{"id":4493,"date":"2026-05-24T07:19:00","date_gmt":"2026-05-24T05:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=4493"},"modified":"2026-05-24T07:19:00","modified_gmt":"2026-05-24T05:19:00","slug":"uber-die-unmoglichkeit-einer-einfachen-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/uber-die-unmoglichkeit-einer-einfachen-wahrheit\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Unm\u00f6glichkeit einer einfachen Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">von DerSchneider<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Jahrzehnte sind vergangen, seit die Ostseef\u00e4hre&nbsp;<em>MS Estonia<\/em>&nbsp;in der Nacht zum 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord sank. 852 von ihnen starben. Die offizielle Erkl\u00e4rung liegt vor: das Bugvisier riss im Sturm ab, Wasser str\u00f6mte auf das Fahrzeugdeck, das Schiff kenterte und sank innerhalb von Minuten. Eine einfache, tragische Kausalkette.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch diese Erkl\u00e4rung will nicht verfangen. Zu viele Ungereimtheiten, zu viele unbeantwortete Fragen, zu viele unbequeme Zeugenberichte haben sich \u00fcber die Jahre angesammelt. Und so ist die&nbsp;<em>Estonia<\/em>&nbsp;\u2013 ein Schiff, das urspr\u00fcnglich unter dem Namen&nbsp;<em>Viking Sally<\/em>&nbsp;von der Meyer Werft in Papenburg gebaut wurde \u2013 zu einem der hartn\u00e4ckigsten R\u00e4tsel der europ\u00e4ischen Nachkriegsgeschichte geworden, zu einem Symbol f\u00fcr institutionelles Versagen und f\u00fcr das tiefe Misstrauen gegen\u00fcber staatlicher Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel soll keine abschlie\u00dfende Antwort geben. Er soll vielmehr eine Bestandsaufnahme des Ungekl\u00e4rten sein. Eine Chronologie der Widerspr\u00fcche, der Indizien, der unbequemen Fakten. Ein Pl\u00e4doyer daf\u00fcr, dass eine Katastrophe dieses Ausma\u00dfes mehr verdient als eine schnelle Aktenablage.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I. Das offizielle Narrativ: Ein Konstruktionsfehler<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die offizielle Untersuchungskommission (Joint Accident Investigation Commission, JAIC) aus Schweden, Finnland und Estland legte ihren Abschlussbericht 1997 vor: Das nach oben aufklappbare Bugvisier der&nbsp;<em>Estonia<\/em>&nbsp;sei unter dem Druck der meterhohen Wellen gebrochen, habe die innere Bugrampe aufgerissen und so den Weg f\u00fcr das Wasser auf das Autodeck geebnet. Das Schiff kenterte wegen des sogenannten &#8222;freien Oberfl\u00e4cheneffekts&#8220; \u2013 das Wasser konnte sich auf dem offenen Fahrzeugdeck ungehindert hin- und herbewegen. Schuldig waren in erster Linie die Konstrukteure oder, je nach Lesart, die mangelhafte Wartung der Verschl\u00fcsse durch die Betreiber.<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/Estonia-Schwedens-Staatsanwaltschaft-ermittelt-nicht-weiter,estonia302.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/panorama\/meyer-werft-unschuldig-an-estonia-unfall-559354.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Meyer Werft selbst wehrte sich vehement gegen diesen Vorwurf. Ein von ihr beauftragtes Gutachten von 1997 verschob die Schuld auf die Eigner und die unzureichende Wartung der Verschlussanlagen. Die Konstruktion des Schiffes sei sicher gewesen, der Betrieb unter den gegebenen Umst\u00e4nden fahrl\u00e4ssig.<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/panorama\/meyer-werft-unschuldig-an-estonia-unfall-559354.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>Die Werft behauptete au\u00dferdem, die Bugklappe sei nicht durch Wellen, sondern durch mindestens zwei heftige Detonationen unter der Wasserlinie abgesprengt worden.<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/panorama\/die-katastrophe-bleibt-mysterios-meyer-werft-widerspricht-bericht-uber-erkenntnisse-der-eigenen-experten-641284.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Konflikt zwischen offizieller Kommission und betroffener Werft ist symptomatisch f\u00fcr den gesamten Fall. Es ist ein Konflikt, der nie wirklich ausgetragen, sondern lediglich beigelegt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtige Stimmen \u2013 wie die der \u00dcberlebenden, die bis heute von lauten Knallger\u00e4uschen berichten, oder die von Ingenieuren, die den physikalischen Ablauf in Frage stellen \u2013 gingen in diesem Streit der Institutionen unter.