{"id":2520,"date":"2026-03-26T19:26:02","date_gmt":"2026-03-26T18:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2520"},"modified":"2026-03-26T19:26:02","modified_gmt":"2026-03-26T18:26:02","slug":"der-photoakustische-effekt-wenn-licht-horbar-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-photoakustische-effekt-wenn-licht-horbar-wird\/","title":{"rendered":"Der photoakustische Effekt: Wenn Licht h\u00f6rbar wird"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Schall ohne Bewegung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Lautsprecher, der ohne Membran auskommt, der keinerlei mechanische Schwingungen preisgibt und dennoch Klang erzeugt \u2013 was nach Science-Fiction klingt, geht auf eine Entdeckung des 19. Jahrhunderts zur\u00fcck. Der photoakustische Effekt, auch als thermoakustischer Effekt bekannt, beschreibt die Entstehung von Schall durch periodisch moduliertes Licht. Was lange Zeit ein physikalisches Kuriosum blieb, erlebt seit der Verf\u00fcgbarkeit neuartiger Nanomaterialien und leistungsstarker Lichtquellen eine Renaissance. Dieser Artikel beleuchtet die Prinzipien, die historische Entwicklung, die technische Umsetzung als Lautsprecher sowie die fortschrittlichen M\u00f6glichkeiten, die sich aus dieser bewegungslosen Schallwandlung ergeben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Physikalische Grundlagen: Wie Licht zu Schall wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der photoakustische Effekt beruht auf einer einfachen Kette: Absorption von Licht, Erw\u00e4rmung, thermische Ausdehnung, Druckwelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trifft moduliertes Licht \u2013 also Licht, dessen Intensit\u00e4t mit einer bestimmten Frequenz schwankt \u2013 auf ein absorbierendes Material, wird die optische Energie in W\u00e4rme umgewandelt. Die periodische Erw\u00e4rmung erzeugt Temperaturwellen, die sich im Material und im angrenzenden Medium ausbreiten. Im umgebenden Gas (meist Luft) f\u00fchren diese Temperaturwechsel zu entsprechenden Druckschwankungen \u2013 und damit zu Schall. Die Frequenz des Schalls entspricht dabei exakt der Modulationsfrequenz des Lichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend f\u00fcr die Effizienz sind drei Faktoren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Absorptionsgrad<\/strong>\u00a0\u2013 Das Material muss das Licht m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig absorbieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Thermische Masse<\/strong>\u00a0\u2013 Eine geringe W\u00e4rmekapazit\u00e4t pro Fl\u00e4che erm\u00f6glicht schnelle Temperaturwechsel und damit h\u00f6here Frequenzen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit<\/strong>\u00a0\u2013 Die W\u00e4rme muss rasch an die Grenzfl\u00e4che zum Medium abgegeben werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu herk\u00f6mmlichen elektrodynamischen Lautsprechern kommt der photoakustische Wandler ohne bewegte Masse aus. Die Schallerzeugung findet direkt an der Oberfl\u00e4che des Absorbers statt \u2013 ein Prinzip, das als&nbsp;<em>thermoakustische Schallwandlung<\/em>&nbsp;bezeichnet wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historische Entwicklung: Von Bell bis zu den Nanor\u00f6hren<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entdeckung des photoakustischen Effekts wird dem US-amerikanischen Erfinder Alexander Graham Bell zugeschrieben. 1880, nur vier Jahre nach der Patentierung des Telefons, demonstrierte Bell zusammen mit seinem Assistenten Charles Sumner Tainter das \u201ePhotophon\u201c \u2013 ein Ger\u00e4t, das moduliertes Sonnenlicht auf eine d\u00fcnne Gummimembran richtete und so Schall \u00fcbertrug. Bell selbst hielt das Photophon f\u00fcr \u201edie gr\u00f6\u00dfte Erfindung meines Lebens\u201c, \u00fcbertraf es doch das Telefon dadurch, dass es ohne elektrische Leitungen auskam. Die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr \u00e4u\u00dfere Lichtquellen und die fehlende Verst\u00e4rkertechnik verhinderten jedoch eine praktische Nutzung, und das Photophon geriet in Vergessenheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den folgenden Jahrzehnten wurde der Effekt vor allem in der Spektroskopie genutzt. Die photoakustische Spektroskopie, entwickelt in den 1970er Jahren, erm\u00f6glicht es, Spurengase mit hoher Empfindlichkeit nachzuweisen \u2013 eine Technik, die heute in der Umweltmesstechnik und der Medizindiagnostik etabliert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst die Nanotechnologie bescherte dem Effekt eine zweite Karriere. 