{"id":4460,"date":"2026-09-19T13:13:01","date_gmt":"2026-09-19T11:13:01","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=4460"},"modified":"2026-09-19T13:13:01","modified_gmt":"2026-09-19T11:13:01","slug":"der-siebentaktschalter-im-elektroherd-technikarchaologie-einer-genialen-schaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-siebentaktschalter-im-elektroherd-technikarchaologie-einer-genialen-schaltung\/","title":{"rendered":"Der Siebentaktschalter im Elektroherd: Technikarch\u00e4ologie einer genialen Schaltung"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer heute vor einem Induktionskochfeld steht und per Wischgeste die Temperatur einstellt, ahnt meist nicht, dass noch vor wenigen Jahrzehnten eine raffinierte, rein mechanische Schaltung die Grundlage f\u00fcr jede zweite Kochstelle bildete. Die Rede ist vom&nbsp;<strong>Siebentaktschalter<\/strong>&nbsp;\u2013 einem Drehschalter, der mit nur sieben Positionen sechs unterschiedliche Heizleistungen erzeugte, ohne st\u00f6rende Schaltnetzteile oder gar Mikrocontroller. Diese Technik, eine Meisterleistung der angewandten Netzspannungslogik, ist heute fast vergessen. Doch wer verstehen will, wie Haushaltselektronik vor der Digitalzeit funktionierte, kommt an dieser \u201eSchaltung der armen Leute\u201c nicht vorbei. Dieser Artikel beleuchtet die Physik dahinter, ihre historische Entwicklung, die vielen Varianten (von 3 bis 9 Takten) und erkl\u00e4rt, warum sie heute nur noch in Museen zu finden ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hauptteil<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Das physikalische Grundprinzip: Reihen- und Parallelschaltung als Leistungssteller<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder ohmsche Verbraucher wie eine Heizwendel gehorcht dem Gesetz&nbsp;<math><semantics><mrow><mi>P<\/mi><mo>=<\/mo><msup><mi>U<\/mi><mn>2<\/mn><\/msup><mi mathvariant=\"normal\">\/<\/mi><mi>R<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math><em>P<\/em>=<em>U<\/em>2\/<em>R<\/em>. Um die Leistung einer Kochplatte zu reduzieren, gibt es zwei Wege: die Spannung senken (teuer, da Trafo n\u00f6tig) oder den Widerstand erh\u00f6hen (einfach, da nur Umverdrahtung). Der Siebentaktschalter nutzt exakt das: Er schaltet mehrere Teil-Heizwiderst\u00e4nde einer einzigen Kochplatte in unterschiedlichen Kombinationen aus&nbsp;<strong>Reihe<\/strong>&nbsp;(hoher Gesamtwiderstand \u2192 geringe Leistung) und&nbsp;<strong>Parallel<\/strong>&nbsp;(niedriger Gesamtwiderstand \u2192 hohe Leistung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine typische Kochplatte f\u00fcr diese Schaltung bestand aus drei einzelnen Heizwendeln (oft zwei innere, eine \u00e4u\u00dfere oder symmetrisch verteilt). Diese drei Widerst\u00e4nde (<math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>1<\/mn><\/msub><mo separator=\"true\">,<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>2<\/mn><\/msub><mo separator=\"true\">,<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>3<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>1\u200b,<em>R<\/em>2\u200b,<em>R<\/em>3\u200b) haben \u00fcblicherweise den gleichen Wert, z.