{"id":2384,"date":"2026-03-20T11:14:53","date_gmt":"2026-03-20T10:14:53","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2384"},"modified":"2026-03-20T11:14:53","modified_gmt":"2026-03-20T10:14:53","slug":"laserstrahlschweisen-prazision-aus-licht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/laserstrahlschweisen-prazision-aus-licht\/","title":{"rendered":"Laserstrahlschwei\u00dfen: Pr\u00e4zision aus Licht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung: Die geb\u00fcndelte Energie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist das Verfahren, das die Vorstellungskraft befl\u00fcgelt: Ein geb\u00fcndelter Lichtstrahl, unsichtbar und doch von enormer Energie, durchdringt Metall, schmilzt es im Bruchteil einer Sekunde und f\u00fcgt es mit einer Pr\u00e4zision zusammen, die mit herk\u00f6mmlichen Methoden nicht zu erreichen ist. Das Laserstrahlschwei\u00dfen (LBW \u2013 Laser Beam Welding) ist die Technologie der extremen Genauigkeit, der minimalen W\u00e4rmeeinbringung und der h\u00f6chsten Produktionsgeschwindigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den letzten drei Jahrzehnten hat sich der Laser von einer Laborkuriosit\u00e4t zum unverzichtbaren Werkzeug in der industriellen Fertigung entwickelt. Es ist das Verfahren der Wahl f\u00fcr Medizintechnik, Elektronik, Batteriefertigung und f\u00fcr den Karosseriebau in der Automobilindustrie. Dieser Artikel beleuchtet die physikalischen Grundlagen, die verschiedenen Lasertypen und die technologischen Herausforderungen eines Verfahrens, das wie kein anderes f\u00fcr die Zukunft der Fertigung steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Historische Entwicklung: Vom Gedankenexperiment zur Industriel\u00f6sung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee des Lasers (Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation) wurde 1917 von Albert Einstein als theoretisches Konzept formuliert. Doch erst 1960 gelang&nbsp;<strong>Theodore Maiman<\/strong>&nbsp;am Hughes Research Laboratory in Kalifornien die Realisierung des ersten funktionsf\u00e4higen Lasers \u2013 ein Rubinlaser, der einen roten Lichtpuls aussandte. Kurz darauf, 1962, wurden die ersten Experimente zum Laserschwei\u00dfen durchgef\u00fchrt [1].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten industriellen Anwendungen kamen in den 1970er Jahren auf, zun\u00e4chst mit&nbsp;<strong>Festk\u00f6rperlasern<\/strong>&nbsp;(Nd:YAG) in der Elektronik- und Medizintechnik. Der eigentliche Durchbruch gelang jedoch mit der Entwicklung des&nbsp;<strong>CO\u2082-Lasers<\/strong>&nbsp;(Kohlendioxidlaser) in den 1980er Jahren. Diese Gaslaser erreichten Leistungen im Kilowattbereich und erm\u00f6glichten erstmals das Schwei\u00dfen von dickeren Blechen in der Automobil- und Stahlindustrie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 1990er Jahre brachten die n\u00e4chste Revolution:&nbsp;<strong>Faserlaser<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Scheibenlaser<\/strong>&nbsp;erreichten die Industriereife. Sie boten gegen\u00fcber den CO\u2082-Lasern entscheidende Vorteile: h\u00f6here Effizienz, kompaktere Bauweise, flexiblere Strahlf\u00fchrung durch Glasfaserkabel und eine deutlich bessere Strahlqualit\u00e4t. Seitdem hat sich das Laserschwei\u00dfen in immer neuen Branchen etabliert \u2013 von der Batteriefertigung f\u00fcr Elektrofahrzeuge bis zur Herstellung von Medizinimplantaten [2].