{"id":1962,"date":"2026-03-11T17:34:49","date_gmt":"2026-03-11T16:34:49","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=1962"},"modified":"2026-03-11T17:34:49","modified_gmt":"2026-03-11T16:34:49","slug":"mn%e2%82%82o%e2%82%87-das-grune-ol-des-teufels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/mn%e2%82%82o%e2%82%87-das-grune-ol-des-teufels\/","title":{"rendered":"Mn\u2082O\u2087 \u2013 Das gr\u00fcne \u00d6l des Teufels"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Spritze Konzentrierte Schwefels\u00e4ure, ein paar Kristalle Kaliumpermanganat \u2013 und aus dem Reagenzglas tropft eine gr\u00fcnschillernde, \u00f6lige Fl\u00fcssigkeit. Sie sieht verf\u00fchrerisch aus, riecht scharf nach Ozon und birgt eine derart explosive Natur, dass selbst erfahrene Chemiker ihr mit Respekt begegnen. Die Rede ist von Mangan(VII)-oxid, Mn\u2082O\u2087. Kaum eine andere anorganische Verbindung verk\u00f6rpert das Janusgesicht der Chemie so eindrucksvoll: \u00e4sthetisch sch\u00f6n und zugleich hochgef\u00e4hrlich, wissenschaftlich fundamental und praktisch irrelevant. Ein Portr\u00e4t einer Substanz, die man besser bewundert als ber\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Molek\u00fcl im Spiegel seiner Geschichte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entdeckung von Mn\u2082O\u2087 f\u00e4llt in eine Zeit, in der die Chemie sich gerade anschickte, von einer beschreibenden zu einer erkl\u00e4renden Wissenschaft zu werden. 1860 beschrieb der Forscher H. Aschoff erstmals systematisch die Zusammensetzung und Eigenschaften der &#8222;Uebermangans\u00e4ure&#8220; und ihres Anhydrids&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.feuerwehr-sasbach.de\/wiki\/Mangan(VII)-oxid\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es war die \u00c4ra der gro\u00dfen Systematisierer, in der Mendeleev sein Periodensystem entwickelte und Chemiker begannen, Stoffgruppen nach gemeinsamen Prinzipien zu ordnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbindung f\u00fcgte sich nahtlos in eine kleine Familie ein: die Sesquioxide der siebten Nebengruppe. Technetium(VII)-oxid (Tc\u2082O\u2087) und Rhenium(VII)-oxid (Re\u2082O\u2087) teilen die grundlegende Struktur, doch w\u00e4hrend das radioaktive Technetium ebenfalls molekularen Charakter zeigt und das Rheniumoxid im Festk\u00f6rper vernetzt ist, bleibt Mn\u2082O\u2087 der Sonderling&nbsp;<a href=\"https:\/\/webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca\/web\/20060913000000\/http:\/\/en.wikipedia.org:80\/wiki\/Manganese(VII)_oxide\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es ist das fl\u00fcchtigste, das reaktivste \u2013 und das einzige, bei dem man schon beim Ansetzen instinktiv einen Schritt zur\u00fccktritt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Architektur der Instabilit\u00e4t<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was macht dieses Molek\u00fcl so besonders? Die Antwort liegt in seiner Struktur. Mn\u2082O\u2087 kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und besteht aus zwei tetraedrischen MnO\u2084-Einheiten, die \u00fcber ein gemeinsames Sauerstoffatom verbunden sind \u2013 eine typische &#8222;Eckenverkn\u00fcpfung&#8220;, wie man sie auch von Dichromaten oder Pyrosulfaten kennt&nbsp;<a href=\"http:\/\/archive.nstl.gov.cn\/Archives\/browse.do?action=viewDetail&amp;articleID=d6dbf801f7780a64&amp;navig=9565bcbb40dbfbe9&amp;navigator=category&amp;flag=null&amp;subjectCode=null&amp;searchfrom=null\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Strukturformel lautet daher pr\u00e4zise O\u2083Mn\u2013O\u2013MnO\u2083.