{"id":4547,"date":"2026-05-11T00:00:00","date_gmt":"2026-05-10T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=4547"},"modified":"2026-05-11T00:00:00","modified_gmt":"2026-05-10T22:00:00","slug":"rfid-in-der-lackiererei-wenn-der-funke-nicht-uberspringen-darf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/rfid-in-der-lackiererei-wenn-der-funke-nicht-uberspringen-darf\/","title":{"rendered":"RFID in der Lackiererei: Wenn der Funke nicht \u00fcberspringen darf"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick wirkt die Kombination aus funkbasiertem RFID-Tracking und einer Lackiererei wie eine riskante Ehe. Hier hochfrequente elektromagnetische Wellen, dort leicht entz\u00fcndliche L\u00f6semitteld\u00e4mpfe \u2013 doch die Industrie verlangt genau solche Verbindungen: Transparenz in Echtzeit, auch in explosionsgef\u00e4hrdeten Bereichen. Ein 868-MHz-Sende- und Antennenmodul verspricht Reichweite und Durchdringung, aber ohne geeigneten Explosionsschutz wird aus dem n\u00fctzlichen Helfer schnell ein Z\u00fcndfunke. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, normativen und praktischen H\u00fcrden, die es zu \u00fcberwinden gilt. Er richtet sich an Elektrofachkr\u00e4fte, Anlagenplaner und alle, die in der Prozessindustrie den Spagat zwischen Digitalisierung und Sicherheit meistern m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hauptteil<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Die Physik der Gefahr: Warum Lackierereien besonders sensibel sind<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lackierereien geh\u00f6ren zu den klassischen Bereichen mit&nbsp;<strong>explosionsf\u00e4higer Atmosph\u00e4re<\/strong>&nbsp;(Ex-Bereich). Die Ursache: Lacke, L\u00f6semittel und Reinigungsmittel enthalten fl\u00fcchtige organische Verbindungen (VOC) wie Benzol, Toluol, Xylol, Ethylacetat oder Aceton. Bereits geringe Mengen reichen aus, um mit der Umgebungsluft ein z\u00fcndf\u00e4higes Gemisch zu bilden. Die&nbsp;<strong>Z\u00fcndtemperaturen<\/strong>&nbsp;dieser Stoffe liegen oft zwischen 200 \u00b0C und 500 \u00b0C, manche (wie Schwefelkohlenstoff) z\u00fcnden schon unter 100 \u00b0C. Die&nbsp;<strong>Mindestz\u00fcndenergie<\/strong>&nbsp;(MIE) vieler L\u00f6semitteld\u00e4mpfe betr\u00e4gt nur 0,1 bis 0,5 mJ \u2013 ein Wert, den statische Entladungen oder kleine Schaltfunken leicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein aktives RFID-Modul generiert nicht nur hochfrequente Signale, sondern enth\u00e4lt auch Gleichspannungswandler, Oszillatoren und potenziell trennende Kontakte (z.\u202fB. in Relais oder Steckverbindern). Jeder dieser Punkte kann unter St\u00f6rungsbedingungen zur Z\u00fcndquelle werden. Hinzu kommt die&nbsp;<strong>Antenne<\/strong>: Sie strahlt nicht nur, sondern kann bei unsachgem\u00e4\u00dfer Ausf\u00fchrung auch Oberfl\u00e4chenladungen erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Zoneneinteilung \u2013 Die Landkarte der Explosionsgefahr<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor \u00fcberhaupt ein Ger\u00e4t ausgew\u00e4hlt wird, muss die Betreiberfirma den Bereich&nbsp;<strong>zonenm\u00e4\u00dfig klassifizieren<\/strong>&nbsp;(nach IEC 60079-10 oder TRGS 720). In Lackierereien typisch:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Zone<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Gef\u00e4hrdungsh\u00e4ufigkeit<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Typische Bereiche<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>0<\/td><td>dauernd, h\u00e4ufig oder