{"id":4392,"date":"2026-04-15T07:48:39","date_gmt":"2026-04-15T05:48:39","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=4392"},"modified":"2026-04-15T07:48:39","modified_gmt":"2026-04-15T05:48:39","slug":"kolloidales-silber-die-renaissance-eines-uralten-mittels-zwischen-esoterik-und-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/kolloidales-silber-die-renaissance-eines-uralten-mittels-zwischen-esoterik-und-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Kolloidales Silber \u2013 Die Renaissance eines uralten Mittels zwischen Esoterik und Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Einleitung: Zwischen Wunderheilmittel und Risiko<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kolloidales Silber \u2013 eine winzige Menge elementaren Silbers, fein verteilt in destilliertem Wasser \u2013 erlebt derzeit eine bemerkenswerte Renaissance. Bef\u00fcrworter wie der Naturheilkundler Robert Franz preisen es als nat\u00fcrliches Antibiotikum, das schon in der Antike gesch\u00e4tzt wurde, w\u00e4hrend die Schulmedizin vor ungekl\u00e4rten Risiken warnt. Der Artikel beleuchtet die historische Entwicklung, die physikalische Herstellung, die aktuell diskutierten Anwendungen und die wissenschaftliche Bewertung dieses vielschichtigen Themas.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Stoffgeschichte \u2013 Von der Antike bis zur Wiederentdeckung durch Robert Franz<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die medizinische Verwendung von Silber reicht weit in die Menschheitsgeschichte zur\u00fcck. Bereits im antiken Persien, in \u00c4gypten, Griechenland, Rom, Indien und China nutzten \u00c4rzte Silbergef\u00e4\u00dfe zur Aufbewahrung von Wasser und Milch, um deren Haltbarkeit zu verl\u00e4ngern \u2013 eine fr\u00fche Form der Nutzung des oligodynamischen Effekts, der die keimt\u00f6tende Wirkung von Metallionen beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mittelalter sch\u00e4tzte Hildegard von Bingen (1098\u20131179) Silber als Heilmittel, insbesondere bei Verschleimung und Husten. In ihren naturheilkundlichen Schriften beschrieb sie die Wirkung von Quellwasser und ordnete Metalle in eine hierarchische Struktur ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche \u00c4ra des kolloidalen Silbers begann jedoch um 1890. Der Begriff &#8222;kolloidal&#8220; (von griech.&nbsp;<em>kolla<\/em>&nbsp;\u2013 leimartig) wurde von dem britischen Chemiker Thomas Graham gepr\u00e4gt. Die Herstellung und medizinische Anwendung von kolloidalem Silber erlebte bis in die erste H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts einen H\u00f6hepunkt, insbesondere da wirksame Antibiotika wie Penicillin noch nicht verf\u00fcgbar waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming (1928) und der Massenproduktion von Antibiotika ab den 1940er Jahren geriet das kolloidale Silber in Vergessenheit. Zu dieser Zeit waren die Herstellungskosten hoch und die Qualit\u00e4t der Produkte variierte stark.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst in den 1990er Jahren erlebte das kolloidale Silber eine Renaissance. Der Naturheilkundler Robert Franz wurde zu einem der bekanntesten F\u00fcrsprecher. Er betont in seinen Ver\u00f6ffentlichungen, dass&nbsp;<strong>kolloidale Partikel<\/strong>&nbsp;im Gegensatz zu Ionen winzige, elementare Silberpartikel sind, die sich an Viren und Bakterien anheften und deren H\u00fclle zerst\u00f6ren k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Technik \u2013 Wie kolloidales Silber hergestellt wird<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus elektrotechnischer und physikalischer Perspektive ist die Herstellung von kolloidalem Silber besonders interessant. Prinzipiell gibt es zwei Herstellungsverfahren:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Verfahren<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Methode<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Eigenschaften<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Mechanisch (Kolloidm\u00fchle)<\/strong><\/td><td>Feinstes Vermahlen von Silber in einer M\u00fchle<\/td><td>Historisches Verfahren, heutzutage un\u00fcblich<\/td><\/tr><tr><td><strong>Chemisch (Reduktion)<\/strong><\/td><td>Reduktion von Silbersalzen mit Reduktionsmitteln<\/td><td>Kann zu unerw\u00fcnschten chemischen R\u00fcckst\u00e4nden f\u00fchren<\/td><\/tr><tr><td><strong>Elektrochemisch (Elektrolyse)<\/strong><\/td><td>Anlegen einer elektrischen Spannung an zwei Silberelektroden in destilliertem Wasser<\/td><td>Heute das g\u00e4ngigste Verfahren; ergibt hohe Reinheit<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das h\u00e4ufigste und qualitativ beste Verfahren ist die&nbsp;<strong>Elektrolyse<\/strong>. Zwei hochreine Silberst\u00e4be (99,99 % Reinheit) werden in destilliertes Wasser eingetaucht. Durch Anlegen einer Gleichspannung wandern positiv geladene Silberionen von der Anode zur Kathode und bilden dort feine, elementare Silberpartikel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Qualit\u00e4t des Endprodukts h\u00e4ngt von mehreren Faktoren ab:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Reinheit der Elektroden:<\/strong>\u00a0Nur reinstes Silber (99,99 %) garantiert ein reines Produkt ohne Beimengungen wie Nickel oder Kupfer.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Partikelgr\u00f6\u00dfenverteilung:<\/strong>\u00a0Idealerweise liegt die Partikelgr\u00f6\u00dfe im Bereich von 1\u2013100 Nanometern (nm). Eine gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung ist entscheidend f\u00fcr Stabilit\u00e4t und Wirksamkeit.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Konzentration:<\/strong>\u00a0Robert Franz propagiert eine Konzentration von\u00a0<strong>25 ppm<\/strong>\u00a0(parts per million) als idealen Kompromiss zwischen Wirksamkeit und Stabilit\u00e4t. Konzentrationen \u00fcber 25\u201330 ppm neigen zum Ausflocken der Partikel.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Aufbewahrung:<\/strong>\u00a0Kolloidales Silber muss vor Licht und elektromagnetischen Feldern gesch\u00fctzt aufbewahrt werden, da diese die Stabilit\u00e4t des Kolloids beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wirkungsweise \u2013 Theorie, Forschung und Widerspr\u00fcche<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wissenschaftliche Forschung zu kolloidalem Silber l\u00e4sst sich in drei Ebenen unterteilen:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>In-vitro-Wirkung (Reagenzglas-Ebene)<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Reagenzglas zeigt kolloidales Silber eine unbestrittene antimikrobielle Wirkung. Die Silberpartikel k\u00f6nnen in bereits kleinen Konzentrationen eine Vielzahl von Bakterien (grampositive und gramnegative), Pilzen und einige Viren inaktivieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Wirkung wird durch mehrere Mechanismen erkl\u00e4rt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Anheftung der Partikel an die Zellwand der Mikroorganismen<\/li>\n\n\n\n<li>St\u00f6rung des Energiestoffwechsels durch Bindung an spezifische Enzyme<\/li>\n\n\n\n<li>Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS), die die Zellstrukturen sch\u00e4digen<\/li>\n\n\n\n<li>M\u00f6gliche Interaktion mit der viralen H\u00fclle oder dem DNA-Material<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Resistenzentwicklung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, dass Bakterien sich relativ schnell an Silbernanopartikel anpassen k\u00f6nnen. Sie entwickeln keine genetische Resistenz, sondern produzieren vermehrt ein bestimmtes Protein, das die Partikel abf\u00e4ngt und unsch\u00e4dlich macht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das gro\u00dfe Aber \u2013 Klinische Evidenz<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Widerspruch zwischen den Werbeversprechen und der wissenschaftlichen Bewertung liegt in der fehlenden klinischen Evidenz. Es gibt&nbsp;<strong>keine randomisierte, kontrollierte klinische Studie<\/strong>, die einen medizinischen Nutzen der oralen Einnahme von kolloidalem Silber beim Menschen belegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00f6sterreichische Gesundheitsbeh\u00f6rde stellt klar: &#8222;Zwar zeigt Silber im Labor Wirkung gegen Bakterien, Viren und Pilze, aber ob der Einsatz in Alltagsprodukten einen klinischen Nutzen hat, ist nicht nachgewiesen.