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Bindungsl\u00e4ngen verraten die Spannung im System. Die terminalen Mn\u2013O-Abst\u00e4nde betragen 158,5 pm, w\u00e4hrend die Br\u00fcckenbindung mit 177 pm deutlich l\u00e4nger ist&nbsp;<a href=\"https:\/\/zh.wikipedia.org\/zh-cn\/%E4%B8%83%E6%B0%A7%E5%8C%96%E4%BA%8C%E9%94%B0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.feuerwehr-sasbach.de\/wiki\/Mangan(VII)-oxid\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Mn\u2013O\u2013Mn-Winkel von 120,7\u00b0 weicht zudem von der idealen Tetraedergeometrie ab&nbsp;<a href=\"http:\/\/archive.nstl.gov.cn\/Archives\/browse.do?action=viewDetail&amp;articleID=d6dbf801f7780a64&amp;navig=9565bcbb40dbfbe9&amp;navigator=category&amp;flag=null&amp;subjectCode=null&amp;searchfrom=null\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Verzerrung ist Ausdruck eines hochgespannten Molek\u00fcls, das nur darauf wartet, sich zu entladen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im festen Zustand sind die Molek\u00fcle so gepackt, dass die Sauerstoffatome eine kubisch dichteste Kugelpackung bilden \u2013 eine Struktur, die an den Anti-CaF\u2082-Typ erinnert&nbsp;<a href=\"http:\/\/archive.nstl.gov.cn\/Archives\/browse.do?action=viewDetail&amp;articleID=d6dbf801f7780a64&amp;navig=9565bcbb40dbfbe9&amp;navigator=category&amp;flag=null&amp;subjectCode=null&amp;searchfrom=null\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Doch bei Raumtemperatur liegt Mn\u2082O\u2087 bereits als gr\u00fcnes \u00d6l vor; der Schmelzpunkt liegt bei lediglich 5,9 \u00b0C&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.chemeurope.com\/en\/encyclopedia\/Manganese(VII)_oxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es ist eine fl\u00fcssige Sprengkraft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Darstellung: Ein Tanz auf dem Vulkan<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Synthese von Mn\u2082O\u2087 ist denkbar einfach \u2013 und genau darin liegt die Gefahr. Man unterschichtet fein gepulvertes Kaliumpermanganat (KMnO\u2084) mit eisgek\u00fchlter konzentrierter Schwefels\u00e4ure. Zun\u00e4chst entsteht Permangans\u00e4ure (HMnO\u2084), die sofort Wasser abspaltet und zum Anhydrid Mn\u2082O\u2087 weiterreagiert&nbsp;<a href=\"https:\/\/zh.wikipedia.org\/zh-cn\/%E4%B8%83%E6%B0%A7%E5%8C%96%E4%BA%8C%E9%94%B0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2 KMnO\u2084 + 2 H\u2082SO\u2084 \u2192 Mn\u2082O\u2087 + H\u2082O + 2 KHSO\u2084<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reaktion ist tr\u00fcgerisch harmlos. Tropfen f\u00fcr Tropfen bildet sich ein dunkles \u00d6l, das bei genauem Hinsehen im Auflicht gr\u00fcn metallic schimmert und im Durchlicht tiefrot erscheint&nbsp;<a href=\"https:\/\/wiki.aalto.fi\/pages\/viewpage.action?pageId=207656598&amp;navigatingVersions=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Jede Ersch\u00fctterung, jede lokale \u00dcberhitzung, jeder Kontakt mit organischem Material kann zur Detonation f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Literatur ist voll von Warnungen. Ein Chemiker, der frisch hergestelltes Mn\u2082O\u202f7 gegen eine Lichtquelle hielt, um es genauer zu betrachten, erlitt durch eine spontane Explosion schwere Verletzungen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www-acs-org-443.webvpn.scu.edu.cn\/molecule-of-the-week\/archive\/m\/manganese-heptoxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In einem anderen Fall riss ein Kolben mit hei\u00dfer Schwefels\u00e4ure, die S\u00e4ure lief in ein offenes Gef\u00e4\u00df mit Permanganat \u2013 die folgende Explosion zerst\u00f6rte das Labor&nbsp;<a href=\"https:\/\/www-acs-org-443.webvpn.scu.edu.cn\/molecule-of-the-week\/archive\/m\/manganese-heptoxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Chemisches Verhalten: Der Reinfall des Oxidators<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zersetzung von Mn\u2082O\u2087 folgt einer simplen, aber folgenreichen Gleichung:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2 Mn\u2082O\u2087 \u2192 4 MnO\u2082 + 3 O\u2082<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits ab -10 \u00b0C zersetzt sich die Verbindung langsam, ab 55 \u00b0C erfolgt explosionsartige Zersetzung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.feuerwehr-sasbach.de\/wiki\/Mangan(VII)-oxid\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dabei entsteht neben Sauerstoff auch Ozon, das dem \u00d6l seinen charakteristischen, stechenden Geruch verleiht. Die Reaktion ist stark exotherm und beschleunigt sich selbst \u2013 ein klassischer Fall von thermischem Runaway.