{"id":2593,"date":"2026-03-28T07:40:32","date_gmt":"2026-03-28T06:40:32","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2593"},"modified":"2026-03-28T07:40:32","modified_gmt":"2026-03-28T06:40:32","slug":"der-architekt-des-offenen-okosystems-andy-rubin-und-die-zwei-leben-des-android-erfinders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-architekt-des-offenen-okosystems-andy-rubin-und-die-zwei-leben-des-android-erfinders\/","title":{"rendered":"Der Architekt des offenen \u00d6kosystems: Andy Rubin und die zwei Leben des Android-Erfinders"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt nur wenige Namen, die so untrennbar mit der Mobilen Revolution verbunden sind wie der von Andy Rubin. W\u00e4hrend Steve Jobs f\u00fcr die geschlossene, \u00e4sthetisch perfektionierte Welt des iPhone steht, personifiziert Rubin das Gegenmodell: die offene, fragmentierte und doch ubiquit\u00e4re Plattform Android. Rubin, den seine Kollegen einst bei Apple wegen seiner Robotik-Leidenschaft den \u201eAndroid\u201c nannten, schuf das Betriebssystem, das heute \u00fcber drei Milliarden aktive Ger\u00e4te antreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Biografie dieses Technologievision\u00e4rs ist eine Studie der Extreme. Sie ist die Geschichte eines Mannes, der gegen alle Widerst\u00e4nde ein Betriebssystem aus der Garage heraus entwickelte, es zum dominanten Mobilstandard der Welt machte \u2013 und dessen Verm\u00e4chtnis sp\u00e4ter durch einen Skandal \u00fcberschattet wurde, der nicht nur seinen eigenen Ruf, sondern auch die Unternehmenskultur von Google nachhaltig ersch\u00fctterte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel zeichnet den Werdegang Andy Rubins nach, analysiert die strategischen Wendepunkte hinter der Android-Entwicklung und beleuchtet die komplexe Diskrepanz zwischen technologischem Genie und pers\u00f6nlicher Verantwortung, die seinen Platz in der Technikgeschichte bis heute pr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">I. Der \u201eAndroid\u201c vor Android: Vom Apple-Ingenieur zum Start-up-Gr\u00fcnder<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andy Rubin wurde 1963 in New York geboren. Schon fr\u00fch pr\u00e4gte ihn die Technikaffinit\u00e4t seines Vaters, der einen Elektronik-Direktvertrieb betrieb. Nach seinem Informatikstudium begann er 1986 als Roboter-Ingenieur bei Carl Zeiss in der Schweiz \u2013 eine Erfahrung, die seine technische Handschrift f\u00fcr Jahrzehnte bestimmen sollte: die Faszination f\u00fcr Systeme, die autonom agieren und physische mit digitaler Welt verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Karriere durchlief in den folgenden Jahren die wichtigsten Entwicklungsstufen der digitalen Revolution:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Zeitraum<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Unternehmen \/ Projekt<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Bedeutung f\u00fcr Rubins Werdegang<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>1989\u20131992<\/td><td><strong>Apple<\/strong><\/td><td>Als Fertigungsingenieur erhielt er den Spitznamen \u201eAndroid\u201c wegen seiner Vorliebe f\u00fcr Roboter; erster Kontakt mit einer Kultur der Perfektion und geschlossener Systeme.<\/td><\/tr><tr><td>1992\u20131995<\/td><td><strong>General Magic<\/strong><\/td><td>Arbeit an&nbsp;<strong>Magic Cap<\/strong>, einem vision\u00e4ren, aber kommerziell gescheiterten mobilen Betriebssystem; Rubins sp\u00e4terer Android-Mitbegr\u00fcnder Andy McFadden war hier ebenfalls t\u00e4tig.<\/td><\/tr><tr><td>1995\u20131999<\/td><td><strong>WebTV<\/strong>&nbsp;(sp\u00e4ter Microsoft)<\/td><td>Entwicklung einer interaktiven TV-Plattform; Erfahrung mit Konsumger\u00e4ten, die sp\u00e4ter in die Smartphone-Strategie einfloss.<\/td><\/tr><tr><td>1999\u20132003<\/td><td><strong>Danger Inc.