{"id":1842,"date":"2026-03-07T12:21:50","date_gmt":"2026-03-07T11:21:50","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=1842"},"modified":"2026-03-07T12:21:50","modified_gmt":"2026-03-07T11:21:50","slug":"die-welt-ray-tomlinson-bbn-und-die-ungeplante-revolution-der-digitalen-post","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-welt-ray-tomlinson-bbn-und-die-ungeplante-revolution-der-digitalen-post\/","title":{"rendered":"Die @-Welt: Ray Tomlinson, BBN und die ungeplante Revolution der digitalen Post"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Erfindungen, die als lauter Knall in die Geschichte eingehen, und solche, die sich leise einschleichen \u2013 fast wie ein Nebenger\u00e4usch des Fortschritts. Die elektronische Post, heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, geh\u00f6rt eindeutig zur zweiten Kategorie. Als im Herbst 1971 ein 30-j\u00e4hriger Elektrotechniker namens Ray Tomlinson in den Labors der Firma Bolt Beranek and Newman Inc. (BBN) in Cambridge, Massachusetts, zwei nebeneinanderstehende Rechner \u00fcber ein drei Meter langes Kabel verband und eine kryptische Testnachricht von einem zum anderen schickte, ahnte niemand, dass hier gerade die Geburtsstunde eines Mediums schlug, das ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter \u00fcber vier Milliarden Menschen miteinander verbinden sollte. Tomlinson selbst war sich der Tragweite nicht bewusst \u2013 im Gegenteil: Als er einem Kollegen seine Spielerei demonstrierte, soll dieser scherzhaft gemurmelt haben: \u201eSag es niemandem! Das ist nicht das, woran wir arbeiten sollen\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raymond_Samuel_Tomlinson\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Anekdote ist mehr als eine nette Randnotiz. Sie verweist auf das Wesen jener fr\u00fchen Jahre der Computernetzwerke: Innovation entstand oft im Vor\u00fcbergehen, als Nebenprodukt eigentlich anderer Auftr\u00e4ge. Tomlinsons Arbeit war kein strategisch geplanter Meilenstein, sondern ein Hack \u2013 im urspr\u00fcnglichen Sinne des Wortes eine elegante, pfiffige Probleml\u00f6sung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/ray-tomlinson-als-mister-die-e-mail-erfand-1.2895744?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Umso erstaunlicher ist es, dass diese L\u00f6sung so perfekt war, dass wir sie in ihren Grundz\u00fcgen bis heute verwenden: Nutzername, gefolgt vom @-Zeichen, gefolgt vom Rechnernamen. Eine Architektur, die \u00e4lter ist als das Internet selbst, und dennoch jeden Tag milliardenfach funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Werkbank der Revolution: Bolt Beranek and Newman<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, warum ausgerechnet ein Mitarbeiter von BBN die E-Mail erfand, muss man dieses Unternehmen genauer betrachten. BBN war kein klassischer IT-Konzern, sondern ein Unikum der amerikanischen Forschungslandschaft. Gegr\u00fcndet 1948 von zwei MIT-Professoren, Leo Beranek und Richard Bolt, sowie deren Studenten Robert Newman, war die Firma zun\u00e4chst auf Akustik spezialisiert \u2013 sie beriet etwa beim Bau des UN-Hauptquartiers in New York&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/ray-tomlinson-als-mister-die-e-mail-erfand-1.2895744?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Doch in den 1960er Jahren \u00f6ffnete sich BBN immer mehr der aufstrebenden Computerwissenschaft. Die N\u00e4he zum Massachusetts Institute of Technology (MIT) war nicht nur geografischer Natur; BBN galt bald als eine Art verl\u00e4ngerter Arm des MIT, als \u201edritte Universit\u00e4t\u201c von Cambridge, die mit Harvard und dem MIT um die kl\u00fcgsten K\u00f6pfe konkurrierte&nbsp;<a href=\"https:\/\/wapbaike.baidu.com\/item\/BBN%E7%A7%91%E6%8A%80%E5%85%AC%E5%8F%B8\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Moment kam 1968, als die Advanced Research