{"id":4532,"date":"2026-05-11T00:00:00","date_gmt":"2026-05-10T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=4532"},"modified":"2026-05-11T00:00:00","modified_gmt":"2026-05-10T22:00:00","slug":"emv-auf-der-spur-selbstbau-eines-spartanischen-rfid-warners-mit-arduino-und-esp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/emv-auf-der-spur-selbstbau-eines-spartanischen-rfid-warners-mit-arduino-und-esp\/","title":{"rendered":"EMV auf der Spur: Selbstbau eines spartanischen RFID-Warners mit Arduino und ESP"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor:<\/strong>&nbsp;DerSchneider<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Elektromagnetische Vertr\u00e4glichkeit (EMV) ist eine jener technischen Disziplinen, die im Verborgenen wirkt \u2013 bis sie pl\u00f6tzlich zum Problem wird. Kaum ein Entwickler, der nicht schon einmal erlebt hat, wie ein vermeintlich harmloses Schaltnetzteil die Funkverbindung eines Prototyps lahmlegt, oder wie ein RFID-Leseger\u00e4t im Labor pl\u00f6tzlich keine Transponder mehr erkennt. Die Ursache sind oft unerkannte St\u00f6rquellen. W\u00e4hrend professionelle EMV-Messpl\u00e4tze mit Spektrumanalysatoren, Messempf\u00e4ngern und absorberausgekleideten R\u00e4umen Zehntausende Euro kosten, stellt sich f\u00fcr Bastler, Maker und kleinere Entwicklungsabteilungen die Frage: Gibt es einen einfachen, kosteng\u00fcnstigen Weg, zumindest&nbsp;<em>grob<\/em>&nbsp;zu erkennen, ob ein RFID-Sender st\u00f6rt oder gest\u00f6rt wird? Dieser Artikel zeigt den Aufbau eines \u201espartanischen Warnger\u00e4ts\u201c auf Arduino\/ESP-Basis, erl\u00e4utert die physikalischen Hintergr\u00fcnde, die Grenzen solcher Eigenbauten und ordnet sie in den Kontext der EMV-Normung ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hauptteil<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Was ist EMV und warum ist sie f\u00fcr RFID so kritisch?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Elektromagnetische Vertr\u00e4glichkeit beschreibt die F\u00e4higkeit eines Ger\u00e4ts, in seiner elektromagnetischen Umgebung zufriedenstellend zu arbeiten, ohne diese Umgebung unzul\u00e4ssig zu beeintr\u00e4chtigen. F\u00fcr RFID-Systeme \u2013 die je nach Bauart in den LF- (125\u2013134 kHz), HF- (13,56 MHz) oder UHF-B\u00e4ndern (860\u2013960 MHz) senden \u2013 gelten besonders strenge Anforderungen. Zum einen sind sie selbst potenzielle St\u00f6rquellen (Emission), zum anderen k\u00f6nnen starke externe Felder (z.\u202fB. von Schwei\u00dfger\u00e4ten, Frequenzumrichtern oder Smartphones) ihre Funktion beeintr\u00e4chtigen (Immunit\u00e4t). Die gesetzlichen Grenzwerte sind in Europa in den Normen&nbsp;<strong>EN 300 330<\/strong>&nbsp;(f\u00fcr RFID unter 25 MHz) und&nbsp;<strong>EN 302 208<\/strong>&nbsp;(f\u00fcr UHF-RFID) sowie in der EMV-Produktnorm&nbsp;<strong>EN 301 489-3<\/strong>&nbsp;festgelegt. In den USA regelt&nbsp;<strong>FCC Part 15<\/strong>&nbsp;die Zul\u00e4ssigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den ambitionierten Bastler stellt sich die Frage: Wie kann ich ohne teure Messtechnik zumindest&nbsp;<em>qualitativ<\/em>&nbsp;pr\u00fcfen, ob ein RFID-Leseger\u00e4t auff\u00e4llige St\u00f6raussendungen hat oder ob ein externes St\u00f6rsignal meine RFID-Kommunikation lahmlegt? Die Antwort liegt in einem einfachen Breitband-HF-Detektor.