<\/strong><\/td><td>Entwicklung des&nbsp;<strong>Danger Hiptop<\/strong>&nbsp;(T-Mobile Sidekick) \u2013 ein fr\u00fches Smartphone mit App-\u00d6kosystem und Cloud-Synchronisation, das als technischer Vorl\u00e4ufer von Android gilt.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesen Jahren entwickelte Rubin ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Schwachstellen der damaligen Mobilfunkbranche: Betriebssysteme waren propriet\u00e4r, Hardware und Software eng verzahnt, und Entwickler hatten kaum Zugang zu den Ger\u00e4ten. Diese Erfahrungen f\u00fchrten ihn zu der \u00dcberzeugung, dass die Zukunft in einem&nbsp;<strong>offenen, standardisierten Betriebssystem<\/strong>&nbsp;lag \u2013 eine Idee, die er mit&nbsp;<strong>Android Inc.<\/strong>&nbsp;2003 verwirklichen wollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">II. Die Geburt von Android: Eine Kamera wird zum Smartphone<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gr\u00fcndungsgeschichte von Android ist ein Paradebeispiel f\u00fcr den Mythos des Silicon Valley \u2013 mit einer entscheidenden Abweichung: Sie scheiterte beinahe. Rubin und seine Mitgr\u00fcnder (Rich Miner, Nick Sears, Chris White) starteten Android Inc. mit der Idee, ein&nbsp;<strong>Betriebssystem f\u00fcr digitale Kameras<\/strong>&nbsp;zu entwickeln, das intelligente Funktionen und Konnektivit\u00e4t bieten sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Markt f\u00fcr intelligente Kameras war 2004 noch nicht reif. Als die Geldmittel zur Neige gingen, stand das junge Unternehmen vor dem Aus. In letzter Minute sprang&nbsp;<strong>Steve Perlman<\/strong>&nbsp;(bekannt durch QuickTime und WebTV) ein \u2013 ein Freund aus der WebTV-Zeit. Perlman \u00fcbernahm in einer dramatischen Aktion einen Kredit \u00fcber 10.000 Dollar und erm\u00f6glichte so die Gehaltszahlungen f\u00fcr die Mitarbeiter. Sp\u00e4ter investierte er zus\u00e4tzlich 100.000 Dollar, um die Firma \u00fcber Wasser zu halten. Dieses Risikokapital gab Rubin den n\u00f6tigen Spielraum, die Strategie zu \u00e4ndern und den Fokus auf&nbsp;<strong>Mobiltelefone<\/strong>&nbsp;zu legen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eAndy war felsenfest davon \u00fcberzeugt, dass Mobiltelefone die n\u00e4chste gro\u00dfe Plattform sein w\u00fcrden \u2013 noch bevor es das iPhone gab. Ich habe damals in den Prototypen gesehen, was er vorhatte, und wusste, dass das etwas Gro\u00dfes werden k\u00f6nnte.\u201c<\/em><br>\u2014 Steve Perlman, in einem Interview mit&nbsp;<em>The Wall Street Journal<\/em>&nbsp;(2015)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Wende kam 2005.&nbsp;<strong>Google<\/strong>, damals noch vor allem als Suchmaschine bekannt, suchte nach einer M\u00f6glichkeit, sich im aufkommenden Mobilmarkt zu positionieren. Unter CEO Larry Page und Mitgr\u00fcnder Sergey Brin wuchs die Sorge, Microsoft oder Nokia k\u00f6nnten den Zugang zu mobilen Suchanfragen kontrollieren. Im Juli 2005 erwarb Google Android Inc. f\u00fcr gesch\u00e4tzte&nbsp;<strong>50 Millionen US-Dollar<\/strong>&nbsp;\u2013 ein Betrag, der im Nachhinein als einer der besten Deals der Unternehmensgeschichte gilt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">III. Der Doppelschlag: Googles Open-Source-Strategie und die iPhone-Krise<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rubin blieb bei Google und erhielt als Senior Vice President die Aufgabe, Android zu einem ernstzunehmenden Mobilbetriebssystem auszubauen. Sein Masterplan sah vor, Android als&nbsp;<strong>Open Source<\/strong>&nbsp;zu lizenzieren und mit einer&nbsp;<strong>Open Handset Alliance<\/strong>&nbsp;(OHA) ein B\u00fcndnis aus Hardwareherstellern, Mobilfunkanbietern und Chip-Entwicklern zu schmieden. Das Ziel war einheitlich: Gemeinsam gegen das damals dominierende Symbian-OS und Microsofts Windows Mobile anzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch im Januar 2007 ver\u00e4nderte Steve Jobs mit der Vorstellung des&nbsp;<strong>iPhone<\/strong>&nbsp;die Spielregeln fundamental. Das iPhone war das erste