{"id":3148,"date":"2026-04-19T07:01:00","date_gmt":"2026-04-19T05:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=3148"},"modified":"2026-04-19T07:01:00","modified_gmt":"2026-04-19T05:01:00","slug":"disneys-schwarzes-loch-eine-tech-archaologie-des-gescheiterten-star-wars-rivalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/disneys-schwarzes-loch-eine-tech-archaologie-des-gescheiterten-star-wars-rivalen\/","title":{"rendered":"Disneys schwarzes Loch: Eine Tech-Arch\u00e4ologie des gescheiterten Star-Wars-Rivalen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">von DerSchneider<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Der teuerste Fehlgriff der Maus<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sollte die gro\u00dfe Antwort auf&nbsp;<em>Star Wars<\/em>&nbsp;werden. Stattdessen wurde&nbsp;<em>Das schwarze Loch<\/em>&nbsp;(1979) zu einem der r\u00e4tselhaftesten und risikoreichsten Filme der Disney-Geschichte. Mit einem Budget von 20 Millionen US-Dollar \u2013 inflationsbereinigt \u00fcber 80 Millionen \u2013 war es die bis dahin teuerste Produktion des Studios. Doch der Film floppte an den Kinokassen (nur 35,8 Millionen Dollar weltweit) und zerriss die Kritiker. Aus heutiger Sicht ist&nbsp;<em>Das schwarze Loch<\/em>&nbsp;ein faszinierendes Dokument filmischer Tech-Arch\u00e4ologie: ein ambitionierter, aber konzeptionell zerrissener Versuch, mit den Mitteln der Sp\u00e4t-Siebziger einen d\u00fcsteren Existenzialismus im Weltraum zu inszenieren \u2013 ohne die vision\u00e4re Kraft eines George Lucas oder das Effekte-Wunderland von Industrial Light &amp; Magic.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel beleuchtet die Entstehungsgeschichte, die technischen H\u00fcrden, das Fehlen der Lucasfilm-Infrastruktur und die fragw\u00fcrdigen kreativen Entscheidungen, die aus dem Film eine legend\u00e4re Fehlkonstruktion machten \u2013 und warum er heute als Kultobjekt verehrt wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Handlung und personelle Besetzung: Ein d\u00fcsteres M\u00e4rchen im All<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor wir in die Technik eintauchen, eine kurze Inhaltsangabe:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Forschungsschiff USS&nbsp;<em>Palomino<\/em>&nbsp;entdeckt am Rande eines gigantischen schwarzen Lochs das seit Jahren verschollene Raumschiff USS&nbsp;<em>Cygnus<\/em>. An Bord trifft die Crew auf den genialen, aber wahnsinnigen Dr. Hans Reinhardt (Maximilian Schell), der davon tr\u00e4umt, mit seinem Schiff in das Schwarze Loch einzutauchen. Die&nbsp;<em>Palomino<\/em>-Crew entdeckt das Grauen: Reinhardt hat seine meuternde Besatzung get\u00f6tet und deren Gehirne in willenlose Robotersklaven transferiert. Ein Kampf ums \u00dcberleben beginnt, der in einer surrealen, religi\u00f6s aufgeladenen Reise durch das Loch endet \u2013 mit einer Himmelfahrtsvision, die eher an Dantes Inferno als an&nbsp;<em>Krieg der Sterne<\/em>&nbsp;erinnert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Hauptdarsteller<\/strong>&nbsp;(eine Starbesetzung der 70er Jahre):<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Schauspieler<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Rolle<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bekannt f\u00fcr<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Maximilian Schell<\/td><td>Dr. Hans Reinhardt<\/td><td>Oscar-Preistr\u00e4ger (<em>Urteil von N\u00fcrnberg<\/em>)<\/td><\/tr><tr><td>Anthony Perkins<\/td><td>Dr. Alex Durant<\/td><td><em>Psycho<\/em><\/td><\/tr><tr><td>Robert