{"id":2348,"date":"2026-03-20T08:07:49","date_gmt":"2026-03-20T07:07:49","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2348"},"modified":"2026-03-20T08:07:49","modified_gmt":"2026-03-20T07:07:49","slug":"reddy-kilowatt-der-vergessene-diener-der-amerika-das-licht-brachte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/reddy-kilowatt-der-vergessene-diener-der-amerika-das-licht-brachte\/","title":{"rendered":"Reddy Kilowatt: Der vergessene Diener, der Amerika das Licht brachte"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war einmal ein kleines M\u00e4nnchen mit einem Gl\u00fchbirnenkopf, Blitzen als Armen und Steckdosen als Ohren. Sein Name war Reddy Kilowatt, und \u00fcber sechs Jahrzehnte war er das bekannteste Gesicht der amerikanischen Elektrizit\u00e4tswirtschaft \u2013 ein Werbe-Star, der es mit Mickey Mouse aufnehmen konnte. Doch Reddy war weit mehr als eine niedliche Zeichentrickfigur. Er war der Vorreiter einer Marketingrevolution, ein ideologischer K\u00e4mpfer im Kalten Krieg und schlie\u00dflich das Opfer ebenjener Energiekrise, die er einst mitverhindern half. Seine Geschichte ist ein Lehrst\u00fcck \u00fcber die Macht der Bilder, den Wandel gesellschaftlicher Werte und den Versuch, einer unsichtbaren Technologie ein Gesicht zu geben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Geburt einer Idee: Vom Blitz zur Marke<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte von Reddy Kilowatt beginnt nicht in einer Werbeagentur, sondern in einem Gewitter. Der Ort: Alabama, Mitte der 1920er-Jahre. Ashton B. Collins Sr., der 40-j\u00e4hrige kaufm\u00e4nnische Leiter der&nbsp;<em>Alabama Power Company<\/em>, beobachtete fasziniert, wie Blitze in den Boden einschlugen. In ihren zuckenden \u00c4sten glaubte er, die Gliedma\u00dfen eines kraftvollen Wesens zu erkennen \u2013 eines Wesens, das man z\u00e4hmen und in den Dienst der Menschen stellen k\u00f6nnte&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese fast mythische Gr\u00fcndungsgeschichte mag sp\u00e4ter ausgeschm\u00fcckt worden sein, doch sie verweist auf ein reales Problem: Elektrizit\u00e4t war damals f\u00fcr die meisten Menschen unsichtbar, unverst\u00e4ndlich und nicht selten unheimlich. Zwar waren die St\u00e4dte Nordamerikas um 1925 weitgehend elektrifiziert, aber die l\u00e4ndlichen Regionen blieben unterversorgt. 1930 hatten noch fast 90 Prozent der amerikanischen Bauernh\u00f6fe keinen Stromanschluss&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Versorgungsunternehmen standen vor einem Vermarktungsproblem: Wie \u00fcberzeugt man sparsame Farmer und skeptische Kleinunternehmer davon, eine unsichtbare und potenziell gef\u00e4hrliche Energiequelle ins Haus zu holen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Collins\u2018 geniale Einsicht war, dass das Produkt ein Gesicht brauchte. Er wandte sich an einen Kollegen, den Ingenieur Dan Clinton, der die ersten Skizzen anfertigte. Am 6. M\u00e4rz 1926 lie\u00df die&nbsp;<em>Alabama Power Company<\/em>&nbsp;die Figur urheberrechtlich sch\u00fctzen, am 14. M\u00e4rz 1926 erschien Reddy Kilowatt erstmals in einer ganzseitigen Anzeige der&nbsp;<em>Birmingham News<\/em>&nbsp;und wenig sp\u00e4ter auf der Alabama Electrical Exposition&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/invention.si.edu\/invention-stories\/your-electric-servant\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Design war von bestechender Logik: Der K\u00f6rper aus Blitzen symbolisierte die Energie, der Gl\u00fchbirnenkopf und die Steckdosennasen das Endprodukt, die isolierenden Handschuhe und Schuhe die Sicherheit. Reddy war ein wandelndes Firmenversprechen \u2013 und das erste Mal, dass eine Industrie ihre Technologie derart konsequent personifizierte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Aufbau eines Imperiums: Lizenzen statt Eigenproduktion<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 h\u00e4tte das Projekt leicht beenden k\u00f6nnen. Statt die Nachfrage zu steigern, k\u00e4mpften die Menschen ums nackte \u00dcberleben. Doch Collins erkannte die Chance. 