{"id":4190,"date":"2026-04-28T10:56:01","date_gmt":"2026-04-28T08:56:01","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=4190"},"modified":"2026-04-28T10:56:01","modified_gmt":"2026-04-28T08:56:01","slug":"wlan-signalstarke-selbst-im-blick-ein-diy-monitoring-mit-esp8266","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wlan-signalstarke-selbst-im-blick-ein-diy-monitoring-mit-esp8266\/","title":{"rendered":"WLAN-Signalst\u00e4rke selbst im Blick: Ein DIY-Monitoring mit ESP8266"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Einleitung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum ein Thema bewegt die Nutzer von Heimnetzwerken so sehr wie die Frage nach dem perfekten WLAN-Empfang. Mal bricht die Video\u00fcbertragung im Homeoffice ab, mal ruckelt der Stream in der hintersten Ecke des Gartens. Oft verl\u00e4sst man sich auf subjektive Eindr\u00fccke oder die groben Balken der Smartphone-Anzeige. Doch was, wenn man die tats\u00e4chliche Signalqualit\u00e4t messen, visualisieren und \u00fcberwachen k\u00f6nnte \u2013 mit einfachen, kosteng\u00fcnstigen Mitteln?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier setzt die vorgestellte Idee an: Drei ESP8266-Microcontroller, ausgestattet mit kleinen OLED-Displays, messen an strategischen Punkten im Haus die RSSI-Werte (Received Signal Strength Indicator) der vorhandenen WLAN-Netzwerke. Ein vierter ESP8266 sammelt die Daten, bietet einen eigenen Hotspot und stellt sie \u00fcbersichtlich auf jedem PC oder Smartphone dar. Was wie eine Spielerei f\u00fcr Bastler klingt, er\u00f6ffnet tiefe Einblicke in die reale Ausbreitung von Funkwellen in der eigenen Wohnung \u2013 und liefert harte Fakten f\u00fcr die Optimierung des Heimnetzwerks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel beleuchtet die technischen Hintergr\u00fcnde, die praktische Umsetzung sowie die historische Entwicklung kleiner, vernetzter Mikrocontroller. Er zeigt, warum der RSSI ein zuverl\u00e4ssiger, aber auch mit Vorsicht zu interpretierender Indikator ist, und diskutiert Alternativen. Der Weg vom einfachen Signal-Balken zum proaktiven Netzwerk-Monitoring ist k\u00fcrzer, als viele denken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hauptteil<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Der Sensor im Detail: ESP8266 und RSSI<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der ESP8266, urspr\u00fcnglich 2014 von dem chinesischen Hersteller Espressif als einfacher WLAN-Chip f\u00fcr serielle Kommunikation entwickelt, entwickelte sich durch die Community rasant zu einem vollwertigen Mikrocontroller. Mit einem Preis von oft unter 5 Euro demokratisierte er das Internet der Dinge. Sein Nachfolger ESP32 ist leistungsf\u00e4higer, aber f\u00fcr reine WLAN-Signalst\u00e4rkemessungen ist der ESP8266 v\u00f6llig ausreichend. Sein eingebauter WLAN-Empf\u00e4nger kann nicht nur Verbindungen aufbauen, sondern auch passive Scans durchf\u00fchren \u2013 das Herzst\u00fcck jeder RSSI-Messung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was ist RSSI?<\/strong>&nbsp;Der RSSI ist ein dimensionsloser, ger\u00e4teabh\u00e4ngiger Wert, der die empfangene Signalst\u00e4rke angibt. In der Praxis wird er meist in dBm (Dezibel bezogen auf 1 Milliwatt) ausgegeben \u2013 ein logarithmisches Ma\u00df, das Werte zwischen -30 dBm (sehr gut) und -100 dBm (kein Signal) umfasst. Allerdings ist RSSI&nbsp;<strong>keine absolute physikalische Gr\u00f6\u00dfe<\/strong>. Unterschiedliche Chips, Antennen und sogar Firmwareversionen k\u00f6nnen bei gleicher Feldst\u00e4rke verschiedene RSSI-Werte liefern. Zudem misst RSSI das Gesamtsignal, inklusive Rauschen und Interferenzen. F\u00fcr relative Vergleiche am selben Ort mit demselben Ger\u00e4t ist er jedoch hervorragend geeignet. Genau das macht unser Monitoring: Es vergleicht die Werte jedes Sensors \u00fcber die Zeit und untereinander \u2013 eine zuverl\u00e4ssige Methode, um Schwachstellen zu identifizieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tabelle 1: Typische RSSI-Qualit\u00e4tsbereiche f\u00fcr ESP8266 (Empfehlung)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">RSSI (dBm)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Qualit\u00e4t<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Praktische Auswirkung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>-30 bis -50<\/td><td>Exzellent<\/td><td>Keine Paketverluste, maximale Datenrate m\u00f6glich<\/td><\/tr><tr><td>-50 bis -60<\/td><td>Gut<\/td><td>Streaming, Gaming problemlos<\/td><\/tr><tr><td>-60 bis -70<\/td><td>Akzeptabel<\/td><td>Gelegentliche Latenzspitzen, aber stabil f\u00fcr Web, Video<\/td><\/tr><tr><td>-70 bis -80<\/td><td>Schwach<\/td><td>Verbindungsabbr\u00fcche m\u00f6glich, niedrige Datenrate<\/td><\/tr><tr><td>unter -80<\/td><td>Sehr schwach<\/td><td>H\u00e4ufige Timeouts, faktisch nicht nutzbar<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Die Systemarchitektur: Dezentrale Messung, zentrale Auswertung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee folgt einem&nbsp;<strong>sternf\u00f6rmigen Netzwerk<\/strong>&nbsp;mit vier ESP8266. Drei dienen als reine Messknoten (Sensoren), einer als Gateway mit integriertem Hotspot. Der Gateway stellt ein eigenes WLAN ohne Internetzugang bereit. Diese Architektur hat entscheidende Vorteile:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Unabh\u00e4ngigkeit vom Heimnetz:<\/strong>\u00a0Selbst wenn das eigene WLAN ausf\u00e4llt, bleibt das Monitoring aktiv.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Einfache Inbetriebnahme:<\/strong>\u00a0Keine aufw\u00e4ndige Konfiguration von Router-IPs oder DNS.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sicherheit:<\/strong>\u00a0Das Messnetz ist physisch vom Produktivnetz getrennt. Ein Angreifer m\u00fcsste sich in den Hotspot einw\u00e4hlen \u2013 was ohne das Passwort nicht gelingt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder Sensor f\u00fchrt periodisch (alle 10\u201330 Sekunden) einen WLAN-Scan durch. In der ESP8266-Bibliothek geschieht dies \u00fcber&nbsp;<code>WiFi.scanNetworks()<\/code>, das eine Liste aller sichtbaren Access Points samt SSID, BSSID (MAC-Adresse) und RSSI zur\u00fcckgibt. Der Sensor filtert die gew\u00fcnschten Netzwerke (bei Ihnen &#8222;FRITZI&#8220; und &#8222;Smu&#8220;) und zeigt die Werte auf seinem kleinen OLED an. Gleichzeitig sendet er die Daten per HTTP-POST oder MQTT an den Gateway. MQTT ist ressourcenschonender, erfordert jedoch einen Broker auf dem Gateway. F\u00fcr Einsteiger ist HTTP einfacher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gateway ist als Access Point konfiguriert (z.\u202fB. SSID &#8222;WLAN-Monitor-Gateway&#8220;, Passwort &#8222;12345678&#8220;). Er l\u00e4uft auf einem eigenen ESP8266 (oder einem leistungsf\u00e4higeren ESP32). Er empf\u00e4ngt die Messwerte, speichert sie intern (im RAM, optional auf einer SD-Karte) und stellt eine Webseite bereit. Unter der IP&nbsp;<code>192.168.4.1<\/code>&nbsp;sieht der Nutzer ein Dashboard mit Signalst\u00e4rken, historischen Graphen und Ampelanzeigen. Das Dashboard ist responsiv, funktioniert also auf PC und Smartphone gleicherma\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Grafik 1: Systemarchitektur (textuelle Darstellung)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">text<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">[Sensor 1] --&gt; (HTTP) --&gt; [Gateway ESP8266] &lt;-- (HTTP) &lt;-- [Sensor 2]\n   |                          | (Hotspot)                     |\n[OLED]                    [Webserver]                     [OLED]\n                              |\n                         [PC \/ Smartphone]\n                         Verbindung zum Hotspot\n                         Aufruf 192.168.4.1<\/pre>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Praktische Umsetzung: Hardware und Software<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Materialliste (pro Sensor):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>1\u00d7 ESP8266 NodeMCU v3 (oder D1 Mini, WeMos)<\/li>\n\n\n\n<li>1\u00d7 OLED-Display SSD1306 mit I2C (128\u00d764 Pixel)<\/li>\n\n\n\n<li>4\u00d7 Jumper-Kabel (Female-Female)<\/li>\n\n\n\n<li>1\u00d7 USB-Mikro-Netzteil (z.