<a href=\"https:\/\/prod.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/ostsee-unglueck-woher-kommt-das-loch-im-rumpf-der-estonia-li.108716\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>Eine einfache Wahrheit, so der Eindruck, war weder gew\u00fcnscht noch durchsetzbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II. Das unentdeckte Loch: Der Stein des Ansto\u00dfes<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Herbst 2020 ver\u00e4nderte ein Dokumentarfilmteam unter der Leitung von Henrik Evertsson die Grundlage der Debatte. Mit einem ferngesteuerten Tauchroboter (ROV) filmten sie von einem deutschen Schiff aus den Rumpf des Wracks auf der Steuerbordseite. Die Aufnahmen zeigten ein zuvor unbekanntes,&nbsp;<strong>vier Meter langes und 1,20 Meter breites Loch<\/strong>&nbsp;im Stahl. Die Au\u00dfenhaut war offenbar&nbsp;<strong>nach innen gedr\u00fcckt<\/strong>&nbsp;\u2013 ein klares Zeichen f\u00fcr eine Krafteinwirkung von au\u00dfen.<a href=\"https:\/\/prod.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/ostsee-unglueck-woher-kommt-das-loch-im-rumpf-der-estonia-li.108716\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/estonia-unglueck-mit-852-toten-dokumentarfilm-liefert-neue-beweise-zum-untergang-faehre-a-2dfc4d11-179c-442b-a80c-a8ab68e22a47\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fund war politisch so brisant, dass Estlands Regierungschef J\u00fcri Ratas neue Untersuchungen forderte.<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/estonia-unglueck-mit-852-toten-dokumentarfilm-liefert-neue-beweise-zum-untergang-faehre-a-2dfc4d11-179c-442b-a80c-a8ab68e22a47\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>Die schwedische Staatsanwaltschaft hingegen leitete ein Verfahren gegen die Filmemacher wegen &#8222;St\u00f6rung der Totenruhe&#8220; ein \u2013 obwohl sie mit einem deutschen Schiff in internationalen Gew\u00e4ssern gefahren waren.<a href=\"https:\/\/prod.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/ostsee-unglueck-woher-kommt-das-loch-im-rumpf-der-estonia-li.108716\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/estonia-unglueck-mit-852-toten-dokumentarfilm-liefert-neue-beweise-zum-untergang-faehre-a-2dfc4d11-179c-442b-a80c-a8ab68e22a47\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Offizielle Stellen reagierten mit einer Erkl\u00e4rung: Das Loch sei wahrscheinlich&nbsp;<strong>beim Aufprall des Wracks auf den felsigen Meeresgrund<\/strong>&nbsp;entstanden und habe nichts mit der Ursache des Untergangs zu tun.<a href=\"https:\/\/news.err.ee\/1140766\/taltech-engineers-doubt-ms-estonia-sank-due-to-submarine-collision\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>Kritiker fanden daf\u00fcr wenig Verst\u00e4ndnis. Sie bemerkten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Dass die offiziellen Untersuchungen in den 1990er Jahren das Loch \u00fcbersehen oder bewusst verschwiegen hatten.<\/li>\n\n\n\n<li>Dass das Loch unter der Wasserlinie liegt und damit als prim\u00e4re Eintrittspforte f\u00fcr Wasser in Frage k\u00e4me. Es ist viel gr\u00f6\u00dfer als jedes Leck, das durch die offizielle Bugvisier-Theorie entstanden w\u00e4re.<\/li>\n\n\n\n<li>Dass die nach innen gebogene Form deutlich auf eine Kollision hindeutet.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die schwedische Staatsanwaltschaft lehnte 2024 &#8222;neue Ermittlungen&#8220; ab. Aus ihrer Sicht sei der Fall abgeschlossen.<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/Estonia-Schwedens-Staatsanwaltschaft-ermittelt-nicht-weiter,estonia302.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>Viele \u00dcberlebende und Angeh\u00f6rige f\u00fchlten sich auch dadurch erneut an das erinnert, was sie als jahrzehntelange Vertuschungspraxis empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus den Recherchen von NDR, WDR und S\u00fcddeutscher Zeitung geht zudem hervor, dass die Estonia in den Wochen vor ihrer letzten Fahrt tats\u00e4chlich f\u00fcr Transporte milit\u00e4rischer Ausr\u00fcstung genutzt wurde. Was genau in jener Nacht an Bord war, ist nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">III. Das Attentat? Zur Sprengstoffthese<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Journalistin Jutta Rabe unternahm 1999 mit dem US-Unternehmer Gregg Bemis eine private Tauchexpedition zum Wrack. Sie lie\u00df zwei Metallst\u00fccke aus dem Bugbereich heraustrennen. Mehrere deutsche Institute \u2013 darunter die Materialpr\u00fcfungsanstalt Brandenburg und das Institut f\u00fcr Materialpr\u00fcfung und Werkstofftechnik in Clausthal-Zellerfeld \u2013 kamen unabh\u00e4ngig voneinander zu dem Schluss, dass diese St\u00fccke&nbsp;<strong>Explosionsspuren aufwiesen<\/strong>. Sie sprachen von einer strukturellen Ver\u00e4nderung, die nur durch eine Explosion verursacht worden sein k\u00f6nne.