langzeitig vorhanden<\/td><td>Im Inneren von offenen Lackierbeh\u00e4ltern<\/td><\/tr><tr><td>1<\/td><td>gelegentlich (1\u20131000 h\/Jahr)<\/td><td>Direkt an der Spritzpistole, in Trocknungskan\u00e4len<\/td><\/tr><tr><td>2<\/td><td>normalerweise nicht, nur kurzzeitig (\u226410 h\/Jahr)<\/td><td>Randbereiche, gut bel\u00fcftete Positionen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele RFID-Module werden in&nbsp;<strong>Zone 2<\/strong>&nbsp;installiert \u2013 etwa zur Fahrzeugverfolgung auf einer Lackierstra\u00dfe. Allerdings ist auch Zone\u202f1 m\u00f6glich, wenn das Modul nahe an einem Abf\u00fcllstutzen oder einem offenen Bottich sitzt. Kein Hersteller bietet jedoch serienm\u00e4\u00dfige 868\u2011MHz\u2011RFID\u2011Module f\u00fcr Zone\u202f0 an \u2013 dort sind nur rein passive, eigensichere Systeme ohne aktive Sendeleistung denkbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Explosionsschutzarten: Die vier Wege zur Sicherheit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr elektrische Betriebsmittel in Ex-Bereichen definiert die IEC 60079 Reihe mehrere Schutzprinzipien. Die relevantesten f\u00fcr ein 868\u2011MHz\u2011Modul sind:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Schutzart<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Kennbuchstaben<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Prinzip<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Typische Eignung f\u00fcr RFID-Modul<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Eigensicherheit<\/td><td>\u201ei\u201c (ia, ib, ic)<\/td><td>Begrenzung von Strom, Spannung und Leistung, sodass auch im Fehlerfall keine Z\u00fcndung m\u00f6glich ist<\/td><td><strong>Bestens<\/strong>&nbsp;\u2013 niedrige Sendeleistung (&lt;20 mW) m\u00f6glich<\/td><\/tr><tr><td>Druckkapselung<\/td><td>\u201ed\u201c<\/td><td>Z\u00fcndquellen werden in einem druckfesten Geh\u00e4use eingeschlossen, das eine Flammen\u00fcbertragung verhindert<\/td><td>M\u00f6glich, aber teuer und schwer<\/td><\/tr><tr><td>Erh\u00f6hte Sicherheit<\/td><td>\u201ee\u201c<\/td><td>Keine normalen Funken oder hei\u00dfen Oberfl\u00e4chen; nur f\u00fcr Klemmk\u00e4sten<\/td><td>Nicht ausreichend f\u00fcr Elektronik mit Oszillatoren<\/td><\/tr><tr><td>Vergusskapselung<\/td><td>\u201em\u201c<\/td><td>Elektronik wird in Vergussmasse eingebettet, die brennbare Atmosph\u00e4re fernh\u00e4lt<\/td><td>Theoretisch denkbar, aber Probleme mit HF-Abstrahlung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis dominieren&nbsp;<strong>Eigensicherheit (Ex ib f\u00fcr Zone\u202f1, Ex ic f\u00fcr Zone\u202f2)<\/strong>&nbsp;und \u2013 wenn hohe Sendeleistungen ben\u00f6tigt werden \u2013 die&nbsp;<strong>Druckkapselung (Ex d)<\/strong>&nbsp;in einem separaten, antennenlosen Modul, wobei die Antenne selbst in Ex e (erh\u00f6hte Sicherheit) oder Ex nA (unfunkenbildend) ausgef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein spezielles Problem ist die&nbsp;<strong>Antenne<\/strong>: Sie kann nicht eingekapselt werden, ohne ihre Funkwirkung zu verlieren. Hier kommen&nbsp;<strong>ex\u2011zertifizierte Mantelstrahler<\/strong>&nbsp;mit kapazitiver Ankopplung zum Einsatz, bei denen die strahlenden Teile vollst\u00e4ndig von einem dielektrischen Material umgeben sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. 868 MHz \u2013 Ein Segen mit Fallstricken<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das 868\u2011MHz\u2011Band (fr\u00fcher SRD\u2011Band) wird in Europa f\u00fcr telemetrische Anwendungen, Funkfernbedienungen und auch RFID\u2011Systeme genutzt. Vorteile in einer Lackiererei:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Gute Durchdringung<\/strong>\u00a0von Hindernissen (Rohre, W\u00e4nde im Vergleich zu 2,4\u202fGHz).