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Wasser reagiert Mn\u2082O\u2087 ebenso heftig wie mit organischen Substanzen. Es hydrolysiert zu Permangans\u00e4ure, doch die Reaktion ist so st\u00fcrmisch, dass sie zur praktischen Darstellung von HMnO\u2084 ungeeignet ist&nbsp;<a href=\"https:\/\/zh.wikipedia.org\/zh-cn\/%E4%B8%83%E6%B0%A7%E5%8C%96%E4%BA%8C%E9%94%B0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In Schwefels\u00e4ure l\u00f6st es sich unter Bildung des bemerkenswerten Kations MnO\u2083\u207a, das isoelektronisch zu Chrom(VI)-oxid ist&nbsp;<a href=\"https:\/\/webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca\/web\/20060913000000\/http:\/\/en.wikipedia.org:80\/wiki\/Manganese(VII)_oxide\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am spektakul\u00e4rsten \u2013 und gef\u00e4hrlichsten \u2013 ist die Reaktion mit organischen Stoffen. Ethanol wird zu Kohlendioxid verbrannt, Aceton entz\u00fcndet sich spontan, selbst Tetrachlorkohlenstoff, sonst ein Paradebeispiel f\u00fcr Reaktionstr\u00e4gheit, wird angegriffen&nbsp;<a href=\"https:\/\/wiki.aalto.fi\/pages\/viewpage.action?pageId=207656598&amp;navigatingVersions=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Erkl\u00e4rung liegt in der enormen Oxidationskraft des siebenwertigen Mangans, das Elektronen geradezu gierig aufnimmt und dabei in die best\u00e4ndigere vierwertige Stufe \u00fcbergeht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vergleich mit Verwandten: Die Chemie der siebten Nebengruppe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Blick auf die Geschwister im Periodensystem relativiert den Exotenstatus von Mn\u2082O\u2087. Technetium(VII)-oxid, Tc\u2082O\u2087, ist ebenfalls molekular aufgebaut, jedoch mit linearem Tc\u2013O\u2013Tc-Winkel von 180\u00b0&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.chemeurope.com\/en\/encyclopedia\/Manganese(VII)_oxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es ist stabiler, aber radioaktiv \u2013 ein anderer Grund zur Vorsicht. Rhenium(VII)-oxid, Re\u2082O\u2087, schlie\u00dflich ist im Festk\u00f6rper nicht molekular, sondern bildet vernetzte Strukturen mit tetraedrischen und oktaedrischen Zentren&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.chemeurope.com\/en\/encyclopedia\/Manganese(VII)_oxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es ist das best\u00e4ndigste der drei und findet tats\u00e4chlich technische Anwendung als Katalysator in der Olefinmetathese.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Abstufung spiegelt den Einfluss der Periodizit\u00e4t wider: Mit zunehmender Ordnungszahl nehmen metallischer Charakter und Stabilit\u00e4t der h\u00f6chsten Oxidationsstufe zu. Mangan, das leichteste und &#8222;h\u00e4rteste&#8220; der drei, bildet die instabilste Verbindung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gefahrenpotenzial im 21. Jahrhundert<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einstufung von Mn\u2082O\u2087 nach dem Globally Harmonized System (GHS) liest sich wie ein Who&#8217;s who der Gefahrensymbole. Es f\u00e4llt unter die Kategorie 1.1 (Massenexplosivstoff), ist als Oxidationsmittel der Kategorie 1 eingestuft (H271: Kann Brand oder Explosion verursachen; starkes Oxidationsmittel), verursacht schwere