{"id":2045,"date":"2026-03-14T06:15:24","date_gmt":"2026-03-14T05:15:24","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2045"},"modified":"2026-03-14T06:15:24","modified_gmt":"2026-03-14T05:15:24","slug":"von-der-kabeltrommel-zum-kunstlichen-gehirn-die-geschichte-der-fernlenkdrohne-als-spiegel-technischer-und-ethischer-entwicklungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/von-der-kabeltrommel-zum-kunstlichen-gehirn-die-geschichte-der-fernlenkdrohne-als-spiegel-technischer-und-ethischer-entwicklungen\/","title":{"rendered":"Von der Kabeltrommel zum K\u00fcnstlichen Gehirn: Die Geschichte der Fernlenkdrohne als Spiegel technischer und ethischer Entwicklungen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sie sind aus dem modernen Kriegsbild nicht mehr wegzudenken, segeln durch den Marsstaub und liefern Pakete bis vor die Haust\u00fcr \u2013 Drohnen. Doch die unbemannten Flugger\u00e4te sind weit mehr als ein Ph\u00e4nomen des 21. Jahrhunderts. Ihre Geschichte ist eine Erz\u00e4hlung menschlichen Erfindergeistes, milit\u00e4rischer Notwendigkeiten und st\u00e4ndig wiederkehrender ethischer Debatten. Ein Blick zur\u00fcck auf die Urspr\u00fcnge der Fernlenktechnik zeigt: Die Prinzipien, die heute hochkomplexe Systeme steuern, wurden bereits vor \u00fcber hundert Jahren entwickelt. Die Reise f\u00fchrt von den rauen Gew\u00e4ssern Flanderns im Ersten Weltkrieg \u00fcber die menschengef\u00fchrten Sprengboote des Zweiten Weltkriegs bis hin zu den allgegenw\u00e4rtigen, autonomen Systemen unserer Gegenwart.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Die Geburt einer Idee im Zeitalter der Industrialisierung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorstellung, eine Waffe oder ein Werkzeug aus der Ferne zu steuern, ist alt. Sie entspringt dem Wunsch, Gefahr von sich zu weisen und gleichzeitig effektiv zu handeln. Im Zeitalter der Industrialisierung, als Elektrizit\u00e4t und Funktechnik die Welt zu ver\u00e4ndern begannen, wurde dieser Traum greifbar. Die Geburtsstunde dessen, was wir heute als Drohne bezeichnen, schlug jedoch nicht in den Laboren der Neuzeit, sondern in den K\u00f6pfen von Ingenieuren und Milit\u00e4rstrategen kurz nach der Jahrhundertwende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor es Flugzeuge gab, die ohne Piloten flogen, stand das Wasser im Fokus. Der Begriff &#8222;Drohne&#8220; ist eng mit dem englischen Wort f\u00fcr &#8222;Drohne&#8220; (m\u00e4nnliche Biene) verbunden, das auf das summende Ger\u00e4usch fr\u00fcher ferngelenkter Ziele verweist. Doch die ersten erfolgreichen Eins\u00e4tze fanden auf See statt, und sie kn\u00fcpften an eine jahrhundertealte maritime Taktik an: den Brander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits in der Antike, so dokumentiert in der chinesischen Geschichte um die Schlacht von Red Rock (208\/209 n. Chr.), wurden mit brennbaren Stoffen beladene Schiffe genutzt, um die Flotten des Gegners in Brand zu setzen&nbsp;<a href=\"https:\/\/oboronka.mezha.ua\/en\/naval-strike-drones-from-ancient-brigands-to-modern-times\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese fr\u00fchen &#8222;See-Drohnen&#8220; waren jedoch alles andere als ferngelenkt. Sie waren Einwegwaffen, die auf Wind, Str\u00f6mung und den Opfermut ihrer Besatzungen angewiesen waren. Die Idee, das Schiff selbst zur Waffe zu machen, war geboren, aber die Kontrolle musste noch an Bord bleiben. Der entscheidende Schritt hin zur Fernlenkung gelang erst mit der Beherrschung von Elektrizit\u00e4t und Funk.