{"id":3083,"date":"2026-04-05T16:52:02","date_gmt":"2026-04-05T14:52:02","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=3083"},"modified":"2026-04-05T16:52:02","modified_gmt":"2026-04-05T14:52:02","slug":"lotfreie-steckverbinder-im-vergleich-wago-jst-phoenix-wo-liegen-die-fallstricke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/lotfreie-steckverbinder-im-vergleich-wago-jst-phoenix-wo-liegen-die-fallstricke\/","title":{"rendered":"L\u00f6tfreie Steckverbinder im Vergleich: WAGO, JST, Phoenix \u2013 wo liegen die Fallstricke?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">von DerSchneider<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Die stille Schwachstelle im Schaltschrank<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Steckverbinder hat einen undankbaren Job: Er wird erst beachtet, wenn er versagt. Und dann meist spektakul\u00e4r \u2013 mit geschmolzenem Geh\u00e4use, korrodierten Kontakten oder flackernden Signalen in sicherheitskritischen Kreisen. In der industriellen Praxis sind l\u00f6tfreie Steckverbinder aus der modernen Automatisierung nicht mehr wegzudenken. Sie sparen Zeit, vereinfachen die Montage und erm\u00f6glichen wartungsfreundliche Steckverbindungen ohne L\u00f6tkolben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die scheinbare Einfachheit t\u00e4uscht. Unter der Oberfl\u00e4che konkurrieren unterschiedliche Technologien: Federklemmen (WAGO), Crimpkontakte (JST) und Push-in-Systeme (Phoenix Contact). Jede hat ihre St\u00e4rken, jede ihre spezifischen Fallstricke \u2013 besonders unter industriellen Bedingungen mit Vibration, Temperaturwechseln und elektromagnetischen St\u00f6rungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel vergleicht die drei Systeme aus der Perspektive des Praktikers: Aufbau, Handhabung, EMV-Eignung, Temperaturfestigkeit und typische Ausfallmodi. Keine Herstellerwerbung, sondern eine n\u00fcchterne Analyse dessen, was in der Werkstatt und im Feld wirklich z\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die drei Systeme im \u00dcberblick<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">WAGO \u2013 Die Federklemme als Klassiker<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Federklemme (Federzugtechnik) ist das Markenzeichen von WAGO, aber auch andere Hersteller (Phoenix Contact, Weidm\u00fcller) bieten \u00e4hnliche Systeme an. Das Prinzip: Eine vorgespannte Edelstahlfeder dr\u00fcckt den abisolierten Leiter gegen einen stromf\u00fchrenden Kupfer- oder Messingbus. Bet\u00e4tigt wird die Feder \u00fcber einen Hebel (bei WAGO die &#8222;Cage-Clamp&#8220;) oder einen Druckstift.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Typische Bauform:<\/strong>&nbsp;Reihenklemmen f\u00fcr die Hutschiene, steckbare Federklemmen auf Leiterplatten (z.\u202fB. WAGO picoMAX).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vorteile:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Vibrationsfest durch konstante Federkraft<\/li>\n\n\n\n<li>Kein Werkzeug f\u00fcr die Leiterfixierung n\u00f6tig (nur zum \u00d6ffnen)<\/li>\n\n\n\n<li>Wiederverwendbar (mehrfaches An- und Abklemmen m\u00f6glich)<\/li>\n\n\n\n<li>Gro\u00dfer Leiterquerschnittsbereich (0,14\u201316 mm\u00b2 typisch)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nachteile:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>H\u00f6herer Platzbedarf pro Klemmstelle als bei Crimpverbindungen<\/li>\n\n\n\n<li>Empfindlich gegen falsch abisolierte Leiter (zu lange oder zu kurze Abisolierung)<\/li>\n\n\n\n<li>Feder kann bei \u00dcberlast (thermisch) entspannen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">JST \u2013 Der Crimpverbinder aus Fernost<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">JST (Japan Solderless Terminal) ist ein Spezialist f\u00fcr kleine, hochdichte Steckverbinder, vor allem auf Leiterplattenebene. Das Prinzip: Auf den abisolierten Leiter wird mit einer Crimpzange eine metallische H\u00fclse verpresst (rechteckiger oder trapezf\u00f6rmiger Querschnitt). Diese H\u00fclse wird dann in ein Kunststoffgeh\u00e4use gesteckt und verrastet dort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Typische Bauform:<\/strong>&nbsp;Board-to-Wire-Stecker mit 1,0\u20133,96 mm Rasterma\u00df (Serien XH, PH, EH, VH).