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Island im Wohnmobil: Ein dreiwöchiges Reisetagebuch durch Feuer, Eis und wilde Natur

Autor: DerSchneider


Einleitung

Island – das Land aus Feuer und Eis, aus dampfenden Geothermalquellen und donnernden Wasserfällen, aus schwarzen Lavafeldern und smaragdgrünen Moosdecken. Eine Rundreise auf der Ringstraße (Route 1) ist der Traum vieler Reisender. Dieses Tagebuch dokumentiert meine dreiwöchige Reise mit einem Wohnmobil, die mich nicht nur zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten führte, sondern auch tief in die technischen Wunderwerke, die ein modernes Leben in dieser rauen Umgebung erst ermöglichen, sowie in die einzigartige Flora und Fauna Islands.

Begleiten Sie mich auf einer Strecke von rund 2.000 Kilometern (mit Abstechern) – von den urbanen Anfängen in Reykjavík bis hin zu den einsamen Fjorden des Nordwestens. Jeder Tag hält neue Überraschungen bereit: Begegnungen mit scheuen Polarfüchsen, das Brüllen der Papageitaucher-Kolonien, das Summen von Geothermieturbinen und das ewige Leuchten der Mitternachtssonne (im Sommer). Die Reise fand im Juli statt, daher herrschte rund um die Uhr Tageshelligkeit.


Tag 1: Ankunft in Reykjavík – Zwischen Technik und Natur

Nach der Landung auf dem Flughafen Keflavík fällt als erstes die karge, von Moos bedeckte Lavalandschaft auf. Der Transfer nach Reykjavík dauert etwa 45 Minuten. Hier hole ich mein Wohnmobil ab – ein kompaktes Fahrzeug mit Dieselheizung, Kühlschrank und kleiner Kochnische. Der Vermieter erklärt mir die Besonderheiten: In Island sind viele Campingplätze mit Abwasserentsorgung und Stromanschluss ausgestattet, aber man sollte stets genug Wasser für zwei Tage mitführen.

Erster technischer Halt: Das Hellisheiði Geothermiekraftwerk, 20 Minuten östlich der Hauptstadt (Adresse: Hengill, 816 Ölfus). Es ist das drittgrößte Geothermiekraftwerk der Welt. Das Kraftwerk betreibt ein Besucherzentrum mit einer interaktiven Ausstellung zur Nutzung der Erdwärme. In der Ausstellung erfahre ich, wie hier aus 250 °C heißem Thermalwasser aus 2.000 Metern Tiefe Strom und Fernwärme für Reykjavík gewonnen werden. Die Anlage liefert 303 MW elektrische Leistung und 133 MW thermische Leistung. Besonders faszinierend: Die Bohrtechnik muss mit dem aggressiven, mineralhaltigen Wasser zurechtkommen – eine ingenieurstechnische Meisterleistung.

Flora & Fauna des ersten Tages: In der Stadt selbst sieht man kaum wilde Tiere, aber die ersten Islandmöwen (Larus glaucoides) kreisen über den Dächern. Typische Pflanzen an den Straßenrändern sind das Islandmoos (Cetraria islandica) – eine Flechte, kein Moos – und das Löffelkraut (Cochlearia officinalis), das gelbe Blüten trägt.

Übernachtung auf dem Campingplatz Reykjavík (Reykjavík Campsite, Sundahöfn, geöffnet Mai–September, mit Gemeinschaftsküche und Waschmaschinen).


Tag 2: Golden Circle – Die drei Superlative

Der Golden Circle ist eine Schleife östlich von Reykjavík. Der erste Halt: Der Nationalpark Þingvellir. Hier trifft man auf eine geologische Nahtstelle: die Midatlantische Riftzone. Man läuft buchstäblich zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte hindurch. Ein Grabenbruch, der jedes Jahr um etwa 2,5 cm auseinanderweicht. Technisch beeindruckend ist die Vermessung dieser Bewegung mit GPS und Satellitentechnik – Wissenschaftler des Isländischen Meteorologischen Amtes beobachten hier die Plattentektonik in Echtzeit.

