{"id":2217,"date":"2026-03-18T16:40:29","date_gmt":"2026-03-18T15:40:29","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2217"},"modified":"2026-03-18T16:40:29","modified_gmt":"2026-03-18T15:40:29","slug":"die-unzerlegbaren-ron-rivest-adi-shamir-leonard-adleman-und-die-erfindung-die-unsere-welt-verschlusselte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-unzerlegbaren-ron-rivest-adi-shamir-leonard-adleman-und-die-erfindung-die-unsere-welt-verschlusselte\/","title":{"rendered":"Die Unzerlegbaren: Ron Rivest, Adi Shamir, Leonard Adleman und die Erfindung, die unsere Welt verschl\u00fcsselte"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Erfindungen, die bleiben unbemerkt. Und es gibt solche, die werden so selbstverst\u00e4ndlich, dass wir aufh\u00f6ren, sie zu sehen. RSA geh\u00f6rt zur zweiten Kategorie. Jedes Mal, wenn Sie diese Seite aufrufen, wenn Sie eine Nachricht versenden, wenn Sie online bezahlen \u2013 jedes Mal, wenn Ihr Browser \u201ehttps\u201c anzeigt \u2013 sind Ron Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman im Raum. Unsichtbar. Unverzichtbar. Und langsam, aber sicher am Ende ihrer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies ist die Geschichte einer Idee, die so einfach war, dass sie fast \u00fcbersehen worden w\u00e4re. Und es ist die Geschichte der Frage, die heute \u00fcber ihr Erbe schwebt: Was geschieht mit einer Verschl\u00fcsselung, wenn jemand das Teilen verlernt?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die unm\u00f6gliche Idee: \u00d6ffentliche Geheimnisse<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, was Rivest, Shamir und Adleman 1977 am Massachusetts Institute of Technology gelangen, muss man sich die Welt der Kryptografie vorstellen, in der sie lebten. Wer immer ein Geheimnis teilen wollte, musste zuvor einen Schl\u00fcssel teilen. Zwei Menschen, die vertraulich kommunizieren wollten, mussten sich zuvor getroffen, denselben Schl\u00fcssel vereinbart und ihn vor der Entdeckung durch Dritte bewahrt haben. Man stelle sich vor, man m\u00fcsste mit jedem Menschen, dem man jemals eine verschl\u00fcsselte Nachricht senden will, zuvor bei einem Kaffee zusammensitzen und einen Code verabreden. Und dann aufpassen, dass niemand mith\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Welt hatte Whitfield Diffie und Martin Hellman 1976 als Erste grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt. Sie ver\u00f6ffentlichten ein Konzept: Was, wenn der Schl\u00fcssel zum Verschl\u00fcsseln gar nicht geheim sein m\u00fcsste? Was, wenn man ihn \u00f6ffentlich machen k\u00f6nnte \u2013 und trotzdem nur der Empf\u00e4nger die Nachricht lesen k\u00f6nnte? Die Idee war elektrisierend. Aber sie war nur eine Theorie. Es fehlte die konkrete mathematische Funktion, die dieses Wunder m\u00f6glich machen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am MIT nahm sich ein Trio dieser Herausforderung an. Ron Rivest, Informatiker mit Faible f\u00fcr Algorithmen, Adi Shamir, israelischer Mathematiker mit scharfem Verstand, und Leonard Adleman, Zahlentheoretiker, der eigentlich eher an formalen Beweisen interessiert war. Die Geschichte, die Adleman sp\u00e4ter erz\u00e4hlte, hat etwas Sch\u00f6nes: Er sei nur widerwillig dabei gewesen. Rivest und Shamir produzierten Idee um Idee, und Adleman versuchte, sie zu widerlegen. Ein Drehtag: Zwei bauten auf, einer riss ein. Bis zu jenem Tag, an dem Rivest nach einem schlaflosen Nacht nach Hause kam und einen Zettel mitbrachte. Adleman versuchte, ihn zu knacken. Und scheiterte&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/RSA-Kryptosystem\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zettel enthielt das Verfahren, das wir heute RSA nennen. Drei Buchstaben f\u00fcr drei M\u00e4nner \u2013 und die Reihenfolge war nicht alphabetisch, sondern die Reihenfolge ihrer Zustimmung&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/RSA-Kryptosystem\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das mathematische Wunder: Einwegfunktion mit Hintert\u00fcr<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Rivest in jener Nacht gefunden hatte, war etwas, das Kryptografen sich lange nur ertr\u00e4umt hatten: eine Einwegfunktion mit Fallt\u00fcr. Stellen Sie sich vor, Sie mischen zwei Farben. Jeder kann das. Aber aus der Mischung wieder die urspr\u00fcnglichen Farben zu isolieren? Praktisch unm\u00f6glich. Genau so funktioniert RSA, nur mit Zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verfahren beruht auf einer geradezu eleganten Einfachheit. Man nehme zwei Primzahlen. Wirklich gro\u00dfe Primzahlen, nicht wie 13 und 