Ver\u00e4tzungen (H314) und ist akut toxisch bei Inhalation (H330)&nbsp;<a href=\"https:\/\/www-acs-org-443.webvpn.scu.edu.cn\/molecule-of-the-week\/archive\/m\/manganese-heptoxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Zeiten moderner Arbeitssicherheit stellt sich die Frage: Braucht man diesen Stoff \u00fcberhaupt? Die Antwort ist ein klares Jein. F\u00fcr den regul\u00e4ren Laborbetrieb ist Mn\u2082O\u2087 vollst\u00e4ndig entbehrlich. Seine Eigenschaften als Oxidationsmittel lassen sich mit unbedenklicheren Substanzen wie Kaliumpermanganat oder Chroms\u00e4ure realisieren. Wo es heute noch eine Rolle spielt, ist die Lehre \u2013 als spektakul\u00e4res Demonstrationsexperiment, das allerdings h\u00f6chste Sicherheitsvorkehrungen erfordert \u2013 und die Grundlagenforschung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kristallstruktur von Mn\u2082O\u2087 wurde erst 1987 endg\u00fcltig aufgekl\u00e4rt&nbsp;<a href=\"https:\/\/zh.wikipedia.org\/zh-cn\/%E4%B8%83%E6%B0%A7%E5%8C%96%E4%BA%8C%E9%94%B0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"http:\/\/archive.nstl.gov.cn\/Archives\/browse.do?action=viewDetail&amp;articleID=d6dbf801f7780a64&amp;navig=9565bcbb40dbfbe9&amp;navigator=category&amp;flag=null&amp;subjectCode=null&amp;searchfrom=null\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Bis dahin hatten sich Generationen von Chemikern mit der gef\u00e4hrlichen Substanz herumgeschlagen, um ihre Geheimnisse zu l\u00fcften. Heute kennen wir ihre elektronische Struktur, die Bandl\u00fccke von 1,72 eV, die kovalenten Anteile der Mn\u2013O-Bindungen&nbsp;<a href=\"https:\/\/wiki.aalto.fi\/pages\/viewpage.action?pageId=207656598&amp;navigatingVersions=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es ist eine Verbindung, die ihre R\u00e4tsel nur widerwillig preisgibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mn\u2082O\u2087 in der Popul\u00e4rkultur und Didaktik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz \u2013 oder vielleicht wegen \u2013 seiner Gef\u00e4hrlichkeit hat Mn\u2082O\u2087 den Sprung in die digitale Welt geschafft. Auf YouTube finden sich unz\u00e4hlige Videos, in denen Hobbychemiker die Synthese wagen, meist mit dem obligatorischen Hinweis auf die extreme Gefahr. Die American Chemical Society k\u00fcrte Mn\u2082O\u2087 2024 zum &#8222;Molecule of the Week&#8220; und charakterisierte es mit dem Satz: &#8222;You really don\u2018t want anything to do with me&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www-acs-org-443.webvpn.scu.edu.cn\/molecule-of-the-week\/archive\/m\/manganese-heptoxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der universit\u00e4ren Lehre dient es als Paradebeispiel f\u00fcr den Unterschied zwischen ionischen und kovalenten Oxiden, f\u00fcr den Zusammenhang zwischen Struktur und Reaktivit\u00e4t und f\u00fcr die Grenzen des Experimentierbaren. Kaum ein Chemiestudent, der nicht mindestens eine Anekdote \u00fcber das &#8222;gr\u00fcne \u00d6l&#8220; geh\u00f6rt hat \u2013 und die meisten sind froh, dass sie es nie selbst ansetzen mussten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Ein lehrreicher Grenzfall<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mn\u2082O\u2087 ist mehr als eine chemische Kuriosit\u00e4t. Es ist ein Lehrst\u00fcck \u00fcber die Ambivalenz des Fortschritts, \u00fcber die Faszination des Gef\u00e4hrlichen und \u00fcber die methodische Beharrlichkeit, mit der Wissenschaftler auch den widerspenstigsten Substanzen ihre Geheimnisse entlocken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Praxis ist die Verbindung bedeutungslos. Kein technisches Verfahren setzt auf Mn\u2082O\u2087, kein Syntheseweg f\u00fchrt \u00fcber es. Doch f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der anorganischen Chemie ist es unverzichtbar. Es zeigt, wie hoch die Oxidationsstufe