{"id":513,"date":"2026-03-04T10:09:42","date_gmt":"2026-03-04T09:09:42","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=513"},"modified":"2026-03-04T10:09:42","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:42","slug":"vom-klebeband-zum-hightech-siegel-die-unendliche-geschichte-des-tesa-speichers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/vom-klebeband-zum-hightech-siegel-die-unendliche-geschichte-des-tesa-speichers\/","title":{"rendered":"Vom Klebeband zum Hightech-Siegel: Die unendliche Geschichte des Tesa-Speichers"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Mehr als nur ein Aprilscherz<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte des Tesafilms als Datenspeicher begann an einem Freitag, dem 13. M\u00e4rz 1998, in einem Labor der Universit\u00e4t Mannheim und klang f\u00fcr viele Zeitgenossen nach einem perfekten Aprilscherz. Doch was die Physiker Dr. Steffen Noehte und Matthias Gerspach damals eher zuf\u00e4llig entdeckten, war der Grundstein f\u00fcr eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert \u2013 wenn auch in einer v\u00f6llig anderen Form als urspr\u00fcnglich gedacht. Die Vision einer &#8222;Tesa-ROM&#8220;, einer handels\u00fcblichen Kleberolle als Gigabit-Speicher f\u00fcr den Heimcomputer, erf\u00fcllte sich nicht. Der Geist der Erfindung jedoch lebt in hochsicheren Hologrammen weiter, die weltweit Produkte vor F\u00e4lschungen sch\u00fctzen und Marken mit der digitalen Welt verbinden. Dieser Artikel erz\u00e4hlt die vollst\u00e4ndige Geschichte dieser bemerkenswerten Technologie \u2013 von ihren vision\u00e4ren Erfindern \u00fcber ihre unerwartete Wendung bis hin zu denkbaren Zukunftsszenarien, die weit \u00fcber das urspr\u00fcngliche Konzept hinausgehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Erfinder: Zwei Physiker und ihr &#8222;Zufallsfund&#8220;<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zentrum der Entdeckung standen zwei junge Wissenschaftler.&nbsp;<strong>Dr. Steffen Noehte<\/strong>, Physiker und Experte f\u00fcr Lasertechnologie, leitete die Forschungsgruppe an der Universit\u00e4t Mannheim. Sein Diplomand&nbsp;<strong>Matthias Gerspach<\/strong>&nbsp;war der Mann an der Versuchsapparatur&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news44104\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die beiden forschten eigentlich an holografischen Speicherverfahren f\u00fcr Polymere, als sie auf der Suche nach einem geeigneten Testmaterial zu einem Alltagsgegenstand griffen: einem St\u00fcck &#8222;tesa Multi-Film, kristall-klar&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/forum.finanzen.net\/forum\/in_Frankf_hat_grad_einer_zu-t45602#pst_207073\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was sie sahen, als der Laser seine Punkte in die Folie brannte, war verbl\u00fcffend. Die Qualit\u00e4t der gespeicherten Hologramme \u00fcbertraf alles, was sie mit anderen, eigens daf\u00fcr entwickelten Polymeren erreicht hatten. Die Ursache lag in der Herstellung des Films: Polypropylen, der Grundstoff des Tesafilms, wird bei der Produktion stark in die L\u00e4nge gezogen und &#8222;\u00fcberdehnt&#8220;. Die Energie dieser Dehnung ist im Material gespeichert. Trifft nun ein fokussierter Laserstrahl auf einen Punkt und erhitzt ihn auf etwa 170 Grad Celsius, entspannt sich das Material an dieser Stelle schlagartig und zieht sich zusammen&nbsp;<a href=\"https:\/\/forum.finanzen.net\/forum\/in_Frankf_hat_grad_einer_zu-t45602#pst_207073\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese winzige \u00c4nderung der physikalischen Struktur ver\u00e4ndert den Brechungsindex des Materials \u2013 ein Bit Information war geboren. Und das Bemerkenswerteste: Da der Film transparent bleibt, kann der Laser nicht nur die oberste, sondern durch mehrlagiges Aufwickeln hunderte von Schichten beschreiben. Die Theorie versprach bis zu 10 Gigabyte auf einer handels\u00fcblichen Rolle&nbsp;<a href=\"https:\/\/forum.finanzen.net\/forum\/in_Frankf_hat_grad_einer_zu-t45602#pst_207073\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachricht von dieser Entdeckung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. 