2008 ver\u00f6ffentlichte eine Gruppe um Lin Xiao von der Tsinghua-Universit\u00e4t in Peking eine Arbeit, die zeigte, dass freistehende Filme aus Kohlenstoff-Nanor\u00f6hren (CNT) bei Bestrahlung mit moduliertem Laserlicht h\u00f6rbaren Schall erzeugen \u2013 ohne jegliche Membran. Die geringe W\u00e4rmekapazit\u00e4t und die hohe thermische Stabilit\u00e4t der Nanor\u00f6hren erm\u00f6glichten erstmals eine effiziente thermoakustische Schallwandlung im H\u00f6rbereich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz darauf folgten Arbeiten zu Graphen-basierten Wandlern (Tian et al., 2011), die zus\u00e4tzlich die Eigenschaft der optischen Transparenz einbrachten. Seitdem forschen Labor weltweit an der Optimierung dieser \u201ebewegungslosen\u201c Lautsprecher.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Technische Umsetzung: Vom Laboraufbau zum funktionsf\u00e4higen Lautsprecher<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen photoakustischen Lautsprecher selbst aufzubauen erfordert nur wenige Komponenten, jedoch eine sorgf\u00e4ltige Abstimmung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Komponenten im Einzelnen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Lichtquelle<\/strong><br>Die Anforderungen sind hoch: Die Lichtquelle muss die Modulationsfrequenz des Audiosignals (typischerweise 20 Hz bis 20 kHz) ohne nennenswerte Verzerrungen wiedergeben. Geeignet sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Laserdioden<\/strong>\u00a0(insbesondere im nahen Infrarot, z.\u202fB. 808\u202fnm) mit mehreren Watt Leistung. Sie bieten hohe Modulationsbandbreite und lassen sich direkt \u00fcber einen leistungsstarken Transistor ansteuern.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hochleistungs-LEDs<\/strong>\u00a0(z.\u202fB. wei\u00dfe oder infrarote LEDs mit 10\u202fW oder mehr). Sie sind preiswerter, aber in der maximalen Modulationsfrequenz oft auf einige zehn Kilohertz begrenzt und weisen eine gr\u00f6\u00dfere thermische Tr\u00e4gheit auf.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Absorbermaterial<\/strong><br>Das Herzst\u00fcck ist der photoakustische Wandler. Folgende Materialien haben sich bew\u00e4hrt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Freistehende Kohlenstoff-Nanor\u00f6hren-Filme<\/strong>\u00a0\u2013 kommerziell erh\u00e4ltlich oder selbst durch Filtration einer CNT-Dispersion herstellbar. Die Filme sind wenige Mikrometer dick, hochpor\u00f6s und extrem hitzebest\u00e4ndig.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Graphenfilme<\/strong>\u00a0\u2013 ebenfalls freistehend oder auf einem Tr\u00e4ger. Sie bieten Transparenz und Flexibilit\u00e4t.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Beschichtungen aus Ru\u00df oder schwarzem Lack<\/strong>\u00a0\u2013 einfacher, aber aufgrund h\u00f6herer thermischer Masse frequenzbegrenzt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Modulationselektronik<\/strong><br>Das Audiosignal wird \u00fcber einen Verst\u00e4rker der Lichtquelle zugef\u00fchrt. Bei Laserdioden ist ein konstanter Gleichstrom-Vorspannung notwendig, um die thermische Tr\u00e4gheit zu \u00fcberwinden und auch tiefe Frequenzen ausreichend abzubilden. Bei LEDs wird das Signal oft als Pulsweitenmodulation (PWM) \u00fcbertragen oder linear verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. K\u00fchlung<\/strong><br>Da der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Lichtleistung in W\u00e4rme umgesetzt wird, ist eine aktive K\u00fchlung des Absorbers oder des Substrats unerl\u00e4sslich. Bei hohen Leistungen kommen K\u00fchlk\u00f6rper mit L\u00fcftern oder sogar Wasserk\u00fchlungen zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Praktische Aufbauvarianten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Variante A: Freistehender Nanor\u00f6hren-Film<\/strong><br>Ein rechteckiger Rahmen (z.