{"id":2948,"date":"2026-04-04T12:53:31","date_gmt":"2026-04-04T10:53:31","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=2948"},"modified":"2026-04-04T12:53:31","modified_gmt":"2026-04-04T10:53:31","slug":"die-ruckeroberung-der-letzten-meile-wie-offene-hardware-das-monopol-der-militarkommunikation-herausfordert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-ruckeroberung-der-letzten-meile-wie-offene-hardware-das-monopol-der-militarkommunikation-herausfordert\/","title":{"rendered":"Die R\u00fcckeroberung der letzten Meile: Wie offene Hardware das Monopol der Milit\u00e4rkommunikation herausfordert"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>von DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Eine Revolution im Feldkoffer<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine Geschichte, die wie ein Drehbuch klingt: Ein Bastler reverse-engineert ein 20.000 Dollar teures Milit\u00e4rfunkger\u00e4t mit handels\u00fcblichen Open-Source-Komponenten. Die Kosten: 1.623 Dollar. Das Milit\u00e4r kontaktiert ihn \u2014 nicht, um ihn zu verhaften, sondern um Rat zu fragen. Diese Anekdote, die j\u00fcngst in der Tech-Community f\u00fcr Aufsehen sorgte, ist mehr als nur eine unterhaltsame Randnotiz. Sie ist ein Signal f\u00fcr einen grundlegenden Wandel, der sich derzeit in den Bereichen der drahtlosen Kommunikation vollzieht: die Demokratisierung der Konnektivit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kern dieser Entwicklung steht eine unscheinbare Kombination aus Hardware und Software: ein Raspberry Pi, das OpenWRT-Betriebssystem und ein Funkchip, der nach dem Standard 802.11ah arbeitet, besser bekannt als Wi-Fi HaLow. Dieses Trio erm\u00f6glicht den Aufbau eines mobilen, selbstheilenden Mesh-Netzwerks \u2014 eines MANET (Mobile Ad-hoc Network). Jeder Knoten dieses Netzwerks verbindet sich mit seinen Nachbarn, teilt Informationen und leitet sie weiter. Es entsteht ein robustes, dezentrales Kommunikationsnetz, das ohne Mobilfunkmasten, Internetanbieter oder zentrale Server auskommt. Und das zu einem Bruchteil der Kosten staatlich beschaffter Systeme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Aufsatz beleuchtet die technischen Grundlagen dieser Entwicklung, ihre historischen Vorl\u00e4ufer, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die weitreichenden Implikationen f\u00fcr Sicherheitsbeh\u00f6rden, Katastrophenschutz und nicht zuletzt f\u00fcr die Zivilgesellschaft. Es geht um nichts Geringeres als die R\u00fcckeroberung der letzten Meile \u2014 jenes St\u00fccks Infrastruktur, das bislang vor allem von Telekommunikationskonzernen und Milit\u00e4rs kontrolliert wurde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Technische Grundlagen: Was unter der Haube steckt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beschriebene L\u00f6sung besteht aus mehreren, aufeinander abgestimmten Komponenten. Jede f\u00fcr sich ist nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches. Erst ihre Kombination erzeugt die bemerkenswerten F\u00e4higkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Hardware:<\/strong>&nbsp;Das Herzst\u00fcck bildet ein Einplatinencomputer, meist ein Raspberry Pi 4. Anders als der leistungsf\u00e4higere Pi 5 kommt hier die Vorg\u00e4ngerversion zum Einsatz \u2014 nicht aus Kostengr\u00fcnden, sondern weil die Open-Source-Firmware f\u00fcr den 802.11ah-Funkchip auf dem neueren Modell noch nicht stabil l\u00e4uft. Diese pragmatische Wahl unterstreicht ein zentrales Charakteristikum der Open-Source-Entwicklung: Funktionale Stabilit\u00e4t geht vor theoretischer Leistungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den Raspberry Pi wird ein sogenanntes HAT (Hardware Attached on Top) gesteckt, das einen Mini-PCIe-Slot bereitstellt. In diesem Slot sitzt eine kleine Karte mit einem 802.11ah-kompatiblen Chip, etwa dem Newracom NRC7292, der im Frequenzband um 900 MHz arbeitet<a href=\"https:\/\/www.cnx-software.com\/2021\/09\/23\/gateworks-gw16146-an-802-11ah-wifi-halow-mini-pcie-module\/?amp=1&amp;noamp=mobile#respond\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Hinzu kommt ein handels\u00fcblicher USB-WLAN-Dongle f\u00fcr die 2,4-GHz- und 5-GHz-B\u00e4nder, der die Verbindung zu Endger\u00e4ten wie Smartphones oder Laptops herstellt. Ein Akkupack \u2014 h\u00e4ufig zwei 21700er Lithium-Ionen-Zellen mit insgesamt etwa 10.000 mAh \u2014 sorgt f\u00fcr die mobile Stromversorgung. Die Gesamtkosten belaufen sich je nach Ausstattung auf etwa 150 bis 200 Euro pro Knoten. Im beschriebenen Fall lagen die Gesamtkosten f\u00fcr die Entwicklung des Prototyps bei 1.623 Dollar \u2014 was der Anschaffung eines einzigen Bauteils des milit\u00e4rischen Vergleichsger\u00e4ts MPU5 entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Software:<\/strong>&nbsp;Das Betriebssystem ist OpenWRT, eine auf Embedded-Systeme zugeschnittene Linux-Distribution, die als Router-Betriebssystem seit vielen Jahren erprobt ist. OpenWRT bringt die notwendigen Netzwerkprotokolle f\u00fcr den Aufbau von Mesh-Netzwerken mit, insbesondere den Standard&nbsp;<strong>802.11s<\/strong>. 