{"id":3547,"date":"2026-07-15T11:00:00","date_gmt":"2026-07-15T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=3547"},"modified":"2026-07-16T03:13:05","modified_gmt":"2026-07-16T03:13:05","slug":"die-pertrix-heizbatterie-konstruktion-chemie-und-betrieb-einer-vergessenen-energiequelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-pertrix-heizbatterie-konstruktion-chemie-und-betrieb-einer-vergessenen-energiequelle\/","title":{"rendered":"Die Pertrix Heizbatterie: Konstruktion, Chemie und Betrieb einer vergessenen Energiequelle"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor das Wechselstromnetz fl\u00e4chendeckend verf\u00fcgbar war, existierte eine faszinierende Unterteilung der Energieversorgung f\u00fcr Elektronik: getrennte Batterien f\u00fcr Heiz- und Anodenspannung. Die Pertrix Heizbatterie war dabei das Herzst\u00fcck jeder batteriebetriebenen R\u00f6hre \u2013 sie versorgte den Gl\u00fchfaden, jenes Bauteil, das die Kathode auf Betriebstemperatur brachte, ohne die keine Elektronenemission m\u00f6glich war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel analysiert die Pertrix Heizbatterie als technisches System: ihre elektrochemische Konstruktion, die Besonderheiten der Niederspannungs-Trockenbatterie, die Herausforderungen im Betrieb mit R\u00f6hrenheizkreisen und die praktischen Aspekte der Nachnutzung im heutigen Restaurator-Alltag.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Herausforderung: Hoher Strom bei niedriger Spannung<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anforderungsprofil<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Heizbatterie musste eine Eigenschaft erf\u00fcllen, die auf den ersten Blick trivial, technisch jedoch anspruchsvoll war: Sie musste&nbsp;<strong>\u00fcber viele Stunden einen konstanten, relativ hohen Strom bei sehr niedriger Spannung<\/strong>&nbsp;liefern. Typische Heizstr\u00f6me f\u00fcr damalige R\u00f6hren lagen zwischen 50 mA und 200 mA bei 1,5 V bis 4 V.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Vergleich: Eine moderne AA-Alkalibatterie liefert bei 1,5 V problemlos 200 mA. Die Herausforderung lag nicht in der Spitzenlast, sondern in der&nbsp;<strong>Langzeitstabilit\u00e4t<\/strong>&nbsp;und der&nbsp;<strong>Vermeidung von Spannungsabf\u00e4llen<\/strong>&nbsp;bei Dauerlast.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Kenngr\u00f6\u00dfe<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Wert (typisch f\u00fcr Pertrix 252)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Nennspannung<\/td><td>1,5 V<\/td><\/tr><tr><td>Entladestrom (Dauer)<\/td><td>100 &#8211; 150 mA<\/td><\/tr><tr><td>Kapazit\u00e4t<\/td><td>ca. 100 &#8211; 120 Ah (gesch\u00e4tzt)<\/td><\/tr><tr><td>Lebensdauer (garantiert)<\/td><td>750+ Betriebsstunden<\/td><\/tr><tr><td>Innenwiderstand (neu)<\/td><td>&lt; 0,5 \u03a9<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Problem der Polarisierung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zentrale technische Problem bei Niederspannungs-Trockenbatterien ist die&nbsp;<strong>Zellpolarisation<\/strong>. Bei konstanter Stromentnahme reichern sich Wasserstoffbl\u00e4schen an den Elektroden an \u2013 die effektive Elektrodenoberfl\u00e4che sinkt, der Innenwiderstand steigt, die Klemmenspannung bricht ein. Bei einer 1,5-V-Batterie ist dieser Effekt besonders kritisch: Ein Spannungsabfall von nur 0,3 V bedeutet bereits 20 % Leistungsverlust.