{"id":3312,"date":"2026-05-19T08:18:33","date_gmt":"2026-05-19T06:18:33","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=3312"},"modified":"2026-05-19T08:18:33","modified_gmt":"2026-05-19T06:18:33","slug":"der-taschenrechner-von-der-mechanischen-wunderkurve-zur-ki-gestutzten-denkmaschine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-taschenrechner-von-der-mechanischen-wunderkurve-zur-ki-gestutzten-denkmaschine\/","title":{"rendered":"Der Taschenrechner \u2013 Von der mechanischen Wunderkurve zur KI-gest\u00fctzten Denkmaschine"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nur ein flaches, oft unscheinbares Kunststoffgeh\u00e4use mit einer Handvoll Tasten. Auf dem Schreibtisch eines Ingenieurs mag es verstauben, in der Federmappe eines Sch\u00fclers steckt es griffbereit, und auf dem Smartphone ist es nur noch eine von Hunderten Apps. Der Taschenrechner ist zum allt\u00e4glichen, fast unsichtbaren Begleiter geworden. Doch dieser stille Begleiter hat eine der tiefgreifendsten und kontroversesten technologischen Revolutionen des 20. Jahrhunderts ausgel\u00f6st. Er demokratisierte die Rechenleistung, verwandelte den Mathematikunterricht von einer Disziplin der m\u00fchevollen Handarbeit in ein Feld konzeptionellen Denkens und entfachte einen Glaubenskrieg um Grundkompetenzen, der bis heute in den Debatten \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz widerhallt. Dieser Artikel beleuchtet die faszinierende Reise des Taschenrechners \u2013 von seinen filigranen mechanischen Vorl\u00e4ufern \u00fcber die elektronische Explosion der 1970er-Jahre bis hin zu seiner ungewissen Zukunft in einer Welt der Smartphones und KI-Assistenten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Rechenschieber zur elektronischen Wunderwaffe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bedarf an tragbaren Rechenhilfen ist so alt wie die Mathematik selbst. Bevor die ersten Leuchtdioden aufleuchteten, halfen sich Ingenieure, Wissenschaftler und H\u00e4ndler mit mechanischen Wunderwerken. Da war der&nbsp;<strong>Rechenschieber<\/strong>, ein elegantes analoges Ger\u00e4t, das auf Logarithmen basierte und f\u00fcr schnelle N\u00e4herungen unschlagbar war. Und da war die&nbsp;<strong>Curta<\/strong>, eine mechanische Rechenmaschine in Zylinderform, die zwischen 1947 und 1970 etwa 140.000 Mal produziert wurde. Mit einer H\u00f6he von nur 85 Millimetern und einem Durchmesser von 53 Millimetern war die Curta I die kleinste serienm\u00e4\u00dfig hergestellte mechanische Vier-Spezies-Rechenmaschine der Welt<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Curta\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ihr Erfinder Curt Herzstark entwickelte sie unter lebensbedrohlichen Umst\u00e4nden sogar w\u00e4hrend seiner Inhaftierung im KZ Buchenwald<a href=\"https:\/\/blog.hnf.de\/die-curta-der-erste-taschenrechner\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Ger\u00e4te waren die \u00fcberragenden technologischen Errungenschaften ihrer Zeit \u2013 pr\u00e4zise, zuverl\u00e4ssig, aber auch teuer und in ihrer Anwendung anspruchsvoll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche Durchbruch zur elektronischen Rechenmaschine kam, fast als Nebenprodukt, aus den Labors von Texas Instruments (TI). Als Jack Kilby, der 1958 den ersten integrierten Schaltkreis entwickelt hatte, 1966 nach einer praktischen Anwendung f\u00fcr den neuesten Mikroprozessor suchte, entstand Anfang 1967 der Prototyp eines handfl\u00e4chengro\u00dfen Taschenrechners \u2013 der &#8222;Cal Tech&#8220;<a href=\"https:\/\/www.hnf.de\/das-hnf\/presse\/pressemitteilungen\/ansicht\/artikel\/erfindung-aus-versehen-50-jahre-taschenrechner.