{"id":3112,"date":"2026-04-12T05:02:00","date_gmt":"2026-04-12T03:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=3112"},"modified":"2026-04-12T05:02:00","modified_gmt":"2026-04-12T03:02:00","slug":"der-perfekte-coup","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-perfekte-coup\/","title":{"rendered":"Der perfekte Coup"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">von DerSchneider<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es begann mit einem Dinner im Washingtoner Kosmosclub. Im Jahr 1951 trafen sich zwei M\u00e4nner, die die Welt des Geheimdienstwesens f\u00fcr immer ver\u00e4ndern sollten: der US-Kryptologe William Friedman und der schwedische Verschl\u00fcsselungspionier Boris Hagelin. Was wie ein Gesch\u00e4ftsessen aussah, war in Wahrheit die Geburtsstunde einer der k\u00fchnsten und folgenreichsten Geheimdienstoperationen des 20. Jahrhunderts \u2013 der&nbsp;<strong>Operation Rubikon<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber ein halbes Jahrhundert hinweg gelang es der US-amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA) und dem deutschen Bundesnachrichtendienst (BND), die verschl\u00fcsselte Kommunikation von \u00fcber 100 Staaten zu kompromittieren. Ihr Werkzeug war ein Schweizer Unternehmen, dessen Name zum Synonym f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Spionageskandal seit dem Zweiten Weltkrieg wurde:&nbsp;<strong>Crypto AG<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende Untersuchung zeichnet die komplexen Hintergr\u00fcnde dieser beispiellosen Operation nach. Sie beleuchtet die historischen Wurzeln der kriminellen Allianz, die technischen Mechanismen der Manipulation, die geopolitischen Auswirkungen auf den Falklandkrieg und die argentinische Milit\u00e4rdiktatur sowie die bis heute ungekl\u00e4rten moralischen Implikationen f\u00fcr die beteiligten Staaten. Sie ist die Chronik eines epochalen Vertrauensbruchs.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Historische Wurzeln: Von der M-209 zur geheimen Partnerschaft<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Boris Hagelin war kein Unbekannter im Gesch\u00e4ft mit der Geheimhaltung. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelte er Chiffriermaschinen, die unter anderem von der US-Armee eingesetzt wurden. Im Krieg selbst produzierte das US-Milit\u00e4r \u00fcber&nbsp;<strong>140.000 Einheiten<\/strong>&nbsp;seiner M-209, einer tragbaren, kurbelbetriebenen Verschl\u00fcsselungsmaschine, die Hagelin zum Million\u00e4r machte<a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/schweiz\/wissen\/159799876-die-chiffriermaschine-cx-52-und-ein-spionage-skandal\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/H-54\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Frieden brachte neue Probleme: Der Export von Chiffrierger\u00e4ten wurde nach Kriegsende als R\u00fcstungsgut betrachtet und stark reguliert. Hagelin verlegte daraufhin sein Unternehmen von Schweden in die Schweiz und gr\u00fcndete 1952 in Zug die Crypto AG<a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/schweiz\/wissen\/159799876-die-chiffriermaschine-cx-52-und-ein-spionage-skandal\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Sein neuartiges Flaggschiff, die&nbsp;<strong>CX-52<\/strong>, galt als kryptographisch besonders starke, mechanische Rotor-Chiffriermaschine mit sechs Stiftwalzen<a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/wiki\/H-54\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schl\u00fcsselmoment kam 1951 beim Abendessen mit William Friedman. Im Auftrag der CIA machte Friedman Hagelin einen Vorschlag, den dieser nicht ablehnen konnte: Die hochsicheren Ger\u00e4te sollten k\u00fcnftig nur noch an ausgew\u00e4hlte, von den USA genehmigte Staaten verkauft werden. Der Rest der Welt, so die Idee, w\u00fcrde manipulierte oder veraltete Versionen erhalten, die die US-Dienste leicht entschl\u00fcsseln konnten. Hagelin stimmte zu und erhielt daf\u00fcr eine Entsch\u00e4digung von 700.000 US-Dollar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juni 1970 wurde diese &#8222;Gentleman&#8217;s Agreement&#8220; institutionalisiert. BND und CIA unterzeichneten in M\u00fcnchen einen streng geheimen Vertrag und kauften die Crypto AG f\u00fcr umgerechnet 5,75 Millionen US-Dollar (heute etwa 47 Millionen