{"id":1535,"date":"2026-03-04T13:48:22","date_gmt":"2026-03-04T12:48:22","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=1535"},"modified":"2026-03-04T13:48:22","modified_gmt":"2026-03-04T12:48:22","slug":"im-kleingedruckten-eingebaut-die-okonomie-der-gesperrten-sitzheizung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/im-kleingedruckten-eingebaut-die-okonomie-der-gesperrten-sitzheizung\/","title":{"rendered":"Im Kleingedruckten eingebaut: Die \u00d6konomie der gesperrten Sitzheizung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine der merkw\u00fcrdigsten Begegnungen, die man im Neuwagenkauf der Gegenwart haben kann: Das Fahrzeug, das man erwirbt, ist vollst\u00e4ndig ausgestattet. Die Sitzheizung ist verbaut, die Lenkradheizung ist verbaut, das Fernlicht funktioniert einwandfrei. Und doch: Nichts davon geht. Nicht, weil es defekt w\u00e4re, sondern weil es gesperrt ist. Willkommen in der Welt der &#8222;Functions on Demand&#8220;, in der der Autokauf nicht mehr mit der Auslieferung des Fahrzeugs endet, sondern in ein dauerhaftes Gesch\u00e4ftsverh\u00e4ltnis \u00fcbergeht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sitzheizung als Exempel<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Debatte um die nachtr\u00e4glich freischaltbare Sitzheizung ist zum Symbol geworden f\u00fcr einen tiefgreifenden Wandel in der Automobilindustrie. Als BMW 2020 in S\u00fcdkorea erstmals ein Abo-Modell f\u00fcr die Sitzheizung einf\u00fchrte und sp\u00e4ter \u00fcber eine Ausweitung auf andere M\u00e4rkte nachdachte, war die Emp\u00f6rung gro\u00df. Dabei ist das Ph\u00e4nomen keineswegs neu \u2013 neu ist nur, dass es nun auch den privaten Pkw erreicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Logik der Hersteller ist aus industrieller Perspektive nachvollziehbar: Wenn alle Fahrzeuge eines Modells mit der gleichen Hardware vom Band laufen, vereinfacht dies die Produktion enorm. Man muss nicht mehr verschiedene Varianten vorhalten, unterschiedliche Lieferketten managen oder auf individuelle Kundenw\u00fcnsche mit langen Wartezeiten reagieren. Stattdessen produziert man ein Fahrzeug f\u00fcr alle \u2013 und differenziert erst nach dem Kauf per Software.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch was bedeutet dies f\u00fcr den K\u00e4ufer? Er bezahlt, so die Kritik von Verbrauchersch\u00fctzern, doppelt: Einmal anteilig \u00fcber den Kaufpreis f\u00fcr die verbaute Hardware und dann erneut f\u00fcr deren Freischaltung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die historische Dimension: Vom mechanischen zum digitalen Produkt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Gegenwart zu verstehen, lohnt der Blick zur\u00fcck. In den 1980er Jahren begann die Automobilindustrie schrittweise, mechanische durch elektronische Komponenten zu ersetzen. Was mit der Motorelektronik begann, setzte sich \u00fcber ABS und Airbagsteuerger\u00e4te fort. F\u00fcr lange Zeit bedeutete dies jedoch lediglich, dass die Funktionen zuverl\u00e4ssiger und pr\u00e4ziser arbeiteten \u2013 nicht, dass sie nachtr\u00e4glich ver\u00e4ndert werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche Wendepunkt kam mit der Vernetzung. Als Fahrzeuge begannen, Mobilfunkmodule zu erhalten, \u00f6ffnete sich eine T\u00fcr, die sich nicht mehr schlie\u00dfen lie\u00df. Pl\u00f6tzlich konnten Hersteller nicht nur Fehlercodes auslesen, sondern auch direkt ins Fahrzeug eingreifen. Was als Servicegedanke begann \u2013 Software-Updates ohne Werkstattbesuch \u2013 wurde schnell zum Gesch\u00e4ftsmodell.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Automobilindustrie entdeckte, was die Softwarebranche l\u00e4ngst wusste: Ein Produkt, das man verkauft, bringt einmal Geld. Ein Produkt, das man vermietet oder f\u00fcr das man wiederkehrende Zahlungen erh\u00e4lt, bringt immer wieder Geld. In einer Branche, die unter enormem Margendruck steht, ist dies eine verlockende Perspektive.