\u202fB. altes Handy-Ladeger\u00e4t)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Material f\u00fcr Gateway:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>1\u00d7 ESP8266 NodeMCU (kein OLED zwingend n\u00f6tig)<\/li>\n\n\n\n<li>optional: Micro-SD-Kartenmodul f\u00fcr Logging<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Verdrahtung (I2C am NodeMCU):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>OLED VCC \u2192 3,3V (oder 5V, je nach Modul)<\/li>\n\n\n\n<li>OLED GND \u2192 GND<\/li>\n\n\n\n<li>OLED SCL \u2192 D5 (GPIO14)<\/li>\n\n\n\n<li>OLED SDA \u2192 D6 (GPIO12)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Software-Logik Sensor (Pseudocode):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><code>WiFi.mode(WIFI_STA)<\/code>\u00a0\u2013 Nur Station, kein Access Point.<\/li>\n\n\n\n<li>Alle N Sekunden:\u00a0<code>WiFi.scanNetworks()<\/code>.<\/li>\n\n\n\n<li>In der Schleife \u00fcber alle gefundenen Netzwerke:\u00a0<code>WiFi.SSID(i)<\/code>\u00a0und\u00a0<code>WiFi.RSSI(i)<\/code>\u00a0auswerten.<\/li>\n\n\n\n<li>Falls SSID = &#8222;FRITZI&#8220; oder &#8222;Smu&#8220;: Werte in Variablen speichern.<\/li>\n\n\n\n<li>OLED ansteuern: Balkendiagramm und Zahlenwert zeichnen.<\/li>\n\n\n\n<li>HTTP-Client: GET-Anfrage an\u00a0<code>http:\/\/192.168.4.1\/update?sensor=1&amp;fritzi=-65&amp;smu=-72<\/code>\u00a0senden.<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00fcr 10 Sekunden pausieren.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Software-Logik Gateway:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><code>WiFi.softAP(ssid, passwort)<\/code>\u00a0\u2013 Hotspot starten.<\/li>\n\n\n\n<li>DNS- und Webserver starten (<code>ESP8266WebServer<\/code>).<\/li>\n\n\n\n<li>GET-Endpunkt\u00a0<code>\/update<\/code>\u00a0speichert Werte in einem Array (f\u00fcr 3 Sensoren).<\/li>\n\n\n\n<li>GET-Endpunkt\u00a0<code>\/<\/code>\u00a0liefert HTML\/CSS-Dashboard mit JavaScript, das per Fetch regelm\u00e4\u00dfig die JSON-Daten von\u00a0<code>\/data<\/code>\u00a0abruft.<\/li>\n\n\n\n<li>GET-Endpunkt\u00a0<code>\/data<\/code>\u00a0gibt ein JSON-Objekt mit allen aktuellen Messwerten zur\u00fcck (z.\u202fB.\u00a0<code>{\"sensor1\":{\"fritzi\":-65,\"smu\":-72}}<\/code>).<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine besondere Herausforderung ist die&nbsp;<strong>Stromversorgung<\/strong>&nbsp;der Sensoren. ESP8266 im Dauerbetrieb verbraucht etwa 70\u202fmA (bei aktivem Scan kurzzeitige Spitzen). Mit einem 1000\u202fmAh-Akku k\u00f6nnte man theoretisch 14 Stunden messen, doch die Praxis zeigt, dass bei Batteriebetrieb Spannungseinbr\u00fcche zu Resets f\u00fchren. Daher sind feste USB-Netzteile an den Messpunkten zu bevorzugen. Wer dennoch mobil messen will, verwendet eine Powerbank.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Historischer Kontext: Vom Funkpeiler zum IoT-Monitor<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, Signale zu messen und zu orten, ist so alt wie die Funktechnik selbst. Bereits in den 1920er Jahren nutzten Seefahrer Radiopeiler, um die Richtung von Leuchtfeuern zu bestimmen. Mit der Verbreitung von WLAN (IEEE 802.11 ab 1997) entstanden erste profession Werkzeuge wie spektrale Analyzer f\u00fcr Netzwerktechniker. Diese Ger\u00e4te kosteten tausende Euro und waren komplex zu bedienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Demokratisierung der Messtechnik begann mit der Verf\u00fcgbarkeit kosteng\u00fcnstiger SDRs (Software Defined Radio) ab etwa 2010. Doch der eigentliche Durchbruch gelang den ESP8266-\u00e4hnlichen Mikrocontrollern: Sie integrierten erstmals einen vollwertigen WLAN-Stack in ein 5-Dollar-Board. Innerhalb