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pertrix l\u00f6ste dieses Problem durch eine&nbsp;<strong>vergr\u00f6\u00dferte Elektrodenoberfl\u00e4che<\/strong>&nbsp;und eine spezielle&nbsp;<strong>Elektrolyt-Impr\u00e4gnierung<\/strong>&nbsp;der Separatorpapiere. Die genaue Zusammensetzung war Betriebsgeheimnis \u2013 vergleichbare Patente aus der \u00c4ra deuten auf Zus\u00e4tze von Bariumhydroxid oder Quecksilberoxid hin, die die Wasserstoff\u00fcberspannung erh\u00f6hten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die elektrochemische Konstruktion<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zellchemie: Das Leclanch\u00e9-System in Optimierung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pertrix Heizbatterien basierten auf dem&nbsp;<strong>Zink-Kohle-Prinzip<\/strong>&nbsp;(Leclanch\u00e9-Element), waren jedoch f\u00fcr Dauerlast optimiert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Anode (Minuspol):<\/strong>\u00a0Zinkbecher, der gleichzeitig das Zellgeh\u00e4use bildete<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kathode (Pluspol):<\/strong>\u00a0Mangandioxid (MnO\u2082) \u2013 Graphit-Gemisch, um den Braunstein herum gepresst<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Elektrolyt:<\/strong>\u00a0Ammoniumchlorid (NH\u2084Cl) oder Zinkchlorid (ZnCl\u2082) in Gelform, in eine St\u00e4rke- oder Mehlpaste eingebunden<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Separator:<\/strong>\u00a0Mehrlagig impr\u00e4gnierte Papier- oder Vliesstoffe<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Besonderheit der Pertrix-Zellen war die&nbsp;<strong>Vergr\u00f6\u00dferung der Phasengrenzfl\u00e4che<\/strong>&nbsp;zwischen Elektrolyt und Kathodenmasse. Normale Rundzellen hatten einen zentralen Kohlestab als Stromableiter. Pertrix verwendete bei Heizbatterien eine&nbsp;<strong>mehrfach gelochte Kathodenstruktur<\/strong>, die den Ionentransport verbesserte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Geh\u00e4use- und Kontaktdesign<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pertrix 252 f\u00fcr den Volksempf\u00e4nger VE 301 B2 hatte ein rechteckiges Geh\u00e4use aus&nbsp;<strong>Hartpappe mit Wachsimpr\u00e4gnierung<\/strong>&nbsp;\u2013 ein typisches Material der \u00c4ra, da Kunststoffe noch nicht weit verbreitet waren. Die elektrischen Kontakte waren als&nbsp;<strong>Messing-Nietkontakte<\/strong>&nbsp;oder gefederte&nbsp;<strong>Stahlblechfahnen<\/strong>&nbsp;ausgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein besonderes Konstruktionsmerkmal: Die Heizbatterie war als&nbsp;<strong>nicht wiederaufladbare Prim\u00e4rzelle<\/strong>&nbsp;konzipiert. Ein Nachladen war weder vorgesehen noch technisch m\u00f6glich \u2013 der Versuch h\u00e4tte aufgrund der irreversiblen Zersetzung der Kathodenmasse zur Zerst\u00f6rung der Zelle gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Betriebsverhalten und Entladecharakteristik<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Spannungsverlauf \u00fcber die Lebensdauer<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anders als eine moderne Alkali-Mangan-Batterie, die \u00fcber weite Strecken eine flache Entladekurve zeigt, fiel die Spannung einer Pertrix Heizbatterie&nbsp;<strong>kontinuierlich, aber gleichm\u00e4\u00dfig<\/strong>&nbsp;ab. Dies war f\u00fcr den Einsatz in R\u00f6hrenheizungen durchaus akzeptabel, da die Heizf\u00e4den einen gewissen Toleranzbereich hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine schematische Entladekurve (qualitativ, basierend auf zeitgen\u00f6ssischen Messberichten aus Funktechnischen Mitteilungen):<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Betriebsstunden<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Spannung unter Last (150 mA)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Zustand<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>0<\/td><td>1,58 V<\/td><td>Frisch<\/td><\/tr><tr><td>100<\/td><td>1,52 V<\/td><td>Gut<\/td><\/tr><tr><td>300<\/td><td>1,45 V<\/td><td>Normalbetrieb<\/td><\/tr><tr><td>500<\/td><td>1,38 V<\/td><td>Nachlassend<\/td><\/tr><tr><td>750<\/td><td>1,28 V<\/td><td>Ende der Garantie<\/td><\/tr><tr><td>900<\/td><td>1,15 V<\/td><td>Funkger\u00e4t arbeitet noch<\/td><\/tr><tr><td>1000+<\/td><td>&lt; 1,0 V<\/td><td>Austausch erforderlich<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Praktische Konsequenz:<\/strong>&nbsp;Radionutzer der 1930er Jahre konnten h\u00f6ren, wann die Batterie zur Neige ging \u2013 der Ton wurde leiser, bevor er ganz ausfiel.