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Hersteller und ihre Strategien im \u00dcberblick<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">BMW: Der R\u00fcckzieher als Lehre<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">BMW erlebte 2022, wie schnell ein gut gemeintes Gesch\u00e4ftsmodell nach hinten losgehen kann. Die Ank\u00fcndigung, die Sitzheizung im Abo anzubieten, f\u00fchrte zu einem Sturm der Entr\u00fcstung. &#8222;Wir haben erkannt, dass dies nicht der richtige Weg war&#8220;, r\u00e4umte ein Sprecher sp\u00e4ter ein. Das Unternehmen zog die Pl\u00e4ne zur\u00fcck \u2013 zumindest f\u00fcr die Sitzheizung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch wer glaubt, BMW habe die Idee der nachtr\u00e4glichen Freischaltung begraben, irrt. Das Unternehmen hat lediglich gelernt, welche Funktionen sich f\u00fcr ein Abo eignen und welche nicht. F\u00fcr den neuen elektrischen BMW iX5 bietet der Hersteller beispielsweise ein &#8222;Driving Assistant Professional&#8220;-Paket an, das per Abo freigeschaltet werden kann. Die Kosten: etwa 29 Euro pro Monat oder 289 Euro f\u00fcr ein Jahr. Die Logik dahinter: Assistenzsysteme sind komplex, sie werden st\u00e4ndig weiterentwickelt und verbessert \u2013 hier kann der Kunde von Updates profitieren. Die Sitzheizung hingegen ist eine triviale Funktion, die sich seit Jahrzehnten nicht ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist auch der Umgang mit Bestandskunden: Wer sein Fahrzeug bereits mit fest verbauter, aber nicht freigeschalteter Sitzheizung gekauft hat, dem bot BMW zeitweise eine dauerhafte Freischaltung f\u00fcr einmalig 350 Euro an \u2013 ein Preis, der immerhin unter den Kosten einer nachtr\u00e4glichen Werkstattnachr\u00fcstung lag.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mercedes-Benz: Die leise Strategie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mercedes-Benz verfolgt einen weniger \u00f6ffentlichkeitswirksamen, aber nicht minder konsequenten Ansatz. \u00dcber das &#8222;Mercedes me&#8220;-Portal k\u00f6nnen Kunden f\u00fcr viele Modelle Funktionen nachbuchen. Die Preisspanne ist enorm: F\u00fcr die Freischaltung der aktiven Spurhalteassistenten im Nachgang werden beispielsweise einmalig 249 Euro f\u00e4llig. Die &#8222;AMG Sound Experience&#8220;, ein spezielles Klangerlebnis f\u00fcr Performance-Modelle, kostet 199 Euro pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bemerkenswert ist das Modell f\u00fcr die Reichweitenverl\u00e4ngerung bei Elektrofahrzeugen. F\u00fcr den EQS bot Mercedes zeitweise ein &#8222;Range&#8220;-Upgrade an, das die nutzbare Batteriekapazit\u00e4t per Software freischaltet. Die Kosten: einmalig 2.900 Euro. Hier wird die Logik des Modells besonders deutlich: Man kauft nicht mehr das Auto, das man haben m\u00f6chte, sondern das Auto, das man sp\u00e4ter freischalten m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Volkswagen: Die Breitenwirkung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Volkswagen hat das Modell der &#8222;Functions on Demand&#8220; in die Breite getragen. Beim ID.3 wird die volle Motorleistung von 228 PS serienm\u00e4\u00dfig nur f\u00fcr den ersten Monat freigeschaltet \u2013 danach muss der Kunde zahlen, wenn er die volle Leistung behalten m\u00f6chte. Einmalig 750 Euro oder j\u00e4hrlich 190 Euro sind die Optionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das eigentliche Novum bei VW ist jedoch die Granularit\u00e4t. Man kann nicht nur gro\u00dfe Pakete buchen, sondern einzelne Funktionen: Die Sprachbedienung &#8222;Hello ID.&#8220; f\u00fcr 69 Euro im Jahr, die Navigation mit Echtzeitdaten f\u00fcr 129 Euro j\u00e4hrlich oder die Fernlichtassistenten f\u00fcr einmalig 259 Euro. Dies erlaubt es dem Kunden, sein Fahrzeug nach und nach an die eigenen Bed\u00fcrfnisse anzupassen \u2013 theoretisch zumindest.