{"id":3115,"date":"2026-04-13T05:50:59","date_gmt":"2026-04-13T03:50:59","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=3115"},"modified":"2026-04-13T05:50:59","modified_gmt":"2026-04-13T03:50:59","slug":"buchsen-die-keiner-mehr-kennt-eine-techarchaologie-der-audio-und-videostecker-der-70er","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/buchsen-die-keiner-mehr-kennt-eine-techarchaologie-der-audio-und-videostecker-der-70er\/","title":{"rendered":"Buchsen, die keiner mehr kennt: Eine Techarch\u00e4ologie der Audio- und Videostecker der 70er"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">von DerSchneider<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Ausgrabung auf der R\u00fcckseite vergessener Ger\u00e4te<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer heute einen Fernseher oder Verst\u00e4rker anschlie\u00dft, findet ein vertrautes Bild: HDMI, USB, vielleicht noch ein optischer Toslink-Eingang, Klinkenbuchsen in 3,5 mm \u2013 und als Zugest\u00e4ndnis an die Vergangenheit manchmal ein Paar Cinch-Buchsen. Doch das war nicht immer so. In den 1970er Jahren, als die Unterhaltungselektronik von R\u00f6hre zu Transistor, von Mono zu Stereo, von Schwarzwei\u00df zu Farbe und von analoger zu ersten digitalen Signalen \u00fcberging, entstand eine wilde Vielfalt an Steckverbindern. Viele von ihnen sind heute ausgestorben \u2013 verschwunden aus Katalogen, vergessen in dunklen Kabelkisten, verstaubt auf der R\u00fcckseite alter R\u00f6hrenradios.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Techarch\u00e4ologie gr\u00e4bt sechs dieser vergessenen Steckverbinder aus: den DIN-Stecker (nicht nur f\u00fcr Audio), den SCART (Europas gescheiterter Universalheld), den Perilex (der Starkstrom f\u00fcr die K\u00fcche), den Belling-Lee (das Relikt aus Gro\u00dfbritannien), den Tuchel-Stecker (Profi-Technik f\u00fcr B\u00fchne und Rundfunk) und den seltenen 5\u2011Pol\u2011DIN\u2011Kupplungsstecker f\u00fcr analoge Computermonitore. Wir untersuchen ihre technische Logik, ihren Aufstieg und Fall \u2013 und warum manche von ihnen in Nischen bis heute \u00fcberlebt haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der DIN-Stecker: Deutscher Ordnungswahn im Rundstecker<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der DIN-Stecker (DIN 41524, 45322, 45329) ist das Paradebeispiel deutscher Normungsarbeit der 1960er und 1970er. Ein runder, mehrpoliger Stecker mit einer F\u00fchrungskerbe, die Verpolung verhindert, und einem Bajonettverschluss, der f\u00fcr sicheren Halt sorgt. Die Pole waren in einem Winkel von 45\u00b0 angeordnet \u2013 eine typisch deutsche L\u00f6sung, die Platz sparte und gleichzeitig eine hohe Kontaktdichte erlaubte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Varianten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>3\u2011Pol\u2011DIN (DIN 41524):<\/strong>\u00a0F\u00fcr mono-Audio, sp\u00e4ter f\u00fcr symmetrische Mikrofonsignale (Pin 1: Masse, Pin 2: Signal +, Pin 3: Signal -). Heute noch in wenigen Studiomikrofonen zu finden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>5\u2011Pol\u2011DIN (DIN 45322):<\/strong>\u00a0Der Standard f\u00fcr Stereo-Tonbandger\u00e4te und fr\u00fche Heimcomputer (z.\u202fB. Commodore C64, Schneider CPC). Pins 3 und 5 f\u00fcr links\/rechts, Pin 2 f\u00fcr Masse, Pin 1 und 4 f\u00fcr Aufnahmesignal. Die Verwirrung war vorprogrammiert.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>8\u2011Pol\u2011DIN (DIN 45329):<\/strong>\u00a0F\u00fcr komplexere Anwendungen wie die Verbindung von Tonbandger\u00e4t mit Verst\u00e4rker inklusive Fernsteuerung. Heute nur noch in alten Rundfunkstudios.