{"id":2191,"date":"2026-03-14T11:13:50","date_gmt":"2026-03-14T10:13:50","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2191"},"modified":"2026-03-14T11:13:50","modified_gmt":"2026-03-14T10:13:50","slug":"2191-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/2191-2\/","title":{"rendered":"Stradivari-Geigen: Die vergessene Technik der Perfektion"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum ein handwerkliches Erzeugnis ist so sehr von Mythen umwoben wie die Violinen des Antonio Stradivari. Sie sind nicht nur Musikinstrumente, sondern auch Wertanlagen, Kunstwerke und Gegenstand einer wissenschaftlichen Detektivgeschichte, die nun schon seit \u00fcber 300 Jahren andauert. Die Rede ist von einem Geheimnis, das mit seinem Sch\u00f6pfer gestorben sei \u2013 einer vergessenen Technik, einer magischen Lackrezeptur oder einem Holz aus versunkenen W\u00e4ldern. Doch die j\u00fcngere Forschung zeichnet ein anderes, weitaus faszinierenderes Bild. Sie zeigt, dass die Perfektion der Stradivari nicht das Ergebnis eines einzelnen, verloren gegangenen Tricks war, sondern das Produkt einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Schnittmenge von Klima, Chemie, Handwerkskunst und schierer Zeit. Dieser Artikel unternimmt eine technikhistorische Reise zu den Werkb\u00e4nken Cremonas und in die Labore der Gegenwart, um das Ph\u00e4nomen Stradivari in seiner ganzen Komplexit\u00e4t zu ergr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Geburt eines Klangideals im kalten Norden Italiens<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um das Ph\u00e4nomen Stradivari zu verstehen, muss man zun\u00e4chst die B\u00fchne betrachten, auf der es entstand. Cremona im 17. und 18. Jahrhundert war ein Schmelztiegel des Geigenbaus. Hier wirkten die Amatis, die Guarneris und eben Stradivari, die gemeinsam die bis heute g\u00fcltige Form der Violine definierten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.corilon.com\/ch\/bibliothek\/meister-portraits\/antonio-stradivari-eine-geschichte-von-klang-und-widerhall\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Antonio Stradivari (ca. 1644\u20131737) begann als Sch\u00fcler oder zumindest als Bewunderer des gro\u00dfen Nicol\u00f2 Amati, doch sein unstillbarer Drang nach Verbesserung trieb ihn zu einer grundlegenden Revision des Instruments&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.corilon.com\/ch\/bibliothek\/meister-portraits\/antonio-stradivari-eine-geschichte-von-klang-und-widerhall\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab etwa 1690 begann Stradivari, das Modell seiner Geigen radikal zu ver\u00e4ndern. Er flachte die W\u00f6lbung von Decke und Boden ab, verl\u00e4ngerte den Korpus und ver\u00e4nderte die Form der Schalll\u00f6cher&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.corilon.com\/ch\/bibliothek\/meister-portraits\/antonio-stradivari-eine-geschichte-von-klang-und-widerhall\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Phase des Experimentierens war keine Laune eines einsamen Genies, sondern die Antwort auf die musikalischen Anforderungen seiner Zeit. Die Kompositionen wurden komplexer, die Orchester gr\u00f6\u00dfer, und die Solisten ben\u00f6tigten ein Instrument mit gr\u00f6\u00dferer Projektion und Durchsetzungskraft, einen &#8222;st\u00e4rkeren, trag- und durchsetzungsf\u00e4higeren Klang&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.corilon.com\/ch\/bibliothek\/meister-portraits\/antonio-stradivari-eine-geschichte-von-klang-und-widerhall\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Stradivari reagierte auf diesen Wandel wie ein kluger Ingenieur auf ein neues Lastenheft. Seine als &#8222;Goldene Periode&#8220; (ca. 1700\u20131720) bekannte Schaffensphase brachte jene Instrumente hervor, die bis heute als Inbegriff des Geigenbaus gelten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch so sehr Stradivari die Form perfektionierte \u2013 die entscheidende Komponente war das Material, das er formte. Und hier kommt ein nicht zu untersch\u00e4tzender historischer Zufall ins Spiel: die &#8222;Kleine Eiszeit&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Klima als stiller Partner: Die &#8222;Kleine Eiszeit&#8220; im Resonanzboden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der