802.11s ist ein auf Layer 2 (der Sicherungsschicht des OSI-Modells) operierender Standard, der es erm\u00f6glicht, dass alle Knoten eines Mesh-Netzwerks einander sehen, als w\u00e4ren sie alle an denselben Switch angeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das OpenMANET-Projekt b\u00fcndelt diese Komponenten und liefert eine vorkonfigurierte Firmware, die das Zusammenwirken von Raspberry Pi, Wi-Fi-HaLow-Modul und OpenWRT vereinfacht. Ziel ist es, die Hemmschwelle f\u00fcr den Nachbau eines MANET-Radios zu senken und die Technologie einer breiteren Nutzergruppe zug\u00e4nglich zu machen<a href=\"https:\/\/github.com\/OpenMANET\/docs\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Erg\u00e4nzt wird dies durch das B.A.T.M.A.N.-Protokoll (Better Approach To Mobile Ad-hoc Networking), das f\u00fcr die effiziente Weiterleitung von Paketen in einem dynamischen, sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden Netzwerk sorgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Verschl\u00fcsselung:<\/strong>&nbsp;Sicherheit ist kein nachtr\u00e4glicher Einfall. Die 802.11ah-Funkmodule unterst\u00fctzen moderne Verschl\u00fcsselungsverfahren wie WPA3-SAE (Simultaneous Authentication of Equals) und WPA3-OWE<a href=\"https:\/\/www.cnx-software.com\/2021\/09\/23\/gateworks-gw16146-an-802-11ah-wifi-halow-mini-pcie-module\/?amp=1&amp;noamp=mobile#respond\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Damit liegt die Verschl\u00fcsselung auf dem Niveau eines aktuellen Unternehmens-WLANs. Ein Eindringen von au\u00dfen oder das Abh\u00f6ren des Funkverkehrs ist f\u00fcr Dritte ohne erheblichen Aufwand nicht m\u00f6glich. Die Nutzer kontrollieren ihre eigene Infrastruktur und damit auch ihre eigenen Sicherheitsparameter.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">802.11ah: Das R\u00fcckgrat der Reichweite<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Innovation des Systems liegt nicht im Raspberry Pi oder in OpenWRT, sondern im Funkstandard 802.11ah, den die Wi-Fi Alliance 2016 unter dem Namen&nbsp;<strong>Wi-Fi HaLow<\/strong>&nbsp;f\u00fcr den Verbrauchermarkt einf\u00fchrte<a href=\"https:\/\/www.cnx-software.com\/2021\/09\/23\/gateworks-gw16146-an-802-11ah-wifi-halow-mini-pcie-module\/?amp=1&amp;noamp=mobile#respond\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dieser Standard, der erstmals 2017 als offizielle IEEE-Erg\u00e4nzung ver\u00f6ffentlicht wurde, ist f\u00fcr das beschriebene Vorhaben von entscheidender Bedeutung<a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/802.11ah\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend herk\u00f6mmliches WLAN in den \u00fcberf\u00fcllten Frequenzb\u00e4ndern um 2,4 GHz und 5 GHz operiert, nutzt 802.11ah die lizenzfreien ISM-B\u00e4nder um 900 MHz (in den USA: 902\u2013928 MHz)<a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/802.11ah\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese niedrigere Frequenz hat zwei entscheidende physikalische Vorteile: Sie durchdringt Hindernisse wie W\u00e4nde und Laub besser, und ihre Reichweite ist bei gleicher Sendeleistung deutlich gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Leistungsparameter im \u00dcberblick:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Kanalbreite<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Theoretische Bruttodatenrate<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Typische Nettodatenrate (realistisch)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Hauptanwendung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>1 MHz<\/td><td>~150\u2013300 kbit\/s<\/td><td>~150 kbit\/s<\/td><td>Maximale Reichweite, Text, GPS<\/td><\/tr><tr><td>2 MHz<\/td><td>~4 Mbit\/s<\/td><td>~2\u20134 Mbit\/s<\/td><td>Sprachkommunikation, geringe Datenraten<\/td><\/tr><tr><td>4 MHz<\/td><td>~18 Mbit\/s<\/td><td>~7\u201315 Mbit\/s<\/td><td>Video in Standardaufl\u00f6sung<\/td><\/tr><tr><td>8 MHz<\/td><td>~43,3 Mbit\/s<\/td><td>~15\u201320 Mbit\/s<\/td><td>HD-Video, anspruchsvollere