{"id":3038,"date":"2026-04-05T09:48:07","date_gmt":"2026-04-05T07:48:07","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=3038"},"modified":"2026-04-05T09:48:07","modified_gmt":"2026-04-05T07:48:07","slug":"derschneider-stein-wortspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/derschneider-stein-wortspiel\/","title":{"rendered":"DerSchneider Stein -Wortspiel"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein mittelalterlicher Kreuzstein, eine verh\u00e4ngnisvolle Nacht und die Spur eines gestohlenen Kulturguts<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Steine, die Geschichten erz\u00e4hlen \u2013 und es gibt Steine, die selbst zur Geschichte werden. Der Schneiderstein bei Nienst\u00e4dt im Schaumburger Land geh\u00f6rt zu Letzteren. Auf den ersten Blick ist er ein unscheinbares Relikt: ein Kreuzstein aus Sandstein, kaum einen Meter hoch, mit einem schlichten Kreuz und einer scherenf\u00f6rmigen Einkerbung. Auf den zweiten Blick aber \u00f6ffnet sich ein Panorama mittelalterlicher Rechtsvorstellungen, arch\u00e4ologischer Kulturgut-Kriminalit\u00e4t und lebendiger Erinnerungskultur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel begibt sich auf Spurensuche. Er erz\u00e4hlt die Sage, die dem Stein seinen Namen gab, ordnet ihn in die Kategorie der mittelalterlichen S\u00fchne- und Kreuzsteine ein und dokumentiert einen ungew\u00f6hnlichen Diebstahl, der eine ganze Gemeinde in Aufruhr versetzte. Zugleich wird eine notwendige Klarstellung geleistet: Denn der hier behandelte Schneiderstein ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Felsen im Weserbergland bei Hameln \u2013 eine Verwechslung, die in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung immer wieder vorkommt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Der Stein und sein Ort: Eine Bestandsaufnahme<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schneiderstein steht in der Gemarkung Nienst\u00e4dt, einer Gemeinde im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen, nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Genauer befindet er sich im Flurst\u00fcck \u201eSchnatwinkel\u201c \u2013 ein Flurname, der auf eine mittelalterliche Flurgrenze hindeuten k\u00f6nnte \u2013 in unmittelbarer N\u00e4he der Bundesstra\u00dfe 65 zwischen Stadthagen und Nienst\u00e4dt&nbsp;<a href=\"https:\/\/gei-digital.gei.de\/viewer\/api\/v1\/records\/PPN736080457\/files\/plaintext\/00000350.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/mapcarta.com\/de\/N2420256062\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei dem Denkmal handelt es sich um einen&nbsp;<strong>schlichten Kreuzstein aus Sandstein<\/strong>, vermutlich Obernkirchener Sandstein, der in der Region traditionell f\u00fcr Steinmetzarbeiten verwendet wurde. Das charakteristische Merkmal ist ein eingeritztes Kreuz, erg\u00e4nzt um die Darstellung einer&nbsp;<strong>schr\u00e4g liegenden Schere<\/strong>&nbsp;\u2013 das namensgebende Attribut des Schneiderhandwerks&nbsp;<a href=\"https:\/\/gei-digital.gei.de\/viewer\/api\/v1\/records\/PPN736080457\/files\/plaintext\/00000350.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Datierung:<\/strong>&nbsp;Der Stein tr\u00e4gt die Jahreszahl 1450 \u2013 ein verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sp\u00e4tes Datum f\u00fcr Kreuzsteine, die in ihrer Hauptverbreitung vom 13. bis ins fr\u00fche 16. Jahrhundert reichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Koordinaten (ca.):<\/strong>&nbsp;52.29737\u00b0 N, 9.17518\u00b0 O&nbsp;<a href=\"https:\/\/mapcarta.com\/de\/N2420256062\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besonderheit:<\/strong>&nbsp;Die originale Inschrift und die feineren Details (namentlich die urspr\u00fcnglich vorhandenen \u201enasenbesetzten Fl\u00fcgel\u201c des Kreuzes) sind heute nur noch als Kopie erhalten. Darauf wird zur\u00fcckzukommen sein.