{"id":2442,"date":"2026-03-21T07:43:39","date_gmt":"2026-03-21T06:43:39","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2442"},"modified":"2026-03-21T07:43:39","modified_gmt":"2026-03-21T06:43:39","slug":"die-luft-ist-raus-vom-umweltstatement-zur-iq-tax-die-kurze-geschichte-der-dosenluft-in-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-luft-ist-raus-vom-umweltstatement-zur-iq-tax-die-kurze-geschichte-der-dosenluft-in-china\/","title":{"rendered":"Die Luft ist raus: Vom Umweltstatement zur IQ-Tax \u2013 Die kurze Geschichte der Dosenluft in China"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie ist unsichtbar, kostenlos und doch von unsch\u00e4tzbarem Wert: die Luft, die wir atmen. Dass sie in China pl\u00f6tzlich im Dosenformat verkauft wird \u2013 f\u00fcr umgerechnet acht Euro und mehr \u2013, ist keine Erfindung der Gegenwart, sondern das wiederkehrende Kapitel einer kuriosen Wirtschaftsgeschichte. Im Sommer 2025 war es wieder so weit: Dosen mit der Aufschrift \u201eWanl\u00fc Lake Good Air\u201c waren binnen k\u00fcrzester Zeit ausverkauft&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sixthtone.com\/news\/1017381\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Produkt aus der s\u00fcdchinesischen Provinz Guangdong versprach nichts Geringeres als \u201eWaldbaden zum Mitnehmen\u201c, angereichert mit negativen Sauerstoffionen aus einem als \u201enat\u00fcrliche Sauerstoffbar\u201c vermarkteten Stauseegebiet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die mediale Aufmerksamkeit war enorm \u2013 und mit ihr die altbekannte Frage: Ist das ein genialer Marketing-Coup, eine skurrile Souvenir-Idee oder schlichtweg dreister Betrug? Die Antwort ist, wie so oft, vielschichtig. Sie f\u00fchrt zur\u00fcck zu einem der schillerndsten und umstrittensten Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner Chinas, zu Zeiten drastischer Luftverschmutzung, und endet vorerst in einem juristischen Graubereich, der den Warencharakter von Luft infrage stellt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Geburt einer Idee: Chen Guangbiao und die \u201egute Luft\u201c von 2012<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die aktuelle Debatte zu verstehen, muss man zur\u00fcck ins Jahr 2012 blicken. Damals k\u00fcndigte der bekannte Philanthrop und Unternehmer Chen Guangbiao an, frische Dosenluft zu verkaufen. Unter dem Label \u201eChen Guangbiao Good Air\u201c sollten ab September 2012 in den Metropolen Peking, Shanghai und Guangzhou 100.000 Dosen f\u00fcr umgerechnet etwa 0,50 bis 0,60 Euro \u00fcber die Ladentheke gehen&nbsp;<a href=\"http:\/\/german.china.org.cn\/business\/txt\/2012-08\/14\/content_26233910.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Chen, der sich selbst gern als \u201eTop-Philanthrop\u201c Chinas inszenierte, gab sich betont vision\u00e4r: Die Luft stamme von unber\u00fchrten Orten wie dem revolution\u00e4ren Zentrum Yan&#8217;an oder dem tibetischen Plateau, sei mit negativen Sauerstoffionen angereichert und komme in High-Tech-Dosen daher, die sich nach dreimaligem Sch\u00fctteln automatisch verschlie\u00dfen w\u00fcrden&nbsp;<a href=\"http:\/\/german.china.org.cn\/business\/txt\/2012-08\/14\/content_26233910.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein eigentliches Ziel, so betonte er stets, sei nicht der Profit, sondern die Sensibilisierung der \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr das Thema Luftverschmutzung. \u201eEs spielt keine Rolle, ob es sich gut verkauft oder nicht. Ich gebe lieber Geld f\u00fcr die Erforschung und Sammlung frischer Luft aus, um das \u00f6ffentliche Bewusstsein f\u00fcr den Umweltschutz zu sch\u00e4rfen\u201c, sagte er damals&nbsp;<a href=\"http:\/\/europe.chinadaily.com.cn\/china\/2012-09\/17\/content_15763919.