Anwendungen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quellen: Zusammengefasst aus&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die maximal erreichbare Bruttodatenrate von 802.11ah wird mit etwa&nbsp;<strong>43,3 Mbit\/s bei 8 MHz Bandbreite<\/strong>&nbsp;und 256-QAM-Modulation angegeben. Die Nettodatenraten, also die tats\u00e4chlich f\u00fcr die Nutzer verf\u00fcgbare Bandbreite, liegen erwartungsgem\u00e4\u00df darunter. Die tats\u00e4chliche Reichweite ist stark von der Umgebung abh\u00e4ngig. Unter Laborbedingungen oder bei idealer Sichtverbindung (Line-of-Sight, LOS) wurden bereits Entfernungen von bis zu&nbsp;<strong>15,9 Kilometern<\/strong>&nbsp;(knapp 10 Meilen) erzielt. Bei diesen extremen Distanzen schrumpft die nutzbare Datenrate jedoch auf etwa 2 Mbit\/s.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das beschriebene System nutzt diese physikalischen Grenzen geschickt aus. Durch die Wahl der Kanalbreite l\u00e4sst sich zur Laufzeit ein Kompromiss zwischen Reichweite und Bandbreite finden: Ein schmaler 1-MHz-Kanal bringt die Nachricht \u00fcber viele Kilometer, wenn auch langsam; ein breiter 8-MHz-Kanal liefert h\u00f6here Bandbreite auf Kosten der Reichweite. Der Nutzer kann je nach Einsatzszenario entscheiden, was ihm wichtiger ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">MANET: Das Netzwerk, das sich selbst findet<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Mobile Ad-hoc Network (MANET) ist kein gew\u00f6hnliches Funknetzwerk. Es ist ein&nbsp;<strong>selbstorganisierendes, selbstheilendes Mesh<\/strong>, das ohne zentrale Infrastruktur auskommt. Jeder Knoten ist gleichberechtigt, sendet und empf\u00e4ngt Daten und fungiert gleichzeitig als Router f\u00fcr seine Nachbarn. F\u00e4llt ein Knoten aus, finden die anderen automatisch neue Wege. Je mehr Knoten sich im Netzwerk befinden, desto stabiler und leistungsf\u00e4higer wird es. Dieses Prinzip steht im krassen Gegensatz zu den zentralistischen Strukturen des Internets, bei denen der Ausfall eines zentralen Routers gro\u00dfe Teile des Netzes lahmlegen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 802.11s-Standard, den OpenWRT nutzt, implementiert dieses Mesh-Prinzip auf der Sicherungsschicht. Die Knoten erkennen einander, synchronisieren sich und bauen automatisch Routen auf. Dar\u00fcber kommt dann das Internet Protocol (IP) zum Einsatz \u2014 jede Maschine im Netzwerk erh\u00e4lt eine eigene Adresse. Von hier aus ist der Weg zu Anwendungen wie ATAK oder einem Webbrowser nur noch ein kleiner Schritt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Architektur hat weitreichende Konsequenzen: Ein MANET ist per Definition&nbsp;<strong>netzneutral<\/strong>. Es diskriminiert keinen Datenverkehr, priorisiert keine Anbieter und kennt keine zentrale Kontrollinstanz. Es ist die radikalste Form eines offenen Netzes, die auf physikalischer Ebene m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Software-Ebene: Von ATAK bis YouTube<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Netzwerk ohne n\u00fctzliche Anwendungen ist nur ein Haufen Kabel \u2014 oder in diesem Fall Funkwellen. Was die beschriebene L\u00f6sung so vielseitig macht, ist die Bandbreite an Software, die auf ihr laufen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ATAK (Android Tactical Awareness Kit)<\/strong>&nbsp;: Diese Anwendung ist der zentrale Ankerpunkt f\u00fcr viele Nutzer. Urspr\u00fcnglich vom Air Force Research Laboratory (AFRL) f\u00fcr US-Spezialeinheiten entwickelt, ist ATAK heute mit \u00fcber 500.000 Nutzern zu einer Art \u201etaktischem Betriebssystem\u201c f\u00fcr Kriegsf\u00fchrung, Katastrophenschutz und Grenzsicherung geworden<a href=\"https:\/\/breakingdefense.com\/2025\/11\/evolution-and-future-of-the-tactical-assault-kit-for-soldiers-and-special-operators\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die App bietet eine geospatiale Infrastruktur, die es erlaubt, Positionen, Ziele, Nachrichten und sogar Videostreams auf einer gemeinsamen Karte zu teilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zivile Version ATAK-CIV ist frei verf\u00fcgbar. In Kombination mit dem beschriebenen MANET entfaltet die Software ihr volles Potenzial: Alle Teammitglieder sehen dieselbe Lagekarte, k\u00f6nnen Nachrichten austauschen und Ziele koordinieren \u2014 ohne jede Abh\u00e4ngigkeit von Mobilfunk oder Satellit. Das System arbeitet komplett innerhalb des eigenen, verschl\u00fcsselten Funknetzwerks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sprachkommunikation (Push-to-Talk):<\/strong>&nbsp;\u00dcber einen Mumble-Server, der auf einem der Raspberry Pi-Knoten l\u00e4uft, l\u00e4sst sich Sprachkommunikation mit geringer Latenz realisieren. Die Sprachpakete wandern \u00fcber das Mesh von Knoten zu Knoten, bis sie ihr Ziel erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Video- und Daten\u00fcbertragung:<\/strong>&nbsp;Jedes Ger\u00e4t, das einen standardisierten Videostream (RTSP, UDP, HTTP) erzeugen kann \u2014 eine IP-Kamera, ein Laptop, eine Drohne \u2014 kann diesen Stream in das MANET einspeisen. Die \u00fcbrigen Teilnehmer k\u00f6nnen den Stream dann empfangen, sofern sie sich im gleichen Netzwerk befinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Internet-Gateway:<\/strong>&nbsp;Sobald ein Knoten des MANET \u00fcber eine Internetverbindung verf\u00fcgt \u2014 etwa \u00fcber Starlink, LTE oder eine Satellitenverbindung \u2014 fungiert dieser Knoten als Gateway. Das gesamte Mesh-Netzwerk erh\u00e4lt dadurch Zugang zum globalen Internet, ohne dass jeder einzelne Knoten \u00fcber einen eigenen ISP-Vertrag verf\u00fcgen m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis bedeutet das: Eine Gruppe von Einsatzkr\u00e4ften kann im Funkloch eines abgelegenen Tals ein MANET aufspannen, dar\u00fcber ATAK f\u00fcr die Lagekarte nutzen, per Push-to-Talk kommunizieren, eine Drohnenkamera streamen \u2014 und wenn einer der Knoten zuf\u00e4llig Starlink-Empfang hat, kann derselbe Teilnehmer in derselben Lagekarte auch eine YouTube-Anfrage an das globale Internet senden. Der Datenverkehr unterscheidet nicht zwischen taktischer Anwendung und allt\u00e4glicher Internetnutzung; das IP-Protokoll behandelt beides gleich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die historische Linie: Von Hedy Lamarr bis zum Bastler<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee eines dezentralen, st\u00f6rungssicheren Funknetzwerks ist nicht neu. Ihre Wurzeln reichen zur\u00fcck bis in den Zweiten Weltkrieg. Die Schauspielerin Hedy Lamarr und der Komponist George Antheil entwickelten 1941 ein System zur&nbsp;<strong>Frequenzsprungverfahren<\/strong>&nbsp;(Frequency Hopping), das ferngesteuerte Torpedos f\u00fcr die Alliierten gegen feindliche St\u00f6rung sichern sollte. Ihr Patent US 2.292.387 legte das Fundament f\u00fcr die Spread-Spectrum-Technik, die heute in WLAN, Bluetooth und GPS steckt. Lamarr und Antheil erhielten daf\u00fcr kein Geld; ihr Patent war nach dem Krieg vergriffen. Erst Jahre sp\u00e4ter wurde ihre Pionierleistung \u00f6ffentlich gew\u00fcrdigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den folgenden Jahrzehnten blieb die Entwicklung von MANET-Systemen weitgehend staatlichen und milit\u00e4rischen Einrichtungen vorbehalten. Die Ger\u00e4te waren teuer, propriet\u00e4r und schwer zu bedienen. Das \u00e4nderte sich grundlegend mit dem Aufkommen von drei Entwicklungen:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Open Source:<\/strong>\u00a0Die Verf\u00fcgbarkeit freier Betriebssysteme wie Linux und spezialisierter Router-Distributionen wie OpenWRT senkte die Einstiegsh\u00fcrde f\u00fcr Netzwerk-Experimente dramatisch.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Billige Hardware:<\/strong>\u00a0Einplatinencomputer wie der Raspberry Pi und kosteng\u00fcnstige SDR-Module (Software Defined Radio) machten es m\u00f6glich, mit geringem Budget komplexe Funk-Experimente durchzuf\u00fchren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Offene Standards:<\/strong>\u00a0Standards wie 802.11ah wurden f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit entwickelt, nicht f\u00fcr geschlossene Milit\u00e4rkreise. Ihre technischen Spezifikationen sind frei verf\u00fcgbar.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die OpenMANET-Initiative, auf der die beschriebene L\u00f6sung fu\u00dft, ist ein direkter Erbe dieser Entwicklung. Sie ist nicht das Produkt eines gro\u00dfen Konzerns oder einer staatlichen Forschungseinrichtung, sondern entstand aus der \u00dcberzeugung, dass die F\u00e4higkeit zur dezentralen Kommunikation ein Allgemeingut sein sollte \u2014 kein Privileg. Die Tatsache, dass ein einzelner Entwickler ein Ger\u00e4t bauen kann, das in seinen Kernfunktionen mit einem 20.000-Dollar-Milit\u00e4rradio konkurriert, w\u00e4re vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen. Heute ist es Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Milit\u00e4r ruft an: Ein Fall von \u201eReverse Innovation\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Episode, in der das US-Milit\u00e4r den Bastler