1999 wurden Noehte und Gerspach vom Magazin ComputerBILD mit dem Sonderpreis des &#8222;Goldenen Computer&#8220; ausgezeichnet. Doch der Weg vom Laborfund zum marktreifen Produkt war steinig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der steinige Weg zur Marktreife: Kooperationen und R\u00fcckschl\u00e4ge<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Potenzial der Idee war enorm, und schnell fanden sich starke Partner. Die Universit\u00e4t Mannheim, das Heidelberger&nbsp;<strong>European Media Laboratory (EML)<\/strong>&nbsp;\u2013 ein privates Forschungsinstitut der Klaus-Tschira-Stiftung \u2013 und der Hamburger Klebeband-Hersteller&nbsp;<strong>Beiersdorf AG (tesa)<\/strong>&nbsp;b\u00fcndelten ihre Kr\u00e4fte&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news44104\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Physiker Noehte und Gerspach wechselten ans EML, um ihre Forschung unter industrienahen Bedingungen voranzutreiben&nbsp;<a href=\"https:\/\/nachrichten.idw-online.de\/2002\/02\/04\/spin-off-mit-der-tesa-rolle\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch schon bald zeigten sich die technologischen H\u00fcrden. Das gr\u00f6\u00dfte Problem war ein Paradoxon: Um Daten zu schreiben, muss der Film Laserlicht absorbieren, um sich zu erw\u00e4rmen. Ein v\u00f6llig transparenter Film tut dies nicht. Im Labor behalfen sich die Forscher, indem sie die Folie mit einem Filzstift schw\u00e4rzten&nbsp;<a href=\"https:\/\/forum.finanzen.net\/forum\/in_Frankf_hat_grad_einer_zu-t45602#pst_207073\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. F\u00fcr ein marktreifes Produkt war das keine L\u00f6sung. Zwar forschte man an ausgekl\u00fcgelten Methoden, etwa dem Einbringen von Farbstoffen, die sich mit elektrischen Feldern gezielt ausbleichen lie\u00dfen, doch das war damals &#8222;Zukunftsmusik&#8220;&nbsp;<a href=\"https:\/\/forum.finanzen.net\/forum\/in_Frankf_hat_grad_einer_zu-t45602#pst_207073\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres Problem war die Schreibgeschwindigkeit und die begrenzte Anzahl der nutzbaren Lagen. Statt der theoretischen 10 Gigabyte ging Dr. Noehte selbst &#8222;bei vertretbarem Aufwand&#8220; nur von etwa 20 bespielbaren Lagen mit bis zu drei Gigabyte aus \u2013 ein Wert, der unter der Kapazit\u00e4t damaliger Festplatten lag&nbsp;<a href=\"https:\/\/forum.finanzen.net\/forum\/in_Frankf_hat_grad_einer_zu-t45602#pst_207073\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Hinzu kam die Konkurrenz: Die DVD etablierte sich, und vor allem die ersten USB-Sticks auf Basis von Flash-Speicher l\u00e4uteten eine neue \u00c4ra der wiederbeschreibbaren, schnellen und robusten Datentr\u00e4ger ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Dezember 2001, fast vier Jahre nach der Entdeckung, wurde schlie\u00dflich die Firma&nbsp;<strong>tesa scribos GmbH<\/strong>&nbsp;mit Sitz in Mannheim gegr\u00fcndet&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news44104\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die tesa AG steckte \u00fcber f\u00fcnf Millionen Euro Startkapital in das Gemeinschaftsunternehmen, das organisatorisch unabh\u00e4ngig vom Klebebandgesch\u00e4ft agieren sollte&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news44104\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Erfinder Noehte und Gerspach hielten 25 Prozent der Anteile&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news44104\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Ziel war klar: Aus der spektakul\u00e4ren Erfindung sollte ein ernsthaftes Gesch\u00e4ft werden. Doch nicht die Tesa-ROM f\u00fcr den Endverbraucher, sondern eine andere, zun\u00e4chst nebens\u00e4chlich erscheinende Anwendung r\u00fcckte in den Fokus: der&nbsp;<strong>&#8222;Holospot&#8220;<\/strong>&nbsp;.