{"id":2818,"date":"2026-04-02T05:23:30","date_gmt":"2026-04-02T03:23:30","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2818"},"modified":"2026-04-02T05:23:30","modified_gmt":"2026-04-02T03:23:30","slug":"die-eiswaffel-eine-spurensuche-zwischen-patent-legende-und-popularkultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-eiswaffel-eine-spurensuche-zwischen-patent-legende-und-popularkultur\/","title":{"rendered":"Die Eiswaffel: Eine Spurensuche zwischen Patent, Legende und Popul\u00e4rkultur"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt wenige Erfindungen des allt\u00e4glichen Lebens, \u00fcber die so leidenschaftlich und hartn\u00e4ckig gestritten wird wie \u00fcber die Eiswaffel. Kaum ein anderes kulinarische Produkt vereint so viele widerspr\u00fcchliche Ursprungsgeschichten, nationale Rivalit\u00e4ten und marketingwirksame Legenden. Die Frage nach ihrem Ursprung f\u00fchrt tief hinein in die Geschichte der Migration, der Industrialisierung des Essens und der Macht gro\u00dfer Weltausstellungen als Medienereignisse. Fest steht: Wer heute ein Softeis aus der knusprigen T\u00fcte genie\u00dft, verdankt dies nicht einem einzelnen genialen Erfinder, sondern einem komplexen Geflecht aus parallelen Entwicklungen, unternehmerischem Geschick und dem gl\u00fccklichen Zusammentreffen von Notwendigkeit und Gelegenheit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Stand der Forschung: Mehrere V\u00e4ter, eine Idee<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die historische Forschung hat sich l\u00e4ngst von der Vorstellung verabschiedet, dass technische oder kulinarische Innovationen aus einem einzigen &#8222;Eureka&#8220;-Moment entstehen. Die Eiswaffel bildet daf\u00fcr ein Paradebeispiel. Zwar l\u00e4sst sich die Popularisierung des essbaren Eisbeh\u00e4lters eindeutig datieren und lokalisieren \u2013 die Weltausstellung 1904 in St. Louis \u2013 doch die Erfindung selbst hat mehrere V\u00e4ter, die unabh\u00e4ngig voneinander an \u00e4hnlichen L\u00f6sungen arbeiteten. Die entscheidende Erkenntnis der Technikgeschichte lautet daher: Die Eiswaffel wurde nicht&nbsp;<em>erfunden<\/em>, sie wurde&nbsp;<em>popul\u00e4r gemacht<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.history.com\/articles\/1904-st-louis-worlds-fair-new-american-foods\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"http:\/\/faculty.webster.edu\/corbetre\/public_html\/dogtown\/articles\/fair-legends.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Italo Marchiony: Der erste Patentinhaber<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gr\u00f6\u00dften Anwartschaften auf den Titel des Erfinders kann der italienische Einwanderer Italo Marchiony (auch Marchioni geschrieben) f\u00fcr sich beanspruchen. Marchiony wanderte Ende des 19. Jahrhunderts in die USA aus und verkaufte Zitroneneis an der Wall Street in New York \u2013 zun\u00e4chst in wiederverwendbaren Gl\u00e4sern&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/eistuete-mit-geschichte-zum-tag-der-eistuete-am-22-september-1-959\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/zeitpunkte\/eis-in-der-tuete-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Doch die hygienischen Probleme waren offensichtlich: Die Gl\u00e4ser gingen zu Bruch, lie\u00dfen sich auf der Stra\u00dfe kaum gr\u00fcndlich reinigen, und manche Kunden lie\u00dfen sie einfach verschwinden. Die st\u00e4dtischen Gesundheitsbeh\u00f6rden drohten mit einem Verbot des Stra\u00dfenverkaufs&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/kalenderblatt\/italo-marchiony-erhaelt-patent-auf-eistueten-maschine-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marchiony experimentierte zun\u00e4chst mit Papiert\u00fcten, die jedoch zu schnell durchweichten. Schlie\u00dflich kam er auf die Idee, einen essbaren Becher aus Waffelteig zu formen \u2013 oben weit, unten flach, wie er ihn aus seiner italienischen Heimat kannte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/kalenderblatt\/italo-marchiony-erhaelt-patent-auf-eistueten-maschine-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Um