{"id":2387,"date":"2026-03-20T11:17:56","date_gmt":"2026-03-20T10:17:56","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2387"},"modified":"2026-03-20T11:17:56","modified_gmt":"2026-03-20T10:17:56","slug":"elektronenstrahlschweisen-51-das-vakuum-verfahren-fur-hochste-anspruche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/elektronenstrahlschweisen-51-das-vakuum-verfahren-fur-hochste-anspruche\/","title":{"rendered":"Elektronenstrahlschwei\u00dfen (51): Das Vakuum-Verfahren f\u00fcr h\u00f6chste Anspr\u00fcche"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung: Schwei\u00dfen im Vakuum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die meisten Schwei\u00dfverfahren in der freien Atmosph\u00e4re stattfinden, arbeitet eines unter extremen Bedingungen: im Hochvakuum, bei Dr\u00fccken von weniger als 10\u207b\u2074 mbar. Das Elektronenstrahlschwei\u00dfen (EBW \u2013 Electron Beam Welding), in der Normung als Prozess 51 gef\u00fchrt, ist das Verfahren der absoluten Pr\u00e4zision, der extremen Tiefe und der h\u00f6chsten metallurgischen Reinheit. Es ist die erste Wahl, wenn es um sicherheitskritische Komponenten in der Luft- und Raumfahrt, in der Nukleartechnik oder in der Hochleistungsantriebstechnik geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kein anderes Schwei\u00dfverfahren erreicht vergleichbare Eindringtiefen bei so schmalen N\u00e4hten und so geringer W\u00e4rmeeinbringung. Doch diese Leistung hat ihren Preis: Die Vakuumkammer macht das Verfahren aufwendig und teuer. Dieser Artikel beleuchtet die Physik des Elektronenstrahls, die technologischen Besonderheiten und die unverzichtbare Rolle, die dieses Verfahren in den anspruchsvollsten Bereichen der Industrie spielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Historische Entwicklung: Aus der Kernforschung in die Industrie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung des Elektronenstrahlschwei\u00dfens ist untrennbar mit der Kernforschung der 1950er Jahre verbunden. Der franz\u00f6sische Physiker&nbsp;<strong>J. A. Stohr<\/strong>&nbsp;vom franz\u00f6sischen Atomenergiekommissariat (CEA) suchte nach einem Verfahren, um Brennst\u00e4be und Reaktorkomponenten aus hochreaktiven Metallen (Zirkonium, Uran) unter absolut reinen Bedingungen zu verbinden. Die L\u00f6sung: ein geb\u00fcndelter Elektronenstrahl im Hochvakuum. 1958 meldete Stohr das Patent f\u00fcr das Elektronenstrahlschwei\u00dfen an [1].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1960er Jahren verbreitete sich das Verfahren in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Die NASA nutzte es f\u00fcr Triebwerkskomponenten der Saturn-Raketen und f\u00fcr die Mondlandef\u00e4hre. In Europa wurde die Technologie von der Firma&nbsp;<strong>Steigerwald Strahltechnik<\/strong>&nbsp;(sp\u00e4ter Teil von PTR) und von&nbsp;<strong>Leybold-Heraeus<\/strong>&nbsp;weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 1970er und 1980er Jahre brachten die Expansion in die Automobilindustrie. Insbesondere die Fertigung von&nbsp;<strong>Getriebekomponenten<\/strong>&nbsp;(Planetentr\u00e4ger, Schaltkupplungen) in Gro\u00dfserie wurde zum zweiten Standbein des Verfahrens. Hier zeigte sich, dass Elektronenstrahlschwei\u00dfen nicht nur f\u00fcr Kleinstserien in der Luftfahrt, sondern auch f\u00fcr Hunderttausende von Teilen pro Jahr wirtschaftlich sein kann \u2013 vorausgesetzt, die Prozesse sind entsprechend automatisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist das Elektronenstrahlschwei\u00dfen ein etabliertes, wenn auch spezialisiertes Verfahren. Neue Impulse erh\u00e4lt es durch die Anforderungen der&nbsp;<strong>Elektromobilit\u00e4t<\/strong>&nbsp;(hochintegrierte Antriebskomponenten) und durch die&nbsp;<strong>additive Fertigung<\/strong>&nbsp;(Elektronenstrahlschmelzen) [2].