{"id":4944,"date":"2026-05-31T23:21:00","date_gmt":"2026-05-31T21:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=4944"},"modified":"2026-05-31T23:21:00","modified_gmt":"2026-05-31T21:21:00","slug":"natronlauge-das-unterschatzte-ruckgrat-moderner-warmespeicher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/natronlauge-das-unterschatzte-ruckgrat-moderner-warmespeicher\/","title":{"rendered":"Natronlauge: Das untersch\u00e4tzte R\u00fcckgrat moderner W\u00e4rmespeicher"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Energiewende steht vor einer ihrer gr\u00f6\u00dften Herausforderungen: der saisonalen Speicherung von W\u00e4rme. Im Sommer liefern Solaranlagen und industrielle Prozesse reichlich thermische Energie, doch im Winter bleibt diese \u2013 ungespeichert \u2013 ungenutzt. W\u00e4hrend Stromspeicher l\u00e4ngst im Fokus der \u00f6ffentlichen Diskussion stehen, verl\u00e4uft die Entwicklung effizienter W\u00e4rmespeicher bemerkenswert diskret. Zu Unrecht, wie ein Blick auf das beachtliche Potenzial einer alten Industriechemikalie zeigt: der Natronlauge. Salopp gesprochen: W\u00e4hrend Superlativ-Batterien f\u00fcr unsere Smartphones immer flacher werden, k\u00f6nnte eine simple Kochsalzl\u00f6sung das Fundament des k\u00fcnftigen Heizungskellers bilden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist das Prinzip der W\u00e4rmespeicherung mittels Natriumhydroxid keineswegs neu. Bereits in den 1880er Jahren nutzte der Aachener Erfinder Moritz Honigmann die exotherme Verd\u00fcnnungsreaktion von Natronlauge f\u00fcr einen dampflosen Stra\u00dfenbahnantrieb&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gdch.de\/fileadmin\/downloads\/Netzwerk_und_Strukturen\/Fachgruppen\/Seniorexperten\/PDF\/Info_und_Presse\/nch70_04_41.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Was damals als \u201eNatronlok\u201c nur eine Episode in den Technikmuseen blieb, erlebt heute eine beachtliche Renaissance. Ausgehend von den anhaltenden Forschungen der Eidgen\u00f6ssischen Materialpr\u00fcfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in D\u00fcbendorf, zeigt sich, dass die gezielte Kombination von Wasser und Natronlauge das Dilemma l\u00f6sen k\u00f6nnte, Sommerw\u00e4rme verlustfrei bis in den Winter zu konservieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel beleuchtet daher die Physik und Chemie hinter diesem Verfahren, untersucht die historischen Wurzeln und aktuellen Forschungsprojekte, analysiert die spezifischen Vor- und Nachteile gegen\u00fcber etablierten Speichermedien (wie dem sensiblen Wasser- oder Phasenwechselmaterialien) und fragt abschlie\u00dfend nach der k\u00fcnftigen Rolle dieses vermeintlichen Exoten im modernen Geb\u00e4udemanagement.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hauptteil<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Vom Dampfkessel zum Containerlabor: Historie und Forschungsansatz<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, eine chemische Reaktion f\u00fcr den Antrieb von Maschinen zu nutzen, ist alt. Moritz Honigmann lie\u00df sich 1883 das Prinzip der \u201erauchlosen\u201c Lokomotive patentieren. In seinem System trieb der Abdampf der Zylinder eine Natronlauge an, wobei die Kondensationsw\u00e4rme zur Dampferzeugung im Kessel genutzt wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gdch.de\/fileadmin\/downloads\/Netzwerk_und_Strukturen\/Fachgruppen\/Seniorexperten\/PDF\/Info_und_Presse\/nch70_04_41.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die damalige Einschr\u00e4nkung: Nach vier bis f\u00fcnf Stunden war die Wirkung ersch\u00f6pft, die verd\u00fcnnte Lauge musste m\u00fchsam ausgetauscht werden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gdch.de\/fileadmin\/downloads\/Netzwerk_und_Strukturen\/Fachgruppen\/Seniorexperten\/PDF\/Info_und_Presse\/nch70_04_41.