den hohen Nachfrage gerecht zu werden, entwickelte er eine Maschine, die zehn solcher Becher gleichzeitig backen konnte. Am&nbsp;<strong>15. Dezember 1903<\/strong>&nbsp;(nach anderen Angaben bereits am 13. Dezember) erhielt er das US-Patent Nr. 746.971 f\u00fcr eine&nbsp;<em>&#8222;molding apparatus for the manufacture of ice-cream cups and the like&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/zeitpunkte\/eis-in-der-tuete-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/kalenderblatt\/italo-marchiony-erhaelt-patent-auf-eistueten-maschine-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Einwand gegen Marchionys Anspruch wird gelegentlich vorgebracht: Er habe eine&nbsp;<em>Tasse<\/em>&nbsp;(cup) patentiert, nicht die spitz zulaufende&nbsp;<em>T\u00fcte<\/em>&nbsp;(cone). Doch diese Unterscheidung ist technikhistorisch wenig tragf\u00e4hig, denn Marchiony selbst bezeichnete seine Erfindung in Zeitungsinterviews als &#8222;ice cream cone&#8220; und setzte sie erfolgreich am Markt durch. Er baute eine Fabrik in New Jersey und belieferte zeitweise 45 Verkaufswagen mit seinen Waffelbechern&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/kalenderblatt\/italo-marchiony-erhaelt-patent-auf-eistueten-maschine-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die europ\u00e4ischen Vorl\u00e4ufer: Agnes Marshall und Antonio Valvona<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch Europa hat Anteil an der Vorgeschichte. Die britische K\u00f6chin Agnes Marshall, eine Art &#8222;K\u00f6nigin der Eiscreme&#8220; des viktorianischen Zeitalters, ver\u00f6ffentlichte bereits in den 1880er Jahren ein Rezept f\u00fcr essbare H\u00f6rnchen (<em>cornets<\/em>) aus Waffelteig \u2013 allerdings als Beilage zu Eis, nicht als Beh\u00e4lter&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/eistuete-mit-geschichte-zum-tag-der-eistuete-am-22-september-1-959\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sie gilt als eine der ersten, die die Kombination von Waffel und Eis systematisch in der gehobenen K\u00fcche dokumentierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch entscheidender ist der Italiener Antonio Valvona, der 1902 in Manchester ein Patent f\u00fcr eine Maschine anmeldete, die Waffeln mechanisch in H\u00f6rnchenform brachte und das l\u00e4stige Rollen von Hand \u00fcberfl\u00fcssig machte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.geocaching.com\/geocache\/GC4N9HF\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Damit lag Valvona ein Jahr vor Marchiony \u2013 sein Patent betraf jedoch eine Maschine zur Herstellung von&nbsp;<em>Biscuit Cups<\/em>, nicht den Verkauf von Eis daraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese zeitliche Parallelit\u00e4t zeigt: Die Idee, Speiseeis in einer essbaren H\u00fclle zu servieren, lag um die Jahrhundertwende regelrecht &#8222;in der Luft&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/kalenderblatt\/italo-marchiony-erhaelt-patent-auf-eistueten-maschine-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die eigentliche Innovation bestand nicht in der grunds\u00e4tzlichen Idee, sondern in der Entwicklung einer Produktionsmethode, die den Massenverkauf erm\u00f6glichte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Weltausstellung 1904: Geburtsstunde eines Massenph\u00e4nomens<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unbestritten ist die herausragende Rolle der Louisiana Purchase Exposition, der Weltausstellung in St. Louis, f\u00fcr den weltweiten Siegeszug der Eiswaffel. Vom 30. April bis 1. Dezember 1904 str\u00f6mten fast&nbsp;<strong>20 Millionen Besucher<\/strong>&nbsp;durch das Ausstellungsgel\u00e4nde&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.history.com\/articles\/1904-st-louis-worlds-fair-new-american-foods\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. F\u00fcr viele von ihnen war es die erste Begegnung mit der handlichen Eis-Neuheit. Historiker sch\u00e4tzen, dass auf dem Messegel\u00e4nde