{"id":3401,"date":"2026-05-07T12:19:47","date_gmt":"2026-05-07T10:19:47","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=3401"},"modified":"2026-05-07T12:19:47","modified_gmt":"2026-05-07T10:19:47","slug":"die-welt-der-ernahrungsmuster-von-sakular-bis-religios-von-westlich-bis-indigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-welt-der-ernahrungsmuster-von-sakular-bis-religios-von-westlich-bis-indigen\/","title":{"rendered":"Die Welt der Ern\u00e4hrungsmuster: Von s\u00e4kular bis religi\u00f6s, von westlich bis indigen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was wir essen, ist nie nur Nahrungsaufnahme. Es ist Kultur, Ethik, Religion, Tradition, Gesundheit \u2013 und manchmal auch Politik. W\u00e4hrend der eine Mensch sein Steak mit Genuss verspeist, lehnt der andere nicht nur Fleisch, sondern selbst Zwiebeln und Knoblauch aus spirituellen Gr\u00fcnden ab. Die Bandbreite der Ern\u00e4hrungsmuster weltweit ist enorm \u2013 und sie w\u00e4chst. Dieser Artikel bietet eine umfassende, differenzierte und quellenbasierte \u00dcbersicht \u00fcber die wichtigsten Ern\u00e4hrungsweisen, von s\u00e4kularen Trends \u00fcber religi\u00f6se Gebote bis zu indigenen Traditionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziel ist es, nicht nur aufzuz\u00e4hlen, sondern Hintergr\u00fcnde, historische Entwicklungen, aktuelle Kontroversen und zuk\u00fcnftige Implikationen zu beleuchten. Denn wer Ern\u00e4hrung verstehen will, muss verstehen, warum Menschen essen, was sie essen \u2013 oder auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hauptteil<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. S\u00e4kulare Ern\u00e4hrungsmuster: Der westliche Kanon<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die moderne westliche Welt hat eine Reihe von Ern\u00e4hrungsweisen hervorgebracht, die oft auf individueller ethischer \u00dcberzeugung, Gesundheitsbewusstsein oder Umweltbedenken beruhen. Sie sind nicht religi\u00f6s gebunden, k\u00f6nnen aber durchaus quasi-religi\u00f6se Z\u00fcge annehmen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">1.1 Die Mischkost (Omnivor)<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Standardern\u00e4hrung in Industrienationen: Es gibt keine Verbote. Gegessen wird, was schmeckt, verf\u00fcgbar ist oder erschwinglich. Historisch ist der Mensch ein Allesfresser \u2013 eine Anpassung, die uns weltweit \u00fcberleben lie\u00df. Kontrovers diskutiert wird heute vor allem die Massentierhaltung, nicht die Mischkost an sich.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">1.2 Flexitarismus, Pescetarismus, Vegetarismus<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Stufen der Fleischreduktion sind mittlerweile Mainstream. Der Flexitarier isst bewusst wenig Fleisch, der Pescetarier verzichtet auf Landtiere, der klassische Ovo-Lakto-Vegetarier auf Fleisch und Fisch. Die Motive reichen von Klimaschutz (Tierhaltung verursacht ca. 14,5 % der globalen Treibhausgase, FAO 2013) bis zu Tierwohl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine aktuelle Kontroverse: Ist Pescetarismus \u00fcberhaupt vegetarisch? Nein, denn Fische sind Tiere. Die Bezeichnung \u201eFisch-Vegetarier\u201c ist biologisch unsinnig, wird aber umgangssprachlich toleriert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">1.3 Veganismus<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Veganismus lehnt jede Nutzung tierischer Produkte ab \u2013 nicht nur in der Ern\u00e4hrung (Fleisch, Fisch, Milch, Eier, Honig), sondern oft auch bei Kleidung, Kosmetik etc. Die Zahl der Veganer in Deutschland stieg laut Allensbacher Marktanalyse von 0,5 % (2016) auf ca. 1,5 % (2022). Kritiker weisen auf m\u00f6gliche N\u00e4hrstoffm\u00e4ngel (B12, Eisen, Calcium, Jod, Omega-3) hin. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung (DGE) h\u00e4lt eine vegane Ern\u00e4hrung in allen Lebensphasen f\u00fcr \u201enicht ohne Weiteres\u201c empfehlenswert \u2013 eine Formulierung, die kontrovers ist. Die Academy of Nutrition and Dietetics (USA) sieht sie dagegen als gesund und ausreichend an, wenn sie gut geplant ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">1.4 Rohkost-Veganismus und Frutarismus<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Extreme Spielarten: Rohveganer essen nichts \u00fcber 48\u00b0C Erhitztes, Frutarier nur Fr\u00fcchte und N\u00fcsse, f\u00fcr die die Pflanze nicht sterben muss. Beide Formen sind medizinisch riskant (Mangelern\u00e4hrung) und extrem selten. Der Frutarismus ist ethisch inkonsistent, da auch Fr\u00fcchte \u201eLeben\u201c haben \u2013 eine Schw\u00e4che der Argumentation.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Religi\u00f6s motivierte Ern\u00e4hrungsweisen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Religi\u00f6se Speisegesetze sind oft \u00e4lter als moderne Hygienekonzepte und haben bis heute Bestand. Sie verbinden Glaube, Identit\u00e4t und Alltagspraxis.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2.1 Koscher (Kaschrut) \u2013 j\u00fcdisch<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Tora (3. Mose 11) und der Talmud definieren erlaubte (koschere) und verbotene Tiere. Erlaubt sind Wiederk\u00e4uer mit gespaltenen Hufen (Rind, Schaf, Ziege, Hirsch), Gefl\u00fcgel (Huhn, Pute) und Fische mit Schuppen und Flossen. Verboten: Schwein, Kamel, Hase, Raubv\u00f6gel, Schalentiere (Krabben, Muscheln, Hummer). Zentral ist das Verbot, Fleisch und Milch zu mischen \u2013 daher separate Geschirrsets, K\u00fchlschrankf\u00e4cher und Wartezeiten zwischen Fleisch- und Milchmahlzeiten (je nach Tradition 1\u20136 Stunden). Blut muss durch Salzen oder R\u00f6sten entfernt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine aktuelle Debatte: Ist pflanzliche \u201eMilch\u201c (Soja, Hafer) erlaubt? Die Orthodoxie sagt ja, da sie nicht von Tieren stammt, aber man darf sie nicht zusammen mit Fleisch servieren, um Verwechslungen zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2.2 Halal \u2013 islamisch<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Koran (Sure 2, Vers 173) verbietet Schwein, Blut, nicht nach islamischer Art gesch\u00e4chtetes Fleisch und Alkohol. Erlaubt (halal) sind Tiere, die ein Muslim mit der Basmala (\u201eIm Namen Gottes\u201c) schlachtet. Fische und Meeresfr\u00fcchte sind meist erlaubt, mit Unterschieden zwischen den Rechtsschulen (Hanafiten schr\u00e4nken Meeresfr\u00fcchte ein). Im Gegensatz zum Koscher-Gesetz gibt es bei Halal kein generelles Milch-Fleisch-Trennungsgebot, aber der Verzehr von Schweinefleisch ist absolut tabu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kontroversen: Bet\u00e4ubung vor der Schlachtung? Viele muslimische L\u00e4nder erlauben elektrische Bet\u00e4ubung, wenn sie nicht t\u00f6dlich ist; orthodoxe Str\u00f6mungen lehnen jede Bet\u00e4ubung ab. Die EU verlangt Bet\u00e4ubung, erlaubt Ausnahmen f\u00fcr religi\u00f6se Schlachtungen \u2013 ein ethischer Zielkonflikt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2.3 Hinduistische Ern\u00e4hrung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hinduismus ist keine einheitliche Lehre. Das Prinzip der Ahimsa (Gewaltlosigkeit) f\u00fchrt bei den meisten Hindus zum Verzicht auf Rindfleisch (die Kuh gilt als heilig). Viele Hindus sind lakto-vegetarisch: Sie essen Milchprodukte (Ghee, Joghurt, Paneer), aber keine Eier (da potenzielles Leben). In K\u00fcstenregionen wird oft Fisch gegessen, in Nordindien \u00fcberwiegend vegetarisch. Einige orthodoxe Richtungen (Vaishnavas, Jains) meiden auch Zwiebeln und Knoblauch, da sie als \u201erajasisch\u201c (aufregend) gelten \u2013 eine faszinierende Parallele zum buddhistischen Verbot.