Als nächstes der Geysir – von diesem Namen leitet sich der Begriff Geysir für alle heißen Quellen der Welt ab. Heute ist der originale Geysir weitgehend ruhend, aber sein Nachbar Strokkur bricht alle 5–10 Minuten aus und schießt eine Wasserfontäne bis zu 30 Meter hoch. Das zugrundeliegende System ist ein unterirdischer Hohlraum, in dem sich Wasser auf über 100 °C erhitzt, aber nicht verdampfen kann, weil der Druck es daran hindert. Dann kommt es zu einem plötzlichen Druckabfall, und die Dampfexplosion befördert die Wassersäule in die Lüfte.

Der letzte Punkt: Gullfoss („Goldener Wasserfall“). Die Hvítá stürzt hier in zwei Stufen insgesamt 32 Meter tief in eine Schlucht. Technische Nebenbemerkung: In den 1920er Jahren gab es Pläne, den Wasserfall zu einem Wasserkraftwerk umzuleiten. Einheimische, insbesondere die Tochter des Grundbesitzers, Sigríður Tómasdóttir, verhinderten dies – heute ist Gullfoss ein geschütztes Naturdenkmal.

Fauna am Wegesrand: Ich sehe die ersten Islandpferde (Equus ferus caballus) – eine urtümliche Rasse, die seit über 1.000 Jahren rein gezüchtet wird. Sie besitzen einen fünften Gang (Tölt) und sind ungemein trittsicher auf Lavagestein.

Übernachtung auf dem Campingplatz in Selfoss (Selfoss Campsite, geöffnet ganzjährig, mit Stromanschluss).


Tag 3: Südküste – Wasserfälle und schwarze Strände

Heute fahre ich entlang der Südküste. Zuerst der Seljalandsfoss – ein Wasserfall, der 60 Meter tief fällt und hinter dem ein Pfad hindurchführt. Die Gischt macht alles nass – Regenkleidung ist Pflicht. Technisch interessant: Unter dem Wasserfall befindet sich eine Höhle, die durch die erosive Kraft des Wassers stetig größer wird. Wissenschaftler der Universität Island vermessen die Rückwärtsbewegung des Wasserfalls, um die Abtragungsrate zu berechnen (etwa 1–2 cm pro Jahr).

Weiter geht es zum Skógafoss, 25 Meter breit, 60 Meter hoch. An sonnigen Tagen bildet sich fast immer ein Regenbogen. Am Fuß sammeln sich kleine schwarze Lavasteine, glatt geschliffen. Eine Metalltreppe mit 370 Stufen führt auf die Kante – von oben hat man einen grandiosen Blick auf die Küstenebene.

Nun zum eindrucksvollsten Naturschauspiel des Tages: Reynisfjara, der schwarze Sandstrand. Die Wellen des Nordatlantiks brechen hier mit enormer Wucht. Warnungen vor „sneaker waves“ (plötzlichen, weit auflaufenden Wellen) stehen an jedem Parkplatz. Die Basaltsäulen von Reynisfjall sind ein geologisches Wunder: Sie entstanden durch extrem langsame Abkühlung von Lava, die sich in regelmäßige sechseckige Säulen zusammenzieht. In der Nähe erheben sich die Reynisdrangar – drei Felstürme im Meer, von denen die Sage berichtet, dass es sich um versteinerte Trolle handelt.

Fauna am Strand: Papageitaucher (Fratercula arctica, isländisch: Lundi) brüten in den Klippen oberhalb. Ihre farbenprächtigen Schnäbel sieht man am besten von Mai bis August. Ich beobachte, wie sie mit kleinen Fischen im Schnabel in ihre Erdbauten fliegen.