Forster<\/td><td>Captain Dan Holland<\/td><td><em>Jackie Brown<\/em><\/td><\/tr><tr><td>Yvette Mimieux<\/td><td>Dr. Kate McCrae<\/td><td><em>Die Zeitmaschine<\/em>&nbsp;(1960)<\/td><\/tr><tr><td>Ernest Borgnine<\/td><td>Harry Booth<\/td><td><em>Die H\u00f6llenfahrt der Poseidon<\/em><\/td><\/tr><tr><td>Joseph Bottoms<\/td><td>Lt. Charles Pizer<\/td><td><em>Die durch die H\u00f6lle gehen<\/em><\/td><\/tr><tr><td>Roddy McDowall<\/td><td>Stimme von V.I.N.CENT<\/td><td><em>Planet der Affen<\/em><\/td><\/tr><tr><td>Slim Pickens<\/td><td>Stimme von B.O.B.<\/td><td><em>Dr. Seltsam<\/em><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Besetzung zeigt Disneys Ambition: Hochkar\u00e4tige Charakterdarsteller sollten dem Film eine ernsthafte, erwachsene Note geben. Doch genau hier lag ein erstes Problem: Der Film wusste nicht, ob er ein Kinderabenteuer (die quietschigen Roboter V.I.N.CENT und B.O.B.) oder ein philosophischer Horrorfilm (Reinhardts Wahnsinn, die Robotersklaven) sein wollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Die Qual der Drehbuchentwicklung: F\u00fcnf Jahre Irrfahrt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung von&nbsp;<em>Das schwarze Loch<\/em>&nbsp;begann bereits 1974 \u2013 lange vor&nbsp;<em>Star Wars<\/em>. Urspr\u00fcnglich als&nbsp;<em>Space Station One<\/em>&nbsp;betitelt, sollte es ein Katastrophenfilm im Weltraum werden, inspiriert von Irwin Allens&nbsp;<em>Die H\u00f6llenfahrt der Poseidon<\/em>. Doch das Projekt d\u00fcmpelte vor sich hin, wurde von verschiedenen Autoren (Bob Barbash, Richard Landau, Gerry Day) umgeschrieben, ohne jemals eine klare Linie zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst der \u00fcberw\u00e4ltigende Erfolg von&nbsp;<em>Star Wars<\/em>&nbsp;(1977) lie\u00df Disney aufhorchen. Das Studio ordnete eine radikale \u00dcberarbeitung an. Regisseur Gary Nelson \u2013 bis dahin bekannt f\u00fcr Fernsehproduktionen wie&nbsp;<em>The Quest<\/em>&nbsp;\u2013 wurde engagiert. Er warf die urspr\u00fcnglichen Nebenhandlungen \u00fcber Bord, konzentrierte sich auf die Kerncrew der&nbsp;<em>Palomino<\/em>&nbsp;und verst\u00e4rkte die d\u00fcstere Atmosph\u00e4re. Doch selbst unter Nelsons Regie blieb das Drehbuch ein Flickenteppich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist eine Aussage Nelsons, die in einem zeitgen\u00f6ssischen&nbsp;<em>Hollywood Reporter<\/em>-Artikel zitiert wurde:&nbsp;<strong>&#8222;We never had an ending&#8220;<\/strong>&nbsp;(Wir hatten nie ein Ende). Das ber\u00fchmte, viel diskutierte Schlussbild \u2013 Reinhardt als gefallener Engel im Inneren des Schwarzen Lochs \u2013 wurde erst w\u00e4hrend der Postproduktion entwickelt. Der Drehbuchprozess dauerte insgesamt etwa f\u00fcnf Jahre, mit mindestens sechs verschiedenen Autoren. Eine ungew\u00f6hnlich lange und chaotische Phase f\u00fcr einen Disney-Film.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Technische Herausforderungen: Zwischen Innovation und Scheitern<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das schwarze Loch<\/em>&nbsp;war ein Testfeld f\u00fcr neue Filmtechniken \u2013 aber auch ein Paradebeispiel f\u00fcr das Scheitern guter Ideen an der praktischen Umsetzung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.1 Das A.C.E.S.-Kamerasystem<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Disney setzte auf das&nbsp;<strong>Automatic Camera Effects System (A.C.E.S.)