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vorteile:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Extrem kompakt (hohe Kontaktdichte)<\/li>\n\n\n\n<li>Sehr niedriger \u00dcbergangswiderstand bei korrekter Crimpung<\/li>\n\n\n\n<li>Gute Hochstromf\u00e4higkeit (bis 10 A pro Kontakt bei seri\u00f6sen Teilen)<\/li>\n\n\n\n<li>Kosteng\u00fcnstig in der Gro\u00dfserie<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nachteile:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Erfordert spezielle Crimpzange (oft teurer als der Stecker selbst)<\/li>\n\n\n\n<li>Fehlercrimpen ist schwer erkennbar (optische Pr\u00fcfung n\u00f6tig)<\/li>\n\n\n\n<li>Schlechte Wiederverwendbarkeit (Crimp ist Einweg)<\/li>\n\n\n\n<li>Viele F\u00e4lschungen auf dem Markt (besonders bei Amazon\/eBay)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Phoenix Contact \u2013 Push-in als moderner Standard<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Push-in-Technik (auch bei WAGO und Weidm\u00fcller verf\u00fcgbar, aber von Phoenix stark gepr\u00e4gt) ist eine Weiterentwicklung der Federklemme. Der Leiter wird einfach in die runde \u00d6ffnung geschoben \u2013 eine Feder verklemmt ihn automatisch. Zum L\u00f6sen braucht man einen Schraubendreher oder ein Bet\u00e4tigungswerkzeug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Typische Bauform:<\/strong>&nbsp;Reihenklemmen (z.\u202fB. PT-Serie) und steckbare Leiterplattenklemmen (z.\u202fB. COMBICON).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vorteile:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sehr schnelle Montage (ein Handgriff)<\/li>\n\n\n\n<li>Kein Hebel oder Schraube \u2013 weniger bewegliche Teile<\/li>\n\n\n\n<li>Gute Vibrationsfestigkeit<\/li>\n\n\n\n<li>Sauberes, kompaktes Design<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nachteile:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Empfindlich gegen unrunde oder weiche Leiter (feindr\u00e4htig mit Aderendh\u00fclse zwingend n\u00f6tig)<\/li>\n\n\n\n<li>Ausrasten des Leiters bei Zugbelastung m\u00f6glich (Zugentlastung erforderlich)<\/li>\n\n\n\n<li>Bei falscher Einsteckrichtung kann die Feder besch\u00e4digt werden<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praxistest: Handhabung und Montagefehler<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fall 1: Die falsche Aderendh\u00fclse<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Szenario:<\/strong>&nbsp;Ein feindr\u00e4htiger Leiter (z.\u202fB. 0,5 mm\u00b2, 32 x 0,05 mm Einzeldr\u00e4hte) wird ohne Aderendh\u00fclse direkt in eine Push-in-Klemme gesteckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ergebnis:<\/strong>&nbsp;Die feinen Dr\u00e4hte spreizen sich beim Einstecken, einige landen neben der Feder statt in ihr. Der Kontaktwiderstand ist zun\u00e4chst niedrig (die ersten Dr\u00e4hte ber\u00fchren), steigt aber nach wenigen Temperaturwechseln dramatisch an. Im Extremfall entsteht ein Brandherd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehre:<\/strong>&nbsp;Bei Push-in und Federklemmen: Bei feindr\u00e4htigen Leitern zwingend Aderendh\u00fclsen verwenden. Bei WAGO-Hebelklemmen optional, aber empfohlen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fall 2: Der \u00fcbercrimpte JST-Stecker<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Szenario:<\/strong>&nbsp;Ein Anwender crimpt einen JST-XH-Stecker mit einer universellen Abisolierzange mit Crimpfunktion, nicht mit der originalen JST-Crimpzange. Der Crimpquerschnitt wird zu stark komprimiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ergebnis:<\/strong>&nbsp;Die Einzeldr\u00e4hte werden durchgeschert. Der elektrische Kontakt besteht nur noch \u00fcber wenige, mechanisch besch\u00e4digte Dr\u00e4hte. Der \u00dcbergangswiderstand ist doppelt so hoch wie spezifiziert. Unter Vibration bricht die Verbindung komplett.