{"id":2381,"date":"2026-03-20T11:12:55","date_gmt":"2026-03-20T10:12:55","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2381"},"modified":"2026-03-20T11:12:55","modified_gmt":"2026-03-20T10:12:55","slug":"reibschweisen-von-der-rotation-bis-zum-ruhrreibschweisen-fsw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/reibschweisen-von-der-rotation-bis-zum-ruhrreibschweisen-fsw\/","title":{"rendered":"Reibschwei\u00dfen: Von der Rotation bis zum R\u00fchrreibschwei\u00dfen (FSW)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung: F\u00fcgen durch Bewegung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was passiert, wenn zwei Metallteile unter hohem Druck gegeneinander bewegt werden? Sie erw\u00e4rmen sich, werden plastisch und k\u00f6nnen sich ohne \u00e4u\u00dfere W\u00e4rmequelle \u2013 ohne Lichtbogen, ohne Flamme, ohne Laser \u2013 miteinander verbinden. Das Reibschwei\u00dfen ist eine Familie von Verfahren, die auf diesem einfachen physikalischen Prinzip beruhen: Die Umwandlung von mechanischer Arbeit in W\u00e4rme durch Reibung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein Verfahren der Superlative: Es verbindet Aluminium mit Kupfer, Stahl mit Titan, es erm\u00f6glicht extrem feste Verbindungen ohne Poren oder Schlacke, und es hat in den letzten zwei Jahrzehnten \u2013 insbesondere durch das&nbsp;<strong>R\u00fchrreibschwei\u00dfen (FSW)<\/strong>&nbsp;\u2013 die Luft- und Raumfahrt, den Schienenfahrzeugbau und die Elektromobilit\u00e4t revolutioniert. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Varianten des Reibschwei\u00dfens, ihre physikalischen Grundlagen und ihre wachsende Bedeutung in einer Industrie, die nach effizienten und umweltfreundlichen F\u00fcgetechniken sucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Historische Entwicklung: Vom Drehbankversuch zur Hightech-Technologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee des Reibschwei\u00dfens ist alt. Bereits im 19. Jahrhundert wurde beobachtet, dass sich Metallst\u00fccke, die in einer Drehmaschine gegeneinander gepresst wurden, an den Kontaktfl\u00e4chen erw\u00e4rmten und verbanden. Doch erst in den 1950er Jahren wurde das Verfahren systematisch erforscht. In der Sowjetunion entwickelte&nbsp;<strong>A. I. Chudikov<\/strong>&nbsp;1956 das erste funktionsf\u00e4hige Reibschwei\u00dfverfahren, das in der Industrie eingesetzt wurde \u2013 zun\u00e4chst f\u00fcr die Verbindung von Ventilen und Wellen in der Luftfahrt [1].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig davon entstanden in den 1960er Jahren in Gro\u00dfbritannien und den USA \u00e4hnliche Entwicklungen. Das&nbsp;<strong>Rotationsreibschwei\u00dfen<\/strong>&nbsp;wurde in den 1970er und 1980er Jahren zum Standardverfahren f\u00fcr rotationssymmetrische Bauteile in der Automobilindustrie (Antriebswellen, Ventile) und in der Luftfahrt (Turbinenschaufeln, Hydraulikkomponenten).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Revolution kam 1991.&nbsp;<strong>Wayne Thomas<\/strong>&nbsp;und sein Team am&nbsp;<strong>The Welding Institute (TWI)<\/strong>&nbsp;in Cambridge, Gro\u00dfbritannien, entwickelten das&nbsp;<strong>R\u00fchrreibschwei\u00dfen (Friction Stir Welding \u2013 FSW)<\/strong>&nbsp;. Anstatt das gesamte Bauteil zu rotieren, f\u00fchrt ein rotierender Werkzeugstift (Pin) entlang der Verbindungslinie, erw\u00e4rmt das Material durch Reibung und verr\u00fchrt es im plastischen Zustand. Dieses Verfahren erm\u00f6glichte erstmals das Reibschwei\u00dfen von langen, geraden N\u00e4hten und er\u00f6ffnete v\u00f6llig neue Anwendungsfelder [2].