Smartphone, das konsequent auf Touchscreen setzte, eine intuitive Bedienung bot und bestehende Mobilbetriebssysteme technisch alt aussehen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rubin, der an einem Prototyp mit einer physikalischen Tastatur gearbeitet hatte, erkannte sofort, dass sein bisheriger Ansatz obsolet war. In einem internen Umdenkungsprozess, der von Google-Gr\u00fcnder Larry Page forciert wurde, wurde das urspr\u00fcngliche Android-Konzept&nbsp;<strong>komplett \u00fcberarbeitet<\/strong>. Die Hardware-Spezifikationen wurden auf Touchscreens ausgerichtet, und das Interface wurde neu gestaltet. Diese Entscheidung erwies sich als \u00fcberlebenswichtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im September 2008 erschien mit dem&nbsp;<strong>HTC Dream<\/strong>&nbsp;(auch bekannt als T-Mobile G1) das erste kommerzielle Android-Smartphone. Es war zwar noch klobig und hatte eine ausfahrbare Tastatur, aber es bot bereits die Kernideen: Integration von Google-Diensten, einen App-Store (Android Market) und eine Offenheit, die es Herstellern erlaubte, das System anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rubins gr\u00f6\u00dfter strategischer Coup war die&nbsp;<strong>Lizenzierungsstrategie<\/strong>. Indem Google Android kostenlos an Hersteller wie Samsung, HTC, Motorola und sp\u00e4ter Xiaomi abgab, wurde das System zum Quasi-Standard f\u00fcr alle Ger\u00e4te au\u00dferhalb von Apples \u00d6kosystem. Bis 2013 hatte Android einen Weltmarktanteil von \u00fcber 80 Prozent erreicht \u2013 ein Wachstum, das in der Technologiegeschichte seinesgleichen sucht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">IV. Die Google-Jahre: Aufstieg, Macht und innere Widerspr\u00fcche<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rubins Aufstieg bei Google war steil. Er baute die Android-Abteilung zu einer eigenst\u00e4ndigen Einheit auf, die innerhalb des Konzerns eine Sonderrolle einnahm. Kollegen beschrieben ihn als vision\u00e4r, aber auch als eigenwillig und von einer gewissen Paranoia gepr\u00e4gt. Er soll seinen Labradoodle namens \u201eDuffy\u201c mit ins B\u00fcro gebracht haben, und es ranken sich Legenden \u00fcber eine Roboter-Armee, die er in seinem B\u00fcro unterhielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2013, nach acht Jahren bei Google, zog sich Rubin aus der Leitung der Android-Sparte zur\u00fcck. In einer offiziellen Mitteilung hie\u00df es, er wolle sich neuen Projekten widmen \u2013 insbesondere der neu gegr\u00fcndeten&nbsp;<strong>Robotik-Sparte<\/strong>&nbsp;von Google. Sein Nachfolger wurde&nbsp;<strong>Sundar Pichai<\/strong>, der sp\u00e4ter CEO des gesamten Google-Konzerns werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Zeit schien Rubins Stern weiter zu steigen. Google investierte massiv in seine Vision, kaufte mehrere Robotik-Firmen (darunter Boston Dynamics) und baute ein eigenes Hardware-Gesch\u00e4ft auf. Doch im Oktober 2014 verlie\u00df Rubin Google \u00fcberraschend vollst\u00e4ndig \u2013 offiziell, um einen&nbsp;<strong>Risikokapitalfonds (Playground Global)<\/strong>&nbsp;zu gr\u00fcnden und das Smartphone-Start-up&nbsp;<strong>Essential<\/strong>&nbsp;zu starten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wahren Umst\u00e4nde seines Abgangs blieben zun\u00e4chst im Dunkeln.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">V. Der Fall: Ein Skandal ersch\u00fcttert Google<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Oktober 2018 ver\u00f6ffentlichte die&nbsp;<em>New York Times<\/em>&nbsp;eine investigative Reportage mit dem Titel&nbsp;<strong>\u201eHow Google Protected Andy Rubin, the \u2018Father of Android\u2019\u201c<\/strong>. Der Artikel enth\u00fcllte, dass Rubin Google 2013 unter einem ganz anderen Stern verlassen hatte als bis dahin bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den Recherchen der&nbsp;<em>Times<\/em>&nbsp;war Rubin im Jahr 2013 vorgeworfen worden, sich als