17, sondern Zahlen mit hunderten Stellen. Man multipliziere sie. Das Resultat, den RSA-Modul&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>N<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>N<\/em>, kann man ver\u00f6ffentlichen. Die beiden urspr\u00fcnglichen Primzahlen&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>p<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>p<\/em>&nbsp;und&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>q<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>q<\/em>&nbsp;bleiben geheim. Aus ihnen berechnet man zwei Exponenten: einen \u00f6ffentlichen&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>e<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>e<\/em>&nbsp;und einen privaten&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>d<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>d<\/em>. Wer eine Nachricht&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>m<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>m<\/em>&nbsp;verschl\u00fcsseln will, berechnet&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>c<\/mi><mo>=<\/mo><msup><mi>m<\/mi><mi>e<\/mi><\/msup><mspace><\/mspace><mspace width=\"0.6667em\"><\/mspace><mrow><mi mathvariant=\"normal\">m<\/mi><mi mathvariant=\"normal\">o<\/mi><mi mathvariant=\"normal\">d<\/mi><\/mrow><mtext>\u2009<\/mtext><mtext>\u2009<\/mtext><mi>N<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>c<\/em>=<em>m<\/em><em>e<\/em>mod<em>N<\/em>. Zur Entschl\u00fcsselung gen\u00fcgt&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>m<\/mi><mo>=<\/mo><msup><mi>c<\/mi><mi>d<\/mi><\/msup><mspace><\/mspace><mspace width=\"0.6667em\"><\/mspace><mrow><mi mathvariant=\"normal\">m<\/mi><mi mathvariant=\"normal\">o<\/mi><mi mathvariant=\"normal\">d<\/mi><\/mrow><mtext>\u2009<\/mtext><mtext>\u2009<\/mtext><mi>N<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>m<\/em>=<em>c<\/em><em>d<\/em>mod<em>N<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/norbert-pohlmann.com\/glossar-cyber-sicherheit\/rsa-verfahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.computerweekly.com\/de\/definition\/RSA-Algorithmus-Rivest-Shamir-Adleman?vgnextfmt=print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"http:\/\/files.gpg4win.org\/doc\/compendium\/02_version\/html-durchblicker\/durchblicker_25.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pointe: Ohne die Primfaktoren&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>p<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>p<\/em>&nbsp;und&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>q<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>q<\/em>&nbsp;ist es praktisch unm\u00f6glich, aus dem \u00f6ffentlichen Exponenten&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>e<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>e<\/em>&nbsp;den privaten&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>d<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>d<\/em>&nbsp;zu berechnen. Die Sicherheit beruht auf der Schwierigkeit, gro\u00dfe Zahlen in ihre Primfaktoren zu zerlegen. Eine Aufgabe, an der sich Generationen von Mathematikern die Z\u00e4hne ausgebissen haben. F\u00fcr 1977 war das revolution\u00e4r&nbsp;<a href=\"http:\/\/www-lehre.informatik.uni-osnabrueck.de\/vsin\/vsin03\/pgp\/node7.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass es im britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) bereits Anfang der 1970er Jahre mit James Ellis, Clifford Cocks und Malcolm Williamson \u00e4hnliche \u00dcberlegungen gegeben hatte, erfuhr die \u00d6ffentlichkeit erst Jahrzehnte sp\u00e4ter. Aus Geheimhaltungsgr\u00fcnden blieb diese Arbeit unver\u00f6ffentlicht. RSA war das erste Verfahren, das die wissenschaftliche Gemeinschaft erreichte und das erste, das patentiert wurde \u2013 ein Patent, das im September 2000 erlosch und den Algorithmus in die Gemeinfreiheit entlie\u00df&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/RSA-Kryptosystem\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.computerweekly.com\/de\/definition\/RSA-Algorithmus-Rivest-Shamir-Adleman?vgnextfmt=print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.rsa.com\/id\/company\/rsa-cryptography\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Aufstieg: Wie RSA die Welt eroberte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was folgte, war ein Siegeszug ohnegleichen. RSA wurde zum R\u00fcckgrat der sich gerade erst entwickelnden digitalen Wirtschaft. Secure Sockets Layer (SSL), sein Nachfolger Transport Layer Security (TLS), Secure Shell (SSH), Pretty Good