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Trendwende: Vom Massenspeicher zum Sicherheitsetikett<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits in der fr\u00fchen Forschungsphase am EML erkannten Noehte und Gerspach ein weiteres, enormes Potenzial ihrer Technologie. Sie konnten nicht nur gro\u00dfe Datenmengen in der Tiefe einer Rolle speichern, sondern auch&nbsp;<strong>winzige, hochkomplexe Hologramme in eine d\u00fcnne Klebefolie einbrennen<\/strong>. Diese &#8222;Holospots&#8220; waren mit blo\u00dfem Auge kaum als Muster erkennbar, enthielten aber eine Datenmenge, die tausendmal gr\u00f6\u00dfer war als die eines herk\u00f6mmlichen Barcodes&nbsp;<a href=\"https:\/\/nachrichten.idw-online.de\/2002\/02\/04\/spin-off-mit-der-tesa-rolle\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Noch wichtiger: Sie waren praktisch f\u00e4lschungssicher, da sie sich mit herk\u00f6mmlichen Druck- oder Holografieverfahren nicht kopieren lie\u00dfen&nbsp;<a href=\"https:\/\/forum.finanzen.net\/forum\/in_Frankf_hat_grad_einer_zu-t45602#pst_207073\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier lag der Schl\u00fcssel zum wirtschaftlichen Erfolg. W\u00e4hrend der Markt f\u00fcr Wechseldatentr\u00e4ger von der Konkurrenz \u00fcberrollt wurde, explodierte der Bedarf an Produktsicherheit. Die Sch\u00e4den durch Produkt- und Markenpiraterie stiegen rasant. tesa scribos konzentrierte sich daher konsequent auf diesen Bereich und entwickelte den Holospot zur Marktreife&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news44104\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">tesa scribos wird zu SCRIBOS: Die \u00c4ra unter dem KURZ-Dach<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Strategie ging auf. tesa scribos etablierte sich als f\u00fchrender Anbieter von f\u00e4lschungssicheren L\u00f6sungen f\u00fcr die Pharmabranche, die Automobilindustrie und f\u00fcr Ausweise&nbsp;<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news44104\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Das Unternehmen wuchs und zog schlie\u00dflich nach Heidelberg um. Der n\u00e4chste gro\u00dfe Schritt erfolgte, als die renommierte&nbsp;<strong>Leonhard KURZ Stiftung &amp; Co. KG<\/strong>, ein Weltmarktf\u00fchrer f\u00fcr Pr\u00e4ge- und Beschichtungstechnologien, auf das Unternehmen aufmerksam wurde. KURZ \u00fcbernahm tesa scribos vollst\u00e4ndig und gliederte es in seinen Konzern ein. Aus&nbsp;<strong>tesa scribos<\/strong>&nbsp;wurde&nbsp;<strong>SCRIBOS \u2013 a KURZ company<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/scribos-gmbh?trk=public_post_feed-actor-image\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter dem Dach von KURZ konnte SCRIBOS sein Angebot erheblich erweitern. Die Verbindung mit KURZ\u2018 Expertise in Hei\u00dfpr\u00e4gefolien und dekorativen Oberfl\u00e4chen er\u00f6ffnete v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten. SCRIBOS ist heute ein global agierendes Unternehmen mit \u00fcber 200 Mitarbeitern und hat L\u00f6sungen f\u00fcr mehr als 500 f\u00fchrende Marken weltweit entwickelt \u2013 von Stellantis \u00fcber Bosch bis hin zu Chlo\u00e9&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/scribos-gmbh?trk=public_post_feed-actor-image\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Und was wurde aus den Erfindern?<\/strong>&nbsp;Dr. Steffen Noehte blieb dem Unternehmen treu und war \u00fcber viele Jahre hinweg eine zentrale Figur in der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung von SCRIBOS, wo er seine Erfindung kontinuierlich weiterentwickelte&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/scribos-gmbh?trk=public_post_feed-actor-image\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Matthias Gerspach wandte sich nach seiner Zeit bei tesa scribos neuen Herausforderungen zu, blieb aber als Mitentdecker einer der V\u00e4ter dieser Technologie. Ihre Namen sind eng mit einer der kreativsten Erfindungen der deutschen Forschungslandschaft verbunden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Heutige Anwendungen: Unsichtbare Helfer im Alltag<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachfolgetechnologie des Tesa-Speichers begegnet uns heute t\u00e4glich, ohne dass wir es merken. SCRIBOS bietet eine ganze Plattform von Sicherheitsl\u00f6sungen an, die auf dem urspr\u00fcnglichen Prinzip basieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Der Holospot wird zu VeoMark und ValiGate\u00ae<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der direkte Nachfahre des Holospot ist die Produktfamilie&nbsp;<strong>VeoMark<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>ValiGate\u00ae<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/scribos-gmbh?trk=public_post_feed-actor-image\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dabei wird ein mikroskopisch kleines, individuelles Hologramm in ein Etikett oder direkt in die Verpackung eingebracht. Dieses Merkmal kann verschiedene Sicherheitsstufen kombinieren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Offene Merkmale:<\/strong>\u00a0F\u00fcr den Kunden sichtbare Hologramme, die als erstes Erkennungszeichen dienen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Verdeckte Merkmale:<\/strong>\u00a0Nur mit einem speziellen Detektor lesbare Codes f\u00fcr Zoll und Ermittlungsbeh\u00f6rden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Digitale Merkmale:<\/strong>\u00a0Die Hologramme sind oft mit einem individualisierten QR-Code kombiniert\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tesa.com\/en-ae\/about-tesa\/press-insights\/press\/unique-appeal.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Vom Label zur digitalen Erlebniswelt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Technologie ist heute weit mehr als nur ein F\u00e4lschungsschutz. \u00dcber die Plattform&nbsp;<strong>SCRIBOS 360<\/strong>&nbsp;werden die physischen Etiketten zum Tor in die digitale Welt. Ein Beispiel ist der Fensterhersteller&nbsp;<strong>Galvanni<\/strong>. Jedes Kleidungsst\u00fcck erh\u00e4lt ein textiles Etikett mit einem VeoMark. Kunden k\u00f6nnen den QR-Code darauf scannen und gelangen auf eine Seite, wo sie die Echtheit des Produkts \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.tesa.com\/en-ae\/about-tesa\/press-insights\/press\/unique-appeal.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch einen Schritt weiter geht der Mutterkonzern&nbsp;<strong>tesa selbst<\/strong>. F\u00fcr seine hochwertigen Insektenschutzrahmen der Serie &#8222;Insect Stop&#8220; nutzt tesa ein ValiGate\u00ae-Etikett&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scribos.cn\/success-stories\/%e5%be%b7%e8%8e%8etesa-se.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Der QR-Code auf dem Rahmen f\u00fchrt den K\u00e4ufer nicht nur zur Authentifizierung, sondern zu einer individuellen Produkterfahrung: Er kann das Produkt registrieren, um die Garantie zu verl\u00e4ngern, erh\u00e4lt Zugriff auf spezielle Installationsvideos oder wird zu Gewinnspielen eingeladen. Die Inhalte lassen sich jederzeit \u00fcber die Plattform anpassen, sodass der Kunde auch Jahre nach dem Kauf noch neue Informationen abrufen kann&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scribos.cn\/success-stories\/%e5%be%b7%e8%8e%8etesa-se.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Kampf gegen Plagiate in der Industrie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Automobilindustrie (z.B. bei&nbsp;<strong>Stellantis<\/strong>) oder bei Elektrowerkzeugen (<strong>Bosch<\/strong>) sch\u00fctzen die SCRIBOS-Labels vor dem Eindringen gef\u00e4lschter Ersatzteile in den Markt. Jede Z\u00fcndkerze, jeder \u00d6lfilter oder jedes Ersatzteil f\u00fcr eine Bremsanlage kann so ein individuelles, unkopierbares Siegel erhalten. Dies sch\u00fctzt nicht nur den Umsatz des Herstellers, sondern vor allem die Sicherheit der Verbraucher.