{"id":3159,"date":"2026-04-24T11:22:00","date_gmt":"2026-04-24T09:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=3159"},"modified":"2026-04-24T11:22:00","modified_gmt":"2026-04-24T09:22:00","slug":"methylquecksilber-das-unsichtbare-gift-in-unserer-nahrungskette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/methylquecksilber-das-unsichtbare-gift-in-unserer-nahrungskette\/","title":{"rendered":"Methylquecksilber \u2013 Das unsichtbare Gift in unserer Nahrungskette"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Ein Neurotoxin auf dem Teller<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Methylquecksilber (CH\u2083Hg\u207a) z\u00e4hlt zu den gef\u00e4hrlichsten Umweltgiften, die der Mensch \u00fcber die Nahrung aufnimmt. Es ist hochgradig neurotoxisch, passiert die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentaschranke und reichert sich in der Nahrungskette an. Die Vergiftung mit Methylquecksilber ging als Minamata-Krankheit in die Medizingeschichte ein \u2013 eine Katastrophe, die tausende Menschen in Japan schwer sch\u00e4digte. Noch heute ist Methylquecksilber Gegenstand wissenschaftlicher Kontroversen, regulatorischer Grauzonen und \u00f6ffentlicher Verunsicherung. Dieser Artikel kl\u00e4rt \u00fcber die chemischen Mechanismen, Eintragspfade, historischen Lehren und aktuellen Risikobewertungen auf \u2013 mit einem klaren Fokus auf die Frage: Wer muss sich sch\u00fctzen, und wie?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Was ist Methylquecksilber? \u2013 Chemie trifft Biologie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Methylquecksilber ist eine metallorganische Verbindung, die entsteht, wenn anorganisches Quecksilber (z.\u202fB. aus Industrieabw\u00e4ssern oder Kohlekraftwerken) von Mikroorganismen in Gew\u00e4ssern und B\u00f6den methyliert wird. Dieser Prozess findet vor allem in sauerstoffarmen Umgebungen wie Feuchtgebieten, Seen und Meeresablagerungen statt. Die Methylierung macht Quecksilber fettl\u00f6slich, hochgradig stabil und biologische aktiv.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Eigenschaft<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bedeutung f\u00fcr die Toxizit\u00e4t<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Lipophil (fettl\u00f6slich)<\/strong><\/td><td>Durchdringt Zellmembranen, reichert sich im Nervengewebe an<\/td><\/tr><tr><td><strong>Lange Halbwertszeit im K\u00f6rper<\/strong><\/td><td>50\u201370 Tage beim Menschen, daher Akkumulation bei chronischer Aufnahme<\/td><\/tr><tr><td><strong>Plazentag\u00e4ngig<\/strong><\/td><td>Sch\u00e4digt direkt das ungeborene Kind, auch ohne Symptome bei der Mutter<\/td><\/tr><tr><td><strong>Proteinbindung<\/strong><\/td><td>Wird im Blut vor allem an H\u00e4moglobin und Albumin transportiert<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu anorganischem Quecksilber (wie in Zahnf\u00fcllungen oder Pilzen) wird Methylquecksilber im Magen-Darm-Trakt nahezu vollst\u00e4ndig (\u00fcber 90\u202f%) resorbiert und verteilt sich gleichm\u00e4\u00dfig im K\u00f6rper.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Historische Katastrophen: Die Minamata-Krankheit als Mahnmal<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.1 Minamata, Japan (1956\u20131968)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste gro\u00dffl\u00e4chige Methylquecksilber-Vergiftung trat in der japanischen Stadt Minamata auf. Die Firma Chisso Corporation leitete \u00fcber Jahre Quecksilberverbindungen in die Bucht von Minamata ein. Dort wandelten Bakterien das anorganische Quecksilber in Methylquecksilber um, das sich in Fischen und Schalentieren anreicherte. Die Bev\u00f6lkerung, die stark fischbasiert lebte, erkrankte massenhaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Symptome<\/strong>: Ataxie (Bewegungsst\u00f6rungen), Gesichtsfeldausf\u00e4lle, Sprachst\u00f6rungen, Taubheit, geistige Behinderungen bei Neugeborenen. Offiziell wurden \u00fcber 3.000 Betroffene anerkannt, \u00fcber 2.000 Tote; die Dunkelziffer liegt wesentlich h\u00f6her.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2.2 Niigata (1965) und Irak (1971\/72)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnliche Vorf\u00e4lle gab es in Niigata (Japan) sowie im Irak, wo Beizmittel f\u00fcr Saatgut (mit Methylquecksilber) versehentlich zu Brot verarbeitet wurden \u2013 mit Tausenden Todesopfern und bleibenden neurologischen Sch\u00e4den.