{"id":2390,"date":"2026-03-20T11:21:17","date_gmt":"2026-03-20T10:21:17","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2390"},"modified":"2026-03-20T11:21:17","modified_gmt":"2026-03-20T10:21:17","slug":"plasmaschweisen-15-die-weiterentwicklung-des-wig-verfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/plasmaschweisen-15-die-weiterentwicklung-des-wig-verfahrens\/","title":{"rendered":"Plasmaschwei\u00dfen (15): Die Weiterentwicklung des WIG-Verfahrens"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung: Der geb\u00fcndelte Lichtbogen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Plasmaschwei\u00dfen \u2013 in der Normung als Prozess 15 gef\u00fchrt \u2013 ist die hochtechnologische Weiterentwicklung des WIG-Schwei\u00dfens. W\u00e4hrend beim WIG-Verfahren der Lichtbogen frei zwischen Wolframelektrode und Werkst\u00fcck brennt, wird beim Plasmaschwei\u00dfen der Lichtbogen durch eine wassergek\u00fchlte Kupferd\u00fcse eingeschn\u00fcrt. Das Ergebnis: ein extrem geb\u00fcndelter, stabiler und energiegeladener Plasmastrahl, der h\u00f6here Temperaturen, tiefere Einbr\u00e4nde und eine pr\u00e4zisere Energieeinkopplung erm\u00f6glicht als jedes andere Lichtbogenverfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Plasmaschwei\u00dfen ist das Verfahren der Wahl f\u00fcr h\u00f6chste Pr\u00e4zisionsanforderungen im Rohrleitungsbau, in der Luft- und Raumfahrt, in der Elektronikfertigung und im Formenbau. Es verbindet die Sauberkeit und Kontrollierbarkeit des WIG-Schwei\u00dfens mit h\u00f6heren Abschmelzleistungen und der M\u00f6glichkeit, auch dickere Bleche einlagig zu schwei\u00dfen. Dieser Artikel beleuchtet die Physik des Plasmas, die verschiedenen Verfahrensvarianten und die spezifischen Anwendungsfelder dieser faszinierenden Technologie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Historische Entwicklung: Vom Plasmabrenner zum Pr\u00e4zisionswerkzeug<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundlagen des Plasmaschwei\u00dfens wurden in den 1950er Jahren im Rahmen der Weltraumforschung und der Entwicklung von Wiedereintrittsk\u00f6rpern gelegt. Ingenieure suchten nach M\u00f6glichkeiten, extrem hei\u00dfe, stabile Lichtb\u00f6gen f\u00fcr thermische Schutzschichten zu erzeugen. Die&nbsp;<strong>Plasmatechnik<\/strong>&nbsp;entstand zun\u00e4chst f\u00fcr das&nbsp;<strong>Plasmaschneiden<\/strong>&nbsp;\u2013 ein Verfahren, das heute in jeder Metallwerkstatt zu finden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das&nbsp;<strong>Plasmaschwei\u00dfen<\/strong>&nbsp;entwickelte sich in den 1960er Jahren als Ableger dieser Technologie. Die Firma&nbsp;<strong>Union Carbide<\/strong>&nbsp;(sp\u00e4ter Linde) brachte die ersten industriell einsetzbaren Plasmabrenner auf den Markt. In den 1970er Jahren wurde das Verfahren insbesondere in der Luft- und Raumfahrtindustrie f\u00fcr das Schwei\u00dfen von d\u00fcnnwandigen Titan- und Nickelbasislegierungen eingesetzt [1].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Europa trieb vor allem das Unternehmen&nbsp;<strong>EWM<\/strong>&nbsp;(heute Teil der EWM Group) die Entwicklung voran. Die Einf\u00fchrung der&nbsp;<strong>Impulsplasmatechnik<\/strong>&nbsp;in den 1980er Jahren erm\u00f6glichte das hochpr\u00e4zise Schwei\u00dfen von d\u00fcnnsten Blechen bis herab zu 0,1 mm. In den 1990er Jahren wurde das&nbsp;<strong>Plasmaschwei\u00dfen mit Zusatzdraht<\/strong>&nbsp;etabliert, das h\u00f6here Abschmelzleistungen und die Verarbeitung dickerer Bleche erm\u00f6glichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist das Plasmaschwei\u00dfen ein etabliertes, wenn auch spezialisiertes Verfahren. Es wird dort eingesetzt, wo die Pr\u00e4zision des WIG-Schwei\u00dfens nicht ausreicht oder wo h\u00f6here Produktivit\u00e4t gefordert ist [2].