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau dieser Zyklus aus Verd\u00fcnnung (W\u00e4rmeabgabe) und Eindickung (W\u00e4rmespeicherung) ist heute von Bedeutung. Im Rahmen des europ\u00e4ischen Forschungsprojekts&nbsp;<strong>COMTES<\/strong>&nbsp;wurde ab 2012 ein Prototyp auf dem Gel\u00e4nde der Empa in einem schlichten Seefrachtcontainer aufgebaut \u2013 eine Sicherheitsvorkehrung, da konzentrierte Natronlauge \u00e4tzend wirkt&nbsp;<a href=\"https:\/\/hlk.co.at\/artikel\/dieser-energiespeicher-arbeitet-mit-einer-natronlauge\/#cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Das Ziel: die verlustarme saisonale Speicherung von Solarthermie. \u201eNach jahrelangen Versuchen gelang es den Forschern, ein neues Heizsystem zu entwickeln, das ein ganzes Einfamilienhaus w\u00e4rmen kann\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/hlk.co.at\/artikel\/dieser-energiespeicher-arbeitet-mit-einer-natronlauge\/#cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>, fasste eine Fachpublikation 2018 den Status quo zusammen. Kernst\u00fcck ist ein&nbsp;<strong>Absorptionsw\u00e4rmespeicher<\/strong>, der wie eine W\u00e4rmepumpe arbeitet, allerdings rein thermisch und nicht elektrisch betrieben wird&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.geothermie.de\/bibliothek\/lexikon-der-geothermie\/s\/sorptionswaermespeicher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die Natronlauge dient dabei als chemisches Sorptionsmedium f\u00fcr Wasser, das unter Unterdruck verdampft und absorbiert wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Die hei\u00dfe Chemie: Thermodynamik der Natronlauge<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Physikalisch betrachtet speichert Natronlauge Energie nicht als \u201esensible W\u00e4rme\u201c (wie Wasser im Pufferspeicher), sondern als chemisches Potenzial, genauer gesagt als&nbsp;<strong>Hydratationsenthalpie<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Das Funktionsprinzip in zwei Schritten:<\/h4>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Laden (endotherm):<\/strong>\u00a0Verd\u00fcnnte Natronlauge (ca. 25\u201330 Gew.-% NaOH) wird mit W\u00e4rme aus Solarkollektoren auf ca. 60 \u00b0C erhitzt. Der Wasserdampf entweicht, die Lauge konzentriert sich auf etwa 50 %. Die W\u00e4rme wird in den chemischen Bindungen zwischen Wasser und NaOH gespeichert. Das Wasser wird getrennt kondensiert.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Entladen (exotherm):<\/strong>\u00a0Im Winter wird die 50\u2011%ige Natronlauge mit Wasser in Kontakt gebracht. Die starke Hygroskopie (Wasseranziehung) f\u00fchrt zur spontanen Verd\u00fcnnung, wobei die zuvor aufgewandte Energie als W\u00e4rme wieder freigesetzt wird\u00a0<a href=\"https:\/\/hlk.co.at\/artikel\/dieser-energiespeicher-arbeitet-mit-einer-natronlauge\/#cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vergleich der Energiedichten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende Tabelle zeigt den deutlichen Vorteil der Sorptionsspeicherung gegen\u00fcber konventionellen Systemen. Die Werte sind theoretisch und beziehen sich auf das reine Speichermaterial, jedoch zeigen aktuelle Forschungen, dass real nutzbare Volumina durchaus das Vier- bis F\u00fcnffache eines Warmwasserspeichers erreichen k\u00f6nnen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.geothermie.de\/bibliothek\/lexikon-der-geothermie\/s\/sorptionswaermespeicher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Speichertyp<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Typische Energiedichte<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Temperaturniveau (Entladung)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">W\u00e4rmeverlust in der Speicherzeit<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Wasserspeicher (sensibel)<\/td><td>40 \u2013 80 kWh\/m\u00b3<\/td><td>sinkt linear mit der Zeit<\/td><td>hoch (W\u00e4rmeabstrahlung)<\/td><\/tr><tr><td>Latentspeicher (PCM, z.B. Salze)<\/td><td>100 \u2013 150 kWh\/m\u00b3<\/td><td>nahezu konstant<\/td><td>mittel (geringe W\u00e4rmeleitung)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Absorptionsspeicher (NaOH)<\/strong><\/td><td><strong>280 \u2013 440 kWh\/m\u00b3<\/strong><\/td><td><strong>nahezu konstant<\/strong><\/td><td><strong>vernachl\u00e4ssigbar<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Thermodynamische Grenzen in der Praxis<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die in der Theorie m\u00f6gliche Energiedichte von 440 kWh\/m\u00b3 wird in realen Anlagen jedoch nicht