<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article542442\/Zwei-deutsche-Studien-belegen-Explosion-auf-der-Estonia-Faehre.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/neue-gutachten-explosion-fuehrte-zum-untergang-der-estonia-a-101411.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Sprengung k\u00f6nnte als urs\u00e4chliches Ereignis das Loch im Rumpf erkl\u00e4ren \u2013 und damit die gesamte Physik des schnellen Kenterns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings: Die schwedische Seite widersprach. Experten der schwedischen Streitkr\u00e4fte argumentierten, dass die Ver\u00e4nderungen auch von einer&nbsp;<strong>Rostschutzbehandlung<\/strong>&nbsp;des Stahls oder einer anderen mechanischen Einwirkung stammen k\u00f6nnten. Zudem sei unklar, von welcher exakten Stelle des Rumpfes die Proben stammten.<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/article74HC7-ld.162735\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den wenigen gesicherten Fakten geh\u00f6rt, dass die&nbsp;<em>Estonia<\/em>&nbsp;nicht die erste F\u00e4hre mit Problemen am Bugvisier war. Bereits ihr Schwesterschiff&nbsp;<em>Diana II<\/em>&nbsp;hatte Sch\u00e4den an der Klappe erlitten. Die Frage, ob ein Konstruktionsfehler, eine mangelhafte Wartung oder eine Explosion zum Ungl\u00fcck f\u00fchrte, bleibt eine Glaubensfrage.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">IV. Die verschwundenen Besatzungsmitglieder: Ein Kriminalfall im Kriminalfall<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Liste der 852 Toten finden sich Namen von Menschen, die nachweislich die Katastrophe \u00fcberlebt hatten. Insbesondere der Zweite Kapit\u00e4n Avo Piht wurde von mehreren \u00dcberlebenden als gerettet gesehen. Er verteilte Rettungswesten und ging als einer der Letzten von Bord. Seine Ehefrau Sirje organisierte noch Jahre sp\u00e4ter Geburtstagsfeiern f\u00fcr ihren &#8222;toten&#8220; Mann.<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/im-bermuda-dreieck-der-ostsee-a-50e1932f-0002-0001-0000-000008670372\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.profil.at\/ausland\/untergang-der-estonia-ein-15000-tonnen-schweres-geheimnis\/401463343\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Offiziell sind Piht und sieben weitere Besatzungsmitglieder verschollen oder tot, und die Beh\u00f6rden sprechen von einem Versehen. Doch was wie ein simpler administrativer Fehler aussieht, erscheint vor dem Hintergrund anderer Ungereimtheiten in einem anderen Licht. Warum wurden Menschen, die gerettet waren, sp\u00e4ter f\u00fcr tot erkl\u00e4rt? Hatten sie m\u00f6glicherweise brisante Informationen? Liegt hier der Schl\u00fcssel zu einem gr\u00f6\u00dferen Geheimnis?Die schwedische Generalstaatsanwaltschaft hat solche Fragen nie offiziell beantwortet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">V. Der politisch-historische Kontext<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<em>Estonia<\/em>&nbsp;sank in einer Zeit des radikalen Umbruchs. Der Kalte Krieg war gerade zu Ende gegangen, die Sowjetunion zerfallen, die baltischen Staaten hatten ihre Unabh\u00e4ngigkeit wiedererlangt. In dieser labilen Phase befand sich auch die milit\u00e4rische Infrastruktur der Region in einer Art Schwebezustand. Dass 1994 tats\u00e4chlich noch Milit\u00e4rtechnik auf zivilen F\u00e4hren transportiert wurde \u2013 vielleicht russische Waffenteile im Tausch gegen westliche Hilfe \u2013 bringen hartn\u00e4ckige Ger\u00fcchte mit der Estonia in Verbindung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund erscheint die Kollision der Estonia mit einem getauchten U-Boot weniger abwegig. Es w\u00e4re ein Unfall gewesen \u2013 aber einer, den keine beteiligte Nation\u00f6ffentlich zugeben wollte, weil er die fragile geopolitische Ordnung der jungen Nach-Kriegszeit gef\u00e4hrdet h\u00e4tte.