\u202fB. je 100\u202f\u03a9. Daraus ergeben sich dann folgende sechs Heizstufen plus die Nullstellung:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Taktstufe<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Schaltzustand (welche Wendeln aktiv)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Gesamtwiderstand (bei R=100\u03a9)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Relative Leistung (Bezug: eine Wendel allein = 100%)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Typische Bezeichnung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>0<\/td><td>Aus<\/td><td>\u221e<\/td><td>0%<\/td><td>Aus<\/td><\/tr><tr><td>1<\/td><td><math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>1<\/mn><\/msub><mo separator=\"true\">,<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>2<\/mn><\/msub><mo separator=\"true\">,<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>3<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>1\u200b,<em>R<\/em>2\u200b,<em>R<\/em>3\u200b&nbsp;in Reihe<\/td><td>300 \u03a9<\/td><td>33 % (denn 1\/3 der Nennspannung pro Wendel)<\/td><td>\u201eSchmoren\u201c<\/td><\/tr><tr><td>2<\/td><td><math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>1<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>1\u200b&nbsp;allein<\/td><td>100 \u03a9<\/td><td>100 %<\/td><td>\u201eNiedrig\u201c<\/td><\/tr><tr><td>3<\/td><td><math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>1<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>1\u200b&nbsp;und&nbsp;<math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>2<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>2\u200b&nbsp;in Reihe<\/td><td>200 \u03a9<\/td><td>50 %<\/td><td><\/td><\/tr><tr><td>4<\/td><td><math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>1<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>1\u200b&nbsp;und&nbsp;<math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>2<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>2\u200b&nbsp;parallel<\/td><td>50 \u03a9<\/td><td>200 %<\/td><td>\u201eMittel\u201c<\/td><\/tr><tr><td>5<\/td><td><math><semantics><mrow><mo stretchy=\"false\">(<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>1<\/mn><\/msub><mo>\u2225<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>2<\/mn><\/msub><mo stretchy=\"false\">)<\/mo><\/mrow><\/semantics><\/math>(<em>R<\/em>1\u200b\u2225<em>R<\/em>2\u200b)&nbsp;in Reihe mit&nbsp;<math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>3<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>3\u200b<\/td><td>150 \u03a9<\/td><td>66 %<\/td><td><\/td><\/tr><tr><td>6<\/td><td>Alle drei parallel<\/td><td>33,3 \u03a9<\/td><td>300 %<\/td><td>\u201eVolle Pulle\u201c<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nummerierung der Stufen ist historisch nicht immer einheitlich \u2013 manche Hersteller sortierten die Leistung linear von niedrig nach hoch, andere legten die \u201eAlltagsstufe\u201c in die Mitte. Entscheidend ist:&nbsp;<strong>Ohne Halbleiter, ohne Impulspaketsteuerung, allein mit Schleifkontakten<\/strong>&nbsp;lassen sich sechs definierte Leistungsniveaus abrufen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Die zwei Haupt-Topologien: 2+1 und die symmetrische Variante<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht alle Siebentaktschalter sind gleich. Es gibt zwei grundlegende Aufteilungen der Heizwendeln:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die unsymmetrische 2+1-Topologie<\/strong>\u00a0(am h\u00e4ufigsten): Zwei gleiche innere Wendeln (<math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>1<\/mn><\/msub><mo separator=\"true\">,<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>2<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>1\u200b,<em>R<\/em>2\u200b) und eine \u00e4u\u00dfere (<math><semantics><mrow><msub><mi>R<\/mi><mn>3<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math><em>R<\/em>3\u200b). Diese Bauweise findet sich in den meisten gusseisernen Platten der 1960er bis 1980er Jahre. Vorteil: einfacher Gussaufbau. Nachteil: Die Heizleistung verteilt sich ungleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Plattenfl\u00e4che \u2013 auf kleinen Stufen heizt nur die Mitte.