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Eine Aussage, die manche als aufrichtig, andere als geschickte Inszenierung werteten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn auch wenn Chen Guangbiao die Dosenluft als Umweltschutzstatement pr\u00e4sentierte, war die Wirkung eine andere. Sie fiel in eine Zeit, in der Smog in chinesischen St\u00e4dten nicht nur ein Problem, sondern zur existenziellen Bedrohung wurde. Im Januar 2013 erreichten die Feinstaubwerte in Peking mit 993 Mikrogramm pro Kubikmeter das 40-fache des von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerts&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.donga.com\/en\/List\/article\/all\/20130202\/405620\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Angst vor den gesundheitlichen Folgen war allgegenw\u00e4rtig. In dieser angespannten Situation entwickelte sich Chens Dosenluft unversehens von der symbolischen Geste zum gefragten Produkt. Berichten zufolge verkaufte er innerhalb von nur zehn Tagen acht Millionen Dosen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.donga.com\/en\/List\/article\/all\/20130202\/405620\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die \u201egute Luft\u201c war nicht mehr nur eine Provokation, sie war pl\u00f6tzlich ein Markt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Symbol zum Gesch\u00e4ft: Die Kommerzialisierung der Atemluft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mit Chen Guangbiao als pointiertem Umweltaktivismus begann, entwickelte sich schnell zu einem eigenst\u00e4ndigen Gesch\u00e4ftsfeld. Nachfolger wie der als \u201eAir Brother\u201c bekannt gewordene Unternehmer aus der Provinz Zhejiang machten aus der Idee ein professionelles Modell. Er sammelte Bergluft, f\u00fcllte sie in sechs bis 14 Liter fassende Kanister und verkaufte sie f\u00fcr umgerechnet zwischen zwei und f\u00fcnf Euro. Auf dem H\u00f6hepunkt des Hypes setzte sein Unternehmen angeblich 470.000 Flaschen pro Jahr ab \u2013 vor allem in den stark verschmutzten Gro\u00dfst\u00e4dten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sixthtone.com\/news\/1017381\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4testens jetzt war klar: Die Dosenluft hatte ihren ideellen Ursprung hinter sich gelassen. Es ging nicht mehr um Umweltsensibilisierung, sondern um ein Produkt, das eine L\u00fccke im Markt zu f\u00fcllen schien. Die Rechnung war einfach: Wo die Au\u00dfenluft gef\u00e4hrlich ist, wird saubere Luft zur Mangelware. Und f\u00fcr Mangelware sind Menschen bereit zu zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die industrielle Entwicklung des Produkts offenbarte jedoch einen grundlegenden Widerspruch. Kritiker wiesen schon fr\u00fch darauf hin, dass die Herstellung der Dosen \u2013 die Gewinnung des Rohmaterials, die Produktion der Metallbeh\u00e4lter, der Transport \u2013 selbst erhebliche Mengen an CO\u2082 verursacht und damit dem eigentlichen Umweltgedanken zuwiderl\u00e4uft&nbsp;<a href=\"https:\/\/jining.dzwww.com\/yl\/201302\/t20130201_7997426.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dosenluft als gr\u00fcnes Produkt zu vermarkten, ist aus \u00f6kologischer Perspektive zumindest fragw\u00fcrdig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2025: Die R\u00fcckkehr der Dosenluft und die Frage nach der \u201eIQ-Steuer\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fast ein Jahrzehnt sp\u00e4ter, im Juli 2025, erlebte das Ph\u00e4nomen seine Renaissance. Die Dosenluft \u201eWanl\u00fc Lake Good Air\u201c wurde zum viralen Hit. F\u00fcr 59,9 Yuan, umgerechnet etwa acht Euro, konnten Verbraucher 1.200 negative Sauerstoffionen pro Kubikzentimeter erwerben \u2013 eine Konzentration, die angeblich achtmal h\u00f6her liegt als in st\u00e4dtischen Parks&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sixthtone.com\/news\/1017381\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Zutatenliste war kurz und offen: Luft und Sauerstoff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch anders als 2012 blieb diesmal die grunds\u00e4tzliche Skepsis nicht aus. In den sozialen Netzwerken machte schnell der Begriff \u201eIQ-Steuer\u201c die Runde \u2013 eine abwertende Bezeichnung f\u00fcr Produkte, die angeblich nur von jenen gekauft werden, die nicht verstehen, dass sie \u00fcberteuert oder nutzlos sind. Nutzer der Plattform Xiaohongshu (Little Red Book) fragten sich offen, welchen praktischen Nutzen eine Dose Luft \u00fcberhaupt haben k\u00f6nne. Andere kommentierten