Übernachtung in Vík í Mýrdal auf dem Campingplatz Vík (geöffnet Mai–September, mit Küche und Duschen).


Tag 4: Skaftafell und Gletscherfüße

Heute besuche ich den Vatnajökull-Nationalpark mit dem Gletschervorfeld Skaftafell. Eine geführte Gletscherwanderung führt mich auf die Zunge des Falljökull. Die Ausrüstung: Steigeisen, Pickel, Helm, Seil. Technisch bemerkenswert: Die Bewegung des Eises wird mit GPS-Messpunkten überwacht – der Gletscher schmilzt aufgrund des Klimawandels im Schnitt um 50–100 Meter pro Jahr zurück. Man sieht deutlich die Moränenwälle, die frühere Enden markieren.

Am Nachmittag fahre ich zum Aussichtspunkt Svartifoss – ein Wasserfall, umrahmt von schwarzen Basaltsäulen, die an eine Orgelpfeife erinnern. Die Säulen sind perfekt sechseckig – ein geometrisches Naturphänomen.

Flora: Auf den Lavafeldern um den Gletscher wächst die Zwergbirke (Betula nana), eine der wenigen heimischen Baumarten Islands. Sie wird kaum höher als 50 cm und kriecht über den Boden, um den Winden zu trotzen. Zudem findet man Alpen-Rose (Rhododendron lapponicum) und Wollgras (Eriophorum angustifolium).

Übernachtung in Höfn auf dem Campingplatz Höfn (geöffnet Mai–September, warme Duschen).


Tag 5: Jökulsárlón – Die Gletscherlagune und der Diamantstrand

Frühmorgens erreiche ich die berühmte Jökulsárlón – eine Gletscherlagune, die sich erst in den 1930er Jahren durch das Abschmelzen des Breiðamerkurjökull gebildet hat. Riesige Eisberge kalben von der Gletscherzunge und treiben dann langsam zur Mündung ins Meer. Die Farben changieren zwischen kristallklarem Blau, Weiß und geheimnisvollem Aschegrau – letzteres eingeschlossene Vulkanasche.

Technisch interessant: Seit 2015 wird der Wasserstand der Lagune vom Isländischen Amt für Straßenbau gemessen, da die Eisschmelze den Meeresspiegel lokal beeinflusst. Ein nahegelegenes Forschungszentrum der Universität Island überwacht die Sedimentfracht des Gletscherflusses.

Direkt nebenan liegt der Diamond Beach – der schwarze Sandstrand, auf dem Eissplitter von der Lagune angespült werden. Die frischen Eisbrocken glitzern wie Diamanten.

Fauna: Seehunde (Phoca vitulina) liegen auf kleineren Eisschollen in der Lagune. Ich zähle mindestens fünf. Sie sind scheu, daher Fernglas benutzen.

Übernachtung auf dem Campingplatz in Höfn (gleicher Platz wie Tag 4).


Tag 6: Ostfjorde – Einsamkeit und Rentiere

Die Fahrt durch die Ostfjorde ist geprägt von engen Serpentinen und tief eingeschnittenen Tälern. Die kleine Stadt Djúpivogur ist bekannt für ihre Kunstwerke am Hafen – ein bunter Kontrast zur kargen Umgebung.

Technisches Highlight: Der Almannaskarð-Tunnel, 1981 erbaut, war einer der ersten längeren Tunnel in Island (1,2 km). Er ersetzte eine gefährliche Passstraße. Heute ist die Straße ausgebaut, aber der Tunnel gibt einen Eindruck vom Pioniergeist der isländischen Ingenieure.

Fauna in dieser Region: Hier leben die einzigen freilebenden Rentierherden Islands (Rangifer tarandus), eingeführt im 18. Jahrhundert aus Norwegen. Ich habe Glück und sehe eine Gruppe von etwa 20 Tieren in einem Tal neben der Straße. Die Rentiere haben ein dichtes, fettes Fell, das sie im Winter bis auf -30 °C schützt.