Privacy (PGP) \u2013 all diese Protokolle, die Vertrauliches und Gesch\u00e4ftliches \u00fcber das unsichere Internet transportieren, bauten auf RSA auf&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.computerweekly.com\/de\/definition\/RSA-Algorithmus-Rivest-Shamir-Adleman?vgnextfmt=print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00f6ffentliche Schl\u00fcssel, dieses Zahlenpaar, das man bedenkenlos verteilen kann, l\u00f6ste das alte Henne-Ei-Problem der Kryptografie. Man musste sich nicht mehr treffen, um sich zu verabreden. Man konnte einander fremd sein und trotzdem sicher kommunizieren. Der Preis: RSA ist rechenintensiv. In der Praxis verschl\u00fcsselt man damit meist nicht die gesamte Nachricht, sondern tauscht nur einen symmetrischen Schl\u00fcssel aus, mit dem dann die eigentliche Kommunikation l\u00e4uft. Aber ohne RSA w\u00e4re dieser Schl\u00fcsseltausch nicht sicher&nbsp;<a href=\"https:\/\/norbert-pohlmann.com\/glossar-cyber-sicherheit\/rsa-verfahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kam eine zweite, ebenso wichtige F\u00e4higkeit: RSA erm\u00f6glicht digitale Signaturen. Vertauscht man die Rollen \u2013 signiert man also mit dem privaten Schl\u00fcssel und pr\u00fcft mit dem \u00f6ffentlichen \u2013, kann jeder nachweisen, dass eine Nachricht tats\u00e4chlich von einem bestimmten Absender stammt und nicht ver\u00e4ndert wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/norbert-pohlmann.com\/glossar-cyber-sicherheit\/rsa-verfahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.computerweekly.com\/de\/definition\/RSA-Algorithmus-Rivest-Shamir-Adleman?vgnextfmt=print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/sarwiki.informatik.hu-berlin.de\/index.php?title=RSA_Standard&amp;direction=next&amp;oldid=7789\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Authentizit\u00e4t, Integrit\u00e4t, Nichtabstreitbarkeit \u2013 drei Grundpfeiler digitalen Vertrauens, f\u00fcr die RSA die Blaupause lieferte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen und das MIT gr\u00fcndeten gemeinsam, und RSA Security, das von den drei Erfindern mitgegr\u00fcndete Unternehmen, entwickelte sich zu einem der f\u00fchrenden Anbieter f\u00fcr IT-Sicherheit \u2013 auch wenn sich der Fokus des Unternehmens heute l\u00e4ngst von der Verschl\u00fcsselung auf Identit\u00e4tsmanagement verlagert hat&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.rsa.com\/id\/company\/rsa-cryptography\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Erosion: Als die Zahlen wachsen mussten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch nichts w\u00e4chst ewig. Nicht einmal die Sicherheit von Primzahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon fr\u00fch zeigte sich, dass RSA verwundbar ist \u2013 nicht unbedingt im Kern, aber in der Umsetzung. Deterministische Verschl\u00fcsselung, bei der gleiche Eingaben stets gleiche Ausgaben erzeugen, ist angreifbar. Padding-Verfahren wie das Optimal Asymmetric Encryption Padding wurden notwendig&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/RSA-Kryptosystem\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Chosen ciphertext attacks, bei denen Angreifer gezielt manipulierte Chiffrate untersuchen, erforderten ausgekl\u00fcgelte Gegenma\u00dfnahmen&nbsp;<a href=\"https:\/\/sarwiki.informatik.hu-berlin.de\/index.php?title=RSA_Standard&amp;direction=next&amp;oldid=7789\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem aber wuchs die Rechenleistung. Was 1977 sicher war, ist es heute nicht mehr. 1999 wurde eine 512-Bit-RSA-Zahl faktorisiert. 2009 knackten Forscher eine 768-Bit-Zahl mit mehreren hundert Jahren Rechenzeit \u2013 verteilt auf viele Rechner, aber immerhin. 2020 gelang die Faktorisierung einer 829-Bit-Zahl&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.rsa.com\/id\/company\/rsa-cryptography\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die empfohlenen Schl\u00fcssell\u00e4ngen stiegen kontinuierlich. Heute gelten 2048 Bit als Minimum, 4096 Bit werden f\u00fcr l\u00e4ngerfristige Sicherheit empfohlen&nbsp;<a href=\"https:\/\/norbert-pohlmann.com\/glossar-cyber-sicherheit\/rsa-verfahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.rsa.com\/id\/company\/rsa-cryptography\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das eigentliche Problem sitzt tiefer. RSA beruht auf der Annahme, dass Faktorisierung schwer ist. Diese Annahme ist keine mathematische Gewissheit, sondern eine empirische Beobachtung. Es k\u00f6nnte morgen jemand einen Algorithmus finden, der das Problem in den Griff bekommt. Oder, und das ist die