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehre:<\/strong>&nbsp;Crimpverbinder erfordern das richtige Werkzeug. Eine 30\u2011\u20ac\u2011Universal-Crimpzange produziert keine reproduzierbaren, hochwertigen Crimps. Die originale JST-Crimpzange kostet 150\u2013300 \u20ac \u2013 aber genau das ist die Versicherung gegen Ausf\u00e4lle.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fall 3: Die lose Schraube bei \u00e4lteren Klemmen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Szenario:<\/strong>&nbsp;In einer Bestandsanlage sind noch Schraubklemmen (nicht im Fokus dieses Artikels, aber weit verbreitet) verbaut. Ein Techniker zieht die Schrauben nach Vorschrift mit 0,5 Nm an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ergebnis:<\/strong>&nbsp;Nach 200 Temperaturwechseln zwischen -20 \u00b0C und +70 \u00b0C haben sich die Schrauben durch Relaxation des Kupfers gelockert. Der Kontaktwiderstand steigt, die Klemme erw\u00e4rmt sich \u2013 ein Teufelskreis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehre:<\/strong>&nbsp;Genau hier sind Feder- und Push-in-Klemmen \u00fcberlegen. Sie halten die Kontaktkraft \u00fcber die gesamte Lebensdauer konstant, da die Feder aus Edelstahl keine thermische Relaxation zeigt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">EMV-Eignung: Der unsichtbare Unterschied<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Elektromagnetische Vertr\u00e4glichkeit wird bei Steckverbindern oft vernachl\u00e4ssigt \u2013 ein Fehler. Entscheidend sind zwei Faktoren:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Kontaktwiderstand und seine Frequenzabh\u00e4ngigkeit<\/strong><br>Bei hohen Frequenzen (ab ca. 1 MHz) tritt der Skineffekt auf. Der Strom flie\u00dft nur noch oberfl\u00e4chlich. Ein oxidierter oder mechanisch schlecht kontaktierten Kontakt hat dann einen viel h\u00f6heren Hochfrequenzwiderstand als im Gleichstromfall. Das f\u00fchrt zu St\u00f6rabstrahlung und verminderter St\u00f6rfestigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vergleich:<\/strong>&nbsp;Crimpverbinder (JST) haben hier die Nase vorn. Die Kaltverschwei\u00dfung beim Crimpen erzeugt eine gasdichte Verbindung ohne Oxidschichten. Federklemmen (WAGO, Phoenix) sind gut, aber nicht gasdicht \u2013 bei aggressiver Atmosph\u00e4re (Schwefelwasserstoff in Kl\u00e4ranlagen) k\u00f6nnen sich mit der Zeit Oxidschichten bilden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Massef\u00fchrung und Schleifen<\/strong><br>Bei Signalleitungen (z.\u202fB. RS485, CAN, Ethernet) ist die Massef\u00fchrung entscheidend. Viele Steckverbinder f\u00fchren Masse \u00fcber einen separaten Kontakt. Problematisch wird es, wenn dieser Kontakt einen h\u00f6heren Widerstand hat als die Signalkontakte \u2013 dann entstehen Masseverschiebungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Praxistipp:<\/strong>&nbsp;Bei Federklemmen immer einen breiten Massekontakt oder mehrere parallele Kontakte vorsehen. Bei JST-Steckverbindern auf ausreichende Anzahl von Massepins achten (Faustregel: mindestens 20 % der Pins f\u00fcr Masse).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Temperaturfestigkeit: Der hei\u00dfe Draht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die maximal zul\u00e4ssige Betriebstemperatur wird von drei Faktoren begrenzt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kunststoffgeh\u00e4use:<\/strong>\u00a0Standardmaterialien (PA66, PBT) halten 85\u2013105 \u00b0C. Hochtemperaturvarianten (LCP, PPS) gehen bis 150 \u00b0C.