation |
|---|---|
| Größe | 1,5 Zoll |
| Auflösung | 200 × 228 Pixel |
| Pixeldichte | ca. 202 DPI |
| Farben | 64 |
| Touchscreen | Vorhanden, aber kaum genutzt (im Wesentlichen nur für Hintergrundbeleuchtung und antippbare Komplikationen) |
| Hintergrundbeleuchtung | Mehrfarbige RGB-LED |
In Innenräumen ist es umgekehrt: Bei schwachem Licht muss man das Handgelenk manchmal in den richtigen Winkel drehen. Dafür gibt es eine Hintergrundbeleuchtung, die per Tippen auf den Touchscreen oder per Handbewegung aktiviert wird. Ab Werk ist diese so schwerfällig, dass man den Arm schütteln muss, um sie auszulösen. Zum Glück lässt sich das leicht beheben: Erstens den Umgebungslichtsensor in den Einstellungen deaktivieren, zweitens in den Telefoneinstellungen die Debug-Optionen aktivieren und dann unter Display die Motion Sensitivity von Medium auf Medium High stellen.
Die Farbe der Hintergrundbeleuchtung lässt sich übrigens in allen 64 Farben einstellen, die die Pebble kann – Rot, Grün, Blau, Lila und so weiter.
5.2 Gehäuse und Verarbeitung
- Material: CNC-gefrästes 316 Edelstahl, PVD-beschichtet
- Tasten: Vier Edelstahltasten mit gerändelter Kante
- Gehäuseboden: Verschraubt, nicht verklebt – in dieser Preisklasse bemerkenswert und ein klares Statement für Reparierbarkeit
- Wasserdichtigkeit: Offiziell 30 Meter (3 ATM). Duschen kein Problem, Schwimmen empfiehlt Core Devices ausdrücklich nicht
- Gewicht: Etwa 33 g ohne Armband, 48 g mit Armband
- Armband: 22-mm-Standard, schnell wechselbar
5.3 Sensoren und Konnektivität
| Vorhanden | Nicht vorhanden |
|---|---|
| Herzfrequenzsensor | GPS |
| Kompass | LTE |
| Zwei Mikrofone | NFC (kein Bezahlen) |
| Kleiner Lautsprecher | Höhenmesser |
| 6-Achsen-IMU (Beschleunigung + Gyroskop) | |
| Bluetooth |
Gesundheitstracking gibt es: Herzfrequenz, Schritte und Schlaf. Unter Android landet das per Health Connect in Google Fit, auf dem iPhone läuft die Anbindung an Apple Health. Core Devices sagt aber selbst ganz offen, dass das kein Fitnessgerät ist und man sich eine Garmin holen soll, wenn man es ernst meint.
5.4 Akkulaufzeit und Laden
Beworben mit bis zu 30 Tagen. Pebble hat im Juli selbst Zahlen herausgegeben: Der Median bei der Time 2 liegt aktuell bei ungefähr 21 Tagen. Ein intensiver Nutzer im Review verbrauchte etwa 10 Prozent am Tag und kam auf gut 10 Tage. In jedem Fall ist das das Drei- bis Fünffache einer typischen Apple Watch.
Geladen wird über einen kleinen magnetischen Puck mit USB-C-Buchse, an dem kein Kabel hängt. Im Alltag hängt der fest an einem USB-Kabel, unterwegs muss man für dieses eine Aufladen kein extra Kabel mitnehmen. Der Magnet ist nicht besonders stark – ausreichend, um am Gehäuseboden zu haften, aber er kann abfallen, wenn die Uhr bewegt wird.
VI. Das Software-Ökosystem: Ein komplett offener Stack
6.1 Von oben bis unten Open Source
Der komplette Software-Stack der Pebble Time 2 ist offen:
- PebbleOS auf GitHub – das Betriebssystem selbst
- Mobile Apps für Android und iOS – Quellcode offen
- SDK und CloudPebble – die Entwicklungsumgebung läuft komplett im Browser
Das bedeutet konkret: Wenn Core Devices morgen wieder pleitegeht, kann jemand anderes den Support übernehmen. Der Pleitefall ist von Anfang an mitgedacht – anders als bei vielen anderen modernen Produkten.