eines \u00dcbergangsmetalls getrieben werden kann, bevor die Verbindung kollabiert. Es demonstriert, dass kovalente Bindungen auch in Metalloxiden dominieren k\u00f6nnen. Und es lehrt Demut \u2013 vor der Natur, die solche Substanzen hervorbringt, und vor der eigenen Experimentierfreude, die schnell in eine Katastrophe m\u00fcnden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn heute ein junger Chemiker die Synthese von Mn\u2082O\u2087 plant, sollte er dreimal nachdenken. Und dann besser einen erfahrenen Kollegen fragen. Oder sich einfach mit der Formel begn\u00fcgen. Sie ist gef\u00e4hrlich genug.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Aschoff, H. (1860). Ueber die Zusammensetzung und die Eigenschaften der Uebermangans\u00e4ure.\u00a0<em>Annalen der Physik<\/em>, 187(10), 217-229.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.feuerwehr-sasbach.de\/wiki\/Mangan(VII)-oxid\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Holleman, A. F.; Wiberg, E. (2001).\u00a0<em>Inorganic Chemistry<\/em>. Academic Press.\u00a0<a href=\"https:\/\/webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca\/web\/20060913000000\/http:\/\/en.wikipedia.org:80\/wiki\/Manganese(VII)_oxide\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.chemeurope.com\/en\/encyclopedia\/Manganese(VII)_oxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Simon, A.; Dronskowski, R.; Krebs, B.; Hettich, B. (1987). Die Kristallstruktur von Mn\u2082O\u2087.\u00a0<em>Angewandte Chemie<\/em>, 99(2), 160-161.\u00a0<a href=\"https:\/\/zh.wikipedia.org\/zh-cn\/%E4%B8%83%E6%B0%A7%E5%8C%96%E4%BA%8C%E9%94%B0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"http:\/\/archive.nstl.gov.cn\/Archives\/browse.do?action=viewDetail&amp;articleID=d6dbf801f7780a64&amp;navig=9565bcbb40dbfbe9&amp;navigator=category&amp;flag=null&amp;subjectCode=null&amp;searchfrom=null\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.feuerwehr-sasbach.de\/wiki\/Mangan(VII)-oxid\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Krebs, B.; Mueller, A.; Beyer, H. H. (1969). The Crystal Structure of Rhenium(VII) Oxide.\u00a0<em>Inorganic Chemistry<\/em>, 8(3), 436-443.\u00a0<a href=\"https:\/\/webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca\/web\/20060913000000\/http:\/\/en.wikipedia.org:80\/wiki\/Manganese(VII)_oxide\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.chemeurope.com\/en\/encyclopedia\/Manganese(VII)_oxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.feuerwehr-sasbach.de\/wiki\/Mangan(VII)-oxid\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>American Chemical Society (2024). Manganese heptoxide \u2013 Molecule of the Week.\u00a0<em>ACS Publications<\/em>.\u00a0<a href=\"https:\/\/www-acs-org-443.webvpn.scu.edu.cn\/molecule-of-the-week\/archive\/m\/manganese-heptoxide.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Aalto University Wiki (2015). Manganese heptoxide (Mn\u2082O\u2087) \u2013 Solid State Chemistry.\u00a0<a href=\"https:\/\/wiki.aalto.fi\/pages\/viewpage.action?pageId=207656598&amp;navigatingVersions=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Caruso, F. et al. (2010). A new procedure for the lightning experiment: Mn\u2082O\u2087 and Ethanol.\u00a0<em>Chem. Educator<\/em>, 108-109.\u00a0<a href=\"https:\/\/wiki.aalto.fi\/pages\/viewpage.action?pageId=207656598&amp;navigatingVersions=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Spritze Konzentrierte Schwefels\u00e4ure, ein paar Kristalle Kaliumpermanganat \u2013 und aus dem Reagenzglas tropft eine gr\u00fcnschillernde, \u00f6lige Fl\u00fcssigkeit. Sie sieht verf\u00fchrerisch aus, riecht scharf nach Ozon und birgt eine derart explosive Natur, dass selbst erfahrene Chemiker ihr mit Respekt begegnen. Die Rede ist von Mangan(VII)-oxid, Mn\u2082O\u2087. 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