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Geringere Anforderung an die Sendeleistung<\/strong>\u00a0(typisch 10\u201325 mW ERP), dadurch einfacher eigensicher zu realisieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Weniger empfindlich gegen\u00fcber Feuchtigkeit und Lacknebeln.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachteile:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Antennenabmessungen<\/strong>\u00a0(\u03bb\/4 \u2248 86\u202fmm) erfordern beachtliche Bauh\u00f6hen, was in Ex\u2011Geh\u00e4usen Platz kostet.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>St\u00f6rempfindlichkeit<\/strong>\u00a0gegen\u00fcber Schwei\u00dfumrichtern oder Frequenzumrichtern, die in der N\u00e4he von Lackieranlagen stehen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor der Entscheidung f\u00fcr 868\u202fMHz sollte eine&nbsp;<strong>EMV\u2011Vertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung<\/strong>&nbsp;im Ex\u2011Kontext stehen \u2013 denn ein gest\u00f6rtes Modul k\u00f6nnte durch unkontrollierte Oszillationen zus\u00e4tzliche thermische Belastungen erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Zertifizierung und Ger\u00e4tekennzeichnung nach ATEX\/IECEx<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein in einer Lackiererei installiertes 868\u2011MHz\u2011Modul ben\u00f6tigt eine&nbsp;<strong>Baumusterpr\u00fcfbescheinigung<\/strong>&nbsp;(z.\u202fB. nach ATEX 2014\/34\/EU oder IECEx). Die Kennzeichnung (Beispiel) k\u00f6nnte lauten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>II 2G Ex ib IIB T4 Gb<\/strong><br>Bedeutung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>II<\/strong>\u00a0\u2013 Ger\u00e4tegruppe (Industrie, nicht Bergbau)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>2G<\/strong>\u00a0\u2013 Ger\u00e4tekategorie 2 f\u00fcr Gase (Zone\u202f1)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ex ib<\/strong>\u00a0\u2013 Eigensicherheit, Ausfall bis zu zwei Fehlern sicher<\/li>\n\n\n\n<li><strong>IIB<\/strong>\u00a0\u2013 Gasgruppe (repr\u00e4sentiert typische L\u00f6semittel wie Aceton, Ethanol; IIA w\u00e4re leichter, IIC f\u00fcr Wasserstoff)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>T4<\/strong>\u00a0\u2013 Temperaturklasse \u2264135\u202f\u00b0C (f\u00fcr die meisten Lackd\u00e4mpfe ausreichend)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gb<\/strong>\u00a0\u2013 Equipment Protection Level (EPL) Gb f\u00fcr Zone\u202f1<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Zone\u202f2 w\u00e4re es&nbsp;<strong>II 3G Ex ic IIC T4 Gc<\/strong>. Wichtig: Auch die&nbsp;<strong>Antenne<\/strong>&nbsp;muss als eigenst\u00e4ndiges Ex\u2011Betriebsmittel zertifiziert sein, wenn sie nicht fest mit dem Modul vergossen ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Historische Entwicklung: Von mechanischen Funken zu solid\u2011state Sicherheit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch in den 1980er Jahren waren aktive elektronische Ger\u00e4te in Ex\u2011Bereichen verp\u00f6nt. Man behalf sich mit&nbsp;<strong>pneumatischen oder hydraulischen<\/strong>&nbsp;Systemen, etwa pneumatische Positionsmelder oder rein passive RFID\u2011Tags (die keine eigene Energie ben\u00f6tigen). Der Durchbruch kam mit der&nbsp;<strong>Einf\u00fchrung der Eigensicherheit<\/strong>&nbsp;f\u00fcr