Migicovsky hat dies sehr deutlich formuliert: „Falls unsere Server irgendwann verschwinden, könntet ihr eine Kopie herunterladen, euren eigenen Pebble-App-Store-Feed aufsetzen und weiterverwenden. Wir hoffen, dass dies einen Standard für Offenheit setzt.“
6.2 Apps und Watchfaces
Im Store liegen über 10.000 Watchfaces und Apps – der komplette Bestand von 2013 bis heute. Ein Entwickler-Contest im Frühjahr 2026 hat über 500 neue Einträge gebracht. Darunter: Nyan Cat, Cartoon-Hunde, Videospiel-Charaktere, KI-Chatbot-Apps, Pixel-Miner, Vibro-Time.
Neben Apps von Dritten funktioniert die Uhr auch ohne zusätzliche Software: Benachrichtigungen spiegeln, Musiksteuerung, Alarme, Timer, Schrittzähler, Schlaf-Tracking. Die Timeline (rechte untere Taste) scrollt durch den Tagesverlauf mit Kalendereinträgen, Erinnerungen, Wetter und App-Pins.
6.3 Selbst entwickeln: CloudPebble und Alloy
Das ist das eigentliche Highlight. Du kannst Watchfaces und Apps selbst bauen – komplett im Browser, ohne SDK-Installation, ohne Entwickler-Account, ohne Kosten.
CloudPebble ist eine webbasierte Entwicklungsumgebung: Code-Editor, Ressourcen-Manager für eigene Grafiken und Schriftarten, Emulator für ein virtuelles Pebble-Display – alles im Browser. Neu seit Februar 2026: Unterstützung für Alloy, ein JavaScript-SDK, mit dem du Apps in reinem JavaScript oder TypeScript schreiben kannst.
Ein „Hello World“ auf der Uhr läuft in unter fünf Minuten.
6.4 Der Konflikt zwischen Rebble und Core Devices
Hier muss ein wichtiger Punkt ehrlich angesprochen werden: Zwischen Rebble und Core Devices gibt es einen laufenden Konflikt.
Rebble wirft Core Devices vor, ihre kuratierten App-Store-Daten ohne Entschädigung zu scrapen und die gemeinsame Open-Source-Arbeit in proprietäre Produkte zu überführen. Konkret: Die Bibliothek libpebble3, die von der Core-Devices-App verwendet wird, basiert teilweise auf Code, den Rebble über sein Grants-Programm finanziert hat. Der offene Bluetooth-Port für PebbleOS wurde ebenfalls von Rebble bezahlt. Und als Rebble eine schriftliche Zusage verlangte, dass Core keinen konkurrierenden proprietären Store aufbauen würde, kam keine Antwort.
Migicovsky hat auf seinem Blog geantwortet: Er bestreitet jeden Diebstahl und behauptet, dass 90 % des libpebble3-Codes von Core Devices geschrieben wurden, nicht von der Community. Bezüglich des Scrapings erklärt er, er habe nur eine kleine Web-App gebaut, um seine Lieblings-Watchfaces anzuzeigen, und nichts Substanzielles heruntergeladen. Er wirft Rebble vor, einen streng geschlossenen Walled Garden um die 13.000 Apps unabhängiger Entwickler errichten zu wollen.
Dieser Konflikt ist noch nicht beigelegt. Für Nutzer, die ein offenes Ökosystem schätzen, ist dies ein Punkt, den man im Auge behalten sollte. Die gute Nachricht: Core Devices hat die elektrischen und mechanischen Schaltpläne für die Pebble 2 Duo auf GitHub veröffentlicht, und die App-Installation wird bald über ein Multi-Feed-System funktionieren – ähnlich wie bei Open-Source-Paketmanagern. Jeder kann dann seinen eigenen Store wählen.