<\/strong>&nbsp;, ein computergesteuertes Kamerasystem, das komplexe, wiederholbare Kamerafahrten f\u00fcr die Effektaufnahmen erm\u00f6glichte. Es war damals das fortschrittlichste System seiner Art in Hollywood. Die Kamera bewegte sich auf einer Schiene, w\u00e4hrend ein Computer die Positionen und Neigungen speicherte \u2013 eine fr\u00fche Form der Motion Control.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vorteil:<\/strong>&nbsp;Perfekte Wiederholbarkeit f\u00fcr Mehrfachbelichtungen.<br><strong>Nachteil:<\/strong>&nbsp;Die Computersteuerung war extrem zeitaufw\u00e4ndig. Robert Forster (Captain Holland) erinnerte sich sp\u00e4ter, dass an manchen Tagen nur zwei oder drei Einstellungen gedreht wurden \u2013 manchmal nur eine einzige, deren Vorbereitung den ganzen Tag beanspruchte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.2 Die Entstehung des Schwarzen Lochs<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der titelgebende Effekt des Schwarzen Lochs ist eine Meisterleistung analoger Tricktechnik. Statt auf Computeranimation (die es in der Form noch nicht gab) zu setzen, erzeugte man den Wirbel mit einem&nbsp;<strong>Plexiglas-Tank voller Wasser und Farbstoffen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein mechanischer R\u00fchrer erzeugte einen Strudel.<\/li>\n\n\n\n<li>In den Wirbel wurden fluoreszierende Farben (z.B. f\u00fcr den roten Akzent) injiziert.<\/li>\n\n\n\n<li>Unter Schwarzlicht und mit Zeitlupenaufnahmen (bis zu 120 Bildern pro Sekunde) entstand der surreale, fl\u00fcssige Sog.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeiten leitete der Effekte-Veteran&nbsp;<strong>Art Cruickshank<\/strong>&nbsp;(Oscar f\u00fcr&nbsp;<em>2001: Odyssee im Weltraum<\/em>&nbsp;\u2013 er war f\u00fcr die Sternentor-Sequenz verantwortlich). Das Team bestand aus vier Oscar-Preistr\u00e4gern, darunter Peter Ellenshaw (Matte Paintings) und Eustace Lycett.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.3 Die Roboterschwierigkeiten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders problematisch war der Bau des Roboters V.I.N.CENT (Vital Information Necessary CENTralized). Urspr\u00fcnglich war ein komplexer, mechanischer Kopf mit beweglichen Augen geplant \u2013 \u00e4hnlich wie R2-D2, aber mit mehr Mimik. Das mechanische Auge funktionierte jedoch nie zufriedenstellend. Kurz vor Drehbeginn wurde das Konzept verworfen, und man entschied sich f\u00fcr einen einfacheren, starren Kopf mit LED-Leuchten. Die Bewegungen des Roboters \u2013 er schwebte frei \u2013 wurden durch Drahtseilz\u00fcge realisiert, was zu oft sichtbaren F\u00e4den f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Roboter<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Funktion<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Besonderheit<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>V.I.N.CENT<\/td><td>Freundlicher Begleiter<\/td><td>Sprechstimme: Roddy McDowall<\/td><\/tr><tr><td>B.O.B. (BiO-sanitation Battalion)<\/td><td>Tumber, eckiger Roboter<\/td><td>Sprechstimme: Slim Pickens<\/td><\/tr><tr><td>Maximilian<\/td><td>Roter, stummer Killer-Roboter mit rotierenden Klingen<\/td><td>Entworfen von Peter Ellenshaw; sp\u00e4ter Vorbild f\u00fcr&nbsp;<em>Wall-E<\/em>?<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Maximilian<\/strong>, der furchterregende, rote Killerroboter mit zwei rotierenden Klingen auf der Brust, wurde zum ikonischen Design. Er war eine reine Puppe ohne Mimik \u2013 und funktionierte perfekt als Symbol f\u00fcr Reinhardts kalte Bosheit.