&#8220;Das arznei-telegramm warnt: &#8222;Wegen betr\u00e4chtlicher Risiken und unbelegten Nutzens raten wir von der Einnahme von Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln mit kolloidalem Silber ab.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Anwendungsbereiche \u2013 \u00c4u\u00dferliche und innerliche Verwendung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00c4u\u00dferliche Anwendung (topisch)<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier sehen viele Experten das geringste Risiko und die gr\u00f6\u00dfte Plausibilit\u00e4t:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wundversorgung:<\/strong>\u00a0Bei schlecht heilenden Wunden, Verbrennungen oder Dekubitus<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hauterkrankungen:<\/strong>\u00a0Bei Akne, Neurodermitis, Ekzemen, Schuppenflechte (Psoriasis)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Infektionen der Schleimh\u00e4ute:<\/strong>\u00a0Bei Bindehautentz\u00fcndungen, Gerstenkorn, eitriger Sinusitis, Heuschnupfen<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Pilzinfektionen:<\/strong>\u00a0Bei Fu\u00dfpilz oder Nagelpilz<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Innerliche Anwendung (oral)<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Bereich ist besonders umstritten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Infektionskrankheiten:<\/strong>\u00a0Bei Bronchitis, Hals- und Rachenentz\u00fcndungen, grippalen Infekten<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Parasit\u00e4re Erkrankungen:<\/strong>\u00a0Besonders kontrovers diskutiert wird die Anwendung bei\u00a0<strong>Borreliose<\/strong>. In einigen Erfahrungsberichten wird von Erfolgen berichtet, teils mit sehr langen Behandlungsdauern. Die Dosierungen variieren stark von wenigen Tropfen bis zu mehreren Millilitern pro Tag.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Entz\u00fcndungen:<\/strong>\u00a0Bei verschiedenen chronischen Entz\u00fcndungszust\u00e4nden<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Robert Franz sieht hier das gr\u00f6\u00dfte Potenzial: Er empfiehlt eine&nbsp;<strong>Eigenverantwortung<\/strong>&nbsp;des Anwenders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine kritische Anmerkung an dieser Stelle:<\/strong>&nbsp;Die innerliche Anwendung ist jener Bereich, der medizinisch als h\u00f6chst problematisch eingestuft wird. Da keine klinischen Studien die Wirksamkeit belegen, bleibt die Einnahme ein Erfahrungsmedizinischer Ansatz mit erheblichen Risiken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Risiken und Nebenwirkungen \u2013 Die dunkle Seite des Silbers<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Argyrie \u2013 Die irreversible Blauf\u00e4rbung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bekannteste Risiko ist die&nbsp;<strong>Argyrie<\/strong>, eine dauerhafte bl\u00e4ulich-graue Verf\u00e4rbung der Haut, der Augen und innerer Organe. Diese entsteht, wenn sich Silberpartikel langfristig im K\u00f6rper anreichern. Obwohl die Verf\u00e4rbung selbst meist harmlos ist, ist sie nahezu irreversibel \u2013 eine Lasertherapie zur Entfernung ist aufwendig und nicht immer erfolgreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders t\u00fcckisch: Es ist nicht bekannt, welche kumulative Dosis zur Argyrie f\u00fchrt. Die Empfindlichkeit der Patienten scheint individuell sehr unterschiedlich zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weitere Risiken<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der Argyrie sind weitere m\u00f6gliche Nebenwirkungen dokumentiert:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Neurologische Sch\u00e4den:<\/strong>\u00a0In seltenen F\u00e4llen wurden Krampfanf\u00e4lle und andere neurologische St\u00f6rungen beobachtet.