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im-Rueckspiegel: Techarchaeologie &#8211; Die drahtgebundenen Pioniere des Ersten Weltkriegs<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine oft vergessene Tatsache, dass der Erste Weltkrieg, bekannt f\u00fcr seine verheerenden Materialschlachten, auch eine Wiege der Hightech-Waffensysteme war. Angesichts der Pattsituation an der Front suchten die Milit\u00e4rs nach neuen Wegen, den Gegner zu \u00fcberraschen. In Deutschland traten bereits im Herbst 1914 namhafte Firmen wie Siemens &amp; Halske, die Firma With und andere an das Kriegsministerium heran, um ihre Patente und Ideen f\u00fcr eine fernbare Zukunft zur Verf\u00fcgung zu stellen. Unter der Schirmherrschaft von Ferdinand Graf von Zeppelin wurde eine Kommission ins Leben gerufen, die verschiedene Fernlenkprojekte vorantreiben sollte&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.forum-geschichte.at\/Forum\/showthread.php?tid=5558&amp;pid=29400#pid29400\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das vielversprechendste Ergebnis war das&nbsp;<strong>Fernlenkboot (FL-Boot)<\/strong>&nbsp;. Die von Siemens-Schuckertwerke gebauten Boote waren eine technische Meisterleistung ihrer Zeit. Sie ma\u00dfen etwa 17 Meter, verdr\u00e4ngten sechs Tonnen und wurden von zwei Maybach-Motoren mit je 210 PS angetrieben, die ihnen eine f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse beeindruckende Geschwindigkeit von bis zu 30 Knoten (ca. 56 km\/h) verliehen. Ihr Sprengkopf wog 700 Kilogramm&nbsp;<a href=\"https:\/\/oboronka.mezha.ua\/en\/naval-strike-drones-from-ancient-brigands-to-modern-times\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Herzst\u00fcck war jedoch nicht der Antrieb, sondern die Steuerung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ingenieure standen vor einem gewaltigen Problem: Die Funktechnik war noch zu unzuverl\u00e4ssig und anf\u00e4llig f\u00fcr St\u00f6rungen. Zudem waren die damaligen Empfangsanlagen zu gro\u00df und zu schwer f\u00fcr ein kleines Boot. Die L\u00f6sung war ein R\u00fcckgriff auf eine scheinbar veraltete, aber robuste Technologie: das Kabel. Bis zu 20 Kilometer d\u00fcnnes Kabel wickelte sich von einer schweren Trommel an Bord des Bootes ab, w\u00e4hrend es von einem Leitstand an der K\u00fcste oder von einem speziellen Leitboot aus gesteuert wurde. Die Steuerbefehle wurden \u00fcber dieses Kabel gesendet. Der Historiker und Forumsnutzer &#8222;Suebe&#8220; weist im &#8222;Forum f\u00fcr Geschichte&#8220; darauf hin, dass im Siemens-Archiv in M\u00fcnchen noch stapelweise Dokumente zu diesen Versuchen lagern, die belegen, wie intensiv an dieser Zukunftstechnologie geforscht wurde&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.forum-geschichte.at\/Forum\/showthread.php?tid=5558&amp;pid=29400#pid29400\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sp\u00e4ter wurden sogar Luftschiffe als Kommandozentralen in Betracht gezogen, die aus einer H\u00f6he von 5000 Metern und mit auf 50 Kilometer verl\u00e4ngerten Kabeln die Boote lenken sollten&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.forum-geschichte.at\/Forum\/showthread.php?tid=5558&amp;pid=29400#pid29400\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erfolgsbilanz der FL-Boote blieb jedoch bescheiden. Die Verz\u00f6gerung bei der Signal\u00fcbertragung und die begrenzte Sicht des Bedieners machten ein pr\u00e4zises Zielen auf bewegliche Schiffe fast unm\u00f6glich. Zwei Treffer sind dokumentiert: Am 28. Oktober 1917 gelang es einem FL-Boot, den britischen Monitor HMS Erebus zu treffen. Das Schiff wurde jedoch nur leicht