{"id":4959,"date":"2026-05-31T23:29:00","date_gmt":"2026-05-31T21:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=4959"},"modified":"2026-05-31T23:29:00","modified_gmt":"2026-05-31T21:29:00","slug":"der-lange-weg-zur-maus-eine-technikgeschichte-zwischen-holz-radern-und-pioniergeist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-lange-weg-zur-maus-eine-technikgeschichte-zwischen-holz-radern-und-pioniergeist\/","title":{"rendered":"Der lange Weg zur Maus: Eine Technikgeschichte zwischen Holz, R\u00e4dern und Pioniergeist"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Es begann mit einem Klotz. Einem handtellergro\u00dfen, braunen Holzklotz, in dessen Bauch zwei um neunzig Grad zueinander versetzte R\u00e4der steckten. Ein einzelner roter Knopf thronte auf der Oberseite, und aus der R\u00fcckseite zog sich ein d\u00fcnnes Kabel wie ein Schwanz. Die Ingenieure am Stanford Research Institute (SRI) tauften das Gebilde liebevoll \u201eMaus\u201c. Das Jahr war 1963, und die Welt wusste noch nichts mit dieser Erfindung anzufangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Computermaus ist aus dem modernen Arbeitsleben kaum noch wegzudenken, ihre Geschichte begann jedoch mit einem technologischen Vorlauf, der fast zwei Jahrzehnte dauerte. Sie war das Herzst\u00fcck einer humanistischen Computer-Philosophie, die ihrer Zeit weit voraus war. In diesem Artikel zeichnen wir die Entwicklung vom skurrilen Holz-Prototypen bis zum millionenfach verkauften Massenprodukt nach \u2013 und werfen einen Blick auf eine fast vergessene Parallelentwicklung in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vision einer neuen Mensch-Maschine-Symbiose<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Geburtsstunde der Maus liegt nicht in einer Werkbank, sondern im Kopf eines Vision\u00e4rs. Douglas C. Engelbart, ein Elektroingenieur, der als Radar-Techniker in der US Navy gedient hatte, entwickelte bereits Anfang der 1950er Jahre eine radikale Idee. Ihm schwebte eine Zukunft vor, in der Computer nicht nur als blo\u00dfe Rechenmaschinen f\u00fcr milit\u00e4rische oder wissenschaftliche Eliten dienten, sondern als Werkzeuge zur \u201eAugmentierung\u201c \u2013 der Erweiterung \u2013 menschlicher Intelligenz.<a href=\"https:\/\/www.zdnet.com\/article\/the-man-who-built-a-better-mouse-trap\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Er tr\u00e4umte von einer interaktiven Symbiose zwischen Mensch und Maschine, bei der der Rechner als eine Art geistiger Gehilfe fungierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Gedanken waren revolution\u00e4r. Zu einer Zeit, als Computer raumf\u00fcllende Kolosse waren, die mit Lochkarten gef\u00fcttert wurden, hielten viele Engelbarts Ideen f\u00fcr \u201ev\u00f6llig verr\u00fcckt\u201c.<a href=\"https:\/\/www.zdnet.com\/article\/the-man-who-built-a-better-mouse-trap\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Als er 1959 sein eigenes \u201eAugmentation Research Center\u201c (ARC) am SRI in Menlo Park, Kalifornien, gr\u00fcndete, wurde ihm nahegelegt, nicht \u00f6ffentlich \u00fcber seine weitreichenden Ziele zu sprechen.<a href=\"https:\/\/www.zdnet.com\/article\/the-man-who-built-a-better-mouse-trap\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Dennoch arbeitete er unbeirrt daran, ein komplett neues System der Mensch-Maschine-Interaktion zu schaffen, das sp\u00e4ter als \u201eoN-Line System\u201c (NLS) bekannt wurde. Die Maus war nur ein \u2013 wenn auch zentrales \u2013 Element in diesem gro\u00dfen Plan, der auch die grafische Benutzeroberfl\u00e4che, Hypertext, Videokonferenzen und die Echtzeit-Zusammenarbeit im Netz umfasste.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Miterfinder-der-Computermaus-William-English-mit-91-Jahren-gestorben-4860951.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von der Skizze zum Holzmodell<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1963 erhielt Engelbarts Team einen Forschungsauftrag von der NASA, um verschiedene interaktive Eingabeger\u00e4te f\u00fcr Bildschirme zu untersuchen. Engelbart hatte die grundlegende Idee eines kleinen Ger\u00e4ts, das die Bewegung der Hand auf einen Bildschirmzeiger \u00fcbertragen sollte. Die praktische Umsetzung dieser Skizze \u00fcbernahm jedoch sein Kollege, der Elektroingenieur William \u201eBill\u201c English.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Miterfinder-der-Computermaus-William-English-mit-91-Jahren-gestorben-4860951.