vollst\u00e4ndig ausgesch\u00f6pft. Die erreichbare Entladetemperatur ist stark abh\u00e4ngig von der Natronlaugenkonzentration und der Verdampfungstemperatur des Wassers. Bei einer Verdampfungstemperatur von 10 \u00b0C und einer Laugenkonzentration von 50 % ist mit einer maximalen Entladetemperatur von etwa 48 \u00b0C zu rechnen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.geothermie.de\/bibliothek\/lexikon-der-geothermie\/s\/sorptionswaermespeicher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Diese Temperatur mag f\u00fcr moderne Fl\u00e4chenheizungen ausreichend sein, stellt jedoch eine thermodynamische Begrenzung dar, die durch h\u00f6here Konzentrationen oder ver\u00e4nderte Verdampfertemperaturen nur schwer zu \u00fcberwinden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig zeigt sich ein Zielkonflikt: Eine h\u00f6here Konzentration der Lauge verbessert zwar die Energiedichte, erh\u00f6ht aber das Risiko von Kristallisationen und f\u00f6rdert Korrosionsprozesse an metallischen Komponenten. Die Forschung an neuen W\u00e4rmetauschergeometrien und Materialien, die diesen Korrosionsproblemen begegnen, ist daher ein zentrales Arbeitsfeld der Gegenwart&nbsp;.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Technische Herausforderungen: Benetzung, Viskosit\u00e4t und Sicherheit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden auf dem Weg zur Marktreife sind praktischer Natur. Die Empa-Forscher scheiterten zun\u00e4chst mit einem&nbsp;<strong>Fallfilmverdampfer<\/strong>, da die z\u00e4hfl\u00fcssige Natronlauge den W\u00e4rmetauscher nicht gleichm\u00e4\u00dfig benetzte, sondern in dicken Tropfen ablief. Daraus resultierten schlechte W\u00e4rme- und Stoff\u00fcberg\u00e4nge&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.empa.ch\/web\/s604\/naoh-heat-storage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die L\u00f6sung kam in Form einer&nbsp;<strong>Spirale<\/strong>: Ein spiralgewickeltes Rohr f\u00fchrt die Natronlauge an der Au\u00dfenseite entlang, w\u00e4hrend innen das Heizwasser flie\u00dft. Diese Geometrie bewirkt eine bessere Verteilung des hochviskosen Mediums und eine effizientere Absorption von Wasserdampf&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.empa.ch\/web\/s604\/naoh-heat-storage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die Technik erwies sich als so \u00fcberzeugend, dass handels\u00fcbliche W\u00e4rmetauscher aus Durchlauferhitzern verwendet werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sicherheitsaspekte d\u00fcrfen nicht untersch\u00e4tzt werden:<\/strong>&nbsp;Natronlauge ist \u00e4tzend, und konzentrierte L\u00f6sungen erfordern eine vollst\u00e4ndige Einkapselung und Zugangsbeschr\u00e4nkung. In der Emissionsanlage wurde daher ein sicherer Container eingesetzt&nbsp;<a href=\"https:\/\/hlk.co.at\/artikel\/dieser-energiespeicher-arbeitet-mit-einer-natronlauge\/#cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Korrosion von Stahl und Aluminium bleibt ein Thema, der Einsatz von Kunststofftanks (PE, PP) und beschichteten W\u00e4rmetauschern scheint hier wirtschaftlich m\u00f6glich. Im industriellen Kontext hat sich gezeigt, dass eine moderate Alkalit\u00e4t in Heizkreisen sogar vor Sauerstoffkorrosion sch\u00fctzen kann&nbsp;&nbsp;\u2013 ein Fingerzeig, dass die gem\u00e4\u00dfigte Lauge im Heizungswasser nicht nur W\u00e4rmetr\u00e4ger, sondern auch Korrosionsinhibitor sein kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. \u00d6konomie und Grenzen der Natronlauge-Heizung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit einer systemintegrierten Energiedichte von etwa 280 kWh\/m\u00b3 (bezogen auf den real ben\u00f6tigten Raum) ist ein Natronlauge-Speicher etwa sechsmal kompakter als ein Warmwassertank gleicher Leistung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.geothermie.de\/bibliothek\/lexikon-der-geothermie\/s\/sorptionswaermespeicher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Das ist attraktiv, insbesondere in dicht bebauten Gebieten oder f\u00fcr Retrofit-L\u00f6sungen im Geb\u00e4udebestand. Hinzu kommt, dass die Natronlauge selbst eine Standard-Bulk-Chemikalie zu moderaten Preisen ist&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.espazium.ch\/de\/aktuelles\/die-loesung-im-rechten-rohr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch kein System ist frei von Nachteilen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Geringe COP-Werte:<\/strong>\u00a0Der Wirkungsgrad (COP) solcher Sorptionssysteme liegt in der Praxis meist unter dem von Kompressionsw\u00e4rmepumpen, da sowohl die Ladung als auch die Entladung mit Verlusten durch Phasenwechsel verbunden sind.