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Federwerkstoff:<\/strong>\u00a0Edelstahlfedern (WAGO, Phoenix) altern thermisch kaum. Messingfedern (Billigprodukte) entspannen oberhalb von 80 \u00b0C.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Stromerw\u00e4rmung:<\/strong>\u00a0Durch den Kontaktwiderstand erw\u00e4rmt sich der Stecker selbst. Bei 10 A k\u00f6nnen schon 20\u201330 K Temperaturanstieg auftreten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vergleichstabelle (typische Werte nach Herstellerdaten):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">System<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Max. Dauerbetriebstemperatur<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Strombelastbarkeit (1,5 mm\u00b2)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Temperaturanstieg bei Nennstrom<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>WAGO 221 (Hebel)<\/td><td>85 \u00b0C<\/td><td>20 A<\/td><td>ca. 35 K<\/td><\/tr><tr><td>WAGO 2273 (Push-in)<\/td><td>85 \u00b0C<\/td><td>24 A<\/td><td>ca. 40 K<\/td><\/tr><tr><td>JST XH (crimped)<\/td><td>85 \u00b0C<\/td><td>3 A<\/td><td>ca. 20 K<\/td><\/tr><tr><td>JST VH (crimped)<\/td><td>105 \u00b0C<\/td><td>10 A<\/td><td>ca. 25 K<\/td><\/tr><tr><td>Phoenix PT (Push-in)<\/td><td>85 \u00b0C<\/td><td>24 A<\/td><td>ca. 35 K<\/td><\/tr><tr><td>Phoenix COMBICON (schraub)<\/td><td>105 \u00b0C<\/td><td>12 A<\/td><td>ca. 25 K<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Praxisfalle:<\/strong>&nbsp;Viele Anwender \u00fcberlasten JST-Stecker. Ein JST XH mit 3 A Nennstrom sollte nicht mit 5 A betrieben werden \u2013 das Geh\u00e4use verformt sich bei Dauerlast, die Federkraft l\u00e4sst nach, der Kontaktwiderstand steigt progressiv.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die F\u00e4lschungsproblematik: Wo der Markt betr\u00fcgt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wachsendes Problem sind gef\u00e4lschte Steckverbinder, insbesondere von JST, aber auch von WAGO und Phoenix. Die F\u00e4lschungen erkennen Experten an:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kunststoff:<\/strong>\u00a0Billiges, spr\u00f6des Material (bricht beim Stecken), oft ungleichm\u00e4\u00dfige Farbe.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kontakte:<\/strong>\u00a0D\u00fcnneres Kupfer, fehlende Vergoldung (statt Gold nur Imitation), unsaubere Kanten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Feder:<\/strong>\u00a0Kein Edelstahl sondern federnder Stahl (rosten nach kurzer Zeit).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Verpackung:<\/strong>\u00a0Fehlende Herstellerlogos, falsche Chargennummern.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bezugsquellen:<\/strong>&nbsp;Direkt bei Distributoren (Mouser, DigiKey, RS Components, Farnell) oder autorisierten Fachh\u00e4ndlern. Niemals bei Amazon Marketplace, eBay oder AliExpress f\u00fcr kritische Anwendungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Testmethode:<\/strong>&nbsp;Einen Steckverbinder aus der Charge \u00f6ffnen und die Kontakte mit einem Magneten pr\u00fcfen \u2013 zieht der Magnet, ist es kein echtes Kupfer (au\u00dfer bei Federstahl, aber der geh\u00f6rt nicht in den Strompfad). Die Vergoldung mit einem handels\u00fcblichen Goldtestl\u00f6sung pr\u00fcfen (echtes Gold l\u00f6st sich nicht sofort).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungshilfe: Welches System f\u00fcr welchen Einsatz?