{"id":5095,"date":"2026-06-07T14:51:52","date_gmt":"2026-06-07T12:51:52","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=5095"},"modified":"2026-06-07T14:51:52","modified_gmt":"2026-06-07T12:51:52","slug":"junkers-jumo-004-der-sprung-in-das-jet-zeitalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/junkers-jumo-004-der-sprung-in-das-jet-zeitalter\/","title":{"rendered":"Junkers Jumo 004: Der Sprung in das Jet-Zeitalter"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Einleitung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt technologische Entwicklungen, die man als evolution\u00e4r bezeichnen kann \u2013 und dann gibt es jene, die eine fundamentale Diskontinuit\u00e4t darstellen, einen radikalen Bruch mit allem, was zuvor war. Das Junkers Jumo 004 geh\u00f6rt zweifellos in die zweite Kategorie. Als weltweit erstes in Serie gefertigtes und operativ eingesetztes Turbojet-Triebwerk markierte es den \u00dcbergang vom Propellerzeitalter zur \u00c4ra des D\u00fcsenflugs. Innerhalb weniger Jahre wurde eine Technologie, die noch 1939 von den meisten Luftfahrtverantwortlichen ignoriert wurde, zur entscheidenden Waffe im Luftkrieg der letzten Kriegsmonate.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel beleuchtet den historischen Sprung, den der Jumo 004 repr\u00e4sentierte \u2013 nicht nur als technisches Meisterwerk, sondern auch als Produkt seiner d\u00fcsteren Zeit. Von den fr\u00fchen Experimenten Hans von Ohains \u00fcber die brillante Konstruktion Anselm Franz\u2018 bis hin zur Serienproduktion unter unmenschlichen Bedingungen im Mittelwerk: Der Jumo 004 ist eine Geschichte von Genialit\u00e4t und Tragik, von technologischem Vorsprung und moralischer Verstrickung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>I. Die Vorgeschichte: Ohain, Whittle und das Erwachen der Luftfahrtwelt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee des Strahlantriebs war um 1930 nichts v\u00f6llig Neues \u2013 theoretische Arbeiten reichten bis ins 19. Jahrhundert zur\u00fcck. Doch erst in den 1930er Jahren wurde die Vision konkreter, angetrieben von zwei M\u00e4nnern, die unabh\u00e4ngig voneinander an derselben Revolution arbeiteten: dem deutschen Physiker Hans von Ohain und dem britischen Offizier Frank Whittle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Whittle, der bereits 1928 erste Patente anmeldete, k\u00e4mpfte jahrelang um finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr sein aufsehenerregendes Konzept eines Turbojets mit&nbsp;<strong>Zentrifugalkompressor<\/strong>. Die britische Luftfahrtindustrie blieb skeptisch \u2013 zu radikal, zu unerprobt. In Deutschland gelang von Ohain 1937 der erste entscheidende Schritt: Er demonstrierte die Machbarkeit des Strahlantriebs mit seinem Heinkel HeS 1, gefolgt vom ersten D\u00fcsenflug der Welt am 27. August 1939 mit der Heinkel He 178, angetrieben vom HeS 3B.<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Junkers_Jumo_004\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Junkers_Jumo_004\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch zeigte das Reichsluftfahrtministerium (RLM) wenig Interesse. G\u00f6ring und Udet erkannten das Potenzial nicht \u2013 kein Vertreter des RLM erschien zu diesem historischen Testflug.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Junkers_Jumo_004\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>Erst nach Udets Suizid im November 1941 und unter der Leitung von Erhard Milch \u00e4nderte sich die Haltung grundlegend. Nun wurde die forcierte Entwicklung von Strahltriebwerken zur Priorit\u00e4t.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Junkers_Jumo_004\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>Der Junkers-Motorenbau in Dessau begann unter der Leitung von Anselm Franz mit der Entwicklung eines serienreifen Strahltriebwerks. Das RLM gab diesem Projekt die Nummer 109-004, woraus sich der Name Jumo 004 \u2013&nbsp;<strong>Ju<\/strong>nkers&nbsp;<strong>Mo<\/strong>tor + Projektnummer \u2013 ableitet.