1933 verlie\u00df er&nbsp;<em>Alabama Power<\/em>, um dem neu gegr\u00fcndeten&nbsp;<em>Edison Electric Institute<\/em>&nbsp;beizutreten, einem Verband der privaten (investoreneigenen) Versorgungsunternehmen. Entscheidend war:&nbsp;<em>Alabama Power<\/em>&nbsp;\u00fcberlie\u00df ihm die Rechte an der Figur&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit begann ein bemerkenswertes Gesch\u00e4ftsmodell. Collins gr\u00fcndete die&nbsp;<em>Reddy Kilowatt, Inc.<\/em>&nbsp;und lizenzierte die Figur an andere Stromversorger. Das Prinzip war einfach: Gegen eine Geb\u00fchr erhielt ein Unternehmen das Recht, Reddy Kilowatt in seiner Werbung, auf seinen Lastwagen und in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit zu nutzen. Im Gegenzug verpflichtete sich der Lizenznehmer vertraglich, Reddy stets als &#8222;liebensw\u00fcrdig, sympathisch, wohlerzogen und ausgeglichen&#8220; darzustellen&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kern des Angebots war das &#8222;Reddy Kilowatt Art Service Reproduction Proofs Book&#8220;, ein dicker Katalog mit tausenden von Vorlagen, aus dem die Unternehmen Werbeanzeigen, Brosch\u00fcren und Layouts zusammenstellen konnten&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es war ein Franchise-System f\u00fcr Werbefiguren, lange bevor es diesen Begriff gab. Der erste Lizenznehmer war im Januar 1934 die&nbsp;<em>Philadelphia Electric Company<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Es folgten&nbsp;<em>Ohio Edison<\/em>,&nbsp;<em>Duke Power<\/em>&nbsp;und viele andere. Bis 1957 nutzten weltweit 222 Unternehmen die Figur, Ende der 1960er-Jahre war die Zahl auf etwa 300 angewachsen&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Duke Power selbst setzte Reddy von 1935 bis in die 1980er-Jahre ein&nbsp;<a href=\"https:\/\/illumination.duke-energy.com\/articles\/whatever-happened-to-reddy-kilowatt-5332515\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Collins sicherte die Marke fr\u00fch international: Kanada (1934), Argentinien (1937), Gro\u00dfbritannien (1938) und Mexiko (1938) folgten&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In Brasilien wurde aus Reddy &#8222;Zet Kilowatt&#8220;, in Portugal &#8222;Faisca&#8220; (Sparky)&nbsp;<a href=\"https:\/\/invention.si.edu\/invention-stories\/your-electric-servant\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Diener im Haus: Marketing f\u00fcr die Massen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reddy Kilowatt war allgegenw\u00e4rtig. Er prangte auf Streichholzschachteln, Anstecknadeln, Sch\u00fcrzen, Luftballons, Puzzles, K\u00fchlschrankmagneten und sogar auf Manschettenkn\u00f6pfen&nbsp;<a href=\"https:\/\/invention.si.edu\/invention-stories\/your-electric-servant\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/illumination.duke-energy.com\/articles\/whatever-happened-to-reddy-kilowatt-5332515\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Besonders originell war sein Auftritt auf der Stromrechnung. Dort stand er als &#8222;Lohnempf\u00e4nger&#8220; \u2013 seine Gage entsprach stets exakt dem Rechnungsbetrag&nbsp;<a href=\"https:\/\/invention.si.edu\/invention-stories\/your-electric-servant\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die abstrakte Gr\u00f6\u00dfe Kilowattstunde wurde so in &#8222;Dienstbotenstunden&#8220; \u00fcbersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1940er-Jahren wurde Reddy zum Filmstar. Nachdem eine Anfrage bei Walt Disney 1943 aufgrund von Kriegsverpflichtungen gescheitert war, wandte sich Collins an Walter Lantz, den Sch\u00f6pfer von Woody Woodpecker. Lantz\u2018 Studio produzierte 1946 den Zeichentrickfilm&nbsp;<strong>&#8222;Reddy Made Magic&#8220;<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Regie f\u00fchrte Dick Lundy, ein ehemaliger Disney-Animator. Die Stimme sprach Walter Tetley, ein gefragter Synchronsprecher, der sp\u00e4ter auch Sherman in &#8222;Mr. Peabody&#8220; seine Stimme lieh&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lantz\u2018 Team verfeinerte Reddys Erscheinungsbild entscheidend: Die Figur wurde gedrungener, proportionierter, bekam die ber\u00fchmten vierfingerigen wei\u00dfen Handschuhe und einen breiteren Mund mit leuchtenden Augen. Der dazugeh\u00f6rige Song, geschrieben von Del Porter und Darrell Calker, wurde zum Ohrwurm:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>&#8222;I wash and dry your clothes, play your radios, I can heat your coffee pot, I am always there, with lots of power to spare, \u2019cause I\u2019m REDDY KILOWATT!