\u202fB. aus isolierendem Material) wird mit einem CNT-Film bespannt. Ein Laserstrahl wird aufgeweitet und bestrahlt den Film fl\u00e4chig. Der Schall entsteht direkt beidseitig der Folie. Dieser Aufbau ist nahezu tr\u00e4gheitslos und erreicht die h\u00f6chsten Frequenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Variante B: Substratbasierter Absorber<\/strong><br>Eine d\u00fcnne absorbierende Schicht wird auf ein thermisch gut leitendes Substrat (z.\u202fB. eine Siliziumscheibe oder einen Kupferblock) aufgebracht. Das Licht wird von vorne eingestrahlt. Das Substrat dient als K\u00fchlk\u00f6rper, allerdings kann die thermische Masse die Effizienz bei h\u00f6heren Frequenzen begrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Variante C: Transparenter Lautsprecher<\/strong><br>Ein Graphenfilm wird auf eine Glasplatte transferiert. Eine LED oder ein Laserstrahl von der R\u00fcckseite erzeugt Schall, w\u00e4hrend der Lautsprecher optisch transparent bleibt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herausforderungen und Grenzen der DIY-Umsetzung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Heimwerker oder Forscher im Labor stehen vor allem die Beschaffung geeigneter Nanomaterialien und leistungsstarker Laserdioden im Vordergrund. Kohlenstoff-Nanor\u00f6hren-Filme sind \u00fcber spezialisierte Anbieter (z.\u202fB. Nanointegris, Sigma-Aldrich) erh\u00e4ltlich, jedoch kostenintensiv. Alternativ k\u00f6nnen CNT-Dispersionen auf ein Glasfilter aufgetragen und nach Trocknung als Film abgel\u00f6st werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ansteuerung einer Laserdiode mit einem Audiosignal erfordert eine pr\u00e4zise Stromregelung, um die Diode nicht zu \u00fcberlasten. Fertige Treibermodule f\u00fcr Laserdioden mit analogem Modulationseingang sind im Handel erh\u00e4ltlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erreichbaren Schalldruckpegel bleiben im Laboraufbau meist unter 80\u202fdB SPL (Schalldruckpegel) bei 1\u202fm Abstand \u2013 ausreichend f\u00fcr Demonstrationen, aber nicht f\u00fcr den HiFi-Bereich. Mit speziell optimierten, gek\u00fchlten CNT-Arrays sind jedoch Pegel \u00fcber 100\u202fdB SPL nachgewiesen (Tong et al., 2015).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fortschrittliche M\u00f6glichkeiten: Was \u00fcber den einfachen Lautsprecher hinausgeht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die photoakustische Schallwandlung er\u00f6ffnet Anwendungsfelder, die mit konventionellen Lautsprechern nicht realisierbar sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Bewegungs- und materialfreie Wandler<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da keine mechanische Masse schwingt, entfallen Probleme wie Membranbruch, Erm\u00fcdung oder Resonanz\u00fcberh\u00f6hungen. Die Lebensdauer ist theoretisch unbegrenzt \u2013 eine Eigenschaft, die in sicherheitskritischen Bereichen (z.\u202fB. Alarmgeber in explosionsgef\u00e4hrdeten Umgebungen) oder in der Luft- und Raumfahrt interessant ist. (Allerdings funktioniert die Schall\u00fcbertragung im Vakuum nicht, da das umgebende Medium fehlt.)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Transparente und flexible Lautsprecher<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Graphen oder CNT-Netzwerke k\u00f6nnen auf Glas, Folien oder Textilien aufgebracht werden. Erste Prototypen von&nbsp;<em>transparenten Lautsprechern<\/em>&nbsp;wurden bereits in Display-Prototypen integriert (siehe Arbeiten von Kim et al., 2014). Auch flexible, auf Stoffe laminierte thermoakustische Lautsprecher sind Gegenstand aktueller Forschung \u2013 etwa f\u00fcr Wearables oder Smart Textiles.