besch\u00e4digt, verlor etwa 15 Meter ihres Torpedowulstes&nbsp;<a href=\"https:\/\/oboronka.mezha.ua\/en\/naval-strike-drones-from-ancient-brigands-to-modern-times\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ein anderes Boot lief am 1. M\u00e4rz 1917 gegen die Mole von Nieuwpoort&nbsp;<a href=\"https:\/\/oboronka.mezha.ua\/en\/naval-strike-drones-from-ancient-brigands-to-modern-times\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Milit\u00e4risch blieben die FL-Boote ein kaum wirksames Experiment, technisch waren sie jedoch der unmittelbare Vorfahre aller modernen Marinedrohnen. Sie waren die ersten unbemannten Systeme, die nicht mehr auf Wind und Wellen angewiesen waren, sondern durch den menschlichen Willen aus der Ferne gesteuert wurden \u2013 wenn auch an einer langen Leine.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im-Kopf: Denkwerkzeuge &#8211; Zwischen Kabel und Kamikaze<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee der Fernlenkung starb nach 1918 nicht, sie schlummerte. Die technologischen Fortschritte in der Funktechnik und Fernsehtechnik in den Zwischenkriegsjahren lie\u00dfen neue M\u00f6glichkeiten erahnen. Doch im Zweiten Weltkrieg schlugen viele Nationen unterschiedliche Wege ein, um das Problem der pr\u00e4zisen Lenkung zu l\u00f6sen. Es ist eine faszinierende Studie dar\u00fcber, wie technologische und kulturelle &#8222;Denkwerkzeuge&#8220; zu v\u00f6llig unterschiedlichen L\u00f6sungen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die italienische Variante: MTM-Boote<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Italien entwickelte mit den&nbsp;<strong>Motoscafo da Turismo Modificato (MTM)<\/strong>&nbsp;, auch&nbsp;<em>Barchino<\/em>&nbsp;genannt, ein kleines, schnelles Sprengboot. Anstatt auf komplexe Fernlenktechnik zu setzen, verlie\u00df man sich auf den Menschen. Der Fahrer steuerte das mit 330 kg Sprengstoff beladene Boot auf das Ziel zu, aktivierte kurz vor dem Aufprall eine Art Katapult, das ihn aus dem Boot schleuderte, und verwandelte seinen Sitz in ein kleines Rettungsflo\u00df. Der Einschlag z\u00fcndete eine Hilfsladung, die das Boot zum Sinken brachte, und ein Hydrostat z\u00fcndete dann in etwa einem Meter Tiefe die Hauptladung, um die maximale Schadenswirkung unter der Wasserlinie zu erzielen&nbsp;<a href=\"https:\/\/oboronka.mezha.ua\/en\/naval-strike-drones-from-ancient-brigands-to-modern-times\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der bekannteste Erfolg dieser Taktik war der Angriff auf die Souda-Bucht auf Kreta im M\u00e4rz 1941, bei dem der britische Schwere Kreuzer HMS York schwer besch\u00e4digt und auf Grund gesetzt werden musste&nbsp;<a href=\"https:\/\/oboronka.mezha.ua\/en\/naval-strike-drones-from-ancient-brigands-to-modern-times\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Italiener umgingen das technische Problem der Fernsteuerung, indem sie den Menschen als zuverl\u00e4ssigsten &#8222;Sensor&#8220; und &#8222;Steuercomputer&#8220; im Loop belie\u00dfen \u2013 ein System, das zwar extrem gef\u00e4hrlich f\u00fcr den Piloten war, aber eine \u00dcberlebenschance bot.