Übernachtung in Egilsstaðir auf dem Campingplatz Egilsstaðir (geöffnet Juni–August, mit Strom- und Wasseranschluss).


Tag 7: Stuðlagil – Die Basaltschlucht

Ein Abstecher zum Stuðlagil Canyon ist ein Muss. Der Fluss Jökla hat sich tief in die Basaltformationen eingeschnitten, und nach dem Bau des Kárahnjúkar-Wasserkraftwerks (mehr dazu später) wurde die Wassermenge reduziert, sodass das grüne Wasser den Blick auf die über 30 Meter hohen, organisch anmutenden Basaltsäulen freigab. Die Säulen sind so regelmäßig, dass sie an ein riesiges Orgelpfeifen-Ensemble erinnern.

Technischer Exkurs: Das Kárahnjúkar-Wasserkraftwerk ist das größte Wasserkraftwerk Islands (690 MW). Es wurde zwischen 2003 und 2009 gebaut, um Energie für das Aluminiumwerk in Reyðarfjörður zu liefern. Das Projekt war höchst umstritten wegen der Überflutung von über 50 km² Hochland mit Stauseen. Die Staumauer (Hálslón) ist mit 193 Metern Höhe die höchste Erddamm-Mauer Europas. Besichtigungen sind nur mit Genehmigung des Betreibers Landsvirkjun möglich, aber von der Schlucht aus sieht man die Auswirkungen.

Flora: An den Canyonrändern wächst Fingerkraut (Potentilla crantzii) mit kleinen gelben Blüten, das extrem anpassungsfähig an die dünnen Böden ist.

Übernachtung in Mývatn auf dem Campingplatz Mývatn (geöffnet Juni–August, in der Nähe der geothermalen Zone).


Tag 8: Mývatn und Hverir – Vulkanlandschaft

Die Region um den See Mývatn ist geothermisch extrem aktiv. Hverir (auch Hverarönd) ist ein Feld mit kochenden Schlammlöchern und dampfenden Fumarolen. Der Geruch nach Schwefelwasserstoff (faule Eier) liegt in der Luft. Die Temperatur unterirdisch erreicht über 200 °C. Technisch wird diese Wärme genutzt – das nahegelegene Krafla-Geothermiekraftwerk (betrieben von Landsvirkjun) produziert 60 MW Strom und 110 MW Fernwärme. Die Bohrung IDDP-2 (tiefste geothermische Bohrung Islands, 4.659 m Tiefe) erreichte Temperaturen über 400 °C – ein Forschungsprojekt der International Continental Scientific Drilling Program.

Weitere Highlights: Der Vítim-Krater (Explosionskrater mit türkisfarbenem See) und die Dimmuborgir („dunkle Burgen“) – bizarre Lavatürme, die aus einer erstarrten Lavasee-Formation entstanden sind.

Fauna: Der Mývatn ist berühmt für seine Enten. Die Ringelente (Aythya collaris) und Pfeifente (Mareca penelope) brüten hier massenhaft. Auch Islandstrandläufer (Calidris canutus) sind zu sehen. Mücken gibt es im Sommer tausende – trotz der Schwefeldämpfe; ein Netz vor dem Gesicht ist empfehlenswert.

Übernachtung auf dem Campingplatz Mývatn (wie Tag 7).


Tag 9: Dettifoss – Der mächtigste Wasserfall Europas

Eine Fahrt auf der Schotterstraße (F864) führt zum Dettifoss. 44 Meter hoch, 100 Meter breit – die Wassermenge beträgt im Sommer bis zu 500 Kubikmeter pro Sekunde. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Der Film Prometheus von Ridley Scott eröffnete hier seine Anfangsszene. Der Wasserfall speist sich aus dem Gletscherfluss Jökulsá á Fjöllum, der sein Wasser vom Vatnajökull bezieht.