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Er wog noch 1,5 Kilogramm, lief aber bereits batteriebetrieben \u2013 ein enormer Fortschritt gegen\u00fcber den station\u00e4ren Tischrechnern. Doch TI erkannte das Marktpotenzial zun\u00e4chst nicht. Das Kunstst\u00fcck der Kommerzialisierung gelang stattdessen japanischen Unternehmen. 1970 brachten Canon, Sanyo und Sharp die ersten Taschenrechner auf den Markt. Der Canon Pocketronic druckte die Ergebnisse noch auf einen kleinen Thermopapierstreifen, der Sharp Elsi 8 wog nur 740 Gramm<a href=\"https:\/\/www.hnf.de\/das-hnf\/presse\/pressemitteilungen\/ansicht\/artikel\/erfindung-aus-versehen-50-jahre-taschenrechner.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der Preis war jedoch atemberaubend: In Deutschland kosteten die ersten Modelle um die 2.000 DM, der Preis eines Gebrauchtwagens<a href=\"https:\/\/www.hnf.de\/das-hnf\/presse\/pressemitteilungen\/ansicht\/artikel\/erfindung-aus-versehen-50-jahre-taschenrechner.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Ein Jahr sp\u00e4ter, 1972, l\u00e4utete Hewlett-Packard mit dem&nbsp;<strong>HP-35<\/strong>&nbsp;die \u00c4ra des wissenschaftlichen Taschenrechners ein, der trigonometrische und exponentielle Funktionen beherrschte und f\u00fcr 400 US-Dollar (rund 1.000 DM) \u00fcber die Ladentheke ging<a href=\"https:\/\/www.die-glocke.de\/regionales\/artikel\/taschenrechner-verwendung-wird-glaubensfrage-1623856508\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Bereits 1974 gab es erste Ger\u00e4te f\u00fcr unter 100 DM<a href=\"https:\/\/www.hnf.de\/das-hnf\/presse\/pressemitteilungen\/ansicht\/artikel\/erfindung-aus-versehen-50-jahre-taschenrechner.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Preise fielen rasant, und der Taschenrechner begann seinen Siegeszug \u2013 zun\u00e4chst in Ingenieurb\u00fcros und Forschungslaboren, dann in den Klassenzimmern und Kinderzimmern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die gro\u00dfe Bildungsdebatte: Segen oder Fluch?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fl\u00e4chendeckende Einf\u00fchrung des Taschenrechners in den Schulen ab Mitte der 1970er-Jahre war kein reibungsloser Prozess, sondern ein erbitterter Glaubenskrieg, der die Gesellschaft in zwei Lager spaltete. Viele P\u00e4dagogen f\u00fcrchteten, die neue Technologie werde das Kopfrechnen und das grundlegende Zahlenverst\u00e4ndnis verk\u00fcmmern lassen. In den USA eskalierte die Debatte 1986, als der Bundesstaat Connecticut Taschenrechner erstmals bei staatlichen Tests zulie\u00df \u2013 der National Council of Teachers of Mathematics erlebte Proteste von Lehrenden, die argumentierten, dass der Einsatz von Taschenrechnern die traditionellen Rechenf\u00e4higkeiten schw\u00e4chen w\u00fcrde<a href=\"https:\/\/www.infobz.it\/der-taschenrechner-zwischen-revolution-und-skepsis\/#wp--skip-link--target\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland wurde ebenso kontrovers diskutiert. Zwischen 1976 und 1978 erlaubten die meisten Bundesl\u00e4nder den Taschenrechner im Mathematikunterricht \u2013 ein Kompromiss zwischen dem Erhalt von Grundfertigkeiten und der Nutzung technischer Unterst\u00fctzung<a href=\"https:\/\/www.infobz.it\/der-taschenrechner-zwischen-revolution-und-skepsis\/#wp--skip-link--target\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Fronten verliefen nicht immer eindeutig. Kritiker wie der Mathematiklehrer Karl Menninger wetterten bereits 1961 prophetisch: &#8222;Das Maschinenrechnen l\u00e4sst das eigene Rechnen und damit den Zahlensinn verk\u00fcmmern wie das Auto die Beine&#8220;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/computeralgebrasysteme-streit-um-cas-mathematik-computer-a-894547.