&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1958 folgte mit&nbsp;<strong>&#8222;The Mighty Atom&#8220;<\/strong>&nbsp;eine Aktualisierung f\u00fcr das Atomzeitalter&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wirkung dieser Kampagnen war enorm. Zwischen 1946 und 1947 stieg die Nachfrage nach Strom um 14 Prozent, w\u00e4hrend die Kosten weiter sanken. Hatte eine Kilowattstunde in den 1920er-Jahren umgerechnet noch 55 Cent gekostet, waren es 1947 nur noch 19 Cent&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Reddy Kilowatt wurde zur Leitfigur der Nachkriegsprosperit\u00e4t, zum Symbol eines Lebens im \u00dcberfluss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der ideologische K\u00e4mpfer: Reddys konservative Seele<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch Reddy Kilowatt hatte eine dunklere, politische Seite. Ashton B. Collins Sr. war ein gl\u00fchender Verfechter des Kapitalismus und ein erbitterter Gegner staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft. F\u00fcr ihn war Reddy nicht nur ein Verk\u00e4ufer von Strom, sondern auch ein Botschafter f\u00fcr die \u00dcberlegenheit des privaten Unternehmertums. Er bestand darauf, dass Reddy nur an steuerzahlende, b\u00f6rsennotierte Versorgungsunternehmen lizenziert werden durfte \u2013 nicht an die genossenschaftlich organisierten &#8222;Rural Electric Cooperatives&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Zweiten Weltkrieg, im beginnenden Kalten Krieg, versch\u00e4rfte Collins den Ton. Die&nbsp;<em>Reddy Kilowatt, Inc.<\/em>&nbsp;produzierte Werbevorlagen, die genossenschaftliche oder staatliche Stromversorger pauschal als Sozialismus diffamierten. In einer Anzeige war ein schwitzender Reddy zu sehen, der warnte: &#8222;Sozialismus \u2013 der Zwillingsbruder des Kommunismus \u2013 und wir wollen keinen von beiden!&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. 1950 startete Collins den &#8222;Grass Roots Impact Plan&#8220;, um diese Botschaften noch gezielter zu platzieren&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders wichtig war ihm die Beeinflussung der Jugend. Ab den sp\u00e4ten 1940er-Jahren f\u00f6rderte er &#8222;Reddy Kilowatt Youth Clubs&#8220;, die spielerisch kapitalistische Werte vermitteln sollten&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. In den unruhigen 1960er-Jahren entwickelte er ein umfassendes Bildungsprogramm f\u00fcr Schulen. Eine Pr\u00e4sentation f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte trug den bezeichnenden Titel &#8222;Fission, Fertility, and the Future&#8220; (Kernspaltung, Fruchtbarkeit und die Zukunft) und betonte die Notwendigkeit, die Jugend in Zeiten des sozialen Umbruchs zu erreichen&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Instrumentalisierung einer Kinderfigur f\u00fcr politische Zwecke zeigt die damalige Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der Wirtschaft und Antikommunismus verkn\u00fcpft wurden. Sie f\u00fchrte auch zum einzigen nennenswerten Rechtsstreit in Reddys Karriere. 