{"id":2651,"date":"2026-03-28T09:22:42","date_gmt":"2026-03-28T08:22:42","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2651"},"modified":"2026-03-28T09:22:42","modified_gmt":"2026-03-28T08:22:42","slug":"der-irrgarten-der-kleinen-module-was-smr-wirklich-konnen-und-was-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-irrgarten-der-kleinen-module-was-smr-wirklich-konnen-und-was-nicht\/","title":{"rendered":"Der Irrgarten der kleinen Module: Was SMR wirklich k\u00f6nnen \u2013 und was nicht"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee klingt verf\u00fchrerisch: Kleine, modulare Kernreaktoren, in Serie gefertigt, per LKW angeliefert und vor Ort zusammengesteckt \u2013 sie sollen die Energiewende retten, die Industrie dekarbonisieren und gleichzeitig die Probleme der gro\u00dfen Atomkraftwerke hinter sich lassen. Doch wie so oft bei Technologien, die zwischen politischer Hoffnung und ingenieurtechnischer Realit\u00e4t oszillieren, ist die Wahrheit komplexer. Dieser Artikel nimmt die Small Modular Reactors (SMR) aus der Perspektive eines Technikhistorikers und Fachjournalisten auseinander: nicht als Werbebrosch\u00fcre, sondern als n\u00fcchterne Bestandsaufnahme.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Die Renaissance einer alten Idee<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als 1953 US-Pr\u00e4sident Dwight D. Eisenhower seine \u201eAtoms for Peace\u201c-Rede hielt, tr\u00e4umte die Welt von Kernreaktoren, die so klein und sicher sein w\u00fcrden, dass sie ganze St\u00e4dte mit Energie versorgen oder sogar Schiffe und Flugzeuge antreiben k\u00f6nnten. Der erste atomgetriebene U-Boot-Reaktor, der&nbsp;<em>USS Nautilus<\/em>, ging 1954 in Betrieb \u2013 ein echter SMR, wenn man so will. Doch die zivile Nutzung nahm einen anderen Weg: Im Wettlauf um Skaleneffekte wurden die Reaktoren immer gr\u00f6\u00dfer. Die sogenannten \u201eGigawatt-Reaktoren\u201c dominierten die zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute, sieben Jahrzehnte sp\u00e4ter, feiert der kleine, modulare Reaktor sein Comeback. Mehr als 130 verschiedene Konzepte zirkulieren weltweit. Doch was steckt wirklich dahinter? Um diese Frage zu beantworten, muss man die Technologie von drei Seiten betrachten: der technischen Machbarkeit, der wirtschaftlichen Realit\u00e4t und der gesellschaftlichen Einbettung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Historische Kontinuit\u00e4t: Vom Schiffsantrieb zur Energiewende<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der SMR ist keine Geschichte radikaler Neuerfindung, sondern eine der Rekombination. Die ersten kommerziell erfolgreichen SMR waren milit\u00e4rischer Natur: die Reaktoren der US-Marine. Mit Leistungen zwischen 30 und 200 Megawatt (MWe) versorgen sie seit Jahrzehnten zuverl\u00e4ssig U-Boote und Flugzeugtr\u00e4ger. Der kanadische&nbsp;<em>CANDU<\/em>-Reaktor, urspr\u00fcnglich in den 1960ern entwickelt, zeigte ebenfalls, dass modulare Bauweise und Druckr\u00f6hrentechnik funktionieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch: Der Versuch, diese Technologie in den 1970er und 1980er Jahren auf die zivile Nutzung zu \u00fcbertragen \u2013 etwa mit dem&nbsp;<em>Fort St. Vrain<\/em>&nbsp;Hochtemperaturreaktor in den USA oder dem&nbsp;*THTR-300*&nbsp;in Hamm-Uentrop \u2013 scheiterte an technischen Problemen, Kostenexplosionen und der gesellschaftlichen Ablehnung. Die aktuelle SMR-Welle ist daher weniger eine technologische Revolution als vielmehr eine R\u00fcckbesinnung auf alte Konzepte, nun aber getrieben von v\u00f6llig neuen Rahmenbedingungen: der Notwendigkeit der Dekarbonisierung und dem Wunsch nach dezentraler Energieautonomie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Technologische Pfade: Einheit in der Vielfalt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff SMR ist ein Sammelbecken f\u00fcr h\u00f6chst unterschiedliche Technologien. Sie lassen sich grob in drei Kategorien einteilen, deren Reifegrad und Einsatzm\u00f6glichkeiten