<a href=\"http:\/\/avia.wikisort.org\/engine\/de\/Motor\/Junkers_Jumo_004\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>II. Die technische Revolution: Warum der Axialkompressor den Unterschied machte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anselm Franz, der eigentlich mit der Entwicklung von Turboladern betraut war, wagte 1939 den Schritt in eine neue Dimension. Sein Design war zugleich konservativ und revolution\u00e4r.<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Junkers_Jumo_004\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>Die entscheidende Neuerung: Statt des Zentrifugalkompressors, der die Luft radial nach au\u00dfen beschleunigt, setzte er auf einen&nbsp;<strong>achtstufigen Axialkompressor<\/strong>. Bei dieser Bauweise str\u00f6mt die Luft geradlinig durch den Motor \u2013 ein Prinzip, das eine deutlich kleinere Stirnfl\u00e4che und damit geringeren Luftwiderstand erm\u00f6glichte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Kenngr\u00f6\u00dfe<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Jumo 004B-1 \u201eOrkan\u201c<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Kompressor<\/td><td>8-stufig axial<\/td><\/tr><tr><td>Turbine<\/td><td>1-stufig axial<\/td><\/tr><tr><td>Druckverh\u00e4ltnis<\/td><td>3,1:1<\/td><\/tr><tr><td>Gewicht (trocken)<\/td><td>ca. 757 kg<\/td><\/tr><tr><td>Standschub<\/td><td>8,7 \u2013 8,9 kN<\/td><\/tr><tr><td>Drehzahl<\/td><td>8.700 min\u207b\u00b9<\/td><\/tr><tr><td>Luftdurchsatz<\/td><td>ca. 21\u201325 kg\/s<\/td><\/tr><tr><td>Treibstoffverbrauch<\/td><td>ca. 1.273 kg\/h<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Tabelle 1: Technische Daten des Jumo 004B (eigene Zusammenstellung nach<a href=\"https:\/\/collections.si.edu\/search\/detail\/edanmdm:nasm_A19670124000\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.deutsches-museum.de\/en\/flugwerft-schleissheim\/ausstellung\/flugantriebe-und-raketen\/jumo-004#:~:text=Fuel%20consumption%3A%201273%20kg%2Fh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.ist.rwth-aachen.de\/cms\/IST\/Der-Lehrstuhl\/Triebwerk\/~gvyqe\/Junkers-Jumo\/lidx\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter dieser n\u00fcchternen Datentabelle verbirgt sich eine ingenieurtechnische Meisterleistung: ein achtstufiger Axialverdichter, sechs geradlinige, aus Stahlblech gefertigte Brennkammern und eine einstufige Turbine mit&nbsp;<strong>hohlen Schaufeln<\/strong>, die der K\u00fchlluft einen Weg durch das rotierende Hei\u00dfteil des Motors boten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch genau hier offenbarte sich die zentrale Schwachstelle. Die Turbinenschaufeln mussten Temperaturen von \u00fcber 800 \u00b0C standhalten \u2013 eine Herausforderung, die hitzebest\u00e4ndige Legierungen mit Nickel, Kobalt und Molybd\u00e4n erforderte.Als Deutschland im Laufe des Krieges der Zugang zu diesen strategischen Rohstoffen zunehmend versagt blieb, musste Junkers auf&nbsp;<strong>Luftk\u00fchlung<\/strong>&nbsp;der Turbinenschaufeln umstellen \u2013 eine kreative, aber problematische L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folge: Das Triebwerk galt als&nbsp;<strong>unzuverl\u00e4ssig<\/strong>&nbsp;mit einer Lebensdauer von oft nur 25 Betriebsstunden.Eine scharfe Gasannahme konnte zur \u00dcberhitzung und zum Ausfall f\u00fchren; Starts und Lastwechsel waren heikle Man\u00f6ver. In einer kritischen Auseinandersetzung urteilte die Nachkriegsanalyse: Die deutschen Axialtriebwerke galten im Vergleich zu den britischen Zentrifugaltriebwerken wie dem Rolls-Royce Derwent als notorisch unzuverl\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>III. Von der A-Version zur B-Version: Materialknappheit als Innovationstreiber<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Prototyp, die&nbsp;<strong>Version 004A<\/strong>, wurde bereits im Oktober 1940 getestet \u2013 zun\u00e4chst ohne Abgasd\u00fcse und mit einem Gewicht von etwa 850 kg.