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis war der erste Prototyp einer Computermaus, ein klobiger&nbsp;<strong>Holzblock mit einem einzigen roten Knopf<\/strong>&nbsp;und zwei&nbsp;<strong>Metallr\u00e4dern<\/strong>&nbsp;an der Unterseite. Die um 90 Grad versetzten R\u00e4der dienten dazu, die Bewegung unabh\u00e4ngig voneinander in der X- und Y-Achse zu erfassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Merkmal<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Erste Maus (1963\/64)<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Kugelmaus bei Xerox (1973)<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Geh\u00e4use<\/strong><\/td><td>Holzkasten, handgefertigt<\/td><td>Kunststoff, ergonomischer<\/td><\/tr><tr><td><strong>Bewegungsmechanismus<\/strong><\/td><td>Zwei um 90\u00b0 versetzte R\u00e4der<\/td><td>Eine rollende Stahlkugel<\/td><\/tr><tr><td><strong>Tastenanzahl<\/strong><\/td><td>Ein roter Knopf<\/td><td>Drei Tasten<\/td><\/tr><tr><td><strong>Ursprung<\/strong><\/td><td>Prototyp bei SRI<\/td><td>Weiterentwicklung bei Xerox PARC<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Team testete diese Maus in umfangreichen Experimenten gegen andere Eingabeger\u00e4te wie Lichtgriffel, Joysticks, Graphicon und sogar ein kniegesteuertes Ger\u00e4t.&nbsp;Die Ergebnisse waren eindeutig: In einer Studie namens&nbsp;<strong>\u201eDisplay-Selection Techniques for Text Manipulation\u201c<\/strong>&nbsp;aus dem Jahr 1967 schnitt die Maus in puncto Geschwindigkeit und Pr\u00e4zision bei der Textbearbeitung am besten ab, noch vor dem popul\u00e4ren Joystick.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/William_English_(Ingenieur)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Sie war das Ger\u00e4t der Wahl \u2013 auch wenn au\u00dferhalb des Labors niemand danach fragte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herkunft des Namens \u201eMaus\u201c ist nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt. Einerseits erinnerten die Form und das Kabel an das namensgebende Nagetier. Eine charmante Anekdote besagt, dass der Zeiger auf dem Bildschirm urspr\u00fcnglich \u201eCAT\u201c genannt wurde und der Maus zu folgen schien.<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/technology-53638033\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Die kl\u00fcgste Erkl\u00e4rung lieferte jedoch Bill English selbst: In einem ersten Bericht mussten sie das Ding irgendwie nennen. \u201eA brown box with buttons\u201c sei sperrig gewesen, also habe man sich auf den kurzen, offensichtlichen Namen \u201emouse\u201c geeinigt.<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/technology-53638033\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die \u201eMutter aller Demos\u201c und der Weg zu Xerox<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Maus blieb jahrelang eine interne Angelegenheit, bis zu jenem historischen 9. Dezember 1968. An diesem Tag pr\u00e4sentierte Douglas Engelbart auf der&nbsp;<strong>Fall Joint Computer Conference<\/strong>&nbsp;im Civic Auditorium von San Francisco vor etwa 1000 Zuschauern seine Vision des interaktiven Computings.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Miterfinder-der-Computermaus-William-English-mit-91-Jahren-gestorben-4860951.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.zdnet.de\/88161015\/computermaus-erfinder-douglas-engelbart-ist-tot\/?&amp;utm_source=www.zdnet.de&amp;utm_medium=content-widget&amp;utm_campaign=\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Diese 90-min\u00fctige Vorf\u00fchrung, die sp\u00e4ter von Steven Levy als \u201e<strong>Mother of all Demos<\/strong>\u201c getauft wurde, war eine atemberaubende Collage aus Zukunftstechnologien.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/William_English_(Ingenieur)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor den Augen der Computerpioniere demonstrierte Engelbart nicht nur die Maus, mit der er m\u00fchelos Text editierte, sondern auch:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die erste \u00f6ffentlich gezeigte\u00a0<strong>Videokonferenz<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Hypertext<\/strong>-Links f\u00fcr die Navigation zwischen Dokumenten.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein\u00a0<strong>Fenstersystem<\/strong>, das es erlaubte, mehrere Programme gleichzeitig auf einem Bildschirm zu sehen.<\/li>\n\n\n\n<li>Echtzeit-<strong>Kollaborationssoftware<\/strong>, mit der zwei Personen an entfernten Standorten am selben Dokument arbeiten konnten.