{"id":2393,"date":"2026-03-20T11:23:29","date_gmt":"2026-03-20T10:23:29","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2393"},"modified":"2026-03-20T11:23:29","modified_gmt":"2026-03-20T10:23:29","slug":"bolzenschweisen-78-die-schnelle-befestigungstechnik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/bolzenschweisen-78-die-schnelle-befestigungstechnik\/","title":{"rendered":"Bolzenschwei\u00dfen (78): Die schnelle Befestigungstechnik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung: Die unsichtbare Verbindung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eines der effizientesten und dennoch am wenigsten beachteten Schwei\u00dfverfahren: das Bolzenschwei\u00dfen. In der Normung als Prozess 78 gef\u00fchrt, verbindet es in Sekundenbruchteilen einen Bolzen, eine Mutter oder einen Gewindestift mit einem Blech oder einem Tr\u00e4ger \u2013 ohne Durchbohren, ohne Nieten, ohne Schrauben. Die Verbindung ist dauerhaft, belastbar und in vielen F\u00e4llen unsichtbar, da sie nur von einer Seite zug\u00e4nglich sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bolzenschwei\u00dfen ist die Technologie der Wahl f\u00fcr den Stahl- und Fassadenbau, f\u00fcr den Anschluss von Brandschutzplatten, f\u00fcr die Befestigung von Kabelkan\u00e4len in Schiffen und f\u00fcr tausend weitere Anwendungen, bei denen ein Befestigungselement schnell, zuverl\u00e4ssig und wirtschaftlich auf einem Grundmaterial fixiert werden muss. Dieser Artikel beleuchtet die Prinzipien, Varianten und Einsatzgebiete eines Verfahrens, das die Bau- und Fertigungsindustrie nachhaltig ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Historische Entwicklung: Vom Schiffbau in die Breite<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Urspr\u00fcnge des Bolzenschwei\u00dfens liegen im&nbsp;<strong>Schiffbau<\/strong>&nbsp;der 1930er Jahre. Werften suchten nach Alternativen zur aufwendigen Vernietung von Isolierungen, Kabelkan\u00e4len und Einbauten. Das Durchbohren der Stahlbeplankung war aus Festigkeitsgr\u00fcnden und wegen der Dichtheit problematisch. Das&nbsp;<strong>Nelson-Stud-Welding-Verfahren<\/strong>, benannt nach seinem Erfinder Ted Nelson, brachte 1939 den Durchbruch. Nelson entwickelte eine Schwei\u00dfpistole, mit der ein Bolzen durch einen Lichtbogen aufgeschmolzen und unter Druck auf das Grundblech gepresst wurde [1].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Technologie wurde im Zweiten Weltkrieg massiv ausgebaut. Die US-Marine setzte Bolzenschwei\u00dfungen in gro\u00dfem Umfang f\u00fcr die Befestigung von Isolierungen auf Kriegsschiffen ein. Nach dem Krieg verbreitete sich das Verfahren in den zivilen Schiffbau, in den Stahlbau und in die Bauindustrie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1950er und 1960er Jahren wurden die Verfahrenstechniken weiterentwickelt. Das&nbsp;<strong>Kondensator-Entladungs-Bolzenschwei\u00dfen<\/strong>&nbsp;(CD-Bolzen) wurde f\u00fcr d\u00fcnnere Bleche und kleinere Bolzen etabliert. Die Einf\u00fchrung von&nbsp;<strong>automatischen Bolzenzuf\u00fchrungen<\/strong>&nbsp;in den 1980er Jahren erm\u00f6glichte die Integration in automatisierte Fertigungslinien. Heute ist das Bolzenschwei\u00dfen ein universelles Verfahren, das in zahlreichen Branchen vom Automobilbau bis zur Haustechnik eingesetzt wird [2].