<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Junkers_Jumo_004\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>Die A-Version war ein&nbsp;<strong>\u201eFreil\u00e4ufer\u201c ohne Materialbeschr\u00e4nkungen<\/strong>&nbsp;und verwendete hochwertige, aber knappe Legierungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Reichsluftfahrtministerium forderte jedoch ein&nbsp;<strong>kalkulierbares Massenprodukt<\/strong>, das mit den vorhandenen Rohstoffen auskam. So entstand die&nbsp;<strong>Version 004B<\/strong>&nbsp;\u2013 nicht einfach eine verkleinerte Kopie, sondern eine weitgehende Neukonstruktion: leichter, mit verst\u00e4rkter Luftk\u00fchlung f\u00fcr Turbinenschaufeln und Brennkammern, mit optimierter Beschaufelung des Verdichters sowie einem verbesserten Turbineneintritt.<a href=\"https:\/\/collections.si.edu\/search\/detail\/edanmdm:nasm_A19670124000\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Merkmal<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Jumo 004A<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Jumo 004B<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Materialeinsatz<\/td><td>Hochwertige, scarce Legierungen (Ni, Co, Mo)<\/td><td>Reduzierter Einsatz seltener Materialien<\/td><\/tr><tr><td>Gewicht<\/td><td>ca. 850 kg<\/td><td>ca. 757 kg<\/td><\/tr><tr><td>K\u00fchlung<\/td><td>Begrenzt<\/td><td>Intensive Luftk\u00fchlung f\u00fcr Turbine &amp; Brennkammer<\/td><\/tr><tr><td>Produktionszweck<\/td><td>Erprobung &amp; Prototypen<\/td><td>Serienfertigung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Tabelle 2: Vergleich der Varianten A und B (eigene Zusammenstellung nach<a href=\"https:\/\/collections.si.edu\/search\/detail\/edanmdm:nasm_A19670124000\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die B-Version war technisch vielleicht weniger elegant \u2013 aber sie war&nbsp;<strong>produzierbar<\/strong>, unter den gegebenen Umst\u00e4nden eine existenzielle Eigenschaft.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>IV. Der Tribut der Moderne: Produktion im Schatten des Terrors<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Serienproduktion des Jumo 004 begann im&nbsp;<strong>Fr\u00fchjahr 1944<\/strong>. Um die Fertigung vor alliierten Luftangriffen zu sch\u00fctzen, entschied man sich, gro\u00dfe Teile der deutschen Luftfahrtindustrie in bombensichere Stollen zu verlagern. Das Tunnelsystem&nbsp;<strong>\u201eMittelwerk\u201c<\/strong>&nbsp;im Kohnstein bei Nordhausen, in dem bereits die V2-Rakete montiert wurde, wurde geteilt.<a href=\"https:\/\/digital.deutsches-museum.de\/en\/digital-catalogue\/collection-object\/73220\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mai 1944 zogen Teile der Junkers-Motorenwerke in die n\u00f6rdlichen Tunnel des Kohnstein ein.&nbsp;<strong>Ende September 1944<\/strong>&nbsp;lief dort die Serienproduktion des Jumo 004 B an. Bis Kriegsende entstanden auf diese Weise etwa&nbsp;<strong>2.400<\/strong>&nbsp;Triebwerke \u2013 unter dem Einsatz von KZ-H\u00e4ftlingen.<a href=\"https:\/\/www.deutsches-museum.de\/en\/flugwerft-schleissheim\/ausstellung\/flugantriebe-und-raketen\/jumo-004#:~:text=Fuel%20consumption%3A%201273%20kg%2Fh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahl der Todesopfer im KZ Mittelbau-Dora ist ersch\u00fctternd:&nbsp;<strong>20.000 H\u00e4ftlinge<\/strong>&nbsp;starben innerhalb von nur 18 Monaten an den unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen, an Krankheiten und Misshandlungen.<a href=\"https:\/\/digital.deutsches-museum.de\/en\/digital-catalogue\/collection-object\/73220\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.deutsches-museum.de\/en\/flugwerft-schleissheim\/ausstellung\/flugantriebe-und-raketen\/jumo-004#:~:text=Fuel%20consumption%3A%201273%20kg%2Fh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die gesamte Produktionslaufzeit wurden etwa&nbsp;<strong>6.000 bis 8.000<\/strong>&nbsp;Jumo-004-Triebwerke gefertigt, wobei die Quellen je nach Z\u00e4hlweise differieren: Von Februar 1944 bis M\u00e4rz 1945 entstanden 6.010 Aggregate der Serienversionen B1 und B2, von denen 4.752 tats\u00e4chlich ausgeliefert wurden.