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehre<\/strong>: Methylquecksilber ist kein exotisches Industriegift \u2013 auch Umweltverschmutzung und landwirtschaftliche Unf\u00e4lle k\u00f6nnen zu verheerenden Massenvergiftungen f\u00fchren.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Aufnahmepfade \u2013 Wie gelangt Methylquecksilber in den Menschen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Erkenntnis:&nbsp;<strong>Nahrungsmittel tierischen Ursprungs aus aquatischen \u00d6kosystemen sind die einzige relevante Quelle f\u00fcr Methylquecksilber<\/strong>&nbsp;beim Menschen. Andere Lebensmittel wie Pilze, Obst oder Gem\u00fcse enthalten Quecksilber fast ausschlie\u00dflich in anorganischer Form, die deutlich schlechter resorbiert wird und weniger neurotoxisch ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.1 Fisch und Meeresfr\u00fcchte im Detail<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Belastung variiert stark nach Art, Alter, Gr\u00f6\u00dfe und Ern\u00e4hrungsweise. Langlebige Raubfische haben die h\u00f6chsten Konzentrationen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Fischart<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Typischer Methylquecksilbergehalt (\u00b5g\/kg)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Einstufung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Schwertfisch, Hai, Dornhai<\/td><td>1.000 \u2013 3.500<\/td><td><strong>Sehr hoch<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Thunfisch (frisch\/gefroren)<\/td><td>500 \u2013 1.500<\/td><td>Hoch<\/td><\/tr><tr><td>Rotbarsch, Heilbutt<\/td><td>300 \u2013 900<\/td><td>Mittel bis hoch<\/td><\/tr><tr><td>Thunfisch (Dose)<\/td><td>200 \u2013 600<\/td><td>Mittel<\/td><\/tr><tr><td>Seelachs, Hering, Scholle<\/td><td>&lt; 100<\/td><td>Niedrig<\/td><\/tr><tr><td>Forelle, Karpfen (Aquakultur)<\/td><td>&lt; 50<\/td><td>Sehr niedrig<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daten basieren auf den j\u00e4hrlichen Berichten des&nbsp;<strong>Bundesamts f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)<\/strong>&nbsp;sowie der&nbsp;<strong>Europ\u00e4ischen Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA)<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.2 Andere Meeresfr\u00fcchte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Krebstiere (Krabben, Garnelen) und Muscheln enthalten weniger Methylquecksilber, da sie in der Nahrungskette niedriger stehen. Allerdings k\u00f6nnen sie anorganisches Quecksilber aus Sedimenten aufnehmen \u2013 dieses ist aber weniger toxisch.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3.3 Pilze \u2013 ein Missverst\u00e4ndnis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer wieder wird vor Pilzen gewarnt, da sie Quecksilber aus dem Boden anreichern. Richtig ist: Wildpilze (z.\u202fB. Champignons, Steinpilze) k\u00f6nnen Gesamtquecksilberwerte bis zu einigen hundert \u00b5g\/kg erreichen.&nbsp;<strong>Falsch<\/strong>&nbsp;ist die Annahme, dass es sich dabei um Methylquecksilber handelt. Tats\u00e4chlich liegt in Pilzen der Methylquecksilberanteil meist unter 10\u202f% des Gesamtquecksilbers (Studie:&nbsp;<strong>Falandysz et al., 2014,&nbsp;<em>Environmental Science and Pollution Research<\/em><\/strong>). Die Resorption von anorganischem Quecksilber ist gering (&lt;10\u202f%), und es passiert nicht die Blut-Hirn-Schranke. Daher stellen Pilze kein Methylquecksilber-Risiko dar.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Gesundheitsrisiken \u2013 Wie das Nervengift wirkt<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.1 Erwachsene (nicht schwanger)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einmaliger oder geringer Aufnahme wird Methylquecksilber langsam \u00fcber die Galle ausgeschieden (Halbwertszeit ~70 Tage). Chronisch erh\u00f6hte Aufnahme f\u00fchrt zu einer schleichenden Akkumulation im Zentralnervensystem. Symptome einer subakuten Vergiftung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Par\u00e4sthesien (Kribbeln an H\u00e4nden, F\u00fc\u00dfen, um den Mund)<\/li>\n\n\n\n<li>Ataxie, Gangunsicherheit<\/li>\n\n\n\n<li>Konzentrationsst\u00f6rungen, Ged\u00e4chtnisprobleme<\/li>\n\n\n\n<li>Tinnitus, Gesichtsfeldeinschr\u00e4nkungen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4.2 Besondere Risikogruppe: Ungeborene und Kleinkinder<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Methylquecksilber