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Die Sage: Eine verh\u00e4ngnisvolle Begegnung im Juni 1450<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte, die sich um den Stein rankt, ist in der Sammlung&nbsp;<em>\u201eHeimatbilder aus dem Schaumburger Land\u201c<\/em>&nbsp;von Hans Espe \u00fcberliefert und findet sich in \u00e4hnlicher Form in mehreren Regionalchroniken&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.suehnekreuz.de\/PHP\/Lit_detail.php?id=622\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sie tr\u00e4gt alle Merkmale einer mittelalterlichen Moritat: Freundschaft, Neid, Alkohol, ein Messer (hier: eine Schere) und ein tragisches Ende.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.1 Der Abend in der St. Annen-Klause<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sage beginnt an einem Juniabend des Jahres 1450 vor den Toren Stadthagens. Ein wandernder Schneider geselle namens&nbsp;<strong>Kurt B\u00f6ssow<\/strong>&nbsp;(in anderen \u00dcberlieferungen: B\u00f6sso) aus Mecklenburg findet nach Einbruch der Dunkelheit Zuflucht in der&nbsp;<strong>St. Annen-Klause<\/strong>, einer damaligen Herberge und Klausnerei vor der Stadt&nbsp;<a href=\"https:\/\/gei-digital.gei.de\/viewer\/api\/v1\/records\/PPN736080457\/files\/plaintext\/00000350.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dort kehrt er ein, isst, trinkt \u2013 und trifft auf einen alten Weggef\u00e4hrten:&nbsp;<strong>Hinrich Wolf<\/strong>, ebenfalls Schneidergeselle. Die beiden feiern ihre Wiederbegegnung ausgiebig. Beim Bezahlen bemerkt Hinrich Wolf, dass Kurt B\u00f6ssow einen Beutel mit \u201eTaler\u201c bei sich f\u00fchrt \u2013 eine damals betr\u00e4chtliche Menge Bargeld. Die Freundschaft kippt in Habgier&nbsp;<a href=\"https:\/\/gei-digital.gei.de\/viewer\/api\/v1\/records\/PPN736080457\/files\/plaintext\/00000350.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.2 Der Mord im Schnatwinkel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am n\u00e4chsten Morgen machen sich die beiden gemeinsam auf den Weg Richtung Nienst\u00e4dt. Es ist ein hei\u00dfer Junitag, beide sind von der vorangegangenen Nacht angeschlagen. Im Flurst\u00fcck Schnatwinkel machen sie Rast \u2013 und Kurt B\u00f6ssow f\u00e4llt in einen tiefen Schlaf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinrich Wolf sieht seine Chance. Er zieht eine Schere aus seinem Sack \u2013 das Werkzeug ihres gemeinsamen Handwerks \u2013 und sticht sie seinem schlafenden Freund in die Brust.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Schlag ist nicht sofort t\u00f6dlich. Kurt B\u00f6ssow erwacht, rei\u00dft sich die Schere im ersten Schock aus der eigenen Brust und sticht sie seinem Angreifer mitten ins Herz. Hinrich Wolf stirbt auf der Stelle. Kurt B\u00f6ssow, schwer verletzt, schleppt sich zur\u00fcck zur St. Annen-Klause, wo er gesund gepflegt wird&nbsp;<a href=\"https:\/\/gei-digital.gei.de\/viewer\/api\/v1\/records\/PPN736080457\/files\/plaintext\/00000350.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.3 Die Stiftung des Steins<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Dank f\u00fcr seine Rettung stiftet Kurt B\u00f6ssow dem Klausner sein gesamtes Geld mit der Auflage: An der Stelle, wo Hinrich Wolf starb, solle ein Stein errichtet werden \u2013 zur Erinnerung an das schreckliche Schicksal, das Freundschaft zerst\u00f6ren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 4. Juni 1450 \u2013 so verzeichnet es das G\u00e4stebuch der Klause \u2013 wurde der Stein gesetzt&nbsp;<a href=\"https:\/\/gei-digital.gei.de\/viewer\/api\/v1\/records\/PPN736080457\/files\/plaintext\/00000350.