Vorgesetzter&nbsp;<strong>sexuell unangemessen gegen\u00fcber einer Mitarbeiterin<\/strong>&nbsp;verhalten zu haben. Eine interne Untersuchung von Google habe die Vorw\u00fcrfe als glaubw\u00fcrdig eingestuft. Daraufhin habe Google-CEO Larry Page pers\u00f6nlich Rubins R\u00fccktritt gefordert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch anstatt Rubin fristlos zu entlassen, gew\u00e4hrte Google ihm ein Austrittspaket in H\u00f6he von&nbsp;<strong>90 Millionen US-Dollar<\/strong>, das \u00fcber mehrere Jahre ausgezahlt werden sollte. Die Mitarbeiterin hingegen erhielt eine Abfindung und unterzeichnete eine Schweigevereinbarung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Enth\u00fcllung l\u00f6ste bei Google einen beispiellosen&nbsp;<strong>Arbeitsaufstand<\/strong>&nbsp;aus. Am 1. November 2018 verlie\u00dfen weltweit mehr als 20.000 Google-Mitarbeiter ihre Arbeitspl\u00e4tze, um gegen die offenbar bevorzugte Behandlung von F\u00fchrungskr\u00e4ften bei sexuellen \u00dcbergriffen zu protestieren. Die Proteste trugen ma\u00dfgeblich dazu bei, dass Google seine Richtlinien f\u00fcr Schlichtungsverfahren \u00e4nderte und die Transparenz bei Missbrauchsf\u00e4llen erh\u00f6hte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rubin selbst bestritt die Vorw\u00fcrfe in einem Tweet und nannte den Artikel der&nbsp;<em>New York Times<\/em>&nbsp;\u201eeine Schmutzkampagne\u201c. Er gab an, die Beziehung zu der Mitarbeiterin sei einvernehmlich gewesen. Die Glaubw\u00fcrdigkeit dieser Darstellung wurde jedoch durch die interne Untersuchung und die H\u00f6he der Abfindung in Frage gestellt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">VI. Verm\u00e4chtnis im Zwielicht: Essential, Playground und das Ende einer \u00c4ra<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach seinem Ausscheiden bei Google versuchte Rubin, mit&nbsp;<strong>Essential Products<\/strong>&nbsp;erneut in der Smartphone-Welt Fu\u00df zu fassen. Das&nbsp;<strong>Essential Phone PH-1<\/strong>&nbsp;(2017) war ein ambitioniertes Ger\u00e4t mit keramischer R\u00fcckseite, Titanrahmen und einem modularen Anschluss f\u00fcr Zubeh\u00f6r. Kritiker lobten das Design, doch das Ger\u00e4t litt unter Software-Problemen und versp\u00e4teten Auslieferungen. Der Markterfolg blieb aus, und 2020 stellte Essential Products den Betrieb ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rubins Risikokapitalfonds&nbsp;<strong>Playground Global<\/strong>&nbsp;investierte in vielversprechende Start-ups, vor allem im Bereich Hardware und k\u00fcnstliche Intelligenz. Doch Rubins \u00f6ffentliche Sichtbarkeit nahm nach dem Skandal von 2018 drastisch ab. Er zog sich aus der Tech-Presse weitgehend zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Technologiehistoriker stehen heute vor einem Paradoxon:&nbsp;<strong>Andy Rubin geh\u00f6rt zu den einflussreichsten Architekten der digitalen Gegenwart.<\/strong>&nbsp;Sein Betriebssystem hat den weltweiten Zugang zu Information und digitaler Kommunikation demokratisiert, besonders in Schwellenl\u00e4ndern, wo Smartphones dank Android zu erschwinglichen Preisen verf\u00fcgbar wurden. Android war die Plattform, die die zweite H\u00e4lfte der digitalen Revolution trug \u2013 nach dem PC, aber noch vor der KI-\u00c4ra.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig steht sein Name f\u00fcr eine problematische Dimension der Tech-Kultur: die Konzentration von Macht bei m\u00e4nnlichen Gr\u00fcndungsfiguren, die oft \u00fcber Jahre hinweg eine eigene \u201eFirmenkultur im Unternehmen\u201c etablieren konnten, in der Fehlverhalten nicht konsequent geahndet wurde. Der Umgang Googles mit Rubins Abgang wurde zu einem symbolischen Wendepunkt in der Tech-Branche, der zur Gr\u00fcndung von Gewerkschaften (Alphabet Workers Union) und zu nachhaltigen Diskussionen \u00fcber Unternehmenskultur und Ethik f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">VII. Fazit: Der Architekt und seine