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Wahnsinn der Belegung:<\/strong>&nbsp;Jeder Hersteller belegte die Pins anders. Ein 5\u2011Pol\u2011DIN\u2011Kabel von Grundig passte zwar mechanisch in eine Telefunken-Buchse, aber links und rechts waren vertauscht, und der Aufnahmepin lag auf Masse \u2013 mit m\u00f6glicherweise zerst\u00f6rerischen Folgen f\u00fcr die Elektronik. Der Benutzer musste entweder das Kabel auftrennen und uml\u00f6ten oder einen Adapter mit \u00fcberkreuzten Verbindungen kaufen. Das war keine Benutzerfreundlichkeit, sondern eine Einladung zur Frustration.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das \u00dcberleben:<\/strong>&nbsp;Der 5\u2011Pol\u2011DIN \u00fcberlebte in einer Nische: als&nbsp;<strong>MIDI\u2011Stecker<\/strong>&nbsp;(Musical Instrument Digital Interface). 1983 w\u00e4hlten die Entwickler den 5\u2011Pol\u2011DIN f\u00fcr MIDI, weil er billig, robust und weit verf\u00fcgbar war. Von den f\u00fcnf Pins werden nur drei genutzt (Masse, Kabelabschirmung, optisch getrennter Stromkreis) \u2013 die anderen beiden bleiben frei. Bis heute ist der 5\u2011Pol\u2011DIN der Standard f\u00fcr MIDI, auch wenn viele moderne Ger\u00e4te zus\u00e4tzlich USB\u2011MIDI bieten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der SCART: Europas gescheiterter Traum vom Einheitsstecker<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SCART (Syndicat des Constructeurs d&#8217;Appareils Radior\u00e9cepteurs et T\u00e9l\u00e9viseurs) war ein ehrgeiziges franz\u00f6sisches Projekt, das 1978 zur Norm wurde (IEC 933-1). Das Ziel: Ein einziger Stecker f\u00fcr alle Audio- und Videosignale zwischen Fernseher, Videorekorder, Satellitenempf\u00e4nger und Spielkonsole. Kein Kabelsalat mehr, keine Adapter \u2013 ein Stecker f\u00fcr alles.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Spezifikation (21 Pins):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>8 Pins f\u00fcr RGB\u2011Video mit separaten H- und V-Sync-Signalen (f\u00fcr beste Bildqualit\u00e4t)<\/li>\n\n\n\n<li>4 Pins f\u00fcr Composite Video (das gelbe Cinch-Kabel) als R\u00fcckfallebene<\/li>\n\n\n\n<li>6 Pins f\u00fcr Stereo-Audio (Eingang und Ausgang)<\/li>\n\n\n\n<li>1 Pin f\u00fcr die Umschaltung zwischen 4:3 und 16:9<\/li>\n\n\n\n<li>1 Pin f\u00fcr die &#8222;Fast Blanking&#8220;-Funktion (Umschaltung zwischen externem und internem RGB)<\/li>\n\n\n\n<li>1 Pin f\u00fcr die Versorgungsspannung (12 V, um externe Ger\u00e4te zu schalten)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Konstruktionsfehler:<\/strong>&nbsp;Der SCART-Stecker war mechanisch eine Katastrophe. Die 21 Pins sind d\u00fcnn, leicht verbiegbar und stecken in einem rechteckigen, nicht verpolungssicheren Geh\u00e4use. Wer einen SCART-Stecker in der Dunkelheit hinter dem Fernseher einstecken wollte, riskierte verbogene Pins \u2013 die h\u00e4ufigste Todesursache von SCART-Buchsen. Zudem war die Verriegelung schwach; viele Stecker fielen bei leichter Zugbelastung heraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der politische Fehler:<\/strong>&nbsp;SCART war eine franz\u00f6sische Initiative, die in anderen L\u00e4ndern auf Widerstand stie\u00df. In Deutschland setzte sich der weniger leistungsf\u00e4hige, aber mechanisch robustere&nbsp;<strong>Euro-AV\u2011Stecker (6\u2011Pol\u2011DIN)<\/strong>&nbsp;durch \u2013 eine Variante des 6\u2011Pol\u2011DIN mit symmetrischen Audio- und Composite-Video. Das Ergebnis: In den 1980ern mussten Fernseher sowohl SCART als auch Euro-AV anbieten, was den Kabelsalat eher vergr\u00f6\u00dferte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Niedergang:<\/strong>&nbsp;Mit HDMI (ab 2002) war SCART technisch \u00fcberholt. HDMI \u00fcbertrug digital, kopiergesch\u00fctzt (HDCP) und mit viel h\u00f6herer Bandbreite. 2010 verschwand SCART aus den meisten europ\u00e4ischen Fernsehern. Heute lebt er nur noch in Retro-Gaming-Kreisen, wo alte Konsolen (SNES, Mega Drive, PlayStation 1) \u00fcber SCART an moderne Upscaler (z.