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Komplexit\u00e4t der Anlage:<\/strong>\u00a0Ein Absorptionsspeicher ben\u00f6tigt mehrere Komponenten: einen W\u00e4rmetauscher, einen Wasserverdampfer, eine Vakuumeinheit sowie getrennte Vorratsbeh\u00e4lter f\u00fcr konzentrierte und verd\u00fcnnte Lauge. Das erh\u00f6ht die Investitionskosten und den Wartungsaufwand.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Betriebstemperatur:<\/strong>\u00a0Die maximal 48 \u00b0C Vorlauftemperatur sind f\u00fcr Standardheizk\u00f6rper (70 \u00b0C) ungeeignet. Das System funktioniert nur in Kombination mit Niedertemperatur-Heizfl\u00e4chen wie Fu\u00dfboden- oder Wandheizungen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.geothermie.de\/bibliothek\/lexikon-der-geothermie\/s\/sorptionswaermespeicher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Vom Labor zur Anwendung: Aktuelle Praxisforschung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Natronlauge-Heizung hat das Laborstadium noch nicht vollst\u00e4ndig verlassen, befindet sich jedoch in fortgeschrittener Erprobung. Das von der Empa gemeinsam mit Industriepartnern entwickelte System&nbsp;<strong>SeasON<\/strong>&nbsp;ist eine Sorptionsw\u00e4rmepumpe auf Basis von Natronlauge, die speziell f\u00fcr den Geb\u00e4udeeinsatz konzipiert wurde&nbsp;. Sie nutzt Umweltw\u00e4rme aus Erdsonden oder Luft und gibt diese in Heizkreise ab. Die Arbeiten im COMTES-Projekt zeigten grunds\u00e4tzlich ein erhebliches Potenzial f\u00fcr eine zuk\u00fcnftig kompakte und preiswerte Speicherung von solarer W\u00e4rme im Geb\u00e4ude&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.aee.at\/zeitschrift-erneuerbare-energie?id=935\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus wird Natronlauge in&nbsp;<strong>industriellen Anwendungen<\/strong>&nbsp;als&nbsp;<strong>Phasenwechselmaterial (PCM)<\/strong>&nbsp;erforscht. Studien zur Verwendung von NaOH als Latentw\u00e4rmespeicher bei hohen Temperaturen (bis zu 800 K) belegen, dass die Technik nicht auf das Niedertemperatursegment beschr\u00e4nkt bleiben muss&nbsp;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den privaten Bereich deutet sich an, dass eine Natronlauge-Kapazit\u00e4t von etwa 5 m\u00b3 ausreicht, um ein Niedrigenergie-Einfamilienhaus zu 100 % mit W\u00e4rme aus erneuerbaren Quellen zu versorgen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.aee.at\/zeitschrift-erneuerbare-energie?id=935\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Ob sich dieses Potenzial jedoch wirtschaftlich erschlie\u00dfen l\u00e4sst, h\u00e4ngt vor allem von den k\u00fcnftigen Preisen f\u00fcr Strom (f\u00fcr Notfallheizungen) und den Investitionskosten f\u00fcr die Vakuum- und W\u00e4rmetauschertechnik ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Heizung mit Natronlauge ist kein Hype, sondern eine sachlich fundierte, vielversprechende Technologie zur saisonalen Speicherung von W\u00e4rme. Ihre hohe Energiedichte, die nahezu verlustfreie Langzeitspeicherung bei Raumtemperatur und die Verwendung eines preiswerten, verf\u00fcgbaren Stoffes machen sie zu einer ernstzunehmenden Alternative in der Geb\u00e4udetechnik. Doch der Weg zur Marktreife erfordert noch praktische Durchbr\u00fcche: robustere und kosteng\u00fcnstigere Massen- und W\u00e4rmetauscher, die die Viskosit\u00e4t und Korrosivit\u00e4t der Lauge beherrschen, sowie hybride Konzepte, die das System mit anderen erneuerbaren Komponenten (W\u00e4rmepumpen, PV) kombinieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die \u00f6ffentliche Diskussion h\u00e4ufig von Lithium-Ionen-Batterien und Elektrolyseuren dominiert wird, zeigt die leise R\u00fcckkehr der Natronlok-Technologie, dass