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tesla: Der Pionier mit radikaler Linie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tesla hat das Modell des &#8222;Feature-Abos&#8220; nicht erfunden, aber radikalisiert. W\u00e4hrend andere Hersteller noch zwischen Einmalkauf und Abo variieren, hat Tesla f\u00fcr sein &#8222;Full Self-Driving&#8220;-Paket (FSD) angek\u00fcndigt, die Einmalkauf-Option ganz abzuschaffen. In den USA ist dies bereits umgesetzt, f\u00fcr Deutschland steht die Umstellung bevor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kosten f\u00fcr das FSD-Abo liegen in den USA bei 99 Dollar monatlich (etwa 85 Euro). In Australien und Neuseeland wurden Preise von umgerechnet etwa 90-95 Euro kommuniziert. F\u00fcr Deutschland ist mit einem \u00e4hnlichen Preisniveau zu rechnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was viele Tesla-K\u00e4ufer jedoch verunsichert: Wer das FSD-Paket noch gekauft hat (in Deutschland zuletzt 7.500 Euro), muss f\u00fcr zuk\u00fcnftige Hardware-Upgrades m\u00f6glicherweise dennoch zahlen. Als Tesla \u00e4ltere Fahrzeuge mit neuen Kameras nachr\u00fcsten musste, um die FSD-Funktionalit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten, geschah dies auf Kulanz \u2013 ob dies so bleibt, ist ungewiss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die versteckten Kosten und ihre Fallstricke<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Doppelbezahlungsfalle<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Automobilclub von Deutschland (AvD) warnt seit Jahren vor einem Ph\u00e4nomen, das er als &#8222;Doppelbezahlungsfalle&#8220; bezeichnet. Wer ein Fahrzeug kauft, in dem eine Sitzheizung verbaut ist, bezahlt diese Hardware mit. Selbst wenn sie nicht freigeschaltet ist, ist sie Teil des Fahrzeugs und damit Teil des Kaufpreises. &#8222;Der K\u00e4ufer eines Autos erwirbt Eigentum und sollte dieses auch vollumf\u00e4nglich nutzen k\u00f6nnen&#8220;, so ein Sprecher des AvD. &#8222;Ein Auto ist kein digitales Mietmodell.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die rechtliche Lage ist hier komplex. Grunds\u00e4tzlich gilt: Wer eine Sache kauft, erwirbt das Eigentum an ihr. Die Software, die die Funktion steuert, ist jedoch nicht Teil der Sache im engeren Sinne, sondern eine Dienstleistung. Die Gerichte haben hier noch keine klare Linie gefunden. In einem Fall vor dem Landgericht M\u00fcnchen I (Az: 17 O 1183\/22) ging es um die Frage, ob ein Autok\u00e4ufer Anspruch auf die Freischaltung aller verbauten Funktionen hat \u2013 das Verfahren endete mit einem Vergleich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Wertverlust auf dem Gebrauchtmarkt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein bisher wenig beachteter Aspekt betrifft den Wiederverkaufswert. Ein Gebrauchtwagen, dessen Funktionen nur zum Teil freigeschaltet sind, ist weniger wert. Der K\u00e4ufer eines solchen Fahrzeugs steht vor der Wahl: Entweder er akzeptiert die Einschr\u00e4nkungen oder er muss zus\u00e4tzlich zahlen. In der Praxis wird dies dazu f\u00fchren, dass H\u00e4ndler Fahrzeuge mit vollst\u00e4ndig freigeschalteten Funktionen bevorzugen \u2013 oder den Preis entsprechend dr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT), die den j\u00e4hrlichen Gebrauchtwagenmarktbericht erstellt, beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. &#8222;Wir m\u00fcssen neue Bewertungsma\u00dfst\u00e4be entwickeln&#8220;, erkl\u00e4rt ein Analyst. &#8222;Bisher war die Ausstattung eines Fahrzeugs zum Zeitpunkt des Erstverkaufs entscheidend. K\u00fcnftig m\u00fcssen wir m\u00f6glicherweise unterscheiden zwischen dem, was verbaut ist, und dem, was tats\u00e4chlich nutzbar ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Transparenzfalle<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Problem ist die mangelnde Transparenz beim Kauf. Die wenigsten K\u00e4ufer fragen beim Autokauf explizit danach, welche Funktionen sp\u00e4ter kostenpflichtig werden k\u00f6nnten. Die Hersteller sind nicht verpflichtet, darauf hinzuweisen \u2013 schlie\u00dflich handelt es sich um Optionen, nicht um M\u00e4ngel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbraucherzentralen fordern daher eine Kennzeichnungspflicht. &#8222;Wenn ein Fahrzeug mit einer Funktion ausgestattet ist, die nur gegen Aufpreis nutzbar ist, muss dies beim Kauf klar kommuniziert werden&#8220;, so eine Sprecherin des Verbraucherzentrale Bundesverbands. &#8222;Der K\u00e4ufer muss wissen, wof\u00fcr er bezahlt \u2013 und wof\u00fcr nicht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Perspektive der Hersteller: Warum sie das tun<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Sicht der Hersteller gibt es gute Gr\u00fcnde f\u00fcr das Modell. Der wichtigste ist die Kostenersparnis in der Produktion. Wenn alle Fahrzeuge eines Modells identisch sind, kann man sie effizienter fertigen. Die Variantenvielfalt, die bisher die Produktion verteuerte, entf\u00e4llt. Man spart Lagerkosten, vereinfacht die Logistik und kann schneller auf Bestellungen reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt die M\u00f6glichkeit, auch nach dem Verkauf noch Einnahmen zu generieren. In einer Branche, in der die Margen im Neuwagengesch\u00e4ft traditionell gering sind, sind wiederkehrende Einnahmen attraktiv. Sie machen das Gesch\u00e4ft planbarer und unabh\u00e4ngiger von Konjunkturschwankungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Argument betrifft die Nachhaltigkeit. Wenn alle Fahrzeuge die gleiche Hardware haben, m\u00fcssen f\u00fcr unterschiedliche Ausstattungsvarianten keine unterschiedlichen Teile produziert werden. Dies reduziert den Ressourcenverbrauch. Ob dieser Vorteil die Nachteile f\u00fcr die Verbraucher aufwiegt, ist jedoch umstritten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Zukunft: Wohin die Reise geht<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Personalisierung als Versprechen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Argument, das in der Debatte oft untergeht, ist das der Personalisierung. Wer sein Fahrzeug nach und nach mit Funktionen ausstattet, kann es besser an die eigenen Bed\u00fcrfnisse anpassen. Wer nur selten lange Strecken f\u00e4hrt, braucht vielleicht keinen adaptiven Tempomaten \u2013 aber wenn eine l\u00e4ngere Reise ansteht, kann man ihn f\u00fcr einen Monat dazubuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Modell k\u00f6nnte besonders f\u00fcr j\u00fcngere K\u00e4ufer attraktiv sein, die ohnehin an Abo-Modelle gew\u00f6hnt sind. Netflix, Spotify, Adobe Creative Cloud \u2013 die Generation, die mit Streaming und Software-Abos aufgewachsen ist, k\u00f6nnte auch beim Auto weniger Wert auf dauerhaften Besitz legen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Sekund\u00e4rmarkt-Frage<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine spannende Frage ist, ob sich ein Sekund\u00e4rmarkt f\u00fcr freigeschaltete Funktionen entwickeln wird. K\u00f6nnte man k\u00fcnftig gebrauchte Freischaltungen kaufen? Wenn ein Fahrzeug verschrottet wird, was passiert dann mit den Funktionen, die der Besitzer freigeschaltet hat? Sind sie \u00fcbertragbar?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hersteller werden dies vermutlich verhindern \u2013 aus ihrer Sicht w\u00e4re ein Handel mit gebrauchten Freischaltungen nicht w\u00fcnschenswert. Ob sie dies rechtlich durchsetzen k\u00f6nnen, ist eine andere Frage. In der Welt der Softwarelizenzen gibt es durchaus Modelle der \u00dcbertragbarkeit, etwa bei Computerspielen auf Plattformen wie Steam.