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die japanische Konsequenz: Kaiten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Japan ging in seiner milit\u00e4rischen Doktrin einen radikaleren Weg. Auch hier setzte man auf den Menschen als Lenksystem, aber ohne die M\u00f6glichkeit der Rettung. Die&nbsp;<strong>Kaiten<\/strong>&nbsp;(\u201eHimmelswende\u201c), bemannte Torpedos, waren der konsequente Ausdruck des Kamikaze-Gedankens. Sie waren keine ferngelenkten Waffen im eigentlichen Sinne, sondern von einem Piloten gesteuerte Einwegwaffen. Diese Entwicklung zeigt eine d\u00fcstere Alternative zur technischen Herausforderung der Fernlenkung: Wenn die Technik nicht in der Lage ist, den menschlichen Verstand zu ersetzen, dann muss der Mensch mit in die Waffe gehen. Diese Entscheidung ist nicht nur eine milit\u00e4rische, sondern zutiefst ethisch und kulturell gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel zu diesen bemannten Systemen arbeitete Deutschland fieberhaft an der Perfektionierung der Funkfernlenkung. Waffen wie die&nbsp;<strong>Fritz X<\/strong>&nbsp;oder die&nbsp;<strong>Hs 293<\/strong>&nbsp;waren gleitbomben, die vom Flugzeug aus per Funk gesteuert wurden und gegen Schiffe \u00e4u\u00dferst effektiv waren. Sie waren die ersten pr\u00e4zisionsgelenkten Munitionen der Geschichte und zeigten, wohin die Reise gehen w\u00fcrde \u2013 zur\u00fcck zur Fernlenkung, aber nun mit drahtloser, hochfrequenter Steuerung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Digitalkultur und Ethik und Gewissen: Die Geburt der modernen Drohne<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 1945 wurde die Technologie der Fernlenkung von den Siegerm\u00e4chten \u00fcbernommen und weiterentwickelt. Der Kalte Krieg mit seinem Wettr\u00fcsten und der Notwendigkeit der Aufkl\u00e4rung \u00fcber feindlichem Gebiet gab der Drohnenentwicklung einen gewaltigen Schub. Die Ryan Firebee, entwickelt aus einem Zielsystem, wurde zum ersten Serienmodell einer Aufkl\u00e4rungsdrohne. \u00dcber Nordvietnam, China und der Sowjetunion sammelten diese unbemannten Flugzeuge wichtige Informationen, ohne dass ein Pilot abgeschossen und gefangen genommen werden konnte. Hier trat ein weiterer, entscheidender Vorteil der Drohne zutage: die Risikominimierung f\u00fcr das eigene Personal.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Revolution fand jedoch an einem anderen Ort statt: im Cockpit. Die Steuerung per Joystick und die \u00dcbertragung von Echtzeit-Videobildern \u00fcber Satelliten machten die Drohne zu dem, was sie heute ist: ein fliegender Computer, gesteuert von einem Piloten, der tausende Kilometer entfernt in einem Container sitzt. Dieser Pilot ist kein K\u00e4mpfer mehr, der dem Feind direkt gegen\u00fcbersteht, sondern ein Techniker, der auf einen Bildschirm starrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dieser r\u00e4umlichen und psychologischen Distanz trat eine neue, bis heute ungel\u00f6ste ethische Dimension in den Vordergrund. Die Drohne wurde zur Ikone eines &#8222;asymmetrischen Krieges&#8220;, in dem eine Seite nahezu risikofrei zuschlagen kann. Die Debatte um die gezielten T\u00f6tungen durch US-Drohnen in Pakistan, Jemen oder Somalia zeigt die ganze Ambivalenz dieser Technologie. Bef\u00fcrworter preisen ihre Pr\u00e4zision an, die &#8222;Kollateralsch\u00e4den&#8220; minimieren soll. Kritiker verweisen auf die traumatische Wirkung der st\u00e4ndig surrenden Drohnen \u00fcber den K\u00f6pfen der Zivilbev\u00f6lkerung, auf Fehlentscheidungen aufgrund mangelhafter Aufkl\u00e4rung und auf die Schwelle, einen Krieg zu beginnen, der den Soldaten der einen Seite nichts mehr kostet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte lehrt uns: Jede technische L\u00f6sung schafft neue ethische Probleme. Das Kabel des FL-Boots war eine technische Kr\u00fccke, die den Bediener zwang, nah am Geschehen zu bleiben. Die Funksteuerung der Hs 293 erlaubte dem Piloten, sein Ziel aus der Ferne zu sehen, aber er war noch im selben Luftraum. Der Satellitenlink des Predator-Piloten in Nevada entfernt ihn nicht nur r\u00e4umlich, sondern auch emotional von der Schlacht. Er wird zum &#8222;Operator&#8220;, der nach der T\u00f6tung eines Menschen nach Hause f\u00e4hrt und mit seinen Kindern Abendbrot isst. Diese Entkopplung von Handlung und unmittelbarer Erfahrung ihrer Konsequenz ist eines der gro\u00dfen ungel\u00f6sten Probleme unserer digitalen Kriegskultur.