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seitdem hat sich das R\u00fchrreibschwei\u00dfen rasant entwickelt. Es ist heute das Standardverfahren f\u00fcr Aluminiumstrukturen im Flugzeugbau (Airbus, Boeing), f\u00fcr Batteriegeh\u00e4use in der Elektromobilit\u00e4t und f\u00fcr die Verkleidungen von Hochgeschwindigkeitsz\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Physik und Technik: W\u00e4rme aus mechanischer Arbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allen Reibschwei\u00dfverfahren liegt ein gemeinsames Prinzip zugrunde: Zwei oder mehr Bauteile werden unter hohem Druck gegeneinander bewegt (rotierend, oszillierend oder linear). Die dabei entstehende Reibungsw\u00e4rme f\u00fchrt das Material an den Kontaktfl\u00e4chen in einen&nbsp;<strong>plastischen Zustand<\/strong>&nbsp;\u2013 ohne es zu schmelzen. Unter dem einwirkenden Druck verschwei\u00dfen die Bauteile im festen Zustand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidenden Vorteile dieses&nbsp;<strong>F\u00fcgens im festen Zustand (Solid-State Joining)<\/strong>&nbsp;sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Keine Schmelze, daher keine Erstarrungsfehler wie Poren oder Hei\u00dfrisse.<\/li>\n\n\n\n<li>Minimale W\u00e4rmeeinflusszone; das Gef\u00fcge bleibt weitgehend erhalten.<\/li>\n\n\n\n<li>Verbindung artfremder Materialien m\u00f6glich, die beim Schmelzschwei\u00dfen unvertr\u00e4gliche intermetallische Phasen bilden w\u00fcrden.<\/li>\n\n\n\n<li>Keine Schutzgase, keine Flussmittel, keine Spritzer \u2013 ein extrem sauberer Prozess.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Temperatur beim Reibschwei\u00dfen liegt typischerweise bei 70\u201390 % der Schmelztemperatur des jeweiligen Werkstoffs \u2013 je nach Verfahren und Parameter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Verfahrensfamilie im \u00dcberblick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Reibschwei\u00dfen umfasst mehrere technologisch unterschiedliche Varianten:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Verfahren<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Norm<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Prinzip<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Rotationsreibschwei\u00dfen<\/strong><\/td><td>42<\/td><td>Ein Bauteil rotiert, das andere wird axial gegen gepresst; nach Erreichen der Schwei\u00dftemperatur wird die Rotation gestoppt.<\/td><td>Rotationssymmetrische Bauteile: Wellen, Ventile, Bolzen, Rohre.<\/td><\/tr><tr><td><strong>R\u00fchrreibschwei\u00dfen (FSW)<\/strong><\/td><td>Nicht in ISO 4063 gelistet (Sonderverfahren)<\/td><td>Ein rotierender Werkzeugstift (Pin) mit Schulter f\u00e4hrt entlang der F\u00fcgekante und verr\u00fchrt das plastifizierte Material.<\/td><td>Lange, gerade oder gekr\u00fcmmte N\u00e4hte: Flugzeugstrukturen, Batteriegeh\u00e4use, Schienenfahrzeuge.<\/td><\/tr><tr><td><strong>R\u00fchrreibpunktschwei\u00dfen (FSSW)<\/strong><\/td><td>Abwandlung des FSW<\/td><td>Kurzzeitiges Eintauchen des rotierenden Werkzeugs an einem Punkt, ohne lineare Bewegung.<\/td><td>Punkverbindungen, insbesondere in der Automobilindustrie (Aluminiumkarosserien).<\/td><\/tr><tr><td><strong>Lineares Reibschwei\u00dfen<\/strong><\/td><td>42 (Variante)<\/td><td>Zwei Bauteile werden linear oszillierend gegeneinander bewegt.<\/td><td>Nicht-rotationssymmetrische Bauteile (z.B. Turbinenschaufeln, Rahmenstrukturen).<\/td><\/tr><tr><td><strong>R\u00fchrreibnieten (Friction Stir Riveting)<\/strong><\/td><td>Hybride Entwicklung<\/td><td>Kombination aus R\u00fchrreibschwei\u00dfen und mechanischem F\u00fcgen.<\/td><td>Multimaterialverbindungen im Automobilbau (Stahl-Aluminium).<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Rotationsreibschwei\u00dfen: Der Klassiker<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Rotationsreibschwei\u00dfen ist das am l\u00e4ngsten etablierte Verfahren dieser Familie. Es wird in zwei Varianten durchgef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Momenten-Reibschwei\u00dfen:<\/strong>\u00a0Das rotierende Bauteil wird mit konstantem Moment gegen das fixierte Bauteil gepresst. Nach Erreichen der definierten Einsinktiefe wird die Rotation gestoppt und die Verbindung unter erh\u00f6htem Druck ausgeschmiedet.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Weg-Reibschwei\u00dfen:<\/strong>\u00a0Der Prozess wird \u00fcber den zur\u00fcckgelegten Weg gesteuert \u2013 eine pr\u00e4zisere Methode f\u00fcr sicherheitsrelevante Bauteile.