\u202fB. OSSC, RetroTINK) angeschlossen werden \u2013 weil SCART das beste analoge RGB-Signal liefert, das diese Konsolen ausgeben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Perilex: Starkstrom f\u00fcr die K\u00fcche<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perilex (von &#8222;Peri&#8220; f\u00fcr Peripherie und &#8222;Lex&#8220; f\u00fcr Leitungsexport) ist kein Audio- oder Videostecker, sondern ein Netzstecker f\u00fcr Drehstrom (400 V) mit bis zu 25 A. Warum taucht er in einer Techarch\u00e4ologie der 70er auf? Weil er in vielen Haushalten an&nbsp;<strong>Elektroherden<\/strong>&nbsp;zu finden war \u2013 und weil er oft falsch f\u00fcr Audiozwecke zweckentfremdet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Spezifikation:<\/strong>&nbsp;Perilex nach DIN 49445 (16 A) und DIN 49446 (25 A) hat f\u00fcnf Pins: drei Au\u00dfenleiter (L1, L2, L3), Neutralleiter (N) und Schutzleiter (PE). Der Stecker ist verpolungssicher durch eine abgeschr\u00e4gte Nase.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Fehlverwendung:<\/strong>&nbsp;In den 1970ern bauten ambitionierte HiFi\u2011Bastler manchmal Perilex-Buchsen in ihre selbstgebauten Endstufen ein, um die Lautsprecherkabel anzuschlie\u00dfen. Die Begr\u00fcndung: Der Perilex ist robust, verpolungssicher und kann hohe Str\u00f6me (f\u00fcr 500\u2011W\u2011Endstufen) \u00fcbertragen. Das Problem: Ein versehentliches Einstecken in eine 400\u2011V\u2011Drehstromsteckdose h\u00e4tte die Endstufe sofort zerst\u00f6rt \u2013 im besten Fall, im schlechtesten einen Brand verursacht. Heute ist der Perilex in privaten Haushalten selten geworden; moderne Induktionsherde werden fest verdrahtet oder nutzen spezielle Herdanschlussdosen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Belling-Lee: Die britische Sonderl\u00f6sung f\u00fcr Antennen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Rest der Welt den&nbsp;<strong>IEC\u2011Antennenstecker (nach IEC 61169, Teil 2)<\/strong>&nbsp;verwendete \u2013 einen koaxialen Stecker mit 9,5 mm Durchmesser, Schraubverriegelung und 75 \u03a9 Wellenwiderstand \u2013 setzte Gro\u00dfbritannien auf eine eigene L\u00f6sung: den&nbsp;<strong>Belling-Lee-Stecker<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Aussehen:<\/strong>&nbsp;Ein flacher, vergoldeter oder verzinnte Kontaktstift in der Mitte, umgeben von einem offenen, zweischenkligen Metallk\u00e4fig, der die Abschirmung kontaktiert. Keine Schraubverriegelung, sondern eine reine Steckverbindung mit Reibschluss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Grund:<\/strong>&nbsp;Britische Fernseher hatten in den 1960ern oft eine 300\u2011\u03a9\u2011Bandkabel-Antenne (die flache Zwillingsleitung). Der \u00dcbergang zu 75 \u03a9 Koaxialkabel erfolgte sp\u00e4ter als in Kontinentaleuropa. Belling-Lee war billig herzustellen und f\u00fcr die niedrigen Frequenzen (bis etwa 800 MHz) ausreichend. F\u00fcr h\u00f6here Frequenzen (z.\u202fB. Satellitenempfang mit 2 GHz) war er ungeeignet \u2013 hier setzte sich der F\u2011Stecker durch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das \u00dcberleben:<\/strong>&nbsp;Belling-Lee wird in Gro\u00dfbritannien bis heute f\u00fcr terrestrisches Fernsehen (DVB\u2011T) verwendet. Viele britische Haushalte haben W\u00e4nde mit Belling-Lee-Buchsen, die an eine zentrale Antenne angeschlossen sind. Bei internationalen Ger\u00e4ten findet man oft einen Kombistecker, der sowohl IEC als auch Belling-Lee akzeptiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tuchel-Stecker: Profi-Technik f\u00fcr B\u00fchne und Rundfunk<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tuchel (heute Teil von Amphenol) ist ein Hersteller von Rundsteckverbindern, deren Design in den 1960ern zur&nbsp;<strong>Norm DIN 41524<\/strong>&nbsp;(den bereits erw\u00e4hnten DIN-Audio-Steckern) f\u00fchrte. Die Tuchel-Stecker (insbesondere die Baureihen T326, T336) waren die Profi-Variante: aus Metall statt Plastik, mit Schraubverriegelung statt Bajonett, vergoldeten Kontakten und einer h\u00f6heren Strombelastbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einsatzgebiete:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Rundfunkstudios:<\/strong>\u00a0F\u00fcr Mikrofone und Kopfh\u00f6rer in den 1960ern bis 1980ern.