{"id":2378,"date":"2026-03-20T11:10:25","date_gmt":"2026-03-20T10:10:25","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2378"},"modified":"2026-03-20T11:10:25","modified_gmt":"2026-03-20T10:10:25","slug":"autogenes-schweisen-gasschweisen-311-der-traditionsreiche-klassiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/autogenes-schweisen-gasschweisen-311-der-traditionsreiche-klassiker\/","title":{"rendered":"Autogenes Schwei\u00dfen (Gasschwei\u00dfen \/ 311): Der traditionsreiche Klassiker"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung: Die Flamme, die eine \u00c4ra pr\u00e4gte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor der Lichtbogen die Schwei\u00dftechnik revolutionierte, gab es die Flamme. Das autogene Schwei\u00dfen \u2013 auch Gasschwei\u00dfen oder Azetylen-Schwei\u00dfen genannt \u2013 war \u00fcber Jahrzehnte das dominierende F\u00fcgeverfahren f\u00fcr Metalle. Es war die Technologie, die den Rohrleitungsbau der 1920er Jahre erm\u00f6glichte, die im Zweiten Weltkrieg die Fertigung von Panzern und Schiffen beschleunigte und die bis in die 1960er Jahre in jeder Werkstatt und auf jeder Baustelle zu finden war. In der Normung wird es als Prozess 311 gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute hat das autogene Schwei\u00dfen viel von seiner einstigen Dominanz verloren. Doch es ist keineswegs verschwunden. In bestimmten Nischen \u2013 der Reparatur, der Restaurierung, dem Rohrleitungsbau in abgelegenen Gebieten und vor allem in der Ausbildung \u2013 bleibt es ein unverzichtbares Verfahren. Dieser Artikel beleuchtet die Physik der Flamme, die historische Bedeutung und die anhaltende Relevanz dieses traditionsreichen Klassikers.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Historische Entwicklung: Die Geburt einer Technologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte des autogenen Schwei\u00dfens ist eng mit der Entdeckung und industriellen Verf\u00fcgbarkeit von&nbsp;<strong>Azetylen<\/strong>&nbsp;(Acetylen, C\u2082H\u2082) verbunden. Bereits 1836 entdeckte Edmund Davy das Gas, doch erst der Franzose&nbsp;<strong>Henry Le Chatelier<\/strong>&nbsp;erkannte 1895 die M\u00f6glichkeit, mit einer Mischung aus Azetylen und Sauerstoff eine extrem hei\u00dfe Flamme zu erzeugen \u2013 bis zu 3.200 \u00b0C [1].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende technologische Entwicklung erfolgte um die Jahrhundertwende durch die Gebr\u00fcder&nbsp;<strong>Fouch\u00e9<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Picard<\/strong>&nbsp;in Frankreich, die den ersten funktionsf\u00e4higen Schwei\u00dfbrenner entwickelten. Gleichzeitig entstand in Deutschland das Unternehmen&nbsp;<strong>Griesheim-Elektron<\/strong>&nbsp;(sp\u00e4ter Teil der Hoechst AG), das die industrielle Produktion von Azetylen und Sauerstoff vorantrieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erste Weltkrieg beschleunigte die Verbreitung massiv. Die Notwendigkeit, schnell und ortsunabh\u00e4ngig Reparaturen an Fahrzeugen, Waffen und Infrastruktur durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, machte das autogene Schwei\u00dfen zur milit\u00e4rischen Schl\u00fcsseltechnologie. In den 1920er und 1930er Jahren erlebte das Verfahren seine Bl\u00fctezeit. Es wurde zum Standard im Rohrleitungsbau, im Kessel- und Beh\u00e4lterbau und in der Stahlkonstruktion [2].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachkriegszeit brachte mit der Verbreitung des Lichtbogenhandschwei\u00dfens und sp\u00e4ter des MIG\/MAG-Schwei\u00dfens einen allm\u00e4hlichen R\u00fcckgang. Die h\u00f6here Abschmelzleistung, die bessere Automatisierbarkeit und die geringeren Betriebskosten der Lichtbogenverfahren verdr\u00e4ngten das Gasschwei\u00dfen aus vielen Bereichen. Heute ist es ein Nischenverfahren \u2013 aber ein lebendiges.