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weitergedacht: Zuk\u00fcnftige Potenziale der Tesa-Techologie<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reise der Tesa-Techologie ist noch lange nicht zu Ende. Die Grundprinzipien \u2013 die Modulation des Brechungsindex in Polymeren und das multilagige, volumetrische Speichern \u2013 sind hochaktuell und k\u00f6nnten in verschiedenen Zukunftsfeldern eine Renaissance erleben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Die Wiedergeburt des volumetrischen Speichers<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, Daten im Volumen eines W\u00fcrfels oder einer Folie und nicht nur auf der Oberfl\u00e4che zu speichern, ist einer der vielversprechendsten Ans\u00e4tze f\u00fcr die Datenspeicherung der Zukunft. W\u00e4hrend die Tesa-ROM an der Alltagstauglichkeit scheiterte, wird an verwandten Prinzipien intensiv geforscht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wissenschaftliche Arbeit&nbsp;<strong>&#8222;Photosensitive polymers bearing fully aromatic esters for multilayer data storage devices&#8220;<\/strong>&nbsp;vom Joanneum Research aus dem Jahr 2011 zeigt, dass die Forschung genau in diese Richtung geht&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/publications\/photosensitive-polymers-bearing-fully-aromatic-esters-for-multilayer-data-storage-devices\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Hier werden spezielle Polymere entwickelt, deren Brechungsindex sich durch UV-Licht gezielt ver\u00e4ndern l\u00e4sst. Das Besondere: Durch die Verwendung von zwei verschiedenen Polymerschichten, die auf unterschiedliche Wellenl\u00e4ngen reagieren, ist es m\u00f6glich,&nbsp;<strong>selektiv in jeder Ebene zu schreiben, ohne die benachbarte Schicht zu beeinflussen<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.joanneum.at\/en\/publications\/photosensitive-polymers-bearing-fully-aromatic-esters-for-multilayer-data-storage-devices\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dies l\u00f6st eines der Kernprobleme der Tesa-ROM \u2013 die Selektion der einzelnen Lagen \u2013 auf elegante Weise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch einen Schritt weiter geht die Forschung an&nbsp;<strong>Zwei-Photonen-Absorption<\/strong>, wie sie bereits 1990 von Parthenopoulos und Rentzepis beschrieben wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/ui.adsabs.harvard.edu\/abs\/1990JAP....68.5814P\/abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dabei wird ein Laserpuls so fokussiert, dass er nur im absoluten Brennpunkt genug Energie hat, um eine Reaktion im Material auszul\u00f6sen. So lassen sich Datenpunkte in drei Dimensionen mit hoher Pr\u00e4zision setzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Denkbare Zukunft:<\/strong>&nbsp;Stellen Sie sich einen durchsichtigen Polymer-W\u00fcrfel von der Gr\u00f6\u00dfe eines Zuckerw\u00fcrfels vor, der mehrere Terabyte an Daten f\u00fcr Jahrtausende speichert \u2013 energieeffizient, ohne bewegliche Teile und extrem langlebig. Die Tesa-ROM war der naive Vorfahre solcher Holographic Versatile Disc (HVD)-Nachfolger.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Smarte Verpackungen 4.0: Die Verpackung als Interface<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die heutigen L\u00f6sungen von SCRIBOS sind erst der Anfang. Wenn jedes Produkt eine unverwechselbare, f\u00e4lschungssichere Identit\u00e4t hat, ergeben sich v\u00f6llig neue Gesch\u00e4ftsmodelle.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kreislaufwirtschaft:<\/strong>\u00a0Ein ValiGate\u00ae-Label k\u00f6nnte nicht nur die Echtheit best\u00e4tigen, sondern auch ein digitaler Produktpass sein. Eine Scanner-App am Wertstoffhof k\u00f6nnte das Material des Kunststoffs auslesen und es der richtigen Recyclingstra\u00dfe zuf\u00fchren. Der Hersteller k\u00f6nnte sehen, wie viele seiner Produkte tats\u00e4chlich recycelt werden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Interaktion und Loyalit\u00e4t:<\/strong>\u00a0Die Produktverpackung wird zum personalisierten Touchpoint. Ein Parfumflakon mit einem integrierten Hologramm k\u00f6nnte, vom Smartphone gescannt, ein personalisiertes Video des Markenbotschafters abspielen oder ein individualisiertes Pflichtspiel freischalten. Die M\u00f6glichkeiten sind grenzenlos.