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Prozessparameter<\/strong>&nbsp;sind entscheidend f\u00fcr die Qualit\u00e4t:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Reibdruck:<\/strong>\u00a0Der Druck w\u00e4hrend der Rotationsphase; typischerweise 50\u2013200 N\/mm\u00b2.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Stauchdruck:<\/strong>\u00a0Der erh\u00f6hte Druck nach Stopp der Rotation; etwa das Doppelte des Reibdrucks.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Drehzahl:<\/strong>\u00a0Je nach Durchmesser 500\u20135.000 U\/min.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Reibzeit:<\/strong>\u00a0Meist 1\u201310 Sekunden; der gesamte Zyklus dauert selten l\u00e4nger als 30 Sekunden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Rotationsreibschwei\u00dfen wird heute hochautomatisiert durchgef\u00fchrt. Moderne Maschinen verf\u00fcgen \u00fcber eine&nbsp;<strong>Prozess\u00fcberwachung in Echtzeit<\/strong>&nbsp;und dokumentieren f\u00fcr jede Schwei\u00dfung die Parameter \u2013 eine Voraussetzung f\u00fcr sicherheitsrelevante Anwendungen in der Luftfahrt und der Automobilindustrie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>R\u00fchrreibschwei\u00dfen (FSW): Die Revolution<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das R\u00fchrreibschwei\u00dfen hat sich in den letzten 25 Jahren vom Laborversuch zur industriellen Schl\u00fcsseltechnologie entwickelt. Das Verfahren besteht aus einem speziell geformten Werkzeug, das aus zwei Elementen besteht:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Schulter (Shoulder):<\/strong>\u00a0Der \u00e4u\u00dfere Teil, der auf der Oberfl\u00e4che des Werkst\u00fccks aufliegt, die Reibungsw\u00e4rme erzeugt und das plastifizierte Material nach innen h\u00e4lt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Pin (Stift):<\/strong>\u00a0Der in das Material eintauchende Teil, der das Material durchmischt und die eigentliche Verbindung erzeugt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Werkzeugstift wird in die F\u00fcgekante eingetaucht und f\u00e4hrt dann entlang der Verbindungslinie. Das Material wird durch die Reibungsw\u00e4rme plastifiziert, vom Pin durchmischt und hinter dem Werkzeug unter Druck wieder verdichtet. Es entsteht eine nahezu porenfreie, feink\u00f6rnige Naht ohne Schmelze.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Werkzeugentwicklung<\/strong>&nbsp;war eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen des Verfahrens. Die Werkzeuge m\u00fcssen extrem hohen mechanischen und thermischen Belastungen standhalten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Stahlwerkzeuge:<\/strong>\u00a0F\u00fcr Aluminium- und Magnesiumlegierungen aus Werkzeugst\u00e4hlen (z.B. H13) oder Schnellarbeitsst\u00e4hlen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hartmetallwerkzeuge:<\/strong>\u00a0F\u00fcr hochfeste Aluminiumlegierungen, Kupfer und Titan.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Polykristalliner Diamant (PCD) oder kubisches Bornitrid (CBN):<\/strong>\u00a0F\u00fcr hochschmelzende Werkstoffe wie Stahl oder Nickelbasislegierungen \u2013 eine Entwicklung, die das FSW erst in den letzten Jahren f\u00fcr diese Werkstoffe erschlossen hat [3].<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einsatzgebiete: Wo Reibschwei\u00dfen unschlagbar ist<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reibschwei\u00dfverfahren haben in den letzten Jahrzehnten klare Dom\u00e4nen erobert:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Branche<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Verfahren<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Besonderheit<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Luft- und Raumfahrt<\/strong><\/td><td>Flugzeugr\u00fcmpfe (Airbus A380, A350), Treibstofftanks (SpaceX), Triebwerkskomponenten<\/td><td>FSW, Rotationsreibschwei\u00dfen<\/td><td>Extrem hohe Festigkeit, keine