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Physik und Technik: Der Lichtbogen in der D\u00fcse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Prinzip des Plasmaschwei\u00dfens \u00e4hnelt auf den ersten Blick dem WIG-Schwei\u00dfen. Auch hier brennt ein Lichtbogen zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem Werkst\u00fcck. Der entscheidende Unterschied ist die&nbsp;<strong>D\u00fcsenkonfiguration<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wolframelektrode sitzt zentriert in einer wassergek\u00fchlten&nbsp;<strong>Kupferd\u00fcse<\/strong>&nbsp;mit einer engen \u00d6ffnung (meist 1,5\u20134,0 mm Durchmesser). Das Schutzgas (meist Argon, mit Zus\u00e4tzen von Helium oder Wasserstoff) str\u00f6mt durch die D\u00fcse und wird dort ionisiert. Der Lichtbogen wird durch die D\u00fcsen\u00f6ffnung eingeschn\u00fcrt \u2013 was zu drei wesentlichen Effekten f\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Energieb\u00fcndelung:<\/strong>\u00a0Der Plasmastrahl hat eine deutlich h\u00f6here Energiedichte als der freie WIG-Lichtbogen. Die Temperaturen erreichen bis zu 20.000\u201330.000 \u00b0C \u2013 etwa doppelt so hoch wie beim WIG-Schwei\u00dfen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Stabilit\u00e4t:<\/strong>\u00a0Der Plasmastrahl ist auch bei gro\u00dfen Lichtbogenl\u00e4ngen (bis 20 mm) stabil und wird durch externe Einfl\u00fcsse (Magnetfelder, Zugluft) kaum beeinflusst. Dies erm\u00f6glicht das Schwei\u00dfen von geometrisch komplexen Strukturen und das Schwei\u00dfen unter Wasser (Sonderanwendungen).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Unabh\u00e4ngigkeit von Elektroden-Werkst\u00fcck-Abstand:<\/strong>\u00a0Beim WIG-Schwei\u00dfen muss der Abstand zwischen Wolframelektrode und Werkst\u00fcck konstant gehalten werden (typisch 2\u20135 mm). Beim Plasmaschwei\u00dfen kann der Plasmastrahl \u00fcber eine gr\u00f6\u00dfere Distanz aufrechterhalten werden, was die Prozessf\u00fchrung vereinfacht und die Automatisierung erleichtert.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die beiden Betriebsarten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Plasmaschwei\u00dfen wird in zwei grundlegenden Betriebsarten durchgef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Betriebsart<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Prinzip<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Eigenschaften<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Mikroplasma (Keyhole-Modus)<\/strong><\/td><td>Der Plasmastrahl durchdringt das Material vollst\u00e4ndig und bildet ein Kapillar (Keyhole). Das Material wird um das Keyhole herum aufgeschmolzen und verbindet sich hinter der Kapillare.<\/td><td>Einlagiges Schwei\u00dfen von Blechdicken bis 8\u201310 mm; keine Wurzelschwei\u00dfung erforderlich; h\u00f6chste Produktivit\u00e4t; sehr schmale N\u00e4hte.<\/td><td>Rohrleitungen (Wurzellage), Beh\u00e4lterbau, Luftfahrt.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Makroplasma (\u00dcbertragener Lichtbogen)<\/strong><\/td><td>Der Plasmastrahl schmilzt die Oberfl\u00e4che an; Zusatzdraht wird bei Bedarf zugef\u00fchrt. Der Lichtbogen brennt zwischen Elektrode und Werkst\u00fcck.<\/td><td>\u00c4hnlich dem WIG-Schwei\u00dfen, aber mit h\u00f6herer Energie; pr\u00e4zise Steuerung; f\u00fcr d\u00fcnne und mittlere Bleche (0,1\u20138 mm).<\/td><td>Feinblechverarbeitung, Formenbau, Elektronik.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Keyhole-Technik<\/strong>&nbsp;ist die spektakul\u00e4rste Variante des Plasmaschwei\u00dfens. Der Plasmastrahl durchdringt das Material vollst\u00e4ndig und bildet ein kleines Loch \u2013 das Keyhole. Die Oberfl\u00e4chenspannung des Schmelzbades h\u00e4lt das Keyhole offen, w\u00e4hrend der Plasmastrahl voranschreitet. Hinter dem Keyhole schlie\u00dft sich das Schmelzbad wieder und bildet eine vollst\u00e4ndig durchgeschwei\u00dfte Naht \u2013 in einem einzigen Arbeitsgang, ohne Wurzelbildung von der Gegenseite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorteile sind erheblich:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Einlagiges