<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/panorama\/ms-estonia-soll-1994-nach-kollision-mit-u-boot-gesunken-sein-5376964.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutschen Medien (NDR\/WDR\/SZ) haben im Jahr 2024 zudem Hinweise darauf gefunden, dass Russland das Wrack der&nbsp;<em>Estonia<\/em>&nbsp;m\u00f6glicherweise f\u00fcr milit\u00e4rische Trainings- und Spionagezwecke nutzt. Die Sperrzone um das Wrack, die eigentlich die Totenruhe sch\u00fctzen soll, w\u00fcrde solche Aktivit\u00e4ten ideal abschirmen.<a href=\"https:\/\/yle.fi\/a\/74-20190277\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn dies zutrifft, dann w\u00e4re die&nbsp;<em>Estonia<\/em>&nbsp;nicht nur Opfer einer Trag\u00f6die, sondern w\u00fcrde heute selbst als geopolitische Waffe instrumentalisiert. Das Wrack, das eine Grabst\u00e4tte sein sollte, k\u00f6nnte zum strategischen Ort eines neuen Kalten Krieges werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VI. Weitere offene Fragen und Ungereimtheiten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Haupttheorien hinaus gibt es eine Vielzahl von Fragen, die im Schatten der gro\u00dfen Debatten bestehen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Warum wurde das Wrack nie gehoben?<\/strong>\u00a0Die schwedische Regierung hatte es den Angeh\u00f6rigen versprochen, zog das Versprechen aber zur\u00fcck. Stattdessen wurde die\u00a0<em>Estonia<\/em>\u00a0per Gesetz zur Grabst\u00e4tte erkl\u00e4rt und mit Steinen zugesch\u00fcttet, um sie als solche zu sch\u00fctzen. Dieses abrupte Brechen des Versprechens war f\u00fcr viele Angeh\u00f6rige ein tiefer Vertrauensbruch und n\u00e4hrte den Verdacht, dass mehr als nur Totenruhe dahintersteckte (z.\u202fB. die Sicherung von Milit\u00e4rgeheimnissen oder die Vereitelung weiterer Beweissuche).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Wo sind die versprochenen Aufkl\u00e4rungsdokumente?<\/strong>\u00a0\u00dcber 25 Jahre sp\u00e4ter sind wesentliche Akten der offiziellen Untersuchung in Schweden, Finnland und den USA noch immer klassifiziert. Manche sollen bis ins Jahr 2069 gesperrt bleiben. Ohne Einsicht bleibt der Untersuchungsbericht f\u00fcr Kritiker eine Blackbox.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die unver\u00f6ffentlichten Bilder und der verschwundene Koffer:<\/strong>\u00a0Ein untergetauchter Handkoffer mit Dokumenten eines angeblichen Waffenh\u00e4ndlers an Bord der Estonia sowie widerspr\u00fcchliche Aussagen zu den offiziellen Tauchg\u00e4ngen geh\u00f6ren zu den unbequemen, nie ganz ausger\u00e4umten Nebenschaupl\u00e4tzen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Warum haben weder die schwedische noch die finnische Marine das Loch im Rumpf in ihren urspr\u00fcnglichen Untersuchungen der fr\u00fchen 1990er Jahre dokumentiert, obwohl es doch so gro\u00df ist?<\/strong><\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Rolle des schwedischen Zolls:<\/strong>\u00a0Ein schwedischer Zollbeamter gab zu Protokoll, dass vor dem Ungl\u00fcck milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung \u00fcber die\u00a0<em>Estonia<\/em>\u00a0transportiert wurde und dass diese Transporte nicht kontrolliert werden durften. Die schwedische Regierung best\u00e4tigte solche Transporte zwar prinzipiell, nicht aber f\u00fcr die Ungl\u00fccksnacht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/Estonia-Schwedens-Staatsanwaltschaft-ermittelt-nicht-weiter,estonia302.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">NDR<\/a>\u00a0(2024):\u00a0<em>Untergang der &#8222;Estonia&#8220; 1994: Keine neuen Ermittlungen der schwedischen Staatsanwaltschaft<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/prod.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/ostsee-unglueck-woher-kommt-das-loch-im-rumpf-der-estonia-li.108716\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Berliner Zeitung<\/a>\u00a0(2020):\u00a0<em>Ostsee-Ungl\u00fcck: Woher kommt das Loch im Rumpf der &#8222;Estonia&#8220;?