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>B\u00fchnenveranstaltungen:<\/strong>\u00a0Als robuste Steckverbinder f\u00fcr Lautsprecherkabel (bevor sich Speakon durchsetzte).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Messger\u00e4te und Industrieanlagen:<\/strong>\u00a0Wo Vibration und Zugbelastung herrschten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Problem:<\/strong>&nbsp;Tuchel-Stecker waren teuer und schwer. F\u00fcr den privaten HiFi\u2011Markt uninteressant. Mit dem Aufkommen von XLR (Cannon) f\u00fcr symmetrische Audioverbindungen in den 1980ern verloren Tuchel-Stecker ihre Bedeutung. XLR war kleiner, billiger und wurde zum globalen Standard. Heute findet man Tuchel-Stecker nur noch in alten Rundfunkarchiven und bei Liebhabern historischer Studiotechnik.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der 5\u2011Pol\u2011DIN\u2011Kupplungsstecker f\u00fcr analoge Monitore<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine absolute Rarit\u00e4t: Der&nbsp;<strong>5\u2011Pol\u2011DIN\u2011Kupplungsstecker<\/strong>&nbsp;als Monitoranschluss f\u00fcr fr\u00fche Heimcomputer und professionelle Grafiksysteme. Er wurde in den sp\u00e4ten 1970ern von Apple (Apple II), Atari (800er Serie) und Commodore (PET) verwendet \u2013 nicht f\u00fcr Audio, sondern f\u00fcr analoges RGB-Video.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Belegung (typisch f\u00fcr Atari 800):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Pin 1: Masse<\/li>\n\n\n\n<li>Pin 2: Composite Video (monochrom)<\/li>\n\n\n\n<li>Pin 3: Luminanz (Helligkeitsinformation f\u00fcr Farbe)<\/li>\n\n\n\n<li>Pin 4: Chrominanz (Farbinformation)<\/li>\n\n\n\n<li>Pin 5: Audio (mono)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum 5\u2011Pol\u2011DIN?<\/strong>&nbsp;Die Hersteller sparten Kosten: Der Stecker war bereits f\u00fcr Audio verf\u00fcgbar, und f\u00fcr die relativ niedrigen Frequenzen (15 kHz horizontal, 50 Hz vertikal) reichte die ungeschirmte Ausf\u00fchrung aus. Das Problem: Die fehlende Abschirmung f\u00fchrte zu Geisterbildern und Farb\u00fcberl\u00e4ufen, sobald das Kabel l\u00e4nger als einen Meter war. Moderne Nachbauten verwenden deshalb abgeschirmte 5\u2011Pol\u2011DIN\u2011Kabel mit einzeln abgeschirmten Adern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Niedergang:<\/strong>&nbsp;Mit VGA (1987, 15\u2011Pol\u2011D\u2011Sub) hielt ein standardisierter, geschirmter, hochaufl\u00f6sender Monitoranschluss Einzug. Der 5\u2011Pol\u2011DIN verschwand.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Arch\u00e4ologie des Scheiterns: Was wir aus diesen Steckern lernen k\u00f6nnen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte dieser vergessenen Stecker lehrt drei Lektionen f\u00fcr heutige Standardsetzer:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mechanik \u00fcber Funktion:<\/strong>\u00a0Der SCART war technisch \u00fcberlegen (RGB, Automatik) aber mechanisch eine Katastrophe. Der DIN-Stecker war mechanisch robust (Bajonett) aber elektrisch chaotisch. Ein erfolgreicher Standard muss beides vereinen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Tyrannei der Kompatibilit\u00e4t:<\/strong>\u00a0Der 5\u2011Pol\u2011DIN \u00fcberlebte nur, weil er f\u00fcr MIDI wiederverwendet wurde \u2013 eine gl\u00fcckliche F\u00fcgung. Die meisten Stecker sterben, weil kein Nachfolgesystem die Abw\u00e4rtskompatibilit\u00e4t bietet. HDMI kann das, weil es analoge Signale nicht mehr unterst\u00fctzt \u2013 ein radikaler Bruch.