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Physik und Technik: Beschleunigte Elektronen als W\u00e4rmewerkzeug<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Prinzip des Elektronenstrahlschwei\u00dfens unterscheidet sich grundlegend von allen anderen Verfahren. Eine&nbsp;<strong>Elektronenkanone<\/strong>&nbsp;erzeugt freie Elektronen, die in einem elektrischen Feld auf hohe Geschwindigkeit beschleunigt werden \u2013 typischerweise auf 60\u2013150 kV Beschleunigungsspannung. Durch magnetische Fokussierspulen wird der Elektronenstrahl auf einen extrem kleinen Durchmesser geb\u00fcndelt (0,2\u20130,8 mm) und auf das Werkst\u00fcck gerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Auftreffen der Elektronen auf das Metall werden deren kinetische Energie in W\u00e4rme umgewandelt. Die Leistungsdichte ist enorm: Bis zu 10\u2077 W\/cm\u00b2 werden erreicht \u2013 ein Vielfaches des Laserstrahlschwei\u00dfens. Das Material verdampft schlagartig, und es bildet sich ein tiefes Dampfkapillare, das sogenannte&nbsp;<strong>Keyhole<\/strong>. Der Elektronenstrahl kann so in die Tiefe eindringen und Verbindungen mit einem&nbsp;<strong>Aspektverh\u00e4ltnis (Tiefe\/Breite)<\/strong>&nbsp;von bis zu 30:1 erzeugen \u2013 eine Leistung, die mit keinem anderen Schwei\u00dfverfahren erreicht wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Vakuumkammer<\/strong>&nbsp;ist nicht nur eine Sicherheitsvorrichtung, sondern ein integraler Bestandteil des Prozesses. Sie erf\u00fcllt drei Funktionen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Freie Wegl\u00e4nge:<\/strong>\u00a0Die Elektronen w\u00fcrden in Luft bereits nach wenigen Millimetern gestreut; im Hochvakuum (10\u207b\u2074 bis 10\u207b\u00b2 mbar) k\u00f6nnen sie mehrere Meter ungehindert fliegen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Reinheit:<\/strong>\u00a0Keine Gase in der Atmosph\u00e4re, daher keine Oxidation, keine Nitrierung, keine Wasserstoffaufnahme. Das Schmelzbad ist absolut rein.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Entgasung:<\/strong>\u00a0Verunreinigungen auf der Werkstoffoberfl\u00e4che verdampfen im Vakuum, bevor sie in das Schmelzbad gelangen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die technologischen Varianten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Elektronenstrahlschwei\u00dfen wird in zwei grundlegenden Varianten durchgef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Variante<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Vakuumgrad<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Vorteile<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Nachteile<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Hochvakuum-EB<\/strong><\/td><td>&lt;10\u207b\u2074 mbar<\/td><td>Beste Strahlqualit\u00e4t, h\u00f6chste Reinheit, maximale Eindringtiefe<\/td><td>L\u00e4ngere Evakuierungszeiten, Kammergr\u00f6\u00dfe limitiert<\/td><td>Luftfahrt, Nukleartechnik, Forschung, hochreine Werkstoffe<\/td><\/tr><tr><td><strong>Mittelvakuum-EB<\/strong><\/td><td>10\u207b\u00b2 \u2013 10\u207b\u2074 mbar<\/td><td>K\u00fcrzere Evakuierungszeiten, h\u00f6herer Durchsatz<\/td><td>Leicht verminderte Strahlqualit\u00e4t<\/td><td>Automobilindustrie (Gro\u00dfserie), Getriebekomponenten<\/td><\/tr><tr><td><strong>Nichtvakuum-EB<\/strong><\/td><td>Atmosph\u00e4re<\/td><td>Keine Kammer, kontinuierliche Prozesse<\/td><td>Deutlich geringere Eindringtiefe, breitere Naht, Strahlverlust durch Streuung<\/td><td>Sonderanwendungen, Beschichtungen, bisher geringe Verbreitung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Elektronenkanone: Herzst\u00fcck der