US-Dollar) auf<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/?curid=602428\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.dw.com\/es\/cia-y-bnd-las-claves-de-la-operaci%C3%B3n-de-espionaje-m%C3%A1s-grande-del-siglo\/a-52353516?maca=spa-vam_volltext_perfil-31053-html-copypaste\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Operation erhielt ihren Namen: Bei der CIA hie\u00df sie&nbsp;<strong>&#8222;Minerva&#8220;<\/strong>, beim BND&nbsp;<strong>&#8222;Rubikon&#8220;<\/strong>. Die Besitzverh\u00e4ltnisse wurden \u00fcber eine Treuhandgesellschaft in Liechtenstein verschleiert, die wahren Eigent\u00fcmer blieben selbst f\u00fcr das Management des Unternehmens im Dunkeln<a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/der-geheimdienstcoup-des-jahrhunderts_id_11655457.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technik der T\u00e4uschung: Wie die CX-52 geknackt wurde<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Vertrauen der Kunden in die Schweizer Neutralit\u00e4t und die vermeintlich unbrechbare Technologie war das Fundament der Operation. Doch im Inneren der Ger\u00e4te tickte eine andere Uhr. Die Manipulation der Chiffrierger\u00e4te erfolgte auf mehreren Ebenen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Manipulationsmethode<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Technische Umsetzung<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Resultat<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Mechanische Blockade<\/strong><\/td><td>Bei \u00e4lteren Modellen der C52 waren 30 von 32 Metallst\u00e4ben durch Scheiben blockiert, wodurch nur zwei St\u00e4be zur Schl\u00fcsselgenerierung beitrugen.<\/td><td>Erzeugung einfacher, vorhersehbarer Muster, die leicht zu brechen waren.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Interne Fehlkonfiguration<\/strong><\/td><td>Moderne CX52-Maschinen wurden intern so eingestellt, dass sie wie veraltete, unsichere Modelle funktionierten.<\/td><td>Die Nutzer glaubten an ein sicheres Ger\u00e4t, obwohl die Verschl\u00fcsselung bereits kompromittiert war.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Manipulierte Handb\u00fccher<\/strong><\/td><td>Die NSA soll je nach Anwenderland unterschiedliche Bedienungsanleitungen erstellt haben, um gezielt Fehler zu provozieren.<\/td><td>Die Bediener wurden dazu verleitet, die Maschinen in einer unsicheren Konfiguration zu betreiben.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folgen dieser Manipulationen waren fatal. Jedes der \u00fcber 120 L\u00e4nder, das auf die Ger\u00e4te der Crypto AG vertraute, wurde zum unfreiwilligen Lieferanten von Geheimdienstinformationen. Selbst der Vatikan, der die Ger\u00e4te f\u00fcr seine diplomatische Kommunikation nutzte, war betroffen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Geopolitische Implikationen: Spione am Puls der Geschichte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Operation Rubikon war kein reiner Selbstzweck. Sie wurde aktiv genutzt, um geopolitische Ereignisse zu beeinflussen und Kriege zu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Der Falklandkrieg (1982):<\/strong>\u00a0Als Argentinien die Falklandinseln besetzte, nutzte Gro\u00dfbritannien die von den USA und Deutschland weitergeleiteten entschl\u00fcsselten argentinischen Funkspr\u00fcche. Die Versenkung des argentinischen Kreuzers\u00a0<em>General Belgrano<\/em>\u00a0durch das britische U-Boot\u00a0<em>HMS Conqueror<\/em>\u00a0war eine direkte Folge dieser Informationen. Laut SF waren die abgeh\u00f6rten Informationen\u00a0<strong>kriegsentscheidend<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Der Anschlag auf die La Belle-Diskothek (1986):<\/strong>\u00a0Nur einen Tag nach der Bombenexplosion in der West-Berliner Diskothek, bei der drei Menschen starben, machte US-Pr\u00e4sident Ronald Reagan das Regime von Muammar al-Gaddafi in Libyen daf\u00fcr verantwortlich. Die CIA konnte diese Information so schnell gewinnen, weil sie die Kommunikation Libyens, die \u00fcber manipulierte Crypto-Maschinen lief, mitlas.