gr\u00f6\u00dfere Sorge, es k\u00f6nnte eine Technologie geben, die die Gesetze des Rechnens neu schreibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das drohende Ende: Quanten und die Zeit danach<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Februar 2026 ver\u00f6ffentlichte das Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine aktualisierte Technische Richtlinie. Die Botschaft war unmissverst\u00e4ndlich: Ab Ende 2031 sollen Verfahren wie RSA oder Elliptic Curve Cryptography nur noch in Kombination mit Post-Quanten-Kryptographie eingesetzt werden. F\u00fcr besonders kritische Anwendungen gilt die Frist bereits ab Ende 2030&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.it-daily.net\/shortnews\/bsi-klassische-verschluesselung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund hei\u00dft Quantencomputer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1994 entwickelte der Mathematiker Peter Shor einen Algorithmus, der auf einem Quantencomputer gro\u00dfe Zahlen in polynomialer Zeit faktorisieren k\u00f6nnte. Ein Quantenrechner mit ausreichend vielen stabilen Qubits w\u00fcrde RSA in Sekunden brechen. Nichts an der Mathematik von Rivest, Shamir und Adleman w\u00e4re mehr sicher. Die Fallt\u00fcr, die das Verfahren so elegant machte, w\u00fcrde sich vor aller Augen \u00f6ffnen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.computer-automation.de\/safety-und-security\/ftapi-bedrohung-fuer-die-sicherheit-von-morgen.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.silicon.de\/41722214\/quanten-durchbruch-bedroht-die-sicherheit\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.rsa.com\/id\/company\/rsa-cryptography\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch ist es nicht so weit. Die heute existierenden Quantencomputer haben erst etwa 1000 Qubits und halten ihre Zust\u00e4nde nur Millisekunden. Um einen 2048-Bit-RSA-Schl\u00fcssel zu knacken, br\u00e4uchte es Sch\u00e4tzungen zufolge 20 Millionen Qubits, die \u00fcber Stunden stabil bleiben&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.rsa.com\/id\/company\/rsa-cryptography\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das ist Science-Fiction \u2013 noch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Bedrohung ist realer, als es scheint. Denn es gibt das Problem der \u201eHarvest Now, Decrypt Later\u201c-Angriffe. Wer heute verschl\u00fcsselte Daten abf\u00e4ngt und speichert, kann sie in zehn oder zwanzig Jahren entschl\u00fcsseln, wenn die Technologie reif ist. Patientendaten, die heute erhoben werden, m\u00fcssen vielleicht drei\u00dfig Jahre geheim bleiben. Baupl\u00e4ne f\u00fcr kritische Infrastruktur, Staatsgeheimnisse, Unternehmensstrategien \u2013 alles, was heute im Netz unterwegs ist, k\u00f6nnte morgen offen liegen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.computer-automation.de\/safety-und-security\/ftapi-bedrohung-fuer-die-sicherheit-von-morgen.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.silicon.de\/41722214\/quanten-durchbruch-bedroht-die-sicherheit\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das BSI empfiehlt daher einen hybriden Ansatz. RSA soll nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber es muss mit quantensicheren Algorithmen kombiniert werden, die auf anderen mathematischen Problemen beruhen \u2013 etwa auf Gittern oder Hash-Funktionen. Das National Institute of Standards and Technology (NIST) in den USA hat bereits erste Standards ver\u00f6ffentlicht. F\u00fcr 2035 wird erwartet, dass RSA in seiner heutigen Form ausl\u00e4uft&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.it-daily.net\/shortnews\/bsi-klassische-verschluesselung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.rsa.com\/id\/company\/rsa-cryptography\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Das Ende einer \u00c4ra und die Kontinuit\u00e4t des Geistes<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte also sagen: Die Geschichte von RSA geht zu Ende. In zehn Jahren wird das Verfahren, das die digitale Welt aufbaute, als unsicher gelten. Die drei M\u00e4nner, die es erfanden, sind l\u00e4ngst emeritiert oder wirken in anderen Feldern. Das Unternehmen, das ihren Namen tr\u00e4gt, verkauft keine Verschl\u00fcsselung mehr, sondern Identit\u00e4tsmanagement.