<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Anwendung<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Empfohlenes System<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Begr\u00fcndung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Hutschiene im Schaltschrank, hohe Vibration<\/td><td>WAGO Hebel oder Phoenix Push-in<\/td><td>Federkraft konstant, keine Lockerrung<\/td><\/tr><tr><td>Leiterplattenstecker im Massenprodukt (bis 3 A)<\/td><td>JST XH oder PH<\/td><td>Hohe Packungsdichte, kosteng\u00fcnstig in Serie<\/td><\/tr><tr><td>Leistungselektronik (10\u201320 A)<\/td><td>WAGO 2273 oder JST VH<\/td><td>Niedriger \u00dcbergangswiderstand<\/td><\/tr><tr><td>Sensorik im Feld (feuchte Umgebung)<\/td><td>Vergoldete Crimpverbinder (JST mit Gold)<\/td><td>Korrosionsbest\u00e4ndigkeit<\/td><\/tr><tr><td>Prototypen und h\u00e4ufige Umbauten<\/td><td>WAGO Hebel<\/td><td>Mehrfach verwendbar, kein Werkzeug<\/td><\/tr><tr><td>Extreme Temperatur (125 \u00b0C)<\/td><td>Phoenix COMBICON HT (LCP) oder spez. JST<\/td><td>Hochtemperaturkunststoffe n\u00f6tig<\/td><\/tr><tr><td>EMV-kritische Signale (MHz-Bereich)<\/td><td>Crimpverbinder (gasdicht)<\/td><td>Niederiger HF-Kontaktwiderstand<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Kein Patentrezept, aber klare Regeln<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00f6tfreie Steckverbinder sind ein Segen f\u00fcr die industrielle Praxis \u2013 aber nur, wenn man ihre Eigenheiten kennt. Die Federklemmen von WAGO und Phoenix sind die Allrounder f\u00fcr den Schaltschrank, robust und wartungsfreundlich. Die Crimpverbinder von JST dominieren dort, wo es auf Bauraum und Kosten in der Serie ankommt, verlangen aber Disziplin bei der Montage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die h\u00e4ufigsten Fehler sind menschengemacht: falsche Aderendh\u00fclsen, billige Crimpzangen, \u00dcberlastung oder F\u00e4lschungen. Wer diese Fallstricke kennt und meidet, bekommt Verbindungen, die jahrzehntelang halten \u2013 ohne L\u00f6tzinn, ohne Flussmittelreste, ohne hei\u00dfe L\u00f6tkolben. Der Handwerker entscheidet nicht nach Gewohnheit, sondern nach Anforderung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>WAGO GmbH &amp; Co. KG (2024):\u00a0<em>Technische Produktinformation \u2013 Federzugklemmen der Serien 221, 2273, 285<\/em>. Dokument 8473-0104.<\/li>\n\n\n\n<li>JST Mfg. Co., Ltd. (2023):\u00a0<em>Crimp Connector Catalog \u2013 XH, PH, VH, EH Series<\/em>. Ausgabe E202310.<\/li>\n\n\n\n<li>Phoenix Contact GmbH &amp; Co. KG (2024):\u00a0<em>COMBICON und PT\u2011Serie \u2013 Handbuch f\u00fcr steckbare Verbindungstechnik<\/em>. HB 2024\/DE.<\/li>\n\n\n\n<li>IEC 60999-1:1999 + A1:2003:\u00a0<em>Connecting devices \u2013 Electrical copper conductors \u2013 Safety requirements for screw-type and screwless-type clamping units<\/em>.<\/li>\n\n\n\n<li>Weidm\u00fcller Interface GmbH &amp; Co. KG (2022):\u00a0<em>Klemmenkompendium \u2013 Grundlagen der elektrischen Verbindungstechnik<\/em>. 5. Auflage.<\/li>\n\n\n\n<li>Holm, R. (2013):\u00a0<em>Electric Contacts \u2013 Theory and Application<\/em>. Springer, ISBN 978-3-642-28611-5 (insbesondere Kapitel 9: Crimp Connections).<\/li>\n\n\n\n<li>ZVEI \u2013 Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.\u202fV. (2023):\u00a0<em>Leitfaden f\u00fcr Kontaktierungssysteme in der Leistungselektronik<\/em>. Brosch\u00fcre 2023-07.<\/li>\n\n\n\n<li>IPC\/WHMA-A-620C (2021):\u00a0<em>Requirements and Acceptance for Cable and Wire Harness Assemblies<\/em>. IPC\/WHMA Standard.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von DerSchneider Einleitung: Die stille Schwachstelle im Schaltschrank Ein Steckverbinder hat einen undankbaren Job: Er wird erst beachtet, wenn er versagt. Und dann meist spektakul\u00e4r \u2013 mit geschmolzenem Geh\u00e4use, korrodierten Kontakten oder flackernden Signalen in sicherheitskritischen Kreisen. In der industriellen Praxis sind l\u00f6tfreie Steckverbinder aus der modernen Automatisierung nicht mehr wegzudenken. 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