{"id":1621,"date":"2026-03-06T05:15:33","date_gmt":"2026-03-06T04:15:33","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=1621"},"modified":"2026-03-06T05:15:33","modified_gmt":"2026-03-06T04:15:33","slug":"der-perfekte-fluss-eine-zeitreise-durch-die-geschichte-und-das-potenzial-der-suprafluiditat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-perfekte-fluss-eine-zeitreise-durch-die-geschichte-und-das-potenzial-der-suprafluiditat\/","title":{"rendered":"Der perfekte Fluss: Eine Zeitreise durch die Geschichte und das Potenzial der Suprafluidit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stellen Sie sich eine Fl\u00fcssigkeit vor, die scheinbar jeglichen physikalischen Gesetzen widerspricht. Eine Fl\u00fcssigkeit, die reibungslos flie\u00dft, ohne jemals an Geschwindigkeit zu verlieren. Die, in ein Gef\u00e4\u00df gegeben, eine unsichtbare Barriere \u00fcberwindet und als d\u00fcnner Film an den W\u00e4nden empor- und hinauskriecht. Die W\u00e4rme so gut leitet, dass sie jeden Temperaturunterschied augenblicklich ausgleicht und daher nie zu sieden scheint. Was nach Science-Fiction klingt, ist eine der faszinierendsten Realit\u00e4ten der Tieftemperaturphysik: die Suprafluidit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Zustand der Materie, der nur einen Hauch \u00fcber dem absoluten Nullpunkt existiert, ist weit mehr als eine exotische Laborerscheinung. Er ist ein Fenster in die seltsame Welt der Quantenmechanik im makroskopischen Ma\u00dfstab und birgt Potenziale, die von der Entschl\u00fcsselung der fr\u00fchen Momente unseres Universums bis hin zu hochpr\u00e4zisen Navigationstechnologien der Zukunft reichen. Der folgende Artikel unternimmt eine Zeitreise \u2013 von den ersten r\u00e4tselhaften Beobachtungen \u00fcber die atemberaubenden theoretischen Durchbr\u00fcche des 20. Jahrhunderts bis hin zu den neuesten Experimenten und Anwendungen, die das Erbe des &#8222;perfekten Flusses&#8220; in die Zukunft tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Entdeckung: Ein R\u00e4tsel am Rande des absoluten Nullpunkts<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Suprafluidit\u00e4t beginnt nicht mit einer gezielten Suche, sondern mit einem R\u00e4tsel. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts k\u00e4mpften Physiker darum, die letzten Gase zu verfl\u00fcssigen. Helium, das Edelgas mit dem niedrigsten Siedepunkt, gab dabei das gr\u00f6\u00dfte R\u00e4tsel auf. 1908 gelang es dem niederl\u00e4ndischen Physiker&nbsp;<strong>Heike Kamerlingh Onnes<\/strong>&nbsp;in seinem Labor in Leiden als erstem, Helium zu verfl\u00fcssigen. Er erreichte damit eine neue K\u00e4lte-Epoche und er\u00f6ffnete die M\u00f6glichkeit, Materialeigenschaften bei Temperaturen nur wenige Grad \u00fcber dem absoluten Nullpunkt (0 Kelvin = -273,15\u00b0C) zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch Helium zeigte ein seltsames Doppelleben. Bei weiterer Abk\u00fchlung unter 2,17 Kelvin (-270,98\u00b0C) schien die Fl\u00fcssigkeit einen Phasen\u00fcbergang zu durchlaufen, der mit keinem klassischen Modell erkl\u00e4rbar war. Die Fl\u00fcssigkeit h\u00f6rte auf zu sprudeln. Sie wurde ruhig und still. Onnes und seine Sch\u00fcler beobachteten dieses Ph\u00e4nomen, konnten es aber nicht deuten. Sie waren Zeugen eines neuen Aggregatzustands, ohne es zu wissen. Die eigentliche Entdeckung der Suprafluidit\u00e4t lie\u00df noch auf sich warten, bis Forscher begannen, die Dynamik dieser seltsamen Fl\u00fcssigkeit genauer zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Wende: Kapillaren, Tassen und ein schwebender Effekt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den sp\u00e4ten 1930er Jahren konzentrierten sich mehrere Forschergruppen unabh\u00e4ngig voneinander auf die Eigenschaften von Helium unterhalb von 2,17 Kelvin, das fortan als