sarkastisch, sie h\u00e4tten nur den \u201eGeruch der Dose\u201c riechen k\u00f6nnen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sixthtone.com\/news\/1017381\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch bemerkenswerter war jedoch die Reaktion der Konkurrenz. Das Unternehmen, das die konkurrierende Marke \u201eHulunbuir Air\u201c vertrieb, gab wenige Tage nach dem Hype um das Wanl\u00fc-Produkt offen zu, dass es sich bei seinem Angebot um eine reine Marketing-Ma\u00dfnahme handele. Die angeblichen Dosen enthielten gar keine komprimierte Luft mehr, sondern nur noch etwas getrocknetes Graspulver, um den Duft der Steppe zu simulieren. Der Verkauf sei bereits eingestellt worden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sixthtone.com\/news\/1017381\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die juristische Grauzone: Ist Luft eine Ware?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zentrales Problem der Dosenluft-Vermarktung ist ihre rechtliche Einordnung. In China gibt es keine spezifischen Regelungen f\u00fcr den Verkauf von \u201eLuft\u201c als Handelsware. Ein Vertreter der nationalen Qualit\u00e4tsaufsichtsbeh\u00f6rde erkl\u00e4rte gegen\u00fcber Reportern, dass Produkte, die nicht explizit verboten sind, nach chinesischem Recht grunds\u00e4tzlich hergestellt und verkauft werden d\u00fcrfen. Unternehmen k\u00f6nnen eigene Unternehmensstandards formulieren \u2013 was einen rechtlichen Graubereich schafft&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sixthtone.com\/news\/1017381\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings zieht dieses scheinbare Vakuum Grenzen: Weicht die tats\u00e4chliche Qualit\u00e4t von den beworbenen Standards ab, kann dies als gewerbsm\u00e4\u00dfiger Betrug gewertet werden. In einem solchen Fall k\u00f6nnen die Aufsichtsbeh\u00f6rden eingreifen und Strafen verh\u00e4ngen. Genau hier liegt das Risiko f\u00fcr die Anbieter. Wie soll ein Verbraucher \u00fcberpr\u00fcfen, ob die versprochene Konzentration an negativen Ionen tats\u00e4chlich vorhanden ist? Wie soll eine Beh\u00f6rde ohne aufwendige Pr\u00fcfverfahren feststellen, ob die Luft tats\u00e4chlich aus dem beworbenen Gebirge stammt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt ein weiteres, bisher kaum diskutiertes Problem: gesundheitliche Risiken. Umweltexperten weisen darauf hin, dass unbehandelte, abgef\u00fcllte Luft durch Mikroorganismen oder langfristige Zersetzungsprozesse w\u00e4hrend der Lagerung gesundheitssch\u00e4dlich werden kann. Ein Produkt, das als wohltuend beworben wird, k\u00f6nnte im schlimmsten Fall genau das Gegenteil bewirken&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sixthtone.com\/news\/1017381\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Marketing, Souvenir oder Betrug? Die widerspr\u00fcchlichen Strategien der Anbieter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auff\u00e4llig an der j\u00fcngsten Welle ist das uneinheitliche Selbstverst\u00e4ndnis der Anbieter. W\u00e4hrend einige versuchen, Dosenluft als ernsthaftes Gesundheitsprodukt zu positionieren, geben andere offen zu, dass es sich um einen cleveren Werbecoup handelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Produzenten von \u201eWanl\u00fc Lake Good Air\u201c lieferten hierf\u00fcr ein aufschlussreiches Beispiel. Ein Kundendienstmitarbeiter erkl\u00e4rte gegen\u00fcber heimischen Medien, die Einf\u00fchrung des Luftprodukts diene in erster Linie dazu, die hohe Umweltqualit\u00e4t des Wanl\u00fc-Sees zu pr\u00e4sentieren. Es gebe keine Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Massenproduktion. Und der entscheidende Satz: \u201eWenn Sie interessiert sind, laden wir Sie ein, uns zu besuchen und es pers\u00f6nlich zu erleben\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sixthtone.com\/news\/1017381\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Aussage entzaubert den scheinbaren Produkt-Hype auf bemerkenswerte Weise. Die Dose ist nicht prim\u00e4r Konsumgut, sondern ein Werbetr\u00e4ger \u2013 eine dreidimensionale Visitenkarte f\u00fcr eine Tourismusregion. Wer die \u201egute Luft\u201c kauft, erwirbt im Grunde keinen lebensnotwendigen Stoff, sondern ein Souvenir, dessen Wert sich weniger aus seinem Gebrauchswert als aus seiner Symbolik speist. Dass dieser symbolische Wert im Fall des Wanl\u00fc-Sees ein Preis von acht Euro sein kann, zeigt die Macht des Marketings.