{"id":5148,"date":"2026-06-09T17:14:03","date_gmt":"2026-06-09T15:14:03","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=5148"},"modified":"2026-06-09T17:14:03","modified_gmt":"2026-06-09T15:14:03","slug":"die-wirtschaftswunder-hauser-wie-quelle-und-neckermann-das-eigenheim-in-den-katalog-brachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/die-wirtschaftswunder-hauser-wie-quelle-und-neckermann-das-eigenheim-in-den-katalog-brachten\/","title":{"rendered":"Die Wirtschaftswunder-H\u00e4user \u2013 Wie Quelle und Neckermann das Eigenheim in den Katalog brachten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Utopie des 20. Jahrhunderts war die Vorstellung, dass der Sehnsuchtsort der Deutschen \u2013 das eigene Haus mit Garten \u2013 k\u00fcnftig nicht mehr in m\u00fchevoller Einzelarbeit auf der Baustelle entstehen, sondern bequem auf einer Doppelseite eines Katalogs bestellt und nach kurzer Zeit per Lkw angeliefert werden k\u00f6nnte. In den 1960er Jahren befl\u00fcgelte genau diese Vision die Geschicke zweier der m\u00e4chtigsten deutschen Versandh\u00e4user: Quelle in F\u00fcrth und Neckermann in Frankfurt. Mit betr\u00e4chtlichem Aufwand stiegen sie in das boomende Fertighausgesch\u00e4ft ein, blieben ihrem ureigenen Prinzip des Massenvertriebs treu \u2013 und scheiterten am Ende doch auf die gleiche Weise.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Initialz\u00fcndung: Das Wirtschaftswunder und der Traum vom Eigenheim<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutsche Nachkriegsgesellschaft der fr\u00fchen 1960er Jahre stand vor einem Widerspruch. Einerseits war der Wille, den oft beengten und zerst\u00f6rten Wohnraum hinter sich zu lassen und ein eigenes Haus zu besitzen, gesellschaftlicher Konsens. Die schiere Anzahl der Interessenten h\u00e4tte einen Bauboom ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Andererseits waren die Baupreise Anfang der 1960er Jahre um rund 40 Prozent gestiegen, was einem &#8222;gew\u00f6hnlichen Sterblichen&#8220; den Bau eines konventionellen Hauses unerschwinglich machte<a href=\"https:\/\/www.jako-baudenkmalpflege.de\/_files\/ugd\/b34392_124960eda35246168e32d6fe168979c9.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Versandhaus Quelle, das zu dieser Zeit mit einer j\u00e4hrlichen Katalogauflage von etwa&nbsp;<strong>neun Millionen Exemplaren<\/strong>&nbsp;zu den m\u00e4chtigsten Medienunternehmen der Republik geh\u00f6rte, erkannte die Chance<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ein-familienimperium-zerf%C3%A4llt\/a-4809616?maca=de-google%2B-sharing\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Inspiriert durch den florierenden US-amerikanischen Fertighausbau und getrieben durch die Logik des eigenen Gesch\u00e4ftsmodells, begann ein Planungsteam um den Architekten Edgar Berge mit der Entwicklung eines seriellen Systems<a href=\"https:\/\/www.moderne-regional.de\/interview-quelle-fertighaus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die Idee war ebenso einfach wie vision\u00e4r: Ein Haus, das wie eine Waschmaschine aus dem Katalog bestellt, per Lastwagen geliefert und innerhalb weniger Tage von einer kleinen Kolonne aufgebaut werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zwei Giganten, zwei Wege: Quelle setzt auf das Modul, Neckermann auf die Partnerschaft<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz einer \u00e4hnlichen Ausgangslage verfolgten Quelle und Neckermann strukturell unterschiedliche Strategien.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quelle: Der Pionier des Stahlrahmen-Bungalows<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle brachte sein Produkt als erster der beiden Versandh\u00e4ndler auf den Markt. Das fertige Haus war erstmals im Katalog&nbsp;<strong>Herbst\/Winter 1962\/63<\/strong>&nbsp;zu finden<a href=\"https:\/\/www.moderne-regional.de\/interview-quelle-fertighaus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die technische Basis war ein industriell gefertigtes System auf der Grundlage eines&nbsp;<strong>Stahlportalrahmens<\/strong>&nbsp;mit einem Raster von vier mal sieben Metern. Darauf wurden vorgefertigte Boden-, Wand- und Deckenelemente gesetzt und verbunden<a href=\"https:\/\/www.jako-baudenkmalpflege.de\/_files\/ugd\/b34392_124960eda35246168e32d6fe168979c9.