Technisch interessant: Die Fließgeschwindigkeit wird vom Isländischen Energieunternehmen Landsvirkjun gemessen, da der Fluss für Wasserkraft genutzt wird. Ein Pegelhaus steht etwa 2 km oberhalb des Falls.

In der Nähe liegen die kleineren Wasserfälle Selfoss (11 Meter hoch, breit gestaffelt) und Hafragilsfoss (27 Meter hoch, eindrucksvolle Schlucht).

Fauna: Am Ufer des Flusses entdeckt ich Eisvögel – eigentlich die Flussuferläufer (Actitis hypoleucos), die ihre Nester in Kiesbänken bauen.

Übernachtung auf dem Campingplatz in Reykjahlíð (am Mývatn, gleicher Platz).


Tag 10: Akureyri – Die Hauptstadt des Nordens

Heute fahre ich nach Akureyri, der zweitgrößten Stadt Islands (etwa 19.000 Einwohner). Die Stadt liegt am Eyjafjörður. Technisches Highlight ist die Akureyrarkirkja (Kirche) mit ihrer markanten Treppe – aber noch interessanter: das Stadtwärmenetz, das vollständig mit Geothermie vom Berg Þeistareykir betrieben wird. Das Fernwärmenetz versorgt 98 % aller Gebäude in Akureyri.

Botanischer Garten Lystigarðurinn: Hier wachsen über 7.000 Pflanzenarten, darunter viele arktische und alpine Gewächse. Eine Besonderheit ist die Island-Mohnblume (Papaver nudicaule ssp. islandicum), die nur in Nordisland heimisch ist.

Fauna: Im Fjord vor Akureyri leben Weißschnauzendelfine (Lagenorhynchus albirostris). Von der Pier aus kann man sie mit etwas Glück beobachten. Ich sehe eine kleine Gruppe von etwa fünf Tieren.

Übernachtung auf dem Campingplatz Akureyri (Hamrar, geöffnet Mai–September, mit Küche, Duschen und Abwasserentsorgung).


Tag 11: Westfjorde – Anreise über die Fähre

Die Westfjorde sind die abgelegenste Region Islands. Die Straße dorthin führt über die Fähre Baldur von Stykkishólmur nach Brjánslaekur (Fährbetrieb von Mai bis September, Überfahrt etwa 2,5 Stunden). Die Fähre transportiert auch Wohnmobile – Buchung unbedingt im Voraus erforderlich.

Während der Überfahrt passiere ich die Breiðafjörður-Bucht, ein flaches Meergebiet mit tausenden Inseln und Schären. Technisch bemerkenswert: Hier gibt es seit 2012 einen Unterwasser-Testfeld für Gezeitenkraftwerke der isländischen Firma ORF (Ocean Renewable Fund). Zwei Turbinen mit je 150 kW testen die Energiegewinnung aus den starken Gezeitenströmen.

Flora & Fauna: In der Bucht leben Seeotter (Lutra lutra) und zahlreiche Seevögel. Eiderenten (Somateria mollissima) sind allgegenwärtig – ihre Daunen werden traditionell gesammelt und zu teuren Bettdecken verarbeitet.

Ankunft in Brjánslaekur und Weiterfahrt zum Campingplatz in Patreksfjörður (einfach, aber mit Strom).


Tag 12: Westfjorde – Látrabjarg und die Papageitaucher

Höhepunkt der Westfjorde ist das Vogelklippen Látrabjarg. Mit 14 km Länge und bis zu 440 Metern Höhe ist es das größte Vogelklippen Europas. Der Zugang erfolgt über eine Schotterstraße (63 km ab Patreksfjörður).