passiert die Plazentaschranke nahezu ungehindert. Der F\u00f6tus ist besonders empfindlich, weil sein Nervensystem im Aufbau ist. Sch\u00e4den k\u00f6nnen schon bei sehr geringen Dosen auftreten, die bei der Mutter noch keinerlei Symptome verursachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>EFSA<\/strong>&nbsp;hat einen&nbsp;<strong>gesundheitsbasierten Richtwert (TWI)<\/strong>&nbsp;von&nbsp;<strong>1,3 \u00b5g Methylquecksilber\/kg K\u00f6rpergewicht pro Woche<\/strong>&nbsp;festgelegt. F\u00fcr eine 60 kg schwere Frau w\u00e4ren das 78 \u00b5g pro Woche. Das entspricht etwa:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>150 g Rotbarsch (bei 500 \u00b5g\/kg \u2192 75 \u00b5g) ODER<\/li>\n\n\n\n<li>250 g Thunfisch aus der Dose (bei 300 \u00b5g\/kg \u2192 75 \u00b5g)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwangere erreichen diesen Wert daher schnell, wenn sie regelm\u00e4\u00dfig Fisch mit mittlerer bis hoher Belastung essen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Regulierung und Grenzwerte \u2013 Ein Flickenteppich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der EU legt die&nbsp;<strong>Verordnung (EG) Nr. 1881\/2006<\/strong>&nbsp;(zuletzt ge\u00e4ndert durch (EU) 2022\/617) H\u00f6chstgehalte f\u00fcr Methylquecksilber in Lebensmitteln fest:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Lebensmittel<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">H\u00f6chstgehalt (mg\/kg Frischgewicht)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Schwertfisch, Hai, Dornhai<\/td><td>1,0<\/td><\/tr><tr><td>Thunfisch (alle Arten)<\/td><td>1,0<\/td><\/tr><tr><td>\u00dcbrige Fische<\/td><td>0,5<\/td><\/tr><tr><td>Muscheln, Krebstiere<\/td><td>0,5<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kritisch: Der Grenzwert f\u00fcr Thunfisch ist mit 1,0 mg\/kg identisch mit dem f\u00fcr Hai \u2013 dabei ist wissenschaftlich belegt, dass bereits 0,5 mg\/kg f\u00fcr Risikogruppen problematisch sein k\u00f6nnen. Die&nbsp;<strong>St\u00e4ndige Kommission f\u00fcr die Risikobewertung von Kontaminanten<\/strong>&nbsp;kritisiert diese zu gro\u00dfz\u00fcgige Regelung.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Unsch\u00e4rfe<\/strong>: Der Grenzwert bezieht sich auf&nbsp;<strong>Gesamtquecksilber<\/strong>, nicht auf Methylquecksilber. Bei Fisch liegt zwar meist \u00fcber 90\u202f% des Quecksilbers in methylierter Form vor, aber es gibt Ausnahmen (z.\u202fB. kleine Fische aus stark verschmutzten S\u00fc\u00dfgew\u00e4ssern). Das kann zu Fehleinsch\u00e4tzungen f\u00fchren.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Handlungsempfehlungen \u2013 Wer sollte was essen?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die allgemeine Regel lautet:&nbsp;<strong>Fisch ist gesund<\/strong>&nbsp;(Omega-3-Fetts\u00e4uren, Jod, Selen) \u2013 aber nicht jeder Fisch ist gleich. Das&nbsp;<strong>Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR)<\/strong>&nbsp;gibt differenzierte Empfehlungen:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr die Allgemeinbev\u00f6lkerung (keine Schwangerschaft)<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>1\u20132 Portionen Fisch pro Woche sind unbedenklich.<\/li>\n\n\n\n<li>Bevorzugt Sorten mit niedrigem Methylquecksilbergehalt (Seelachs, Hering, Forelle, Karpfen, Zuchtlachs).<\/li>\n\n\n\n<li>Thunfisch in Dosen in Ma\u00dfen (max. 1\u20132 Dosen pro Woche).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr Schwangere, Stillende und Kleinkinder (bis 6 Jahre)<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Vermeiden<\/strong>: Schwertfisch, Hai, Dornhai, Heilbutt, Rotbarsch, frischer Thunfisch (Steak).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Einschr\u00e4nken<\/strong>: Thunfisch aus der Dose (max. 1 kleine Dose pro Woche).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Unbedenklich<\/strong>: Seelachs, Hering, Scholle, Karpfen, Forelle, Zuchtlachs, Garnelen, Muscheln.