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Physik und Technik: Licht als W\u00e4rmewerkzeug<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Laser erzeugt einen koh\u00e4renten, monochromatischen Lichtstrahl mit extrem hoher Leistungsdichte. Beim Auftreffen auf die Metalloberfl\u00e4che wird ein Teil der Energie reflektiert, der gr\u00f6\u00dfere Teil jedoch absorbiert und in W\u00e4rme umgewandelt. Bei ausreichend hoher Leistungsdichte (typischerweise &gt;10\u2076 W\/cm\u00b2) wird das Metall nicht nur aufgeschmolzen, sondern verdampft. Der entstehende Metalldampfdruck bildet ein schmales, tiefes Dampfkapillare \u2013 das&nbsp;<strong>Keyhole<\/strong>&nbsp;(Schl\u00fcsselloch) \u2013 das die Laserstrahlung tief in das Material eindringen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es werden zwei grundlegende Schwei\u00dfmodi unterschieden:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Schwei\u00dfmodus<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Leistungsdichte<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Charakteristik<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>W\u00e4rmeleitungsschwei\u00dfen<\/strong><\/td><td>&lt;10\u2076 W\/cm\u00b2<\/td><td>Das Material schmilzt ohne Verdampfung; breite, flache Naht; geringe Eindringtiefe.<\/td><td>D\u00fcnne Bleche (&lt;1 mm), \u00dcberlappn\u00e4hte, Pr\u00e4zisionsanwendungen.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Tiefschwei\u00dfen (Keyhole-Modus)<\/strong><\/td><td>&gt;10\u2076 W\/cm\u00b2<\/td><td>Bildung eines Dampfkapillare; schmale, tiefe Naht mit hohem Aspektverh\u00e4ltnis (Tiefe\/Breite &gt;5:1).<\/td><td>Standard f\u00fcr industrielle Anwendungen ab 1 mm Blechdicke; sehr hohe Schwei\u00dfgeschwindigkeiten m\u00f6glich.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Wellenl\u00e4nge<\/strong>&nbsp;des Lasers ist ein entscheidender Parameter, da sie die Absorption im Metall bestimmt. Metalle reflektieren langwellige Strahlung (z.B. CO\u2082-Laser mit 10,6 \u00b5m) st\u00e4rker als kurzwellige (Faserlaser mit 1,07 \u00b5m). F\u00fcr hochreflektierende Metalle wie Aluminium oder Kupfer sind daher kurzwellige Laser vorteilhafter \u2013 ein Grund f\u00fcr den Siegeszug der Faserlaser in der Elektromobilit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Lasertypen im industriellen Einsatz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der industriellen Praxis haben sich vier Lasertypen etabliert:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Lasertyp<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Wellenl\u00e4nge<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Leistung<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Vorteile<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Nachteile<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Hauptanwendung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>CO\u2082-Laser<\/strong><\/td><td>10,6 \u00b5m (infrarot)<\/td><td>bis 20 kW<\/td><td>Seit Jahrzehnten etabliert; gut f\u00fcr dicke Bleche; robuste Technik<\/td><td>Hohe Reflexion an Metallen; gro\u00dfe Anlagen; aufwendige Strahlf\u00fchrung<\/td><td>Dickschichtschwei\u00dfen in der Automobilindustrie (zunehmend r\u00fcckl\u00e4ufig)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Faserlaser<\/strong><\/td><td>1,07 \u00b5m (infrarot)<\/td><td>bis 100 kW<\/td><td>H\u00f6chste Effizienz (&gt;30 %); kompakt; flexible Strahlf\u00fchrung durch Glasfaserkabel; exzellente Strahlqualit\u00e4t<\/td><td>H\u00f6here Anschaffungskosten; empfindlich gegen\u00fcber R\u00fcckreflexion<\/td><td>Standard in der Industrie; Batteriefertigung, Karosseriebau, Feinblech<\/td><\/tr><tr><td><strong>Scheibenlaser<\/strong><\/td><td>1,03 \u00b5m (infrarot)<\/td><td>bis 16 kW<\/td><td>\u00c4hnliche Eigenschaften wie Faserlaser; besonders stabile Strahlqualit\u00e4t bei hoher Leistung<\/td><td>Komplexerer Aufbau<\/td><td>Hochpr\u00e4zisionsanwendungen, Luftfahrt, Forschung<\/td><\/tr><tr><td><strong>Diodenlaser<\/strong><\/td><td>0,8\u20131,0 \u00b5m (infrarot)<\/td><td>bis 10 kW<\/td><td>Geringe Investitionskosten; kompakt; ideal f\u00fcr