{"id":4039,"date":"2026-04-25T08:00:00","date_gmt":"2026-04-25T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=4039"},"modified":"2026-04-25T08:00:00","modified_gmt":"2026-04-25T06:00:00","slug":"lotfreie-rohrverbindungen-in-der-kaltetechnik-das-lokring-system-im-praxistest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/lotfreie-rohrverbindungen-in-der-kaltetechnik-das-lokring-system-im-praxistest\/","title":{"rendered":"L\u00f6tfreie Rohrverbindungen in der K\u00e4ltetechnik: Das LOKRING-System im Praxistest"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reparatur von K\u00e4lteleitungen war \u00fcber Jahrzehnte untrennbar mit dem Hartl\u00f6ten verbunden. Offene Flamme, Schutzgas, Flussmittel \u2013 ein Prozess, der nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch strenge Sicherheitsauflagen verlangt. Doch seit den 1990er Jahren etabliert sich eine Alternative, die urspr\u00fcnglich aus der Raumfahrt stammt: mechanische Verbinder, die ohne jegliche W\u00e4rmezufuhr auskommen. Das bekannteste System hei\u00dft&nbsp;<strong>LOKRING<\/strong>&nbsp;(Eigenschreibweise: LOKRING\u00ae) und wird von der Vulkan Lokring Rohrverbindungen GmbH vertrieben. Doch ist die l\u00f6tfreie Technik dem klassischen L\u00f6ten ebenb\u00fcrtig? Wo liegen ihre wahren St\u00e4rken, wo ihre versteckten Fallstricke? Dieser Artikel beleuchtet die Technologie aus technikhistorischer, praktischer und wirtschaftlicher Perspektive \u2013 ehrlich, differenziert und ohne Marketing-Geflunker.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historischer R\u00fcckblick: Von der Apollo-Mission zur K\u00fchltheke<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, Rohre mechanisch zu verbinden, ist nicht neu. Aber die spezifische Herausforderung der K\u00e4ltetechnik \u2013 extrem hohe Dr\u00fccke (bis zu 70 bar bei R410A), tiefe Temperaturen (bis -50 \u00b0C) und aggressive K\u00e4ltemittel \u2013 lie\u00df lange nur das L\u00f6ten als zuverl\u00e4ssig erscheinen. Der Durchbruch f\u00fcr mechanische Systeme kam aus einem v\u00f6llig anderen Bereich: der Luft- und Raumfahrt. In den 1960er Jahren entwickelte das US-Unternehmen Lokring (sp\u00e4ter von Vulkan \u00fcbernommen) Verbindungen f\u00fcr Treibstoffleitungen von Raketen, die Vibrationen und Temperaturwechseln ohne L\u00f6tstellen standhalten mussten. Erst in den 1990ern wurde die Technik f\u00fcr die K\u00e4lte- und Klimatechnik adaptiert \u2013 zun\u00e4chst z\u00f6gerlich, dann mit wachsender Akzeptanz. Entscheidend war die Einf\u00fchrung des ozonschonenden K\u00e4ltemittels R134a, das keine L\u00f6tverunreinigungen vertrug. Mechanische Verbindungen punkteten pl\u00f6tzlich mit ihrer Sauberkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Tabelle 1: Zeitleiste der l\u00f6tfreien Verbindungstechnik in der K\u00e4ltetechnik<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Zeitraum<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Ereignis<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bedeutung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>1960er<\/td><td>Entwicklung durch Lokring (USA) f\u00fcr Raumfahrt<\/td><td>Technologische Grundlage<\/td><\/tr><tr><td>1992<\/td><td>Einf\u00fchrung von R134a<\/td><td>H\u00f6here Reinheitsanforderungen an Leitungen<\/td><\/tr><tr><td>1997<\/td><td>Erste LOKRING-Produkte f\u00fcr K\u00e4ltetechnik (Europa)<\/td><td>Markteintritt<\/td><\/tr><tr><td>2000er<\/td><td>Zulassung f\u00fcr brennbare K\u00e4ltemittel (R290, R600a)<\/td><td>Erweiterung der Einsatzfelder<\/td><\/tr><tr><td>2010<\/td><td>Einf\u00fchrung der NKA-Serie (Korrosionsschutz f\u00fcr Cu-Al)<\/td><td>L\u00f6sung eines langj\u00e4hrigen Problems<\/td><\/tr><tr><td>2020+<\/td><td>Integration in digitale Wartungsprotokolle<\/td><td>R\u00fcckverfolgbarkeit jeder Verbindung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Funktionsprinzip: Mehr als nur ein Pressfitting<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das