Die Klippen sind ein technisches Meisterwerk der Natur – die Basaltschichten sind nahezu waagerecht abgelagert, was unzählige Nischen für Vögel schafft. Eine Steinsäule (Vikinga-Hríms saga) markiert den westlichsten Punkt Islands – hier steht auch ein alter Leuchtturm von 1948 (heute automatisiert).

Fauna: Millionen von Papageitauchern, Trottellummen (Uria aalge) und Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla) brüten hier. Die Papageitaucher sind extrem zahm – man kann sie aus wenigen Metern Entfernung fotografieren. Sie graben Erdbauten in die weicheren oberen Bodenschichten der Klippen.

Sicherheitswarnung: Die Klippen sind ungesichert, und der Wind ist stark. Todesfälle durch Stürze sind dokumentiert. Man bleibt mindestens 2 Meter vom Rand entfernt.

Übernachtung in Patreksfjörður (Campingplatz mit Blick auf den Fjord).


Tag 13: Westfjorde – Dynjandi-Wasserfall

Dynjandi („der Donnernde“) ist der imposanteste Wasserfall der Westfjorde. Er fällt in einer 100 Meter breiten, fächerförmigen Schleierkaskade über 100 Höhenmeter. Der Zugang ist über die Straße 60 aus dem Süden gut ausgebaut. Ein Wanderweg führt an kleineren Wasserfällen vorbei bis zum Hauptfall.

Technisch ist hier nichts vom Menschen gebaut – reine Naturgewalt. Aber die Straße selbst ist ein technisches Meisterwerk: Die Westfjords Loop Road wurde zwischen 1970 und 1995 ausgebaut und umfasst 39 Tunnel, darunter den Gufudalstunnel (800 m) und den Flateyrartunnel (950 m). Die Tunnel sind teils einspurig mit Ausweichbuchten.

Flora: Die Hänge um Dynjandi sind dichter bewachsen als anderswo in Island. Zwerg-Weide (Salix herbacea) und Isländische Vogelmiere (Cerastium alpinum) bilden Polster.

Übernachtung auf dem Campingplatz Ísafjörður (Hauptort der Westfjorde, gut ausgestattet).


Tag 14: Snæfellsnes – Miniatur-Island

Rückfahrt von den Westfjorden nach Stykkishólmur (mit der Fähre oder über die Landstraße – ich wähle die Landstraße 60, was etwa 8 Stunden dauert). Am Abend erreiche ich die Halbinsel Snæfellsnes, die als „Island im Kleinen“ gilt, denn hier findet man alle Landschaftsformen in einer Region.

Der Snæfellsjökull – ein 1.446 m hoher Gletschervulkan – ist das Zentrum der Halbinsel. Unter dem Gletscher befindet sich ein Magmakammer, die in Jules Vernes Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ als Eingang diente. Technisch wird der Gletscher regelmäßig mit Radarmessungen überwacht; die Eisdicke beträgt bis zu 100 Meter.

Fauna: Am Strand von Ytri Tunga leben Robbenkolonien. Ich sehe etwa 30 Seehunde auf den Felsen sonnen.

Übernachtung auf dem Campingplatz Hellnar (klein, aber direkt am Meer).


Tag 15: Snæfellsnes – Kirkjufell und Arnarstapi

Der berühmteste Berg Islands ist der Kirkjufell („Kirchenberg“), 463 Meter hoch. Seine perfekt symmetrische Form entstand durch Abtragung von weicheren Gesteinsschichten. Der nahegelegene Kirkjufellsfoss bietet die klassische Fotomotivation.

Die Küstenlinie bei Arnarstapi zeigt beeindruckende Basaltformationen: den Gatklettur (ein natürlicher Felsbogen) und die Lóndrangar (zwei 75 Meter hohe Basaltnadeln). Entlang der Klippen führt ein gut ausgebauter Wanderweg von Arnarstapi nach Hellnar (2,5 km).