kaum unterschiedlicher sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Technologiekategorie<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Beispiele (real)<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Leistung (MWe)<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>K\u00fchlung \/ Brennstoff<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Reifegrad<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Hauptvorteil<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Leichtwasser-SMR<\/strong><\/td><td>NuScale VOYGR, Rolls-Royce SMR, GE Hitachi BWRX-300<\/td><td>50\u2013470<\/td><td>Wasser \/ konventionelles UO\u2082<\/td><td>Erste Zulassungen, Prototypen in Bau<\/td><td>Nutzt bestehende Infrastruktur und Brennstoffkreislauf<\/td><\/tr><tr><td><strong>Hochtemperaturreaktoren (HTR)<\/strong><\/td><td>HTR-PM (China), X-energy Xe-100<\/td><td>100\u2013200<\/td><td>Helium \/ TRISO-Partikel<\/td><td>Einziger kommerzieller Betrieb (China)<\/td><td>Hohe Prozessw\u00e4rme (bis 750\u00b0C) f\u00fcr Industrie<\/td><\/tr><tr><td><strong>Schnelle Reaktoren \/ Generation IV<\/strong><\/td><td>BREST-OD-300 (Russland), Natrium (TerraPower)<\/td><td>300<\/td><td>Blei oder Natrium \/ MOX oder HALEU<\/td><td>Forschungsphase, erste Bauprojekte<\/td><td>Geschlossener Brennstoffkreislauf, weniger langlebiger Abfall<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: IAEA Advanced Reactors Information System (ARIS), 2024<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Punkt: W\u00e4hrend Leichtwasser-SMRs technologisch nahe an bestehenden Kernkraftwerken sind und daher schneller zulassungsf\u00e4hig sein k\u00f6nnten, stecken die fortschrittlichen Konzepte (HTR, Salzschmelze, Fl\u00fcssigmetall) noch in der industriellen Erprobung. China betreibt seit 2023 mit dem HTR-PM den weltweit ersten kommerziellen Hochtemperaturreaktor dieser Bauart \u2013 allerdings mit stark schwankender Auslastung. Russland hat mit dem schwimmenden AKW&nbsp;<em>Akademik Lomonossow<\/em>&nbsp;(KLT-40S) und dem im Bau befindlichen BREST-300 die Nase vorn, was die tats\u00e4chliche Inbetriebnahme betrifft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Die Gr\u00f6\u00dfenfrage: Nicht zu klein, nicht zu gro\u00df<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wiederkehrender Irrglaube in der \u00f6ffentlichen Debatte ist, dass SMRs per Definition \u201eklein\u201c seien. Tats\u00e4chlich definiert die Internationale Atomenergiebeh\u00f6rde (IAEA) die Obergrenze bei 300 MWe pro Modul. Doch die Realit\u00e4t ist un\u00fcbersichtlich.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mikroreaktoren (1\u201310 MWe):<\/strong>\u00a0Sie sind etwa so gro\u00df wie ein Container und sollen entlegene Gebiete oder Bergwerke versorgen. Das Problem: Sie sind derzeit kaum wirtschaftlich darstellbar, da die Fixkosten pro Kilowatt extrem hoch sind.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kompakte SMR (10\u2013100 MWe):<\/strong>\u00a0Diese Gr\u00f6\u00dfenklasse ist ideal f\u00fcr die maritime Schifffahrt oder Insell\u00f6sungen. Der einzige in Betrieb befindliche Vertreter ist der russische KLT-40S.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>\u201eStandard\u201c-SMR (100\u2013300 MWe):<\/strong>\u00a0Sie bilden den Kern der westlichen Entwicklungen. Sie sind klein genug f\u00fcr den Transport per Bahn oder LKW, aber gro\u00df genug, um von Skaleneffekten in der Serienfertigung zu profitieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>\u201eLarge Modular Reactors\u201c (&gt;300 MWe):<\/strong>\u00a0Der britische Rolls-Royce SMR mit 470 MWe zeigt das Problem der Begriffsbildung. Kritiker werfen hier \u201eEtikettenschwindel\u201c vor: Diese Reaktoren sind kaum kleiner als konventionelle Anlagen und erfordern \u00e4hnlich aufw\u00e4ndige Standortvorbereitungen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gr\u00f6\u00dfe ist kein Selbstzweck. Sie ergibt sich aus einem Trade-off: Ein Modul muss&nbsp;<strong>klein