LOKRING-System wird oft f\u00e4lschlich als \u201ePressfitting\u201c kategorisiert. Doch der Unterschied ist wesentlich: Bei Standard-Pressfittings wird ein weicher Dichtring (meist EPDM oder HNBR) durch plastische Verformung des Fittings komprimiert. LOKRING hingegen arbeitet mit einem&nbsp;<strong>konischen Verformungsprinzip ohne Elastomerdichtung<\/strong>. Ein hochpr\u00e4ziser Stutzen wird durch das axiale Aufschieben zweier Lockringe auf die Rohrenden gepresst. Die Verformung erzeugt eine kraft- und formschl\u00fcssige Verbindung, die metallisch dichtet. Zus\u00e4tzlicher Klebstoff (LOKPREP) f\u00fcllt Mikrorauigkeiten und sch\u00fctzt vor Kontaktkorrosion. Das Ergebnis: eine Verbindung, die nicht nur druckfest, sondern auch vakuumdicht ist \u2013 eine Grundvoraussetzung f\u00fcr jede K\u00e4lteanlage.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die drei entscheidenden physikalischen Effekte<\/h3>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kaltverschwei\u00dfung durch Fl\u00e4chenpressung<\/strong>: Unter dem hohen Pressdruck (mehrere tausend Newton) verbinden sich die Oberfl\u00e4chen von Rohr und Stutzen auf atomarer Ebene partiell.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Spannungsoptimierung durch konische Geometrie<\/strong>: Der Stutzen ist innen konisch geformt, sodass die Spannungen gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber die gesamte F\u00fcgel\u00e4nge verteilt werden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Korrosionsschutz durch LOKPREP<\/strong>: Das anaerob h\u00e4rtende Dichtmittel polymerisiert unter Luftabschluss und versiegelt Kapillarspalten.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vor- und Nachteile im Detail \u2013 Ein ehrlicher Vergleich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine Technologie ist perfekt. Die folgende Gegen\u00fcberstellung basiert auf Praxiserfahrungen aus Werkst\u00e4tten, Superm\u00e4rkten und mobilen Serviceeins\u00e4tzen sowie auf Herstellerangaben und unabh\u00e4ngigen Tests (u.a. von der TU Dresden, Institut f\u00fcr Leichtbau und Kunststofftechnik, 2018).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vorteile<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Kriterium<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bewertung<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Erl\u00e4uterung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Zeitersparnis<\/strong><\/td><td>+40\u201360 %<\/td><td>Eine Verbindung ist in 2\u20133 Minuten montiert, inkl. Vorbereitung. L\u00f6ten ben\u00f6tigt min. 10 Minuten (Reinigen, Flussmittel, Erhitzen, Abk\u00fchlen).<\/td><\/tr><tr><td><strong>Sauberkeit<\/strong><\/td><td>Sehr hoch<\/td><td>Keine Oxidation, kein Zunder, keine Flussmittelreste. Kritisch bei Systemen mit kleinen Kapillarr\u00f6hren oder elektronischen Expansionsventilen.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Arbeitssicherheit<\/strong><\/td><td>Maximal<\/td><td>Keine offene Flamme \u2192 keine Brandgefahr, kein Gasflaschen-Handel, kein Hitzestress in engen Sch\u00e4chten.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Materialkombinationen<\/strong><\/td><td>Einzigartig<\/td><td>Direkter Anschluss von Kupfer an Aluminium, Alu an Stahl, Kupfer an Edelstahl ohne zus\u00e4tzliche Adapter.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Wiederverwendbarkeit von K\u00e4ltemittel<\/strong><\/td><td>Plus<\/td><td>Bei Reparaturen vor Ort kann die Anlage teilweise im Betrieb bleiben (z.B. K\u00fchlm\u00f6bel mit Puffer).<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachteile<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Kriterium<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bewertung<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Erl\u00e4uterung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Investitionskosten<\/strong><\/td><td>Hoch (300\u2013500 \u20ac f\u00fcr Zange + Backen)<\/td><td>F\u00fcr den gelegentlichen Heimwerker oder kleine Handwerksbetriebe eine H\u00fcrde. Der L\u00f6tbrenner kostet 50 \u20ac.