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Junkers_Jumo_004\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>Die Smithsonian Institution spricht von knapp 6.000 bis Kriegsende.<a href=\"https:\/\/collections.si.edu\/search\/detail\/edanmdm:nasm_A19670124000\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>V. Operative Wirkung: Der Schwalbenflug der Me 262<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Jumo 004 ist untrennbar mit dem Flugzeug verbunden, das er ber\u00fchmt machte: der&nbsp;<strong>Messerschmitt Me 262 \u201eSchwalbe\u201c<\/strong>&nbsp;(Schwalbe), dem ersten einsatzf\u00e4higen D\u00fcsenj\u00e4ger der Welt. Zwei Jumo 004B trieben das Flugzeug auf H\u00f6chstgeschwindigkeiten von etwa&nbsp;<strong>870 km\/h (540 mph)<\/strong>&nbsp;\u2013 das waren&nbsp;<strong>193 km\/h mehr<\/strong>&nbsp;als die ber\u00fchmte nordamerikanische P-51 Mustang auf gleicher Flugh\u00f6he.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Geschwindigkeits\u00fcberlegenheit war atemberaubend: Die Me 262 konnte sich nach Belieben in Luftk\u00e4mpfe ein- oder aus ihnen zur\u00fcckziehen. Der technologische Vorsprung war so gro\u00df, dass alliierte Piloten ihre eigene Taktik anpassen mussten \u2013 die einzige wirkungsvolle Gegenma\u00dfnahme war, die Me 262 w\u00e4hrend Start oder Landung zu attackieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der Me 262 trieb der Jumo 004 auch die&nbsp;<strong>Arado Ar 234<\/strong>&nbsp;an, den ersten einsatzf\u00e4higen D\u00fcsenbomber und Aufkl\u00e4rer der Welt. Beide Flugzeuge kamen jedoch zu sp\u00e4t in nennenswerter Zahl zum Einsatz, um den Ausgang des Krieges zu beeinflussen \u2013 eine der gro\u00dfen Ironien der Technikgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>VI. Erbe: Wie der Jumo 004 die Welt ver\u00e4nderte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Krieg gingen Entw\u00fcrfe, Unterlagen und ganze Triebwerke als Beute in die H\u00e4nde der Alliierten \u00fcber. Anselm Franz selbst gelangte im Zuge der&nbsp;<strong>Operation Paperclip<\/strong>&nbsp;in die USA, wo er bis zu seiner Pensionierung 1968 als Vizepr\u00e4sident bei Avco Lycoming ma\u00dfgeblich an der Entwicklung der legend\u00e4ren Turbinentriebwerke T53, T55 und AGT-1500 mitwirkte.<a href=\"https:\/\/asmedigitalcollection.asme.org\/gasturbinespower\/article-abstract\/119\/4\/783\/408993\/The-Development-of-the-Junkers-Jumo-004B-The-World?redirectedFrom=PDF\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/de.m.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Anselm_Franz_%28Luftfahrtpionier%29#p-lang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das Erbe des Jumo 004 reicht weit \u00fcber die Karriere eines einzelnen Mannes hinaus. Die Smithsonian Institution stellt klar:&nbsp;<strong>\u201eJedes D\u00fcsentriebwerk der Welt leitet sich von dieser Axialfluss-Konstruktion ab.\u201c<\/strong><a href=\"https:\/\/collections.si.edu\/search\/detail\/edanmdm:nasm_A19670124000\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bedeutung dieser Aussage kann kaum \u00fcbersch\u00e4tzt werden. W\u00e4hrend die Briten mit ihren Zentrifugaltriebwerken zun\u00e4chst erfolgreicher waren, setzte sich nach dem Krieg&nbsp;<strong>weltweit das Axialprinzip<\/strong>&nbsp;durch. Die kompakten, str\u00f6mungsg\u00fcnstigen Axialtriebwerke wurden zur Grundlage der modernen Luftfahrt \u2013 von den fr\u00fchen US-Strahltriebwerken \u00fcber die Hochbypass-Triebwerke der Boeing 747 bis zu den neuesten Fan-Triebwerken der Airbus A350.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sogar in Osteuropa lebte der Jumo 004 fort: In der Tschechoslowakei wurden die Triebwerke unter der Bezeichnung&nbsp;<strong>M-04<\/strong>&nbsp;weitergebaut und trieben die Avia S-92 \u2013 eine Nachkriegskopie der Me 262 \u2013 an.