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA)<\/strong>&nbsp;betont, dass ein vollst\u00e4ndiger Verzicht auf Fisch nicht empfohlen wird, da die Vorteile f\u00fcr die kindliche Entwicklung die Risiken bei Auswahl geeigneter Arten \u00fcberwiegen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Ausblick: Globale Quecksilberkonvention und Alternativen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 2017 regelt die&nbsp;<strong>Minamata-Konvention<\/strong>&nbsp;(UNEP) den weltweiten Umgang mit Quecksilber \u2013 benannt nach der japanischen Katastrophe. \u00dcber 130 Staaten haben sich verpflichtet, Quecksilberemissionen aus Kohlekraftwerken, Kleinbergbau und Industrie zu reduzieren. Dennoch bleibt Methylquecksilber ein Problem, weil bereits eingetragenes Quecksilber in B\u00f6den und Sedimenten jahrzehntelang nachmethyliert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Forschungsthemen der Zukunft:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Selen-Interaktion<\/strong>: Selen bindet Methylquecksilber und reduziert seine Bioverf\u00fcgbarkeit. Fisch mit hohem Selengehalt (z.\u202fB. Thunfisch) ist trotz Quecksilber weniger toxisch als reines Methylquecksilber. Das wird bei Risikobewertungen bislang unzureichend ber\u00fccksichtigt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Analytik<\/strong>: Neue Methoden erlauben die direkte Messung von Methylquecksilber ohne aufwendige Aufarbeitung (GC-ICP-MS). Das k\u00f6nnte zu genaueren Grenzwerten f\u00fchren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Aquakultur<\/strong>: Zuchtfische werden mit kontrolliertem Futter ern\u00e4hrt und enthalten kaum Methylquecksilber. Sie k\u00f6nnten eine sichere Alternative zu Wildf\u00e4ngen sein, sofern nicht mit Fischmehl aus belasteten Fischen gef\u00fcttert wird.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Aufkl\u00e4rung statt Panik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Methylquecksilber ist ein ernstzunehmendes Umweltneurotoxin, das vor allem \u00fcber gro\u00dfe Raubfische in den menschlichen K\u00f6rper gelangt. Die historischen Lehren aus Minamata und dem Irak zeigen, wie verheerend die Auswirkungen sein k\u00f6nnen. Gleichzeitig ist die heutige Situation gut erforscht und reguliert. F\u00fcr die Allgemeinbev\u00f6lkerung besteht bei durchschnittlichem Fischkonsum kein Grund zur Besorgnis \u2013 im Gegenteil, die gesundheitlichen Vorteile von Fisch \u00fcberwiegen meist. Nur f\u00fcr Schwangere, Stillende und Kleinkinder ist eine sorgf\u00e4ltige Auswahl der Fischarten notwendig. Panikmache ist fehl am Platz, aber differenzierte Aufkl\u00e4rung ist unverzichtbar.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR)<\/strong>\u00a0(2020):\u00a0<em>Methylquecksilber in Fischen \u2013 Risikobewertung und Handlungsempfehlungen<\/em>. Stellungnahme Nr. 045\/2020.<br><a href=\"https:\/\/www.bfr.bund.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.bfr.bund.de<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit (EFSA)<\/strong>\u00a0(2012):\u00a0<em>Scientific Opinion on the risk for public health related to the presence of mercury and methylmercury in food<\/em>. EFSA Journal 10(12):2985.<br><a href=\"https:\/\/www.efsa.europa.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.efsa.europa.eu<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Falandysz, J. et al.<\/strong>\u00a0(2014):\u00a0<em>Mercury in wild mushrooms and underlying soil substrate from Koszalin, North-central Poland<\/em>. Environmental Science and Pollution Research 21, 1398\u20131408.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bundesamt f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)<\/strong>\u00a0(2023):\u00a0<em>Berichte zur Lebensmittelsicherheit \u2013 Kontaminanten<\/em>. Jahresbericht 2022.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Verordnung (EG) Nr. 1881\/2006<\/strong>\u00a0der Kommission vom 19. Dezember 2006 zur Festsetzung der H\u00f6chstgehalte f\u00fcr bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln, zuletzt ge\u00e4ndert durch (EU) 2022\/617.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>UNEP Minamata Convention on Mercury<\/strong>\u00a0(2013): Text and annexes. United Nations Environment Programme.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Grandjean, P. &amp; Landrigan, P.J.<\/strong>\u00a0(2014):\u00a0<em>Neurobehavioural effects of developmental toxicity<\/em>. The Lancet Neurology 13(3), 330\u2013338.<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Ein Neurotoxin auf dem Teller Methylquecksilber (CH\u2083Hg\u207a) z\u00e4hlt zu den gef\u00e4hrlichsten Umweltgiften, die der Mensch \u00fcber die Nahrung aufnimmt. Es ist hochgradig neurotoxisch, passiert die Blut-Hirn-Schranke und die Plazentaschranke und reichert sich in der Nahrungskette an. 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