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Physik und Technik: Die kontrollierte Verbrennung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Prinzip des autogenen Schwei\u00dfens ist einfach: Eine Mischung aus einem Brenngas (meist Azetylen) und Sauerstoff wird in einem Brenner gez\u00fcndet und verbrennt an der D\u00fcsenspitze. Die entstehende Flamme erreicht Temperaturen zwischen 3.000 und 3.200 \u00b0C und schmilzt das Grundmaterial lokal auf. Ein Zusatzwerkstoff (Schwei\u00dfdraht) wird bei Bedarf von Hand in das Schmelzbad eingetaucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Flamme<\/strong>&nbsp;ist das Herzst\u00fcck des Verfahrens. Sie besteht aus drei Zonen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Prim\u00e4rflamme (Leuchtkegel):<\/strong>\u00a0Die innere, hell leuchtende Zone, in der das Azetylen unvollst\u00e4ndig verbrennt und Wasserstoff und Kohlenmonoxid freigesetzt werden. Hier entsteht die h\u00f6chste Temperatur.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sekund\u00e4rflamme (Flammenkern):<\/strong>\u00a0Die mittlere, bl\u00e4uliche Zone, in der der Wasserstoff mit zus\u00e4tzlichem Sauerstoff verbrennt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Au\u00dfenflamme (Flammensaum):<\/strong>\u00a0Die \u00e4u\u00dfere, kaum sichtbare Zone, in der das Kohlenmonoxid zu Kohlendioxid verbrennt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Einstellung der Flamme<\/strong>&nbsp;ist entscheidend f\u00fcr die Schwei\u00dfqualit\u00e4t. Drei Flammentypen werden unterschieden:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Flammentyp<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Sauerstoff-Azetylen-Verh\u00e4ltnis<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Eigenschaften<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Neutrale Flamme<\/strong><\/td><td>1:1<\/td><td>Kein \u00fcbersch\u00fcssiger Sauerstoff oder Azetylen; ruhiger, klarer Brenner.<\/td><td>Standardeinstellung f\u00fcr die meisten St\u00e4hle (Baustahl, niedriglegierte St\u00e4hle).<\/td><\/tr><tr><td><strong>Aufkohlende Flamme (\u00dcberschuss-Azetylen)<\/strong><\/td><td>&lt;1:1<\/td><td>Leuchtkegel verl\u00e4ngert, weicher Flammensaum; gibt Kohlenstoff an das Schmelzbad ab.<\/td><td>Auftragschwei\u00dfen von Hartmetallen, Schwei\u00dfen von h\u00f6hergekohlten St\u00e4hlen; Vorsicht bei unlegierten St\u00e4hlen erforderlich (Verspr\u00f6dungsgefahr).<\/td><\/tr><tr><td><strong>Oxidierende Flamme (\u00dcberschuss-Sauerstoff)<\/strong><\/td><td>&gt;1:1<\/td><td>Leuchtkegel verk\u00fcrzt, scharf zischend; gibt Sauerstoff an das Schmelzbad ab.<\/td><td>Schwei\u00dfen von Messing und Kupfer (reduziert Zinkverdampfung); nicht f\u00fcr Stahl geeignet (Verbrennung von Legierungselementen).<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Gase: Azetylen als K\u00f6nig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klassische Brenngas f\u00fcr das autogene Schwei\u00dfen ist&nbsp;<strong>Azetylen<\/strong>. Es bietet die h\u00f6chste Flammentemperatur und eine konzentrierte W\u00e4rmequelle. Allerdings ist es instabil: Reines Azetylen kann sich unter Druck explosionsartig zersetzen. Daher wird es in&nbsp;<strong>Azetylenflaschen<\/strong>&nbsp;gelagert, die mit einer por\u00f6sen Masse (z.B. Kieselgur) und Aceton gef\u00fcllt sind. Das Azetylen wird in Aceton gel\u00f6st, was die Lagerung unter Druck erm\u00f6glicht, ohne die Zersetzungsgefahr [3].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Sauerstofflieferant dient technischer Sauerstoff, der in&nbsp;<strong>Sauerstoffflaschen<\/strong>&nbsp;unter 200 bar Druck gespeichert wird. Die Gaszufuhr wird \u00fcber&nbsp;<strong>Druckminderer<\/strong>&nbsp;geregelt, die den Flaschendruck auf den ben\u00f6tigten Arbeitsdruck (meist 0,5\u20132,0 bar) reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten Jahrzehnten haben alternative Brenngase an Bedeutung gewonnen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Propan\/Butan:<\/strong>\u00a0G\u00fcnstiger als Azetylen, aber mit niedrigerer Flammentemperatur (ca. 2.800 \u00b0C). Geeignet f\u00fcr L\u00f6tarbeiten, Flammrichten und W\u00e4rmebehandlungen, weniger f\u00fcr das Schwei\u00dfen von Stahl.