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Integration in Banknoten und Ausweise<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Leonhard KURZ Gruppe ist ein f\u00fchrender Anbieter von Sicherheitsmerkmalen f\u00fcr Banknoten und Ausweise. Die ValiGate\u00ae-Technologie hat das Potenzial, noch tiefer in diese Dokumente integriert zu werden. Denkbar ist ein&nbsp;<strong>&#8222;ValiGate\u00ae Zoom&#8220;<\/strong>&nbsp;, ein Sicherheitsmerkmal, das mit dem Smartphone ohne spezielle App \u00fcberpr\u00fcft werden kann&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.linkedin.com\/company\/scribos-gmbh?trk=public_post_feed-actor-image\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Einfach die Banknote mit der Handykamera scannen, und eine App erkennt das unkopierbare Hologramm und best\u00e4tigt die Echtheit. Das w\u00e4re ein gewaltiger Schlag gegen Geldf\u00e4lschung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Medizintechnik und IoT<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Winzige Hologramme k\u00f6nnten als&nbsp;<strong>&#8222;optische Barcodes&#8220;<\/strong>&nbsp;auf medizinischen Implantaten oder Laborger\u00e4ten dienen. Sie sind biokompatibel, extrem klein und k\u00f6nnen Informationen wie Chargennummer, Sterilit\u00e4tsdatum oder Herkunft codieren, ohne dass ein st\u00f6render Aufkleber n\u00f6tig ist. Im&nbsp;<strong>Internet of Things (IoT)<\/strong>&nbsp;k\u00f6nnten diese Hologramme als optische Tags dienen, die keine Energie ben\u00f6tigen und dennoch eine eindeutige Identifikation von Gegenst\u00e4nden in einer intelligenten Fabrik erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Vom Klebeband zur unsichtbaren Sicherheitsarchitektur<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was als verr\u00fcckte Idee zweier Physiker auf einem St\u00fcck Tesafilm begann, hat sich zu einer ernstzunehmenden Sicherheitstechnologie gemausert. Die Vision der Tesa-ROM als Massenspeicher f\u00fcr zu Hause hat sich nicht erf\u00fcllt \u2013 daf\u00fcr war die Konkurrenz zu schnell und die technischen H\u00fcrden zu hoch. Doch aus dem Scheitern einer Idee erwuchs der Erfolg einer anderen. Dr. Steffen Noehte und Matthias Gerspach legten mit ihrer Entdeckung den Grundstein f\u00fcr ein Unternehmen, das heute Weltmarktf\u00fchrer im Kampf gegen Produktpiraterie ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte des Tesa-Speichers ist ein Paradebeispiel f\u00fcr den Wert von&nbsp;<strong>Grundlagenforschung und Querdenken<\/strong>. Sie zeigt, dass eine Erfindung, die in einem Bereich scheitert, in einem anderen zur Bl\u00fcte gelangen kann. Und sie zeigt, wie eine Technologie, die auf simplen physikalischen Prinzipien beruht \u2013 der Dehnung von Polypropylen \u2013, durch kluge Weiterentwicklung zu einer hochkomplexen, digitalen Sicherheitsl\u00f6sung wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reise ist noch nicht zu Ende. In den Labors wird weiter an volumetrischen Speichern und intelligenten Polymeren geforscht. Die Prinzipien des Tesafilms k\u00f6nnten in Zukunft wiederaufleben \u2013 vielleicht nicht als Kleberolle, aber als hochmoderner Kristall, der die Daten der Menschheit f\u00fcr Jahrtausende bewahrt. Bis dahin sch\u00fctzt der kleine, unsichtbare Nachfahre des Tesa-Speichers tagt\u00e4glich Marken und Verbraucher auf der ganzen Welt \u2013 ein stiller, aber umso wirkungsvollerer Held des Alltags.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung: Mehr als nur ein Aprilscherz Die Geschichte des Tesafilms als Datenspeicher begann an einem Freitag, dem 13. M\u00e4rz 1998, in einem Labor der Universit\u00e4t Mannheim und klang f\u00fcr viele Zeitgenossen nach einem perfekten Aprilscherz. Doch was die Physiker Dr. Steffen Noehte und Matthias Gerspach damals eher zuf\u00e4llig entdeckten, war der Grundstein f\u00fcr eine Erfolgsgeschichte, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,35,36],"tags":[],"class_list":["post-513","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aus-dem-bauch-heraus","category-technisch","category-technologiegeschichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/513","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=513"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/513\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=513"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=513"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=513"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}