hartn\u00e4ckigsten und am besten belegten Theorien f\u00fchrt den Klang der Stradivaris auf das Holz selbst zur\u00fcck. Zwischen 1645 und 1715 herrschte in Europa eine Phase ungew\u00f6hnlich k\u00fchlen Klimas, das sogenannte Maunder-Minimum&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/wunderbares-wimmerholz\/858905\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.glatec.ch\/web\/s604\/geige\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die langen Winter und k\u00fchlen Sommer lie\u00dfen die B\u00e4ume, insbesondere die Fichten und Ahorne in den W\u00e4ldern um Cremona, nur extrem langsam und gleichm\u00e4\u00dfig wachsen&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news495113\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article3118594\/Das-hoelzerne-Geheimnis-der-Stradivari-Geigen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folge war ein Holz mit au\u00dfergew\u00f6hnlichen akustischen Eigenschaften: Es war extrem leicht und biegesteif zugleich, mit sehr engen und gleichm\u00e4\u00dfigen Jahresringen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/wunderbares-wimmerholz\/858905\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news495113\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Kombination aus geringer Dichte und hoher Steifigkeit ist bis heute der Idealzustand f\u00fcr den Bau von Resonanzdecken. Es ist, als h\u00e4tte die Natur selbst das optimale Material f\u00fcr Stradivaris Vision bereitgestellt. Diese These wird durch Untersuchungen gest\u00fctzt, die zeigen, dass das von Stradivari verwendete Holz eine andere Struktur aufweist als heutige, unter w\u00e4rmeren Bedingungen schnell gewachsene H\u00f6lzer&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/wunderbares-wimmerholz\/858905\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Klima war also ein stiller, aber entscheidender Partner in der Werkstatt des Meisters.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die vergessene Technik: Mehr als nur ein sch\u00f6ner Lack<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das au\u00dfergew\u00f6hnliche Rohmaterial allein erkl\u00e4rt nicht alles. Denn Stradivari belie\u00df es nicht bei der nat\u00fcrlichen Beschaffenheit des Holzes. Hier kommen die &#8222;vergessenen Techniken&#8220; ins Spiel, die in den letzten Jahrzehnten durch immer pr\u00e4zisere Analyseverfahren ans Licht gebracht wurden. Im Zentrum steht die Frage nach der chemischen Vorbehandlung des Holzes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lange Zeit galt der atemberaubend sch\u00f6ne, r\u00f6tlich-goldene Lack als das gro\u00dfe Geheimnis. Man vermutete darunter eine geheimnisvolle Rezeptur mit Harzen, Gummi arabicum oder sogar Vulkanasche&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article3118594\/Das-hoelzerne-Geheimnis-der-Stradivari-Geigen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.br-klassik.de\/aktuell\/news-kritik\/instrumentenkarussel-portraet-die-geige-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Lack tr\u00e4gt zweifellos zur Klangfarbe und zum Schutz des Instruments bei, doch moderne Forschung legt nahe, dass der entscheidende Schritt davor stattfand: die Tr\u00e4nkung des Holzes mit Mineralsalzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Biochemiker Joseph Nagyvary, selbst leidenschaftlicher Geigenbauer, geh\u00f6rt zu den prominentesten Vertretern dieser These. Bereits in den 2000er Jahren wies er in Holzproben von Stradivari- und Guarneri-Geigen mittels Infrarotspektroskopie und Kernspinresonanz R\u00fcckst\u00e4nde von chemischen Substanzen nach, die auf eine gezielte Behandlung hindeuteten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/wunderbares-wimmerholz\/858905\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article3118594\/Das-hoelzerne-Geheimnis-der-Stradivari-Geigen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er fand Borax, Kupfersalze, Chrom und Aluminium und spekulierte, dass diese Chemikalien dazu dienten, das Holz vor Sch\u00e4dlingen zu sch\u00fctzen und zu konservieren \u2013 eine Art &#8222;Apotheker-Geheimnis&#8220; der damaligen Zeit&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article3118594\/Das-hoelzerne-Geheimnis-der-Stradivari-Geigen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine wegweisende Studie aus dem Jahr 2016 unter der Leitung von Hwan-Ching Tai von der Nationalen Universit\u00e4t Taiwan best\u00e4tigte diese Funde und pr\u00e4zisierte sie&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Forscher analysierten Holzproben von mehreren Stradivari- und Guarneri-Instrumenten mit hochentwickelten chemischen Methoden. Ihr Befund war eindeutig: Das Holz der Cremoneser Meister wies Spuren einer mineralischen Behandlung auf, die in modernen Vergleichsh\u00f6lzern fehlten. Es fand sich eine L\u00f6sung, die Aluminium, Kupfer und Kalzium enthielt&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;<strong>Diese Art der chemischen Behandlung war sehr ungew\u00f6hnlich und bei sp\u00e4teren Generationen von Geigenbauern unbekannt<\/strong>&#8222;, so das Fazit der Forscher&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ob diese Behandlung nun dem Holzschutz diente oder doch der Klangbeeinflussung \u2013 sie belegt, dass Stradivari das Holz nicht als &#8222;jungfr\u00e4uliches&#8220; Material betrachtete, sondern als eine zu veredelnde Ressource. Diese &#8222;vergessene Technik&#8220; der chemischen Konservierung und Modifikation ging mit ihm und seinen Zeitgenossen unter und wurde zum Teil der Legende.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Zahn der Zeit und die Musik: Ein Nachhall von 300 Jahren<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch selbst mit dem idealen Rohstoff aus der Kleinen Eiszeit und der geheimnisvollen mineralischen Tr\u00e4nkung ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn eine Stradivari von 2024 w\u00e4re klanglich nicht identisch mit einer Stradivari von 1724. Das liegt an einem weiteren, oft \u00fcbersehenen Faktor: der Alterung und vor allem der Nutzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die taiwanesische Forschergruppe um Tai konnte zeigen, dass in den 300 Jahren ihres Bestehens in den Stradivaris bemerkenswerte chemische Prozesse abgelaufen sind. Etwa ein Drittel der Hemizellulose im Holz ist zerfallen, und das Lignin hat Oxidationsprozesse durchlaufen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die entscheidende Beobachtung war jedoch, dass die Zellulosefasern, die f\u00fcr die strukturelle Stabilit\u00e4t sorgen, intakt blieben und gleichzeitig die Bindungen zwischen Zellulose und Lignin gelockert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Zustand \u00e4hnelt verbl\u00fcffend dem Holz nach einem bestimmten Pilzbefall. Die Forscher vermuten jedoch, dass die Lockerung hier nicht durch Mikroorganismen, sondern durch die jahrhundertelange, st\u00e4ndige Vibration beim Spielen verursacht wurde. &#8222;<strong>Schon einige Stunden der Vibrationen k\u00f6nnen die interne Reibung von Holz verringern, indem sie Wasserstoffbr\u00fcckenbindungen und Polymerketten umarrangieren<\/strong>&#8222;, erkl\u00e4ren Tai und seine Kollegen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Holz hat sich buchst\u00e4blich an die Musik &#8222;erinnert&#8220; und wurde durch sie akustisch optimiert. Der Klang einer Stradivari ist also nicht nur das Werk ihres Erbauers, sondern auch das kollektive Werk aller Musiker, die auf ihr gespielt haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Entzauberung des Mythos oder seine Neudefinition?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All diese Erkenntnisse werfen eine Frage auf: L\u00e4sst sich der Stradivari-Klang reproduzieren? Wenn ja, w\u00e4re der Mythos entzaubert. Die Antwort ist ein klares Jein \u2013 und sie f\u00fchrt zur\u00fcck zur Genialit\u00e4t des Handwerks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der einen Seite steht die spektakul\u00e4re Arbeit des Holzforschers Francis W. M. R. Schwarze von der Empa. Er entdeckte, dass bestimmte Pilze (wie&nbsp;<em>Xylaria longipes<\/em>) die F\u00e4higkeit besitzen, die Zellw\u00e4nde von Fichten- und Ahornholz gezielt anzunagen. Sie bauen die Zellw\u00e4nde ab und verringern so die Dichte des Holzes, w\u00e4hrend ein steifes Ger\u00fcst erhalten bleibt, das die Schallgeschwindigkeit nicht