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wasserstoff:<\/strong>\u00a0Wird f\u00fcr das Schwei\u00dfen von Aluminium und anderen Leichtmetallen eingesetzt, wo eine aufkohlende Wirkung vermieden werden muss.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>MAPP-Gas (Methylacetylen-Propadien):<\/strong>\u00a0Eine Mischung aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen, die in den USA verbreitet ist, in Europa jedoch kaum Bedeutung hat.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zusatzwerkstoffe und Anwendungsbreite<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der&nbsp;<strong>Schwei\u00dfzusatz<\/strong>&nbsp;beim autogenen Schwei\u00dfen besteht aus abgel\u00e4ngten St\u00e4ben (meist 1,0\u20134,0 mm Durchmesser), deren Zusammensetzung exakt auf den Grundwerkstoff abgestimmt sein muss. F\u00fcr unlegierte St\u00e4hle kommen Dr\u00e4hte nach DIN EN ISO 20332 zum Einsatz, die in der Regel einen h\u00f6heren Silizium- und Mangananteil aufweisen, um die Desoxidation des Schmelzbades zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verfahren ist in der Lage, eine breite Palette von Metallen zu verbinden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Unlegierte und niedriglegierte St\u00e4hle:<\/strong>\u00a0Standardanwendung, gute Ergebnisse bei Blechdicken von 0,5 bis 6 mm.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Nichteisenmetalle:<\/strong>\u00a0Kupfer, Messing, Bronze, Nickel und deren Legierungen lassen sich gut autogen schwei\u00dfen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Grauguss:<\/strong>\u00a0Autogenes Schwei\u00dfen mit speziellen Zusatzwerkstoffen (z.B. Nickelbasis) ist ein etabliertes Reparaturverfahren f\u00fcr Gussfehler und Risse.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Aluminium:<\/strong>\u00a0Schwei\u00dfbar mit speziellen Brennern und Flussmitteln; die Oxidschicht muss chemisch oder mechanisch entfernt werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einsatzgebiete: Wo die Flamme unverzichtbar bleibt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl das autogene Schwei\u00dfen aus vielen industriellen Bereichen verschwunden ist, hat es seine Dom\u00e4nen behauptet:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Bereich<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Begr\u00fcndung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Rohrleitungsbau (Reparatur)<\/strong><\/td><td>Reparatur von Gas- und Wasserleitungen, insbesondere in schwer zug\u00e4nglichen Gebieten<\/td><td>Ortsunabh\u00e4ngigkeit, keine Stromversorgung erforderlich, mobile Ausr\u00fcstung<\/td><\/tr><tr><td><strong>Klima- und K\u00e4ltetechnik<\/strong><\/td><td>Verbindung von Kupferrohren in K\u00e4lteanlagen, W\u00e4rmepumpen, Klimaanlagen<\/td><td>Optimales W\u00e4rmemanagement f\u00fcr d\u00fcnnwandige Kupferrohre; pr\u00e4zise Steuerbarkeit<\/td><\/tr><tr><td><strong>Restaurierung und Denkmalpflege<\/strong><\/td><td>Reparatur historischer Metallkonstruktionen (Br\u00fccken, Gel\u00e4nder, Gusstor)<\/td><td>Flammeneinstellung erm\u00f6glicht materialschonendes Arbeiten; kompatibel mit historischen Grundwerkstoffen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Automobil-Restaurierung<\/strong><\/td><td>Karosseriearbeiten an Oldtimern, Reparatur d\u00fcnner Bleche<\/td><td>Geringe W\u00e4rmeeinbringung im Vergleich zum Lichtbogen, minimierter Verzug<\/td><\/tr><tr><td><strong>Ausbildung und Lehre<\/strong><\/td><td>Grundlagenausbildung von Schwei\u00dfern<\/td><td>Die Flammenf\u00fchrung schult Koordination und