genug<\/strong>&nbsp;sein, um transportabel zu sein, und&nbsp;<strong>gro\u00df genug<\/strong>, um die hohen Fixkosten der Fertigung und der regulatorischen Zulassung zu amortisieren. Wo dieses Optimum liegt, ist bis heute ungekl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Der gesellschaftliche Erfolg jenseits der Politik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blendet man den politischen Diskussionen in Deutschland (Atomausstieg, Restlaufzeiten) aus, bleibt die Frage: Was w\u00e4re eigentlich gewonnen, wenn SMRs funktionieren w\u00fcrden? Der gesellschaftliche Fortschritt l\u00e4ge nicht in der Konkurrenz zu Wind- und Solarenergie, sondern in der L\u00f6sung von Problemen, die Erneuerbare allein nicht adressieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.1 Dekarbonisierung der Industrie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rund 20 % der deutschen CO\u2082-Emissionen entfallen auf die Industrie, vor allem auf Prozessw\u00e4rme. Hier liegen die Temperaturen, die ben\u00f6tigt werden (z. B. f\u00fcr Stahl, Zement oder Chemie), weit \u00fcber dem, was Solar- oder Windstrom direkt liefern kann. Hochtemperaturreaktoren (HTR) mit Heliumk\u00fchlung erreichen bis zu 750 \u00b0C und k\u00f6nnten fossile Brennstoffe in diesen Bereichen ersetzen. Ein gesellschaftlicher Erfolg w\u00e4re es, wenn etwa das Ruhrgebiet oder die Chemiedreiecke nicht durch Stromimporte, sondern durch lokale, kohlenstofffreie W\u00e4rme versorgt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.2 Souver\u00e4nit\u00e4t und Resilienz<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SMRs ben\u00f6tigen \u00fcber einen Betriebszyklus von 4 bis 20 Jahren (je nach Design) keine neue Brennstoffversorgung. F\u00fcr L\u00e4nder mit angespannter geopolitische Lage oder f\u00fcr kritische Infrastrukturen (Rechenzentren, Krankenh\u00e4user) bedeutet dies eine enorme Steigerung der Versorgungssicherheit. Die M\u00f6glichkeit, mehrere Module parallel zu betreiben, erh\u00f6ht zudem die Ausfallsicherheit im Vergleich zu einem einzelnen gro\u00dfen Kraftwerksblock.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.3 Strukturpolitik und Wertsch\u00f6pfung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Studie des kanadischen&nbsp;<em>Conference Board of Canada<\/em>&nbsp;aus dem Jahr 2022 prognostizierte f\u00fcr ein einzelnes SMR-Projekt in Alberta bis zu 4.200 Arbeitspl\u00e4tze in der Bauphase und \u00fcber 1.100 dauerhafte Betriebsarbeitspl\u00e4tze. Entscheidend ist der regionale Effekt: Bis zu 80 % der Wertsch\u00f6pfung k\u00f6nnten in der Region bleiben, da der Bau von Modulen eine hochpr\u00e4zise Fertigung erfordert \u2013 ein Feld, in dem deutsche Mittelst\u00e4ndler traditionell stark sind. Die Nutzung stillgelegter Kohlekraftwerksstandorte als SMR-Standorte w\u00fcrde zudem regionale Strukturbr\u00fcche abmildern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Die harte Realit\u00e4t: Kosten, Zeit und offene Fragen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verlockend die Perspektiven sind, so ern\u00fcchternd sind die realen Projektdaten. Es gibt derzeit kein einziges kommerzielles SMR-Projekt in der westlichen Welt, das die versprochenen Vorteile eingel\u00f6st hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5.1 Das NuScale-Debakel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das wohl prominenteste Beispiel ist der US-amerikanische Pionier NuScale Power. Das Unternehmen galt lange als Vorreiter und erhielt als erstes \u00fcberhaupt eine Zulassung von der US-Atomaufsicht (NRC). Doch das Flaggschiff-Projekt im Bundesstaat Idaho wurde im November 2023 abgebrochen. Die Kosten waren von urspr\u00fcnglich 5,3 Milliarden Dollar auf \u00fcber 9,3 Milliarden Dollar explodiert. Die versprochenen Kostenvorteile durch Serienfertigung blieben aus \u2013 stattdessen zeigten sich die hohen Fixkosten f\u00fcr Zulassung, Sicherheitsnachweise und den komplexen Bau eines ersten-of-a-kind (Erstling) als