beeintr\u00e4chtigt&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news495113\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.glatec.ch\/web\/s604\/geige\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Ergebnis ist ein Holz, das dem der Kleinen Eiszeit in seinen akustischen Parametern \u00e4hnelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem ber\u00fchmt gewordenen Blindtest im Jahr 2009 lie\u00df Schwarze gemeinsam mit den Geigenbauern Martin Schleske und Michael Rhonheimer eine Geige aus pilzbehandeltem Holz gegen eine echte Stradivari von 1711 antreten. Das Publikum und eine Fachjury konnten die Instrumente nicht nur nicht unterscheiden, sie hielten die Pilz-Geige mehrheitlich f\u00fcr die echte Stradivari&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news495113\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite stehen vergleichende H\u00f6rtests, etwa von der Geigenforscherin Dr. Claudia Fritz von der Universit\u00e4t Paris. Sie konnte in mehreren Studien zeigen, dass ge\u00fcbte Musiker in Blindtests oft nicht sicher zwischen alten italienischen Meistergeigen und hochwertigen modernen Instrumenten unterscheiden k\u00f6nnen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.americanexpress.com\/de-de\/amexcited\/explore-all\/design\/stradivari-geigen-12969\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Klangunterschied, so scheint es, ist f\u00fcr viele Profis weitaus geringer als der Preisunterschied. Zudem sind moderne Spitzengeigenbauer wie Stefan-Peter Greiner in der Lage, Instrumente zu bauen, die klanglich zu den besten der Welt z\u00e4hlen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/wunderbares-wimmerholz\/858905\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Ein Dialog zwischen Meister, Material und Muse<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bleibt also vom Mythos Stradivari? Er zerf\u00e4llt nicht, er wandelt sich. Die Vorstellung von einem einzelnen, gestohlenen Rezept, das sicher in einem vatikanischen Safe liegt, ist romantische Fiktion. Die &#8222;vergessene Technik der Perfektion&#8220; war in Wirklichkeit ein komplexes System aus mehreren Komponenten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstens<\/strong>&nbsp;die Weitsicht und Experimentierfreude Antonio Stradivaris, der sein Instrument konsequent weiterentwickelte, um den musikalischen Anforderungen seiner Zeit gerecht zu werden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.corilon.com\/ch\/bibliothek\/meister-portraits\/antonio-stradivari-eine-geschichte-von-klang-und-widerhall\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.&nbsp;<strong>Zweitens<\/strong>&nbsp;der gl\u00fcckliche Umstand der Kleinen Eiszeit, die ihm ein Holz von einzigartiger akustischer Qualit\u00e4t lieferte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/wunderbares-wimmerholz\/858905\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.glatec.ch\/web\/s604\/geige\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.&nbsp;<strong>Drittens<\/strong>&nbsp;die &#8222;vergessene&#8220; Handwerkstechnik der mineralischen Holzbehandlung, die das Material konservierte und seine Eigenschaften nachhaltig ver\u00e4nderte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article3118594\/Das-hoelzerne-Geheimnis-der-Stradivari-Geigen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Und&nbsp;<strong>viertens<\/strong>&nbsp;der unerm\u00fcdliche Dialog mit der Zeit: 300 Jahre Vibration und Alterung haben das Holz zu dem gemacht, was es heute ist \u2013 ein lebendiges Archiv der Musikgeschichte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Perfektion der Stradivari ist keine statische Gr\u00f6\u00dfe, die man einfach kopieren kann. Sie ist das Ergebnis eines einmaligen historischen Prozesses, einer nicht reproduzierbaren Schnittmenge aus Mensch, Natur und Zeit. Dass es moderne Geigenbauer mit modernen Mitteln schaffen, diesen Klang zu erreichen oder sogar zu \u00fcbertreffen, ist kein Beweis gegen, sondern f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe der alten Meister. Sie definierten ein Ideal, das bis heute Ma\u00dfstab und Inspiration ist. Das wahre Geheimnis der Stradivari ist also nicht vergessen \u2013 es lebt in jedem Versuch fort, ihm auf die Spur zu kommen, in jeder neuen Geige, die nach Perfektion strebt, und in jeder Note, die auf einer alten oder neuen Meistergeige erklingt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/wunderbares-wimmerholz\/858905\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Spektrum der Wissenschaft (2006). &#8222;Geigenbau: Wunderbares Wimmerholz&#8220;. [online] Available at:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/news\/wunderbares-wimmerholz\/858905\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.spektrum.de\/news\/wunderbares-wimmerholz\/858905<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Scinexx (2016). &#8222;Geheimnis der Stradivari gel\u00fcftet?