Poren, hervorragende Erm\u00fcdungseigenschaften; Gewichtsreduktion gegen\u00fcber Nietverbindungen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Elektromobilit\u00e4t<\/strong><\/td><td>Batteriegeh\u00e4use (Trays), K\u00fchlk\u00f6rper, Verbindungen zwischen Zellen und Busbars<\/td><td>FSW, Rotationsreibschwei\u00dfen<\/td><td>Absolute Dichtheit (Schutzart IP67\/IP68), W\u00e4rmeableitung, Korrosionsbest\u00e4ndigkeit<\/td><\/tr><tr><td><strong>Schienenfahrzeugbau<\/strong><\/td><td>Langtr\u00e4ger, Dachstrukturen, Seitenw\u00e4nde von Hochgeschwindigkeitsz\u00fcgen (z.B. ICE, Shinkansen)<\/td><td>FSW<\/td><td>Lange, gerade N\u00e4hte mit minimalem Verzug; hohe Festigkeit bei Aluminiumkonstruktionen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Automobilindustrie<\/strong><\/td><td>Antriebswellen, Ventile, Achskomponenten, Batteriegeh\u00e4use (Elektrofahrzeuge)<\/td><td>Rotationsreibschwei\u00dfen, FSW<\/td><td>Kosteng\u00fcnstige Massenfertigung; Verbindung artfremder Materialien (z.B. Stahl-Aluminium)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Schiffsbau<\/strong><\/td><td>Aluminiumaufbauten, Rumpfsektionen von Schnellf\u00e4hren<\/td><td>FSW<\/td><td>Korrosionsbest\u00e4ndige N\u00e4hte; geringerer Verzug als bei MIG-Schwei\u00dfung<\/td><\/tr><tr><td><strong>Kupferverarbeitung<\/strong><\/td><td>Stromschienen (Busbars), W\u00e4rmetauscher, Elektrokomponenten<\/td><td>FSW, Rotationsreibschwei\u00dfen<\/td><td>Hohe elektrische Leitf\u00e4higkeit der Verbindung; keine Spritzer oder Oxide<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontroversen und Grenzen: Nicht f\u00fcr jedes Bauteil<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz seiner beeindruckenden Vorteile hat das Reibschwei\u00dfen klare Grenzen. Die gr\u00f6\u00dfte Einschr\u00e4nkung beim&nbsp;<strong>Rotationsreibschwei\u00dfen<\/strong>&nbsp;ist die&nbsp;<strong>Beschr\u00e4nkung auf rotationssymmetrische Bauteile<\/strong>. Wellen, Rohre und Bolzen lassen sich hervorragend verbinden; komplexe Geometrien oder l\u00e4ngere, gerade N\u00e4hte sind mit diesem Verfahren nicht m\u00f6glich \u2013 hier kommt FSW ins Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das&nbsp;<strong>R\u00fchrreibschwei\u00dfen<\/strong>&nbsp;wiederum erfordert eine&nbsp;<strong>stabile Einspannung<\/strong>&nbsp;der Bauteile. Die beim Prozess auftretenden Kr\u00e4fte (mehrere tausend Newton) m\u00fcssen aufgenommen werden, ohne dass die Bauteile ausweichen. Das erfordert massive Vorrichtungen und schr\u00e4nkt die Flexibilit\u00e4t ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Herausforderung ist die&nbsp;<strong>Werkzeugstandzeit<\/strong>&nbsp;beim Schwei\u00dfen hochschmelzender Werkstoffe. W\u00e4hrend bei Aluminium mehrere Kilometer Naht mit einem Werkzeug geschwei\u00dft werden k\u00f6nnen, ist bei Stahl oder Titan bereits nach wenigen Metern ein Werkzeugwechsel erforderlich. Die&nbsp;<strong>Kosten f\u00fcr Hartmetall- oder CBN-Werkzeuge<\/strong>&nbsp;sind erheblich und beeinflussen die Wirtschaftlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der&nbsp;<strong>Prozess ist nicht r\u00fcckwirkend kontrollierbar<\/strong>&nbsp;in dem Sinne, dass das Ende der Naht ein Kernloch (Keyhole) hinterl\u00e4sst, wenn das Werkzeug aus dem Material gezogen wird. Bei FSW-N\u00e4hten muss dieses Loch entweder durch eine \u00dcberlappung gef\u00fcllt oder separat verschlossen werden \u2013 ein konstruktives Detail, das nicht immer unkritisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mischverbindungen: Das gro\u00dfe Potenzial<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der spannendsten Entwicklungen im Reibschwei\u00dfen ist die F\u00e4higkeit,&nbsp;<strong>artfremde Materialien<\/strong>&nbsp;zu verbinden \u2013 eine Aufgabe, bei der Schmelzschwei\u00dfverfahren aufgrund der Bildung spr\u00f6der intermetallischer Phasen oft scheitern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So lassen sich im&nbsp;<strong>Rotationsreibschwei\u00dfen<\/strong>&nbsp;Aluminium