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2.4 Jainistische Ern\u00e4hrung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die strengste Form der Ahimsa. Jains vermeiden nicht nur Fleisch, sondern alle Wurzelgem\u00fcse (Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Knoblauch), weil beim Ernten die ganze Pflanze stirbt und Mikroorganismen im Boden verletzt werden. Auch Honig ist verboten (den Bienen wird er weggenommen), Feigen sind tabu (Insekten leben darin). Manche Jains tragen Mundschutz, um keine Insekten einzuatmen. Diese extreme Konsequenz ist ethisch beeindruckend, aber praktisch kaum umsetzbar.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2.5 Buddhistische Ern\u00e4hrung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mahayana-Buddhismus (China, Vietnam, Korea, Japan) wird in Kl\u00f6stern streng vegan gegessen \u2013 zus\u00e4tzlich ohne die \u201ef\u00fcnf scharfen Pflanzen\u201c (Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch, Schalotten), da sie die Meditation st\u00f6ren sollen. Im Theravada-Buddhismus (Thailand, Sri Lanka) betteln M\u00f6nche und essen, was gespendet wird \u2013 auch Fleisch, sofern das Tier nicht f\u00fcr sie get\u00f6tet wurde. Diese pragmatische Haltung steht im Gegensatz zur strikten ostasiatischen Linie.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2.6 Weitere religi\u00f6se Muster<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Orthodox-christliches Fasten:<\/strong>\u00a0W\u00e4hrend der Gro\u00dfen Fastenzeit (vor Ostern) und anderen Fastenzeiten wird auf Fleisch, Milchprodukte, Eier und oft auch Fisch mit Wirbels\u00e4ule verzichtet. Meeresfr\u00fcchte (\u201eblutlos\u201c) sind erlaubt. An manchen Tagen auch kein \u00d6l und kein Wein.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Adventisten (Seventh-day Adventist):<\/strong>\u00a0Empfehlen eine ovo-lakto-vegetarische oder vegane Ern\u00e4hrung, verzichten auf Schweinefleisch (alttestamentlich) und oft auf Alkohol und Koffein. Die Adventisten betreiben die gr\u00f6\u00dfte Gesundheitsstudie zur pflanzlichen Ern\u00e4hrung (Adventist Health Study).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Kulturelle und regionale Muster (nicht religi\u00f6s)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Muster sind keine Gebote, aber pr\u00e4gen die Ern\u00e4hrung ganzer Regionen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.1 Mittelmeerkost<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine Verbote, aber eine traditionelle Zusammensetzung: viel Oliven\u00f6l, Gem\u00fcse, H\u00fclsenfr\u00fcchte, Fisch, wenig rotes Fleisch, m\u00e4\u00dfig Wein. Die sogenannte \u201eMittelmeerdi\u00e4t\u201c gilt als besonders herzgesund (Lyon Heart Study, 1999). Allerdings wird sie heute oft romantisiert \u2013 die urspr\u00fcngliche kretische Ern\u00e4hrung war extrem fettarm und karg, nicht das Tapas-Buffet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.2 Traditionelle asiatische Reis-Gem\u00fcse-Di\u00e4t<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In China, Japan, Korea stand historisch Reis im Zentrum, erg\u00e4nzt durch fermentiertes Gem\u00fcse (Kimchi, Tsukemono), Sojaprodukte (Tofu, Tempeh, Natto) und kleine Mengen Fisch oder Fleisch. Erst mit dem Wirtschaftswachstum stieg der Fleischkonsum dramatisch \u2013 in China von 4 kg pro Kopf (1960) auf \u00fcber 60 kg (2020). Diese Entwicklung zeigt, wie kulturelle Muster durch Wohlstand und Globalisierung verdr\u00e4ngt werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.3 Indigene Ern\u00e4hrungsweisen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ern\u00e4hrung indigener V\u00f6lker ist extrem an die Umgebung angepasst. Beispiele:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Gruppe<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Region<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Hauptnahrungsmittel<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Besonderheit<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Inuit<\/td><td>Arktis (Gr\u00f6nland, Kanada, Alaska)<\/td><td>Robbe, Wal, Fisch, Rentier<\/td><td>Keine pflanzliche Nahrung im Winter; hohe Fettzufuhr<\/td><\/tr><tr><td>Massai<\/td><td>Ostafrika (Kenia, Tansania)<\/td><td>Rindfleisch, Milch, Blut<\/td><td>Fast reine Tierprodukte; dennoch geringe Herz-Kreislauf-Erkrankungen (umstritten)<\/td><\/tr><tr><td>Yanomami<\/td><td>Amazonas (Brasilien, Venezuela)<\/td><td>Maniok, Bananen, Insekten, Fisch, Affenfleisch<\/td><td>Jagd und Sammeln, keine Milchwirtschaft<\/td><\/tr><tr><td>Aborigines<\/td><td>Australien<\/td><td>Buschfleisch (K\u00e4nguru, Emu), Insekten (Witchetty-Maden), Samen, Fr\u00fcchte<\/td><td>Traditionelle \u201eBusch-Tucker\u201c-Ern\u00e4hrung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle indigenen Muster sind durch Landraub, Klimawandel und westliche Ern\u00e4hrung bedroht \u2013 viele leiden heute unter Diabetes und Fettleibigkeit nach Umstellung auf industrielle Kost.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Tabellarische Gesamt\u00fcbersicht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende Tabelle fasst alle genannten Muster zusammen (s\u00e4kulare und religi\u00f6se\/kulturelle):<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Name<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Typ<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Tierische Produkte erlaubt?<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Besondere Verbote<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Mischkost<\/td><td>s\u00e4kular<\/td><td>alle<\/td><td>keine<\/td><\/tr><tr><td>Flexitarier<\/td><td>s\u00e4kular<\/td><td>Fleisch\/Fisch reduziert<\/td><td>keine strikten<\/td><\/tr><tr><td>Pescetarier<\/td><td>s\u00e4kular<\/td><td>Fisch, Eier, Milch<\/td><td>Landfleisch<\/td><\/tr><tr><td>Ovo-Lakto-Vegetarier<\/td><td>s\u00e4kular<\/td><td>Eier, Milch<\/td><td>Fleisch, Fisch<\/td><\/tr><tr><td>Lakto-Vegetarier<\/td><td>s\u00e4kular\/religi\u00f6s<\/td><td>Milch<\/td><td>Fleisch, Fisch, Eier<\/td><\/tr><tr><td>Ovo-Vegetarier<\/td><td>s\u00e4kular<\/td><td>Eier<\/td><td>Fleisch, Fisch, Milch<\/td><\/tr><tr><td>Vegan<\/td><td>s\u00e4kular\/ethisch<\/td><td>keine<\/td><td>alle tierischen<\/td><\/tr><tr><td>Rohvegan<\/td><td>s\u00e4kular<\/td><td>keine (roh)<\/td><td>tierisch + Erhitzung<\/td><\/tr><tr><td>Frutar<\/td><td>s\u00e4kular\/spirituell<\/td><td>keine<\/td><td>Wurzeln, Bl\u00e4tter, Getreide<\/td><\/tr><tr><td>Koscher<\/td><td>religi\u00f6s (j\u00fcdisch)<\/td><td>bestimmte Landtiere, Fische<\/td><td>Schwein, Schalentiere, Fleisch+Milch<\/td><\/tr><tr><td>Halal<\/td><td>religi\u00f6s (islamisch)<\/td><td>bestimmte gesch\u00e4chtete Tiere, Fische<\/td><td>Schwein, Blut, Alkohol<\/td><\/tr><tr><td>Hinduistisch<\/td><td>religi\u00f6s\/kulturell<\/td><td>meist Milch, oft keine Eier<\/td><td>Rind (heilig), oft auch Schwein\/Huhn<\/td><\/tr><tr><td>Jainistisch<\/td><td>religi\u00f6s<\/td><td>keine (lakto-vegetarisch oft)<\/td><td>Wurzelgem\u00fcse, Honig, Feigen<\/td><\/tr><tr><td>Buddhistisch (ostasiatisch)<\/td><td>religi\u00f6s<\/td><td>meist vegan<\/td><td>Fleisch, Fisch, Eier, Milch, scharfe Pflanzen<\/td><\/tr><tr><td>Orthodoxes Fasten<\/td><td>religi\u00f6s (zeitweise)<\/td><td>an Fastentagen: pflanzlich + Meeresfr\u00fcchte<\/td><td>Fleisch, Milch, Eier, Fisch mit Gr\u00e4ten<\/td><\/tr><tr><td>Adventisten<\/td><td>religi\u00f6s<\/td><td>empfohlen ovo-lakto-vegetarisch<\/td><td>Schwein, Alkohol, Koffein<\/td><\/tr><tr><td>Mittelmeerkost<\/td><td>kulturell<\/td><td>Fisch, wenig rotes Fleisch<\/td><td>keine, aber wenig rotes Fleisch<\/td><\/tr><tr><td>Asiatische Reis-Di\u00e4t<\/td><td>kulturell<\/td><td>wenig Fisch, selten Fleisch<\/td><td>keine, aber historisch geringer Fleischanteil<\/td><\/tr><tr><td>Indigene (Inuit, Massai etc.)