{"id":2119,"date":"2026-03-14T08:30:16","date_gmt":"2026-03-14T07:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2119"},"modified":"2026-03-14T08:30:16","modified_gmt":"2026-03-14T07:30:16","slug":"vom-stuttgarter-kofferradio-zum-new-yorker-museum-aufstieg-fall-und-vermachtnis-von-wega","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/vom-stuttgarter-kofferradio-zum-new-yorker-museum-aufstieg-fall-und-vermachtnis-von-wega\/","title":{"rendered":"Vom Stuttgarter Kofferradio zum New Yorker Museum: Aufstieg, Fall und Verm\u00e4chtnis von Wega"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Momente, in denen Technikgeschichte und Designgeschichte untrennbar miteinander verschmelzen. Einer dieser Momente spielte sich in den sp\u00e4ten 1960er Jahren in Fellbach bei Stuttgart ab, als ein junger Designer namens Hartmut Esslinger ein Fernsehger\u00e4t entwarf, das wie eine Skulptur wirkte. Das Ger\u00e4t, der Wega color 3020, war radikal in seiner Schlichtheit \u2013 eine wei\u00dfe, asymmetrische Box auf einem schlanken Metallstativ, befreit von jedem Zierrat, der fr\u00fchere Ger\u00e4te verunstaltet hatte. Dieses Objekt hingegen schaffte es nicht nur in die Wohnzimmer der Bundesrepublik, sondern auch in die permanente Sammlung des Museum of Modern Art in New York. Es war der Triumph einer schw\u00e4bischen T\u00fcftlerfirma, die sich ein halbes Jahrhundert zuvor mit einfachen Detektorempf\u00e4ngern in die Welt der drahtlosen Nachrichten\u00fcbertragung gewagt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der&nbsp;<strong>Wega GmbH<\/strong>&nbsp;(urspr\u00fcnglich&nbsp;<strong>W\u00fcrttembergische Radio-Gesellschaft mbH<\/strong>) ist mehr als nur eine Chronik der Unterhaltungselektronik. Sie ist ein Spiegelbild der deutschen Industriegeschichte: gepr\u00e4gt von Erfindergeist in der Zwischenkriegszeit, gepr\u00fcft durch den Nationalsozialismus und den Krieg, wiederbelebt im Wirtschaftswunder, veredelt durch die Zusammenarbeit mit internationalen Design-Gr\u00f6\u00dfen und schlie\u00dflich assimiliert im Zuge der Globalisierung durch einen japanischen Elektronikriesen. Am Ende des Weges stand ein Name, der zwar verschwand, aber bis heute als Qualit\u00e4tssiegel in den K\u00f6pfen einer Generation nachhallt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Pionierzeit: Detektoren und die erste Superhet (1923-1945)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geburtsstunde von Wega schlug 1923 in Stuttgart, einer Stadt, die damals bereits ein Zentrum f\u00fcr Innovation und T\u00fcftelei war. Hugo Mezger, Inhaber eines Foto- und Radiogesch\u00e4fts, erkannte das Potenzial des jungen Mediums Rundfunk und \u00fcbernahm die erst ein Jahr zuvor gegr\u00fcndete W\u00fcrttembergische Radio-Gesellschaft mbH&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es war die \u00c4ra der Detektorempf\u00e4nger, bei denen die Radiopioniere noch mit Kopfh\u00f6rern sa\u00dfen und nach schwachen Signalen suchten. Schon 1924 brachte Mezger die ersten Ger\u00e4te unter dem Markennamen&nbsp;<strong>Wega<\/strong>&nbsp;auf den Markt \u2013 ein Kunstwort, das die Herkunft (W\u00fcrttemberg) und das Produkt (Radio) geschickt verband.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den ersten Jahrzehnten war Wega einer von vielen mittelst\u00e4ndischen Radioherstellern, die in Deutschland aus dem Boden schossen. Die eigentliche technische Z\u00e4sur kam 1936. In diesem Jahr stellte Wega auf das damals hochmoderne&nbsp;<strong>Superheterodyn-Prinzip (Superhet)<\/strong>&nbsp;um, das eine bis dahin unerreichte Empfangsempfindlichkeit und Trennsch\u00e4rfe bot. Ein emblematisches Produkt dieser \u00c4ra war der&nbsp;<strong>Wega Super-Koffer WSK<\/strong>&nbsp;von 1936\/37&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.radiomuseum-bocket.de\/wiki\/index.php?title=Wega_Super-Koffer_WSK\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Ger\u00e4t war f\u00fcr seine Zeit eine technische Sensation. Es handelte sich um einen transportablen Sechs-R\u00f6hren-Superhet, der die