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Einsatzgrenzen bei Rohrdurchmessern<\/strong><\/td><td>Ab 54 mm (2 1\/8&#8243;) Ende<\/td><td>F\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Saugleitungen in Gewerbek\u00e4lte (&gt; 54 mm) nicht verf\u00fcgbar. Hier bleibt nur L\u00f6ten oder Schwei\u00dfen.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Unl\u00f6sbarkeit<\/strong><\/td><td>Zerst\u00f6rend<\/td><td>Im Gegensatz zu l\u00f6tbaren Verbindungen lassen sich LOKRING-Fittings nicht zerst\u00f6rungsfrei trennen. Bei Fehlmontage muss das Rohr abgeschnitten werden.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Korrosionsrisiko bei Cu-Al<\/strong><\/td><td>Besteht ohne Spezialring<\/td><td>Die galvanische Spannung zwischen Kupfer und Aluminium f\u00fchrt in feuchter Umgebung zur Kontaktkorrosion. LOKRING NKA reduziert dies, eliminiert es aber nicht vollst\u00e4ndig.<\/td><\/tr><tr><td><strong>Temperaturwechselverhalten<\/strong><\/td><td>Kritisch unter \u201340 \u00b0C<\/td><td>Hersteller gibt Mindesttemperatur von \u201350 \u00b0C an, jedoch berichten Praktiker von erh\u00f6hten Leckageraten bei Tieftemperaturanwendungen (z.\u202fB. K\u00fchlh\u00e4user mit \u201345 \u00b0C) nach mehreren Jahren.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einsatzgebiete: Wo LOKRING gl\u00e4nzt, wo es floppt<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Optimale Anwendungen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mobile Klimatisierung (KFZ)<\/strong>: Der Klassiker. Wegen Platzmangel, schwer zug\u00e4nglichen Leitungen und der Gefahr von K\u00e4ltemittelverlust bei Motorbrand ist L\u00f6ten tabu. LOKRING ist hier de facto Standard.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Supermarkt-K\u00e4ltem\u00f6bel w\u00e4hrend des Betriebs<\/strong>: Wenn die Ware nicht ausger\u00e4umt werden kann, ist eine l\u00f6tfreie Reparatur die einzige M\u00f6glichkeit. Brandschutzauflagen verbieten in der Regel offenes Feuer.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>W\u00e4rmepumpen mit Propan (R290)<\/strong>: Da R290 brennbar ist, schreibt die DIN EN 378 bei Leckagegefahr funkensichere Verbindungen vor. LOKRING ist f\u00fcr R290 zugelassen und erlaubt Arbeiten ohne Entleerung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Service bei laufender Produktion<\/strong>\u00a0(Lebensmittelindustrie, Pharmaanlagen): Stillstand kostet tausende Euro pro Minute. Die L\u00f6tfreiheit erm\u00f6glicht einen Notfall-Eingriff ohne aufwendige Brandschutzma\u00dfnahmen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ung\u00fcnstige oder risikobehaftete Anwendungen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Tieftemperatur-K\u00e4lteanlagen (&lt; \u201340 \u00b0C)<\/strong>: Wie erw\u00e4hnt \u2013 hier sind gel\u00f6tete oder geschwei\u00dfte Verbindungen nach wie vor zuverl\u00e4ssiger.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Stark vibrationsbelastete Anlagen<\/strong>\u00a0(z.B. schwere Verdichter auf Gummif\u00fc\u00dfen ohne Schwingungsd\u00e4mpfer): Die Steifigkeit der LOKRING-Verbindung kann zu Spannungsrissen im Rohr neben der Verbindung f\u00fchren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wiederverwendbare Mess- und Serviceanschl\u00fcsse<\/strong>: Nicht geeignet. Hier bleiben Klemmringverschraubungen oder L\u00f6tstutzen die bessere Wahl.