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Optisch angesteuerte Lautsprecher<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da das Signal in Form von Licht \u00fcbertragen wird, kann der eigentliche Wandler galvanisch vom Signalgeber getrennt werden. Denkbar sind Glasfaser-gespeiste Lautsprecher, die ohne elektrische Leitungen auskommen \u2013 ein Konzept, das in Umgebungen mit hohen elektromagnetischen St\u00f6rungen oder in der Medizintechnik (MRT-taugliche Audioausgabe) Vorteile bietet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Fokussierter Schall und parametrische Arrays<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch strukturierte Absorber oder optische Formung des Lichtstrahls l\u00e4sst sich Schall r\u00e4umlich b\u00fcndeln. In Kombination mit Ultraschallfrequenzen (parametrische Schallwandlung) k\u00f6nnen h\u00f6rbare Schallstrahlen mit hoher Richtwirkung erzeugt werden \u2013 eine Technik, die als&nbsp;<em>Audio Spotlight<\/em>&nbsp;bekannt ist und im musealen oder werbetechnischen Bereich bereits eingesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Photoakustische Bildgebung und Sensorik<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der reinen Schallwiedergabe wird der Effekt seit Jahrzehnten in der Medizintechnik genutzt. Die&nbsp;<em>photoakustische Tomographie<\/em>&nbsp;(PAT) kombiniert optische Kontrastierung mit Ultraschalldetektion und erm\u00f6glicht hochaufl\u00f6sende Darstellungen von Blutgef\u00e4\u00dfen oder Tumorgewebe (Wang &amp; Hu, 2012). In diese Richtung entwickelt, k\u00f6nnten photoakustische Wandler auch als kombinierte Sende- und Empfangselemente in miniaturisierten Ultraschallsensoren dienen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Extreme Schalldruckpegel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Hochleistungslasern und optimierten, gek\u00fchlten Nanor\u00f6hren-Arrays lassen sich kurzzeitig sehr hohe Schalldruckpegel realisieren. In der Forschung wurden Werte von \u00fcber 120\u202fdB SPL im Nahfeld erreicht (Tong et al., 2015). Solche Systeme k\u00f6nnten in der zerst\u00f6rungsfreien Pr\u00fcfung oder als akustische Hochlastwandler eingesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grenzen, Kontroversen und offene Fragen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz aller Fortschritte bleibt die photoakustische Schallwandlung mit gravierenden Einschr\u00e4nkungen behaftet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wirkungsgrad<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der elektroakustische Wirkungsgrad \u2013 also das Verh\u00e4ltnis von abgegebener Schallleistung zu aufgenommener elektrischer Leistung \u2013 liegt bei photoakustischen Wandlern typischerweise weit unter 1\u202f%. Der Gro\u00dfteil der Energie verbleibt als W\u00e4rme im Absorber. Zum Vergleich: Dynamische Lautsprecher erreichen Wirkungsgrade von 0,5\u202f% bis 2\u202f%, w\u00e4hrend B\u00e4ndchenlautsprecher oder elektrostatische Systeme sogar h\u00f6here Werte erzielen k\u00f6nnen. F\u00fcr mobile, batteriebetriebene Anwendungen ist der photoakustische Lautsprecher daher meist ungeeignet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tiefbasswiedergabe<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die thermische Tr\u00e4gheit f\u00fchrt zu einem nat\u00fcrlichen Hochpassverhalten. Unterhalb einer materialabh\u00e4ngigen Grenzfrequenz (oft zwischen 100\u202fHz und 500\u202fHz) f\u00e4llt der Schalldruck mit 6\u202fdB pro Oktave ab. Durch eine Gleichlicht-Vorspannung (DC-Bias) kann dieser Effekt teilweise kompensiert werden, da dann die Temperatur\u00e4nderungen um einen erh\u00f6hten Arbeitspunkt erfolgen. F\u00fcr eine volle Tiefbasswiedergabe sind jedoch entweder gro\u00dfe Fl\u00e4chen oder aufwendige Regelungen erforderlich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kosten und Verf\u00fcgbarkeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hochwertige Nanomaterialien wie ausgerichtete CNT-Filme oder gro\u00dfe Graphen-Monolagen sind in der Herstellung teuer. Die ben\u00f6tigten Laserdioden mit mehreren Watt Ausgangsleistung und analoger Modulationsf\u00e4higkeit kosten ebenfalls mehrere hundert Euro. Damit sind photoakustische Lautsprecher derzeit ein Nischenprodukt f\u00fcr Forschung, Spezialanwendungen und ambitionierte DIY-Projekte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vergleich mit konventionellen Lautsprechern<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung wird der photoakustische Lautsprecher