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Element<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Beschreibung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Protagonisten<\/strong><\/td><td>Kurt B\u00f6ssow (Mecklenburg) und Hinrich Wolf (ebenfalls Schneider)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Ort des Geschehens<\/strong><\/td><td>St. Annen-Klause bei Stadthagen \/ Flur Schnatwinkel<\/td><\/tr><tr><td><strong>Tatwaffe<\/strong><\/td><td>Schneider-Schere<\/td><\/tr><tr><td><strong>Todesdatum<\/strong><\/td><td>4. Juni 1450 (laut Klause-Buch)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Stifter<\/strong><\/td><td>Kurt B\u00f6ssow (\u00fcberlebender T\u00e4ter)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Symbolik<\/strong><\/td><td>Schere als Tatwerkzeug und Handwerkszeichen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Einordnung: Was ist ein Kreuzstein?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um den Schneiderstein zu verstehen, muss man ihn in den gr\u00f6\u00dferen Kontext der mittelalterlichen Kreuz- und S\u00fchnensteine einordnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.1 Rechtsarch\u00e4ologische Bedeutung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kreuzsteine sind in der Regel&nbsp;<strong>einzeln stehende, unbehauene oder grob behauene Sandsteinplatten<\/strong>&nbsp;mit einem eingemei\u00dfelten Kreuz. Ihre Hauptverbreitung liegt in Mitteldeutschland, S\u00fcdwestfalen und Teilen Niedersachsens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschung unterscheidet mehrere Funktionen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>S\u00fchne- oder Mordsteine:<\/strong>\u00a0Erinnern an einen gewaltsamen Tod. Oft wurden sie im Rahmen eines S\u00fchnevertrags zwischen T\u00e4ter- und Opferfamilie aufgestellt. Der T\u00e4ter musste die Kosten tragen \u2013 eine fr\u00fche Form der Wiedergutmachung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Grenzkreuze:<\/strong>\u00a0Markierten Gerichtsbezirke, Asylrechte oder Klosterbesitz.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wegekreuze:<\/strong>\u00a0Dienten als Wegemarkierung oder Raststation f\u00fcr Prozessionen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schneiderstein f\u00e4llt eindeutig in die erste Kategorie: Er ist ein&nbsp;<strong>Mordstein<\/strong>, gestiftet vom \u00dcberlebenden des blutigen Duells. Das Kreuz steht f\u00fcr die Seele des Verstorbenen, die Schere f\u00fcr die Tat und das Handwerk.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.2 Die handschuhf\u00f6rmigen Fl\u00fcgel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Besonderheit des urspr\u00fcnglichen Steins waren die \u201enasenbesetzten Fl\u00fcgel\u201c \u2013 also die typischen&nbsp;<strong>\u201ehandschuhf\u00f6rmigen\u201c Kreuzenden<\/strong>, wie sie bei vielen sp\u00e4tmittelalterlichen Kreuzen in Norddeutschland vorkommen. Diese Form ist kein Zufall, sondern folgte einer spezifischen Ikonographie: Die auslaufenden, nach au\u00dfen gebogenen Enden symbolisieren die Ausbreitung des Glaubens oder \u2013 in der Rechtssprache \u2013 die Reichweite des Gerichts.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Der Diebstahl: Ein Kulturgut verschwindet<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit w\u00e4re die Geschichte des Schneidersteins eine von vielen mittelalterlichen Legenden \u2013 g\u00e4be es nicht einen ungew\u00f6hnlichen Nachtrag.