Projects Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums einen Auftrag vergab, der die Welt ver\u00e4ndern sollte: den Aufbau des Arpanet, des ersten paketvermittelten Computernetzwerks und direkten Vorg\u00e4ngers des Internets. BBN erhielt den Zuschlag und baute die ersten Interface Message Processors (IMPs) \u2013 die Urgro\u00dfv\u00e4ter der heutigen Router&nbsp;<a href=\"https:\/\/wapbaike.baidu.com\/item\/BBN%E7%A7%91%E6%8A%80%E5%85%AC%E5%8F%B8\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In diesem Umfeld, wo Grundlagenforschung auf milit\u00e4rische Pragmatik traf, war Ray Tomlinson ein typischer Vertreter seiner Zunft. Nach seinem Elektrotechnik-Studium am Rensselaer Polytechnic Institute und einem Master am MIT heuerte er 1967 bei BBN an. Sein Job war es, an Betriebssystemen, Netzwerkprotokollen und der Frage zu t\u00fcfteln, wie man Computer besser miteinander reden lassen k\u00f6nnte&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raymond_Samuel_Tomlinson\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.mailjet.com\/de\/blog\/email\/die-erfindung-der-email\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Geburtsstunde: SNDMSG, CPYNET und ein Zufallsfund auf der Tastatur<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die technische Ausgangslage war denkbar einfach. Zu jener Zeit gab es auf Gro\u00dfrechnern bereits eine Funktion namens SNDMSG (\u201eSend Message\u201c), mit der Nutzer desselben Computers kurze Nachrichten in den Verzeichnissen anderer Nutzer hinterlegen konnten \u2013 eine Art digitaler Zettelkasten f\u00fcr den lokalen Gebrauch. Parallel dazu arbeitete Tomlinson an einem Experiment mit dem Namen CPYNET, einem Protokoll, das es erlaubte, Dateien zwischen verschiedenen, \u00fcber das Arpanet verbundenen Rechnern zu verschieben&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raymond_Samuel_Tomlinson\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.mailstore.com\/de\/blog\/geschichte-der-e-mail\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, die Tomlinson kam, war naheliegend und genial zugleich: Was passiert, wenn man SNDMSG und CPYNET kombiniert? Wenn man also die Nachricht, die lokal f\u00fcr einen Benutzer bestimmt ist, als Datei behandelt und diese Datei mit CPYNET auf einen anderen Rechner \u00fcbertr\u00e4gt? Es war die Fusion zweier simpler Werkzeuge zu etwas v\u00f6llig Neuem \u2013 einem system\u00fcbergreifenden Nachrichtendienst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch es gab ein Problem: Wie adressiert man eine solche Nachricht eindeutig? Tomlinson brauchte ein Trennzeichen zwischen dem Namen der Person und dem Namen des Zielrechners. Er suchte die Tastatur nach einem Zeichen ab, das weder in Personennamen noch in Rechnernamen vorkam und dennoch allgemein verst\u00e4ndlich war. Seine Wahl fiel auf das kuriose @, den \u201eKlammeraffen\u201c. \u201eEs machte einfach Sinn\u201c, erkl\u00e4rte er sp\u00e4ter. \u201eDas @-Zeichen stand f\u00fcr \u201aat\u2018 (zu, bei). Also: Nutzer bei Rechner\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/vermischtes\/article207129585\/Ray-Tomlinson-Erfinder-der-E-Mail-mit-Zeichen-ist-tot.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Kaufm\u00e4nnisch war das Zeichen seit Jahrhunderten in Gebrauch \u2013 als Abk\u00fcrzung f\u00fcr \u201ezu je\u201c oder \u201ezum Preis von\u201c \u2013 aber f\u00fcr die elektronische Kommunikation war es die perfekte, neutrale Klammer&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mailjet.com\/de\/blog\/email\/die-erfindung-der-email\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Nachricht, die so verschickt wurde, war unspektakul\u00e4r. Tomlinson selbst konnte sich nie an den genauen Wortlaut erinnern. Er vermutete, es sei ein sinnloser Test gewesen, vielleicht \u201eQWERTYUIOP\u201c \u2013 die erste Reihe der englischen Tastatur&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/vermischtes\/article207129585\/Ray-Tomlinson-Erfinder-der-E-Mail-mit-Zeichen-ist-tot.