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem Angebot aus dem Autonomen Gebiet Xinjiang, wo die lokale Ski-Themen-Postfiliale Dosenluft als Postkarten-Ersatz anbietet. Kunden k\u00f6nnen ihre Botschaft direkt auf die Dose schreiben und sie als originelles Andenken versenden. Auch hier steht nicht der Inhalt im Vordergrund, sondern die Idee, einen Ort buchst\u00e4blich \u201eeinatmen\u201c zu k\u00f6nnen&nbsp;<a href=\"http:\/\/ex.chinadaily.com.cn\/exchange\/partners\/70\/rss\/channel\/www\/columns\/y38633\/stories\/WS6580f533a31040ac301a8692.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Perspektiven: Vom Kuriosum zum etablierten Markt?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Dosenluft in China ist gepr\u00e4gt von einem wiederkehrenden Muster: Ein als Umweltschutzinitiative getarnter Marketing-Gag trifft auf eine von Smog geplagte, verunsicherte Bev\u00f6lkerung. Die Nachfrage entsteht aus der Sehnsucht nach etwas, das eigentlich selbstverst\u00e4ndlich sein sollte: saubere Luft zum Atmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob sich aus diesem Muster ein dauerhaftes Gesch\u00e4ftsmodell entwickeln kann, ist fraglich. Derzeit spricht wenig daf\u00fcr. Die Produkte verschwinden nach kurzen Hype-Phasen wieder vom Markt. Die Anbieter selbst betonen, es handle sich nicht um ein Massenprodukt. Und die gesetzlichen Rahmenbedingungen bleiben unscharf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist jedoch die Entwicklung im weiteren Bereich der \u201eLuftvermarktung\u201c. Hier zeichnet sich ab, dass die Kommerzialisierung von Luft in andere Bahnen lenken k\u00f6nnte \u2013 weg vom kuriosen Konsumprodukt, hin zu einem ernsthaften Umwelt- und Klimainstrument. Bereits heute gibt es mit dem Emissionshandel einen international etablierten Mechanismus, der Luft im \u00fcbertragenen Sinne einen Preis gibt. Anders als bei der Dosenluft geht es dabei nicht um den Verkauf von Atemluft, sondern um den Handel mit Verschmutzungsrechten. Auch hier wird die unsichtbare Ressource Luft zur Handelsware \u2013 jedoch auf v\u00f6llig andere Weise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In China werden seit 2021 vermehrt\u6797\u4e1a\u78b3\u6c47 (Waldkohlenstoff-Senken) in den Mechanismus der \u00f6kologischen Wertsch\u00f6pfung einbezogen. Dabei werden durch Aufforstung gebundene CO\u2082-Mengen zertifiziert und als Emissionsgutschriften gehandelt&nbsp;<a href=\"https:\/\/baike.baidu.com\/item\/%E8%B3%A3%E7%A9%BA%E6%B0%A3\/5231643\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Prinzip \u00e4hnelt dem der Dosenluft \u2013 saubere Luft wird \u00f6konomisch verwertet \u2013, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Es handelt sich um ein reguliertes, transparentes und \u00f6kologisch tats\u00e4chlich wirksames Instrument, nicht um ein kurzlebiges Konsumprodukt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Mehr Show als Substanz<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dosenluft in China ist ein faszinierendes Ph\u00e4nomen \u2013 weniger als Produkt, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Befindlichkeiten. Sie erz\u00e4hlt von einer Zeit, in der saubere Luft zur Mangelware wurde und Menschen bereit waren, f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndliche zu zahlen. Sie zeigt, wie ein als Umweltstatement gedachter Marketing-Coup zum profitablen Gesch\u00e4ftsmodell werden kann, ohne die urspr\u00fcngliche Intention ernsthaft zu erf\u00fcllen. Und sie offenbart die Grenzen eines Konsumverhaltens, das selbst die Grundlage allen Lebens zur Ware degradiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn eines wird bei aller Kuriosit\u00e4t deutlich: Die Dose ist kein ernsthafter Beitrag zum Umweltschutz. Sie ist ein Souvenir, ein Marketinginstrument, ein Gespr\u00e4chsanlass \u2013 aber kein Mittel zur Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t. Wer