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausblick: Autonomie als n\u00e4chster Schritt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung bleibt nicht stehen. Die neueste Generation von Drohnen ist nicht mehr nur ferngelenkt, sondern zunehmend autonom. Systeme der K\u00fcnstlichen Intelligenz \u00fcbernehmen die Navigation, die Zielerkennung und im Falle von &#8222;Loitering Munitions&#8220; (auch bekannt als Kamikaze-Drohnen) sogar die finale Entscheidung zum Angriff. W\u00e4hrend der Mensch bei modernen westlichen Systemen meist noch den &#8222;letzten Schuss&#8220; best\u00e4tigen muss (&#8222;human in the loop&#8220;), zeichnet sich ab, dass zuk\u00fcnftige Schwarmdrohnen in der Lage sein werden, Ziele selbstst\u00e4ndig zu identifizieren und zu bek\u00e4mpfen (&#8222;human on the loop&#8220; oder gar &#8222;out of the loop&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit schlie\u00dft sich der Kreis auf eine beunruhigende Weise. Die ersten Fernlenkboote waren willenlose Werkzeuge am Ende eines Kabels. Die neuen autonomen Drohnen sind es technisch gesehen auch, aber sie treffen ihre Entscheidungen auf Basis von Algorithmen. Der Mensch gibt den Befehl zum Start und definiert das Zielgebiet, die Maschine entscheidet dann, was eine Bedrohung darstellt. Der Traum der Ingenieure von 1914, die Gefahr vom Menschen fernzuhalten, ist wahr geworden \u2013 aber um den Preis, dass die Maschine nun die Entscheidung \u00fcber Leben und Tod trifft. Die Geschichte der Fernlenkdrohne ist somit noch lange nicht zu Ende. Sie ist eine Geschichte der zunehmenden Entkopplung von Aktion und Konsequenz, von technischer Faszination und ethischer Verantwortung, die uns alle angeht. Die Brander von Red Rock und die Kabelboote von Siemens sind die fernen Urahnen einer Technologie, die heute das Potenzial hat, die Natur von Krieg und Konflikt f\u00fcr immer zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"http:\/\/www.forum-geschichte.at\/Forum\/showthread.php?tid=5558&amp;pid=29400#pid29400\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Forum f\u00fcr Geschichte, Diskussionsbeitr\u00e4ge zu &#8222;Fernlenkboote die &#8218;Drohnen&#8216; des 1. WK&#8220;, 2013-2017. (Verweis auf Siemens Archiv M\u00fcnchen und Wikipedia-Artikel zu Fernlenkbooten)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/oboronka.mezha.ua\/en\/naval-strike-drones-from-ancient-brigands-to-modern-times\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/mezha.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mezha.net<\/a>&nbsp;\/ Defense Express, &#8222;Naval strike drones: from ancient brigands to modern times&#8220;, 11. August 2023.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sind aus dem modernen Kriegsbild nicht mehr wegzudenken, segeln durch den Marsstaub und liefern Pakete bis vor die Haust\u00fcr \u2013 Drohnen. Doch die unbemannten Flugger\u00e4te sind weit mehr als ein Ph\u00e4nomen des 21. Jahrhunderts. Ihre Geschichte ist eine Erz\u00e4hlung menschlichen Erfindergeistes, milit\u00e4rischer Notwendigkeiten und st\u00e4ndig wiederkehrender ethischer Debatten. 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