un\u00fcberwindbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5.2 Wirtschaftlichkeitsparadoxon<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuellen Studien, etwa vom&nbsp;<em>Massachusetts Institute of Technology (MIT)<\/em>&nbsp;und dem&nbsp;<em>Fraunhofer-Institut f\u00fcr System- und Innovationsforschung ISI<\/em>, kommen zu einem ern\u00fcchternden Ergebnis: Die Stromgestehungskosten (LCOE) von SMRs liegen derzeit zwischen&nbsp;<strong>89 und 102 US-Dollar pro Megawattstunde (MWh)<\/strong>. Zum Vergleich: Neue Solaranlagen erreichen&nbsp;<strong>26 bis 50 USD\/MWh<\/strong>, Onshore-Windkraft&nbsp;<strong>24 bis 47 USD\/MWh<\/strong>. Selbst mit CO\u2082-Bepreisung sind SMRs damit deutlich teurer.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Technologie<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Stromgestehungskosten (USD\/MWh)<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Bauzeit (Jahre)<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>CO\u2082-Emissionen (g\/kWh)<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>SMR (gesch\u00e4tzt, 1. Serie)<\/td><td>89\u2013102<\/td><td>4\u20136<\/td><td>ca. 6\u201310<\/td><\/tr><tr><td>Gro\u00dfer Kernkraftwerk (neu)<\/td><td>120\u2013150<\/td><td>8\u201312<\/td><td>ca. 6\u201310<\/td><\/tr><tr><td>Onshore-Windkraft<\/td><td>24\u201347<\/td><td>1\u20132<\/td><td>ca. 11<\/td><\/tr><tr><td>Solar (Freifl\u00e4che)<\/td><td>26\u201350<\/td><td>0,5\u20131<\/td><td>ca. 25\u201340<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quellen: Fraunhofer ISI, Lazard LCOE 2024, OECD NEA<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5.3 Die Brennstofffrage<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele fortgeschrittene SMR-Konzepte ben\u00f6tigen sogenanntes&nbsp;<strong>HALEU<\/strong>&nbsp;(High-Assay Low-Enriched Uranium), also Uran mit einem Anreicherungsgrad von 5 bis 20 %. Derzeit gibt es weltweit nur eine kommerzielle Anlage f\u00fcr HALEU in den USA (Centrus Energy), deren Kapazit\u00e4t f\u00fcr eine breite Einf\u00fchrung v\u00f6llig unzureichend ist. Ohne eine gesicherte Brennstoffversorgung bleiben viele Konzepte auf dem Papier.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5.4 Zeitplan und Klimaziele<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst optimistische Szenarien gehen davon aus, dass die ersten kommerziellen SMR-Anlagen in Europa und Nordamerika fr\u00fchestens&nbsp;<strong>2030 bis 2035<\/strong>&nbsp;ans Netz gehen. F\u00fcr die Klimaziele, die eine drastische Reduktion der Emissionen bis 2030 verlangen, k\u00f6nnte dies zu sp\u00e4t kommen. Die Technologie steht damit in einem schwer aufl\u00f6sbaren Spannungsfeld: Sie braucht Zeit zur Reifung, doch die Zeit f\u00fcr die Klimakrise dr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Perspektiven: Was bleibt, wenn der Hype verfliegt?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zukunft der SMR-Technologie wird sich vermutlich nicht in dem breiten, plakativen Einsatz in der Stromerzeugung entscheiden, sondern in spezifischen Nischen.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Industrieprozessw\u00e4rme:<\/strong>\u00a0Dies ist das wahrscheinlichste Einsatzfeld. Hier k\u00f6nnen SMRs etwas, was Wind und Solar nicht leisten: konstante, sehr hohe Temperaturen liefern. Die Chemie- und Stahlindustrie hat bereits Interesse bekundet.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fernw\u00e4rme:<\/strong>\u00a0In kalten Regionen (Skandinavien, Kanada, Norddeutschland) k\u00f6nnten SMRs CO\u2082-freie W\u00e4rme f\u00fcr St\u00e4dte liefern. Erste Projekte in Schweden und Finnland pr\u00fcfen dies.