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Wahl standen drei Hauptmodelle, die sich direkt auf die Fl\u00e4che bezogen: Typ 60, Typ 80 und Typ 100. Diese Zahlen standen f\u00fcr die Quadratmeterzahl der Grundfl\u00e4che, die Nettowohnfl\u00e4che war etwas geringer. Die Werksangabe von 100 m\u00b2 Grundfl\u00e4che bedeutete eine Nettowohnfl\u00e4che von etwa 99 m\u00b2<a href=\"https:\/\/www.moderne-regional.de\/interview-quelle-fertighaus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die Typen 60, 80 und 100 im Jahr 1962:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Typ<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Grundfl\u00e4che (laut Quelle)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Ca. Nettowohnfl\u00e4che<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Typ 60<\/td><td>60 m\u00b2<\/td><td>ca. 50\u201355 m\u00b2<\/td><\/tr><tr><td>Typ 80<\/td><td>80 m\u00b2<\/td><td>ca. 78\u201385 m\u00b2<\/td><\/tr><tr><td>Typ 100<\/td><td>100 m\u00b2<\/td><td>ca. 99\u2013110 m\u00b2<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von 1965 an gab es die H\u00e4user auch in konservativeren Varianten mit Satteldach, sowie eine Erweiterung auf 110 Quadratmeter Grundfl\u00e4che (Typ 110 D \u2013 &#8222;D&#8220; f\u00fcr Dach)<a href=\"https:\/\/www.moderne-regional.de\/interview-quelle-fertighaus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.landeszeitung.de\/lokales\/lueneburg-lk\/ein-ganzes-haus-geht-auf-die-reise-KC7ETHJFQHSGPBHYJ5RBTF2F55.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Ein originales solches Haus kann heute im&nbsp;<strong>Freilichtmuseum am Kiekeberg<\/strong>&nbsp;in der N\u00e4he Hamburgs besichtigt werden. Das im Jahr 1966 als Musterhaus errichtete Geb\u00e4ude zog 1968 eine Familie ein. Im Jahr 2019 wurde es transloziert und f\u00fcr Besucher originalgetreu mit Einrichtung aus den 1960er Jahren zug\u00e4nglich gemacht. Interessant ist dabei: Kein einziges M\u00f6belst\u00fcck der Familie Gr\u00f6ll war tats\u00e4chlich bei Quelle gekauft worden<a href=\"https:\/\/www.moderne-regional.de\/interview-quelle-fertighaus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neckermann: Der Meister des strategischen Lizenziertums<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Josef Neckermanns Weg in das Fertighausgesch\u00e4ft begann charakteristischerweise mit einem spektakul\u00e4ren Vorsto\u00df. Als sich eine anvisierte Kooperation mit dem damaligen Marktf\u00fchrer Kreibaum (&#8222;Okal&#8220;-H\u00e4user) zerschlug, kam es 1964 zu einem n\u00e4chtlichen Anruf bei einem mittelst\u00e4ndischen Unternehmen aus der Eifel:&nbsp;<strong>Hans Streif<\/strong>. &#8222;Wollen Sie meine H\u00e4user bauen?&#8220; fragte Neckermann<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/welt_print\/wirtschaft\/article4445116\/Der-Fertighaus-Koenig-Streif-wird-90.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neckermann, der 1963 die&nbsp;<strong>Neckermann Eigenheim GmbH<\/strong>&nbsp;gegr\u00fcndet hatte, agierte fortan erfolgreich nach einem Prinzip, das ihm bereits in anderen Gesch\u00e4ftsfeldern zum Durchbruch verholfen hatte: Er lizenzierte die Produktion und den Vertrieb an einen starken Partner, w\u00e4hrend er selbst das Risiko des operativen Gesch\u00e4fts weitgehend reduzierte. Das Unternehmen baulich nie selbst, das war die Dom\u00e4ne von Streif.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch im selben Jahr stellte Streif sein erstes Fertighaus selbst her<a href=\"https:\/\/fertigbau.de\/newsfiles\/2021-10-13_PM-2021-BDF-Streif-60-Jahre-im-BDF.pdf#1#1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die Partnerschaft war ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr beide Seiten: Neckermann sicherte sich ein hochwertiges, skalierbares Produkt, und Streif entwickelte sich unter der \u00c4gide des Versandh\u00e4ndlers zum f\u00fchrenden deutschen Fertighausbauer. Neckermann selbst besch\u00e4ftigte sich parallel zu dieser Partnerschaft auch mit eigenen, architektonisch ambitionierten Projekten, wie etwa den zwischen 1963 und 1965 entwickelten&nbsp;<strong>&#8222;Vorgefertigten Atriumhaustypen&#8220;<\/strong>&nbsp;in Zusammenarbeit mit dem renommierten Architekten Egon Eiermann<a href=\"https:\/\/eiermann.saai.kit.edu\/browse\/EE_173_Offenbach_Atriumhaustypen_Neckermann\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zum Quelle-eigenen Stahlrahmen setzte Neckermann im Wesentlichen auf die Systeme seiner Partner. Die H\u00e4user von Streif etwa waren als Holz-Fertigteilkonstruktionen konzipiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Markt im Vergleich: Preise, Logistik, Erfolg und Scheitern<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Versandh\u00e4ndler agierten in einem hart umk\u00e4mpften Markt, der von den Gesetzen des Wirtschaftswunders gepr\u00e4gt war. Der Vertrieb lief \u00fcber die m\u00e4chtigen Kataloge, deren Auflagen in die Millionen gingen. Quelle erreichte mit seinem Hauptkatalog die Massen, Neckermann pr\u00e4sentierte seine H\u00e4user auf \u00e4hnlich breiter Basis.