Wellenbereiche Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle abdeckte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.radiomuseum-bocket.de\/wiki\/index.php?title=Wega_Super-Koffer_WSK\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Koffer, bezogen mit Leder oder Stoff, war mehr als nur ein Radio; er war ein Symbol f\u00fcr Mobilit\u00e4t und technische M\u00fcndigkeit. F\u00fcr stattliche 211 Reichsmark konnte der Besitzer die Welt empfangen \u2013 ein Luxusgut, das die zunehmende Internationalisierung der Kommunikation auch f\u00fcr private H\u00f6rer erfahrbar machte. Noch exklusiver war das Schwestermodell&nbsp;<strong>Phono-Super-Koffer WSKP<\/strong>, das zus\u00e4tzlich einen eingebauten Plattenspieler beherbergte und so die erste mobile Musikkombination darstellte \u2013 ein direkter, wenn auch schwerer und klobiger Vorl\u00e4ufer der sp\u00e4teren &#8222;Schallplattenkoffer&#8220; der 1960er Jahre&nbsp;<a href=\"https:\/\/radiomuseum.org\/r\/wega_phono_s_koffer_wskp.html?language_id=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kriegsjahre unterbrachen diese zivile Entwicklung. Wie viele Technikbetriebe wurde Wega in die R\u00fcstungsproduktion eingebunden. Bemerkenswert ist jedoch, dass das Unternehmen parallel dazu weiterhin Exportger\u00e4te fertigte&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;\u2013 ein Hinweis auf die Aufrechterhaltung von Know-how und internationalen Verbindungen selbst in Zeiten der Autarkiepolitik.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wirtschaftswunder und die \u00c4ra des Designs (1945-1975)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Zusammenbruch von 1945 begann der m\u00fchsame Neuanfang. 1946 entwickelte Wega einen schlichten Allstrom-Zweikreisempf\u00e4nger, der immerhin 15.000 Mal gebaut wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es war die Stunde der &#8222;Volksempf\u00e4nger&#8220; neuen Typs, die die Demokratisierung des Radios in der jungen Bundesrepublik vorantrieben. Mit der W\u00e4hrungsreform 1948 und dem beginnenden Wirtschaftswunder wuchs auch der Anspruch der Konsumenten. Der 1949 vorgestellte&nbsp;<strong>Vierkreis-Allstromsuper Regina<\/strong>&nbsp;war ein Erfolg und half dem Unternehmen, sich zu konsolidieren&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1950er Jahren baute Wega seine Produktionskapazit\u00e4ten aus und bezog einen Neubau in Fellbach. Die Ger\u00e4te dieser Zeit waren technisch solide, aber gestalterisch noch im Stil der Zeit verhaftet \u2013 furnierte Holzgeh\u00e4use mit Stoffbespannung und skalenartigen Frequenzanzeigen. Die Wende sollte in den 1960er Jahren kommen, als das Unternehmen erkannte, dass Technik allein im umk\u00e4mpften Markt nicht mehr ausreichte. Das Geh\u00e4use wurde zum entscheidenden Verkaufsargument.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab 1965 \u00f6ffnete sich Wega f\u00fcr externe Designstudios. Der erste Paukenschlag gelang dem d\u00e4nischen Designer Verner Panton mit der&nbsp;<strong>&#8222;Stereobar 3300&#8220;<\/strong>&nbsp;(1969\u20131971)&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Panton, bekannt f\u00fcr seine psychedelischen, organischen Formen, entwarf eine w\u00fcrfelf\u00f6rmige Radio-Plattenspieler-Kombination, die es in knalligem Orange gab \u2013 ein kompletter Bruch mit der braun-beigen Biedermanns-\u00c4sthetik der Konkurrenz. Hier sprach man nicht mehr den Vater an, der sich nach Feierabend in seinen Sessel zur\u00fcckzog, sondern die junge, aufgeschlossene urbane Generation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Schritt gelang 1969 mit der Beauftragung des damals frisch gegr\u00fcndeten Studios von&nbsp;<strong>Hartmut Esslinger<\/strong>, der sp\u00e4ter unter dem Namen&nbsp;<strong>frog design<\/strong>&nbsp;Weltruhm erlangen sollte&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Zusammenarbeit, die bis in die fr\u00fchen 1980er Jahre andauerte, sollte Wegas &#8222;Goldene \u00c4ra&#8220; einl\u00e4uten. Esslingers Designphilosophie war radikal funktional, aber im Gegensatz zur asketischen K\u00fchle der Braun-Schule von Dieter Rams, farbenfroher und spielerischer. Seine Entw\u00fcrfe verbanden klare Linien mit einem Hauch von Pop-Art.