VII. Modelle, Preise und Bezugsquellen
7.1 Pebble Time 2
- Preis: 225 US-Dollar
- Versand nach Deutschland: etwa 25 US-Dollar
- Einfuhrumsatzsteuer + Zoll: ein Review-Autor zahlte 17 Euro
- Realistischer Gesamtpreis in Deutschland: etwa 230–250 Euro
- Lieferzeit: Derzeit innerhalb von 48 Stunden versandfertig
- Farben: Schwarz/Grau, Schwarz/Rot, Silber/Grau, Silber/Blau
- Besonderheiten: 1,5-Zoll-Farbdisplay, Herzfrequenzsensor, Edelstahlgehäuse, 21 Tage Akku
7.2 Pebble 2 Duo
- Preis: 149 US-Dollar
- Display: 1,2 Zoll Schwarzweiß, kein Touchscreen
- Gehäuse: Kunststoff
- Besonderheiten: günstiger, leichter, keine Herzfrequenz
7.3 Pebble Round 2
- Preis: 199 US-Dollar
- Display: 1,3 Zoll E-Ink, 260 × 260 Pixel, rund
- Besonderheiten: Kein Herzfrequenzsensor, kleinere Batterie, etwa 2 Wochen Akkulaufzeit
- Status: Massenproduktion seit Ende Juli 2026, Auslieferung neuer Bestellungen im September 2026
7.4 Bezugsquelle
Alle Modelle direkt bei Core Devices (repebble.com). Internationaler Versand mit Delivered Duty Paid (DDP) – Steuern und Zölle werden vor dem Versand eingezogen, keine Überraschungsrechnung beim Zoll.
VIII. Alte Pebbles in neuen technischen Umgebungen
Eines der bemerkenswertesten Dinge an dieser Geschichte: Deine alte Pebble von 2013 funktioniert noch.
Als Pebble 2016 pleiteging, übernahm Rebble die komplette Infrastruktur: App Store, Wetterdaten, Spracherkennung, API-Server. Sie hielten das Ökosystem fast ein Jahrzehnt lang am Leben – finanziert durch Spenden und hunderte Stunden freiwilliger Arbeit.
Die neue Pebble-App von Core Devices unterstützt nicht nur die neuen Uhren, sondern auch die alten. Wenn du noch eine Pebble Classic oder eine Pebble Time in einer Schublade hast, kannst du sie heute wieder koppeln und bekommst sogar Firmware-Updates dafür.
Das ist der entscheidende Unterschied zu anderen toten Produkten: E-Bikes, die nicht mehr entriegeln. Smart-Home-Geräte, deren Server abgeschaltet wurden. Fitness-Tracker, deren App aus dem Store flog. Bei Pebble hat die Community entschieden, dass das nicht passiert.
Ihre erste Pebble-Generation ist der lebende Beweis für diese Entscheidung.
IX. Für wen ist diese Uhr – und für wen nicht
Nicht für dich, wenn:
- Du kontaktlos bezahlen willst
- Du GPS beim Laufen brauchst
- Du ernsthaftes Fitness-Tracking willst
- Du eine Smartwatch willst, die out of the box einfach funktioniert
- Du ein hochauflösendes, knalliges OLED-Display erwartest
Für dich, wenn:
- Du eine Uhr willst, die dich nicht ständig anstupst und ablenkt
- Du es magst, Dinge selbst zu verändern und zu verstehen
- Du in deiner Mittagspause im Browser eine eigene App bauen willst
- Du das Gefühl magst, ein Gerät zu besitzen statt es zu mieten
- Du bereit bist, für Individualität ein paar Kompromisse zu akzeptieren
- Du den Gedanken magst, dass dein Gerät auch dann weiterläuft, wenn die Firma dahinter verschwindet
Die Pebble Time 2 ist keine schlechtere Smartwatch. Sie ist eine andere Idee davon, was eine Smartwatch sein soll. Kein stromlinienförmiges Apple-Produkt, sondern nerdig. Kein geschlossenes Ökosystem, sondern ein offenes Werkzeug. Kein Statussymbol, sondern ein Bastelprojekt, das trotzdem im Alltag funktioniert.
