{"id":2719,"date":"2026-03-30T16:19:19","date_gmt":"2026-03-30T14:19:19","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2719"},"modified":"2026-03-30T16:19:19","modified_gmt":"2026-03-30T14:19:19","slug":"der-stoff-aus-dem-die-traume-sind-von-der-spinnenziege-zur-seidenraupe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-stoff-aus-dem-die-traume-sind-von-der-spinnenziege-zur-seidenraupe\/","title":{"rendered":"Der Stoff, aus dem die Tr\u00e4ume sind: Von der Spinnenziege zur Seidenraupe"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Die Jagd nach dem Wundermaterial<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit Jahrhunderten versucht der Mensch, das Geheimnis der Spinnenseide zu entschl\u00fcsseln. Dieses Naturmaterial, das Spinnen f\u00fcr ihre Netze nutzen, vereint scheinbar widerspr\u00fcchliche Eigenschaften: Es ist rei\u00dffester als Stahl, elastischer als Nylon, leicht, wasserfest und biologisch abbaubar&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/gentechnologie-seidenfaden-aus-der-milch-1.953014?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Kein Wunder, dass es als &#8222;Heiliger Gral&#8220; der Materialwissenschaften gilt&nbsp;<a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/spinnenseide-aus-ziegen-eutern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Doch die Natur h\u00fctet ihr Geheimnis gut. Spinnen lassen sich wegen ihrer territorialen und r\u00e4uberischen Natur nicht in Massentierhaltung z\u00fcchten \u2013 eine kommerzielle Nutzung ihrer direkten Seide ist unm\u00f6glich&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/gentechnologie-seidenfaden-aus-der-milch-1.953014?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Dilemma f\u00fchrte Ende der 1990er Jahre zu einem der k\u00fchnsten und bekanntesten Experimente der Gentechnik: dem Versuch, Ziegen zu z\u00fcchten, die Spinnenseiden-Proteine in ihrer Milch produzieren. Die Metapher war ebenso simpel wie vision\u00e4r \u2013 eine Herde von Ziegen als lebende Bioreaktoren, die das High-Tech-Material buchst\u00e4blich &#8222;im Vorbeigehen&#8220; liefern sollten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Weg in die Euter: Wie die Spinnenseide in die Ziege kam<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die treibende Kraft hinter diesem Ansatz war die kanadische Biotechnologie-Firma Nexia Biotechnologies, die eng mit Forschern wie Randy Lewis von der University of Wyoming zusammenarbeitete&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/gentechnologie-seidenfaden-aus-der-milch-1.953014?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/newsletter_german_show_article.php?N_YEAR=2001&amp;N_NUMBER=25&amp;N_ID=820\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Prinzip war ein Gen-Kunstst\u00fcck: Den Wissenschaftlern gelang es, das f\u00fcr die Seidenproduktion verantwortliche Gen einer Spinne zu isolieren und es mit einer Art &#8222;Schalter&#8220; zu versehen, der die Genaktivit\u00e4t nur in den Milchdr\u00fcsen von Ziegen steuert&nbsp;<a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/spinnenseide-aus-ziegen-eutern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Konstrukt wurde dann in den Zellkern eines Ziegen-Embryos eingeschleust. Die Hoffnung: Sollte das Tier auswachsen, w\u00fcrde es das Spinnengen in seinem Erbgut tragen und den Seidenprotein-Komplex nur in seiner Milch produzieren. Aus dieser Milch lie\u00dfe sich dann das Protein extrahieren und zu Fasern verspinnen. Die transgenen Tiere erhielten den martialischen Namen &#8222;Bio-Steel&#8220;-Ziegen&nbsp;<a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/newsletter_german_show_article.php?N_YEAR=2001&amp;N_NUMBER=25&amp;N_ID=820\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/oekodok.ch\/abstract.php?AbstractNr=112747\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Milit\u00e4r, insbesondere die US-Armee, war aufgrund des Potenzials f\u00fcr leichte, kugelsichere Westen fr\u00fchzeitig als Geldgeber und Kooperationspartner involviert&nbsp;<a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/newsletter_german_show_article.php?N_YEAR=2001&amp;N_NUMBER=25&amp;N_ID=820\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/spinnenseide-aus-ziegen-eutern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Labortraum