komplexe Schaltungen. In den 1990er Jahren erlaubten integrierte Strombegrenzer und Bandgap\u2011Referenzen, dass Mikrocontroller und Funksender in Ex ia\u2011Schutzart betrieben werden konnten. Die ersten&nbsp;<strong>ISM\u2011Band\u2011Funksysteme<\/strong>&nbsp;f\u00fcr Zone\u202f1 kamen um 2005 auf den Markt \u2013 nachdem die Normen IEC 60079\u201111 (Eigensicherheit) und IEC 60079\u20110 (Allgemeine Anforderungen) \u00fcberarbeitet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>868\u2011MHz\u2011Technologie<\/strong>&nbsp;selbst entstand aus ehemaligen Milit\u00e4rfrequenzen \u2013 der europ\u00e4ische Harmonized Standard EN 300 220 definiert seit 2000 die Parameter f\u00fcr kurze Reichweiten. Ihre Kombination mit Eigensicherheit ist eine Errungenschaft der letzten 15 Jahre, getrieben vom Bedarf der chemischen und petrochemischen Industrie.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7. Kontroversen: Kann ein funktional sicherer Funkknoten wirklich eigensicher sein?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Streitpunkt in Fachkreisen ist die Frage, ob ein&nbsp;<strong>aktiver 868\u2011MHz\u2011Sender<\/strong>&nbsp;\u00fcberhaupt das Niveau von&nbsp;<strong>Ex ib<\/strong>&nbsp;erreichen kann, ohne die Reichweite zu sehr einzuschr\u00e4nken. Die Kritiker (z.\u202fB. aus dem Umfeld der PTB) argumentieren: Der Sender enth\u00e4lt Spulen und Kondensatoren, die im Fehlerfall (etwa einem Kurzschluss im Oszillator) Energien freisetzen k\u00f6nnen, die weit \u00fcber den im Ex\u2011Zertifikat angesetzten Grenzwerten liegen. Die Bef\u00fcrworter (Hersteller wie&nbsp;<strong>Pepperl+Fuchs<\/strong>,&nbsp;<strong>R. STAHL<\/strong>) verweisen auf aufw\u00e4ndige&nbsp;<strong>Begrenzungsschaltungen<\/strong>&nbsp;mit mehreren redundanten Dioden und Widerst\u00e4nden, die selbst bei zwei unabh\u00e4ngigen Fehlern die zul\u00e4ssige Energie von typisch 20\u202f\u00b5J nicht \u00fcberschreiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine zweite Kontroverse: Die&nbsp;<strong>Antennenkabel<\/strong>. Um die Antenne au\u00dferhalb eines druckfesten Geh\u00e4uses betreiben zu k\u00f6nnen, wird eine&nbsp;<strong>Ex\u2011gepr\u00fcfte Kabeldurchf\u00fchrung<\/strong>&nbsp;und eine&nbsp;<strong>Potentialausgleichsschiene<\/strong>&nbsp;ben\u00f6tigt. Bei Koaxialkabeln ist der Innenleiter gegen Masse abzusichern \u2013 eine versehentliche Unterbrechung der Schirmung k\u00f6nnte die Funkengefahr erh\u00f6hen. Viele Ingenieure halten es daher f\u00fcr sicherer, die Antenne direkt im selben&nbsp;<strong>Ex\u2011d\u2011Geh\u00e4use<\/strong>&nbsp;unterzubringen \u2013 dann leidet aber die Ausbreitung der Funkwellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">8. Praxisbeispiel: Installation eines 868\u2011MHz\u2011RFID\u2011Moduls in einer PKW\u2011Lackiererei<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nehmen wir eine konkrete Anlage: Eine Lackierstra\u00dfe f\u00fcr Autokarosserien. In der&nbsp;<strong>Trocknungszone<\/strong>&nbsp;herrscht eine Temperatur von 80\u202f\u00b0C und es sind regelm\u00e4\u00dfig L\u00f6semitteld\u00e4mpfe (Ethylacetat, Z\u00fcndtemperatur 427\u202f\u00b0C) vorhanden, aber nur w\u00e4hrend des Ein- und Ausfahrens. Die Zone ist als&nbsp;<strong>Zone 2<\/strong>&nbsp;klassifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gew\u00e4hlt wird ein&nbsp;<strong>Modul des Herstellers X<\/strong>&nbsp;mit ATEX\u2011Zertifikat&nbsp;<strong>II 3G Ex ic IIC T4 Gc<\/strong>&nbsp;f\u00fcr eine Umgebungstemperatur von -20 bis +60\u202f\u00b0C (hier reicht die Anforderung nicht bis 80\u202f\u00b0C \u2013 ein h\u00e4ufiger Fehler!). Die tats\u00e4chliche Temperatur am Montageort wird mit einem zus\u00e4tzlichen Thermoelement \u00fcberwacht und auf &lt;60\u202f\u00b0C gehalten \u2013 durch eine kleine Luftsp\u00fclung (Ex\u2011p). Die&nbsp;<strong>RFID\u2011Antenne<\/strong>&nbsp;ist als&nbsp;<strong>Ex\u2011nA\u2011gepr\u00fcfter<\/strong>&nbsp;Stabstrahler ausgef\u00fchrt, der an einem geerdeten Edelstahlrohr befestigt wird. Das Koaxialkabel (RG\u201158) wird \u00fcber eine&nbsp;<strong>Ex\u2011e\u2011Kabelverschraubung<\/strong>&nbsp;(erh\u00f6hte Sicherheit) in das Ger\u00e4tegeh\u00e4use gef\u00fchrt. Die Kabeldurchf\u00fchrung ist f\u00fcr Temperaturklasse T4 ausgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor der Inbetriebnahme: Eine&nbsp;<strong>Z\u00fcndgefahrenanalyse<\/strong>&nbsp;(nach IEC 60079\u201114) best\u00e4tigt, dass im Normalbetrieb keine Funken entstehen. Das Modul wird \u00fcber eine&nbsp;<strong>Trennschutzkappe<\/strong>&nbsp;(Galvanische Trennung) an eine 24\u2011V\u2011Gleichspannung angeschlossen \u2013 die Kappe ist ebenfalls eigensicher. Das Ergebnis: Das System sendet zuverl\u00e4ssig und erh\u00e4lt die Ex\u2011Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">9. Alternativen und Zukunftsperspektiven<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn kein kommerzielles 868\u2011MHz\u2011Ex\u2011Modul verf\u00fcgbar ist, bleiben drei Auswege:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Platzierung au\u00dferhalb der Ex\u2011Zone<\/strong>\u00a0mit Funkdurchtritt durch explosionsdruckfeste, dielektrische Fenster (teuer, aber m\u00f6glich).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Nutzung eines passiven RFID\u2011Systems<\/strong>\u00a0(z.\u202fB. 13,56\u202fMHz), das nur beim Anlesen durch einen externen Leser Energie bekommt. Der Leser selbst wird in Zone 2\/1 betrieben \u2013 dieser muss dann allerdings zugelassen sein.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Pneumatische Identifikation<\/strong>, z.\u202fB. durch codierte Druckimpulse \u2013 historisch, aber f\u00fcr manche Anwendungen immer noch zul\u00e4ssig.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zukunft liegt in&nbsp;<strong>Funkmodulen nach IEC 60079\u201147<\/strong>&nbsp;(in Vorbereitung), die speziell f\u00fcr 5G\u2011 und IoT\u2011Anwendungen niedrige Funkleistungen standardisieren. Erste Forschungsprojekte (z.\u202fB. vom Ex\u2011Zentrum Hannover) zeigen, dass mit 868\u202fMHz bei 5\u202fmW Sendeleistung selbst Zone\u20110\u2011Zulassungen denkbar werden \u2013 wenn die Schaltung vollst\u00e4ndig vergossen wird und die Antenne nur als kapazitiver Ausleger fungiert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Installation eines 868\u2011MHz\u2011RFID\u2011Trackingmoduls in einer Lackiererei ist technisch machbar, aber normativ anspruchsvoll. Es gen\u00fcgt nicht, ein beliebiges ISM\u2011Band\u2011Modul zu nehmen und in ein IP\u2011Geh\u00e4use zu setzen. Die drei S\u00e4ulen des Ex\u2011Schutzes \u2013&nbsp;<strong>Eigensicherheit, korrekte Zonenzuordnung und zertifizierte Komponenten<\/strong>&nbsp;\u2013 m\u00fcssen gleicherma\u00dfen beachtet werden. Besondere Fallstricke lauern bei der Antennenf\u00fchrung, der maximalen Oberfl\u00e4chentemperatur und der EMV\u2011Stabilit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Praktiker gilt:&nbsp;<strong>Pr\u00fcfen, pr\u00fcfen, pr\u00fcfen!