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Physik und Technik: Lichtbogen und Pressung im Einklang<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bolzenschwei\u00dfen basiert auf einem einfachen Prinzip: Ein Bolzen (oder ein anderes Befestigungselement) wird mit einer Schwei\u00dfpistole auf das Grundmaterial aufgesetzt, durch einen Lichtbogen an seiner Kontaktfl\u00e4che aufgeschmolzen und dann unter Druck in das aufgeschmolzene Grundmaterial gedr\u00fcckt. Nach dem Erstarren ist der Bolzen unl\u00f6sbar mit dem Grundwerkstoff verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verfahren wird in zwei grundlegenden Varianten durchgef\u00fchrt, die sich in der Energiequelle, der Bolzengr\u00f6\u00dfe und dem Anwendungsbereich unterscheiden:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Verfahren<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Norm<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Prinzip<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Bolzendurchmesser<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Blechdicken<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Hubz\u00fcndungs-Bolzenschwei\u00dfen<\/strong><\/td><td>78 (Serie)<\/td><td>Der Bolzen wird vom Grundmaterial abgehoben, ein Lichtbogen gez\u00fcndet, die Kontaktfl\u00e4chen werden aufgeschmolzen, der Bolzen wird in das Schmelzbad eingetaucht.<\/td><td>3\u201325 mm (Sonderanwendungen bis 40 mm)<\/td><td>&gt;3 mm (h\u00e4ufig &gt;5 mm)<\/td><td>Stahlbau, Schiffbau, Br\u00fcckenbau, schwere Befestigungen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Kondensator-Entladungs-Bolzenschwei\u00dfen (CD)<\/strong><\/td><td>78 (Variante)<\/td><td>Ein Kondensator wird aufgeladen und \u00fcber die Kontaktfl\u00e4che schlagartig entladen; der Lichtbogen brennt nur Millisekunden; der Bolzen wird durch Federkraft eingedr\u00fcckt.<\/td><td>1\u201310 mm (typisch 3\u20138 mm)<\/td><td>ab 0,5 mm<\/td><td>Feinblech, Fassadenbau, Elektronik, Automobilbau<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hubz\u00fcndungs-Bolzenschwei\u00dfen: F\u00fcr schwere Lasten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Hubz\u00fcndungs-Bolzenschwei\u00dfen (auch: Lichtbogen-Bolzenschwei\u00dfen) ist das Verfahren f\u00fcr gro\u00dfe Bolzen (ab etwa 6 mm Durchmesser) und dicke Bleche (ab etwa 5 mm). Der Prozess l\u00e4uft in wenigen Sekunden ab und gliedert sich in vier Phasen:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Z\u00fcndphase:<\/strong>\u00a0Der Bolzen wird mit der Schwei\u00dfpistole auf das Grundmaterial gesetzt. Eine Feder oder ein Hubmechanismus h\u00e4lt den Bolzen in definiertem Kontakt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hubphase:<\/strong>\u00a0Ein Z\u00fcndmechanismus (meist eine kleine Hubspule) hebt den Bolzen einige Millimeter vom Grundmaterial ab. Gleichzeitig wird der Schwei\u00dfstrom eingeschaltet. Es entsteht ein Lichtbogen zwischen Bolzen und Grundmaterial.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schwei\u00dfphase:<\/strong>\u00a0Der Lichtbogen brennt f\u00fcr 0,2\u20132,0 Sekunden (je nach Bolzengr\u00f6\u00dfe) und schmilzt die Kontaktfl\u00e4chen beider Teile auf. Ein Keramikring umgibt die Schwei\u00dfzone und konzentriert die W\u00e4rme sowie das Schmelzbad.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Pressphase:<\/strong>\u00a0Nach Ablauf der Schwei\u00dfzeit wird der Bolzen durch Federkraft oder einen Pneumatikzylinder in das Schmelzbad eingedr\u00fcckt. Der Lichtbogen erlischt, das Material erstarrt unter Druck. Der Keramikring wird abgeschlagen oder verbleibt auf der Schwei\u00dfung (je nach Ausf\u00fchrung).