W\u00e4rmeleitungsschwei\u00dfen<\/td><td>Geringere Strahlqualit\u00e4t; nicht f\u00fcr Tiefschwei\u00dfen geeignet<\/td><td>Kunststoffschwei\u00dfen, W\u00e4rmebehandlung, Beschichten<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Prozessf\u00fchrung und Strahlformen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die moderne Lasertechnik hat die reine Punktstrahlf\u00fchrung l\u00e4ngst hinter sich gelassen. Heute stehen verschiedene Verfahren zur Steuerung der Energieeinkopplung zur Verf\u00fcgung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Scannertechnik (Galvo-Scanner):<\/strong>\u00a0Zwei bewegliche Spiegel lenken den Laserstrahl mit hoher Geschwindigkeit (bis zu mehreren Metern pro Sekunde) \u00fcber das Werkst\u00fcck. Erm\u00f6glicht komplexe Nahtgeometrien und das sogenannte\u00a0<strong>Remote-Laserschwei\u00dfen<\/strong>\u00a0\u2013 ohne Bewegung des Schwei\u00dfkopfes oder Bauteils. Ideal f\u00fcr \u00dcberlappn\u00e4hte im Karosseriebau und f\u00fcr Punkt- und Kehln\u00e4hte an komplexen Bauteilen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Strahlformung:<\/strong>\u00a0Durch spezielle Optiken (z.B. diffraktive optische Elemente \u2013 DOE) kann der Laserstrahl in beliebige Formen gebracht werden: rechteckig, oval, mit mehreren Foki oder als Ringfokus. Dies erlaubt eine optimale Anpassung an die Nahtgeometrie und reduziert Spritzerbildung und Porosit\u00e4t.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Oszillation:<\/strong>\u00a0Der Fokuspunkt wird w\u00e4hrend des Schwei\u00dfens mit hoher Frequenz (bis zu mehreren kHz) auf einer definierten Bahn bewegt (Kreis, Acht, Lissajous). Dies vergr\u00f6\u00dfert das Schmelzbad, verbessert die Spalt\u00fcberbr\u00fcckbarkeit und reduziert die Empfindlichkeit gegen\u00fcber Bauteiltoleranzen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einsatzgebiete: Wo Mikrometer z\u00e4hlen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Laserstrahlschwei\u00dfen hat sich in zahlreichen Branchen als Standard etabliert, insbesondere dort, wo Pr\u00e4zision, minimale W\u00e4rmeeinbringung oder h\u00f6chste Produktionsgeschwindigkeiten gefordert sind:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Branche<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Besonderheit<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Automobilbau<\/strong><\/td><td>Karosserie (Dachn\u00e4hte, T\u00fcren, \u00dcberlappverbindungen), Getriebekomponenten, Airbag-Geh\u00e4use<\/td><td>H\u00f6chste Produktionsgeschwindigkeiten; Remote-Laserschwei\u00dfen ersetzt Punktschwei\u00dfen; St\u00fcckzahlen &gt;100.000 pro Jahr<\/td><\/tr><tr><td><strong>Elektromobilit\u00e4t<\/strong><\/td><td>Batteriezellen (Verbindung von Tab und Busbar), Batteriemodule, Batteriegeh\u00e4use<\/td><td>Kupferschwei\u00dfen (hohe Reflexion); h\u00f6chste Anforderungen an elektrische Leitf\u00e4higkeit und Dichtheit; Reinraumproduktion<\/td><\/tr><tr><td><strong>Medizintechnik<\/strong><\/td><td>Stents, Implantate, chirurgische Instrumente, Geh\u00e4use von Herzschrittmachern<\/td><td>Schwei\u00dfen im Mikrometerbereich; absolut saubere, porenfreie N\u00e4hte; biokompatible Werkstoffe (Titan, Edelstahl)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Elektronik<\/strong><\/td><td>Steckverbinder, Sensorgeh\u00e4use, Halbleitergeh\u00e4use, Mikrofonkomponenten<\/td><td>Pr\u00e4zisionsschwei\u00dfen mit geringster W\u00e4rmeeinbringung; automatisierte Mikromontage<\/td><\/tr><tr><td><strong>Luft- und Raumfahrt<\/strong><\/td><td>Triebwerkskomponenten, Strukturbauteile, Kraftstoffsysteme<\/td><td>H\u00f6chste Anforderungen an Festigkeit und Erm\u00fcdungsverhalten; Schwei\u00dfen von Titan und Nickelbasislegierungen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Werkzeug- und Formenbau<\/strong><\/td><td>Reparatur und Beschichtung von Werkzeugen, additive Fertigung<\/td><td>Punktuelle W\u00e4rmeeinbringung; Kombination mit Pulverauftrag (Laserdeposition)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontroversen und Grenzen: Die Herausforderungen des Lichts<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz seiner beeindruckenden F\u00e4higkeiten ist das Laserstrahlschwei\u00dfen kein Allheilmittel. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung bleibt die&nbsp;<strong>Prozessstabilit\u00e4t<\/strong>. Das Keyhole ist ein hochdynamisches, instabiles Gebilde. Schwankungen in der Materialzusammensetzung, Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit oder Positionierung k\u00f6nnen zu Poren, Spritzern oder unvollst\u00e4ndiger Durchschwei\u00dfung f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>hohen Investitionskosten<\/strong>&nbsp;sind eine weitere H\u00fcrde. Eine leistungsf\u00e4hige Faserlaseranlage mit Roboter, Scannersystem und Sicherheitskabine kostet mehrere hunderttausend Euro. F\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen ist dies oft eine schwer zu rechtfertigende Investition, zumal die Betriebskosten (Wartung, K\u00fchlung, Strom) ebenfalls nicht unerheblich sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Spalt\u00fcberbr\u00fcckbarkeit<\/strong>&nbsp;ist im Vergleich zu anderen Verfahren begrenzt. W\u00e4hrend beim MAG-Schwei\u00dfen noch Spaltma\u00dfe von mehreren Millimetern ausgeglichen werden k\u00f6nnen, sind beim Laserschwei\u00dfen Spaltma\u00dfe von mehr als 0,2\u20130,3 mm bereits kritisch. Dies stellt hohe Anforderungen an die Bauteilvorbereitung und die Positioniertechnik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Problem ist die&nbsp;<strong>Abschirmung des Prozesses<\/strong>. Beim Tiefschwei\u00dfen entsteht ein Metalldampfplume \u00fcber der Schwei\u00dfstelle, der den Laserstrahl abschw\u00e4chen oder streuen kann. Moderne Prozesse setzen daher auf&nbsp;<strong>Querstr\u00f6mungen<\/strong>&nbsp;oder&nbsp;<strong>Gasd\u00fcsen<\/strong>, um den Dampf abzusaugen \u2013 ein zus\u00e4tzlicher Aufwand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich ist die&nbsp;<strong>Arbeitssicherheit<\/strong>&nbsp;ein nicht zu untersch\u00e4tzender Faktor. Laserstrahlung der Klasse 4 (die in der industriellen Fertigung \u00fcblich ist) erfordert vollst\u00e4ndig gekapselte Anlagen oder spezielle Laserschutzr\u00e4ume. Jeder Eingriff in den Schutzbereich muss \u00fcber Verriegelungen gesichert sein \u2013 ein Aufwand, der bei flexiblen Arbeitspl\u00e4tzen schwer umsetzbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hybridverfahren: Die Kombination mit Lichtbogen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der bedeutendsten Entwicklungen der letzten Jahre ist das&nbsp;<strong>Laser-MSG-Hybridschwei\u00dfen<\/strong>. Hier wird der Laserstrahl mit einem MIG\/MAG-Lichtbogen kombiniert. Der Laser erzeugt das tiefe Keyhole und sorgt f\u00fcr den Einbrand, der Lichtbogen liefert die Masse f\u00fcr die Nahtf\u00fcllung und verbessert die Spalt\u00fcberbr\u00fcckbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorteile sind erheblich:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>H\u00f6here Schwei\u00dfgeschwindigkeiten (bis zu 50 % \u00fcber reinem MSG)<\/li>\n\n\n\n<li>Bessere Spalt\u00fcberbr\u00fcckbarkeit (bis 1 mm)<\/li>\n\n\n\n<li>Stabilerer Prozess mit geringerer Porenneigung<\/li>\n\n\n\n<li>M\u00f6glichkeit, dickere Bleche einlagig zu schwei\u00dfen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hybridverfahren hat sich insbesondere im Rohrleitungsbau, im Schiffbau und im Beh\u00e4lterbau etabliert, wo lange N\u00e4hte an mitteldicken Blechen (8\u201320 mm) gefordert sind [3].