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Physikalische Grundlage: Der Schottky-Dioden-Detektor<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder Detektor f\u00fcr hochfrequente Felder basiert auf dem Prinzip der Gleichrichtung. Eine Diode wandelt das hochfrequente Wechselspannungssignal einer Antenne in eine messbare Gleichspannung um. W\u00e4hrend normale Siliziumdioden (z.\u202fB. 1N4148) wegen ihrer hohen Sperrschichtkapazit\u00e4t und langen Erholungszeit f\u00fcr Frequenzen oberhalb von einigen 100 MHz ungeeignet sind, arbeiten&nbsp;<strong>Schottky-Dioden<\/strong>&nbsp;aufgrund ihres Metall-Halbleiter-\u00dcbergangs extrem schnell. Modelle wie die&nbsp;<strong>HSMS-2850<\/strong>&nbsp;von Broadcom (fr\u00fcher Avago) sind speziell f\u00fcr die Detektion von Signalen bis in den unteren GHz-Bereich optimiert. Sie ben\u00f6tigen keine externe Vorspannung und liefern bereits bei eingestrahlten Leistungen von \u201350\u202fdBm eine messbare Ausgangsspannung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundschaltung ist denkbar einfach: Die Diode wird mit einer kleinen Antenne (z.\u202fB. einem St\u00fcck Draht) verbunden. Parallel zur Diode liegen ein Kondensator (ca. 100 pF) zur Gl\u00e4ttung und ein hochohmiger Widerstand (1\u202fM\u03a9) als Last. Die abfallende Gleichspannung wird direkt dem Analog-Digital-Wandler (ADC) eines Mikrocontrollers zugef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Komponente<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Typischer Wert<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Funktion<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Schottky-Diode<\/td><td>HSMS-2850, HSMS-286x<\/td><td>Gleichrichtung des HF-Signals<\/td><\/tr><tr><td>Kondensator<\/td><td>100 pF Keramik<\/td><td>Gl\u00e4ttung, Spitzengleichrichtung<\/td><\/tr><tr><td>Widerstand<\/td><td>1 M\u03a9<\/td><td>Entladung, definierter Arbeitspunkt<\/td><\/tr><tr><td>Antenne<\/td><td>\u03bb\/4-Draht oder PCB-Loop<\/td><td>Einkopplung des elektrischen \/ magnetischen Feldes<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe Vorteil: Die gesamte Schaltung passt auf eine Steckplatine, kostet unter 5\u202f\u20ac und l\u00e4sst sich mit jedem Arduino oder ESP32 auslesen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Aufbau des spartanischen RFID-Warners<\/h3>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.1 Hardware-Komponenten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Ziel ist ein Warnger\u00e4t, das zwei Dinge \u00fcberwacht:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die\u00a0<strong>HF-Hintergrundfeldst\u00e4rke<\/strong>\u00a0(\u00fcber den Diodendetektor)<\/li>\n\n\n\n<li>Die\u00a0<strong>Funktionsf\u00e4higkeit eines RFID-Readers<\/strong>\u00a0(ob er noch Transponder erkennt)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu verwenden wir:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mikrocontroller:<\/strong>\u00a0ESP32 (besser als Arduino Nano wegen des h\u00f6heren ADC-Inputbereichs und integrierten WLAN\/Bluetooth \u2013 man kann sogar St\u00f6rungen durch eigene Funkmodule ausschlie\u00dfen)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>RFID-Reader-Modul:<\/strong>\u00a0RC522 f\u00fcr 13,56\u202fMHz (HF) oder M6E Nano f\u00fcr UHF.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>HF-Detektor:<\/strong>\u00a0Aufgebaut mit einer HSMS-2850, einem 100-pF-Kondensator und 1\u202fM\u03a9-Widerstand.