W\u00e4rmeempfinden; viele Schwei\u00dfschulen beginnen nach wie vor mit dem autogenen Verfahren<\/td><\/tr><tr><td><strong>W\u00e4rmebehandlung und Richten<\/strong><\/td><td>Vorw\u00e4rmen von dicken Bauteilen, Flammrichten verzogener Konstruktionen<\/td><td>Flamme ist ideale W\u00e4rmequelle f\u00fcr punktuelle oder fl\u00e4chige Erw\u00e4rmung ohne Schwei\u00dfprozess<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontroversen und Grenzen: Warum die Dominanz verloren ging<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der R\u00fcckgang des autogenen Schwei\u00dfens ist kein Zufall \u2013 das Verfahren hat spezifische Schw\u00e4chen, die es f\u00fcr die moderne Industrie unattraktiv machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>geringe Abschmelzleistung<\/strong>&nbsp;ist der gr\u00f6\u00dfte Nachteil. W\u00e4hrend ein Lichtbogenhandschwei\u00dfer mehrere Kilogramm Elektroden pro Tag verarbeiten kann, liegen die Abschmelzleistungen beim Gasschwei\u00dfen deutlich darunter. F\u00fcr die Massenfertigung ist es daher unwirtschaftlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>W\u00e4rmeeinbringung<\/strong>&nbsp;ist im Vergleich zu modernen Verfahren schwer zu kontrollieren. Die Flamme erw\u00e4rmt das Bauteil gro\u00dffl\u00e4chig, was zu Verzug und einer breiten W\u00e4rmeeinflusszone f\u00fchrt. Bei d\u00fcnnen Blechen kann dies zu Verformungen f\u00fchren, die bei punktuellen Lichtbogenverfahren vermeidbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Sicherheitsaspekte<\/strong>&nbsp;sind nicht zu untersch\u00e4tzen. Der Umgang mit Azetylen und Sauerstoff unter Druck erfordert strenge Sicherheitsvorkehrungen. Azetylen ist hochentz\u00fcndlich, bildet mit Luft explosionsf\u00e4hige Gemische und kann sich bei unsachgem\u00e4\u00dfer Handhabung zersetzen. Die Lagerung von Gasflaschen unterliegt strengen Vorschriften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Nachteil ist die&nbsp;<strong>Empfindlichkeit gegen Wind und Zugluft<\/strong>. W\u00e4hrend Lichtbogenverfahren mit geeigneten Schutzgasen auch im Freien eingesetzt werden k\u00f6nnen, wird die autogene Flamme bereits von leichter Luftbewegung beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sicherheitspraxis: Leben mit der Gefahr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit mit Azetylen und Sauerstoff erfordert eine disziplinierte Sicherheitskultur. Die wichtigsten Grunds\u00e4tze:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>R\u00fcckschlagverhinderer:<\/strong>\u00a0Sie werden an Brenner und Druckminderer installiert und verhindern, dass eine Flamme in die Schl\u00e4uche oder Flaschen zur\u00fcckschl\u00e4gt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Flaschenhandhabung:<\/strong>\u00a0Azetylenflaschen m\u00fcssen aufrecht stehend transportiert und gelagert werden; die por\u00f6se Masse w\u00fcrde sonst besch\u00e4digt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Entl\u00fcftung:<\/strong>\u00a0Vor dem Z\u00fcnden wird der Brenner gesp\u00fclt, um explosive Gasgemische zu vermeiden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schutzausr\u00fcstung:<\/strong>\u00a0Schwei\u00dferbrille mit geeigneter Filterstufe (meist 4-6), lederne Schutzkleidung, Handschuhe.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der Risiken ist das Verfahren bei sachgem\u00e4\u00dfer Handhabung sicher. Die Unfallstatistiken der Berufsgenossenschaften zeigen, dass schwere Unf\u00e4lle mit autogenen Anlagen in den letzten Jahrzehnten deutlich zur\u00fcckgegangen sind \u2013 auch weil die Ausbildung in diesem Bereich nach wie vor einen hohen Stellenwert hat [4].