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das w\u00e4re zu kurz gegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn RSA ist mehr als ein Algorithmus. Es ist der Beweis, dass Mathematik die Welt ver\u00e4ndern kann. Es ist der Beleg, dass drei Menschen mit unterschiedlichen Talenten \u2013 der Algorithmiker, der Theoretiker, der Skeptiker \u2013 etwas erschaffen k\u00f6nnen, das Generationen \u00fcberdauert. Und es ist vor allem eine Idee: Dass man Geheimnisse teilen kann, ohne sich zu kennen. Dass Vertrauen nicht auf Begegnung beruhen muss, sondern auf Zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Quantencomputer werden RSA \u00fcberwinden. Aber sie werden nicht die Idee \u00fcberwinden, die dahintersteckt. Die Post-Quanten-Kryptographie, die jetzt entwickelt wird, baut auf demselben Prinzip auf: \u00f6ffentliche Schl\u00fcssel, private Schl\u00fcssel, mathematische Fallt\u00fcren. Nur die Fallt\u00fcren sind andere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ron Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman haben nicht nur ein Verfahren erfunden. Sie haben eine T\u00fcr aufgesto\u00dfen. Dass diese T\u00fcr eines Tages wieder geschlossen wird, liegt in der Natur der Sache. Aber der Raum, den sie betreten haben \u2013 der Raum der \u00f6ffentlichen Schl\u00fcssel, der digitalen Signaturen, der sicheren Kommunikation zwischen Fremden \u2013, der bleibt. Und solange es Geheimnisse gibt, die bewahrt werden m\u00fcssen, wird jemand in diesem Raum arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unzerlegbaren sind am Ende. Aber was sie zerlegt haben, war die alte Welt der Kryptografie. Die neue Welt, die sie schufen, werden andere weiterbauen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wikipedia: RSA-Kryptosystem\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/RSA-Kryptosystem\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Prof. Dr. Norbert Pohlmann: RSA-Verfahren\u00a0<a href=\"https:\/\/norbert-pohlmann.com\/glossar-cyber-sicherheit\/rsa-verfahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>IT-Daily: BSI gibt klassischer Verschl\u00fcsselung ein Ablaufdatum (Februar 2026)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.it-daily.net\/shortnews\/bsi-klassische-verschluesselung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>ComputerWeekly: RSA-Algorithmus (Rivest-Shamir-Adleman)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.computerweekly.com\/de\/definition\/RSA-Algorithmus-Rivest-Shamir-Adleman?vgnextfmt=print\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Gpg4win: RSA-Algorithmus und Rechnen mit Restklassen\u00a0<a href=\"http:\/\/files.gpg4win.org\/doc\/compendium\/02_version\/html-durchblicker\/durchblicker_25.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Computer&amp;Automation: Bedrohung f\u00fcr die Sicherheit von morgen (Februar 2026)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.computer-automation.de\/safety-und-security\/ftapi-bedrohung-fuer-die-sicherheit-von-morgen.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Humboldt-Universit\u00e4t Berlin: RSA Standard\u00a0<a href=\"https:\/\/sarwiki.informatik.hu-berlin.de\/index.php?title=RSA_Standard&amp;direction=next&amp;oldid=7789\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck: Der RSA Algorithmus\u00a0<a href=\"http:\/\/www-lehre.informatik.uni-osnabrueck.de\/vsin\/vsin03\/pgp\/node7.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/silicon.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Silicon.de<\/a>:\u00a0Quanten-Durchbruch bedroht die Sicherheit (Februar 2026)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.silicon.de\/41722214\/quanten-durchbruch-bedroht-die-sicherheit\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>RSA Security: From Public-Key Crypto Breakthrough to the Future of Identity Security<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Erfindungen, die bleiben unbemerkt. Und es gibt solche, die werden so selbstverst\u00e4ndlich, dass wir aufh\u00f6ren, sie zu sehen. RSA geh\u00f6rt zur zweiten Kategorie. Jedes Mal, wenn Sie diese Seite aufrufen, wenn Sie eine Nachricht versenden, wenn Sie online bezahlen \u2013 jedes Mal, wenn Ihr Browser \u201ehttps\u201c anzeigt \u2013 sind Ron Rivest, Adi Shamir [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[40,18,19,32],"tags":[241,3939,4110,5457,5648,5949,5973],"class_list":["post-2217","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkwerkzeuge","category-im-kopf-methoden-werkzeuge","category-im-ruckspiegel","category-techarchaologie","tag-adi-shamir","tag-kryptografie","tag-leonard-adleman","tag-post-quanten-kryptographie","tag-quantencomputer","tag-ron-rivest","tag-rsa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2217","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2217"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2217\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}