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Antenne f\u00fcr den Detektor:<\/strong>\u00a0Ein 17\u202fcm langer Kupferdraht (entspricht \u03bb\/4 bei 433\u202fMHz, f\u00e4ngt aber breitbandig ein) oder eine kleine Loop f\u00fcr das Magnetfeld.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ausgabe:<\/strong>\u00a0Eine rote LED und ein Piezo-Summer (zur akustischen Warnung), optional ein OLED-Display.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.2 Verschaltung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Detektor wird mit seinem Ausgang an einen ADC-Pin (z.\u202fB. GPIO36 beim ESP32) angeschlossen. Die RFID-Module kommunizieren \u00fcber SPI. Der Summer und die LED erhalten je einen Digitalausgang. Eine einfache Stromversorgung (3,3\u202fV oder 5\u202fV \u00fcber USB) komplettiert das System.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.3 Funktionsweise des Firmware-Sketches<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sketch (siehe Code-Box im Kasten) liest zyklisch den ADC-Wert des Detektors und pr\u00fcft, ob der RFID-Reader noch einen Test-Transponder erkennt. Liegt der ADC-Wert \u00fcber einem zuvor kalibrierten Schwellwert (z.\u202fB. Grundrauschen plus 30\u202f%), oder bleibt die Transpondererkennung f\u00fcr mehrere Sekunden aus, schaltet der Mikrocontroller Alarm \u2013 LED blinkt, Summer piept.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">cpp<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><em>\/\/ Vereinfachter Pseudocode (vollst\u00e4ndiger Sketch im Text)<\/em>\nvoid loop() {\n  int noise = analogRead(DETECTOR_PIN);\n  bool tagOk = rfid.isTagPresent();\n  if (noise &gt; THRESHOLD || !tagOk) triggerAlarm();\n  else clearAlarm();\n  delay(500);\n}<\/pre>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3.4 Kalibrierung \u2013 die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wesentlicher Unterschied zu professionellen EMV-Messger\u00e4ten: Unser Detektor liefert&nbsp;<strong>keine absoluten dBm-Werte<\/strong>. Die ADC-Skala (0\u20134095 beim ESP32) ist abh\u00e4ngig vom Ort, der Antenne und sogar der Temperatur. Deshalb ist eine sorgf\u00e4ltige Referenzmessung notwendig:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Schalten Sie alle bekannten St\u00f6rquellen aus.<\/li>\n\n\n\n<li>Platzieren Sie den Warner an der sp\u00e4teren Messposition.<\/li>\n\n\n\n<li>Notieren Sie den ADC-Mittelwert \u00fcber 10 Sekunden (z.\u202fB. 200).<\/li>\n\n\n\n<li>Setzen Sie den Schwellwert auf das 1,3- bis 1,5-fache dieses Grundrauschens (z.\u202fB. 260\u2013300).<\/li>\n\n\n\n<li>Testen Sie mit einer definierten St\u00f6rquelle (z.\u202fB. einem Handy im Sendebetrieb oder einem billigen Schaltnetzteil) \u2013 der Alarm sollte ausl\u00f6sen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warnung:<\/strong>&nbsp;Diese Kalibrierung ist grob und nicht r\u00fcckf\u00fchrbar. Ein nicht ausl\u00f6sender Alarm bedeutet nicht, dass keine St\u00f6rung vorliegt \u2013 und ein Alarm bedeutet nicht automatisch eine Norm\u00fcberschreitung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Grenzen und T\u00fccken des DIY-Ansatzes<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn der spartanische Warner in vielen Bastel-Szenarien hilfreich ist, muss man sich seiner fundamentalen Einschr\u00e4nkungen bewusst sein:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Keine Selektivit\u00e4t:<\/strong>\u00a0Der Detektor reagiert auf\u00a0<em>jegliche<\/em>\u00a0HF-Leistung im Bereich von etwa 10 MHz bis 1,5 GHz \u2013 von Radio, WLAN, Mobilfunk, Mikrowellen usw. Eine Unterscheidung, ob die St\u00f6rung genau auf der RFID-Frequenz liegt, ist unm\u00f6glich.