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.4 Die erste Disney-PG-Freigabe<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das schwarze Loch<\/em>&nbsp;war der erste Disney-Film, der von der MPAA die&nbsp;<strong>PG-Freigabe<\/strong>&nbsp;(Parental Guidance Suggested) erhielt. Zuvor hatten alle Disney-Produktionen das G-Rating (f\u00fcr allgemeines Publikum). Die d\u00fcstere Atmosph\u00e4re, die Todesf\u00e4lle (unter anderem wird Anthony Perkins&#8216; Charakter von Maximilian brutal aufgespie\u00dft) und die existenzialistische Schlusssequenz zwangen Disney zu diesem Schritt \u2013 ein klares Eingest\u00e4ndnis, dass man sich vom familienfreundlichen Image entfernte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Das Fehlen von Lucasfilm: Ein strategischer Fehler<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che des Films war nicht die Technik an sich, sondern das Fehlen einer vision\u00e4ren Regie und eines spezialisierten Effekte-Hauses wie&nbsp;<strong>Industrial Light &amp; Magic (ILM)<\/strong>&nbsp;. George Lucas hatte f\u00fcr&nbsp;<em>Star Wars<\/em>&nbsp;ein Team zusammengestellt, das die Grenzen des Machbaren neu definierte: Motion-Control-Kameras, computergesteuerte Bewegungen, neuartige Kompositverfahren. Disney hingegen vertraute auf seine hauseigenen Effekte-K\u00fcnstler \u2013 die zwar hervorragend in klassischen Techniken (Matte Paintings, optische Printer) waren, aber keine Erfahrung mit den neuen Anforderungen des Science-Fiction-Actionfilms hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Vergleich:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Aspekt<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><em>Star Wars<\/em>&nbsp;(1977)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><em>Das schwarze Loch<\/em>&nbsp;(1979)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Effekte-Haus<\/td><td>ILM (extra gegr\u00fcndet)<\/td><td>Disney-eigene Trickabteilung<\/td><\/tr><tr><td>Motion Control<\/td><td>Dykstraflex-Kamera<\/td><td>A.C.E.S. (\u00e4hnlich, aber weniger flexibel)<\/td><\/tr><tr><td>Tempo<\/td><td>Schnell, actionreich<\/td><td>Langsam, meditativ<\/td><\/tr><tr><td>Zielgruppe<\/td><td>Jugendliche &amp; Erwachsene<\/td><td>Unklar (teils Kinder, teils Erwachsene)<\/td><\/tr><tr><td>Kreativkontrolle<\/td><td>George Lucas (eine Vision)<\/td><td>Gary Nelson + Disney-Komitee<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Disney reagierte nicht mit einem Imitat von&nbsp;<em>Star Wars<\/em>, sondern mit einer bewussten&nbsp;<strong>Abgrenzung<\/strong>&nbsp;\u2013 was ehrenwert, aber kommerziell t\u00f6richt war. Das Publikum wollte 1979 keine d\u00fcstere Weltraum-Existenzialphilosophie, sondern unterhaltsame Abenteuer. Der Film war zu langsam f\u00fcr Kinder und zu kindisch f\u00fcr Erwachsene.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Weitere fragw\u00fcrdige Entscheidungen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kein Disney-Logo im Vorspann:<\/strong>\u00a0Regisseur Gary Nelson bestand darauf, das vertraute Disney-Logo zu entfernen, um den Film erwachsener wirken zu lassen. Stattdessen erschien das Buena-Vista-Label. Dies verwirrte das Publikum, das einen Disney-Film erwartete.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Besetzungsprobleme:<\/strong>\u00a0Urspr\u00fcnglich war Sigourney Weaver f\u00fcr eine Rolle vorgesehen, wurde aber wegen ihres &#8222;ungew\u00f6hnlichen&#8220; Namens abgelehnt. Jennifer O&#8217;Neill wurde gecastet, lie\u00df sich auf Nelsons Wunsch die Haare von Vidal Sassoon schneiden \u2013 und hatte dann einen Autounfall, sodass Yvette Mimieux einspringen musste.