Anlage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Elektronenkanone ist das komplexeste Bauteil einer EBW-Anlage. Sie besteht aus mehreren Komponenten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kathode:<\/strong>\u00a0Ein gl\u00fchender Wolframdraht oder eine direkt geheizte Wolframspitze, die die freien Elektronen emittiert. Die Lebensdauer einer Kathode betr\u00e4gt je nach Betriebsart 20\u2013200 Stunden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wehnelt-Zylinder:<\/strong>\u00a0Eine negative Spannung gegen\u00fcber der Kathode steuert die Anzahl der emittierten Elektronen und damit den Strahlstrom.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Anode:<\/strong>\u00a0Eine positiv geladene Elektrode, die die Elektronen beschleunigt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fokussierspule:<\/strong>\u00a0Eine elektromagnetische Linse, die den Strahl auf den gew\u00fcnschten Fokusdurchmesser b\u00fcndelt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ablenkspule:<\/strong>\u00a0Erm\u00f6glicht die schnelle Positionierung des Strahls ohne mechanische Bewegung \u2013 ein entscheidender Vorteil f\u00fcr komplexe Nahtgeometrien.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Strahlablenkung<\/strong>&nbsp;ist eine der gro\u00dfen St\u00e4rken des Verfahrens. Da der Elektronenstrahl rein elektromagnetisch gelenkt wird, k\u00f6nnen Schwei\u00dfn\u00e4hte mit hoher Geschwindigkeit (bis zu mehreren Metern pro Sekunde) und beliebiger Geometrie ausgef\u00fchrt werden \u2013 ohne Bewegung des Werkst\u00fccks oder der Kammer. Dies erm\u00f6glicht:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Frequenzmodulierte N\u00e4hte:<\/strong>\u00a0Der Strahl oszilliert mit hoher Frequenz (bis zu mehreren kHz), um das Schmelzbad zu vergr\u00f6\u00dfern und Poren zu reduzieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Mehrfachn\u00e4hte:<\/strong>\u00a0Mehrere N\u00e4hte k\u00f6nnen mit einem einzigen Evakuierungszyklus geschwei\u00dft werden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Komplexe Geometrien:<\/strong>\u00a0Freiformkurven, Kreise, Ellipsen \u2013 alles programmierbar.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einsatzgebiete: Hochsicherheit und H\u00f6chstleistung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Elektronenstrahlschwei\u00dfen findet dort Anwendung, wo andere Verfahren an ihre Grenzen sto\u00dfen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Branche<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Besonderheit<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Luft- und Raumfahrt<\/strong><\/td><td>Triebwerkskomponenten (Turbinenscheiben, Verdichter), Fahrwerke, Strukturbauteile, Treibstofftanks<\/td><td>Titan, Nickelbasislegierungen; h\u00f6chste Anforderungen an Erm\u00fcdungsfestigkeit; jede Naht wird 100 % gepr\u00fcft<\/td><\/tr><tr><td><strong>Nukleartechnik<\/strong><\/td><td>Brennstabh\u00fcllen, Reaktordruckbeh\u00e4lter, Abschirmkomponenten<\/td><td>Zirkonium, hochreine St\u00e4hle; absolute Dichtheit; Bestrahlungsbest\u00e4ndigkeit<\/td><\/tr><tr><td><strong>Automobilindustrie (Gro\u00dfserie)<\/strong><\/td><td>Getriebekomponenten (Planetentr\u00e4ger, Schaltkupplungen), Differentiale, Turbolader<\/td><td>Kosteng\u00fcnstige Serienfertigung; Taktzeiten &lt;60 Sekunden; hochautomatisierte Anlagen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Antriebstechnik<\/strong><\/td><td>Hohlwellen, Antriebsstrangkomponenten f\u00fcr Nutzfahrzeuge und Schienenfahrzeuge<\/td><td>Verbindung artfremder Materialien; hohe Drehmoment\u00fcbertragung<\/td><\/tr><tr><td><strong>Medizintechnik<\/strong><\/td><td>Implantate (H\u00fcftgelenke, Wirbels\u00e4ulenimplantate), chirurgische