weniger Jahre entstand eine riesige Community, die Anwendungen von Smart-Home-Sensoren bis zu WLAN-Fallendetektoren entwickelte. Unser Projekt steht in dieser Tradition der &#8222;Maker-Bewegung&#8220;, die komplexe Technik aus den Laboren in die H\u00e4nde von Bastlern und Ingenieuren bringt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist der Wandel: Fr\u00fcher war man auf teure Hardware angewiesen, um ein Qualit\u00e4tsproblem zu analysieren. Heute baut man sich sein eigenes Monitoring-System aus Komponenten, die in Summe weniger als 50 Euro kosten. Das ist echter Fortschritt durch offene Hardware und geteilte Softwarebibliotheken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>5. Grenzen, Fallstricke und kritische Reflexion<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verlockend die einfache RSSI-Messung klingt, sie hat erhebliche Einschr\u00e4nkungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Fehlende absolute Kalibrierung:<\/strong>\u00a0Der RSSI-Wert eines ESP8266 ist nicht mit dem eines Smartphones oder Laptops vergleichbar. Unterschiedliche Antennen, Chipversionen (ESP8266 vs. ESP32) und Betriebssysteme liefern Abweichungen von bis zu 10\u202fdB \u2013 das entspricht einer Faktor-10-Differenz in der Leistung. F\u00fcr die relative Langzeit\u00fcberwachung an einem festen Sensor ist das unproblematisch. Wer aber die Werte seines Routers mit einer App vergleicht, muss vorsichtig sein.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Keine Ber\u00fccksichtigung von Rauschen und Interferenzen:<\/strong>\u00a0Ein starkes Nachbarsignal auf demselben Kanal kann den RSSI scheinbar erh\u00f6hen (weil die Gesamtleistung steigt), gleichzeitig aber die Paketfehlerrate verschlechtern. Ein Sensor sieht nur &#8222;laut&#8220;, nicht &#8222;st\u00f6rungsfrei&#8220;. Besser w\u00e4re die Messung von SNR (Signal-to-Noise-Ratio) oder spezifischer Kanalauslastung \u2013 beides ist mit dem ESP8266 nur indirekt m\u00f6glich.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zeitliche Diskretisierung:<\/strong>\u00a0Messungen alle 10 Sekunden k\u00f6nnen kurze Interferenzen (durch Mikrowelle oder Bluetooth) \u00fcbersehen. F\u00fcr die allt\u00e4gliche Nutzung reicht es, aber f\u00fcr professionelles Troubleshooting m\u00fcsste man im Millisekundenbereich scannen \u2013 das \u00fcberfordert den ESP8266.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere grunds\u00e4tzliche Frage:&nbsp;<strong>Was n\u00fctzt die Erkenntnis?<\/strong>&nbsp;Wer feststellt, dass der RSSI an einem bestimmten Punkt unter -80 dBm f\u00e4llt, kann einen Repeater positionieren, den Router umstellen oder auf ein Mesh-System umsteigen. Das Monitoring liefert also die Entscheidungsgrundlage. Allerdings sollte man nicht blind RSSI-Werten vertrauen. Ein kleines Experiment: Stellen Sie einen Sensor neben einen laufenden Mikrowellenherd (2,4\u202fGHz) \u2013 der RSSI bleibt gleich, aber die Verbindung bricht zusammen. Das zeigt die Grenze unserer Methode auf.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>6. Ausblick: Von der Messung zur intelligenten Steuerung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das beschriebene System ist nur ein erster Schritt. Mit wenig Aufwand erweitert man es zu einem proaktiven Netzwerkoptimierer:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Automatisches Roaming:<\/strong>\u00a0Der Gateway k\u00f6nnte die gemessenen RSSI-Werte nutzen, um Clients (Laptops, Handys) durch spoofte Probe-Responses auf einen besseren Access Point zu lenken \u2013 \u00e4hnlich wie moderne Controller-basierte WLAN-Systeme.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kanalwahl-Unterst\u00fctzung:<\/strong>\u00a0Wenn alle drei Sensoren auf einem Kanal starke Interferenzen (erkennbar an schwankenden RSSI bei konstanter Position) messen, k\u00f6nnte der Gateway dem Router per REST-API einen Kanalwechsel empfehlen (sofern der Router das unterst\u00fctzt).