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Keine normgerechte Messung:<\/strong>\u00a0EMV-Grenzwerte sind definiert \u00fcber quasi-spitzenwertige, gemittelte oder effektive Messungen mit genau spezifizierten Bandbreiten, Detektionszeitkonstanten und Antennenabst\u00e4nden (z.\u202fB. 3\u202fm oder 10\u202fm). Unser Detektor hat keine definierte Antennenimpedanz, keinen Vorkorrekturfaktor und keine normkonforme H\u00fcllkurven-Gl\u00e4ttung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hohe Abh\u00e4ngigkeit vom Nahfeld:<\/strong>\u00a0Der Draht als Antenne koppelt vorwiegend das elektrische Feld an. RFID im HF- und LF-Bereich ist jedoch magnetisch gekoppelt. Eine Loop-Antenne w\u00e4re hier besser, bringt aber wieder andere Empfindlichkeiten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Drift und Nichtlinearit\u00e4t:<\/strong>\u00a0Schottky-Dioden zeigen eine temperaturabh\u00e4ngige Kennlinie. Zudem ist die Ausgangsspannung nicht linear zur eingestrahlten Leistung (quadratischer Bereich bei kleinen Signalen, linearer Bereich bei gr\u00f6\u00dferen).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende Tabelle vergleicht den DIY-Warner mit professioneller EMV-Messtechnik:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Merkmal<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">DIY-Warner (Arduino+Detektor)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">EMV-Messempf\u00e4nger+Spektrumanalysator<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Kosten<\/td><td>20\u201350 \u20ac<\/td><td>ab 10.000 \u20ac<\/td><\/tr><tr><td>Frequenzselektivit\u00e4t<\/td><td>Nein (Breitband)<\/td><td>Ja (RBW einstellbar, z.\u202fB. 9 kHz, 120 kHz)<\/td><\/tr><tr><td>Normkonformit\u00e4t<\/td><td>Nein<\/td><td>Ja (CISPR 16-1-1)<\/td><\/tr><tr><td>Messunsicherheit<\/td><td>&gt; \u00b110 dB (qualitativ)<\/td><td>&lt; \u00b12 dB (kalibriert)<\/td><\/tr><tr><td>Typische Anwendung<\/td><td>St\u00f6rquellen-Lokalisierung, Lehre<\/td><td>Zertifizierung, EMI\/EMC-Pr\u00fcfung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Historischer Exkurs: Von Kristalldetektoren zu EMV-Messempf\u00e4ngern<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass man mit einer Diode und einem Draht Hochfrequenz nachweisen kann, ist keine Erfindung des Arduino-Zeitalters. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts nutzte man&nbsp;<strong>Kristalldetektoren<\/strong>&nbsp;(Bleistiftmineral auf einer Metallfeder) zum Nachweis von Radiowellen \u2013 die Galenit-Diode war der Urvater aller HF-Detektoren. In den 1920er Jahren waren Detektorempf\u00e4nger die erste Massen-Radiotechnik. Die Entwicklung der Halbleiter-Schottky-Diode in den 1960er Jahren (benannt nach dem deutschen Physiker Walter Schottky) erm\u00f6glichte dann robuste und schnelle Detektoren f\u00fcr Radar und Messtechnik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessanterweise kehrt die Maker-Bewegung heute genau zu diesem Prinzip zur\u00fcck \u2013 nicht weil es besser w\u00e4re, sondern weil es ein unschlagbar g\u00fcnstiges Lehrmittel und ein intuitives Werkzeug zur \u201eSichtbarmachung\u201c unsichtbarer Felder darstellt. Die EMV-Ingenieure der ersten Stunde mussten ohne Spektrumanalysatoren auskommen; sie nutzten \u00e4hnliche Detektoren, um erste Absch\u00e4tzungen zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Kontroversen und rechtliche Aspekte<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kann ein selbstgebauter EMV-Warner als Konformit\u00e4ts-Nachweis dienen?