Technisches Detail: Die Straße 54 entlang der Südküste von Snæfellsnes wurde 2019 neu asphaltiert und ist für Wohnmobile problemlos befahrbar. Es gibt mehrere Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Grundarfjörður (entstanden aus dem EU-Projekt „Green eMotion“).

Flora: In den Lavafeldern der Halbinsel wächst das Felsen-Greiskraut (Senecio vulgaris) sowie das seltene Arktische Sumpfherz (Pinguicula vulgaris), ein fleischfressendes Moos.

Übernachtung in Grundarfjörður (Campingplatz mit Strom).


Tag 16: Borgarfjörður – Europas größte heiße Quelle

Auf dem Rückweg nach Süden komme ich durch Borgarfjörður mit der heißen Quelle Deildartunguhver. Sie ist die stärkste Thermalquelle Europas mit einer Schüttung von 180 Litern pro Sekunde 100 °C heißem Wasser. Das Wasser wird über ein 60 km langes Rohrleitungssystem nach Akranes und Borgarnes geleitet, wo es Häuser und Gewächshäuser beheizt. Die Rohre sind oberirdisch verlegt und gut einsehbar – ein faszinierendes technisches System.

In der Nähe liegt Hraunfossar („Lavawasserfälle“) – eine Reihe von Bächen, die aus einem Lavafeld quellen und in die Hvítá stürzen. Die Hraunfossar entstehen, weil Regenwasser durch poröse Lava sickert und an einer weniger durchlässigen Schicht austritt. Technisch wird die Quellschüttung gemessen, um das Grundwassersystem zu verstehen.

Fauna: In den Flüssen der Region leben Lachse (Salmo salar). Angeln ist genehmigungspflichtig. Ich sehe Forellen im klaren Wasser.

Übernachtung auf dem Campingplatz Borgarnes (geöffnet ganzjährig, mit Küche und Duschen).


Tag 17: Golden Circle erneut – Þingvellir im Detail

Da ich auf der Rückrunde noch einmal an Þingvellir vorbeikomme, nutze ich die Gelegenheit für eine ausführliche Besichtigung. Das Besucherzentrum des Nationalparks zeigt eine Ausstellung über die Plattentektonik und die Geschichte des isländischen Parlaments (Alþingi), das hier 930 n. Chr. gegründet wurde.

Der Oxarárfoss – ein kleinerer Wasserfall im nördlichen Teil des Parks – wird künstlich vom Menschen beeinflusst: Ein alter Damm aus dem 20. Jahrhundert leitet das Wasser des Flusses Oxará in den Grabenbruch; früher floss er in einer anderen Richtung.

Technisches Highlight: Am Parkplatz stehen GPS-Kontrollstationen des Isländischen Nationalen Landvermessungsamtes. Diese messen kontinuierlich die Kontinentaldrift. Eine interaktive Karte im Besucherzentrum zeigt die Bewegungen der letzten 20 Jahre – die nordamerikanische Platte driftet nach Westen, die eurasische nach Osten.

Übernachtung auf dem Campingplatz Laugarvatn (in der Nähe des Golden Circle, mit eigenem heißen Quellenbad).


Tag 18: Reykjadalur – Heißes Flussbad

Nicht weit von Selfoss entfernt liegt Reykjadalur („Räuchertal“). Eine 3 km lange Wanderung (Höhendifferenz 200 m) führt zu einem heißen Fluss, in dem man baden kann. Die Wassertemperatur beträgt 30–40 °C, abhängig von der Stelle. Technisch wird die Wassermenge des Flusses über ein Wehr reguliert, das früher der Bewässerung diente; heute kontrolliert es die Badetemperatur.

Die heißen Quellen im Tal sind Teil des Hengill-Vulkansystems – dasselbe Geothermiefeld wie bei Hellisheiði.

Flora: An den Dampfaustritten wachsen extremophile Moose (Racomitrium lanuginosum) und spezielle Bakterienmatten in Orange- und Rottönen.