1952 hatte der Verband der Elektrizit\u00e4tsgenossenschaften (NRECA) eine eigene Figur geschaffen:&nbsp;<strong>Willie Wiredhand<\/strong>, dessen K\u00f6rper aus Kabeln und F\u00fc\u00dfe aus Steckern bestanden. Collins verklagte die NRECA 1956 wegen Markenrechtsverletzung \u2013 und verlor. Das Gericht entschied am 7. Januar 1957, dass die Figuren sich ausreichend unterschieden&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/invention.si.edu\/invention-stories\/your-electric-servant\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Niedergang: Vom Verk\u00e4ufer zum Mahner<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1960er-Jahren begann der gesellschaftliche Wind zu drehen. Rachel Carsons &#8222;Der stumme Fr\u00fchling&#8220; (1962) l\u00e4utete die moderne Umweltbewegung ein. Als 1973 die OPEC ein \u00d6lembargo verh\u00e4ngte und die Energiekrise ausbrach, war das Paradigma endg\u00fcltig ausgewechselt: Aus der F\u00f6rderung des Energieverbrauchs wurde die dringende Notwendigkeit der Energieeinsparung&nbsp;<a href=\"https:\/\/webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca\/web\/20060913000000\/http:\/\/en.wikipedia.org:80\/wiki\/Reddy_Kilowatt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Reddy_Kilowatt&amp;diff=124104248&amp;oldid=124102531\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ein fr\u00f6hliches M\u00e4nnchen, das zum Stromverbrauch animierte, passte nicht mehr ins Bild. &#8222;Energieerhaltung ersetzte Energieproduktion als nationales Ziel&#8220;, konstatiert die Encyclop\u00e4die n\u00fcchtern&nbsp;<a href=\"https:\/\/webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca\/web\/20060913000000\/http:\/\/en.wikipedia.org:80\/wiki\/Reddy_Kilowatt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Versorger begannen, sich von ihrem langj\u00e4hrigen Maskottchen zu trennen. Chris Hamrick, Unternehmensarchivar bei&nbsp;<em>Duke Energy<\/em>, erkl\u00e4rt den Vorgang: &#8222;Das Bild war so lange verwendet worden, dass immer mehr Versorger begannen, es fallenzulassen und auf eine individuellere Marken- und Marketingstrategie umzustellen&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/illumination.duke-energy.com\/articles\/whatever-happened-to-reddy-kilowatt-5332515\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ashton B. Collins Sr. erlebte diesen Niedergang noch. Er starb am 16. Dezember 1976 im Alter von 91 Jahren&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sein Sohn, Ashton B. Collins Jr., f\u00fchrte das Unternehmen noch bis 1998 weiter. Dann verkaufte die Familie die Rechte an der Figur an die&nbsp;<em>Northern States Power Company<\/em>, die heute zu&nbsp;<em>Xcel Energy<\/em>&nbsp;geh\u00f6rt&nbsp;<a href=\"https:\/\/webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca\/web\/20060913000000\/http:\/\/en.wikipedia.org:80\/wiki\/Reddy_Kilowatt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/illumination.duke-energy.com\/articles\/whatever-happened-to-reddy-kilowatt-5332515\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Xcel Energy besitzt die Marke bis heute und lizenziert sie gelegentlich, aber der gro\u00dfe Auftritt Reddys war vorbei. Ein Ableger namens &#8222;Reddy Flame&#8220; f\u00fcr die Gaswirtschaft konnte nicht an den alten Erfolg ankn\u00fcpfen&nbsp;<a href=\"https:\/\/webarchiveweb.wayback.bac-lac.canada.ca\/web\/20060913000000\/http:\/\/en.wikipedia.org:80\/wiki\/Reddy_Kilowatt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Verm\u00e4chtnis: Zwischen eBay und Smithsonian<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reddy Kilowatt ist heute vor allem ein Fall f\u00fcr Sammler und Historiker. Auf eBay werden noch immer Lampen, Uhren und Kriegsanleihen mit seinem Konterfei gehandelt&nbsp;<a href=\"https:\/\/illumination.duke-energy.com\/articles\/whatever-happened-to-reddy-kilowatt-5332515\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das&nbsp;<em>National Museum of American History<\/em>&nbsp;der Smithsonian Institution bewahrt in seinen &#8222;Reddy Kilowatt Records&#8220; den umfangreichen Nachlass der Figur auf \u2013 ein Archiv mit Briefen, Werbematerialien, Filmen und Fotos, das die Entwicklung von einer simplen Idee zu einem globalen Ph\u00e4nomen dokumentiert&nbsp;<a href=\"https:\/\/americanhistory.si.edu\/fr\/collections\/archival-collection\/sova-nmah-ac-0913?edan_fq[]=set_name%3A%22Reddy+Kilowatt+Records+%2F+Series+2%3A+Ashton+Collins%2C+Sr.