kontaktiert, mag auf den ersten Blick \u00fcberraschend wirken. Sie passt jedoch in ein gr\u00f6\u00dferes Muster, das man als&nbsp;<strong>\u201eReverse Innovation\u201c<\/strong>&nbsp;bezeichnen k\u00f6nnte: Die zivile Open-Source-Entwicklung \u00fcberholt die staatliche Beschaffung an Agilit\u00e4t und Kostenwirksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Government Accountability Office (GAO), der oberste Rechnungshof der USA, beschreibt die Lage des Verteidigungsbeschaffungswesens in aller Deutlichkeit: Die durchschnittliche Zeit von der Programmstart bis zur ersten Auslieferung eines neuen Waffensystems betr\u00e4gt inzwischen fast&nbsp;<strong>zw\u00f6lf Jahre<\/strong><a href=\"https:\/\/www.gao.gov\/products\/gao-25-108528\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Prozesse sind linear, starr und sequenziell \u2014 ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges, das mit der agilen, iterativen Entwicklung der Tech-Branche nicht mithalten kann<a href=\"https:\/\/www.gao.gov\/products\/gao-25-108528\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Folge: Systeme werden ausgeliefert, die bereits bei ihrer Indienststellung technisch \u00fcberholt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ursachen f\u00fcr diese Tr\u00e4gheit sind vielf\u00e4ltig und tief in der B\u00fcrokratie verwurzelt. Das Federal Acquisition Regulation (FAR), das die Bundesbeschaffung regelt, umfasst mehr als&nbsp;<strong>2000 Seiten<\/strong>. Zusammen mit der dazugeh\u00f6rigen Verteidigungserg\u00e4nzung DFARS sind es \u00fcber&nbsp;<strong>5000 Seiten<\/strong>&nbsp;an Vorschriften<a href=\"https:\/\/oversight.house.gov\/release\/hearing-wrap-up-government-procurement-process-must-modernize-to-boost-defense-innovation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Hinzu kommen jahrelange Haushaltszyklen, die Einbindung dutzender Gremien und die Notwendigkeit, jeden einzelnen Beschaffungsschritt umfassend zu dokumentieren und zu rechtfertigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund ist das Interesse des Milit\u00e4rs an der Open-Source-L\u00f6sung nicht nur verst\u00e4ndlich, sondern geradezu zwingend. Ein selbstgebautes 200-Dollar-Ger\u00e4t, das innerhalb weniger Wochen getestet und modifiziert werden kann, ist f\u00fcr Einsatzkr\u00e4fte unter Zeitdruck ungleich attraktiver als ein 20.000-Dollar-System, dessen Beschaffung Jahre dauert. Dass das Milit\u00e4r den Bastler um Rat fragt, ist ein stilles Eingest\u00e4ndnis dieser Realit\u00e4t. Es ist nicht der erste derartige Fall: Auch das ATAK-Projekt selbst entstand aus der Erkenntnis, dass handels\u00fcbliche Smartphones mit Open-Source-Software flexibler und kosteng\u00fcnstiger sind als propriet\u00e4re Hardwaresysteme<a href=\"https:\/\/breakingdefense.com\/2025\/11\/evolution-and-future-of-the-tactical-assault-kit-for-soldiers-and-special-operators\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz aller Bem\u00fchungen um Reformen \u2014 etwa durch die Einrichtung des Defense Innovation Unit (DIU) \u2014 bleibt die Beschaffung ein wesentlicher Hemmschuh f\u00fcr die schnelle Verbreitung neuer Technologien. Die Innovation selbst ist da, ihre Implementierung scheitert oft an der Kultur.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rechtliche Grauzonen: Was ist erlaubt, was nicht?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor sich Enthusiasten in den Nachbau solcher Ger\u00e4te st\u00fcrzen, ist eine n\u00fcchterne Betrachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen unerl\u00e4sslich. Die Nutzung von Funkfrequenzen ist in nahezu allen L\u00e4ndern streng reguliert \u2014 aus gutem Grund, denn das Funkfrequenzspektrum ist eine begrenzte Ressource, deren unkontrollierte Nutzung zu chaotischen Zust\u00e4nden f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den USA, die f\u00fcr die meisten Open-Source-Entwicklungen dieser Art den Referenzrahmen bilden, regelt&nbsp;<strong>FCC Part 15<\/strong>&nbsp;den Betrieb von nicht lizenzierten Funksendern in den ISM-B\u00e4ndern<a href=\"https:\/\/afar.net\/tutorials\/fcc-rules\/?utm_source=gristleking&amp;utm_medium=blog&amp;utm_campaign=helium%20hotspot%20emf%20questions\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die wichtigsten Regeln f\u00fcr den Betrieb eines 802.11ah-Ger\u00e4ts im 900-MHz-Band (902\u2013928 MHz) sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Maximale Sendeleistung:<\/strong>\u00a030 dBm, entsprechend\u00a0<strong>1 Watt<\/strong>, gemessen am Antennenanschluss des Ger\u00e4ts<a