den Kauf einer Acht-Euro-Dose mit dem Argument rechtfertigt, damit ein Zeichen f\u00fcr saubere Luft zu setzen, \u00fcbersieht, dass die Herstellung und der Transport dieser Dose selbst Ressourcen verbraucht und Emissionen verursacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Pointe der Geschichte liegt vielleicht darin, dass die Dosenluft \u2013 anders als von ihrem Erfinder Chen Guangbiao einst intendiert \u2013 nicht als Weckruf wirkte, sondern als Ventil. Sie gab das tr\u00fcgerische Gef\u00fchl, etwas gegen die schlechte Luft tun zu k\u00f6nnen, ohne an den Ursachen des Problems etwas zu \u00e4ndern. In diesem Sinne ist die Dose nicht nur eine \u201eIQ-Steuer\u201c f\u00fcr diejenigen, die sie kaufen, sondern auch ein Indikator f\u00fcr die Grenzen einer Konsumgesellschaft, die glaubt, jedes Problem durch den Kauf eines Produkts l\u00f6sen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zukunft wird zeigen, ob die Dosenluft ein wiederkehrendes Ph\u00e4nomen bleibt oder ob sie irgendwann endg\u00fcltig von ernsthafteren Ans\u00e4tzen abgel\u00f6st wird \u2013 wie etwa der \u00f6kologischen Bewertung von Immobilien, dem Ausbau \u00f6ffentlicher Verkehrsmittel oder der konsequenten Dekarbonisierung der Industrie. Bis dahin atmen die Menschen in Chinas Gro\u00dfst\u00e4dten weiter die Luft, die da ist \u2013 ob in Dosen oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Sixth Tone. &#8222;China\u2019s Latest Viral Product Is a Bunch of Hot Air.&#8220; 21. Juli 2025.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sixthtone.com\/news\/1017381\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/german.china.org.cn\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">german.china.org.cn<\/a>.\u00a0&#8222;Kommerzielle Show? Chinas &#8218;Top-Philanthrop&#8216; will Dosenluft verkaufen.&#8220; 14. August 2012.\u00a0<a href=\"http:\/\/german.china.org.cn\/business\/txt\/2012-08\/14\/content_26233910.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>China Daily. &#8222;Entrepreneur airs pollution concerns.&#8220; 17. September 2012.\u00a0<a href=\"http:\/\/europe.chinadaily.com.cn\/china\/2012-09\/17\/content_15763919.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>\u767e\u5ea6\u767e\u79d1. &#8222;\u7a7a\u6c14\u7f50\u5934.&#8220; (Aktualisierte Version 2025).\u00a0<a href=\"https:\/\/baike.baidu.com\/item\/%E7%A9%BA%E6%B0%94%E7%BD%90%E5%A4%B4\/1733008?anchor=3&amp;fragment=3#3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>\u767e\u5ea6\u767e\u79d1. &#8222;\u5356\u7a7a\u6c14.&#8220; (Aktualisierte Version 2025).\u00a0<a href=\"https:\/\/baike.baidu.com\/item\/%E8%B3%A3%E7%A9%BA%E6%B0%A3\/5231643\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>The Dong-a Ilbo. &#8222;Canned air being sold in China amid heavy smog.&#8220; 2. Februar 2013.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.donga.com\/en\/List\/article\/all\/20130202\/405620\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>\u5927\u4f17\u7f51. &#8222;\u704c\u88c5\u65b0\u9c9c\u7a7a\u6c14 \u9648\u5149\u6807\u5230\u5e95\u662f\u8981\u95f9\u54ea\u6837.&#8220; 1. Februar 2013.\u00a0<a href=\"https:\/\/jining.dzwww.com\/yl\/201302\/t20130201_7997426.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>China Daily. &#8222;Canned air souvenirs a hit with tourists.&#8220; (ohne Datum, 2023\/2024).\u00a0<a href=\"http:\/\/ex.chinadaily.com.cn\/exchange\/partners\/70\/rss\/channel\/www\/columns\/y38633\/stories\/WS6580f533a31040ac301a8692.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>KU ScholarWorks. &#8222;Canned Air in China.&#8220; 23. Oktober 2013.\u00a0<a href=\"https:\/\/kuscholarworks.ku.edu\/handle\/1808\/14252;jsessionid=52EEF9344590E8A5C7EEA8181DCC68AD\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie ist unsichtbar, kostenlos und doch von unsch\u00e4tzbarem Wert: die Luft, die wir atmen. Dass sie in China pl\u00f6tzlich im Dosenformat verkauft wird \u2013 f\u00fcr umgerechnet acht Euro und mehr \u2013, ist keine Erfindung der Gegenwart, sondern das wiederkehrende Kapitel einer kuriosen Wirtschaftsgeschichte. 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