<\/td><td>kulturell<\/td><td>je nach Region: Fleisch\/Fisch pur<\/td><td>oft keine Pflanzen (Inuit) oder keine Milch (Yanomami)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vielfalt der Ern\u00e4hrungsmuster ist beeindruckend \u2013 und verwirrend. Was f\u00fcr den einen heilig ist (die Kuh), ist f\u00fcr den anderen Nahrung. Was f\u00fcr den einen gesund ist (Mittelmeerdi\u00e4t), ist f\u00fcr den anderen unerreichbar (Inuit). Diese Liste zeigt, dass es keine \u201erichtige\u201c oder \u201enat\u00fcrliche\u201c Ern\u00e4hrung gibt, sondern nur kulturell, religi\u00f6s, ethisch und \u00f6kologisch situierte Praktiken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei aktuelle Entwicklungen sind besonders beachtenswert:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Konvergenz durch Globalisierung:<\/strong>\u00a0Immer mehr Menschen ern\u00e4hren sich westlich-mischk\u00f6stlich \u2013 mit negativen Folgen f\u00fcr Gesundheit (Adipositas, Diabetes) und Umwelt (Tierhaltung, Regenwaldrodung f\u00fcr Soja). Gleichzeitig breiten sich vegetarische und vegane Trends in alle Welt aus.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Religi\u00f6se Adaption:<\/strong>\u00a0Koscher-vegane Produkte, halal-zertifizierte Pflanzenmilch \u2013 die Grenzen verschwimmen. Immer mehr Firmen bieten Produkte an, die mehrere religi\u00f6se und s\u00e4kulare Anforderungen gleichzeitig erf\u00fcllen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Klimawandel als Ern\u00e4hrungstreiber:<\/strong>\u00a0Die Diskussion um CO2-Fu\u00dfabdr\u00fccke von Lebensmitteln f\u00fchrt zu einer neuen, nicht-religi\u00f6sen Ethik: Was darf ich essen, wenn ich den Planeten retten will? Das k\u00f6nnte langfristig m\u00e4chtiger werden als alle religi\u00f6sen Gebote.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine ungel\u00f6ste Kontroverse bleibt: Darf man \u00fcberhaupt andere Menschen nach ihrer Ern\u00e4hrung beurteilen? Der Veganer, der den Fleischesser verurteilt, \u00fcbersieht oft, dass sein Avocado-Import Wasserraub in Chile bedeutet. Der Fleischesser, der den Veganer f\u00fcr extremistisch h\u00e4lt, ignoriert die Tierqual in der Massentierhaltung. Ehrliche Differenzierung tut not \u2013 ebenso wie Respekt vor den unterschiedlichen Gr\u00fcnden, die Menschen an den Tisch f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Zukunft werden hybride, personalisierte Ern\u00e4hrungsmuster zunehmen: Ein Muslim, der vegan lebt, ein Hindu, der gelegentlich Fisch isst, ein Flexitarier mit koscherer H\u00fchnerhaltung. Die Kategorien in dieser Liste sind idealtypisch \u2013 die Wirklichkeit ist bunter.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>FAO (2013):\u00a0<em>Tackling climate change through livestock<\/em>. Rom: Food and Agriculture Organization.<\/li>\n\n\n\n<li>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung (DGE) (2020):\u00a0<em>Vegane Ern\u00e4hrung \u2013 Stellungnahme<\/em>. Bonn.<\/li>\n\n\n\n<li>Melina, V., Craig, W., &amp; Levin, S. (2016): Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: Vegetarian Diets.\u00a0<em>Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics<\/em>, 116(12), 1970-1980.<\/li>\n\n\n\n<li>Fraser, G. E. (2009): Vegetarian diets: what do we know of their effects on common chronic diseases?\u00a0<em>American Journal of Clinical Nutrition<\/em>, 89(5), 1607S-1612S. (Adventist Health Study)<\/li>\n\n\n\n<li>Tora (3. Mose 11) \u2013 j\u00fcdische Speisegesetze.<\/li>\n\n\n\n<li>Koran (Sure 2, Vers 173; Sure 5, Vers 3) \u2013 Halal-Verbote.<\/li>\n\n\n\n<li>Dundas, P. (2002):\u00a0<em>The Jains<\/em>. London: Routledge.<\/li>\n\n\n\n<li>Katz, D. L., &amp; Meller, S. (2014): Can we say what diet is best for health?\u00a0<em>Annual Review of Public Health<\/em>, 35, 83-103. (Mittelmeerdi\u00e4t)<\/li>\n\n\n\n<li>Kuhnlein, H. V., &amp; Receveur, O. (1996): Dietary change and traditional food systems of indigenous peoples.\u00a0<em>Annual Review of Nutrition<\/em>, 16, 417-442.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Was wir essen, ist nie nur Nahrungsaufnahme. Es ist Kultur, Ethik, Religion, Tradition, Gesundheit \u2013 und manchmal auch Politik. W\u00e4hrend der eine Mensch sein Steak mit Genuss verspeist, lehnt der andere nicht nur Fleisch, sondern selbst Zwiebeln und Knoblauch aus spirituellen Gr\u00fcnden ab. 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