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick: Laser 4.0 und die Zukunft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Laserstrahlschwei\u00dfen befindet sich in einer dynamischen Entwicklung. Vier Trends sind bestimmend:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Gr\u00fcne Laser:<\/strong>\u00a0Die Entwicklung von\u00a0<strong>gr\u00fcnen Faserlasern<\/strong>\u00a0(Wellenl\u00e4nge 515 nm) und\u00a0<strong>blauen Diodenlasern<\/strong>\u00a0(445 nm) er\u00f6ffnet neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr das Schwei\u00dfen von Kupfer. Kurzwellige Laser werden von Kupfer deutlich besser absorbiert als Infrarotlaser, was Prozessstabilit\u00e4t und Energieeffizienz drastisch verbessert. Dies ist ein Gamechanger f\u00fcr die Batteriefertigung in der Elektromobilit\u00e4t [4].<\/li>\n\n\n\n<li><strong>KI-gest\u00fctzte Prozess\u00fcberwachung:<\/strong>\u00a0Moderne Laseranlagen sind mit\u00a0<strong>multispektralen Kameras<\/strong>,\u00a0<strong>Photodioden<\/strong>\u00a0und\u00a0<strong>akustischen Sensoren<\/strong>\u00a0ausgestattet. K\u00fcnstliche Intelligenz analysiert die Signale in Echtzeit und erkennt Abweichungen wie Porenbildung oder unzureichende Durchschwei\u00dfung noch w\u00e4hrend des Prozesses. Die automatische Nachregelung (closed-loop control) wird zunehmend industriell eingesetzt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ultrakurzpulslaser:<\/strong>\u00a0Laser mit Pulsdauern im Pikosekunden- oder Femtosekundenbereich erm\u00f6glichen das Schwei\u00dfen und Strukturieren mit minimaler W\u00e4rmeeinflusszone \u2013 ein Verfahren, das in der Mikroelektronik und Medizintechnik neue Ma\u00dfst\u00e4be setzt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Additive Fertigung:<\/strong>\u00a0Das Laserstrahlschwei\u00dfen ist die Grundlage des\u00a0<strong>Laser Powder Bed Fusion (LPBF)<\/strong>\u00a0, des am weitesten verbreiteten metallischen 3D-Druckverfahrens. Hier werden komplexe Bauteile aus Metallpulver schichtweise aufgebaut \u2013 ein Markt, der rasant w\u00e4chst.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Laserstrahlschwei\u00dfen hat sich von einer exotischen Hochtechnologie zum industriellen Standardwerkzeug entwickelt. Seine F\u00e4higkeit, Pr\u00e4zision, Geschwindigkeit und Flexibilit\u00e4t zu vereinen, macht es zu einer Schl\u00fcsseltechnologie f\u00fcr die Fertigung der Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] DVS \u2013 Deutscher Verband f\u00fcr Schwei\u00dfen und verwandte Verfahren e.V.:&nbsp;<em>Merkblatt DVS 3200: Laserstrahlschwei\u00dfen \u2013 Grundlagen, Verfahren, Anwendungen<\/em>. DVS Media GmbH, D\u00fcsseldorf, 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[2] Poprawe, Reinhart:&nbsp;<em>Lasertechnik f\u00fcr die Fertigung<\/em>. 2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin\/Heidelberg, 2018.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[3] Dilthey, Ulrich:&nbsp;<em>Schwei\u00dftechnische Fertigungsverfahren 2: Verhalten der Werkstoffe beim Schwei\u00dfen<\/em>. 3. Auflage, Springer-Verlag, Berlin\/Heidelberg, 2005.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[4] DIN EN ISO 13919-2:&nbsp;<em>Schwei\u00dfen \u2013 Elektronen- und Laserstrahlschwei\u00dfen \u2013 Bewertungsgruppen von Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten<\/em>. Beuth Verlag, Berlin, aktuellste Fassung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Die geb\u00fcndelte Energie Es ist das Verfahren, das die Vorstellungskraft befl\u00fcgelt: Ein geb\u00fcndelter Lichtstrahl, unsichtbar und doch von enormer Energie, durchdringt Metall, schmilzt es im Bruchteil einer Sekunde und f\u00fcgt es mit einer Pr\u00e4zision zusammen, die mit herk\u00f6mmlichen Methoden nicht zu erreichen ist. 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