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit: Ein Sprung mit Schatten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Junkers Jumo 004 war ein&nbsp;<strong>Paradigmenwechsel<\/strong>&nbsp;\u2013 ein Sprung, der die Gesetze des Fliegens neu schrieb. Vom ersten Testlauf 1940 ohne Abgasd\u00fcse \u00fcber die Massenproduktion von tausenden Triebwerken bis zur Basis f\u00fcr alle sp\u00e4teren Axialtriebwerke ist seine Entwicklung eine geradezu filmreife Geschichte ingenieurtechnischer H\u00f6chstleistung unter denkbar widrigen Umst\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch kann man diesen Sprung nicht unkritisch betrachten. Die unmenschliche Produktion im KZ Mittelbau-Dora, die strategische Verstrickung mit dem NS-Regime und die technische Unzuverl\u00e4ssigkeit, die Hunderte von Piloten das Leben kostete, sind Teil dieser Geschichte. Der Jumo 004 ist kein Objekt reiner Bewunderung, sondern ein&nbsp;<strong>Dokument des moralischen Dilemmas<\/strong>, das Fortschritt und Unrecht untrennbar miteinander verbinden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Technikhistoriker stehen heute vor der Herausforderung, diese Dialektik auszuhalten:&nbsp;<strong>Genialit\u00e4t und Verbrechen, Fortschritt und Leid.<\/strong>&nbsp;Der Jumo 004 war der Sprung ins Jet-Zeitalter \u2013 ein Sprung, der nicht ohne Narben blieb.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Quellenverzeichnis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>ASME Digital Collection:\u00a0<em>The Development of the Junkers Jumo 004B\u2014The World\u2019s First Production Turbojet<\/em>\u00a0(C. B. Meher-Homji, 1997)<\/li>\n\n\n\n<li>Smithsonian National Air and Space Museum:\u00a0<em>Record Junkers Jumo 004 B Turbojet Engine<\/em>\u00a0(Sammlungsdatenbank)<\/li>\n\n\n\n<li>Smithsonian National Air and Space Museum:\u00a0<em>Jumo 004B Engine<\/em>\u00a0(Sammlungsdatenbank)<\/li>\n\n\n\n<li>Smithsonian National Air and Space Museum:\u00a0*Jumo 004, Messerschmitt Me 262A-1a Schwalbe (Swallow), Turbojet Engine*<\/li>\n\n\n\n<li>Deutsches Museum:\u00a0<em>Jumo 004 B<\/em>\u00a0(Flugwerft Schlei\u00dfheim, Museumsdatenbank)<\/li>\n\n\n\n<li>Deutsches Museum Digital:\u00a0*Strahltriebwerk, Junkers Jumo 109-004 B*\u00a0(Inventarnr. 73220)<\/li>\n\n\n\n<li>National Museum of the United States Air Force:\u00a0<em>Junkers Jumo 004 Turbojet<\/em>\u00a0(Faktenblatt)<\/li>\n\n\n\n<li>RWTH Aachen, Institut f\u00fcr Strahlantriebe:\u00a0<em>Junkers Jumo 004<\/em>\u00a0(Technische Daten)<\/li>\n\n\n\n<li>Wikipedia:\u00a0<em>Junkers Jumo 004<\/em>\u00a0(englisch\/deutsch)<\/li>\n\n\n\n<li>Wikipedia:\u00a0<em>Anselm Franz (Luftfahrtpionier)<\/em>\u00a0(deutsch)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/aviation-history.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aviation-history.com<\/a>:\u00a0<em>Junkers Jumo 004<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/arstechnica.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">arstechnica.com<\/a>:\u00a0<em>Let\u2019s talk about jets, baby: Jet engines, to be more precise<\/em>\u00a0(2015)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/ww2aircraft.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ww2aircraft.net<\/a>:\u00a0<em>No material restrictions on Jumo 004, jets a year early?<\/em>\u00a0(Diskussion)<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/ww2aircraft.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ww2aircraft.net<\/a>:\u00a0<em>Could the Jumo 004 project have been started in 1937?<\/em>\u00a0(Diskussion)<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Es gibt technologische Entwicklungen, die man als evolution\u00e4r bezeichnen kann \u2013 und dann gibt es jene, die eine fundamentale Diskontinuit\u00e4t darstellen, einen radikalen Bruch mit allem, was zuvor war. 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