<a href=\"https:\/\/theconversation.com\/in-1968-computers-got-personal-how-the-mother-of-all-demos-changed-the-world-101654?utm_medium=email&amp;utm_campaign=Heat%20and%20Light%20did%20not%20click%203%20ep%207&amp;utm_content=Heat%20and%20Light%20did%20not%20click%203%20ep%207+CID_8a24c888e1807e2a66375facc1ffa0e4&amp;utm_source=campaign_monitor_us\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All dies wurde \u00fcber eine eigene, selbstgebaute 2400-Baud-Datenverbindung in das 50 Kilometer entfernte Menlo Park gesteuert.<a href=\"https:\/\/www.elektronikpraxis.de\/50-jahre-computermaus-die-maus-die-erst-niemand-haben-wollte-a-244088cd462c25eb290f311456cd71a9\/?print\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Die \u201eMother of all Demos\u201c war ein seismischer Schock f\u00fcr die Computerwelt, aber nur wenige erkannten das volle Potenzial. Die Maus blieb vorerst ein Geheimtipp unter Experten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1971 verlie\u00df Bill English das SRI und wechselte zum legend\u00e4ren&nbsp;<strong>Palo Alto Research Center (PARC)<\/strong>&nbsp;von Xerox.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Miterfinder-der-Computermaus-William-English-mit-91-Jahren-gestorben-4860951.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maus_(Computer)?diff=81608357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Dort entwickelte er die erste&nbsp;<strong>Kugelmaus<\/strong>, die das anf\u00e4llige Zwei-R\u00e4der-System durch eine rollende Metallkugel ersetzte, welche die Bewegung in jeder beliebigen Richtung pr\u00e4zise auf zwei Sensoren \u00fcbertrug.<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/technology-53638033\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Diese robustere und fl\u00fcssiger zu bedienende Kugelmaus fand 1973 Einzug in den&nbsp;<strong>Xerox Alto<\/strong>&nbsp;\u2013 den ersten Computer, der mit einer vollst\u00e4ndigen grafischen Benutzeroberfl\u00e4che ausgestattet war.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maus_(Computer)?diff=81608357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Dennoch blieb Xerox seiner Technologie-Philosophie treu und vermarktete sie kaum. Ein Versuch, mit der Workstation&nbsp;<strong>Xerox Star<\/strong>&nbsp;(1981) die Maus kommerziell zu etablieren, scheiterte am hohen Preis. Allein die Maus kostete 400 US-Dollar, die dazugeh\u00f6rige Schnittstelle weitere 300 Dollar.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maus_(Computer)?diff=81608357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine fast vergessene Parallelentwicklung: Die deutsche Rollkugel<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschung an Positionierger\u00e4ten war kein alleiniges US-amerikanisches Ph\u00e4nomen. In Deutschland, beim Elektronikkonzern AEG-Telefunken, entwickelte ein Team um den Ingenieur&nbsp;<strong>Rainer Mallebrein<\/strong>&nbsp;zur gleichen Zeit eine bemerkenswert \u00e4hnliche Technologie: die&nbsp;<strong>\u201eRollkugel\u201c RKS 100-86<\/strong>. Angeregt durch die Arbeit mit Trackballs in Flugsicherungssystemen, entschied sich Mallebrein, die Kugel nicht in den Tisch zu versenken, sondern sie in ein mobiles Geh\u00e4use zu setzen, das der Benutzer \u00fcber den Schreibtisch bewegen konnte \u2013 das Prinzip der Maus.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Auf-den-Spuren-der-deutschen-Computermaus-216255.html?view=print\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Parallelen sind verbl\u00fcffend. Mallebreins Rollkugel wurde bereits im&nbsp;<strong>Oktober 1968<\/strong>&nbsp;\u2013 zwei Monate vor Engelbarts legend\u00e4rer Demo \u2013 in einer Fachzeitschrift von Telefunken \u00f6ffentlich vorgestellt.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Auf-den-Spuren-der-deutschen-Computermaus-216255.html?view=print\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Das Ger\u00e4t wurde sogar kommerziell vermarktet. Ab 1968 wurde die Rollkugel zusammen mit dem Gro\u00dfrechner TR 440 verkauft, wenn auch die St\u00fcckzahlen mit nur 46 verkauften Rechnern verschwindend gering waren.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Auf-den-Spuren-der-deutschen-Computermaus-216255.html?view=print\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ist dieser deutsche Beitrag dann fast in Vergessenheit geraten? Der Grund ist vielschichtig. Einerseits wurde der Rollkugel vom Deutschen Patentamt die&nbsp;<strong>\u201eErfindungsh\u00f6he\u201c<\/strong>&nbsp;abgesprochen. Der Schritt vom station\u00e4ren Trackball zur mobilen Kugel galt als zu geringf\u00fcgig.