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.krone.at\/499500\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Wichtig war nicht der Inhalt, sondern der Vorgang: Zum ersten Mal in der Geschichte wanderte eine Botschaft von Mensch zu Mensch durch ein Computernetzwerk, ohne dass Sender und Empf\u00e4nger zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein mussten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von der Spielerei zum Standard: Die fr\u00fchen Jahre der E-Mail<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach diesem ersten Versuch war Tomlinson selbst \u00fcberrascht, wie gut es funktionierte. Er schrieb das Programm um, verfeinerte es und stellte es seinen Kollegen vor. Die Reaktion war, wie eingangs geschildert, verhalten \u2013 schlie\u00dflich war man bei BBN eigentlich mit dem Aufbau des Arpanet besch\u00e4ftigt, nicht mit der Entwicklung von Kommunikationsspielereien. Doch das \u00e4nderte sich schnell. Innerhalb weniger Jahre wurde die E-Mail zur Killer-Applikation des Arpanet. Der Chef des Netzwerks, Stephen Lukasik, stellte trocken fest, dass der Datenverkehr, der f\u00fcr die Forschung gedacht war, bald von der schieren Masse privater und halbprivater Nachrichten \u00fcberlagert wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elektronikpraxis.de\/evolution-der-email-geschichte-und-zukunft-a-fcaf9c082ff282bcc24a342c039ac18a\/?print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste E-Mail-Software war noch rein textbasiert und alles andere als benutzerfreundlich. 1973 wurden erste Standards entwickelt, die Funktionen wie \u201eVon\u201c, \u201eAn\u201c und \u201eWeiterleiten\u201c definierten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mailstore.com\/de\/blog\/geschichte-der-e-mail\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. 1976 nutzte die britische K\u00f6nigin Elisabeth II. das Arpanet, um eine Nachricht zu verschicken \u2013 der erste gekr\u00f6nte E-Mailer der Geschichte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mailstore.com\/de\/blog\/geschichte-der-e-mail\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Und schon 1978 wurde die erste Spam-Mail versendet: Ein Marketing-Manager der Firma Digital Equipment Corporation schickte eine Einladung zu einer Produktpr\u00e4sentation an 400 Arpanet-Nutzer&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mailstore.com\/de\/blog\/geschichte-der-e-mail\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Spam war geboren, noch bevor das Internet \u00fcberhaupt \u00f6ffentlich war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein entscheidender Schritt zur universellen Nutzbarkeit war die Einf\u00fchrung des Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) im Jahr 1982. Dieses Protokoll standardisierte den Versand von E-Mails und erm\u00f6glichte den Austausch nicht nur innerhalb eines Netzwerks, sondern zwischen verschiedenen Netzwerken&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elektronikpraxis.de\/evolution-der-email-geschichte-und-zukunft-a-fcaf9c082ff282bcc24a342c039ac18a\/?print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Arpanet wurde abgel\u00f6st, das Internet entstand, und SMTP wurde zu seinem R\u00fcckgrat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der lange Weg nach Deutschland: 3. August 1984<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend in den USA die E-Mail bereits in den 1970er Jahren unter Forschern und Milit\u00e4rs zirkulierte, dauerte es bis Mitte der 1980er Jahre, bis sie den Atlantik in nennenswertem Umfang \u00fcberquerte. Das erste offizielle E-Mail in Deutschland ist auf den 3. August 1984 datiert \u2013 ein Datum, das in die Annalen der deutschen Technikgeschichte eingegangen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Empfangen wurde die