%2C+Materials+%2F+2.2%3A+Speeches%22\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/researchworks.oclc.org\/archivegrid\/?q=%22%2BExecutives+%2B+advertising%7E4%22%7E4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine abschlie\u00dfende Anmerkung zur Autorenschaft: Die Quellenlage zu den beteiligten K\u00fcnstlern ist nicht ganz eindeutig. W\u00e4hrend Dan Clinton und Dorothea Warren allgemein als die Urheber der fr\u00fchen Designs gelten, behauptet ein Nachruf der Nachrichtenagentur UPI aus dem Jahr 1987, der Grafikdesigner William Gilchrist Meek habe die Figur in den 1940er-Jahren entworfen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.upi.com\/Archives\/1987\/10\/22\/Graphic-designer-dies\/7075606813385\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dies widerspricht der gut dokumentierten Chronologie von 1926. Wahrscheinlicher ist, dass Meek, der f\u00fcr seine Arbeiten f\u00fcr Random House und das amerikanische Collegiate Dictionary bekannt war, in den 1940er-Jahren eine bedeutende \u00dcberarbeitung des Designs vornahm \u2013 m\u00f6glicherweise im Umfeld der Lantz-Filme \u2013 und daher im \u00f6ffentlichen Ged\u00e4chtnis f\u00e4lschlich als &#8222;Sch\u00f6pfer&#8220; gef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wahre Geschichte von Reddy Kilowatt ist die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Sie handelt von der Bezwingung der Natur, von Wirtschaftswunder und Konsumrausch, von ideologischer Aufladung und \u00f6kologischer Ern\u00fcchterung. Sie zeigt, wie eine unsichtbare Technologie durch eine brillante Marketing-Idee ein Gesicht bekam \u2013 und wie dieses Gesicht verschwinden musste, als die Rechnung f\u00fcr den verschwenderischen Umgang mit der Energie pr\u00e4sentiert wurde. Reddy Kilowatt war nie real, aber seine Karriere spiegelt unseren realen Umgang mit der Welt wider.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Smithsonian Institution, Lemelson Center for the Study of Invention and Innovation: &#8222;Your Electric Servant&#8220;\u00a0<a href=\"https:\/\/invention.si.edu\/invention-stories\/your-electric-servant\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Smithsonian Institution, National Museum of American History: &#8222;Reddy Kilowatt Records&#8220; (Archival Collection\u00a0<a href=\"https:\/\/nmah.ac\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">NMAH.AC<\/a>.0913)\u00a0<a href=\"https:\/\/americanhistory.si.edu\/fr\/collections\/archival-collection\/sova-nmah-ac-0913?edan_fq[]=set_name%3A%22Reddy+Kilowatt+Records+%2F+Series+2%3A+Ashton+Collins%2C+Sr.%2C+Materials+%2F+2.2%3A+Speeches%22\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/researchworks.oclc.org\/archivegrid\/?q=%22%2BExecutives+%2B+advertising%7E4%22%7E4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Wikipedia (Version vom 24. November 2024): &#8222;Reddy Kilowatt&#8220;\u00a0<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Reddy_Kilowatt?utm_campaign=wp_bump&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;wpisrc=nl_bump\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Wikipedia: &#8222;Ashton B. Collins Sr.&#8220;\u00a0<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ashton_B._Collins_Sr.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Duke Energy | illumination (4. April 2017): &#8222;Whatever happened to Reddy Kilowatt?&#8220;\u00a0<a href=\"https:\/\/illumination.duke-energy.com\/articles\/whatever-happened-to-reddy-kilowatt-5332515\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>UPI Archives (22. Oktober 1987): &#8222;Graphic designer dies&#8220;\u00a0<a href=\"https:\/\/www.upi.com\/Archives\/1987\/10\/22\/Graphic-designer-dies\/7075606813385\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von DerSchneider Es war einmal ein kleines M\u00e4nnchen mit einem Gl\u00fchbirnenkopf, Blitzen als Armen und Steckdosen als Ohren. Sein Name war Reddy Kilowatt, und \u00fcber sechs Jahrzehnte war er das bekannteste Gesicht der amerikanischen Elektrizit\u00e4tswirtschaft \u2013 ein Werbe-Star, der es mit Mickey Mouse aufnehmen konnte. Doch Reddy war weit mehr als eine niedliche Zeichentrickfigur. 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