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Auf-den-Spuren-der-deutschen-Computermaus-216255.html?view=print\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rainer_Mallebrein\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>&nbsp;Zeitgleich wurde Engelbarts Konzept 1970 in den USA patentiert (US-Patent 3.541.541). Andererseits fehlte der deutschen Entwicklung ein \u00e4hnlich charismatischer Vordenker wie Engelbart, der die Rollkugel in eine umfassende Vision f\u00fcr das Personal Computing einbettete. So blieb sie ein exotisches, wenn auch historisch wichtiges Peripherieger\u00e4t f\u00fcr einen teuren Gro\u00dfrechner.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das gro\u00dfe Erwachen und der Siegeszug<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche Durchbruch der Maus kam erst, als sie in den fr\u00fchen 1980er Jahren von Steve Jobs und Apple entdeckt wurde. W\u00e4hrend einer Besichtigungstour bei Xerox PARC erkannte Jobs das revolution\u00e4re Potenzial der grafischen Benutzeroberfl\u00e4che und der Maus. Apple lizenzierte die Technologie und implementierte sie zun\u00e4chst im gescheiterten&nbsp;<strong>Apple Lisa<\/strong>&nbsp;und dann \u2013 mit einem gewaltigen Marketing-Budget und einer durchdachten Benutzererfahrung \u2013 im&nbsp;<strong>Apple Macintosh<\/strong>, der im Januar 1984 vorgestellt wurde.<a href=\"https:\/\/www.elektronikpraxis.de\/50-jahre-computermaus-die-maus-die-erst-niemand-haben-wollte-a-244088cd462c25eb290f311456cd71a9\/?print\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit einem Schlag wurde die Maus zum festen Bestandteil eines Personal Computers. Die Industrie reagierte. 1982 brachte der Schweizer Hersteller&nbsp;<strong>Logitech<\/strong>&nbsp;mit der P4 ihre erste serielle Maus f\u00fcr den Massenmarkt heraus \u2013 f\u00fcr stolze 299 Dollar.&nbsp;In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Technologie rasant weiter. Die mechanische Kugel wich der optischen Maus mit LED, sp\u00e4ter der Lasertechnik, bis hin zur kabellosen Funkmaus, die man inzwischen auf Glas und sogar in der Luft bedienen kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Computermaus ist ein Lehrst\u00fcck \u00fcber den Einfallsreichtum, die Langmut und die Weitsicht von Ingenieuren wie Douglas Engelbart, William English und Rainer Mallebrein. Sie ist eine Erz\u00e4hlung dar\u00fcber, wie eine geniale Idee oft Jahrzehnte braucht, um das Licht der breiten \u00d6ffentlichkeit zu erblicken. Sie zeigt aber auch, dass parallele Entwicklungen keine Seltenheit sind, sondern dass das \u201etechnologische Klima\u201c einer \u00c4ra verwandte Ideen hervorbringen kann \u2013 selbst wenn sie auf unterschiedlichen Kontinenten entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die Zukunft intuitiverer Benutzungsschnittformen wie Touch, Sprachsteuerung, Gestik und Gedankenlesen geh\u00f6rt, ist die Maus noch lange nicht Geschichte. Sie bleibt das pr\u00e4ziseste Werkzeug f\u00fcr Design und professionelles Arbeiten. Sie ist der stille, stets einsatzbereite Helfer, der ohne Murren die Bewegungen unserer Hand in die digitale Welt \u00fcbersetzt \u2013 ein bescheidener Holzklotz, der den Grundstein f\u00fcr die moderne Informationsgesellschaft legte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>BBC News: Bill English: Computer mouse co-creator dies at 91. (Link)<\/li>\n\n\n\n<li>heise online: Miterfinder der Computermaus: William English mit 91 Jahren gestorben. (Link)<\/li>\n\n\n\n<li>heise online: Auf den Spuren der deutschen Computermaus. (Link)<\/li>\n\n\n\n<li>The Conversation: In 1968, computers got personal: How the \u2018mother of all demos\u2019 changed the world. (Link)<\/li>\n\n\n\n<li>Elektronikpraxis: 50 Jahre Computermaus: Die Maus, die erst niemand haben wollte. (Link)<\/li>\n\n\n\n<li>Wikipedia: Maus (Computer) \u2013 Versionsunterschiede. (Link)<\/li>\n\n\n\n<li>Wikipedia: William English (Ingenieur). (Link)<\/li>\n\n\n\n<li>Wikipedia: Rainer Mallebrein. (Link)<\/li>\n\n\n\n<li>WDR: 17.11.1970: Das Patent f\u00fcr die Computermaus wird erteilt. (Link)<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es begann mit einem Klotz. Einem handtellergro\u00dfen, braunen Holzklotz, in dessen Bauch zwei um neunzig Grad zueinander versetzte R\u00e4der steckten. Ein einzelner roter Knopf thronte auf der Oberseite, und aus der R\u00fcckseite zog sich ein d\u00fcnnes Kabel wie ein Schwanz. Die Ingenieure am Stanford Research Institute (SRI) tauften das Gebilde liebevoll \u201eMaus\u201c. 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