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kostenanalyse \u2013 Was wirklich auf den Tisch kommt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Handwerker scheuen die Anschaffung der Spezialzange. Eine grobe Wirtschaftlichkeitsrechnung zeigt jedoch, dass sich das System bereits ab etwa 50\u2013100 Verbindungen pro Jahr amortisiert \u2013 vorausgesetzt, die eingesparte Zeit wird als Gewinn verbucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Tabelle 2: Beispielkostenvergleich f\u00fcr 10 Reparaturen an einer K\u00e4lteanlage (Rohrdurchmesser 12 mm)<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Position<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">L\u00f6ten (Hartlot)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">LOKRING<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Material pro Verbindung<\/td><td>1,50 \u20ac (Lotst\u00fcck, Flussmittel)<\/td><td>8,00 \u20ac (LOKRING-Fitting inkl. LOKPREP)<\/td><\/tr><tr><td>Material 10 Verbindungen<\/td><td>15,00 \u20ac<\/td><td>80,00 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Werkzeug (einmalig)<\/td><td>50 \u20ac (L\u00f6tbrenner + Gas)<\/td><td>400 \u20ac (Zange mit 12-mm-Backen)<\/td><\/tr><tr><td>Zeit pro Verbindung (Vorbereitung + Ausf\u00fchrung)<\/td><td>12 Minuten<\/td><td>4 Minuten<\/td><\/tr><tr><td>Gesamtzeit 10 Verbindungen<\/td><td>120 min<\/td><td>40 min<\/td><\/tr><tr><td>Arbeitskosten (bei 60 \u20ac\/h)<\/td><td>120,00 \u20ac<\/td><td>40,00 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td><strong>Gesamtkosten (inkl. Werkzeug auf 10 Verbindungen)<\/strong><\/td><td>185,00 \u20ac<\/td><td>520,00 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td><strong>Gesamtkosten bei 100 Verbindungen<\/strong>&nbsp;(Werkzeug aufgeteilt)<\/td><td>165 \u20ac + 1000 \u20ac Material =&nbsp;<strong>1.165 \u20ac<\/strong><\/td><td>400 \u20ac + 800 \u20ac Material =&nbsp;<strong>1.200 \u20ac<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Anmerkung: Ab etwa 100 Verbindungen sind die Kosten nahezu gleich. Der Zeitvorteil von 80 Minuten pro 10 Verbindungen erm\u00f6glicht zus\u00e4tzliche Serviceeins\u00e4tze \u2013 ein betriebswirtschaftlicher Vorteil, der in der Tabelle nicht abgebildet ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kontroversen und offene Fragen<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Die Diskussion um die \u201eewige Haltbarkeit\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herstellerangaben von \u201e50 Jahren Lebensdauer\u201c stammen aus beschleunigten Alterungstests unter Laborbedingungen. Doch in der Praxis gibt es Berichte \u00fcber LOKRING-Verbindungen, die nach 10\u201315 Jahren in feuchter Umgebung (z.B. K\u00fchlzellen mit Tauwasser) Leckagen entwickelten. Die Ursache ist meist eine unzureichende Vorbereitung der Rohrfl\u00e4che \u2013 eine Schwachstelle, die beim L\u00f6ten weniger kritisch ist, da die Flamme Verunreinigungen verbrennt. Die klare Ansage: LOKRING ist kein Ersatz f\u00fcr sauberes Arbeiten, sondern eine Methode, die absolute Pr\u00e4zision bei der Vorbereitung erzwingt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Die fehlende Normung f\u00fcr den Servicefall<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend l\u00f6tbare Fittings in DIN EN 1254-1 genormt sind, basiert LOKRING auf einer firmeninternen Spezifikation. Kritiker argumentieren, dass dies die Vergleichbarkeit erschwert und den Kunden an den Hersteller bindet. Bef\u00fcrworter kontern, dass die hohen Anforderungen der K\u00e4ltetechnik eine solche Fokussierung rechtfertigen \u2013 schlie\u00dflich seien auch viele andere Komponenten (z.B. Thermostatventile) nicht genormt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Die Herausforderung der Dokumentation<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00f6tverbindungen hinterlassen keine direkte Dokumentation. LOKRING-Neuentwicklungen (Serie \u201etrace\u201c) integrieren QR-Codes oder RFID-Chips, die vor dem Verpressen gescannt werden k\u00f6nnen. Das erm\u00f6glicht eine l\u00fcckenlose Dokumentation von Presskraft, Datum und Monteur. F\u00fcr Qualit\u00e4tsmanager in der Industrie ein Segen, f\u00fcr den Einzelk\u00e4mpfer ein Overkill.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zukunftsperspektiven: Wird gel\u00f6tet bald zur Ausnahme?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung geht klar in Richtung l\u00f6tfreier, dokumentierbarer und automatisierbarer F\u00fcgeverfahren. Schon heute bieten Hersteller wie Rothenberger oder REMS vergleichbare Systeme (z.