<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der&nbsp;<strong>Keramikring<\/strong>&nbsp;ist ein wichtiges Hilfsmittel. Er zentriert den Bolzen, schirmt den Lichtbogen ab, h\u00e4lt das Schmelzbad zusammen und formt die Naht. Nach dem Schwei\u00dfen wird er zerst\u00f6rt und entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Stromquellen<\/strong>&nbsp;f\u00fcr das Hubz\u00fcndungs-Bolzenschwei\u00dfen sind spezielle Gleichstromquellen mit hohen Kurzschlussstr\u00f6men (bis zu 3.000 A) und pr\u00e4ziser Zeitsteuerung. Moderne Ger\u00e4te arbeiten mit&nbsp;<strong>Invertertechnik<\/strong>&nbsp;und erm\u00f6glichen die Speicherung von Parametern f\u00fcr unterschiedliche Bolzentypen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kondensator-Entladungs-Bolzenschwei\u00dfen (CD): F\u00fcr d\u00fcnne Bleche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das CD-Bolzenschwei\u00dfen (auch: Spitzenz\u00fcndungs-Bolzenschwei\u00dfen) ist das Verfahren f\u00fcr kleine Bolzen und d\u00fcnne Bleche. Es arbeitet ohne Keramikring, ohne Hubmechanismus und mit extrem kurzen Schwei\u00dfzeiten (1\u201310 Millisekunden). Der Prozess ist daher besonders materialschonend und verursacht auf der R\u00fcckseite des Blechs keine Verf\u00e4rbung oder Verformung \u2013 ein entscheidender Vorteil bei beschichteten oder sichtbaren Oberfl\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Prozess l\u00e4uft wie folgt ab:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein Kondensator (oder ein Kondensatorpaket) wird mit einer definierten Spannung aufgeladen.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Bolzen wird mit einer feinen Spitze oder einer definierten Kontaktfl\u00e4che auf das Blech gesetzt.<\/li>\n\n\n\n<li>Beim Ausl\u00f6sen wird der Kondensator \u00fcber die Kontaktstelle entladen. Der extrem kurze, hochstromstarke Impuls (bis zu 50.000 A in Mikrosekunden) schmilzt die Spitze des Bolzens und eine kleine Fl\u00e4che des Blechs.<\/li>\n\n\n\n<li>Gleichzeitig dr\u00fcckt eine Feder den Bolzen in das entstandene Schmelzbad. Das Material erstarrt in Bruchteilen einer Sekunde.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorteile des CD-Bolzenschwei\u00dfens:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Keine R\u00fcckseitenbeeinflussung:<\/strong>\u00a0Auf der R\u00fcckseite des Blechs ist keine Verf\u00e4rbung, kein Verzug und keine Besch\u00e4digung von Beschichtungen erkennbar.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kein Keramikring:<\/strong>\u00a0Das Verfahren ist sauberer und erfordert keine Nacharbeit.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Geringe W\u00e4rmeeinbringung:<\/strong>\u00a0Geeignet f\u00fcr d\u00fcnnste Bleche (ab 0,5 mm) und f\u00fcr beschichtete oder lackierte Oberfl\u00e4chen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hohe Geschwindigkeit:<\/strong>\u00a0Der gesamte Prozess dauert weniger als 100 Millisekunden, Taktzeiten unter 1 Sekunde sind m\u00f6glich.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachteile sind die&nbsp;<strong>Begrenzung auf kleine Bolzendurchmesser<\/strong>&nbsp;(meist unter 10 mm) und die&nbsp;<strong>geringere Festigkeit<\/strong>&nbsp;im Vergleich zum Hubz\u00fcndungsverfahren. F\u00fcr sicherheitsrelevante Verbindungen im Stahlbau kommt daher nur das Hubz\u00fcndungsverfahren in Frage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bolzentypen und Anwendungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bolzenschwei\u00dfen ist extrem vielseitig in Bezug auf die Form der zu befestigenden Elemente. \u00dcblich sind:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Bolzentyp<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Form<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Gewindebolzen<\/strong><\/td><td>Bolzen mit Innengewinde oder Au\u00dfengewinde<\/td><td>Befestigung von Anbauteilen, Kabelkan\u00e4len, Rohrleitungen, Isolierungen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Stehbolzen (Studs)<\/strong><\/td><td>Bolzen