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die argentinische Milit\u00e4rdiktatur (1976-1983):<\/strong>\u00a0W\u00e4hrend des sogenannten &#8222;Schmutzigen Krieges&#8220; in Argentinien wurden Zehntausende Regimegegner verschleppt, gefoltert und ermordet. BND und CIA lasen \u00fcber die manipulierten Ger\u00e4te die gesamte Kommunikation der argentinischen Junta mit. Sie waren Zeuge von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, unter anderem von den ber\u00fcchtigten\u00a0<strong>&#8222;Todesfl\u00fcgen&#8220;<\/strong>, bei denen Gefangene lebend aus Flugzeugen ins Meer geworfen wurden. Dennoch unternahmen die westlichen Geheimdienste nichts, um die Menschenrechtsverbrechen zu stoppen. Deutschland nahm trotz Boykottaufrufen an der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien teil.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Whistleblower und das Ende der Operation<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jede noch so gut geh\u00fctete Geschichte findet ihr Ende. Zwei M\u00e4nner waren ma\u00dfgeblich daran beteiligt, die Operation Rubikon ans Licht zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste war&nbsp;<strong>Peter Frutiger<\/strong>, der langj\u00e4hrige Entwicklungschef und Vizedirektor der Crypto AG. Als Bindeglied zwischen den Geheimdiensten und der Firma reiste er dutzende Male in die BND-Zentrale nach Pullach und zu Treffen in die USA. Doch sein Gewissen begann an ihm zu nagen. Als er dem iranischen Schah pers\u00f6nlich ein Ger\u00e4t verkaufte und diesem versicherte, die Maschinen der Crypto AG seien die einzigen, denen man vertrauen k\u00f6nne, wurde ihm die volle Tragweite seiner T\u00e4uschung bewusst.&nbsp;<strong>1977<\/strong>&nbsp;verlie\u00df er das Unternehmen und wandte sich an die Schweizer Beh\u00f6rden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite,&nbsp;<strong>Hans B\u00fchler<\/strong>, war ein erfolgreicher Handelsvertreter der Crypto AG, der jedoch nichts von dem Komplott wusste. 1992 wurde er auf einer Gesch\u00e4ftsreise im Iran verhaftet und verbrachte neun Monate in einem Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis, wo er systematisch verh\u00f6rt wurde. Der Iran hatte Verdacht gesch\u00f6pft, dass die Ger\u00e4te manipuliert waren. B\u00fchler kam erst frei, nachdem die Crypto AG, faktisch der BND, ein L\u00f6segeld in H\u00f6he von einer Million US-Dollar an den Iran zahlte. Das traumatische Erlebnis lie\u00df B\u00fchler an der Integrit\u00e4t seiner eigenen Firma zweifeln, und er ging mit seinen Verd\u00e4chtigungen an die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folgen blieben nicht aus: Einige Staaten, darunter Argentinien und Italien, k\u00fcndigten ihre Vertr\u00e4ge mit der Crypto AG.&nbsp;<strong>1993<\/strong>&nbsp;zog sich der BND aus der Operation zur\u00fcck und verkaufte seine 50-Prozent-Anteile f\u00fcr 17 Millionen US-Dollar an die CIA. Die CIA f\u00fchrte die Operation jedoch bis zur endg\u00fcltigen Aufl\u00f6sung der Firma im Jahr&nbsp;<strong>2018<\/strong>&nbsp;fort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die finale Enth\u00fcllung erfolgte erst&nbsp;<strong>2020<\/strong>, als das ZDF, der Schweizer Rundfunk (SRF) und die&nbsp;<em>Washington Post<\/em>&nbsp;gemeinsam \u00fcber die geleakten, 96-seitigen CIA-internen Dokumente mit dem Titel&nbsp;<em>&#8222;Minerva: A History&#8220;<\/em>&nbsp;berichteten. Diese Dokumente legten die gesamte Geschichte der Operation offen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ethische Implikationen und fehlende Aufarbeitung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Operation Rubikon wirft ein Schlaglicht auf die Abgr\u00fcnde der Geheimdienstlogik. War der vermeintliche Kampf gegen den internationalen Terrorismus und die Sicherung der freien Welt ein hinreichender Grund f\u00fcr einen epochalen Vertrauensbruch? Die Antwort f\u00e4llt differenziert, aber vernichtend aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Argument f\u00fcr die Operation<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Gegenargument \/ ethisches Problem<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Sie lieferte entscheidende Informationen zur Verhinderung von Terroranschl\u00e4gen und zur Kriegsf\u00fchrung (z. B. Falklandkrieg).<\/td><td>Die Geheimdienste schwiegen zu systematischen Menschenrechtsverletzungen und V\u00f6lkermorden (z. B. Argentinien), um ihre Quelle nicht zu gef\u00e4hrden.<\/td><\/tr><tr><td>Sie war ein legitimes Mittel im Kalten Krieg, um die Sicherheit der westlichen Staaten zu gew\u00e4hrleisten.