Helium-II bezeichnet wurde, um es von der &#8222;normalen&#8220; Form (Helium-I) oberhalb dieser Temperatur zu unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pjotr Kapiza<\/strong>&nbsp;in Moskau und&nbsp;<strong>John F. Allen<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Don Misener<\/strong>&nbsp;in Cambridge (Gro\u00dfbritannien) f\u00fchrten entscheidende Experimente mit feinen Kapillaren durch. Sie pressten Helium-II durch enge Spalten und stellten fest, dass es im Gegensatz zu jeder bekannten Fl\u00fcssigkeit&nbsp;<strong>keinerlei messbaren Str\u00f6mungswiderstand<\/strong>&nbsp;zeigte. Es floss, als ob seine Viskosit\u00e4t (Z\u00e4higkeit) vollst\u00e4ndig verschwunden w\u00e4re. Kapiza pr\u00e4gte daf\u00fcr 1938 den Begriff &#8222;Suprafluidit\u00e4t&#8220; \u2013 in Analogie zur Suprafluidit\u00e4t, die Onnes 1911 in Leiden entdeckt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zeitgleich entdeckten Allen und seine Kollegen ein noch verbl\u00fcffenderes Ph\u00e4nomen, das als&nbsp;<strong>thermomechanischer Effekt<\/strong>&nbsp;oder Font\u00e4neneffekt bekannt wurde. Erw\u00e4rmte man einen Teil des Heliums in einem Gef\u00e4\u00df, das mit feinstem Pulver gef\u00fcllt war, so schoss ein Strahl von Helium-II aus einer D\u00fcse empor \u2013 ein echter Font\u00e4neneffekt. Die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr war revolution\u00e4r: W\u00e4rme konnte in Helium-II nicht mehr auf konventionelle Weise transportiert werden. Stattdessen f\u00fchrte jeder Temperaturunterschied zu einer Bewegung der suprafluiden Komponente, was zu diesen scheinbar paradoxen Effekten f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wohl ikonischste Experiment aber ist der &#8222;schwebende Topf&#8220; (auch als &#8222;Rollin-Film&#8220; bekannt). Taucht man ein leeres Gef\u00e4\u00df teilweise in ein Bad aus Helium-II ein, so bildet sich an den W\u00e4nden sofort ein unsichtbarer, nur wenige Atome dicker Film der suprafluiden Komponente. Dieser Film kriecht die Wand hoch, \u00fcber den Rand und wieder hinunter in das \u00e4u\u00dfere Bad \u2013 so lange, bis der Fl\u00fcssigkeitsspiegel innen und au\u00dfen gleich ist. Es scheint, als w\u00fcrde die Fl\u00fcssigkeit der Schwerkraft trotzen, um ihren Weg aus dem Gef\u00e4\u00df zu finden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Theorie: Ein Quantenmakrokosmos<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese beobachteten Ph\u00e4nomene lie\u00dfen sich mit der klassischen Physik nicht erkl\u00e4ren. Die entscheidenden theoretischen Durchbr\u00fcche kamen von zwei der gr\u00f6\u00dften Physiker des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst entwickelten&nbsp;<strong>L\u00e1szl\u00f3 Tisza<\/strong>&nbsp;und sp\u00e4ter, in den 1940er Jahren, der gro\u00dfe sowjetische Physiker&nbsp;<strong>Lew Landau<\/strong>&nbsp;das&nbsp;<strong>Zwei-Fl\u00fcssigkeiten-Modell<\/strong>. Dieses besagt, dass Helium-II als Gemisch aus zwei vollst\u00e4ndig durchdringbaren Komponenten betrachtet werden kann:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Einer\u00a0<strong>suprafluiden Komponente<\/strong>, die keinerlei Viskosit\u00e4t besitzt und keine Entropie (also keine Unordnung\/W\u00e4rme) tr\u00e4gt.<\/li>\n\n\n\n<li>Einer\u00a0<strong>normalen Komponente<\/strong>, die sich wie eine ganz normale, viskose Fl\u00fcssigkeit verh\u00e4lt und die gesamte W\u00e4rmeenergie des Systems enth\u00e4lt.