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Nierensch\u00e4den:<\/strong>\u00a0Chronische hohe Dosen k\u00f6nnen die Nierenfunktion beeintr\u00e4chtigen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Medikamenteninteraktionen:<\/strong>\u00a0Kolloidales Silber kann die Aufnahme bestimmter Antibiotika und von Thyroxin (Schilddr\u00fcsenhormon) beeintr\u00e4chtigen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schw\u00e4chung des Immunsystems:<\/strong>\u00a0Tierversuche deuten auf eine potenziell sch\u00e4dliche Wirkung auf das Immunsystem hin.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Rechtliche Situation in Deutschland<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stuft kolloidales Silber als&nbsp;<strong>Arzneimittel<\/strong>&nbsp;ein, das nicht verkehrsf\u00e4hig ist, wenn es ohne Zulassung in den Verkehr gebracht wird.Trotzdem wird es weiterhin als &#8222;Nahrungserg\u00e4nzungsmittel&#8220; oder &#8222;kosmetisches Produkt&#8220; vertrieben, was eine rechtliche Grauzone darstellt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Differenzierte Betrachtung \u2013 Wo stehen wir heute?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskussion um kolloidales Silber leidet unter einem grundlegenden Problem: Es existieren keine klinischen Studien am Menschen, die einen medizinischen Nutzen belegen. Die gesamte Beweiskette basiert auf:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Evidenzstufe<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Aussagekraft<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Historische Berichte<\/strong><\/td><td>Gering; nicht mit modernen wissenschaftlichen Standards vergleichbar<\/td><\/tr><tr><td><strong>In-vitro-Studien<\/strong><\/td><td>Hoch f\u00fcr die grunds\u00e4tzliche Wirkung; aber nicht auf den Menschen \u00fcbertragbar<\/td><\/tr><tr><td><strong>Einzelfallberichte &amp; Erfahrungsmedizin<\/strong><\/td><td>Sehr niedrig; hohes Risiko f\u00fcr Fehlinterpretation<\/td><\/tr><tr><td><strong>Klinische Studien (beim Menschen)<\/strong><\/td><td><strong>Fehlen vollst\u00e4ndig<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Evidenzl\u00fccke ist bemerkenswert: Ein Mittel, das angeblich so breit wirksam ist, wurde nie in einer ordentlichen klinischen Studie untersucht. Das ist kein Zufall, sondern hat handfeste Gr\u00fcnde:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kein wirtschaftliches Interesse:<\/strong>\u00a0Kolloidales Silber ist nicht patentierbar, da es sich um ein elementares Metall handelt. Die Herstellung ist simpel (Elektrolyse). Pharmaunternehmen haben daher kein Interesse an kostspieligen Zulassungsstudien.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Unklarheit \u00fcber den Wirkstoff:<\/strong>\u00a0Jeder Hersteller produziert unterschiedliche Partikelgr\u00f6\u00dfen und -verteilungen, verwendet verschiedene Spannungen und Stromst\u00e4rken, destilliertes oder &#8222;energetisiertes&#8220; Wasser. Ein standardisierbarer Wirkstoff existiert nicht.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Risiko-Nutzen-Abw\u00e4gung:<\/strong>\u00a0Ethisch w\u00e4re es problematisch, Probanden einem potenziell riskanten (Argyrie, Organsch\u00e4den) und unbewiesenen Mittel auszusetzen, wenn etablierte Therapien existieren.