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.1 Der Kriminalfall von 2000<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2000, also fast auf den Tag genau 550 Jahre nach seiner Errichtung, wurde der originale Schneiderstein gestohlen. Die T\u00e4ter nahmen das etwa 150\u2013200 kg schwere Sandsteinrelikt mit \u2013 vermutlich mit einem Fahrzeug. Die Tat geschah ohne gro\u00dfe Spuren; der Stein war einfach verschwunden, als Anwohner das n\u00e4chste Mal vorbeikamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gemeinde Nienst\u00e4dt und die Denkmalbeh\u00f6rden waren entsetzt. Es handelte sich nicht um \u201eirgendeinen\u201c Stein, sondern um ein eingetragenes Kulturdenkmal mit hohem regionalen Identifikationswert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.2 Die Kopie von 2008<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst 2008 \u2013 acht Jahre sp\u00e4ter \u2013 wurde eine&nbsp;<strong>Kopie<\/strong>&nbsp;des Steins an gleicher Stelle aufgestellt. Ein Steinmetz fertigte sie nach alten Fotografien und Zeichnungen an. Doch die Kopie ist nicht identisch: Sie wirkt gr\u00f6ber, das Kreuz ist weniger filigran, die ber\u00fchmten \u201eNasenfl\u00fcgel\u201c sind nur noch angedeutet&nbsp;<a href=\"https:\/\/gei-digital.gei.de\/viewer\/api\/v1\/records\/PPN736080457\/files\/plaintext\/00000350.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Original ist bis heute&nbsp;<strong>verschollen<\/strong>. Es gilt als gestohlenes Kulturgut \u2013 und sein Verbleib ist v\u00f6llig unklar. Ob es im Ausland ver\u00e4u\u00dfert, in einer privaten Sammlung versteckt oder einfach zerst\u00f6rt wurde, wei\u00df niemand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das ist bemerkenswert:<\/strong>&nbsp;Ein Diebstahl dieser Art ist kein gew\u00f6hnlicher Metalldiebstahl. Der Schneiderstein hatte als Sandsteinobjekt keinen nennenswerten Materialwert. Die T\u00e4ter m\u00fcssen ihn entweder aus&nbsp;<strong>ideologischen Gr\u00fcnden<\/strong>&nbsp;(Antiquit\u00e4ten-Sammler) oder aus&nbsp;<strong>Auftrag<\/strong>&nbsp;(f\u00fcr eine Privatsammlung) entwendet haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Klarstellung: Zwei Schneidersteine, zwei Landkreise<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine h\u00e4ufige Quelle der Verwirrung muss an dieser Stelle ausger\u00e4umt werden. Es gibt&nbsp;<strong>zwei Objekte namens \u201eSchneiderstein\u201c<\/strong>&nbsp;in der Region, die nichts miteinander zu tun haben:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Merkmal<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Schneiderstein (Nienst\u00e4dt\/Schaumburg)<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Schneiderstein (Nienstedt\/Hameln-Pyrmont)<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Objekttyp<\/strong><\/td><td>Mittelalterlicher Kreuzstein (Kulturdenkmal)<\/td><td>Nat\u00fcrlicher Sandsteinfelsen (Geotop)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Landkreis<\/strong><\/td><td>Schaumburg<\/td><td>Hameln-Pyrmont<\/td><\/tr><tr><td><strong>Ort<\/strong><\/td><td>Nienst\u00e4dt (bei Stadthagen)<\/td><td>Nienstedt (Stadtteil von Hameln)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Bedeutung<\/strong><\/td><td>Rechtsarch\u00e4ologie, Mordstein<\/td><td>Aussichtspunkt, Wandertourismus<\/td><\/tr><tr><td><strong>Besonderheit<\/strong><\/td><td>Original gestohlen, Kopie steht<\/td><td>Felsformation, Sage um eine Nadel<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Verwechslung ist verst\u00e4ndlich, aber falsch.