Nachricht an der Universit\u00e4t Karlsruhe von Michael Rotert, einem Mitarbeiter von Professor Werner Zorn. Die Adresse: rotert@germany. Absenderin war Laura Breeden vom CSNET Koordinations- und Informationszentrum, das ebenfalls bei BBN in Boston angesiedelt war&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elektronikpraxis.de\/evolution-der-email-geschichte-und-zukunft-a-fcaf9c082ff282bcc24a342c039ac18a\/?print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.mailjet.com\/de\/blog\/email\/die-erfindung-der-email\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Inhalt war eine schlichte Begr\u00fc\u00dfung: \u201eThis is your official welcome to CSNET. We are glad to have you aboard\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elektronikpraxis.de\/evolution-der-email-geschichte-und-zukunft-a-fcaf9c082ff282bcc24a342c039ac18a\/?print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Zuvor mussten sich deutsche Forscher noch per Telefon in amerikanische Rechner einw\u00e4hlen \u2013 die erste E-Mail markierte den \u00dcbergang zu einer eigenst\u00e4ndigen, vernetzten deutschen Internet-Infrastruktur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst 1987 wurde mit der Gr\u00fcndung der Stiftung Switch in der Schweiz eine vergleichbare Institution geschaffen, die Internetadressen mit der Endung \u201e.ch\u201c verwaltete. In der Schweiz setzte sich das Internet langsamer durch \u2013 das erste E-Mail ist dort nicht exakt datiert, aber es d\u00fcrfte \u00fcber einen der fr\u00fchen Switch-Server gelaufen sein&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.limmattalerzeitung.ch\/leben\/rueckblick-wie-ray-tomlinson-das-zeichen-erfand-ld.2107044\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Kontroverse um die Erfindung: Wer war zuerst?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So eindeutig die Fachwelt Ray Tomlinson als Erfinder der elektronischen Nachrichten\u00fcbermittlung zwischen verschiedenen Rechnern ansieht, so sehr gibt es doch eine Nebenlinie der Geschichtsschreibung, die einen anderen Namen ins Spiel bringt: Shiva Ayyadurai. Der in Indien geborene US-Wissenschaftler behauptet, 1978 als 14-J\u00e4hriger ein Programm namens \u201eEMAIL\u201c geschrieben und damit die E-Mail erfunden zu haben&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.limmattalerzeitung.ch\/leben\/rueckblick-wie-ray-tomlinson-das-zeichen-erfand-ld.2107044\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Behauptung h\u00e4lt einer fachlichen \u00dcberpr\u00fcfung jedoch nicht stand. Ayyadurai entwickelte an der University of Medicine and Dentistry of New Jersey ein elektronisches Postfach-System f\u00fcr die interne Nutzung \u2013 eine Art digitales B\u00fcro-System. Er pr\u00e4gte den Begriff \u201eEMAIL\u201c als Marke oder Programmnamen, aber das grundlegende Prinzip des Versendens von Nachrichten zwischen verschiedenen Computern \u00fcber ein Netzwerk hatte Tomlinson bereits sieben Jahre zuvor realisiert. Juri Jaquemet vom Museum f\u00fcr Kommunikation in Bern bringt es auf den Punkt: \u201eDer Name des Erfinders unterscheidet sich oft von Land zu Land, je nach Geschichtsschreibung. Oft geht der mit der gr\u00f6\u00dften Marketing-Begabung in die Geschichtsb\u00fccher ein\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.limmattalerzeitung.ch\/leben\/rueckblick-wie-ray-tomlinson-das-zeichen-erfand-ld.2107044\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Tomlinson selbst vermied solche Debatten zeitlebens; er sah sich nicht als gro\u00dfer Erfinder, sondern als jemand, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ein paar richtige Entscheidungen traf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das @-Zeichen: Vom Handelsgut zum Weltkulturerbe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Symbol ist so sehr mit der digitalen Kommunikation verbunden wie der \u201eKlammeraffe\u201c. Dabei