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit und Ausblick<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kolloidales Silber ist ein faszinierendes Ph\u00e4nomen: Eine uralte Technologie, die durch moderne elektrochemische Verfahren verfeinert wurde, und ein Paradebeispiel f\u00fcr die Kluft zwischen Erfahrungsmedizin und evidenzbasierter Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>\u00e4u\u00dfere Anwendung<\/strong>&nbsp;bei Wunden und Hautinfektionen erscheint aufgrund der geringen Resorption und der historischen sowie in-vitro-Datenplausibilit\u00e4t als&nbsp;<strong>vertretbar<\/strong>. Sie findet auch in einigen medizinischen Bereichen (Silber-Wundauflagen) Anwendung, allerdings meist mit Silberverbindungen, nicht kolloidalem Silber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz dazu bleibt die&nbsp;<strong>innere Einnahme<\/strong>&nbsp;medizinisch&nbsp;<strong>h\u00f6chst umstritten<\/strong>. Sie erfolgt ohne nachgewiesenen Nutzen, aber mit dokumentierten Risiken, selbst wenn diese selten sind. F\u00fcr schwerwiegende Erkrankungen wie Borreliose ist sie keine evidenzbasierte Therapie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte des kolloidalen Silbers lehrt uns etwas Grundlegendes: Nicht alles, was im Labor wirkt, wirkt auch im Menschen; nicht alles, was historisch genutzt wurde, ist auch heute empfehlenswert; und nicht alles, was sich gut anh\u00f6rt, ist auch risikolos. Wer kolloidales Silber verwenden m\u00f6chte \u2013 insbesondere innerlich \u2013 sollte dies nur in Absprache mit einem Arzt tun und sich der Risiken bewusst sein. Die sorgf\u00e4ltige, rein \u00e4u\u00dferliche Anwendung ist deutlich weniger bedenklich als die l\u00e4ngerfristige orale Einnahme, die nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht zu empfehlen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick:<\/strong>&nbsp;Zuk\u00fcnftige Forschungen sollten sich auf die topische Anwendung und die genauen Wirkmechanismen konzentrieren. Ein standardisiertes, qualitativ hochwertiges Produkt f\u00fcr die \u00e4u\u00dfere Anwendung k\u00f6nnte eine sinnvolle Erg\u00e4nzung f\u00fcr bestimmte Indikationen darstellen. Die innere Anwendung bleibt ohne kontrollierte Studien wissenschaftlich nicht haltbar \u2013 ein Zustand, der sich wohl auch in absehbarer Zukunft nicht \u00e4ndern wird, da entsprechende Finanzierungsanreize fehlen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Quellen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kolloidales_Silber\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wikipedia: Kolloidales Silber<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.arznei-telegramm.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">arznei-telegramm: Kolloidales Silber statt Antibiotika?<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesundheit.gv.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gesundheit.gv.at: Nanosilber\/kolloidales Silber<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.psiram.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">PSIRAM: Robert Franz<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/BF01501937\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">R. M\u00fcller (1940): Zur Geschichte der therapeutischen Kolloidchemie, insbesondere des kolloiden Silbers,\u00a0<em>Kolloid-Zeitschrift<\/em>\u00a092, 113\u2013115<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/patents.google.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Verfahren und Generator zur Herstellung von kolloidalem Silber (Patent DE102010048179A1)<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/robert-franz-naturwaren.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Robert Franz Naturwaren: Kolloidales Silber 250ml<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/medizin-transparent.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Medizin transparent: Unseri\u00f6s \u2013 kolloidales Silber gegen Coronavirus &amp; Bakterien<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.spektrum.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Spektrum.de: Superkeime \u2013 Nicht genetische Resistenz gegen Nanosilber<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung: Zwischen Wunderheilmittel und Risiko Kolloidales Silber \u2013 eine winzige Menge elementaren Silbers, fein verteilt in destilliertem Wasser \u2013 erlebt derzeit eine bemerkenswerte Renaissance. 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