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die symmetrische Dreiteilung<\/strong>\u00a0(seltener, z.\u202fB. bei Glaskeramik-Vorl\u00e4ufern): Drei geometrisch identische, ringf\u00f6rmige Heizleiter, die konzentrisch liegen. Vorteil: Gleichm\u00e4\u00dfigere Temperaturverteilung. Nachteil: Aufwendigere Gie\u00dfform.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Besonderheit ist die&nbsp;<strong>Stufe 5<\/strong>&nbsp;in obiger Tabelle:&nbsp;<math><semantics><mrow><mo stretchy=\"false\">(<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>1<\/mn><\/msub><mo>\u2225<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>2<\/mn><\/msub><mo stretchy=\"false\">)<\/mo><mo>+<\/mo><msub><mi>R<\/mi><mn>3<\/mn><\/msub><\/mrow><\/semantics><\/math>(<em>R<\/em>1\u200b\u2225<em>R<\/em>2\u200b)+<em>R<\/em>3\u200b&nbsp;ergibt einen Widerstand von&nbsp;<math><semantics><mrow><mn>50<\/mn><mo>+<\/mo><mn>100<\/mn><mo>=<\/mo><mn>150<\/mn><mtext>\u2009<\/mtext><mi mathvariant=\"normal\">\u03a9<\/mi><\/mrow><\/semantics><\/math>50+100=150\u03a9&nbsp;\u2013 eine Zwischenstufe zwischen 100\u202f\u03a9 (Stufe\u202f2) und 200\u202f\u03a9 (Stufe\u202f3). Tats\u00e4chlich werden nicht alle denkbaren Kombinationen genutzt, sondern nur jene, die eine monoton steigende oder sinnvoll gestaffelte Leistungskurve liefern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Historische Entwicklung: Von der Notwendigkeit zur Massenware<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte beginnt in den 1920er Jahren, als die elektrifizierte K\u00fcche langsam Einzug h\u00e4lt. Fr\u00fche Elektroherde besa\u00dfen oft nur&nbsp;<strong>Zweistufenschalter<\/strong>&nbsp;(Aus \/ Vollgas) oder primitive Thermostate, die aufgrund ihres Bimetallrelais&#8216; laut takteten. Erst in den 1930er Jahren entwickelten Ingenieure bei&nbsp;<strong>AEG<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Siemens<\/strong>&nbsp;die Idee der Mehrfachwendel. Der eigentliche Durchbruch kam nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Massenproduktion von Stufenschaltern mit mehreren Kontakten preiswert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1950er und 1960er Jahren war der Siebentaktschalter das&nbsp;<strong>Nonplusultra<\/strong>&nbsp;der Herdtechnik. Er fand sich in fast jedem Mittelklasse-Herd \u2013 von Neff, Miele, Bauknecht und Gaggenau. Der Legende nach taufte ein Marketingstratege bei Bosch die Bezeichnung \u201eSiebentakt\u201c (in Analogie zum Siebentakter beim Verbrennungsmotor, der besonders ruhig laufen sollte). Die Technik hatte jedoch zwei entscheidende Nachteile: Zum einen erzeugt sie auf den mittleren Stufen Blindw\u00e4rme durch ungleiche Belastung der Phasen (bei Wechselstrom irrelevant, da ohmsche Last), zum anderen war die Anzahl der Stufen auf maximal sechs begrenzt. F\u00fcr feinf\u00fchliges Kochen war das oft zu grob.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Variationen: Weniger und mehr Takte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede Kochstelle ben\u00f6tigte sechs Heizstufen. Deshalb existierten zahlreiche Ableger:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Dreitaktschalter<\/strong>\u00a0(zwei Wendeln, Stufen: Aus \u2013 Reihe \u2013 eine Wendel \u2013 parallel): nur drei Heizstufen, sehr einfach. Oft in einfachen Kochplatten oder Heizdecken.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>F\u00fcnftaktschalter<\/strong>\u00a0(modifizierte 2+1-Topologie, die nur f\u00fcnf nutzbare Stufen anbietet, z.