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Bef\u00fcrworter hingegen sahen im Taschenrechner ein Werkzeug, das Sch\u00fcler von der Last m\u00fchseliger Rechenarbeit befreite und Raum f\u00fcr h\u00f6here mathematische Konzepte schuf<a href=\"https:\/\/www.infobz.it\/der-taschenrechner-zwischen-revolution-und-skepsis\/#wp--skip-link--target\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Studien zeigen, dass die Integration der Technologie zwar die Unterrichtsstile ver\u00e4ndert, die gr\u00f6\u00dfte Wirkung aber letztlich von den Lehrenden selbst ausgeht<a href=\"https:\/\/www.infobz.it\/der-taschenrechner-zwischen-revolution-und-skepsis\/#wp--skip-link--target\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Am Ende setzte sich der Taschenrechner durch, und die Debatte ebbte ab \u2013 um nur wenige Jahre sp\u00e4ter mit dem Aufkommen grafikf\u00e4higer und symbolrechnender Ger\u00e4te in neuer Sch\u00e4rfe zu entflammen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von Grafikern und Computeralgebra: Der Kampf um den Rechenweg<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Taschenrechner blieb kein einfaches Werkzeug f\u00fcr die vier Grundrechenarten. Mit der Zeit entwickelte er sich zu einem immer m\u00e4chtigeren Rechner.&nbsp;<strong>Grafikf\u00e4hige Taschenrechner (GTR)<\/strong>&nbsp;erm\u00f6glichten die Darstellung von Funktionsgraphen und Diagrammen<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Graphikf%C3%A4higer_Taschenrechner\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Noch einen Schritt weiter gingen&nbsp;<strong>symbolisch-grafische Taschenrechner (SGTR)<\/strong>&nbsp;oder&nbsp;<strong>Taschencomputer mit Computeralgebrasystem (CAS)<\/strong>&nbsp;. Diese Ger\u00e4te beherrschen nicht nur numerische N\u00e4herungen, sondern k\u00f6nnen Gleichungen symbolisch umstellen, ableiten und exakte Bruchrechnung durchf\u00fchren<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Graphikf%C3%A4higer_Taschenrechner\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Eingabe von 4\/27 + 92\/8 quittiert ein solcher Rechner mit dem exakten Ergebnis 2219\/216<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/computeralgebrasysteme-streit-um-cas-mathematik-computer-a-894547.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entwicklung entfachte ab etwa 1995 eine neue Kontroverse, die in ihrer Sch\u00e4rfe an die urspr\u00fcngliche Taschenrechner-Debatte erinnerte, nur auf einem h\u00f6heren Niveau. In mehreren deutschen Bundesl\u00e4ndern, darunter Sachsen, Th\u00fcringen und Niedersachsen, sind solche CAS-Rechner f\u00fcr Abiturienten inzwischen Pflicht<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/computeralgebrasysteme-streit-um-cas-mathematik-computer-a-894547.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Kritiker wie der Stuttgarter Mathematikprofessor Timo Weidl beklagen, dass viele Studienanf\u00e4nger nicht einmal mehr einfache Funktionen h\u00e4ndisch ableiten k\u00f6nnten. &#8222;Unsere Studienanf\u00e4nger scheitern nie, weil sie nicht mit dem CAS-Rechner umgehen k\u00f6nnen&#8220;, so Weidl, &#8222;die Probleme seien viel elementarer \u2013 es mangele am Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Dreisatz oder die Prozentrechnung&#8220;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/computeralgebrasysteme-streit-um-cas-mathematik-computer-a-894547.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Bef\u00fcrworter wie die Freiburger Didaktikprofessorin B\u00e4rbel Barzel sehen darin hingegen ein unverzichtbares Werkzeug f\u00fcr einen modernen, explorativen Mathematikunterricht, der zum spielerischen Erkunden einl\u00e4dt<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/computeralgebrasysteme-streit-um-cas-mathematik-computer-a-894547.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Diskussion zeigt ein immer wiederkehrendes Muster: Neue Technologien werden zun\u00e4chst als Bedrohung f\u00fcr grundlegende F\u00e4higkeiten wahrgenommen. Der Taschenrechner war der erste Vorbote dieser Entwicklung, gefolgt vom PC und nun von der K\u00fcnstlichen Intelligenz. Die Frage, ob und wie solche Werkzeuge den Lernprozess ver\u00e4ndern, bleibt hochaktuell.