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Regionale Standards sterben schwer:<\/strong>\u00a0Belling-Lee in Gro\u00dfbritannien, Perilex in Deutschland, SCART in Frankreich \u2013 jeder regionale Standard hat seine Lobby und seine Gewohnheiten. Die Globalisierung der Elektronik hat sie besiegt, aber Jahrzehnte gebraucht.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Die Stecker unserer V\u00e4ter<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Audio- und Videostecker der 1970er sind Relikte einer Zeit, in der Unterhaltungselektronik noch eine nationale Angelegenheit war, jeder Hersteller seine eigene Philosophie verfolgte und der Benutzer als Hobbybastler erwartet wurde, der Kabel selbst l\u00f6ten kann. Sie waren sperrig, unzuverl\u00e4ssig, schlecht dokumentiert \u2013 und doch haben sie eine ganze Generation von Technikbegeisterten gepr\u00e4gt. Wer heute einen SCART-Stecker in der Hand h\u00e4lt, sp\u00fcrt das Gewicht einer vergangenen \u00c4ra, in der Analogtechnik ihre letzte Bl\u00fcte erlebte, bevor das digitale Zeitalter alles vereinheitlichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Techarch\u00e4ologen sind diese Stecker keine Makulatur, sondern Zeitzeugen. Sie erz\u00e4hlen von gescheiterten Tr\u00e4umen (SCART), deutscher Gr\u00fcndlichkeit (DIN), britischem Eigensinn (Belling-Lee) und profanem Pragmatismus (Perilex). Und manch einer, der heute einen alten Verst\u00e4rker restauriert oder eine Retro-Spielekonsole an einen modernen Fernseher anschlie\u00dfen will, wird dankbar sein, dass es diese Stecker noch gibt \u2013 in einer staubigen Kiste auf dem Dachboden, bereit f\u00fcr die n\u00e4chste Ausgrabung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kategorisierung<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>im-rueckspiegel \/ techarchaeologie<\/li>\n\n\n\n<li>im-rueckspiegel \/ industriegeschichte<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schlagworte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vergessene Steckverbinder, SCART-Stecker Geschichte, DIN\u2011Audio\u2011Standard, Perilex Elektroherd, Belling-Lee Antennenstecker, Tuchel\u2011Rundsteckverbinder, analoge Videoanschl\u00fcsse 1970er<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>DIN 41524:1972-09 \u2013 Rundsteckverbinder f\u00fcr audiovisuelle Ger\u00e4te.<\/li>\n\n\n\n<li>IEC 60933-1:1988 \u2013 Audio, video and audiovisual systems \u2013 Part 1: SCART connector.<\/li>\n\n\n\n<li>DIN 49445:1983-03 \u2013 Zweipolige Stecker und Steckdosen mit Schutzkontakt, 16 A, 400 V (Perilex).<\/li>\n\n\n\n<li>BS 3041:1977 \u2013 Specification for Belling-Lee type coaxial connectors for television receivers.<\/li>\n\n\n\n<li>Tuchel Kontakttechnik (heute Amphenol) (1975):\u00a0<em>Technisches Handbuch \u2013 Baureihen T326, T336, T340<\/em>.<\/li>\n\n\n\n<li>Veit, P. (2019):\u00a0<em>Die Geschichte der Unterhaltungselektronik \u2013 Vom R\u00f6hrenradio zum Smart TV<\/em>. Franzis Verlag, ISBN 978-3-645-60532-6.<\/li>\n\n\n\n<li>Retro Gaming Museum (2023):\u00a0<em>SCART vs. Euro-AV \u2013 Der Kampf um den europ\u00e4ischen Videoanschluss<\/em>. Online-Dokumentation, abgerufen im Februar 2026.<\/li>\n\n\n\n<li>MIDI Manufacturers Association (2022):\u00a0<em>The MIDI 1.0 Specification \u2013 Chapter 2: Electrical Interface<\/em>\u00a0(DIN-5 Stecker).<\/li>\n\n\n\n<li>Institut f\u00fcr Rundfunktechnik (1981):\u00a0<em>Steckverbinder im Studiobereich \u2013 Vergleich DIN, Tuchel, XLR<\/em>. IRT Technische Mitteilung 42\/1981.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von DerSchneider Einleitung: Ausgrabung auf der R\u00fcckseite vergessener Ger\u00e4te Wer heute einen Fernseher oder Verst\u00e4rker anschlie\u00dft, findet ein vertrautes Bild: HDMI, USB, vielleicht noch ein optischer Toslink-Eingang, Klinkenbuchsen in 3,5 mm \u2013 und als Zugest\u00e4ndnis an die Vergangenheit manchmal ein Paar Cinch-Buchsen. Doch das war nicht immer so. 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