\u202fB. durch Weglassen der Stufe\u202f5 oder 2). Kam bisweilen in g\u00fcnstigeren Herden vor, um einen Schalterkontakt zu sparen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Neuntaktschalter<\/strong>\u00a0(vier Wendeln): extrem selten, nur in teuren Profi-Kochfeldern der 1970er. Hier ergaben sich neun logische Kombinationen, allerdings wurden oft nur sieben oder acht genutzt. Die Kontaktanzahl im Drehschalter stieg immens, was die Herstellung teuer machte.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Eintaktschalter<\/strong>\u00a0(eine Wendel, nur Ein\/Aus) \u2013 das absolute Minimum.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Tabelle der g\u00e4ngigsten Varianten:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bezeichnung<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Anzahl Wendeln<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Anzahl Heizstufen<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">\u00dcbliche Anwendung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Eintakter<\/td><td>1<\/td><td>1 (Ein\/Aus)<\/td><td>Mini-Kochplatte<\/td><\/tr><tr><td>Dreitakter<\/td><td>2<\/td><td>3<\/td><td>Studentenkochplatte<\/td><\/tr><tr><td>F\u00fcnftakter<\/td><td>2 + Sonderschaltung<\/td><td>5<\/td><td>Unterklasse-Herd<\/td><\/tr><tr><td>Siebentakter<\/td><td>3<\/td><td>6<\/td><td>Standard-Herd (1960\u20131990)<\/td><\/tr><tr><td>Neuntakter<\/td><td>4<\/td><td>8\u20139<\/td><td>Luxus-Herd (selten)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Das Ende einer \u00c4ra: Warum die Taktik der Takte ausstarb<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab den 1980er Jahren setzte sich der&nbsp;<strong>Energieregler<\/strong>&nbsp;durch \u2013 ein Bimetallschalter, der die volle Heizleistung f\u00fcr eine variable Zeitspanne ein- und ausschaltet (heute als Pulsweitenmodulation bekannt). Mit einem einfachen Drehpoti konnte man nun&nbsp;<strong>stufenlos<\/strong>&nbsp;die Leistung zwischen ca. 10% und 100% einstellen \u2013 und das mit nur einem Schleifkontakt plus einem Bimetall. Der Siebentaktschalter war pl\u00f6tzlich \u00fcberfl\u00fcssig: teurer in der Fertigung (viele Kontakte), unflexibel (nur sechs Stufen) und anf\u00e4lliger f\u00fcr Kontaktabbrand durch h\u00e4ufiges Schalten unter Last.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem zogen elektronische Steuerungen ein: Thyristor- und Triac-Schaltungen erlaubten eine verlustlose, stufenlose Phasenanschnittsteuerung \u2013 und sp\u00e4ter Mikrocontroller mit Temperaturf\u00fchler. Die rein mechanischen Stufenschalter verschwanden bis Mitte der 1990er Jahre aus der Serienfertigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute ist der Siebentaktschalter nur noch in&nbsp;<strong>Liebhaberk\u00fcchen<\/strong>&nbsp;oder bei der Restaurierung historischer Herde zu finden. Einige kleine Hersteller bieten Repros f\u00fcr Oldtimer-Herde an, und in reparaturfreundlichen Kreisen wird die Technik wiederentdeckt \u2013 als Beispiel f\u00fcr durchdachte, reparierbare Elektronik ohne Chip.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Mechanik im Detail: Wie funktioniert der Schalter selbst?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Drehschalter des Siebentakters ist ein sogenannter&nbsp;<strong>Kulissenschalter<\/strong>&nbsp;mit mehreren Kontaktfedern, die durch eine Nockenwelle bet\u00e4tigt werden. Je nach Drehwinkel schlie\u00dfen oder \u00f6ffnen sich definierte Pfade. Ein Schaltplan (vereinfacht) k\u00f6nnte so aussehen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Klemme L<\/strong>\u00a0(Netzphase) wird auf einen rotierenden Schleifer gef\u00fchrt.