Instrumente<\/td><td>Titan, biokompatible Legierungen; absolut porenfreie, korrosionsbest\u00e4ndige N\u00e4hte<\/td><\/tr><tr><td><strong>Additive Fertigung<\/strong><\/td><td>Elektronenstrahlschmelzen (EBM) \u2013 additive Fertigung von Titan- und Nickelbasisbauteilen<\/td><td>Hohe Aufbauraten; geringe Eigenspannungen; f\u00fcr Luftfahrt- und Medizintechnik<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontroversen und Grenzen: Der Preis der Perfektion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Elektronenstrahlschwei\u00dfen ist kein Verfahren f\u00fcr jede Werkstatt. Die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde ist die&nbsp;<strong>Vakuumkammer<\/strong>. Sie limitiert die Bauteilgr\u00f6\u00dfe \u2013 \u00fcbliche Kammern fassen Bauteile bis etwa 2 x 2 x 2 m; gr\u00f6\u00dfere Anlagen sind extrem teuer. Die&nbsp;<strong>Zykluszeit<\/strong>&nbsp;wird durch die Evakuierungs- und Bel\u00fcftungszeiten bestimmt; selbst bei optimierten Anlagen sind diese nicht zu unterschreiten. F\u00fcr Kleinserien oder Einzelst\u00fccke kann dies wirtschaftlich sein; f\u00fcr hohe St\u00fcckzahlen erfordert es eine sorgf\u00e4ltige Prozessauslegung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Investitionskosten<\/strong>&nbsp;sind erheblich. Eine mittelgro\u00dfe EBW-Anlage kostet zwischen 500.000 und 2 Millionen Euro, abh\u00e4ngig von Kammergr\u00f6\u00dfe und Leistung. Dazu kommen die Betriebskosten: Strom f\u00fcr die Elektronenkanone, K\u00fchlung, Wartung der Vakuumpumpen und regelm\u00e4\u00dfiger Austausch der Kathoden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Herausforderung ist die&nbsp;<strong>magnetische Empfindlichkeit<\/strong>. Der Elektronenstrahl wird bereits von schwachen Magnetfeldern abgelenkt \u2013 etwa vom Erdmagnetfeld oder von magnetisierten Werkst\u00fccken. EBW-Anlagen m\u00fcssen daher abgeschirmt oder kompensiert werden; Werkst\u00fccke m\u00fcssen vor dem Schwei\u00dfen entmagnetisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Strahlpositionierung<\/strong>&nbsp;erfordert h\u00f6chste Pr\u00e4zision. Da der Strahl nicht sichtbar ist, erfolgt die Positionierung \u00fcber mechanische Referenzpunkte oder \u00fcber eine integrierte Kamera mit Bildverarbeitung. Eine Fehlpositionierung von wenigen Zehntelmillimetern kann zur unvollst\u00e4ndigen Durchschwei\u00dfung f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich ist die&nbsp;<strong>Qualifikation des Personals<\/strong>&nbsp;ein kritischer Faktor. Das Bedienen einer EBW-Anlage erfordert spezifisches Wissen \u00fcber Vakuumtechnik, Elektronenoptik und Strahlphysik. Entsprechend qualifizierte Schwei\u00dftechniker sind rar und teuer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Qualit\u00e4tssicherung: Jede Naht unter Kontrolle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den sicherheitskritischen Anwendungen des Elektronenstrahlschwei\u00dfens (Luftfahrt, Nukleartechnik) gilt die h\u00f6chste Qualit\u00e4tssicherungsstufe. Moderne Anlagen verf\u00fcgen \u00fcber:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Prozess\u00fcberwachung in Echtzeit:<\/strong>\u00a0Analyse des R\u00f6ntgenstrahlungsprofils, des Sekund\u00e4relektronensignals und der Plasmaemission zur Beurteilung der Nahtqualit\u00e4t w\u00e4hrend des Schwei\u00dfens.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>100 %-Pr\u00fcfung:<\/strong>\u00a0Jede Schwei\u00dfnaht wird zerst\u00f6rungsfrei gepr\u00fcft \u2013 in der Regel durch\u00a0<strong>R\u00f6ntgenpr\u00fcfung<\/strong>\u00a0(interner Fehler) und\u00a0<strong>Durchdringungspr\u00fcfung<\/strong>\u00a0(Farbeindring- oder Wirbelstrompr\u00fcfung) f\u00fcr Oberfl\u00e4chenfehler.