Schwei\u00dfen von Dicken bis 10 mm (bei Stahl) oder 15 mm (bei Aluminium)<\/li>\n\n\n\n<li>Keine Wurzelschwei\u00dfung erforderlich \u2013 auch bei Rohren und Beh\u00e4ltern<\/li>\n\n\n\n<li>H\u00f6here Schwei\u00dfgeschwindigkeiten als beim WIG-Schwei\u00dfen<\/li>\n\n\n\n<li>Extrem schmale W\u00e4rmeeinflusszone (oft unter 1 mm)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Gaswahl und ihre Bedeutung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wahl des Plasmasgases ist entscheidend f\u00fcr die Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit des Prozesses. Drei Gase oder Gasmischungen werden unterschieden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Plasmasgas:<\/strong>\u00a0Das Gas, das durch die D\u00fcse str\u00f6mt und den Plasmastrahl bildet. Standard: Argon (Ar) oder Argon mit Wasserstoffzus\u00e4tzen (Ar + H\u2082). Wasserstoff erh\u00f6ht die Energie und verbessert den Einbrand, kann aber bei nichtrostenden St\u00e4hlen zu Wasserstoffverspr\u00f6dung f\u00fchren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schutzgas (Deckgas):<\/strong>\u00a0Das Gas, das den Plasmastrahl umgibt und das Schmelzbad abschirmt. H\u00e4ufig Argon, bei Titan und Nickelbasislegierungen auch Helium (He) oder Argon-Helium-Mischungen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wurzelgas (bei Keyhole-Technik):<\/strong>\u00a0Das Gas, das auf der R\u00fcckseite des Schwei\u00dfguts die Wurzel abschirmt. Meist Argon oder bei St\u00e4hlen auch Argon mit geringen Sauerstoffzus\u00e4tzen (0,5\u20132 % O\u2082), um die Benetzung zu verbessern.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besondere Bedeutung hat der&nbsp;<strong>Wasserstoffzusatz<\/strong>&nbsp;zum Plasmasgas. Bereits 2\u20135 % Wasserstoff erh\u00f6hen die W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit des Plasmas erheblich und erm\u00f6glichen einen tieferen Einbrand. Bei h\u00f6heren Wasserstoffanteilen (bis 20 %) kann das Keyhole stabilisiert werden. Allerdings besteht die Gefahr der Wasserstoffaufnahme im Schwei\u00dfgut \u2013 bei ferritischen St\u00e4hlen ein Problem, bei austenitischen St\u00e4hlen weniger kritisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einsatzgebiete: Wo Pr\u00e4zision auf Produktivit\u00e4t trifft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Plasmaschwei\u00dfen hat sich in spezifischen Nischen etabliert, in denen die Kombination aus Pr\u00e4zision, Einbrandtiefe und Sauberkeit entscheidend ist:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Branche<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Verfahrensvariante<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Besonderheit<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Rohrleitungs- und Beh\u00e4lterbau<\/strong><\/td><td>Wurzellage von Rohren (Stahl, Edelstahl, Titan), Beh\u00e4lterb\u00f6den, Druckbeh\u00e4lter<\/td><td>Keyhole-Plasma<\/td><td>Einlagige, voll durchgeschwei\u00dfte N\u00e4hte; keine Wurzelunterst\u00fctzung; hohe Produktivit\u00e4t<\/td><\/tr><tr><td><strong>Luft- und Raumfahrt<\/strong><\/td><td>Triebwerkskomponenten (d\u00fcnnwandige Strukturen), Hitzeschilde, Hydraulikleitungen<\/td><td>Mikroplasma<\/td><td>Titan, Nickelbasislegierungen; extrem d\u00fcnne Bleche (0,2\u20132 mm); h\u00f6chste Reinheit<\/td><\/tr><tr><td><strong>Formen- und Werkzeugbau<\/strong><\/td><td>Reparatur von Spritzgussformen, Beschichtungen, Auftragschwei\u00dfen<\/td><td>Makroplasma mit Pulver<\/td><td>Punktuelle W\u00e4rmeeinbringung; minimaler Verzug; Hartlegierungen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Medizintechnik<\/strong><\/td><td>Chirurgische Instrumente, Implantate, Besteck<\/td><td>Mikroplasma<\/td><td>Korrosionsbest\u00e4ndige Edelst\u00e4hle und Titan; glatte, nacharbeitungsfreie N\u00e4hte<\/td><\/tr><tr><td><strong>Elektronik und Elektrotechnik<\/strong><\/td><td>Geh\u00e4use von Sensoren, Steckverbinder, Dosen, Vakuumkammern<\/td><td>Mikroplasma<\/td><td>D\u00fcnnbleche (0,1\u20131,5 mm); hermetisch dichte Verbindungen; keine Spritzer<\/td><\/tr><tr><td><strong>Kernfusion (ITER)<\/strong><\/td><td>Vakuumbeh\u00e4lter, W\u00e4rmeableiter<\/td><td>Keyhole-Plasma mit Zusatzdraht<\/td><td>Dicke Bleche (bis 40 mm) in einlagiger Schwei\u00dfung; h\u00f6chste Qualit\u00e4tsanforderungen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Additive Fertigung<\/strong><\/td><td>Plasma-Transferred-Arc (PTA) \u2013 Auftragschwei\u00dfen von Hartlegierungen<\/td><td>Pulver-Plasma<\/td><td>Verschlei\u00dfschutz von Ventilen, Walzen, Brechern<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontroversen und Grenzen: Die Komplexit\u00e4t des Plasmas<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz seiner beeindruckenden F\u00e4higkeiten ist das Plasmaschwei\u00dfen kein Allround-Verfahren. Die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde ist die&nbsp;<strong>Komplexit\u00e4t der Brennertechnik<\/strong>. Der Plasmabrenner ist wesentlich aufwendiger als ein WIG-Brenner: Er verf\u00fcgt \u00fcber zwei Gaszuf\u00fchrungen (Plasmasgas und Deckgas), eine aufwendige Wasserk\u00fchlung und muss die Wolframelektrode pr\u00e4zise zentriert zur D\u00fcse halten. Die&nbsp;<strong>D\u00fcsen<\/strong>&nbsp;sind Verschlei\u00dfteile, die regelm\u00e4\u00dfig ausgetauscht werden m\u00fcssen \u2013 bei Keyhole-Anwendungen bereits nach wenigen Schwei\u00dfstunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Prozessstabilit\u00e4t<\/strong>&nbsp;ist empfindlich gegen\u00fcber Schwankungen in der D\u00fcsengeometrie, im Gasfluss und im Elektrodenabstand. Die&nbsp;<strong>Keyhole-Technik<\/strong>&nbsp;erfordert eine besonders pr\u00e4zise Abstimmung der Parameter: Ist der Strom zu niedrig, schlie\u00dft sich das Keyhole und die Naht wird nicht durchgeschwei\u00dft. Ist der Strom zu hoch, wird das Keyhole zu gro\u00df und das Schmelzbad f\u00e4llt aus. Der Prozessfenster (Toleranzbereich der Parameter) ist beim Keyhole-Plasma deutlich kleiner als bei den meisten anderen Verfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Investitionskosten<\/strong>&nbsp;sind h\u00f6her als beim WIG-Schwei\u00dfen. Ein hochwertiger Plasma-Schwei\u00dfautomat f\u00fcr Rohrleitungen kostet zwischen 50.000 und 150.000 Euro, eine vollautomatische Anlage f\u00fcr die Serienfertigung kann mehrere hunderttausend Euro erreichen. Hinzu kommen die Kosten f\u00fcr die spezielle Brennertechnik und die Schulung des Personals.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer Punkt ist die&nbsp;<strong>W\u00e4rmeeinbringung<\/strong>&nbsp;bei der Keyhole-Technik. Obwohl die Naht extrem schmal ist, wird lokal sehr viel Energie eingebracht. Bei verzugsempfindlichen Konstruktionen oder bei d\u00fcnnen Blechen in Kombination mit dicken (\u00dcbergangsn\u00e4hte) kann dies zu Verformungen f\u00fchren, die mit anderen Verfahren vermeidbar w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Qualit\u00e4tssicherung: Jedes Keyhole z\u00e4hlt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Keyhole-Plasmaschwei\u00dfen ist die&nbsp;<strong>Prozess\u00fcberwachung<\/strong>&nbsp;besonders wichtig, da der Schwei\u00dfer die Wurzelseite der Naht nicht sehen kann. Moderne Anlagen verf\u00fcgen daher \u00fcber:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Durchbruch\u00fcberwachung:<\/strong>\u00a0Eine Kamera oder ein Sensor \u00fcberwacht das Keyhole und erkennt, ob das Material vollst\u00e4ndig durchgeschwei\u00dft ist.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Plasmaemissions\u00fcberwachung:<\/strong>\u00a0Die Analyse des Lichtspektrums des Plasmas erm\u00f6glicht R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Schwei\u00dfnahtqualit\u00e4t.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>L\u00e4ngenmessung der Lichtbogenspannung:<\/strong>\u00a0Schwankungen der Spannung deuten auf Ver\u00e4nderungen im Keyhole hin.