ohne Gewinde, meist mit Verdickung am Fu\u00df<\/td><td>Verankerung von Brandschutzplatten, D\u00e4mmungen, Betonverbund (als Verbundanker)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Muttern (Welding Nuts)<\/strong><\/td><td>Muttern mit speziellem Fu\u00dfprofil<\/td><td>Automobilbau, Karosserie, Montage von Anbauteilen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Haken und \u00d6sen<\/strong><\/td><td>Befestigungselemente f\u00fcr Seile, Ketten, H\u00e4ngevorrichtungen<\/td><td>Krantechnik, Hebezeuge, Befestigungspunkte<\/td><\/tr><tr><td><strong>Spezialbolzen<\/strong><\/td><td>Mit Flanschen, Riffelungen oder anderen Geometrien<\/td><td>Kunden- oder branchenspezifische L\u00f6sungen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Werkstoffe f\u00fcr Bolzen und Grundmaterial sind vielf\u00e4ltig. Am h\u00e4ufigsten wird&nbsp;<strong>unlegierter Stahl<\/strong>&nbsp;(z.B. S235, S355) verwendet. Daneben kommen&nbsp;<strong>Edelstahl<\/strong>&nbsp;(austenitisch, z.B. 1.4301, 1.4571),&nbsp;<strong>Aluminium<\/strong>&nbsp;(insbesondere bei CD-Bolzen),&nbsp;<strong>Kupfer<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Messing<\/strong>&nbsp;zum Einsatz. Die Kombination von artgleichen Werkstoffen ist Standard; Mischverbindungen (z.B. Edelstahlbolzen auf Baustahlblech) sind mit geeigneten Parametern ebenfalls m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einsatzgebiete: Von der Fassade bis zum Schiffsrumpf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bolzenschwei\u00dfen ist in zahlreichen Branchen etabliert:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Branche<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Anwendung<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Verfahren<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Besonderheit<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Stahl- und Br\u00fcckenbau<\/strong><\/td><td>Befestigung von Brandschutzplatten, Isolierungen, Kabeltrassen, Verkehrszeichen<\/td><td>Hubz\u00fcndungsverfahren<\/td><td>Gro\u00dfe Bolzen (10\u201325 mm); hohe Zugfestigkeiten; Pr\u00fcfpflicht nach Norm<\/td><\/tr><tr><td><strong>Schiffbau<\/strong><\/td><td>Befestigung von Isolierungen, Kabelkan\u00e4len, Einbauten auf Decks und in Schotten<\/td><td>Hubz\u00fcndungs- und CD-Verfahren<\/td><td>Dichtheit des Grundmaterials muss erhalten bleiben; kein Durchbohren<\/td><\/tr><tr><td><strong>Fassadenbau<\/strong><\/td><td>Befestigung von Vorhangfassaden, D\u00e4mmungen, Verkleidungen<\/td><td>CD-Verfahren<\/td><td>Geringe W\u00e4rmeeinbringung; Beschichtungen und Lackierungen bleiben unbesch\u00e4digt<\/td><\/tr><tr><td><strong>Automobilbau<\/strong><\/td><td>Befestigung von Anbauteilen, Kabelb\u00e4umen, Bremsleitungen, Sitzschienen<\/td><td>CD-Verfahren (meist roboterintegriert)<\/td><td>Hohe St\u00fcckzahlen; vollautomatisierte Fertigung; kurze Taktzeiten<\/td><\/tr><tr><td><strong>Maschinen- und Anlagenbau<\/strong><\/td><td>Befestigung von Schildern, Kabeltrassen, Isolierungen<\/td><td>Hubz\u00fcndungs- und CD-Verfahren<\/td><td>Flexible Anwendung; auch f\u00fcr Sondergeometrien<\/td><\/tr><tr><td><strong>Elektroinstallation<\/strong><\/td><td>Befestigung von Kabelkan\u00e4len, Schaltschr\u00e4nken, Leitungstrassen<\/td><td>CD-Verfahren (vor Ort)<\/td><td>Mobile Schwei\u00dfger\u00e4te; Arbeiten auf Baustellen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Haustechnik und Sanit\u00e4r<\/strong><\/td><td>Befestigung von Rohrleitungen, Heizk\u00f6rpern, Installationen<\/td><td>CD-Verfahren (vor Ort)<\/td><td>Schnelle Montage; keine Vorbereitung (Bohren, D\u00fcbeln) erforderlich<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kontroversen