blickt das @ auf eine lange, vor-digitale Geschichte zur\u00fcck. Es entstand als Ligatur \u2013 eine typografische Verschmelzung \u2013 des lateinischen \u201ead\u201c (\u201ezu\u201c oder \u201ebei\u201c)&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mailjet.com\/de\/blog\/email\/die-erfindung-der-email\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Venezianische H\u00e4ndler nutzten es im 16. Jahrhundert als Abk\u00fcrzung f\u00fcr Amphore, ein Ma\u00dfgef\u00e4\u00df. Sp\u00e4ter, im 19. Jahrhundert, fand es sich auf englischen M\u00e4rkten als Symbol f\u00fcr den Einzelpreis: \u201e10 apples @ 10 pence\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mailjet.com\/de\/blog\/email\/die-erfindung-der-email\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/vermischtes\/article207129585\/Ray-Tomlinson-Erfinder-der-E-Mail-mit-Zeichen-ist-tot.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass es \u00fcberhaupt auf der Computertastatur landete, verdankte es seiner Aufnahme in den ASCII-Zeichensatz, der wiederum auf den Tastaturen der Fernschreiber und fr\u00fchen Schreibmaschinen basierte. Als Tomlinson es 1971 zum Retter in der Not erkor, war es ein unscheinbares Zeichen am Rande des Wahrnehmbaren. Heute ist es ein globales Icon. 2010 nahm das Museum of Modern Art in New York (MoMA) das @-Zeichen in seine Sammlung auf \u2013 als Exponat, das die Verschmelzung von Kommerz, Technik und Alltagskultur symbolisiert&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/ray-tomlinson-als-mister-die-e-mail-erfand-1.2895744?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.mailjet.com\/de\/blog\/email\/die-erfindung-der-email\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die unerwarteten Folgen: Vom Arbeitserleichterer zum Lebensbegleiter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ray Tomlinson selbst hat die Entwicklung seiner Erfindung stets mit einer Mischung aus Stolz und Distanz verfolgt. Er arbeitete zeitlebens f\u00fcr BBN \u2013 das Unternehmen wurde sp\u00e4ter von GTE und dann von Raytheon \u00fcbernommen, aber Tomlinson blieb. Sein B\u00fcro lag nur wenige Stockwerke \u00fcber der Baracke, in der er 1971 die erste Mail verschickt hatte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/ray-tomlinson-als-mister-die-e-mail-erfand-1.2895744?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Als man ihn fragte, wie viele E-Mails er selbst denn so bekomme, antwortete er trocken: keine 200 am Tag, die H\u00e4lfte Werbung, 14 w\u00fcrden beantwortet \u2013 Durchschnitt eben&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/ray-tomlinson-als-mister-die-e-mail-erfand-1.2895744?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Bescheidenheit war charakteristisch. Er wurde nicht reich mit seiner Erfindung \u2013 Patente auf Software waren in den 1970er Jahren un\u00fcblich, und BBN beanspruchte die Rechte f\u00fcr sich. Dennoch erhielt er hohe Auszeichnungen, darunter 2009 gemeinsam mit Handy-Erfinder Martin Cooper den Prinz-von-Asturien-Preis&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raymond_Samuel_Tomlinson\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Als er am 5. M\u00e4rz 2016 im Alter von 74 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts starb, w\u00fcrdigte ihn die Fachwelt als einen der stillen Giganten des digitalen Zeitalters&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raymond_Samuel_Tomlinson\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.krone.at\/499500\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahlen geben ihm recht: 2022 wurden weltweit t\u00e4glich \u00fcber 333 Milliarden E-Mails verschickt, f\u00fcr 2026 wird ein Anstieg auf \u00fcber 392 Milliarden erwartet&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elektronikpraxis.de\/evolution-der-email-geschichte-und-zukunft-a-fcaf9c082ff282bcc24a342c039ac18a\/?print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.mailstore.com\/de\/blog\/geschichte-der-e-mail\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Mehr