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Dokumentation:<\/strong>\u00a0Alle Prozessparameter (Beschleunigungsspannung, Strahlstrom, Fokus, Vorschub, Vakuumverlauf) werden f\u00fcr jede Schwei\u00dfung l\u00fcckenlos dokumentiert und archiviert.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick: Neue Impulse f\u00fcr ein etabliertes Verfahren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Elektronenstrahlschwei\u00dfen gilt seit Jahrzehnten als ausgereift. Doch neue Entwicklungen er\u00f6ffnen unerwartete Perspektiven:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mikro-Elektronenstrahlschwei\u00dfen:<\/strong>\u00a0Miniaturisierte EBW-Anlagen mit Kammergr\u00f6\u00dfen im Literbereich erm\u00f6glichen das Pr\u00e4zisionsschwei\u00dfen von Mikrokomponenten \u2013 ein wachsender Markt in der Medizintechnik und Sensorik.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Elektronenstrahl in der additiven Fertigung:<\/strong>\u00a0Das\u00a0<strong>Elektronenstrahlschmelzen (EBM)<\/strong>\u00a0hat sich neben dem Laser-Pulverbettschmelzen als zweite wichtige Technologie f\u00fcr den metallischen 3D-Druck etabliert. Es bietet h\u00f6here Aufbauraten, geringere Eigenspannungen und ist besonders geeignet f\u00fcr Titan und hitzebest\u00e4ndige Legierungen [3].<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gro\u00dfkammeranlagen:<\/strong>\u00a0Der Bedarf an gro\u00dfvolumigen, hochpr\u00e4zisen Schwei\u00dfungen steigt \u2013 etwa f\u00fcr Geh\u00e4use von Elektroantrieben, f\u00fcr Strukturbauteile in der Raumfahrt oder f\u00fcr Komponenten der Kernfusion (ITER). Hersteller entwickeln zunehmend\u00a0<strong>modulare Vakuumkammern<\/strong>, die auch mehrteilige Gro\u00dfbauteile aufnehmen k\u00f6nnen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Prozesssimulation:<\/strong>\u00a0Die komplexen physikalischen Vorg\u00e4nge im Keyhole und im Schmelzbad lassen sich heute mit modernen\u00a0<strong>Mehrphasen-FEM-Simulationen<\/strong>\u00a0abbilden. Dies erm\u00f6glicht die Auslegung von Prozessen ohne aufwendige Vorversuche \u2013 ein wichtiger Schritt zur Kostensenkung [4].<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Elektronenstrahlschwei\u00dfen bleibt ein Verfahren f\u00fcr die h\u00f6chsten Anspr\u00fcche. In einer Welt, in der Sicherheit, Zuverl\u00e4ssigkeit und metallurgische Reinheit nicht verhandelbar sind, ist es unverzichtbar. Es wird nicht zum Massenverfahren werden \u2013 aber in seinen Nischen wird es auch in Zukunft unersetzlich sein.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] DVS \u2013 Deutscher Verband f\u00fcr Schwei\u00dfen und verwandte Verfahren e.V.:&nbsp;<em>Merkblatt DVS 3201: Elektronenstrahlschwei\u00dfen \u2013 Grundlagen, Anlagen, Anwendungen<\/em>. DVS Media GmbH, D\u00fcsseldorf, 2019.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[2] Schultz, Helmut:&nbsp;<em>Elektronenstrahlschwei\u00dfen<\/em>. 2. Auflage, DVS Media GmbH, D\u00fcsseldorf, 2015.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[3] DIN EN ISO 13919-2:&nbsp;<em>Schwei\u00dfen \u2013 Elektronen- und Laserstrahlschwei\u00dfen \u2013 Bewertungsgruppen von Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten<\/em>. Beuth Verlag, Berlin, aktuellste Fassung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[4] American Welding Society (AWS):&nbsp;<em>Electron Beam Welding \u2013 C7.1 Standard<\/em>. AWS, Miami, 2020.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Schwei\u00dfen im Vakuum W\u00e4hrend die meisten Schwei\u00dfverfahren in der freien Atmosph\u00e4re stattfinden, arbeitet eines unter extremen Bedingungen: im Hochvakuum, bei Dr\u00fccken von weniger als 10\u207b\u2074 mbar. 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