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ber\u00fchmteste Ergebnis dieser Symbiose war der bereits erw\u00e4hnte&nbsp;<strong>Farbfernseher color 3020<\/strong>. In einer Zeit, in der Fernseher noch wie schwerf\u00e4llige M\u00f6belst\u00fccke aussahen, setzte Wega auf Leichtigkeit und Skulpturalit\u00e4t. Der Bildschirm schien auf seinem Stativ zu schweben. Dieses Ger\u00e4t und die dazugeh\u00f6rige Kompaktanlage&nbsp;<strong>concept 51k<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;waren so bahnbrechend in ihrer Form, dass sie vom&nbsp;<strong>Museum of Modern Art (MoMA)<\/strong>&nbsp;in New York und vom&nbsp;<strong>San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA)<\/strong>&nbsp;in die Sammlungen aufgenommen wurden&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Damit war Wega nicht mehr nur ein Elektronikhersteller, sondern eine Design-Ikone, die auf einer Stufe mit Braun oder Olivetti stand. 1975 besch\u00e4ftigte das Unternehmen rund 1.200 Mitarbeiter&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die \u00dcbernahme: Sony und das Ende einer Marke<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wirtschaftliche Dynamik der 1970er Jahre war gepr\u00e4gt von Globalisierung und Marktkonsolidierung. Die japanischen Hersteller, allen voran Sony, hatten die europ\u00e4ischen und amerikanischen M\u00e4rkte mit innovativen Produkten wie dem Trinitron-Farbbildr\u00f6hrensystem erobert. F\u00fcr Sony war der Kauf von Wega im Jahr 1975 ein strategischer Schachzug&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es ging nicht um die \u00dcbernahme von Technologie \u2013 die hatten die Japaner selbst \u2013, sondern um den Zugang zum europ\u00e4ischen Markt, den Markennamen mit seinem hervorragenden Image und nicht zuletzt um die Designkompetenz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der ersten Phase nach der \u00dcberwendung produzierte das Fellbacher Werk weiterhin, jedoch floss zunehmend die Technologie des Mutterkonzerns ein. 1980 wurde die Produktions-GmbH offiziell in&nbsp;<strong>Sony-Wega<\/strong>&nbsp;umbenannt, und die H\u00e4lfte der 600 Mitarbeiter fertigte bereits Sony-Produkte, insbesondere Trinitron-Fernseher f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Marke Wega lebte fort, aber das &#8222;Herzst\u00fcck&#8220;, die eigenst\u00e4ndige Entwicklung, war nun in Tokio angesiedelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paradoxerweise erlebte der Name Wega in dieser Phase seine gr\u00f6\u00dfte kommerzielle Verbreitung. Von 1998 bis 2005 vermarktete Sony seine hochwertigen Fernsehger\u00e4te weltweit unter der Marke&nbsp;<strong>Sony WEGA<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Logo spielte nun mit der astronomischen Doppelbedeutung: Der Stern Wega (Alpha Lyrae) \u2013 oft f\u00e4lschlich &#8222;Vega&#8220; geschrieben \u2013 wurde zum Namenspaten f\u00fcr die R\u00f6hren- und sp\u00e4ter LCD-Ger\u00e4te&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die&nbsp;<strong>FD Trinitron WEGA<\/strong>-Serie war 2001 das meistverkaufte TV-Modell in den USA&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Bis 2003 wurden weltweit \u00fcber 40 Millionen Ger\u00e4te unter diesem Label verkauft&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Name war nun reine Marketingh\u00fclle. Die \u00c4ra der Flachbildschirme l\u00e4utete das endg\u00fcltige Ende ein. Mit der Einf\u00fchrung der neuen LCD-Fernseher-Generation entschied sich Sony 2005 f\u00fcr eine einheitliche, globale Marke:&nbsp;<strong>BRAVIA<\/strong>&nbsp;l\u00f6ste Wega ab&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Markenname, der 81 Jahre zuvor in Stuttgart erfunden worden war, verschwand vom Markt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Analyse und Verm\u00e4chtnis: Was bleibt von Wega?