<\/td><td>Sie untergrub das Fundament internationaler Beziehungen: das Vertrauen in die Vertraulichkeit diplomatischer Kommunikation.<\/td><\/tr><tr><td>Die Operation war ein &#8222;intelligence coup of the century&#8220;.<\/td><td>Die T\u00e4ter wurden nie zur Rechenschaft gezogen; die Aufarbeitung in Deutschland blieb aus.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die offizielle Reaktion in Deutschland fiel mau aus. Der ehemalige Geheimdienstkoordinator des Bundeskanzleramts, Bernd Schmidbauer, rechtfertigte die Aktion mit den Worten:&nbsp;<em>&#8222;Wenn es um Krieg und Frieden ging, dass bestimmte Methoden einfach notwendig waren&#8220;<\/em>. Von offizieller Seite des BND gab es bis heute keine substanzielle Stellungnahme. In der Schweiz wurde zwar ein Verfahren eingeleitet, das jedoch bislang ohne Ergebnis blieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Recherchen brachten zudem die Verstrickung privater Unternehmen ans Licht. So sollen Siemens als Berater f\u00fcr die Crypto AG fungiert und f\u00fcnf Prozent der Ums\u00e4tze erhalten haben, w\u00e4hrend der US-Konzern Motorola ebenfalls involviert war. Dies zeigt, wie tief die Verflechtungen zwischen Geheimdiensten und der Privatwirtschaft bereits vor der Snowden-\u00c4ra waren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Ein Erbe des Misstrauens<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Operation Rubikon war mehr als ein Geheimdienstcoup. Sie war ein epochaler Vertrauensbruch, dessen Folgen bis heute nachwirken. Die Schweiz, deren Neutralit\u00e4t ein Kernargument f\u00fcr den Erfolg der Crypto AG war, sieht ihr internationales Image besch\u00e4digt. Deutschland und die USA haben gezeigt, dass sie bereit sind, ihre engsten Verb\u00fcndeten zu bespitzeln, wenn es der eigenen Sicherheit dient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch immer sind nicht alle Akten der Operation Rubikon ge\u00f6ffnet. Nachfolgefirmen wie&nbsp;<strong>CyOne Security<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Crypto International<\/strong>&nbsp;betonen zwar, keine Verbindungen mehr zu Geheimdiensten zu haben, doch die Skepsis bleibt. Die Aff\u00e4re ist ein mahnendes Beispiel daf\u00fcr, wie technologische \u00dcberlegenheit und geopolitische Interessen die Grundfesten der internationalen Diplomatie untergraben k\u00f6nnen. Sie erinnert uns daran, dass in einer Welt der totalen \u00dcberwachung das kostbarste Gut vielleicht das Vertrauen ist \u2013 und wie zerbrechlich es sein kann.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellenverzeichnis<\/h3>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>National Security Archive (GWU)<\/strong>: &#8222;The CIA&#8217;s &#8218;Minerva&#8216; Secret&#8220; (2020)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>ZDF \/ Frontal 21<\/strong>: TV-Dokumentation &#8222;Operation Rubikon&#8220; (2020)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Washington Post<\/strong>: Investigativserie &#8222;The intelligence coup of the century&#8220; (2020)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)<\/strong>: &#8222;Rundschau&#8220; \u2013 Enth\u00fcllungen zur Crypto-Aff\u00e4re (2020)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wikipedia<\/strong>: Eintr\u00e4ge zu &#8222;Crypto AG&#8220;, &#8222;Operation Rubicon&#8220;, &#8222;Boris Hagelin&#8220;, &#8222;CX-52&#8220;<\/li>\n\n\n\n<li><strong><a href=\"https:\/\/watson.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Watson.ch<\/a><\/strong>: &#8222;Allende, Iran, La Belle: So beeinflusste die Crypto-Spionage die Geschichte&#8220; (2020)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Focus Online<\/strong>: &#8222;ZDF enth\u00fcllt den &#8218;Geheimdienstcoup des Jahrhunderts&#8216; zwischen BND und CIA&#8220; (2020)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/strong>: &#8222;Crypto AG: Ein Spionagethriller holt Deutschland ein&#8220; (2020)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>DW (Deutsche Welle)<\/strong>: &#8222;CIA y BND: las claves de la operaci\u00f3n de espionaje del siglo&#8220; (2020)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>BBC Radio 4<\/strong>: &#8222;Archive on 4 \u2013 A Spy in Every Embassy&#8220; (2021)<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von DerSchneider Es begann mit einem Dinner im Washingtoner Kosmosclub. 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