Fauna: Im Bach unterhalb der heißen Quellen leben kaum Fische wegen der Temperaturschwankungen. Aber entlang des Pfades entdecke ich Island-Raufußhühner (Lagopus muta) – sie sind im Sommer braun getarnt.

Übernachtung in Selfoss (Campingplatz wie Tag 2).


Tag 19: Reykjavík – Technikmuseum und Hafen

Letzter Tag in der Hauptstadt. Das Íslenska Ljósafræðisafnið (Isländische Museum für Technik und Licht) im Stadtteil Hafnarfjörður zeigt historische Stromerzeuger, die ersten Geothermie-Turbinen von 1930 und eine Sammlung von Radios und Fernsehern. Ein besonderes Exponat: der erste isländische Elektroauto-Prototyp von 1988.

Der Hafen von Reykjavík ist ein Knotenpunkt für die Fischerei. Die Harpa-Konzerthalle (2011) ist ein architektonisches Meisterwerk mit ihrer Glasfassade – die Struktur aus sechseckigen Stahlrahmen wurde mit isländischer Wärmedämmungstechnik entwickelt.

Fauna: Am Hafenbecken tummeln sich Kormorane (Phalacrocorax carbo) und Eissturmvögel (Fulmarus glacialis).

Übernachtung auf dem Campingplatz Reykjavík (wie Tag 1).


Tag 20: Puffer- und Erholungstag

Ich nutze den Tag für eine Fahrt auf die Halbinsel Reykjanes mit dem Gunnuhver – einem dampfenden Schlammloch, das nach einer Sage über eine Geisterfrau benannt ist. Der Reykjanesviti (Leuchtturm von 1908) ist der älteste Leuchtturm Islands. Technische Besonderheit: Der Leuchtturm wurde vollständig aus Eisenguss gefertigt, um dem salzhaltigen Wind zu widerstehen.

Die Brücke Miðlína („Mittellinie“) überspannt die Riftzone – man geht buchstäblich von Amerika nach Europa. Eine Infotafel erklärt die Kontinentaldrift.

Flora: Auf den jungen Lavafeldern (Lavafeld Eldvörp, entstanden um 1200 n. Chr.) wächst das Lavamoos (Rhizocarpon geographicum) – es braucht 100 Jahre, um einen Zentimeter zu wachsen.

Übernachtung auf dem Campingplatz Grindavík (in der Nähe der Blauen Lagune).


Tag 21: Rückgabe und Abreise

Letzter Tag: Das Wohnmobil wird am Flughafen Keflavík zurückgegeben. Vorher Tank voll, Kühlschrank leeren, Abwassertank entleeren – alles laut Mietvertrag Pflicht.

Fazit: Island hat mich mit seiner rohen, ursprünglichen Natur, seinen durchdachten technischen Lösungen und seiner artenreichen, wenn auch rauen Tierwelt begeistert. Die Ringstraße ist eine der schönsten Routen der Welt – und mit dem Wohnmobil die freieste Art, sie zu entdecken.

Quellen

  • Landsvirkjun (isländisches Energieunternehmen): Technische Daten zu Hellisheiði, Krafla und Kárahnjúkar. (https://www.landsvirkjun.com)
  • Orkustofnun (National Energy Authority of Iceland): Geothermal Energy in Iceland, Annual Report 2023.
  • Isländisches Amt für Straßenbau (Vegagerðin): Tunnel- und Straßenverzeichnis Islands.
  • Jóhann Óli Hilmarsson: Vögel Islands – Bestimmungsbuch. Mál og menning, Reykjavík 2018.
  • Ari Trausti Guðmundsson: Island – Vulkane, Gletscher, Geysire. Mál og menning, 2022.
  • Marco Polo Reiseführer Island, 12. Auflage, 2024.
  • Universität Island, Institut für Geowissenschaften: Messdaten zur Gletscherrückgang (veröffentlicht auf https://www.hi.is/en).

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