manchmal als \u201edie Zukunft der Audiotechnik\u201c \u00fcberh\u00f6ht. Eine differenzierte Betrachtung zeigt: F\u00fcr die allermeisten Anwendungen \u2013 vom Heimkino bis zur Beschallung von Veranstaltungen \u2013 bieten klassische elektrodynamische Lautsprecher ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis. Die St\u00e4rken der photoakustischen Technik liegen in den Bereichen, wo Bewegungslosigkeit, Transparenz, Flexibilit\u00e4t oder optische Ansteuerung gefragt sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der photoakustische Effekt, vor \u00fcber 140 Jahren von Alexander Graham Bell entdeckt, hat sich von einer wissenschaftlichen Kuriosit\u00e4t zu einem vielversprechenden Prinzip f\u00fcr neuartige Schallwandler entwickelt. Mit Kohlenstoff-Nanor\u00f6hren und Graphen stehen heute Materialien zur Verf\u00fcgung, die eine effiziente, tr\u00e4gheitsfreie Umsetzung erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die technische Umsetzung als Lautsprecher bleibt eine Herausforderung: Der geringe Wirkungsgrad, die Notwendigkeit einer aufwendigen K\u00fchlung und die Schw\u00e4chen im Tieftonbereich verhindern derzeit einen breiten Einsatz. Doch in spezialisierten Nischen \u2013 transparente Displays mit integrierter Schallausgabe, flexible Wearables, optisch angesteuerte Systeme f\u00fcr elektrisch sensible Umgebungen oder als Teil photoakustischer Bildgebungssysteme \u2013 k\u00f6nnte die Technologie in den kommenden Jahren erste marktf\u00e4hige Produkte hervorbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschung arbeitet derzeit an mehreren Fronten: neue Materialien mit noch geringerer thermischer Masse (etwa metallische Nanogitter), effizientere K\u00fchlkonzepte und hybride Systeme, die photoakustische Wandler mit konventionellen Tieft\u00f6nern kombinieren. Ob die Technologie jemals den Sprung in den Massenmarkt schafft, wird weniger von der physikalischen Machbarkeit als von den Kosten und der Systemintegration abh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fest steht: Der photoakustische Lautsprecher ist ein leuchtendes Beispiel daf\u00fcr, wie eine alte Entdeckung durch moderne Materialwissenschaften und Photonik v\u00f6llig neue Wege gehen kann \u2013 und erinnert uns daran, dass in der Technikgeschichte oft das vermeintlich \u00dcberholte unerwartete Wiederauferstehungen feiert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bell, A. G. (1880). \u201eOn the Production and Reproduction of Sound by Light\u201c.\u00a0<em>American Journal of Science<\/em>, 20(118), 305\u2013324.<\/li>\n\n\n\n<li>Xiao, L. et al. (2008). \u201eFlexible, stretchable, transparent carbon nanotube thin film loudspeakers\u201c.\u00a0<em>Nano Letters<\/em>, 8(12), 4539\u20134545.<\/li>\n\n\n\n<li>Tian, H. et al. (2011). \u201eGraphene-on-paper sound source\u201c.\u00a0<em>ACS Nano<\/em>, 5(6), 4878\u20134885.<\/li>\n\n\n\n<li>Tong, L. et al. (2015). \u201eHigh-power thermoacoustic loudspeaker based on carbon nanotube sheets\u201c.\u00a0<em>Applied Physics Letters<\/em>, 106(2), 021902.<\/li>\n\n\n\n<li>Kim, Y. J. et al. (2014). \u201eHighly transparent and flexible loudspeaker using silver nanowires\u201c.\u00a0<em>Advanced Materials<\/em>, 26(29), 4980\u20134985.<\/li>\n\n\n\n<li>Wang, L. V. &amp; Hu, S. (2012). \u201ePhotoacoustic Tomography: In Vivo Imaging from Organelles to Organs\u201c.\u00a0<em>Science<\/em>, 335(6075), 1458\u20131462.<\/li>\n\n\n\n<li>Arnold, W. (2014).\u00a0<em>Photoakustik: Grundlagen und Anwendungen<\/em>. (Fachbuch, Springer Spektrum, ISBN 978-3-642-41723-0) \u2013 umfassende Darstellung der physikalischen Grundlagen und der messtechnischen Anwendungen.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Schall ohne Bewegung Ein Lautsprecher, der ohne Membran auskommt, der keinerlei mechanische Schwingungen preisgibt und dennoch Klang erzeugt \u2013 was nach Science-Fiction klingt, geht auf eine Entdeckung des 19. Jahrhunderts zur\u00fcck. Der photoakustische Effekt, auch als thermoakustischer Effekt bekannt, beschreibt die Entstehung von Schall durch periodisch moduliertes Licht. 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