und Grenzen: Qualit\u00e4tssicherung als Herausforderung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bolzenschwei\u00dfen ist ein scheinbar einfaches Verfahren, das jedoch spezifische Herausforderungen mit sich bringt. Die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit ist die&nbsp;<strong>Pr\u00fcfbarkeit der Verbindung<\/strong>. Anders als bei einer Schwei\u00dfnaht, die visuell oder mit zerst\u00f6rungsfreien Verfahren gepr\u00fcft werden kann, ist die Qualit\u00e4t einer Bolzenschwei\u00dfung nicht ohne Weiteres erkennbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zerst\u00f6rungsfreie Pr\u00fcfung erfolgt daher \u00fcber:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Visuelle Pr\u00fcfung:<\/strong>\u00a0Kontrolle des Schwei\u00dfwulstes (Kragen) um den Bolzen; dieser sollte gleichm\u00e4\u00dfig und ohne Risse sein.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kontrollierter Schlagbiegeversuch:<\/strong>\u00a0Der Bolzen wird mit einem definierten Schlag (z.B. 30 Nm) in eine Richtung geschlagen; ein intakter Bolzen darf sich nicht abl\u00f6sen, ein gerissener Bolzen zeigt die unzureichende Verbindung an.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zugversuche<\/strong>\u00a0(zerst\u00f6rend) an Proben aus der Serie.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr sicherheitsrelevante Verbindungen (z.B. im Br\u00fcckenbau, in der Luftfahrt) ist eine&nbsp;<strong>100 %-Pr\u00fcfung<\/strong>&nbsp;vorgeschrieben. Dies kann in der Praxis aufwendig sein, insbesondere bei gro\u00dfen St\u00fcckzahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Herausforderung ist die&nbsp;<strong>Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit<\/strong>&nbsp;des Grundmaterials. Fett, \u00d6l, Farbe, Zunder oder starke Rostschichten m\u00fcssen vor dem Schwei\u00dfen entfernt werden. Bei verzinkten oder beschichteten Blechen ist das CD-Verfahren im Vorteil, da die extrem kurze Schwei\u00dfzeit die Beschichtung nur minimal beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Schwei\u00dfposition<\/strong>&nbsp;ist begrenzt. Das Hubz\u00fcndungsverfahren ist f\u00fcr die&nbsp;<strong>\u00dcberkopfposition<\/strong>&nbsp;nur mit speziellen Vorrichtungen und reduzierten Parametern m\u00f6glich; die Standardanwendung ist die&nbsp;<strong>Waagerecht-Position (PA)<\/strong>&nbsp;. Das CD-Verfahren ist auch in \u00dcberkopfposition einsetzbar, erfordert jedoch eine angepasste Pistolenf\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Normen und Qualifikation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bolzenschwei\u00dfen ist durch eine Reihe von Normen geregelt. Die wichtigsten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>DIN EN ISO 14555:<\/strong>\u00a0Schwei\u00dfen \u2013 Lichtbogen-Bolzenschwei\u00dfen von metallischen Werkstoffen (die zentrale Norm f\u00fcr das Verfahren)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>DIN EN ISO 13918:<\/strong>\u00a0Schwei\u00dfen \u2013 Bolzen und Keramikringe f\u00fcr das Lichtbogen-Bolzenschwei\u00dfen<\/li>\n\n\n\n<li><strong>DIN EN ISO 14556:<\/strong>\u00a0Schwei\u00dfen \u2013 Bolzenschwei\u00dfen \u2013 Qualifikation von Bedienern<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Qualifikation von Bedienern<\/strong>&nbsp;ist nach ISO 14555 f\u00fcr sicherheitsrelevante Anwendungen vorgeschrieben. Sie umfasst theoretische Kenntnisse und praktische Pr\u00fcfungen, bei denen Probebolzen geschwei\u00dft und zerst\u00f6rend gepr\u00fcft werden [3].