<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/estonia-unglueck-mit-852-toten-dokumentarfilm-liefert-neue-beweise-zum-untergang-faehre-a-2dfc4d11-179c-442b-a80c-a8ab68e22a47\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Spiegel<\/a>\u00a0(2020):\u00a0<em>Dokumentarfilm soll neue Beweise zum Untergang der Estonia liefern<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article542442\/Zwei-deutsche-Studien-belegen-Explosion-auf-der-Estonia-Faehre.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Welt<\/a>\u00a0(2000):\u00a0<em>Zwei deutsche Studien belegen Explosion auf der &#8222;Estonia&#8220;-F\u00e4hre<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/neue-gutachten-explosion-fuehrte-zum-untergang-der-estonia-a-101411.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Spiegel<\/a>\u00a0(2000):\u00a0<em>Neue Gutachten: Explosion f\u00fchrte zum Untergang der &#8222;Estonia&#8220;<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/article74HC7-ld.162735\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">NZZ<\/a>\u00a0(2001):\u00a0<em>Doch eine Explosion auf der &#8222;Estonia&#8220;?<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/panorama\/die-katastrophe-bleibt-mysterios-meyer-werft-widerspricht-bericht-uber-erkenntnisse-der-eigenen-experten-641284.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Tagesspiegel<\/a>\u00a0(1999):\u00a0<em>Panorama: Die Katastrophe bleibt mysteri\u00f6s &#8211; Meyer-Werft widerspricht Bericht \u00fcber Erkenntnisse der eigenen Experten<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/panorama\/meyer-werft-unschuldig-an-estonia-unfall-559354.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Tagesspiegel<\/a>\u00a0(1997):\u00a0<em>Panorama: Meyer-Werft: Unschuldig an &#8222;Estonia&#8220;-Unfall<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/im-bermuda-dreieck-der-ostsee-a-50e1932f-0002-0001-0000-000008670372\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Spiegel<\/a>\u00a0(1997):\u00a0<em>Im Bermuda-Dreieck der Ostsee<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.profil.at\/ausland\/untergang-der-estonia-ein-15000-tonnen-schweres-geheimnis\/401463343\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">profil<\/a>\u00a0(2021):\u00a0<em>Untergang der Estonia: Ein 15.000 Tonnen schweres Geheimnis<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/m.focus.de\/wissen\/mensch\/ging-vor-26-jahren-unter-schwerstes-schiffsunglueck-nach-zweitem-weltkrieg-raetsel-um-ms-estonia-scheint-geloest_id_12483648.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Focus Online<\/a>\u00a0(2020):\u00a0<em>Schwerstes Schiffsungl\u00fcck nach Zweitem Weltkrieg: Ist R\u00e4tsel um MS Estonia gel\u00f6st?<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/news.err.ee\/1140766\/taltech-engineers-doubt-ms-estonia-sank-due-to-submarine-collision\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ERR News<\/a>\u00a0(2020):\u00a0<em>TalTech engineers doubt MS Estonia sank due to submarine collision<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/yle.fi\/a\/74-20190277\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Yle News<\/a>\u00a0(2025):\u00a0<em>German media: Russia using MS Estonia wreck for training, possible espionage<\/em><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von DerSchneider Drei Jahrzehnte sind vergangen, seit die Ostseef\u00e4hre&nbsp;MS Estonia&nbsp;in der Nacht zum 28. September 1994 mit 989 Menschen an Bord sank. 852 von ihnen starben. Die offizielle Erkl\u00e4rung liegt vor: das Bugvisier riss im Sturm ab, Wasser str\u00f6mte auf das Fahrzeugdeck, das Schiff kenterte und sank innerhalb von Minuten. Eine einfache, tragische Kausalkette. Doch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,24],"tags":[82,679,1090,2252,2306,3566,5155,6106,6554,7173,7439],"class_list":["post-4493","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-ruckspiegel","category-krieg-technik","tag-82","tag-avo-piht","tag-bugvisier","tag-estonia","tag-explosion","tag-jutta-rabe","tag-ostsee","tag-schiffskatastrophe","tag-spionage","tag-u-boot","tag-vertuschung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4493","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4493"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4493\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4493"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4493"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4493"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}