\u202fB. Rothenberger Presssystem f\u00fcr K\u00e4lte). LOKRING bleibt jedoch der Nischenanbieter f\u00fcr h\u00f6chste Anforderungen \u2013 insbesondere die Kupfer-Aluminium-Verbindung ist konkurrenzlos. F\u00fcr die breite Masse der Klimaanlagen- und W\u00e4rmepumpen-Installationen setzt sich zunehmend das&nbsp;<strong>Pressen mit Dichtringen<\/strong>&nbsp;(Systeme wie Viega, Geberit) durch, das g\u00fcnstiger und einfacher zu handhaben ist. LOKRING wird sich vermutlich im gehobenen Reparatursegment sowie in der mobilen K\u00e4ltetechnik behaupten \u2013 und dort, wo es auf material\u00fcbergreifende Verbindungen ankommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die finale Frage \u201eL\u00f6ten oder nicht l\u00f6ten?\u201c ist keine technologische, sondern eine&nbsp;<strong>wirtschaftliche und sicherheitstechnische<\/strong>. F\u00fcr den Einbau einer neuen K\u00e4lteanlage im Neubau wird das L\u00f6ten noch lange Standard bleiben \u2013 es ist erprobt, kosteng\u00fcnstig und universell. F\u00fcr jede Reparatur an bestehenden, mit K\u00e4ltemittel gef\u00fcllten Anlagen, besonders im KFZ oder Lebensmittelhandel, ist LOKRING oft die kl\u00fcgere, weil sicherere und schnellere Wahl.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das LOKRING-System ist keine revolution\u00e4re Neuerung mehr, sondern eine ausgereifte, aber nicht immer \u00fcberlegene Alternative. Seine St\u00e4rken liegen in der Materialvielfalt, der L\u00f6tfreiheit und der Prozesssicherheit bei korrekter Anwendung. Seine Schw\u00e4chen sind die hohen Einstiegskosten, die fehlende Wiederverwendbarkeit und die Empfindlichkeit gegen\u00fcber unsachgem\u00e4\u00dfer Rohrvorbereitung. Wer die Technik erlernen m\u00f6chte, muss in Schulungen (angeboten vom Hersteller oder Gro\u00dfh\u00e4ndlern wie Beijer Ref) investieren \u2013 das blo\u00dfe Kaufen der Zange reicht nicht. Im professionellen K\u00e4lteanlagenbau ist LOKRING heute ein&nbsp;<strong>wichtiges Werkzeug im Werkzeugkasten<\/strong>, kein Allheilmittel. Der erfahrene K\u00e4ltetechniker wird je nach Situation entscheiden: mal den L\u00f6tbrenner, mal die LOKRING-Zange. Wer aber glaubt, das L\u00f6ten vollst\u00e4ndig ersetzen zu k\u00f6nnen, wird eines Tages an die physikalischen Grenzen des mechanischen F\u00fcgens sto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Vulkan Lokring Rohrverbindungen GmbH (2023):\u00a0<em>Technische Produktdokumentation LOKRING\u00ae f\u00fcr K\u00e4ltetechnik<\/em>. Herne.<\/li>\n\n\n\n<li>KKA \u2013 K\u00e4lte Klima Aktuell, Ausgabe 04\/2021:\u00a0<em>L\u00f6tfrei reparieren \u2013 Erfahrungen aus der Supermarkt-K\u00e4ltetechnik<\/em>. S. 24\u201327.<\/li>\n\n\n\n<li>TU Dresden, Institut f\u00fcr Leichtbau und Kunststofftechnik (2018):\u00a0<em>Vergleichende Untersuchung von l\u00f6tfreien Rohrverbindungen unter thermischer Wechselbelastung<\/em>. Forschungsbericht Nr. ILK-2018-12.<\/li>\n\n\n\n<li>DIN EN 378-2:2017-03:\u00a0<em>K\u00e4lteanlagen und W\u00e4rmepumpen \u2013 Sicherheitstechnische Anforderungen \u2013 Teil 2: Bau, Herstellung und Pr\u00fcfung<\/em>.<\/li>\n\n\n\n<li>Reichelt, K. \/ Krause, H. (2019):\u00a0<em>K\u00e4ltetechnik \u2013 Grundlagen, Komponenten, Anwendungen<\/em>. 5. Aufl., Springer-VDI, S. 342\u2013356 (Kapitel \u201eRohrverbindungen\u201c).<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Die Reparatur von K\u00e4lteleitungen war \u00fcber Jahrzehnte untrennbar mit dem Hartl\u00f6ten verbunden. Offene Flamme, Schutzgas, Flussmittel \u2013 ein Prozess, der nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch strenge Sicherheitsauflagen verlangt. Doch seit den 1990er Jahren etabliert sich eine Alternative, die urspr\u00fcnglich aus der Raumfahrt stammt: mechanische Verbinder, die ohne jegliche W\u00e4rmezufuhr auskommen. 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