zur Marktrealit\u00e4t: Eine Chronologie des Scheiterns<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Erfolge lie\u00dfen nicht lange auf sich warten. Im Jahr 2000 gelang es dem Team um Nexia, aus den in Zellkulturen (Nieren- und Euterzellen) produzierten Proteinen erste Fasern zu spinnen&nbsp;<a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/spinnenseide-aus-ziegen-eutern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Kurz darauf folgten die ersten transgenen Ziegen, die tats\u00e4chlich die gew\u00fcnschten Spinnenseiden-Proteine in ihrer Milch produzierten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/gentechnologie-seidenfaden-aus-der-milch-1.953014?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. F\u00fcr die Fachwelt und die Investoren schien der Durchbruch zum Greifen nah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Euphorie wich schnell der Ern\u00fcchterung. Die technische Umsetzung erwies sich als weitaus komplexer als gedacht. Zwar produzierten die Ziegen die Proteine, doch die daraus gesponnenen F\u00e4den erreichten nicht die herausragenden mechanischen Eigenschaften des nat\u00fcrlichen Vorbilds. Sie waren zu instabil und rissen zu schnell&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/gentechnologie-seidenfaden-aus-der-milch-1.953014?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Kunst der Spinne, aus einer w\u00e4ssrigen Proteinl\u00f6sung einen hochkomplexen, stabilen Faden zu ziehen, lie\u00df sich nicht einfach in einer D\u00fcse nachahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Projekt scheiterte letztlich nicht nur an der Technik, sondern auch an der \u00d6konomie. Um eine kommerzielle Produktion zu rechtfertigen, h\u00e4tte ein Liter Ziegenmilch zwischen einem und zehn Gramm reines Seidenprotein liefern m\u00fcssen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/gentechnologie-seidenfaden-aus-der-milch-1.953014?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Effizienz wurde nie erreicht. Der Druck auf das Unternehmen wuchs, und 2010 scheiterte Nexia Biotechnologies endg\u00fcltig&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Geschichte der Spinnenziege lehrt uns eine wichtige Lektion \u00fcber den Unterschied zwischen einer eleganten gentechnischen Machbarkeit und einer skalierbaren, wirtschaftlichen Produktion.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Jenseits der Ziege: Andere Wege und ihre Fallstricke<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Scheitern der Ziege war jedoch nicht das Ende der Suche. Die Forschungsgemeinschaft verfolgte parallel andere Ans\u00e4tze. Tabak- und Kartoffelpflanzen wurden gentechnisch so ver\u00e4ndert, dass sie Seidenproteine in ihren Bl\u00e4ttern anreicherten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www-test.spektrum.de\/news\/das-geheimnis-der-spinnenseide\/574462\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Auch Bakterien- und Hamsterzellkulturen dienten als Produktionsplattform&nbsp;<a href=\"https:\/\/www-test.spektrum.de\/news\/das-geheimnis-der-spinnenseide\/574462\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/spinnenseide-aus-ziegen-eutern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch all diese Methoden hatten ihre T\u00fccken. Bei Bakterien war die Ausbeute gering und die Produktion teuer, da sie mit speziellen Aminos\u00e4uren gef\u00fcttert werden mussten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www-test.spektrum.de\/news\/das-geheimnis-der-spinnenseide\/574462\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Bei Pflanzen gelang es nur schwer, aus den wasserl\u00f6slichen Proteinen stabile Fasern zu formen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www-test.spektrum.de\/news\/das-geheimnis-der-spinnenseide\/574462\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Zudem offenbarte die Forschung ein tieferliegendes Problem: Die meisten dieser heterologen Systeme waren nicht in der Lage, die komplexe Struktur der nat\u00fcrlichen Spinnenseide, insbesondere ihre sch\u00fctzende Lipid- und Glykoprotein-H\u00fclle (&#8222;Anti-Aging-Haut&#8220;), exakt nachzubilden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskussion um diese Technologien wurde zudem von ethischen und sicherheitspolitischen Debatten \u00fcberlagert. Organisationen wie Testbiotech wiesen wiederholt auf die Tierschutzproblematik bei gentechnisch ver\u00e4nderten Nutztieren hin und kritisierten, dass die Verfahren oft mit &#8222;zus\u00e4tzlichem Tierverbrauch und Tierleid&#8220; verbunden seien&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.testbiotech.org\/aktuelles\/neue-gentechnik-an-nutztieren-eine-kritische-bestandsaufnahme\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Auch die Risiken unbeabsichtigter genetischer Ver\u00e4nderungen oder die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen wurden immer wieder thematisiert&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.testbiotech.org\/aktuelles\/neue-gentechnik-an-nutztieren-eine-kritische-bestandsaufnahme\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Bedenken f\u00fchrten zu einer strengen Regulierung in Europa und trugen dazu bei, dass die &#8222;gr\u00fcne Gentechnik&#8220; an Nutztieren hierzulande kaum Fu\u00df fassen konnte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/en\/ita\/ita\/detail\/news\/was-tut-sich-in-der-gentechnik-bei-tieren-und-mikroorganismen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/umwelt\/bioethik\/33763\/agro-gentechnik-ist-nicht-die-einzige-option\/?i=33765&amp;show=image&amp;type=galerie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die R\u00fcckkehr zum Bew\u00e4hrten: Die Seidenraupe als Retterin?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach zwei Jahrzehnten voller R\u00fcckschl\u00e4ge scheint die Forschung nun einen neuen, vielleicht naheliegenden Weg eingeschlagen zu haben. Einem chinesischen Forscherteam um Junpeng Mi und Qing Meng von der Southwest University in Chongqing gelang 2023 ein entscheidender Fortschritt: Sie setzten die Genschere CRISPR\/Cas ein, um das Erbgut von&nbsp;<em>Seidenraupen<\/em>&nbsp;(<em>Bombyx mori<\/em>) so zu ver\u00e4ndern, dass sie statt ihrer eigenen Seide stabile Spinnenseide produzieren&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wahl der Seidenraupe ist aus technikhistorischer Perspektive brilliant. Seit Jahrtausenden werden diese Insekten in der Serikultur (Seidenraupenzucht) im gro\u00dfen Ma\u00dfstab gehalten. Es existiert bereits eine globale industrielle Infrastruktur f\u00fcr ihre Aufzucht und die Verarbeitung ihrer F\u00e4den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Im Gegensatz zu Ziegen oder Pflanzen besitzen Seidenraupen zudem von Natur aus die zellul\u00e4re Maschinerie, um Proteine zu stabilen, mit einer Schutzschicht versehenen Fasern zu verarbeiten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis dieser Kombination aus historischem Know-how und modernster Gentechnik ist beeindruckend: Die von den Raupen produzierte Spinnenseide \u00fcbertrifft die Festigkeit von Kevlar, der Hochleistungsfaser aus der Petrolchemie, um das Sechsfache&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ob dieser Ansatz die wirtschaftlichen H\u00fcrden \u00fcberwinden wird, an denen die Spinnenziege scheiterte, bleibt abzuwarten. Er zeigt jedoch, wie technologische Entwicklung oft nicht in einer geraden Linie verl\u00e4uft, sondern in Schleifen, die zu alten, bew\u00e4hrten Systemen zur\u00fcckkehren, um sie mit neuen Werkzeugen neu zu erfinden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick: Vom Hippie-Strick zur High-Tech-Zukunft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Spinnenseiden-Produktion ist ein Paradebeispiel f\u00fcr den m\u00e4andernden Pfad der Innovation. Sie begann mit einer simplen, direkten Vision (Spinnenfarmen), scheiterte an biologischen Realit\u00e4ten, f\u00fchrte zu einem hochkomplexen, aber wirtschaftlich unrentablen gentechnischen Exkurs mit S\u00e4ugetieren und findet nun vielleicht ihre pragmatische L\u00f6sung in einem uralten, durch die Gentechnik optimierten Insektenzucht-System.