etwa 50 Verkaufsst\u00e4nde Eiscreme in Waffeln anboten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/zeitpunkte\/eis-in-der-tuete-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die vielen V\u00e4ter von St. Louis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Legendenbildung um St. Louis begann schon unmittelbar nach der Ausstellung. Mehrere Personen erhoben f\u00fcr sich, dort die entscheidende Idee gehabt zu haben. Die bekannteste Version ist jene des syrischen Einwanderers&nbsp;<strong>Ernest A. Hamwi<\/strong>. Er verkaufte auf dem Ausstellungsgel\u00e4nde eine d\u00fcnne, waffelartige S\u00fc\u00dfspeise namens&nbsp;<em>Zalabis<\/em>&nbsp;\u2013 ein im Nahen Osten verbreitetes Geb\u00e4ck aus gebackenem Teig, das mit Zucker bestreut wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.history.com\/articles\/1904-st-louis-worlds-fair-new-american-foods\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"http:\/\/the.honoluluadvertiser.com\/article\/2004\/Jul\/28\/il\/il22a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Als einem benachbarten Eisverk\u00e4ufer die Servierschalen ausgingen, rollte Hamwi spontan eine seiner noch warmen Zalabis zu einer T\u00fcte und f\u00fcllte sie mit Eis. Diese &#8222;Cornucopia&#8220; (F\u00fcllhorn) genannte Kreation wurde ein sofortiger Erfolg. Hamwi selbst berichtete Jahrzehnte sp\u00e4ter:&nbsp;<em>&#8222;This idea seemed to go over big, and soon the ice cream concessions all over the fair purchased the rolled waffles from us&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.history.com\/articles\/1904-st-louis-worlds-fair-new-american-foods\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch Hamwi war nicht der einzige, der diesen Einfall hatte. Die Gebr\u00fcder&nbsp;<strong>Nick und Albert Kabbaz<\/strong>, ebenfalls syrischer Herkunft, beanspruchten, die Idee des Rollens noch vor Hamwi gehabt zu haben \u2013 sie sollen f\u00fcr ihn gearbeitet haben&nbsp;<a href=\"http:\/\/the.honoluluadvertiser.com\/article\/2004\/Jul\/28\/il\/il22a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.&nbsp;<strong>Abe Doumar<\/strong>, ein weiterer Syrer, erz\u00e4hlte, er habe auf dem Jahrmarkt eine Art &#8222;syrisches Eis-Sandwich&#8220; erfunden.&nbsp;<strong>David Avayou<\/strong>&nbsp;aus der T\u00fcrkei und die amerikanischen Br\u00fcder&nbsp;<strong>Charles und Frank Menches<\/strong>&nbsp;meldeten ebenfalls Anspr\u00fcche an&nbsp;<a href=\"http:\/\/the.honoluluadvertiser.com\/article\/2004\/Jul\/28\/il\/il22a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Letztere sind Gegenstand einer besonders romantischen Legende: Charles Menches soll 1904 seine Angebetete Estelle Bordeaux mit deren Lieblingseis beeindrucken wollen, dabei aber festgestellt haben, dass ihm die sauberen Teller ausgegangen waren. Kurzerhand kaufte er seinem Waffelnachbarn eine frische Waffel ab und servierte ihr das Eis darin \u2013 die Geburtsstunde der Eiswaffel als Liebesbeweis&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/seit-wann-gibt-es-eigentlich-die-eiswaffeltuete-205\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/kalenderblatt\/italo-marchiony-erhaelt-patent-auf-eistueten-maschine-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Legende und Wirklichkeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die amerikanische Historikerin Pam Vaccaro, die ein grundlegendes Werk \u00fcber die Ern\u00e4hrung auf der Weltausstellung verfasst hat, ordnet die widerspr\u00fcchlichen Erz\u00e4hlungen ein:&nbsp;<em>&#8222;Hamwi probably did make ice cream cones, but other fair concessionaires were also filling cones with ice cream \u2013 and the question is who did what first&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"http:\/\/faculty.webster.edu\/corbetre\/public_html\/dogtown\/articles\/fair-legends.