href=\"https:\/\/afar.net\/tutorials\/fcc-rules\/?utm_source=gristleking&amp;utm_medium=blog&amp;utm_campaign=helium%20hotspot%20emf%20questions\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Maximale effektive Strahlungsleistung (EIRP):<\/strong>\u00a036 dBm, entsprechend\u00a0<strong>4 Watt<\/strong>\u00a0EIRP<a href=\"https:\/\/afar.net\/tutorials\/fcc-rules\/?utm_source=gristleking&amp;utm_medium=blog&amp;utm_campaign=helium%20hotspot%20emf%20questions\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Keine Lizenz erforderlich:<\/strong>\u00a0Der Betrieb ist f\u00fcr jedermann erlaubt, sofern die technischen Grenzwerte eingehalten werden. Eine Amateurfunklizenz ist nicht notwendig, bietet aber in manchen Bereichen gr\u00f6\u00dfere Freiheiten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das OpenMANET-Projekt gibt an, die Sendeleistung seiner Firmware standardm\u00e4\u00dfig auf&nbsp;<strong>27 dBm<\/strong>&nbsp;(etwa 500 Milliwatt) zu begrenzen<a href=\"https:\/\/github.com\/OpenMANET\/docs\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Damit liegt das System deutlich unter dem gesetzlichen Limit von 30 dBm. Mit dieser Reserve bleibt Spielraum f\u00fcr Optimierungen oder den Einsatz von Antennen mit h\u00f6herem Gewinn, ohne die gesetzlichen Grenzen zu \u00fcberschreiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland und der EU gelten eigene Regelungen, die in Teilen strenger sind. Das 900-MHz-Band ist hier f\u00fcr bestimmte Anwendungen reserviert, und die zul\u00e4ssigen Sendeleistungen sind geringer. Der Betrieb eines selbstgebauten Senders dieser Art w\u00e4re in Deutschland in der Regel nicht ohne Amateurfunklizenz und entsprechende Genehmigung zul\u00e4ssig. Jeder, der solche Ger\u00e4te bauen und betreiben m\u00f6chte, ist daher in der Pflicht, sich vorher gr\u00fcndlich \u00fcber die lokalen Gesetze zu informieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Unterschied zur Amateurfunklizenz:<\/strong>&nbsp;Inhaber einer Amateurfunklizenz (in Deutschland Klasse A oder E) haben oft gr\u00f6\u00dfere Freiheiten bei der Wahl der Frequenzen und der Sendeleistung. Sie m\u00fcssen sich daf\u00fcr an strengere Regeln halten, was Betriebsart, Identifikation und St\u00f6rungsvermeidung angeht. Der Betrieb eines selbstgebauten MANET w\u00e4re f\u00fcr einen Funkamateur unter bestimmten Aufl\u00e4chen m\u00f6glich. Der Weg \u00fcber Part 15 (bzw. die entsprechenden europ\u00e4ischen Regelungen) ist f\u00fcr die meisten Enthusiasten jedoch der praktikablere, da er keine Pr\u00fcfung oder Lizenz voraussetzt \u2014 daf\u00fcr aber striktere technische Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer wichtiger Punkt ist die&nbsp;<strong>Verschl\u00fcsselung<\/strong>. W\u00e4hrend WPA3 in privaten Netzwerken v\u00f6llig legal ist, kann die Verwendung starker Kryptografie in einigen L\u00e4ndern besonderen Regulierungen unterliegen, insbesondere wenn die Ger\u00e4te exportiert werden sollen. F\u00fcr den rein privaten, nichtkommerziellen Einsatz innerhalb der eigenen Landesgrenzen ist dies jedoch in der Regel unproblematisch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Perspektiven und Implikationen: Wohin f\u00fchrt die Reise?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die hier beschriebene Technologie steht noch am Anfang ihrer Entwicklung. Doch bereits jetzt zeichnen sich mehrere Entwicklungslinien ab, die weit \u00fcber die Bastler-Community hinausweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die \u00d6ffnung des Marktes:<\/strong>&nbsp;Derzeit dominieren wenige Unternehmen wie Persistent Systems mit ihrem MPU5 und Silvus Technologies mit den StreamCaster-Radios den Markt f\u00fcr taktische MANET-Kommunikation. Die Preise f\u00fcr ein einzelnes MPU5-Ger\u00e4t liegen typischerweise im f\u00fcnfstelligen Dollar-Bereich; ein k\u00fcrzlich abgeschlossener Vertrag der US Air Force \u00fcber 280 MPU5-Radios belief sich auf 5,1 Millionen Dollar, was einem St\u00fcckpreis von etwa 18.200 Dollar entspricht<a href=\"https:\/\/persistentsystems.com\/persistent-systems-awarded-5-1-million-contract-to-supply-mpu5-radios-to-usaf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Open-Source-Alternativen wie OpenMANET k\u00f6nnten diesen Markt disruptiv ver\u00e4ndern. Das bedeutet nicht, dass die teuren Milit\u00e4rger\u00e4te \u00fcberfl\u00fcssig werden \u2014 sie sind nach wie vor f\u00fcr extreme Umgebungen (Temperatur, Ersch\u00fctterung, Wasserdichtigkeit) optimiert. Aber auf der Ebene der Kernfunktionalit\u00e4t (MANET, IP-Routing, Verschl\u00fcsselung) entsteht