<\/li>\n\n\n\n<li>Von dort aus gehen sechs feste Kontakte auf die verschiedenen Kombinationen der Heizwendelanschl\u00fcsse, die an Klemmen A, B, C liegen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die R\u00fcckleitung (N) liegt permanent an der anderen Seite der Wendeln.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit beim Schalt\u00fcbergang kein Kurzschluss entsteht, sind die Kontakte&nbsp;<strong>\u00fcberlappungsfrei<\/strong>&nbsp;ausgelegt \u2013 ein mechanisches Kunstst\u00fcck, das pr\u00e4zise Toleranzen erforderte. Im Vergleich zu modernen Quittungstastern wirkt das wie eine Schweizer Uhr.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Siebentaktschalter ist ein Paradebeispiel f\u00fcr die&nbsp;<strong>Techarch\u00e4ologie<\/strong>&nbsp;unserer Alltagsgegenst\u00e4nde. Er zeigt, wie Ingenieure mit rein mechanischen Mitteln und den Gesetzen der Reihen-Parallel-Schaltung eine Vielzahl von Heizleistungen erzeugten \u2013 lange bevor Mikrocontroller den K\u00fcchenalltag eroberten. Seine sechs Stufen waren ein Fortschritt gegen\u00fcber dem simplen Ein-\/Ausschalter, aber auch ein Kompromiss: grobe Abstufung, ungleichm\u00e4\u00dfige Erw\u00e4rmung und der Zwang zu genau drei Wendeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was k\u00f6nnen wir heute daraus lernen? Die Diskussion um&nbsp;<strong>Reparierbarkeit<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Obsoleszenz<\/strong>&nbsp;hat diese alte Technik wieder in den Fokus ger\u00fcckt. Ein Siebentaktschalter aus den 1970ern funktioniert immer noch \u2013 ein modernes Touchfeld gibt oft schon nach f\u00fcnf Jahren den Geist auf. Es gibt eine kleine, wachsende Bewegung von \u201eRetro-K\u00f6chen\u201c und Technikmuseen, die solche Schalter konservieren. Doch der gro\u00dfe Wurf wird nicht zur\u00fcckkehren: Die Vorteile der digitalen Regelung (Energieeffizienz, Sicherheit, Komfort) \u00fcberwiegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Falls Sie einmal einen alten Herd mit Siebentaktschaltung erben \u2013 heben Sie ihn auf. Nicht wegen des Kochergebnisses, sondern als ein St\u00fcck&nbsp;<strong>handfester Elektrotechnik<\/strong>, die keine Software-Updates, keine Cloud und keinen Akku braucht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Springer, G. (2015).\u00a0<em>Elektroinstallation in Haus und Wohnung<\/em>. VDE Verlag. (Kapitel 5: Stufenschalter f\u00fcr Kochger\u00e4te)<\/li>\n\n\n\n<li>B\u00f6ttcher, H. (2008).\u00a0<em>Geschichte der Elektrohausger\u00e4te \u2013 Vom B\u00fcgeleisen zur Mikrowelle<\/em>. Husum Verlag.<\/li>\n\n\n\n<li>Wikipedia: \u201eElektroherd\u201c, \u201eStufenschalter\u201c (abgerufen am 4. Mai 2026) \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Elektroherd\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Online<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Fachzeitschrift\u00a0<em>Elektropraktiker<\/em>\u00a0(Heft 3\/1982): \u201eOptimierung von Kochplatten-Stufenschaltungen\u201c, S. 112\u2013115.<\/li>\n\n\n\n<li>Stiebler, M. (2001).\u00a0<em>K\u00fcchentechnik: Grundlagen, Ger\u00e4te, Planung<\/em>. Beuth Verlag. (Abschnitt 4.2.1: Taktsteuerung)<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Wer heute vor einem Induktionskochfeld steht und per Wischgeste die Temperatur einstellt, ahnt meist nicht, dass noch vor wenigen Jahrzehnten eine raffinierte, rein mechanische Schaltung die Grundlage f\u00fcr jede zweite Kochstelle bildete. 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