&nbsp;<strong>Klares Nein.<\/strong>&nbsp;Die europ\u00e4ische EMV-Richtlinie 2014\/30\/EU und die Funkanlagenrichtlinie 2014\/53\/EU verlangen f\u00fcr das Inverkehrbringen von elektronischen Ger\u00e4ten eine Konformit\u00e4tsbewertung durch anerkannte Pr\u00fcflabore oder \u00fcber interne Fertigungskontrolle mit&nbsp;<em>normkonformen Messungen<\/em>. Der Betreiber eines selbstgebauten RFID-Ger\u00e4ts darf mit einem einfachen Detektor keine rechtsverbindlichen Aussagen treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings gibt es eine Grauzone: In der&nbsp;<strong>Entwicklungsphase<\/strong>&nbsp;\u2013 insbesondere bei Pre-Compliance-Tests \u2013 werden auch in der Industrie einfache Nahfeld-Sonden und Spektrumanalysatoren eingesetzt. Ein Student oder Bastler, der nur f\u00fcr sich selbst ein RFID-System baut (z.\u202fB. eine T\u00fcr\u00f6ffnersteuerung), kann mit einem solchen Warner zumindest erkennen, ob sein Ger\u00e4t einen Nachbarn st\u00f6ren&nbsp;<em>k\u00f6nnte<\/em>. Das ist pragmatisch, aber nicht zertifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine zweite Kontroverse betrifft die&nbsp;<strong>Wirksamkeit<\/strong>: Da der Detektor breitbandig ist, kann er auch durch v\u00f6llig harmlose Quellen wie einen DECT-Schnurlostelefon alarmieren, w\u00e4hrend eine schmalebandige RFID-St\u00f6rung auf genau der gleichen Frequenz m\u00f6glicherweise&nbsp;<em>nicht<\/em>&nbsp;erkannt wird, wenn sie weniger Gesamtenergie liefert als das DECT-Broadband. Hier liegt eine inh\u00e4rente Unsicherheit, die man nur durch frequenzselektive Messung aufl\u00f6sen kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7. Ausblick: Wie k\u00f6nnte eine bessere DIY-L\u00f6sung aussehen?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit modernen Baudteilen und etwas mehr Aufwand lassen sich die gr\u00f6\u00dften Schw\u00e4chen mildern:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Frequenzselektivit\u00e4t<\/strong>\u00a0durch einen einfachen LC-Sperrkreis oder einen breitbandigen, durchstimmbaren Filter (z.\u202fB. mit einem Varactor-Dioden-abgestimmten Schwingkreis). Damit k\u00f6nnte man zumindest zwischen LF, HF und UHF w\u00e4hlen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kalibrierung<\/strong>\u00a0mit einem einfachen HF-Generator bekannter Leistung (z.\u202fB. einem Si5351-basierten VFO). So lie\u00dfe sich eine grobe dBm-Skala erstellen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Logarithmischer Verst\u00e4rker<\/strong>\u00a0anstelle der einfachen Diode: ICs wie der AD8313 liefern eine logarithmische Spannung proportional zur HF-Leistung in dBm \u2013 das w\u00e4re schon fast ein echter Messverst\u00e4rker. Kostenpunkt ca. 15\u201320 \u20ac.