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Qualifikation<\/strong>&nbsp;von Plasma-Schwei\u00dfern und -Anlagen erfolgt nach denselben Normen wie beim WIG-Schwei\u00dfen (DIN EN ISO 9606), mit spezifischen Zusatzanforderungen f\u00fcr das Keyhole-Plasma.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick: Plasmaschwei\u00dfen in der digitalen Fertigung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Plasmaschwei\u00dfen entwickelt sich in mehrere Richtungen weiter:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Plasma-Transferred-Arc (PTA) f\u00fcr additive Fertigung:<\/strong>\u00a0Das PTA-Auftragschwei\u00dfen wird zunehmend f\u00fcr die\u00a0<strong>additive Fertigung<\/strong>\u00a0von gro\u00dfvolumigen Bauteilen aus Hartlegierungen und f\u00fcr die\u00a0<strong>Reparatur<\/strong>\u00a0hochwertiger Werkzeuge eingesetzt. Die Kombination mit Robotern und 3D-CAD-Daten erm\u00f6glicht die generative Fertigung von Verschlei\u00dfschutzschichten und ganzen Bauteilen [3].<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Automatisiertes Keyhole-Plasma:<\/strong>\u00a0In der Rohrleitungsfertigung f\u00fcr die chemische und pharmazeutische Industrie werden zunehmend\u00a0<strong>vollautomatisierte Plasma-Schwei\u00dfsysteme<\/strong>\u00a0eingesetzt, die die Wurzellage in einem Arbeitsgang schwei\u00dfen und die F\u00fcllungen in weiteren Lagen mit demselben Brenner ausf\u00fchren. Die Prozessdokumentation ist l\u00fcckenlos.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Plasma als Hybridverfahren:<\/strong>\u00a0Die Kombination von Plasma mit Laser (Plasma-Laser-Hybrid) oder mit mehreren Plasmabrennern in Reihe erweitert die Anwendungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr dickwandige Bauteile in der Offshore-Industrie und im Beh\u00e4lterbau.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Simulation und digitaler Zwilling:<\/strong>\u00a0Die komplexen Str\u00f6mungs- und Plasmaphysikalischen Vorg\u00e4nge lassen sich heute mit modernen\u00a0<strong>CFD-Simulationen<\/strong>\u00a0(Computational Fluid Dynamics) abbilden. Dies erm\u00f6glicht die Auslegung von Brennergeometrien und Prozessparametern ohne aufwendige Versuchsreihen [4].<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Plasmaschwei\u00dfen bleibt ein Verfahren f\u00fcr h\u00f6chste Pr\u00e4zisionsanforderungen. Es wird nie die Verbreitung des WIG- oder MAG-Schwei\u00dfens erreichen, aber in seinen Nischen \u2013 insbesondere im Keyhole-Bereich \u2013 ist es unersetzlich.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] DVS \u2013 Deutscher Verband f\u00fcr Schwei\u00dfen und verwandte Verfahren e.V.:&nbsp;<em>Merkblatt DVS 2908: Plasmaschwei\u00dfen \u2013 Grundlagen, Verfahren, Anwendungen<\/em>. DVS Media GmbH, D\u00fcsseldorf, 2021.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[2] DIN EN ISO 4063:&nbsp;<em>Schwei\u00dfen und verwandte Prozesse \u2013 Liste der Prozesse \u2013 Nummerung<\/em>. Beuth Verlag, Berlin, aktuellste Fassung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[3] DIN EN ISO 5817:&nbsp;<em>Schwei\u00dfen \u2013 Schmelzschwei\u00dfverbindungen an St\u00e4hlen, Nickel, Titan und deren Legierungen (ohne Strahlschwei\u00dfen) \u2013 Bewertungsgruppen von Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten<\/em>. Beuth Verlag, Berlin, aktuellste Fassung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[4] American Welding Society (AWS):&nbsp;<em>Plasma Arc Welding \u2013 C5.1 Standard<\/em>. AWS, Miami, 2019.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Der geb\u00fcndelte Lichtbogen Das Plasmaschwei\u00dfen \u2013 in der Normung als Prozess 15 gef\u00fchrt \u2013 ist die hochtechnologische Weiterentwicklung des WIG-Schwei\u00dfens. W\u00e4hrend beim WIG-Verfahren der Lichtbogen frei zwischen Wolframelektrode und Werkst\u00fcck brennt, wird beim Plasmaschwei\u00dfen der Lichtbogen durch eine wassergek\u00fchlte Kupferd\u00fcse eingeschn\u00fcrt. 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