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Smartphone als Totengr\u00e4ber?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4testens seitdem jedes Smartwerk \u00fcber eine integrierte Rechner-App verf\u00fcgt, stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung des dedizierten Hardware-Taschenrechners. F\u00fcr den einfachen Alltagsgebrauch \u2013 das schnelle Berechnen eines Trinkgelds oder das Aufteilen einer Restaurantrechnung \u2013 hat das Smartphone den klassischen Taschenrechner l\u00e4ngst abgel\u00f6st. Die Rechner-Apps sind nicht mehr nur simple Tastaturemulationen. Moderne Apps wie &#8222;Photomath&#8220; oder &#8222;Rechner +&#8220; bieten erweiterte Funktionen, zeigen den Rechenweg an und k\u00f6nnen sogar handschriftliche oder abfotografierte Aufgabenstellungen erkennen und l\u00f6sen. Die neue Taschenrechner-App von iOS 18 zeigt den gesamten Rechenweg an, sodass Tippfehler vermieden werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und doch hat der dedizierte Taschenrechner \u00fcberlebt. In standardisierten Pr\u00fcfungen, etwa im Abitur oder im Ingenieurstudium, sind Smartphones aufgrund ihrer vielf\u00e4ltigen Kommunikations- und Ablenkungsm\u00f6glichkeiten meist verboten. Zugelassen werden nur gepr\u00fcfte, nicht netzwerkf\u00e4hige Ger\u00e4te \u2013 in der Regel hochwertige Grafik- oder CAS-Rechner, die f\u00fcr diesen Zweck optimiert sind. Sie bieten eine haptische, ablenkungsfreie Umgebung mit einer physischen Tastatur, die viele Profis nach wie vor sch\u00e4tzen. So existieren beide Welten parallel: das Allzweck-Smartphone f\u00fcr den schnellen Griff und der Spezialrechner f\u00fcr den Ernstfall von Pr\u00fcfung und Beruf.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00fcnstliche Intelligenz \u2013 der neue Taschenrechner?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuelle Entwicklung deutet darauf hin, dass der Taschenrechner als Metapher f\u00fcr den Einsatz von KI im Bildungsbereich dient. \u00c4hnlich wie der Taschenrechner die manuelle Rechenarbeit automatisierte, automatisieren KI-Assistenten zunehmend kognitive Prozesse beim Schreiben, Recherchieren oder Programmieren. In vielen Diskussionen wird KI bereits als der &#8222;Taschenrechner des Schreibens&#8220; bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chste Evolutionsstufe zeichnet sich bereits ab: die Integration von KI in den Taschenrechner selbst. Ein YouTuber hat k\u00fcrzlich einen grafikf\u00e4higen TI-84-Rechner mit dem Internet verbunden, um ChatGPT darauf aufzurufen \u2013 ein ultimatives &#8222;Spickger\u00e4t&#8220; f\u00fcr die n\u00e4chste Generation<a href=\"https:\/\/www.computerbild.de\/artikel\/cb-News-Internet-YouTube-Tueftler-holt-KI-auf-Taschenrechner-fuer-Schueler-38964209.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Gleichzeitig entstehen KI-gest\u00fctzte Rechner-Apps, die nicht nur Zahlen verarbeiten, sondern komplexe mathematische Probleme auf nat\u00fcrliche Spracheingabe hin l\u00f6sen oder via Kamerafoto erkennen k\u00f6nnen. Meta arbeitet an einem Sprachmodell, das eigenst\u00e4ndig einen Taschenrechner nutzen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Verschmelzung von Rechner und KI-Assistent wirft erneut die alten Fragen auf, nur potenziert: Wo h\u00f6rt die Unterst\u00fctzung auf, wo beginnt die kognitive Entm\u00fcndigung? Die Parallelen zur Taschenrechner-Debatte sind un\u00fcbersehbar. Damals ging es um das Erlernen des Einmaleins, heute um das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Aufbau eines Textes oder die Struktur eines Algorithmus. Die historische Lehre ist eindeutig: Verbote sind zwecklos. Die Kunst liegt darin, die neue Technologie didaktisch sinnvoll zu integrieren \u2013 