<\/strong>&nbsp;Der geologische Schneiderstein bei Hameln ist ein Felsen. Der hier beschriebene Schneiderstein ist ein Kreuzstein. Wer den falschen sucht, wandert am Ende auf einen Berg \u2013 statt vor einer Bundesstra\u00dfe zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Fazit: Ein Stein, zwei Leben \u2013 und eine offene Frage<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schneiderstein bei Nienst\u00e4dt ist mehr als ein St\u00fcck Mittelalter am Stra\u00dfenrand. Er ist ein Zeugnis sp\u00e4tmittelalterlicher Rechtskultur, ein Monument einer tragischen Freundschaft und heute \u2013 durch den Diebstahl des Originals \u2013 zugleich ein Symbol f\u00fcr die Verwundbarkeit unseres kulturellen Erbes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kopie von 2008 erf\u00fcllt ihren Zweck: Sie erinnert an die Ereignisse des Jahres 1450 und h\u00e4lt die Sage lebendig. Doch sie ist nicht \u201eder\u201c Stein. Das echte, fast 600 Jahre alte Original ist weg \u2013 vielleicht f\u00fcr immer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so steht heute an der B65 ein Denkmal, das gleich doppelt erz\u00e4hlt: von einem mittelalterlichen Mord und von einem neuzeitlichen Raub. Die Schere darauf ist noch zu sehen. Aber der Stein selbst ist nur noch eine Erinnerung an eine Erinnerung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage, die bleibt:&nbsp;<strong>Wo ist das Original?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Espe, Hans: \u201e9. Der Schneiderstein (Nienst\u00e4dt)\u201c, in:\u00a0<em>Heimatbilder aus dem Schaumburger Land und seiner Umgebung<\/em>, I. Teil: M\u00e4rchen, Sagen, Volksleben, Langensalza o.J., S. 12\u201314\u00a0<a href=\"https:\/\/www.suehnekreuz.de\/PHP\/Lit_detail.php?id=622\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>GEI-Digital: Sagen\u00fcberlieferung zum Schneiderstein \u2013 Textquelle aus der Regionalsammlung\u00a0<a href=\"https:\/\/gei-digital.gei.de\/viewer\/api\/v1\/records\/PPN736080457\/files\/plaintext\/00000350.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Weserbergland Tourismus e. V.: Touren\u00fcbersicht Region Nienstedt\/Nienst\u00e4dt (Lageangaben)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.weserbergland-tourismus.de\/de\/poi\/notdienst\/shg-026\/21958632\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Mapcarta \/ OpenStreetMap: Geodaten und Standortangaben Schneiderstein (Nienst\u00e4dt)\u00a0<a href=\"https:\/\/mapcarta.com\/de\/N2420256062\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/suehnekreuz.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Suehnekreuz.de<\/a>:\u00a0Datenbankeintrag ID 622 \u2013 Dokumentation des Kreuzsteins und der Sage\u00a0<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein mittelalterlicher Kreuzstein, eine verh\u00e4ngnisvolle Nacht und die Spur eines gestohlenen Kulturguts Einleitung Es gibt Steine, die Geschichten erz\u00e4hlen \u2013 und es gibt Steine, die selbst zur Geschichte werden. Der Schneiderstein bei Nienst\u00e4dt im Schaumburger Land geh\u00f6rt zu Letzteren. Auf den ersten Blick ist er ein unscheinbares Relikt: ein Kreuzstein aus Sandstein, kaum einen Meter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,32],"tags":[3912,3967,4639,4910,6125,6053],"class_list":["post-3038","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-ruckspiegel","category-techarchaologie","tag-kreuzstein","tag-kulturgutdiebstahl","tag-mittelalterliche-rechtsarchaologie","tag-nienstadt","tag-schneider-sage","tag-suhnestein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3038","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3038"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3038\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3038"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3038"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3038"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}