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Temperaturempfindlichkeit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein technisches Manko der Trockenbatterietechnik war die&nbsp;<strong>starke Temperaturempfindlichkeit<\/strong>. Bei Temperaturen unter 5 \u00b0C stieg der Innenwiderstand dramatisch an \u2013 die Spannung brach unter Last um bis zu 40 % ein. Pertrix gab in ihren Bedienungsanleitungen daher ausdr\u00fccklich die Empfehlung, Heizbatterien&nbsp;<strong>nicht in ungeheizten R\u00e4umen oder auf kalten Fensterb\u00e4nken<\/strong>&nbsp;zu betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant: Die Eigenerw\u00e4rmung der Batterie im Betrieb half bei niedrigen Temperaturen leicht \u2013 nach etwa 30 Minuten Betrieb stellte sich bei einer Umgebungstemperatur von 10 \u00b0C ein Gleichgewicht bei etwa 15\u201318 \u00b0C Zelltemperatur ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Integration in den Volksempf\u00e4nger VE 301 B2<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Heizkreis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der VE 301 B2 verwendete die R\u00f6hren RE 074 (HF-Vorstufe) und RE 084 (NF-Endstufe) mit einer gemeinsamen Heizspannung von&nbsp;<strong>4 Volt<\/strong>. Da die Pertrix Heizbatterie jedoch nur 1,5 V lieferte, wurden&nbsp;<strong>drei Zellen in Reihe<\/strong>&nbsp;geschaltet. Das Batteriefach im Ger\u00e4t war genau daf\u00fcr ausgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein technisches Detail, das viele heutige Restauratoren \u00fcberrascht: Der Heizkreis war&nbsp;<strong>nicht gegen Masse isoliert<\/strong>. Die Heizspannung lag auf dem gleichen Potential wie die Anodenspannung \u2013 das war konstruktiv m\u00f6glich, weil die R\u00f6hren indirekt geheizt waren (die Kathode war elektrisch vom Heizfaden getrennt).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fehlertoleranz und Robustheit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwickler hatten die Realit\u00e4t des batteriebetriebenen Rundfunks im Blick: Die Heizbatterie war ein Verschlei\u00dfteil. Daher waren die Heizkreise bewusst&nbsp;<strong>\u00fcberdimensioniert<\/strong>. Ein Absinken der Heizspannung auf 0,9 V pro Zelle (insgesamt 2,7 V statt 4 V) f\u00fchrte noch nicht zum Ausfall der R\u00f6hren \u2013 lediglich die Verst\u00e4rkung sank merklich ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist die&nbsp;<strong>Reihenschaltung von Verbrauchern<\/strong>: Da die drei Zellen in Reihe mit den R\u00f6hrenheizf\u00e4den lagen, war ein Zellenausfall fatal \u2013 die gesamte Kette war unterbrochen. Pertrix setzte daher auf eine besonders robuste Zellkontaktierung mit&nbsp;<strong>Schwei\u00dfverbindungen<\/strong>&nbsp;statt einfacher Federkontakte im Batterieinneren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Miniaturisierung: Pertrix 252 Miniatur und Pervox 247<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Aufkommen tragbarer Taschenradios in den 1950er Jahren begann eine Miniaturisierungswelle. Pertrix reagierte mit zwei bemerkenswerten Produkten:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pertrix 252 Miniatur (1958)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zelle war eine&nbsp;<strong>direkte Weiterentwicklung<\/strong>&nbsp;der gro\u00dfen 252, jedoch in kompakten Abmessungen von nur 27,5 x 50,5 x 14 mm. Technisch interessant ist der&nbsp;<strong>gestapelte Elektrodenaufbau<\/strong>&nbsp;\u2013 statt einer zylindrischen Wicklung verwendete Pertrix hier flache, \u00fcbereinanderliegende Elektrodenplatten, \u00e4hnlich einem Kondensator.