<\/strong>&nbsp;Zertifikate sind kein Freifahrtschein \u2013 sie gelten nur exakt f\u00fcr die gepr\u00fcfte Konfiguration. Die Beschaffung eines fertigen, Ex\u2011zugelassenen 868\u2011MHz\u2011RFID\u2011Moduls (z.\u202fB. von Herstellern wie&nbsp;<strong>Ecom<\/strong>,&nbsp;<strong>Getec<\/strong>&nbsp;oder&nbsp;<strong>Extronics<\/strong>) ist teurer als Bastell\u00f6sungen, aber im Zweifel die einzige rechtssichere Option. Betreiber von Lackieranlagen tun gut daran, einen&nbsp;<strong>Sachkundigen f\u00fcr Explosionsschutz<\/strong>&nbsp;(z.\u202fB. TRGS 720\u2011Fachkraft) in die Planung einzubeziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Digitalisierung wird auch vor explosionsgef\u00e4hrdeten Bereichen nicht Halt machen. In zehn Jahren werden wir wahrscheinlich auf drahtlose, energieautarke Ex\u2011Sensoren im 868\u2011MHz\u2011Band zur\u00fcckblicken wie heute auf das Pneumatikrohr. Aber bis dahin bleibt die alte Ingenieursweisheit g\u00fcltig:&nbsp;<strong>Sicherheit geht vor Funktionalit\u00e4t \u2013 und die korrekte Normenkenntnis ist der beste Z\u00fcndschutz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>IEC 60079-11:2011<\/strong>\u00a0\u2013 Explosive atmospheres \u2013 Part 11: Equipment protection by intrinsic safety &#8222;i&#8220;<\/li>\n\n\n\n<li><strong>IEC 60079-14:2013<\/strong>\u00a0\u2013 Explosive atmospheres \u2013 Part 14: Electrical installations design, selection and erection<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Richtlinie 2014\/34\/EU<\/strong>\u00a0(ATEX) des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates<\/li>\n\n\n\n<li><strong>TRGS 720<\/strong>\u00a0\u2013 Gef\u00e4hrdung durch explosionsf\u00e4hige Atmosph\u00e4ren bei T\u00e4tigkeiten mit brennbaren Fl\u00fcssigkeiten (BAuA, 2018)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>D. M\u00f6bius, W. H\u00f6hn<\/strong>\u00a0\u2013\u00a0<em>Explosionsschutz in der Praxis<\/em>, 6. Auflage, VDE Verlag 2020<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Pepperl+Fuchs<\/strong>\u00a0\u2013 Technisches Handbuch \u201eEigensichere Funkl\u00f6sungen f\u00fcr Zone 1\u201c, 2022<\/li>\n\n\n\n<li><strong>PTB-Bericht PTB\u2011Ex\u201114<\/strong>\u00a0\u2013 Grenzwerte f\u00fcr Funkstellen in explosionsgef\u00e4hrdeten Bereichen, Physikalisch-Technische Bundesanstalt, 2019<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Auf den ersten Blick wirkt die Kombination aus funkbasiertem RFID-Tracking und einer Lackiererei wie eine riskante Ehe. Hier hochfrequente elektromagnetische Wellen, dort leicht entz\u00fcndliche L\u00f6semitteld\u00e4mpfe \u2013 doch die Industrie verlangt genau solche Verbindungen: Transparenz in Echtzeit, auch in explosionsgef\u00e4hrdeten Bereichen. Ein 868-MHz-Sende- und Antennenmodul verspricht Reichweite und Durchdringung, aber ohne geeigneten Explosionsschutz [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[42,46,26],"tags":[587,1922,2307,4003,5886,7925],"class_list":["post-4547","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-elektrotechnik","category-industrie-4-0","category-mit-den-handen","tag-atex","tag-eigensicherheit","tag-explosionsschutz","tag-lackiererei","tag-rfid-868-mhz","tag-zone-1"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4547","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4547"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4547\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4547"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4547"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4547"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}