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte von Wega ist ein Lehrst\u00fcck \u00fcber die Dynamik der Technologiebranche. Sie zeigt, wie ein mittelst\u00e4ndisches Unternehmen durch technische Pionierarbeit in den 1930er Jahren (Super-Koffer) und \u00e4sthetische Exzellenz in den 1960er und 70er Jahren (Esslinger-Design) eine einzigartige Markenidentit\u00e4t aufbauen konnte. Diese Identit\u00e4t war so stark, dass sie von einem globalen Konzern wie Sony noch drei Jahrzehnte lang als Qualit\u00e4tssiegel genutzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Technikarch\u00e4ologie ist Wega ein reichhaltiges Feld. Die fr\u00fchen Super-Koffer dokumentieren den \u00dcbergang vom Bastelempf\u00e4nger zum professionellen Massenprodukt. Die Designklassiker der 1970er Jahre sind Zeugen einer Zeit, in der Unternehmen erkannten, dass Technik und Form eine Einheit bilden m\u00fcssen. Der Historiker findet in Wega zudem ein Beispiel f\u00fcr die spezifisch deutsche Nachkriegsindustrie: den erfolgreichen Familienbetrieb (unter der Leitung von Dieter Motte, einem Schwiegersohn Mezgers), der sich im globalen Wettbewerb behauptet, aber schlie\u00dflich von einem \u00fcberm\u00e4chtigen Partner geschluckt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kontroversen? Sie liegen weniger in Skandalen als in der schmerzhaften Frage nach dem Verlust industrieller Eigenst\u00e4ndigkeit. War die \u00dcbernahme durch Sony eine Rettung vor der Bedeutungslosigkeit oder der Anfang vom Ende eines deutschen Technologie-Standorts? F\u00fcr die Belegschaft in Fellbach bedeutete sie zun\u00e4chst Arbeitsplatzsicherheit, langfristig aber die Reduktion vom Entwickler zum Fertiger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende bleibt ein Echo. Wenn Sammler heute nach einem &#8222;Wega&#8220; suchen, meinen sie entweder einen orange leuchtenden Panton-W\u00fcrfel oder einen schnittigen Esslinger-Fernseher. Die Ger\u00e4te stehen f\u00fcr eine \u00c4ra, in der &#8222;Made in Germany&#8220; nicht nur f\u00fcr solide Technik, sondern auch f\u00fcr mutiges Design stand. Wega ist ein Paradebeispiel daf\u00fcr, wie eine Marke, obwohl kommerziell erloschen, als kulturelles Artefakt weiterleben kann. Sie lehrt uns, dass der Wert eines Unternehmens nicht nur in seinen Bilanzen, sondern auch in den von ihm geschaffenen Ikonen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Radiomuseum Bocket: Arturation &#8222;Wega Super-Koffer WSK&#8220;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.radiomuseum-bocket.de\/wiki\/index.php?title=Wega_Super-Koffer_WSK\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Wikipedia (deutsch): Artikel &#8222;Wega (Unternehmen)&#8220;\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/radiomuseum.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Radiomuseum.org<\/a>:\u00a0Modellseite &#8222;Phono-Super-Koffer WSKP&#8220;\u00a0<a href=\"https:\/\/radiomuseum.org\/r\/wega_phono_s_koffer_wskp.html?language_id=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>Der Spiegel<\/em>: Artikel &#8222;Eines Tages \u00fcberfl\u00fcssig&#8220; (28. Juli 1980)\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em><a href=\"https:\/\/manager-magazin.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">manager-magazin.de<\/a><\/em>: &#8222;Frogs Meilensteine aus vier Jahrzehnten&#8220; (10. September 2013)\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>SFMOMA<\/em>: Sammlungseintrag zu Hartmut Esslinger \/ Wega\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><em>Deutsche Digitale Bibliothek<\/em>: Eintrag &#8222;WEGA Stereo-Bar 3300&#8220;\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wega_(Unterhaltungselektronik)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Momente, in denen Technikgeschichte und Designgeschichte untrennbar miteinander verschmelzen. Einer dieser Momente spielte sich in den sp\u00e4ten 1960er Jahren in Fellbach bei Stuttgart ab, als ein junger Designer namens Hartmut Esslinger ein Fernsehger\u00e4t entwarf, das wie eine Skulptur wirkte. 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