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sie betont, dass die eigentliche Leistung der Ausstellung nicht in der Erfindung, sondern in der Popularisierung liege:&nbsp;<em>&#8222;With 20 million people and a hot summer in St. Louis \u2013 it&#8217;s most likely we did help put ice cream cones on the map. We pushed its popularity right out there&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"http:\/\/faculty.webster.edu\/corbetre\/public_html\/dogtown\/articles\/fair-legends.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Einsch\u00e4tzung wird durch die zeitgen\u00f6ssische Berichterstattung gest\u00fctzt. Die&nbsp;<em>St. Louis Globe-Democrat<\/em>&nbsp;berichtete \u00fcber das neuartige Ph\u00e4nomen: Besucher a\u00dfen Eiscreme aus&nbsp;<em>&#8222;an inverted cone of hard cake, resembling a coiled-up waffle&#8220;<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.history.com\/articles\/1904-st-louis-worlds-fair-new-american-foods\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Bereits 1905 warben Eisverk\u00e4ufer in den gesamten USA mit dem Slogan &#8222;Wie auf der Weltausstellung in St. Louis gesehen&#8220;. Die Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass in den zwei Jahrzehnten nach der Ausstellung allein in den USA&nbsp;<strong>245 Millionen Eist\u00fcten<\/strong>&nbsp;verzehrt wurden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/zeitpunkte\/eis-in-der-tuete-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Weg zur industriellen Produktion<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Durchsetzung der Eiswaffel im Massenmarkt war jedoch weniger eine Frage der kulinarischen Idee als der technischen Produktionsm\u00f6glichkeiten. Die manuelle Herstellung von Waffelt\u00fcten war aufwendig, teuer und wenig standardisiert. Hier lagen die eigentlichen Innovationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Weltausstellung erkannten findige Unternehmer das Gesch\u00e4ftspotenzial. Ernest Hamwi etwa arbeitete als reisender Vertreter f\u00fcr die&nbsp;<em>Cornucopia Waffle Oven Company<\/em>, bevor er 1910 sein eigenes Unternehmen gr\u00fcndete&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.history.com\/articles\/1904-st-louis-worlds-fair-new-american-foods\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Marchiony hatte bereits mit seiner Fabrik in New Jersey die industrielle Fertigung aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland begann die industrielle Herstellung von Eiswaffelt\u00fcten erst Anfang der 1960er Jahre&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/seit-wann-gibt-es-eigentlich-die-eiswaffeltuete-205\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Seitdem hat sich das Produkt stetig weiterentwickelt: Heute werden industriell gefertigte Waffeln oft mit einer d\u00fcnnen Schicht kakaohaltiger Fettglasur ausgespr\u00fcht, damit sie nicht so schnell durchweichen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/seit-wann-gibt-es-eigentlich-die-eiswaffeltuete-205\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die klassische Spitzt\u00fcte wurde um Varianten wie Waffelschalen oder -becher erg\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Blick auf die Zahlen: Der Siegeszug des T\u00fcteneises<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Eiswaffel ihren Weg vom Jahrmarkt in den Alltag gefunden hat, belegen eindrucksvolle Zahlen. Im Jahr 2014 konsumierten deutsche Verbraucher insgesamt&nbsp;<strong>504,2 Millionen Liter<\/strong>&nbsp;Speiseeis aus industrieller Herstellung. Davon entfielen 36,4 Millionen Liter auf sogenannte Kleinpackungen \u2013 also Stieleis, T\u00fcteneis, Sandwiches und Becher&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/seit-wann-gibt-es-eigentlich-die-eiswaffeltuete-205\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Im Segment der Impulseise (f\u00fcr den spontanen Verzehr unterwegs) ist die Eiswaffelt\u00fcte nach dem Stieleis die zweitbeliebteste Eisform&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/seit-wann-gibt-es-eigentlich-die-eiswaffeltuete-205\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Verzehr hat sich in den letzten Jahrzehnten verlagert. W\u00e4hrend die Eiswaffel urspr\u00fcnglich fast ausschlie\u00dflich unterwegs konsumiert wurde, genie\u00dfen die Deutschen ihr T\u00fcteneis heute vor allem zu Hause \u2013 erm\u00f6glicht durch die fl\u00e4chendeckende Ausstattung mit Tiefk\u00fchlger\u00e4ten&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/seit-wann-gibt-es-eigentlich-die-eiswaffeltuete-205\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die deutsche Perspektive: &#8222;Waffel&#8220;, &#8222;H\u00f6rnchen&#8220; oder &#8222;Stanitzel&#8220;?