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Eigenschaft<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Wert<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Abmessungen<\/td><td>27,5 x 50,5 x 14 mm<\/td><\/tr><tr><td>Gewicht<\/td><td>ca. 35 g<\/td><\/tr><tr><td>Kapazit\u00e4t<\/td><td>ca. 4 Ah<\/td><\/tr><tr><td>Typischer Heizstrom<\/td><td>50 mA<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pervox-Heizzelle 247 (1958)<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pervox 247 war mit 15,5 x 16,5 x 15,5 mm (etwa w\u00fcrfelf\u00f6rmig) die kleinste Heizbatterie im Pertrix-Portfolio. Ihr Name &#8222;Pervox&#8220; deutet auf eine&nbsp;<strong>modifizierte Elektrolytzusammensetzung<\/strong>&nbsp;hin \u2013 wahrscheinlich ein Peroxid-Zusatz, der die Sauerstoff\u00fcberspannung an der Kathode reduzierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Miniaturzellen waren f\u00fcr die neuen&nbsp;<strong>Subminitur-R\u00f6hren<\/strong>&nbsp;wie die DL 91 oder DF 91 konzipiert, die Heizstr\u00f6me von nur 25 bis 50 mA ben\u00f6tigten. Damit erreichte man Betriebszeiten von 80 bis 100 Stunden \u2013 ausreichend f\u00fcr einen tragbaren Reiseempf\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Restaurierung und Nachbau heute<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum Originale nicht mehr nutzbar sind<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Originale Pertrix Heizbatterien aus den 1930er bis 1950er Jahren sind heute&nbsp;<strong>elektrisch tot<\/strong>. Die Gr\u00fcnde:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Elektrolyttrocknung:<\/strong>\u00a0Die Gel-Paste kristallisiert \u00fcber Jahrzehnte aus<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zinkkorrosion:<\/strong>\u00a0Der Zinkbecher ist oft durchkorrodiert, Elektrolyt ausgetreten<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Passivierung:<\/strong>\u00a0Die Zinkoberfl\u00e4che bildet eine isolierende Oxidschicht<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Wiederbeleben durch Nachf\u00fcllen von Elektrolyt ist aus Sicherheitsgr\u00fcnden nicht zu empfehlen \u2013 die enthaltenen Chemikalien (Ammoniumchlorid, ggf. Quecksilberverbindungen) sind gesundheitssch\u00e4dlich.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachbau mit modernen Zellen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die g\u00e4ngige Methode im Restaurator-Umfeld ist der&nbsp;<strong>optische Nachbau<\/strong>: Das originale Geh\u00e4use wird vorsichtig ge\u00f6ffnet, der Inhalt entfernt, und moderne Zellen werden eingebaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Empfehlung f\u00fcr 1,5-V-Anwendungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Moderne Zelle<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Spannung<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Kapazit\u00e4t<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Vorteil<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Eneloop NiMH (HR6\/AA)<\/td><td>1,2 V<\/td><td>2000 mAh<\/td><td>Wiederaufladbar, kein Auslaufen<\/td><\/tr><tr><td>Alkali-Mangan (LR6\/AA)<\/td><td>1,5 V<\/td><td>3000 mAh<\/td><td>H\u00f6here Spannung, l\u00e4ngere Laufzeit<\/td><\/tr><tr><td>Lithium-Eisensulfid (FR6\/AA)<\/td><td>1,5 V<\/td><td>3500 mAh<\/td><td>Extrem lange Haltbarkeit, leicht<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wichtige