zwei Leben<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andy Rubin hat die Welt ver\u00e4ndert \u2013 auf eine Weise, die kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzen ist. Das von ihm konzipierte Betriebssystem Android ist heute das meistgenutzte Betriebssystem der Welt und hat Milliarden Menschen Zugang zu digitaler Infrastruktur erm\u00f6glicht. Seine Entscheidung f\u00fcr Open Source und die enge Zusammenarbeit mit Hardwareherstellern schufen ein \u00d6kosystem, das in seiner Reichweite einmalig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch diese technologische Leistung l\u00e4sst sich nicht losgel\u00f6st von den pers\u00f6nlichen und strukturellen Verfehlungen betrachten, die seine Karriere \u00fcberschatteten. Rubins Geschichte ist eine Erz\u00e4hlung \u00fcber&nbsp;<strong>Genie und Fehlbarkeit<\/strong>, \u00fcber den Aufbau eines Imperiums und den Verlust moralischer Autorit\u00e4t. Sie wirft grunds\u00e4tzliche Fragen auf: Inwieweit k\u00f6nnen wir technologische Errungenschaften von ihren Sch\u00f6pfern trennen? Wie verantworten Tech-Konzerne, dass sie F\u00fchrungskr\u00e4fte mit Millionenabfindungen entlassen, w\u00e4hrend Mitarbeiterinnen diskret zum Schweigen gebracht werden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Tech-Branche bleibt Rubin ein ambivalenter Held. Sein technologisches Erbe \u2013 Android \u2013 ist allgegenw\u00e4rtig. Sein pers\u00f6nliches Erbe ist ein warnendes Beispiel daf\u00fcr, dass die Kultur der \u00dcbernahme von Verantwortung in der Tech-Welt lange Zeit hinter der Innovationskraft zur\u00fcckstand. In der R\u00fcckschau ist Andy Rubin der&nbsp;<strong>Architekt eines offenen \u00d6kosystems<\/strong>, der selbst innerhalb der Mauern seiner eigenen Unternehmen eine Kultur der Intransparenz schuf \u2013 eine Diskrepanz, die die Geschichte des Silicon Valley bis heute pr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Isaacson, Walter (2011):<\/strong>\u00a0<em>Steve Jobs.<\/em>\u00a0M\u00fcnchen: Bertelsmann. (Darin insbesondere die Kapitel zum iPhone-Start und die Reaktion von Google)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Vogelstein, Fred (2013):<\/strong>\u00a0<em>Dogfight: How Apple and Google Went to War and Started a Revolution.<\/em>\u00a0New York: Farrar, Straus and Giroux.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>New York Times (2018):<\/strong>\u00a0<em>How Google Protected Andy Rubin, the \u2018Father of Android\u2019<\/em>. Autoren: Daisuke Wakabayashi, Katie Benner. Ver\u00f6ffentlicht am 25. Oktober 2018.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>The Wall Street Journal (2015):<\/strong>\u00a0<em>Steve Perlman on Andy Rubin: \u2018He Was Sure That Mobile Phones Were the Next Great Platform\u2019<\/em>. Autoren: Rolfe Winkler, Daisuke Wakabayashi.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>The Information (2018):<\/strong>\u00a0<em>Inside Andy Rubin\u2019s Departure from Google<\/em>. Autor: Amir Efrati.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>The Verge (2020):<\/strong>\u00a0<em>Essential, Andy Rubin\u2019s smartphone startup, is shutting down<\/em>. Autor: Sean Hollister.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bloomberg Businessweek (2015):<\/strong>\u00a0<em>How Andy Rubin\u2019s Android Created the World\u2019s Most Popular OS<\/em>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Reuters (2018):<\/strong>\u00a0<em>Google staff walk out to protest treatment of women, executives<\/em>. Autor: Paresh Dave.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Es gibt nur wenige Namen, die so untrennbar mit der Mobilen Revolution verbunden sind wie der von Andy Rubin. W\u00e4hrend Steve Jobs f\u00fcr die geschlossene, \u00e4sthetisch perfektionierte Welt des iPhone steht, personifiziert Rubin das Gegenmodell: die offene, fragmentierte und doch ubiquit\u00e4re Plattform Android. 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