nun eine kosteng\u00fcnstige Alternative, die f\u00fcr viele Einsatzzwecke v\u00f6llig ausreichend ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Br\u00fccke zwischen taktischer und ziviler Nutzung:<\/strong>&nbsp;Anwendungen wie ATAK, urspr\u00fcnglich f\u00fcr den Kampfeinsatz entwickelt, finden zunehmend Eingang in den zivilen Bereich: Katastrophenschutz, Feuerwehr, Rettungsdienste, aber auch gro\u00dfe Veranstaltungen oder Expeditionen in abgelegene Gebiete. Die M\u00f6glichkeit, ein eigenes, unabh\u00e4ngiges Kommunikationsnetz aufzuspannen, ist f\u00fcr viele Organisationen attraktiv, die auf die Infrastruktur kommerzieller Anbieter angewiesen sind \u2014 oder im Katastrophenfall genau dann ohne sie dastehen, wenn sie sie am dringendsten ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Regulierung:<\/strong>&nbsp;Mit der wachsenden Verbreitung solcher Systeme wird auch die regulatorische Aufmerksamkeit zunehmen. Frequenzbeh\u00f6rden k\u00f6nnten versuchen, die Nutzung von 802.11ah f\u00fcr bestimmte Anwendungen zu beschr\u00e4nken, wenn sie eine Gef\u00e4hrdung anderer Dienste sehen. Es ist eine politische Frage, ob die Freiheit, eigene Funknetze zu betreiben, als Grundrecht oder als Sicherheitsrisiko betrachtet wird. Die Geschichte lehrt, dass technologische Entwicklungen selten aufzuhalten sind, wohl aber in geordnete Bahnen gelenkt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die technologische Weiterentwicklung:<\/strong>&nbsp;Die Hardware f\u00fcr Wi-Fi HaLow wird immer ausgereifter. Neue Chips\u00e4tze bieten h\u00f6here Datenraten, geringeren Stromverbrauch und bessere Integration. Die Open-Source-Firmware wird stabiler und benutzerfreundlicher. Es ist gut vorstellbar, dass in ein bis zwei Jahren voll integrierte, gebrauchsfertige Ger\u00e4te f\u00fcr unter 200 Dollar auf dem Markt erh\u00e4ltlich sind \u2014 ausgestattet mit benutzerfreundlicher Software, die keinerlei Netzwerkkenntnisse mehr voraussetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine neue Klasse von Netzwerken:<\/strong>&nbsp;Das beschriebene System ist nur ein Beispiel f\u00fcr eine breitere Bewegung hin zu&nbsp;<strong>Community-Netzwerken<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Off-Grid-Kommunikation<\/strong>. Projekte wie Meshtastic (basierend auf LoRa), das Hyperboria-Projekt (basierend auf cjdns) oder die Arbeit der Freifunk-Communitys in Deutschland verfolgen \u00e4hnliche Ziele: dezentrale, selbstbestimmte Netzinfrastruktur, die unabh\u00e4ngig von kommerziellen Anbietern funktioniert. Diese Bewegungen m\u00f6gen unterschiedliche technische Ans\u00e4tze verfolgen, aber sie teilen eine gemeinsame Vision: Konnektivit\u00e4t als \u00f6ffentliches Gut, nicht als Ware.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Die Verantwortung der Macher<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die F\u00e4higkeit, ein milit\u00e4risches MANET-Radio f\u00fcr ein paar hundert Dollar nachzubauen, ist ein bemerkenswerter technologischer Fortschritt. Aber sie ist auch mehr als das. Sie ist ein Pr\u00fcfstein f\u00fcr die Frage, wie wir in Zukunft mit kritischer Infrastruktur umgehen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Technologie selbst ist wertneutral. Sie kann Leben retten \u2014 bei der Suche nach Vermissten, nach Naturkatastrophen oder bei Expeditionen in abgelegene Gebiete. Sie kann aber auch genutzt werden, um sich staatlicher \u00dcberwachung zu entziehen, kriminelle Aktivit\u00e4ten zu koordinieren oder in Konfliktzonen die Kommunikation des Gegners zu st\u00f6ren. Die Verantwortung f\u00fcr den Einsatz liegt bei den Nutzern, nicht bei den Entwicklern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was die Entwicklung jedoch unbestreitbar leistet, ist die&nbsp;<strong>Demokratisierung einer F\u00e4higkeit<\/strong>, die bis vor kurzem noch tief in den Tresoren von Milit\u00e4r und Geheimdiensten verschlossen war. Jeder mit grundlegenden IT-Kenntnissen und einem bescheidenen Budget kann sich heute ein Ger\u00e4t bauen, das in seinen Kernfunktionen einem taktischen Milit\u00e4rfunkger\u00e4t \u00e4hnelt. Diese Tatsache wird die Arbeit von Sicherheitsbeh\u00f6rden ebenso ver\u00e4ndern wie die Planung von Gro\u00dfveranstaltungen oder die Art und Weise, wie wir \u00fcber Notfallkommunikation denken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die R\u00fcckeroberung der letzten Meile ist in vollem Gange. Ob sie in eine robustere, widerstandsf\u00e4higere Kommunikationsinfrastruktur f\u00fcr alle m\u00fcndet oder in ein Flickenteppich aus kleinen, inkompatiblen Inseln, h\u00e4ngt von der F\u00e4higkeit der Communitys ab, gemeinsame Standards zu entwickeln, rechtliche Rahmenbedingungen zu respektieren und die Technologie verantwortungsvoll einzusetzen. Das Werkzeug ist da. Jetzt liegt es an uns, es zu formen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Government Accountability Office (GAO):<\/strong>\u00a0<em>Defense Acquisition Reform: Persistent Challenges Require New Iterative Approaches to Delivering Capability with Speed<\/em>\u00a0(GAO-25-108528), Juni 2025.