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Maximilian Schells Forderungen:<\/strong>\u00a0Der Oscar-Preistr\u00e4ger stellte die Bedingung, dass er seine eigenen Schnittr\u00e4ume f\u00fcr einen anderen Film mit ins Studio bringen durfte \u2013 eine teure und logistisch aufw\u00e4ndige Extrawurst.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Geheimhaltung:<\/strong>\u00a0Das Set wurde rund um die Uhr bewacht, um zu verhindern, dass nach au\u00dfen dringt, dass man &#8222;vielleicht gar keinen guten Film&#8220; habe \u2013 wie ein Crewmitglied sp\u00e4ter zynisch anmerkte.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Fazit und Ausblick: Vom Flop zum Kult<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das schwarze Loch<\/em>&nbsp;war kein kommerzieller Erfolg, aber auch kein totaler Flop \u2013 er spielte weltweit etwa das 1,8-fache seiner Produktionskosten ein. Doch die Entt\u00e4uschung war gro\u00df. Disney zog sich vorerst aus dem Science-Fiction-Genre zur\u00fcck und gr\u00fcndete 1984 das Label&nbsp;<strong>Touchstone Pictures<\/strong>, um erwachsenere Filme ohne das Maus-Logo zu produzieren \u2013 eine direkte Konsequenz aus den Erfahrungen mit&nbsp;<em>Das schwarze Loch<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Film zum Kultobjekt heran. Die d\u00fcstere Atmosph\u00e4re, die bizarre Schlusssequenz und das Design von Maximilian inspirierten sp\u00e4tere Werke \u2013 allen voran&nbsp;<em>Wall-E<\/em>&nbsp;(2008), dessen Hauptfigur eindeutige Anleihen bei V.I.N.CENT und Maximilian zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Technikhistorisch ist&nbsp;<em>Das schwarze Loch<\/em>&nbsp;ein Lehrst\u00fcck f\u00fcr das Scheitern ambitionierter Innovationen ohne einheitliche Vision. Die Effekte sind oft beeindruckend, aber sie dienen keiner klaren Erz\u00e4hlung. Der Film ist ein Museumst\u00fcck der sp\u00e4ten 70er Jahre \u2013 eine Zeit, in der Hollywood lernte, dass Science-Fiction mehr als nur visuelle Effekte braucht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Nelson, Gary (1980): Interview in\u00a0<em>Cinefantastique<\/em>, Vol. 9, No. 2.<\/li>\n\n\n\n<li>Sammon, Paul M. (1980): &#8222;The Black Hole: Disney\u2019s Journey to the Edge of Space and Time&#8220;,\u00a0<em>Cinefex<\/em>\u00a0#1, S. 4\u201327.<\/li>\n\n\n\n<li>American Cinematographer (August 1979): &#8222;Filming The Black Hole: A.C.E.S. and the Art of Motion Control&#8220;.<\/li>\n\n\n\n<li>Maltin, Leonard (1995):\u00a0<em>The Disney Films<\/em>, 3. Auflage. Hyperion. S. 267\u2013269.<\/li>\n\n\n\n<li>Hughes, David (2003):\u00a0<em>The Greatest Sci-Fi Movies Never Made<\/em>. Titan Books. (Kapitel zu\u00a0<em>The Black Hole<\/em>).<\/li>\n\n\n\n<li>Interview mit Robert Forster (2004) auf der DVD-Extras\u00a0<em>The Black Hole: Through the Hole<\/em>. Disney Home Entertainment.<\/li>\n\n\n\n<li>Zeitgen\u00f6ssische Berichte:\u00a0<em>The Hollywood Reporter<\/em>\u00a0(13. Dezember 1979) und\u00a0<em>Variety<\/em>\u00a0(19. Dezember 1979).<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von DerSchneider Einleitung: Der teuerste Fehlgriff der Maus Es sollte die gro\u00dfe Antwort auf&nbsp;Star Wars&nbsp;werden. Stattdessen wurde&nbsp;Das schwarze Loch&nbsp;(1979) zu einem der r\u00e4tselhaftesten und risikoreichsten Filme der Disney-Geschichte. Mit einem Budget von 20 Millionen US-Dollar \u2013 inflationsbereinigt \u00fcber 80 Millionen \u2013 war es die bis dahin teuerste Produktion des Studios. 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