<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick: Automatisierung und Digitalisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bolzenschwei\u00dfen hat in den letzten Jahren eine Entwicklung zur Automatisierung erfahren, die das Verfahren in neuen M\u00e4rkten etabliert:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Roboter-Bolzenschwei\u00dfen:<\/strong>\u00a0Insbesondere im Automobilbau und in der Hausger\u00e4teindustrie werden\u00a0<strong>roboterintegrierte Bolzenschwei\u00dfsysteme<\/strong>\u00a0eingesetzt. Sie arbeiten mit automatischer Bolzenzuf\u00fchrung (Magazin oder Vibrationswendelf\u00f6rderer) und erreichen Taktzeiten von weniger als 2 Sekunden pro Bolzen. Die Prozessdokumentation ist l\u00fcckenlos [4].<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Mobile, digitale Schwei\u00dfger\u00e4te:<\/strong>\u00a0Moderne CD-Bolzenschwei\u00dfger\u00e4te sind kompakt, batteriebetrieben (in Entwicklung) und mit digitaler Prozesssteuerung ausgestattet. Sie dokumentieren die Schwei\u00dfparameter und erm\u00f6glichen die Fern\u00fcberwachung \u2013 ein wichtiger Schritt f\u00fcr die Qualit\u00e4tssicherung auf Baustellen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Neue Werkstoffkombinationen:<\/strong>\u00a0Die Entwicklung von Bolzen mit\u00a0<strong>speziellen Kopfgeometrien<\/strong>\u00a0und\u00a0<strong>Flussmittelbeschichtungen<\/strong>\u00a0erm\u00f6glicht das Schwei\u00dfen auf beschichteten oder schwer schwei\u00dfbaren Oberfl\u00e4chen. Das\u00a0<strong>Bolzenschwei\u00dfen auf verzinkten Blechen<\/strong>\u00a0ohne vorheriges Entfernen der Zinkschicht ist heute f\u00fcr viele Anwendungen Stand der Technik.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kombination mit additiver Fertigung:<\/strong>\u00a0Erste Entwicklungen zielen auf das\u00a0<strong>Bolzenschwei\u00dfen als additives Verfahren<\/strong>\u00a0\u2013 das schichtweise Aufbauen von Bolzen oder Befestigungselementen durch wiederholtes Bolzenschwei\u00dfen in definierten Positionen. Dies er\u00f6ffnet neue Perspektiven f\u00fcr die Reparatur und Nachr\u00fcstung von Bauteilen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bolzenschwei\u00dfen ist ein Verfahren, das in seiner Effizienz und Wirtschaftlichkeit kaum zu \u00fcbertreffen ist. Es wird auch in Zukunft die erste Wahl sein, wenn es um schnelle, zuverl\u00e4ssige und kosteng\u00fcnstige Befestigungspunkte auf Metalloberfl\u00e4chen geht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] DVS \u2013 Deutscher Verband f\u00fcr Schwei\u00dfen und verwandte Verfahren e.V.:&nbsp;*Merkblatt DVS 0918: Lichtbogen-Bolzenschwei\u00dfen \u2013 Grundlagen, Anlagen, Anwendungen*. DVS Media GmbH, D\u00fcsseldorf, 2020.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[2] DIN EN ISO 14555:&nbsp;<em>Schwei\u00dfen \u2013 Lichtbogen-Bolzenschwei\u00dfen von metallischen Werkstoffen<\/em>. Beuth Verlag, Berlin, aktuellste Fassung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[3] DIN EN ISO 13918:&nbsp;<em>Schwei\u00dfen \u2013 Bolzen und Keramikringe f\u00fcr das Lichtbogen-Bolzenschwei\u00dfen<\/em>. Beuth Verlag, Berlin, aktuellste Fassung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[4] American Welding Society (AWS):&nbsp;<em>Stud Welding \u2013 C5.4 Standard<\/em>. AWS, Miami, 2018.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Die unsichtbare Verbindung Es ist eines der effizientesten und dennoch am wenigsten beachteten Schwei\u00dfverfahren: das Bolzenschwei\u00dfen. In der Normung als Prozess 78 gef\u00fchrt, verbindet es in Sekundenbruchteilen einen Bolzen, eine Mutter oder einen Gewindestift mit einem Blech oder einem Tr\u00e4ger \u2013 ohne Durchbohren, ohne Nieten, ohne Schrauben. 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