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.gao.gov\/products\/gao-25-108528\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.gao.gov\/products\/gao-25-108528<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Breaking Defense:<\/strong>\u00a0<em>Evolution and future of the Tactical Assault Kit for soldiers and special operators<\/em>, November 2025.\u00a0<a href=\"https:\/\/breakingdefense.com\/2025\/11\/evolution-and-future-of-the-tactical-assault-kit-for-soldiers-and-special-operators\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/breakingdefense.com\/2025\/11\/evolution-and-future-of-the-tactical-assault-kit-for-soldiers-and-special-operators\/<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>U.S. House Committee on Oversight and Government Reform:<\/strong>\u00a0<em>Hearing Wrap Up: Government Procurement Process Must Modernize to Boost Defense Innovation<\/em>, Juni 2025.\u00a0<a href=\"https:\/\/oversight.house.gov\/release\/hearing-wrap-up-government-procurement-process-must-modernize-to-boost-defense-innovation\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/oversight.house.gov\/release\/hearing-wrap-up-government-procurement-process-must-modernize-to-boost-defense-innovation\/<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>FCC Part 15 Rules:<\/strong>\u00a0<em>Unlicensed Wireless Equipment operating in the ISM bands<\/em>.\u00a0<a href=\"https:\/\/afar.net\/tutorials\/fcc-rules\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/afar.net\/tutorials\/fcc-rules\/<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wikipedia:<\/strong>\u00a0<em>IEEE 802.11ah<\/em>.\u00a0<a href=\"https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/802.11ah\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/en.m.wikipedia.org\/wiki\/802.11ah<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>CNX Software:<\/strong>\u00a0<em>Gateworks GW16146 is an 802.11ah WiFi HaLow Mini PCIe module<\/em>, September 2021.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cnx-software.com\/2021\/09\/23\/gateworks-gw16146-an-802-11ah-wifi-halow-mini-pcie-module\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.cnx-software.com\/2021\/09\/23\/gateworks-gw16146-an-802-11ah-wifi-halow-mini-pcie-module\/<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Morse Micro:<\/strong>\u00a0<em>Pushing the limits: Wi-Fi HaLow Testing in Joshua Tree National Park<\/em>, September 2024.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.morsemicro.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.morsemicro.com<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>OpenMANET GitHub Repository:<\/strong>\u00a0<em>Documentation around the OpenMANET project<\/em>.\u00a0<a href=\"https:\/\/github.com\/OpenMANET\/docs\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/github.com\/OpenMANET\/docs<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Persistent Systems:<\/strong>\u00a0<em>Persistent Systems awarded $5.1 million contract to supply MPU5 radios to USAF<\/em>, Januar 2024.\u00a0<a href=\"https:\/\/persistentsystems.com\/persistent-systems-awarded-5-1-million-contract-to-supply-mpu5-radios-to-usaf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/persistentsystems.com\/persistent-systems-awarded-5-1-million-contract-to-supply-mpu5-radios-to-usaf\/<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>The National WWII Museum:<\/strong>\u00a0<em>Hedy Lamarr&#8217;s WWII Invention Helped Shape Modern Tech<\/em>, April 2025.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nationalww2museum.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.nationalww2museum.org<\/a><\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von DerSchneider Einleitung: Eine Revolution im Feldkoffer Es ist eine Geschichte, die wie ein Drehbuch klingt: Ein Bastler reverse-engineert ein 20.000 Dollar teures Milit\u00e4rfunkger\u00e4t mit handels\u00fcblichen Open-Source-Komponenten. 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