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je tiefer die Temperatur sinkt, desto gr\u00f6\u00dfer wird der Anteil der suprafluiden Komponente, bis bei 0 Kelvin nur noch diese \u00fcbrig ist. Dieses Modell konnte elegant alle bis dahin bekannten Effekte erkl\u00e4ren: Die fehlende Viskosit\u00e4t in Kapillaren, weil die normale Komponente quasi an den W\u00e4nden &#8222;h\u00e4ngen bleibt&#8220;, w\u00e4hrend die suprafluide ungehindert flie\u00dft; und der Font\u00e4neneffekt, weil ein Temperaturunterschied ein Ungleichgewicht der normalen und suprafluiden Komponente erzeugt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch warum verh\u00e4lt sich Helium-II so? Die Antwort liegt in der Quantenmechanik. Helium-4-Atome sind Bosonen. Unterhalb einer kritischen Temperatur (dem Lambda-Punkt) fallen sie alle in den energetisch tiefsten Quantengrundzustand. Es entsteht ein&nbsp;<strong>Bose-Einstein-Kondensat<\/strong>&nbsp;auf makroskopischer Ebene. Die einzelnen Atome verlieren ihre Individualit\u00e4t und verhalten sich wie ein einziges, kollektives &#8222;Superatom&#8220;, das von einer einzigen, koh\u00e4renten Wellenfunktion beschrieben wird. Diese makroskopische Wellenfunktion ist der Schl\u00fcssel zur Suprafluidit\u00e4t: Sie l\u00e4sst sich nicht einfach &#8222;zerst\u00f6ren&#8220; oder abbremsen. Flie\u00dft die Fl\u00fcssigkeit, so flie\u00dft die gesamte Wellenfunktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere faszinierende Vorhersage dieser Theorie ist die&nbsp;<strong>Quantisierung von Wirbeln<\/strong>. Dreht man einen Beh\u00e4lter mit suprafluidem Helium, so rotiert es nicht wie ein normaler Tee. Stattdessen bilden sich unz\u00e4hlige, winzige, quantisierte Wirbel \u2013 jeder mit einem Kern, in dem die suprafluide Dichte auf Null absinkt, und deren Zirkulation nur ein Vielfaches einer fundamentalen Konstanten annehmen kann. Diese Wirbel sind das quantenmechanische \u00c4quivalent zu kosmischen Strings und ein aktives Feld moderner Forschung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von irdischen Quanten zu kosmischen Dimensionen: Forschung heute<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erforschung der Suprafluidit\u00e4t ist l\u00e4ngst nicht abgeschlossen. Moderne Experimente haben neue, komplexere suprafluide Phasen entdeckt, wie zum Beispiel in Helium-3 (ein seltenes Isotop des Heliums), f\u00fcr dessen Theorie&nbsp;<strong>David Lee, Douglas Osheroff und Robert Richardson<\/strong>&nbsp;1996 den Nobelpreis erhielten. Diese Phase ist noch exotischer und zeigt Eigenschaften, die an supraleitende Materialien erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vielleicht spektakul\u00e4rste Entwicklung der letzten Jahre ist jedoch die Schaffung von&nbsp;<strong>suprafluiden Gasen<\/strong>&nbsp;aus stark verd\u00fcnnten atomaren Gasen (wie Rubidium oder Natrium), die in magnetischen oder optischen Fallen auf extrem tiefe Temperaturen gek\u00fchlt werden. Diese sogenannten&nbsp;<strong>Bose-Einstein-Kondensate<\/strong>&nbsp;(f\u00fcr deren erstmalige Erzeugung&nbsp;<strong>Eric Cornell, Carl Wieman und Wolfgang Ketterle<\/strong>&nbsp;2001 den Nobelpreis erhielten) sind viel besser kontrollierbar als fl\u00fcssiges Helium. Sie dienen heute als ideale Modellsysteme, um die Grundlagen der Suprafluidit\u00e4t, die Dynamik quantisierter Wirbel oder den \u00dcbergang zwischen verschiedenen Quantenphasen im Detail zu studieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anwendungen: Vom Gyroskop bis zur Erd\u00f6lsuche<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl es sich um einen exotischen Materiezustand handelt, findet die Suprafluidit\u00e4t bereits heute hochspezialisierte Anwendungen, und ihr Potenzial f\u00fcr die Zukunft ist enorm.