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die regulatorische Entwicklung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Politik beginnt, das Thema zu erkennen. Auf EU-Ebene gibt es \u00dcberlegungen, klare Regeln f\u00fcr &#8222;Functions on Demand&#8220; zu schaffen. Ein Vorschlag zielt darauf ab, dass Funktionen, die zum Zeitpunkt des Kaufs im Fahrzeug verbaut sind, auch ohne zus\u00e4tzliche Kosten nutzbar sein m\u00fcssen. Ob sich dies durchsetzen l\u00e4sst, ist offen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland hat der Bundesrat eine Initiative gestartet, die mehr Transparenz fordert. Autok\u00e4ufer sollen k\u00fcnftig beim Kauf eine klare Aufstellung erhalten, welche Funktionen im Fahrpreis enthalten sind und welche nur gegen Aufpreis freigeschaltet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Der Preis der Flexibilit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung hin zu freischaltbaren Funktionen ist weder gut noch b\u00f6se \u2013 sie ist eine logische Folge der Digitalisierung. Sie bietet Chancen: mehr Flexibilit\u00e4t f\u00fcr den Kunden, effizientere Produktion f\u00fcr den Hersteller, m\u00f6glicherweise sogar geringere Anschaffungskosten f\u00fcr das Basisfahrzeug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie birgt aber auch Risiken: Intransparenz beim Kauf, Doppelbezahlung, Wertverlust auf dem Gebrauchtmarkt. Der Verbraucher muss k\u00fcnftig genauer hinschauen, was er kauft \u2013 und was er sp\u00e4ter m\u00f6glicherweise noch kaufen muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Debatte um die Sitzheizung ist dabei nur der Anfang. Wenn erst einmal das Lenkrad im Abo kommt oder die Bremsen per Software gedrosselt werden, bis man das &#8222;Performance&#8220;-Paket bucht, werden die Fragen noch grunds\u00e4tzlicher. Wo endet das Auto als Produkt, und wo beginnt es als Dienstleistung? Und wer entscheidet dar\u00fcber \u2013 der Hersteller, der Gesetzgeber oder der Markt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines ist sicher: Die Zeit, in der ein Auto nach dem Kauf unver\u00e4nderlich war, ist vorbei. Was kommt, ist ein Fahrzeug, das sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndert \u2013 mal zum Vorteil des Besitzers, mal zum Vorteil des Herstellers. Die Kunst wird sein, die Balance zu finden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Studien und Fachpublikationen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Institut f\u00fcr Automobilwirtschaft (IfA): &#8222;Digitale Gesch\u00e4ftsmodelle in der Automobilindustrie&#8220;, 2024<\/li>\n\n\n\n<li>Center Automotive Research (CAR): &#8222;Functions on Demand \u2013 Eine Analyse der Verbraucherwahrnehmung&#8220;, Universit\u00e4t Duisburg-Essen, 2025<\/li>\n\n\n\n<li>DAT-Report 2025: &#8222;Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Medienberichte:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Automobilwoche: &#8222;BMW rudert bei Sitzheizung zur\u00fcck&#8220;, 14.03.2023<\/li>\n\n\n\n<li>Frankfurter Allgemeine Zeitung: &#8222;Das Auto im Abo&#8220;, 22.09.2024<\/li>\n\n\n\n<li>S\u00fcddeutsche Zeitung: &#8222;Bezahlen f\u00fcr die eingebaute Leere&#8220;, 07.01.2025<\/li>\n\n\n\n<li>Handelsblatt: &#8222;Mercedes setzt auf digitale Erl\u00f6se&#8220;, 12.11.2024<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Rechtliche Dokumente:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Landgericht M\u00fcnchen I, Az: 17 O 1183\/22 (Verfahren zur Freischaltung verbauter Funktionen)<\/li>\n\n\n\n<li>Bundesratsdrucksache 425\/25: &#8222;Initiative f\u00fcr mehr Transparenz bei digitalen Fahrzeugfunktionen&#8220;<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine der merkw\u00fcrdigsten Begegnungen, die man im Neuwagenkauf der Gegenwart haben kann: Das Fahrzeug, das man erwirbt, ist vollst\u00e4ndig ausgestattet. 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