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Spinnenziege war kein Fehlschlag im Sinne eines wissenschaftlichen Irrwegs. Sie lieferte wertvolle Erkenntnisse \u00fcber die Expression komplexer Proteine in S\u00e4ugetieren und die Schwierigkeiten der Nachbildung nat\u00fcrlicher Polymerisationsprozesse. Sie bleibt ein faszinierendes, wenn auch gescheitertes Kapitel der Tech-Archaeologie \u2013 ein Denkmal f\u00fcr eine \u00c4ra, in der die Genomik noch in den Kinderschuhen steckte und man glaubte, mit dem ersten besten transgenen Tier die Produktionsprobleme der Industrie l\u00f6sen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute stehen wir am Beginn einer neuen \u00c4ra. Mit der Etablierung der CRISPR\/Cas-Technologie&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/en\/ita\/ita\/detail\/news\/was-tut-sich-in-der-gentechnik-bei-tieren-und-mikroorganismen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>&nbsp;und dem Erfolg an Seidenraupen ist die T\u00fcr f\u00fcr eine skalierbare, nachhaltige Produktion von Hochleistungs-Biomaterialien weit ge\u00f6ffnet. Die Anwendungen sind vielf\u00e4ltig: von neuartigen medizinischen Nahf\u00e4den und kugelsicheren Westen \u00fcber leichte Flugzeugteile bis hin zu biologisch abbaubaren Textilien, die eine Alternative zur Plastikflut darstellen k\u00f6nnten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/gentechnologie-seidenfaden-aus-der-milch-1.953014?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der &#8222;Bio-Stahl&#8220; von gestern k\u00f6nnte der nachhaltige Werkstoff von morgen werden \u2013 nur eben nicht aus dem Euter einer Ziege, sondern aus dem Maul einer Raupe.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>S\u00fcddeutsche Zeitung:\u00a0<em>Gentechnologie \u2013 Seidenfaden aus der Milch<\/em>\u00a0(2010)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/gentechnologie-seidenfaden-aus-der-milch-1.953014?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Testbiotech:\u00a0<em>Neue Gentechnik an Nutztieren: eine kritische Bestandsaufnahme<\/em>\u00a0(2025)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.testbiotech.org\/aktuelles\/neue-gentechnik-an-nutztieren-eine-kritische-bestandsaufnahme\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Polizei-Newsletter:\u00a0<em>Kugelsichere Westen aus Spinnweben<\/em>\u00a0(2001)\u00a0<a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/newsletter_german_show_article.php?N_YEAR=2001&amp;N_NUMBER=25&amp;N_ID=820\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/spektrum.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Spektrum.de<\/a>:\u00a0<em>Das Geheimnis der Spinnenseide<\/em>\u00a0(2001)\u00a0<a href=\"https:\/\/www-test.spektrum.de\/news\/das-geheimnis-der-spinnenseide\/574462\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>\u00d6sterreichische Akademie der Wissenschaften (\u00d6AW):\u00a0<em>Was tut sich in der Gentechnik bei Tieren und Mikroorganismen?<\/em>\u00a0(2025)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/en\/ita\/ita\/detail\/news\/was-tut-sich-in-der-gentechnik-bei-tieren-und-mikroorganismen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Renewable Carbon News:\u00a0<em>Spinnenseide aus Ziegen-Eutern<\/em>\u00a0(2002)\u00a0<a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/spinnenseide-aus-ziegen-eutern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>S\u00fcddeutsche Zeitung:\u00a0<em>Gentechnischer Eingriff l\u00e4sst Raupen Spinnenseide produzieren<\/em>\u00a0(2023)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890?print=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/spinnenseide-gentechnik-1.6244890\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (bpb):\u00a0<em>Agro-Gentechnik ist nicht die einzige Option<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/umwelt\/bioethik\/33763\/agro-gentechnik-ist-nicht-die-einzige-option\/?i=33765&amp;show=image&amp;type=galerie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>NZZ \/\u00a0<a href=\"https:\/\/oekodok.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">oekodok.ch<\/a>:\u00a0<em>Spinnennetze: \u00abBio-Stahl\u00bb als umweltfreundlicher Werkstoff<\/em>\u00a0(2002)\u00a0<a href=\"https:\/\/oekodok.ch\/abstract.php?AbstractNr=112747\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Die Jagd nach dem Wundermaterial Seit Jahrhunderten versucht der Mensch, das Geheimnis der Spinnenseide zu entschl\u00fcsseln. 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