als 4,3 Milliarden Menschen nutzen E-Mail, und 75 Prozent aller Angestellten bevorzugen sie als Kommunikationsmittel&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.mailstore.com\/de\/blog\/geschichte-der-e-mail\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dass diese Zahlen in Zeiten von Slack, WhatsApp und Teams-Kan\u00e4len leicht r\u00fcckl\u00e4ufig sein k\u00f6nnten, tut der Bedeutung keinen Abbruch. Die E-Mail ist das Fundament, auf dem die gesamte digitale Korrespondenz ruht \u2013 das offene, dezentrale System, das keinen zentralen Anbieter braucht und jeden Nutzer erreicht, egal ob bei Gmail, GMX oder auf dem eigenen Server.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick: Das Ende einer \u00c4ra oder der Anfang einer neuen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte argumentieren, dass die E-Mail als Medium l\u00e4ngst in die Jahre gekommen ist. Sie ist unsicher, anf\u00e4llig f\u00fcr Phishing, oft \u00fcberladen mit Spam und im Vergleich zu Instant Messaging langsam. Dennoch: Kein anderer Dienst hat ihre Reichweite, ihre Standardisierung, ihre Schlichtheit. W\u00e4hrend soziale Netzze kommen und gehen, bleibt die E-Mail die universelle digitale Identit\u00e4t \u2013 die eine Adresse, die man beh\u00e4lt, auch wenn man den Messenger wechselt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ray Tomlinsons Erfindung war eine Erm\u00f6glichungstechnologie. Sie hat nicht nur die Art ver\u00e4ndert, wie wir kommunizieren, sondern auch die Art, wie wir arbeiten, lieben, streiten und Gesch\u00e4fte machen. Die E-Mail war das erste soziale Netzwerk, lange bevor es diesen Begriff gab. Und sie war der Beweis daf\u00fcr, dass die gr\u00f6\u00dften Innovationen oft jene sind, die niemand kommen sieht \u2013 ein Hack in einer Baracke, ein @-Zeichen auf einer verstaubten Tastatur und die Idee, dass zwei Rechner mehr sind als die Summe ihrer Teile.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tomlinson selbst brachte es auf die Formel, die sein Lebenswerk am besten beschreibt: \u201eDas Netz hat die Menschen nicht intelligenter gemacht, es gibt ihnen nur mehr Zugriff auf Informationen\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/ray-tomlinson-als-mister-die-e-mail-erfand-1.2895744?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In diesem Satz liegt beides: die Verhei\u00dfung und die B\u00fcrde der digitalen Post. Sie ist Werkzeug, nicht Heilsbringer. Aber als Werkzeug ist sie nahezu perfekt \u2013 und das seit \u00fcber 50 Jahren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von DerSchneider Es gibt Erfindungen, die als lauter Knall in die Geschichte eingehen, und solche, die sich leise einschleichen \u2013 fast wie ein Nebenger\u00e4usch des Fortschritts. Die elektronische Post, heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, geh\u00f6rt eindeutig zur zweiten Kategorie. Als im Herbst 1971 ein 30-j\u00e4hriger Elektrotechniker namens Ray Tomlinson in den Labors der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41,17,19,32],"tags":[173,566,811,1856,3389,5721],"class_list":["post-1842","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-digitalkultur","category-im-herz","category-im-ruckspiegel","category-techarchaologie","tag-zeichen","tag-arpanet","tag-bbn-technologies","tag-e-mail-erfindung","tag-internetgeschichte","tag-ray-tomlinson"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1842","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1842"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1842\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1842"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1842"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1842"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}