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Maritime Anwendungen:<\/strong>\u00a0Die Schifffahrt steht vor der Herausforderung, ihre Emissionen zu senken. SMRs als Antrieb f\u00fcr gro\u00dfe Frachter k\u00f6nnten hier eine Rolle spielen, allerdings unter strengen sicherheitsrechtlichen Auflagen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>R\u00fcckbau von Kohlekraftwerken:<\/strong>\u00a0Die Nutzung bestehender Standorte, Netzanbindungen und qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte k\u00f6nnte eine Br\u00fccke schlagen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gro\u00dfen \u201eGamechanger\u201c \u2013 Salzschmelzereaktoren, Schnelle Br\u00fcter oder v\u00f6llig neue Abfallkonzepte \u2013 werden sich, wenn \u00fcberhaupt, erst nach 2045 im kommerziellen Ma\u00dfstab zeigen. Sie sind heute Gegenstand von Forschung, nicht von Investitionsentscheidungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Keine Wunderwaffe, aber ein Werkzeug<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Stand der Technik bei SMRs ist gepr\u00e4gt von einer gro\u00dfen Diskrepanz zwischen politischem und industriellem Enthusiasmus einerseits und den realen wirtschaftlichen und technologischen H\u00fcrden andererseits. Die Technologie ist nicht grunds\u00e4tzlich unm\u00f6glich \u2013 die Betriebserfahrung mit Schiffsreaktoren und dem chinesischen HTR-PM zeigt, dass sie prinzipiell funktioniert. Aber sie ist nicht die einfache, kosteng\u00fcnstige L\u00f6sung, die ihre Bef\u00fcrworter versprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gesellschaftlicher Fortschritt durch SMRs w\u00e4re dann erreicht, wenn sie nicht als Ersatz f\u00fcr erneuerbare Energien, sondern als Erg\u00e4nzung in genau den Bereichen wirken, in denen Erneuerbare an ihre physikalischen Grenzen sto\u00dfen: der Versorgung von Hochtemperatur-Industrieprozessen, der stabilen Grundlast f\u00fcr kritische Infrastrukturen und der klimaneutralen W\u00e4rmeversorgung in Ballungsr\u00e4umen. Ob diese Nischen ausreichen, um die immensen Entwicklungskosten und die komplexen regulatorischen H\u00fcrden zu rechtfertigen, wird sich in den kommenden zehn Jahren entscheiden. Die Geschichte der Kernenergie lehrt uns eines: Technologische Versprechen wiegen schwer, doch sie wiegen letztlich nur so schwer wie ihre realisierte Wirtschaftlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Internationale Atomenergiebeh\u00f6rde (IAEA):<\/strong>\u00a0<em>Advances in Small Modular Reactor Technology Developments<\/em>, 2024 Edition. Vienna.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>OECD Nuclear Energy Agency (NEA):<\/strong>\u00a0<em>The NEA Small Modular Reactor (SMR) Dashboard<\/em>, 2023.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fraunhofer-Institut f\u00fcr System- und Innovationsforschung ISI:<\/strong>\u00a0<em>Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien<\/em>, M\u00e4rz 2024.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Massachusetts Institute of Technology (MIT):<\/strong>\u00a0<em>The Future of Nuclear Energy in a Carbon-Constrained World<\/em>, 2023 Update.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Lazard:<\/strong>\u00a0<em>Lazard\u2019s Levelized Cost of Energy Analysis<\/em>, Version 16.0, 2024.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>The Conference Board of Canada:<\/strong>\u00a0<em>Potential Economic Impacts of Small Modular Reactors in Alberta<\/em>, 2022.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>World Nuclear Association:<\/strong>\u00a0<em>Small Nuclear Power Reactors<\/em>, Information Paper, aktualisiert M\u00e4rz 2024.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>NuScale Power:<\/strong>\u00a0Unternehmensmitteilungen und SEC-Filings, 2023\u20132024.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>WNA\/IAEA:<\/strong>\u00a0<em>HTR-PM (High Temperature Reactor \u2013 Pebble-bed Module)<\/em>, Projektbericht, 2023.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von DerSchneider Die Idee klingt verf\u00fchrerisch: Kleine, modulare Kernreaktoren, in Serie gefertigt, per LKW angeliefert und vor Ort zusammengesteckt \u2013 sie sollen die Energiewende retten, die Industrie dekarbonisieren und gleichzeitig die Probleme der gro\u00dfen Atomkraftwerke hinter sich lassen. 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