technische Warnung:<\/strong>&nbsp;Moderne Alkali-Batterien haben einen deutlich niedrigeren Innenwiderstand (typisch 0,1\u20130,2 \u03a9) als die originalen Pertrix-Zellen. In Ger\u00e4ten ohne Strombegrenzung kann dies zu&nbsp;<strong>\u00fcberh\u00f6hten Einschaltstr\u00f6men<\/strong>&nbsp;f\u00fchren. Ein Vorwiderstand von 0,5\u20131 \u03a9 in Reihe zur Batterie simuliert das Originalverhalten und sch\u00fctzt empfindliche R\u00f6hrenheizungen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Netzteill\u00f6sungen f\u00fcr Dauerbetrieb<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den musealen Dauerbetrieb ist ein Netzteil praktischer. Wichtig ist eine&nbsp;<strong>geregelte Gleichspannung<\/strong>&nbsp;mit geringer Restwelligkeit \u2013 R\u00f6hrenheizungen sind zwar unempfindlich, Brummspannungen k\u00f6nnen jedoch \u00fcber kapazitive Kopplungen in die Anodenspannung gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein einfacher Aufbau:&nbsp;<strong>Trafo (230V auf 6V) \u2192 Br\u00fcckengleichrichter \u2192 Gl\u00e4ttungselko (4700 \u00b5F) \u2192 Spannungsregler LM317<\/strong>&nbsp;auf 1,5 V (oder 4 V f\u00fcr Reihenschaltung). Der LM317 kann bis 1,5 A liefern \u2013 v\u00f6llig ausreichend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pertrix Heizbatterie ist ein bemerkenswertes St\u00fcck angewandter Elektrochemie aus einer Zeit, in der Batterien noch ma\u00dfgeschneidert f\u00fcr ihre Anwendung entwickelt wurden. Die Optimierung des Leclanch\u00e9-Elements auf hohe Dauerstr\u00f6me bei niedriger Spannung erforderte konstruktive L\u00f6sungen \u2013 vergr\u00f6\u00dferte Elektrodenoberfl\u00e4chen, spezielle Elektrolyt-Impr\u00e4gnierungen und robuste Kontaktierungen \u2013, die auch heute noch Respekt abverlangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Technikblogger und Restaurator bleibt die Pertrix Heizbatterie ein faszinierendes Studienobjekt. Sie lehrt uns, dass Batterien keine Commodities sind, sondern hochoptimierte Systeme, deren Design eng mit den Anforderungen ihrer Verbraucher verwoben ist. Wer heute eine Pertrix im Original in den H\u00e4nden h\u00e4lt, h\u00e4lt ein St\u00fcck Ingenieursgeschichte \u2013 und die Erinnerung daran, wie kreativ Elektrotechniker einst mit den begrenzten Mitteln ihrer Zeit umgingen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Funktechnische Mitteilungen des Reichspostzentralamtes, Jahrg\u00e4nge 1934\u20131939 (technische Messberichte zu Pertrix-Batterien)<\/li>\n\n\n\n<li>AFA\/Pertrix Betriebsanleitungen f\u00fcr den Volksempf\u00e4nger VE 301 B2 (Originaldokumente, Sammlung Deutsches Technikmuseum Berlin)<\/li>\n\n\n\n<li>Barkhausen, H.: &#8222;Lehrbuch der Elektronenr\u00f6hren&#8220;, S. Hirzel Verlag Leipzig, 1937 (Kapitel 8: Batteriebetrieb von R\u00f6hrenempf\u00e4ngern)<\/li>\n\n\n\n<li>D\u00f6ring, A.: &#8222;Trockenbatterien: Chemie, Konstruktion, Anwendung&#8220;, Fachverlag Schiele &amp; Sch\u00f6n, Berlin 1943 (zeitgen\u00f6ssisches Standardwerk)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/radiomuseum.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Radiomuseum.org<\/a>:\u00a0Datenbl\u00e4tter zu Pertrix 252, 252 Miniatur und Pervox 247<\/li>\n\n\n\n<li>Liebscher, G.: &#8222;Die Restaurierung historischer Rundfunkempf\u00e4nger&#8220;, Verlag f\u00fcr Technik und Handwerk, 8. Auflage 2019 (Kapitel 4: Batterien und Netzteile)<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Bevor das Wechselstromnetz fl\u00e4chendeckend verf\u00fcgbar war, existierte eine faszinierende Unterteilung der Energieversorgung f\u00fcr Elektronik: getrennte Batterien f\u00fcr Heiz- und Anodenspannung. 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