als Werkzeug, das den Kopf nicht ersetzt, sondern ihn f\u00fcr H\u00f6heres befreit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Taschenrechner hat in nur einem halben Jahrhundert einen erstaunlichen Wandel durchgemacht: vom Luxusgut f\u00fcr Ingenieure zum ubiquit\u00e4ren Alltagshelfer, vom ausl\u00f6senden Moment einer Bildungskontroverse zum selbstverst\u00e4ndlichen Werkzeug. Er ist mehr als nur eine Maschine zum Zahlenauswerfen. Er ist ein Spiegel unserer Beziehung zur Technologie \u2013 voller Hoffnung auf Effizienz und tiefer Angst vor dem Verlust eigener F\u00e4higkeiten. Jede neue Generation von Rechnern, vom grafikf\u00e4higen GTR \u00fcber das CAS-System bis hin zur KI-gest\u00fctzten App, hat diese Debatte neu entfacht. Der Taschenrechner war der Vorbote f\u00fcr die sp\u00e4teren Erfolgsgeschichten von Personal Computer und Mobiltelefon und nahm die Diskussion um Sinn und Unsinn elektronischer Hilfsmittel bereits vorweg<a href=\"https:\/\/www.hnf.de\/das-hnf\/presse\/pressemitteilungen\/ansicht\/artikel\/erfindung-aus-versehen-50-jahre-taschenrechner.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Zukunft wird die Hardware des klassischen Taschenrechners weiter an Bedeutung verlieren. Seine Funktionen werden in nahezu jedem digitalen Ger\u00e4t verf\u00fcgbar sein. Die eigentliche Herausforderung wird nicht technischer, sondern p\u00e4dagogischer und ethischer Natur sein: Wie vermitteln wir grundlegende mathematische und logische Konzepte in einer Welt, in der jede Rechnung und fast jeder L\u00f6sungsweg nur noch eine Sprachabfrage entfernt ist? Die Antwort liegt vielleicht in der Geschichte selbst. Die Einf\u00fchrung des Taschenrechners hat die Mathematik nicht obsolet gemacht, sondern sie auf eine h\u00f6here konzeptionelle Ebene gehoben. So k\u00f6nnte es auch mit der KI sein: nicht als Ersatz f\u00fcr das Denken, sondern als Katalysator f\u00fcr ein tieferes, kreativeres Verst\u00e4ndnis der Welt, die wir mit Zahlen und Logik beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wikipedia<\/strong>: Taschenrechner. (Version vom 26. Februar 2023).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wikipedia<\/strong>: Grafikf\u00e4higer Taschenrechner.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wikipedia<\/strong>: Curta.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Heinz Nixdorf MuseumsForum<\/strong>: &#8222;Erfindung aus Versehen: 50 Jahre Taschenrechner&#8220;. Pressemitteilung vom 20. M\u00e4rz 2017.<\/li>\n\n\n\n<li><strong><a href=\"https:\/\/infobz.it\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">infobz.it<\/a><\/strong>: &#8222;Der Taschenrechner: Zwischen Revolution und Skepsis&#8220;. 30. September 2025.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Der Spiegel<\/strong>: &#8222;CAS-Rechner im Mathe-Unterricht: Glaubenskrieg um die Mini-Genies&#8220;. 17. April 2013.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Computer Bild<\/strong>: &#8222;YouTube-T\u00fcftler holt f\u00fcr Sch\u00fcler und Studierende KI auf den Taschenrechner&#8220;. 23. September 2024.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Glocke<\/strong>: &#8222;Taschenrechner: Verwendung wird Glaubensfrage&#8220;. 28. M\u00e4rz 2017.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>HNF Blog<\/strong>: &#8222;Die Curta \u2013 der erste Taschenrechner&#8220;. 29. Oktober 2024.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Es ist nur ein flaches, oft unscheinbares Kunststoffgeh\u00e4use mit einer Handvoll Tasten. Auf dem Schreibtisch eines Ingenieurs mag es verstauben, in der Federmappe eines Sch\u00fclers steckt es griffbereit, und auf dem Smartphone ist es nur noch eine von Hunderten Apps. Der Taschenrechner ist zum allt\u00e4glichen, fast unsichtbaren Begleiter geworden. 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