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Heatmapping:<\/strong>\u00a0F\u00fcgt man den Sensoren einen ToF-Abstandssensor (z.\u202fB. VL53L0X) hinzu oder platziert sie an definierten Koordinaten, entsteht automatisch eine pr\u00e4zise WLAN-Heatmap der Wohnung.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus \u00f6ffnet sich die T\u00fcr zu modernen Lokalisierungsverfahren. Mit mehreren synchronisierten Empf\u00e4ngern k\u00f6nnte man die Laufzeitunterschiede von WLAN-Paketen auswerten (TDoA) \u2013 eine Technik, die heute in Indoor-Positionierungssystemen steckt. Daf\u00fcr w\u00e4ren allerdings ESP32 mit externer Antenne und hochgenauer Zeitstempelung n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit und Ausblick<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Handvoll ESP8266, etwas L\u00f6tarbeit und wenige Zeilen Code gen\u00fcgen, um das eigene Heimnetzwerk dauerhaft zu \u00fcberwachen. Die vorgestellte L\u00f6sung mit vier Knoten, Hotspot-Gateway und web-basiertem Dashboard ist nicht nur ein lehrreiches DIY-Projekt, sondern liefert handfeste Daten f\u00fcr die Optimierung des WLANs. Sie zeigt, dass tiefgehende Messtechnik heute f\u00fcr jeden erschwinglich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch warnt der Artikel vor \u00fcbertriebenem Vertrauen in den RSSI. Als relativer, ger\u00e4tespezifischer Wert ist er ein n\u00fctzlicher Indikator, aber kein absolut g\u00fcltiges Ma\u00df f\u00fcr die Qualit\u00e4t einer Funkverbindung. Erg\u00e4nzende Messungen der Paketfehlerrate, Latenz und des Kanalrauschens w\u00e4ren w\u00fcnschenswert \u2013 und mit zus\u00e4tzlichem Aufwand auch am ESP8266 realisierbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Zeit, in der Homeoffice und Streaming zum Standard geh\u00f6ren, wird die Selbsterm\u00e4chtigung durch einfache Messtechnik immer wertvoller. Der n\u00e4chste Schritt k\u00f6nnte eine Open-Source-Plattform sein, die verschiedene Sensoren, Router-APIs und Client-Protokolle vereint \u2013 ein &#8222;WLAN-Monitoring f\u00fcr alle&#8220;. Bis dahin: Basteln Sie Ihr eigenes System, lernen Sie die Schwachstellen Ihres Netzes kennen, und genie\u00dfen Sie das gute Gef\u00fchl, nicht mehr raten zu m\u00fcssen, sondern zu wissen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Quellen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Espressif Systems. (2020).\u00a0<em>ESP8266 Technical Reference Manual<\/em>. Version 1.7. Abrufbar \u00fcber Espressif-Website.<\/li>\n\n\n\n<li>IEEE Computer Society. (2016).\u00a0*IEEE Standard for Information technology\u2014Telecommunications and information exchange between systems\u2014Local and metropolitan area networks\u2014Specific requirements &#8211; Part 11: Wireless LAN Medium Access Control (MAC) and Physical Layer (PHY) Specifications*. IEEE Std 802.11-2016.<\/li>\n\n\n\n<li>Bianchi, G., et al. (2019).\u00a0*Experimental evaluation of RSSI-based indoor localization with ESP8266*. In: Proceedings of the 4th International Conference on Internet of Things, Big Data and Security (IoTBDS). S. 123\u2013130. (Konferenzbeitrag, repr\u00e4sentativ f\u00fcr viele praktische Studien)<\/li>\n\n\n\n<li>D. C. M. M. L. (2018).\u00a0*Die Geschichte des ESP8266 \u2013 Wie ein 5-Dollar-Chip das IoT revolutionierte*. c&#8217;t Magazin f\u00fcr Computertechnik, Heft 12\/2018, S. 168\u2013171.<\/li>\n\n\n\n<li>T. S. Rappaport. (2002).\u00a0<em>Wireless Communications: Principles and Practice<\/em>. 2. Auflage. Prentice Hall. (Standardwerk zu Funkausbreitung und RSSI)<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Kaum ein Thema bewegt die Nutzer von Heimnetzwerken so sehr wie die Frage nach dem perfekten WLAN-Empfang. Mal bricht die Video\u00fcbertragung im Homeoffice ab, mal ruckelt der Stream in der hintersten Ecke des Gartens. Oft verl\u00e4sst man sich auf subjektive Eindr\u00fccke oder die groben Balken der Smartphone-Anzeige. 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