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der n\u00e4chste Schritt w\u00e4re der Einsatz eines&nbsp;<strong>SDR<\/strong>&nbsp;(Software Defined Radio) wie des RTL-SDR. F\u00fcr etwa 30\u202f\u20ac erh\u00e4lt man einen echten, wenn auch nicht normkonformen, Spektrumanalysator mit 8-Bit-Aufl\u00f6sung. Damit lassen sich St\u00f6rungen nach Frequenz trennen. Jedoch ist die Eingangs\u00fcbersteuerung und die Dynamik begrenzt. F\u00fcr den ambitionierten Bastler ist das eine lohnende Alternative.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der spartanische EMV-Warner auf Arduino\/ESP-Basis ist kein Ersatz f\u00fcr ein kalibriertes Messlabor, wohl aber ein faszinierendes Lehrmittel und ein praktischer Helfer, um relative \u00c4nderungen der elektromagnetischen Umgebung sichtbar zu machen. Mit weniger als 50\u202f\u20ac Bauteilkosten kann jeder Maker eine Schaltung aufbauen, die Alarm schl\u00e4gt, wenn ein RFID-Reader pl\u00f6tzlich ausf\u00e4llt oder die HF-Hintergrundspannung drastisch ansteigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die historische Wurzel dieser Technik reicht bis zu den Kristalldetektoren des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts \u2013 es ist ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, wie einfache, bew\u00e4hrte Prinzipien im digitalen Zeitalter wieder aufleben. Wer jedoch EMV-Konformit\u00e4t nachweisen oder pr\u00e4zise St\u00f6rquellen identifizieren muss, f\u00fchrt an professioneller Messtechnik (Spektrumanalysator, normkonformer Messempf\u00e4nger, geeichte Antennen) kein Weg vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Entwickler aus dem RFID-Umfeld gilt: Nutzen Sie solche DIY-Detektoren als Fr\u00fchwarnsystem, nicht als Urkunde. Dokumentieren Sie damit relative Ver\u00e4nderungen in Ihrer Arbeitsumgebung. Und wenn der Piepser losgeht, suchen Sie zun\u00e4chst nach der offensichtlichsten Quelle \u2013 oft ist es ein USB-Netzteil, das direkt neben der RFID-Antenne steckt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Broadcom (Avago).\u00a0*HSMS-285x Series Surface Mount Zero Bias Schottky Detector Diodes*. Datenblatt, 2006.<\/li>\n\n\n\n<li>Europ\u00e4ische Union.\u00a0*Richtlinie 2014\/30\/EU des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten \u00fcber die elektromagnetische Vertr\u00e4glichkeit*. Amtsblatt der EU, 2014.<\/li>\n\n\n\n<li>Europ\u00e4isches Institut f\u00fcr Telekommunikationsnormen (ETSI).\u00a0<em>EN 300 330 (V2.1.1): Kurzstreckeneinrichtungen (SRD) \u2013 Funkger\u00e4te im Frequenzbereich 9 kHz bis 25 MHz mit einer Sendeleistung von bis zu 10 mW<\/em>, 2017.<\/li>\n\n\n\n<li>ETSI.\u00a0*EN 302 208 (V3.1.1): RFID-Einrichtungen im Frequenzband 865 MHz bis 868 MHz mit einer Sendeleistung von bis zu 2 W ERP*, 2017.<\/li>\n\n\n\n<li>Schwab, Adolf &amp; K\u00fcrner, Thomas.\u00a0<em>Elektromagnetische Vertr\u00e4glichkeit<\/em>. 6. Auflage, Springer Vieweg, 2011, ISBN 978-3-642-16609-5.<\/li>\n\n\n\n<li>IEEE.\u00a0*CISPR 16-1-1 (2015): Specification for radio disturbance and immunity measuring apparatus \u2013 Measuring apparatus*.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor:&nbsp;DerSchneider Einleitung Elektromagnetische Vertr\u00e4glichkeit (EMV) ist eine jener technischen Disziplinen, die im Verborgenen wirkt \u2013 bis sie pl\u00f6tzlich zum Problem wird. Kaum ein Entwickler, der nicht schon einmal erlebt hat, wie ein vermeintlich harmloses Schaltnetzteil die Funkverbindung eines Prototyps lahmlegt, oder wie ein RFID-Leseger\u00e4t im Labor pl\u00f6tzlich keine Transponder mehr erkennt. 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