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick: Ein Verfahren im Wandel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wird das autogene Schwei\u00dfen aussterben? Die realistische Einsch\u00e4tzung lautet: nein. Es wird sich weiter spezialisieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der&nbsp;<strong>industriellen Fertigung<\/strong>&nbsp;wird es keine Rolle mehr spielen \u2013 hier haben Lichtbogen- und Laserstrahlverfahren die Flamme l\u00e4ngst verdr\u00e4ngt. In den&nbsp;<strong>Nischen<\/strong>&nbsp;jedoch bleibt es unverzichtbar. Die steigende Nachfrage nach&nbsp;<strong>Kupferrohrverbindungen<\/strong>&nbsp;im Zuge der W\u00e4rmepumpeninstallationen hat dem autogenen Schwei\u00dfen in den letzten Jahren sogar neue Impulse gegeben. Auch die&nbsp;<strong>Oldtimer-Restaurierung<\/strong>&nbsp;und die&nbsp;<strong>Denkmalpflege<\/strong>&nbsp;sind wachsende M\u00e4rkte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>technologische Weiterentwicklung<\/strong>&nbsp;betrifft vor allem die Sicherheit und die Handhabung. Moderne&nbsp;<strong>automatische Gasregelsysteme<\/strong>&nbsp;reduzieren das Gefahrenpotenzial.&nbsp;<strong>Leichtere Flaschen aus Verbundwerkstoff<\/strong>&nbsp;erleichtern den Transport. Und nicht zuletzt bleibt das Verfahren ein unverzichtbarer Bestandteil der&nbsp;<strong>Schwei\u00dferausbildung<\/strong>: Wer die Flamme beherrscht, hat ein Gef\u00fchl f\u00fcr Temperaturen und W\u00e4rmeeinbringung entwickelt, das auch bei anderen Verfahren von unsch\u00e4tzbarem Wert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das autogene Schwei\u00dfen ist kein Verfahren der Vergangenheit. Es ist ein lebendiger Klassiker, der sich seinen Platz in der modernen Schwei\u00dftechnik bewahrt hat.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] DVS \u2013 Deutscher Verband f\u00fcr Schwei\u00dfen und verwandte Verfahren e.V.:&nbsp;<em>Geschichte der Schwei\u00dftechnik \u2013 Von den Anf\u00e4ngen bis zur Gegenwart<\/em>. DVS Media GmbH, D\u00fcsseldorf, 2015.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[2] Dilthey, Ulrich:&nbsp;*Schwei\u00dftechnische Fertigungsverfahren 1: Schwei\u00df- und Schneidtechnologien*. 3. Auflage, Springer-Verlag, Berlin\/Heidelberg, 2006.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[3] DIN EN ISO 9539:&nbsp;<em>Schwei\u00dfger\u00e4te f\u00fcr das Gasschwei\u00dfen, -l\u00f6ten und -schneiden \u2013 Werkstoffe f\u00fcr Ger\u00e4te f\u00fcr den Umgang mit Brenngasen und Sauerstoff<\/em>. Beuth Verlag, Berlin, aktuellste Fassung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[4] Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV):&nbsp;*DGUV Information 208-019: Autogenes Schwei\u00dfen, Schneiden und verwandte Verfahren*. DGUV, Berlin, 2021.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Die Flamme, die eine \u00c4ra pr\u00e4gte Bevor der Lichtbogen die Schwei\u00dftechnik revolutionierte, gab es die Flamme. Das autogene Schwei\u00dfen \u2013 auch Gasschwei\u00dfen oder Azetylen-Schwei\u00dfen genannt \u2013 war \u00fcber Jahrzehnte das dominierende F\u00fcgeverfahren f\u00fcr Metalle. Es war die Technologie, die den Rohrleitungsbau der 1920er Jahre erm\u00f6glichte, die im Zweiten Weltkrieg die Fertigung von Panzern und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,17,19,21],"tags":[645,685,2457,2621,3980,5842,6171],"class_list":["post-2378","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeit-mensch","category-im-herz","category-im-ruckspiegel","category-industriegeschichte","tag-autogenes-schweisen","tag-azetylen","tag-flammschweisen","tag-gasschweisen","tag-kupferrohrschweisen","tag-reparaturschweisen","tag-schweistechnik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2378","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2378"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2378\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2378"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2378"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2378"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}