Ein Review-Autor brachte es auf den Punkt: „Ich hatte seit Jahren kein Gerät mehr an der Hand, das sich so nach dem Bastelkram von früher anfühlt und trotzdem im Alltag einfach funktioniert.“
X. Fazit und Ausblick: Was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet
Sie sagten, Ihre erste Pebble-Generation laufe seit dreizehn Jahren einwandfrei und müsse nur alle zwei Wochen aufgeladen werden – das sei Nachhaltigkeit.
Dieser Satz verdient eine tiefere Analyse. Nachhaltigkeit in der Unterhaltungselektronik wird üblicherweise in zwei Dimensionen diskutiert: Umwelt (weniger Elektroschrott, weniger Ressourcenverbrauch) und Wirtschaft (längere Nutzungsdauer senkt die jährlichen Kosten). Ihre Pebble erfüllt beide Dimensionen: Dreizehn Jahre Nutzung, zwei Wochen pro Ladung, bei Bedarf Akkuwechsel für ein paar Euro. Der jährliche Durchschnittspreis ist so niedrig, dass er kaum messbar ist.
Aber es gibt eine dritte Dimension, die oft übersehen wird: Autonomie. Sie können selbst entscheiden, wann Sie die Uhr aufladen. Sie können selbst entscheiden, ob Sie ein Watchface programmieren. Sie können selbst entscheiden, ob Sie den Akku wechseln. Sie müssen nicht warten, bis der Hersteller ein Update freigibt. Sie müssen nicht befürchten, dass ein Software-Update die Uhr verlangsamt. Sie müssen nicht nach zwei Jahren eine neue Uhr kaufen, nur weil der Akku nachlässt und nicht austauschbar ist.
Diese Autonomie ist der Kern der Open-Source-Idee von Pebble. Sie ist keine philanthropische Geste eines Technik-Nerds, sondern eine konkrete Antwort auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzer.
Die Zukunft von Pebble ist ungewiss. Der Konflikt zwischen Rebble und Core Devices ist noch nicht gelöst. Die Skalierung von Core Devices ist begrenzt (fünf Mitarbeiter). Die Time 2 hat einige offensichtliche Kompromisse: kein NFC, kein GPS, begrenzte Fitnessfunktionen. Aber ihre Offenheit ist ein Versprechen: Selbst wenn Core Devices verschwindet, wird die Uhr weiterleben. So wie Ihre erste Pebble-Generation weitergelebt hat.
„Ich bin aufgeregt, dass es vielleicht Leute gibt, die verrückt genug sind, Pebble OS zu nehmen und es in anderen Produkten oder anderen Uhren zum Laufen zu bringen“, sagte Migicovsky. Vielleicht ist das der beste Ausblick: Die Zukunft von Pebble liegt nicht darin, wie viele Uhren verkauft werden, sondern darin, was für Dinge mit ihrem Betriebssystem sonst noch gebaut werden.
Quellen
- ZDNET: I‘ve worn dozens of smartwatches, but the Pebble Time 2 is the most fun I‘ve had testing one (Juni 2026)
- Open Source For You: Pebble Releases Complete OS And Schematics For Community Control (November 2025)
- IT Boltwise: Pebble Time 2: Retro-Smartwatch mit E-Paper, 21 Tagen Akku und Community-Ökosystem (August 2026)
- Yahoo Tech: Rebble kept old Pebble watches alive—now its work is being stolen (November 2025)
- (re)Pebble Offizielle Website: Get your new Pebble watch
- TechCrunch: Pebble‘s smartwatch is back: Pebble Time 2 specs revealed (August 2025)
- How-To Geek: The Pebble Time 2 proves smartwatches got worse, not better (September 2026)
- Stuff: Pebble Time 2 is the always-on smartwatch you won‘t have to charge every night (Juli 2026)
- iFixit: Pebble Akku tauschen (2024/2025)
- heise online: Pebble Time 2: Final design and specifications released (August 2025)
- GIGAZINE: Pebble smartwatch OS and mobile apps are 100% open source (November 2025)
- Korben: The Pebble watch is back – But it‘s going off the rails (November 2025)
- Futurum Group: Pebble Time 2 Returns: Will Long Battery Life Win the Market Back? (August 2025)
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