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Hochempfindliche Sensoren und Navigation:<\/strong>\u00a0Die quantisierten Wirbel in suprafluidem Helium sind extrem stabil. Ein K\u00f6rper, der in einem suprafluiden Medium rotiert, hinterl\u00e4sst eine &#8222;Signatur&#8220; in Form dieser Wirbel. Dieses Prinzip wird genutzt, um extrem pr\u00e4zise Gyroskope zu bauen. Die NASA und andere Raumfahrtagenturen haben das\u00a0<strong>Superfluid Helium Interferometer<\/strong>\u00a0erforscht, eine Art Quantenkreisel, der Rotationen mit einer bisher unerreichten Genauigkeit messen k\u00f6nnte. Solche Ger\u00e4te w\u00e4ren f\u00fcr die Langzeitnavigation von Raumfahrzeugen ohne GPS oder f\u00fcr Tests von Einsteins Allgemeiner Relativit\u00e4tstheorie von unsch\u00e4tzbarem Wert. Konkret wurde bei der\u00a0<strong>Gravity Probe B<\/strong>-Mission der NASA suprafluides Helium sowohl als K\u00fchlmittel f\u00fcr die supraleitenden Gyroskope als auch als nahezu ersch\u00fctterungsfreie Umgebung genutzt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Grundlagenforschung und Detektoren:<\/strong>\u00a0Die einzigartigen thermodynamischen Eigenschaften von suprafluidem Helium machen es zu einem idealen Detektormaterial f\u00fcr seltene Ereignisse. Gro\u00dfe Tanks mit Helium-II werden in unterirdischen Labors eingesetzt, um nach\u00a0<strong>dunkler Materie<\/strong>\u00a0zu suchen. Die Kollision eines theoretischen WIMP-Teilchens (Weakly Interacting Massive Particle) mit einem Heliumatom w\u00fcrde winzige Temperatur- oder Drucksignaturen im suprafluiden Medium erzeugen, die mit hochempfindlichen Sensoren nachgewiesen werden k\u00f6nnten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Spektroskopie und Quantenoptik:<\/strong>\u00a0Die M\u00f6glichkeit, Verunreinigungen (einzelne Molek\u00fcle oder Atome anderer Stoffe) in suprafluidem Helium zu isolieren, hat ein neues Feld er\u00f6ffnet. Die Molek\u00fcle schweben nahezu frei im Quantenvakuum und k\u00f6nnen mit Lasern mit extrem hoher Pr\u00e4zision untersucht werden. Dies erm\u00f6glicht Einblicke in molekulare Strukturen und Dynamiken, die sonst nicht m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Industrielle Anwendungen (Zukunftsmusik?):<\/strong>\u00a0Die wohl k\u00fchnste, aber spekulativste Idee ist die Nutzung von Suprafluidit\u00e4t zur Katalyse chemischer Prozesse oder sogar zur effizienteren \u00d6lf\u00f6rderung. Die F\u00e4higkeit, durch mikroskopisch kleine Poren zu flie\u00dfen, ohne an Reibung zu verlieren, lie\u00dfe \u00d6l aus scheinbar unzug\u00e4nglichen Gesteinsschichten l\u00f6sen. Die praktischen H\u00fcrden, solche riesigen Mengen einer Fl\u00fcssigkeit auf wenige Kelvin herunterzuk\u00fchlen, sind jedoch derzeit un\u00fcberwindbar.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kontroversen und Zukunft: Die Grenzen des Flusses<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschung ist nicht frei von Kontroversen. Noch immer ist das genaue Verst\u00e4ndnis der Wechselwirkung zwischen der normalen und der suprafluiden Komponente in turbulenten Str\u00f6mungen Gegenstand intensiver Debatten. Die Entstehung und Dynamik von&nbsp;<strong>Quantenturbulenz<\/strong>&nbsp;\u2013 einem Wirbelkn\u00e4uel aus quantisierten Wirbeln, das \u00c4hnlichkeiten mit klassischer Turbulenz, aber eine v\u00f6llig andere mikroskopische Grundlage hat \u2013 ist ein hochaktuelles Forschungsfeld, das Theoretiker und Experimentalphysiker gleicherma\u00dfen herausfordert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zukunft der Suprafluidit\u00e4tsforschung liegt in der weiteren&nbsp;<strong>Miniaturisierung und Kontrolle<\/strong>. Mit ultrakalten Quantengasen lassen sich ma\u00dfgeschneiderte Potentiallandschaften erzeugen, in denen suprafluide Str\u00f6mungen beobachtet und manipuliert werden k\u00f6nnen. Langfristig tr\u00e4umen Physiker von einem &#8222;Quantenmaterial-Design&#8220;, bei dem Materialien mit ma\u00dfgeschneiderten suprafluiden Eigenschaften f\u00fcr spezifische Anwendungen entwickelt werden k\u00f6nnen \u2013 sei es f\u00fcr die verlustfreie Energie\u00fcbertragung (als Pendant zur Supraleitung) oder f\u00fcr v\u00f6llig neue Arten von Quantencomputern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit und Ausblick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entdeckung der Suprafluidit\u00e4t war ein Triumph der experimentellen Kunst und der theoretischen Physik. Was als Kuriosit\u00e4t in den Labors der Tieftemperaturphysiker begann, entpuppte sich als ein fundamentaler Zustand der Materie, der die Grenzen zwischen der Mikrowelt der Quanten und der Makrowelt unseres Alltags einrei\u00dft. Der &#8222;perfekte Fluss&#8220; des suprafluiden Heliums ist mehr als nur eine Fu\u00dfnote in den Lehrb\u00fcchern; er ist ein lebendiges Symbol f\u00fcr die tiefe Ordnung, die unter der scheinbar chaotischen Oberfl\u00e4che unserer Welt verborgen liegt. Von der Entschl\u00fcsselung des fr\u00fchen Universums bis hin zur Navigation von Raumschiffen der Zukunft \u2013 die Reise durch die kalte Welt der Suprafluidit\u00e4t hat gerade erst begonnen und verspricht, unser Verst\u00e4ndnis von Raum, Zeit und Materie noch f\u00fcr viele Generationen von Forschern herauszufordern und zu bereichern.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Allen, J. F., &amp; Misener, A. D. (1938).\u00a0<em>Flow of Liquid Helium II<\/em>. Nature, 142(3597), 643-644.<\/li>\n\n\n\n<li>Kapitza, P. L. (1938).\u00a0<em>Viscosity of Liquid Helium below the \u03bb-Point<\/em>. Nature, 141(3558), 74-74.<\/li>\n\n\n\n<li>Landau, L. D. (1941).\u00a0<em>The Theory of Superfluidity of Helium II<\/em>. Journal of Physics (USSR), 5, 71.<\/li>\n\n\n\n<li>London, F. (1938).\u00a0<em>On the Bose-Einstein Condensation of Helium II<\/em>. Nature, 141(3571), 643-644.<\/li>\n\n\n\n<li>Donnelly, R. J. (1991).\u00a0<em>Quantized Vortices in Helium II<\/em>. Cambridge University Press.<\/li>\n\n\n\n<li>Leggett, A. J. (2006).\u00a0<em>Quantum Liquids: Bose Condensation and Cooper Pairing in Condensed-Matter Systems<\/em>. Oxford University Press.<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/nobelprize.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nobelprize.org<\/a>.\u00a0(1996).\u00a0<em>The Nobel Prize in Physics 1996: David M. Lee, Douglas D. Osheroff, Robert C. Richardson<\/em>. (F\u00fcr die Entdeckung der Suprafluidit\u00e4t in Helium-3).<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/nobelprize.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nobelprize.org<\/a>.\u00a0(2001).\u00a0<em>The Nobel Prize in Physics 2001: Eric A. Cornell, Wolfgang Ketterle, Carl E. Wieman<\/em>. (F\u00fcr die Erzeugung eines Bose-Einstein-Kondensats in verd\u00fcnnten Gasen).<\/li>\n\n\n\n<li>National Aeronautics and Space Administration (NASA). (2004).\u00a0<em>Gravity Probe B: Testing Einstein&#8217;s Universe<\/em>. (Dokumentation zur Mission und Nutzung von suprafluidem Helium).<\/li>\n\n\n\n<li>Barenghi, C. F., &amp; Parker, N. G. (2016).\u00a0<em>A Primer on Quantum Fluids<\/em>. Springer.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Stellen Sie sich eine Fl\u00fcssigkeit vor, die scheinbar jeglichen physikalischen Gesetzen widerspricht. Eine Fl\u00fcssigkeit, die reibungslos flie\u00dft, ohne jemals an Geschwindigkeit zu verlieren. Die, in ein Gef\u00e4\u00df gegeben, eine unsichtbare Barriere \u00fcberwindet und als d\u00fcnner Film an den W\u00e4nden empor- und hinauskriecht. Die W\u00e4rme so gut leitet, dass sie jeden Temperaturunterschied augenblicklich ausgleicht und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,37],"tags":[1034,3052,4123,5379,5653,6770,7021],"class_list":["post-1621","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-kopf-methoden-werkzeuge","category-wissenspeicher","tag-bose-einstein-kondensat","tag-helium-ii","tag-lew-landau","tag-pjotr-kapiza","tag-quantenmechanik","tag-suprafluiditat","tag-tieftemperaturphysik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1621"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1621\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}