die L\u00f6sung f\u00fcr das Kernproblem der W\u00e4rmewende vielleicht eher in einem Beh\u00e4lter mit Natronlauge steckt als in einem mit teuren, exotischen Materialien. Auch wenn das chemische Potenzial riesig ist, bleibt die \u201eLauge im Keller\u201c eine Nischenl\u00f6sung f\u00fcr Niedrigenergie- und Passivh\u00e4user, die mit Fl\u00e4chenheizungen ausgestattet sind. Die n\u00e4chsten Jahre werden zeigen, ob es der Industrie gelingt, die noch bestehenden technischen Barrieren zu \u00fcberwinden und aus dem Forschungscontainer ein serienreifes Produkt zu machen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>HLK Magazin: \u201e\u00d6kostrom speichern: Dieser Energiespeicher arbeitet mit einer Natronlauge\u201c, 2018.\u00a0<a href=\"https:\/\/hlk.co.at\/artikel\/dieser-energiespeicher-arbeitet-mit-einer-natronlauge\/#cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Espazium: \u201eDie L\u00f6sung im rechten Rohr \u2013 Erneuerbares Heizen mit Absorptionsw\u00e4rmespeicher\u201c, 2017.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.espazium.ch\/de\/aktuelles\/die-loesung-im-rechten-rohr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Geothermie Lexikon: \u201eSorptionsw\u00e4rmespeicher\u201c.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.geothermie.de\/bibliothek\/lexikon-der-geothermie\/s\/sorptionswaermespeicher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Laborpraxis: \u201eNatronlauge als W\u00e4rmespeicher\u201c, 2017.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.laborpraxis.vogel.de\/natronlauge-als-waermespeicher-a-574051\/?print\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Empa: \u201eNaOH-heat-storage \u2013 Summer heat for the winter\u201c, 2017.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.empa.ch\/web\/s604\/naoh-heat-storage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/ingenieur.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ingenieur.de<\/a>:\u00a0\u201eWie Natronlauge Sommerw\u00e4rme f\u00fcr den Winter speichert\u201c.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/technik\/fachbereiche\/energie\/wie-natronlauge-sommerwaerme-fuer-winter-speichert\/?trk=public_post_comment-text\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>GDCh Nachrichten aus der Chemie: Artikel zur Natronlok, 2022.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.gdch.de\/fileadmin\/downloads\/Netzwerk_und_Strukturen\/Fachgruppen\/Seniorexperten\/PDF\/Info_und_Presse\/nch70_04_41.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>AEE Zeitschrift Erneuerbare Energie: \u201eAbsorption von Wasserdampf auf Natronlauge f\u00fcr saisonale W\u00e4rmespeicherung\u201c.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.aee.at\/zeitschrift-erneuerbare-energie?id=935\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Springer Professional: \u201eClosed Sorption Seasonal Thermal Energy Storage with Aqueous Sodium Hydroxide\u201c, 2018.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.springerprofessional.de\/en\/closed-sorption-seasonal-thermal-energy-storage-with-aqueous-sod\/14978206\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>BINE Informationsdienst: Projektdaten zu Sorptionsw\u00e4rmespeichern. (Erw\u00e4hnt im Kontext der COMTES-F\u00f6rderung).\u00a0<a href=\"https:\/\/hlk.co.at\/artikel\/dieser-energiespeicher-arbeitet-mit-einer-natronlauge\/#cmpscreen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Sicherheitsdatenbanken und chemische Fachinformationen: Moellerchemie, Locklauge,\u00a0<a href=\"https:\/\/chemie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chemie.de<\/a>.\u00a0<\/li>\n<\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Die Energiewende steht vor einer ihrer gr\u00f6\u00dften Herausforderungen: der saisonalen Speicherung von W\u00e4rme. Im Sommer liefern Solaranlagen und industrielle Prozesse reichlich thermische Energie, doch im Winter bleibt diese \u2013 ungespeichert \u2013 ungenutzt. W\u00e4hrend Stromspeicher l\u00e4ngst im Fokus der \u00f6ffentlichen Diskussion stehen, verl\u00e4uft die Entwicklung effizienter W\u00e4rmespeicher bemerkenswert diskret. 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