und Kupfer, Stahl und Aluminium oder Titan und Stahl zuverl\u00e4ssig verbinden. Diese F\u00e4higkeit ist f\u00fcr die Elektromobilit\u00e4t von enormer Bedeutung: Die Verbindung von Kupfer (Leitermaterial) mit Aluminium (leichter, kosteng\u00fcnstiger) in Batteriepacks oder Ladesystemen ist eine Schl\u00fcsselanwendung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das&nbsp;<strong>R\u00fchrreibschwei\u00dfen<\/strong>&nbsp;erm\u00f6glicht zudem die Verbindung von Aluminium mit Stahl oder Magnesium \u2013 eine F\u00e4higkeit, die im Leichtbau zunehmend gefragt ist. Allerdings sind die Parameter hier deutlich enger zu fassen als beim Gleichartschwei\u00dfen; die Position des Werkzeugs muss exakt auf der F\u00fcgekante gehalten werden, um die unerw\u00fcnschten Phasen zu minimieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick: Reibschwei\u00dfen in der digitalen Fertigung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Reibschwei\u00dfen steht am Anfang einer weiteren Entwicklungswelle. Drei Trends sind bestimmend:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Additive Fertigung durch Reibschwei\u00dfen:<\/strong>\u00a0Die\u00a0<strong>Additive Friction Stir Deposition (AFSD)<\/strong>\u00a0ist ein neues Verfahren, bei dem \u00fcber einen rotierenden, hohlen Werkzeugstab plastifiziertes Material schichtweise aufgetragen wird. Es erm\u00f6glicht die Reparatur hochwertiger Bauteile (z.B. Turbinenschaufeln) und die additive Fertigung gro\u00dfvolumiger Metallteile ohne Schmelze.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Robotik und Flexibilisierung:<\/strong>\u00a0W\u00e4hrend FSW lange Zeit auf massive Portalmaschinen beschr\u00e4nkt war, erm\u00f6glichen heute\u00a0<strong>Industrieroboter<\/strong>\u00a0mit speziellen Kraft-Momenten-Sensoren den Einsatz des Verfahrens an komplexen, dreidimensionalen Geometrien. Roboter-FSW wird zunehmend im Automobilbau und in der Luftfahrt eingesetzt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Prozesssimulation und digitaler Zwilling:<\/strong>\u00a0Die komplexen thermomechanischen Vorg\u00e4nge beim Reibschwei\u00dfen lassen sich heute mit modernen\u00a0<strong>Finite-Elemente-Methoden (FEM)<\/strong>\u00a0simulieren. Dies erm\u00f6glicht die Auslegung von Prozessen ohne aufwendige Vorversuche \u2013 ein wichtiger Schritt zur Kostensenkung [4].<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Reibschwei\u00dfen hat sich von einer Nischentechnologie zu einem der wichtigsten innovativen F\u00fcgeverfahren entwickelt. Seine F\u00e4higkeit, hochfeste, fehlerfreie Verbindungen \u2013 auch zwischen artfremden Materialien \u2013 herzustellen, macht es zu einer Schl\u00fcsseltechnologie f\u00fcr die Industrie der Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] DVS \u2013 Deutscher Verband f\u00fcr Schwei\u00dfen und verwandte Verfahren e.V.:&nbsp;<em>Fachbuchreihe Schwei\u00dftechnik, Band 7: Reibschwei\u00dfen \u2013 Grundlagen und Anwendungen<\/em>. DVS Media GmbH, D\u00fcsseldorf, 2019.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[2] Thomas, W. M.; Nicholas, E. D.:&nbsp;<em>Friction Stir Welding \u2013 The First Ten Years<\/em>. The Welding Institute (TWI), Cambridge, 2001.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[3] DIN EN ISO 18785 (Teile 1\u20135):&nbsp;<em>Reibr\u00fchrschwei\u00dfen \u2013 Aluminium<\/em>. Beuth Verlag, Berlin, aktuellste Fassung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[4] Mishra, R. S.; Mahoney, M. W.:&nbsp;<em>Friction Stir Welding and Processing<\/em>. ASM International, Materials Park (Ohio), 2007.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: F\u00fcgen durch Bewegung Was passiert, wenn zwei Metallteile unter hohem Druck gegeneinander bewegt werden? Sie erw\u00e4rmen sich, werden plastisch und k\u00f6nnen sich ohne \u00e4u\u00dfere W\u00e4rmequelle \u2013 ohne Lichtbogen, ohne Flamme, ohne Laser \u2013 miteinander verbinden. 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