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist auch die sprachliche Vielfalt, die die kulturelle Aneignung der Eiswaffel widerspiegelt. W\u00e4hrend in Deutschland die Begriffe&nbsp;<em>Waffel<\/em>&nbsp;oder&nbsp;<em>H\u00f6rnchen<\/em>&nbsp;gebr\u00e4uchlich sind, hei\u00dft sie in \u00d6sterreich&nbsp;<em>Stanitzel<\/em>&nbsp;(abgeleitet von italienisch&nbsp;<em>stagno<\/em>, dem spitz zulaufenden Papier, in das fr\u00fcher S\u00fc\u00dfigkeiten gewickelt wurden) und in der Schweiz&nbsp;<em>Cornet<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/eistuete-mit-geschichte-zum-tag-der-eistuete-am-22-september-1-959\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese unterschiedlichen Bezeichnungen verweisen auf die jeweils eigenen Traditionslinien und die regionale Vermittlung des Produkts.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bundesverband der Deutschen S\u00fc\u00dfwarenindustrie (BDSI): &#8222;Seit wann gibt es eigentlich die Eiswaffelt\u00fcte?&#8220;, Pressemeldung, 19.08.2015\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/seit-wann-gibt-es-eigentlich-die-eiswaffeltuete-205\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bundesverband der Deutschen S\u00fc\u00dfwarenindustrie (BDSI): &#8222;Eist\u00fcte mit Geschichte: zum &#8218;Tag der Eist\u00fcte&#8216; am 22. September&#8220;, Pressemeldung, 18.09.2025\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bdsi.de\/presse\/pressemeldungen\/details\/eistuete-mit-geschichte-zum-tag-der-eistuete-am-22-september-1-959\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/wissenschaft.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">wissenschaft.de<\/a>:\u00a0&#8222;Eis in der T\u00fcte&#8220;, 15.12.2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/zeitpunkte\/eis-in-der-tuete-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>History Channel: &#8222;How the 1904 World\u2019s Fair Showcased New American Foods&#8220;, 06.04.2023\u00a0<a href=\"https:\/\/www.history.com\/articles\/1904-st-louis-worlds-fair-new-american-foods\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Webster University: &#8222;Fact or Fiction? Legends of the Fair&#8220; (mit Zitaten von Pam Vaccaro)\u00a0<a href=\"http:\/\/faculty.webster.edu\/corbetre\/public_html\/dogtown\/articles\/fair-legends.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bayerischer Rundfunk: &#8222;13. Dezember 1903: Italo Marchiony erh\u00e4lt Patent auf Eist\u00fcten-Maschine&#8220;, Kalenderblatt, 12.12.2021\u00a0<a href=\"https:\/\/www.br.de\/radio\/bayern2\/sendungen\/kalenderblatt\/italo-marchiony-erhaelt-patent-auf-eistueten-maschine-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>The Honolulu Advertiser: &#8222;World&#8217;s Fair of 1904 was Conehead Central&#8220;, 28.07.2004\u00a0<a href=\"http:\/\/the.honoluluadvertiser.com\/article\/2004\/Jul\/28\/il\/il22a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>T-Online: &#8222;Wer erfand die Eiswaffel? Das steckt wirklich dahinter&#8220;, 13.06.2025\u00a0<a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/leben\/essen-und-trinken\/id_89947838\/eiswaffel-wissen-sie-wer-sie-eigentlich-erfunden-hat-.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt wenige Erfindungen des allt\u00e4glichen Lebens, \u00fcber die so leidenschaftlich und hartn\u00e4ckig gestritten wird wie \u00fcber die Eiswaffel. Kaum ein anderes kulinarische Produkt vereint so viele widerspr\u00fcchliche Ursprungsgeschichten, nationale Rivalit\u00e4ten und marketingwirksame Legenden. 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