&#8220;. [online] Available at:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.scinexx.de\/news\/technik\/geheimnis-der-stradivari-gelueftet\/<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.corilon.com\/ch\/bibliothek\/meister-portraits\/antonio-stradivari-eine-geschichte-von-klang-und-widerhall\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Corilon violins (2019). &#8222;Antonio Stradivari \u2013 eine Geschichte von Klang und Widerhall&#8220;. [online] Available at:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.corilon.com\/ch\/bibliothek\/meister-portraits\/antonio-stradivari-eine-geschichte-von-klang-und-widerhall\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.corilon.com\/ch\/bibliothek\/meister-portraits\/antonio-stradivari-eine-geschichte-von-klang-und-widerhall<\/a><br><a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news495113\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Informationsdienst Wissenschaft (2012). &#8222;Pilzbehandlung l\u00e4sst moderne Geige wie Stradivari klingen&#8220;. [online] Available at:&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news495113\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/idw-online.de\/de\/news495113<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.americanexpress.com\/de-de\/amexcited\/explore-all\/design\/stradivari-geigen-12969\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;American Express (2022). &#8222;Der perfekte Klang? Das macht Stradivari-Geigen so kostbar&#8220;. [online] Available at:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.americanexpress.com\/de-de\/amexcited\/explore-all\/design\/stradivari-geigen-12969\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.americanexpress.com\/de-de\/amexcited\/explore-all\/design\/stradivari-geigen-12969<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article3118594\/Das-hoelzerne-Geheimnis-der-Stradivari-Geigen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;WELT (2009). &#8222;Materialforschung: Das h\u00f6lzerne Geheimnis der Stradivari-Geigen&#8220;. [online] Available at:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article3118594\/Das-hoelzerne-Geheimnis-der-Stradivari-Geigen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article3118594\/Das-hoelzerne-Geheimnis-der-Stradivari-Geigen.html<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.br-klassik.de\/aktuell\/news-kritik\/instrumentenkarussel-portraet-die-geige-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;BR-Klassik (2023). &#8222;Instrumentenwissen: Die Geige \u2013 Millionenschwere Stimmf\u00fchrerin&#8220;. [online] Available at:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.br-klassik.de\/aktuell\/news-kritik\/instrumentenkarussel-portraet-die-geige-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.br-klassik.de\/aktuell\/news-kritik\/instrumentenkarussel-portraet-die-geige-100.html<\/a><br><a href=\"https:\/\/www.glatec.ch\/web\/s604\/geige\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;Empa \/ glatech (2008). &#8222;Stradivari-Klang dank Pilzbefall&#8220;. [online] Available at:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.glatec.ch\/web\/s604\/geige\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.glatec.ch\/web\/s604\/geige<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein handwerkliches Erzeugnis ist so sehr von Mythen umwoben wie die Violinen des Antonio Stradivari. Sie sind nicht nur Musikinstrumente, sondern auch Wertanlagen, Kunstwerke und Gegenstand einer wissenschaftlichen Detektivgeschichte, die nun schon seit \u00fcber 300 Jahren andauert. 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