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Preise und Kaufkraft im Vergleich<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Aspekt<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Quelle<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Neckermann (\u00fcber Streif)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Markteintritt<\/strong><\/td><td>Herbst\/Winter 1962\/63<\/td><td>1964<\/td><\/tr><tr><td><strong>Preisspanne (1960er)<\/strong><\/td><td>Ca. DM 34.000 \u2013 49.800, abh\u00e4ngig vom Typ<a href=\"https:\/\/www.fotocommunity.de\/photo\/haus-aus-dem-katalog-uwe-rothuysen\/49003562?\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/td><td>1964: Ab DM 49.875 f\u00fcr ein Komforthaus<\/td><\/tr><tr><td><strong>Preis eines Beispiels<\/strong><\/td><td>Typ 100: DM 49.800 (1963)<\/td><td>Typ Birkenweg: DM 94.000 ab Oberkante Keller (1973)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Heutige Kaufkraft (ca.)<\/strong><\/td><td>DM 49.800 \u2248 \u20ac 215.000 (inflationsbereinigt)<\/td><td>DM 94.000 \u2248 \u20ac 215.000 (inflationsbereinigt)<\/td><\/tr><tr><td><strong>Logistik<\/strong><\/td><td>Versprechen: Aufbau in 5\u20137 Tagen<\/td><td>Logistik-Pr\u00e4zision: T\u00e4glich 22 Einheiten gleichzeitiger Aufbau<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die&nbsp;<strong>Preisberechnung in heutiger Kaufkraft<\/strong>&nbsp;(inflationsbereinigt) ist ein ungef\u00e4hrer Wert, basierend auf der Ver\u00e4nderung des Lebenshaltungsindex. Ein Quelle-Haus f\u00fcr DM 49.800 w\u00fcrde heute um die \u20ac 215.000 kosten, und Neckermanns Typ Birkenweg (DM 94.000) l\u00e4ge 1973 ebenfalls inflationsbereinigt im Bereich um die \u20ac 215.000. Diese Parit\u00e4t zeigt: Beide Unternehmen lagen preislich in einer \u00e4hnlichen Gr\u00f6\u00dfenordnung, aber Neckermann bot tendenziell gr\u00f6\u00dfere und h\u00f6herwertige H\u00e4user an. Quelle musste mit kleineren Modellen preislich konkurrieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die schiere Menge des von Neckermann und Streif gemeinsam abgewickelten Volumens war erstaunlich. Die Fertigungskapazit\u00e4ten f\u00fcr die Baukomponenten waren auf bis zu&nbsp;<strong>22 Einheiten pro Tag<\/strong>&nbsp;ausgelegt<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/welt_print\/wirtschaft\/article4445116\/Der-Fertighaus-Koenig-Streif-wird-90.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Jeden Werktag trafen fr\u00fchzeitig die Gro\u00dfkr\u00e4ne, Lastz\u00fcge und f\u00fcnfk\u00f6pfigen Montagekolonnen auf der Baustelle ein, am Nachmittag folgte ein zweiter Lastzug mit den Innenbauteilen<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/welt_print\/wirtschaft\/article4445116\/Der-Fertighaus-Koenig-Streif-wird-90.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Wende: Krise in den 1970ern und der schleichende Abstieg<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der spektakul\u00e4ren Startphase und des ersten Erfolgs endete die \u00c4ra der Fertigh\u00e4user aus dem Katalog in den 1970er Jahren \u2013 und zwar aus strukturellen Gr\u00fcnden, die bis in die Gegenwart nachhallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der S\u00fcndenfall 1973:<\/strong>&nbsp;Das Jahr markierte einen tiefen Einschnitt f\u00fcr die gesamte Branche. Die \u00d6lkrise und die damit verbundene Rezession lie\u00dfen die Nachfrage massiv einbrechen. Die Bundesregierung setzte zudem die Steuerbeg\u00fcnstigung f\u00fcr H\u00e4uslebauer (den Paragrafen 7b) zeitweise aus \u2013 f\u00fcr die Branche ein verheerender Schock<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/land-der-burgen-a-30d476ef-0002-0001-0000-000041392803?context=issue\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die Kapazit\u00e4ten der Fertighaushersteller waren 1974 nur noch zu etwa 60 Prozent ausgelastet<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/land-der-burgen-a-30d476ef-0002-0001-0000-000041392803?context=issue\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle<\/strong>: Die&nbsp;<strong>Quelle-Fertighaus GmbH<\/strong>&nbsp;erzielte von Beginn an nie Gewinn<a href=\"https:\/\/www.moderne-regional.de\/interview-quelle-fertighaus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Das eigene Fertighausprogramm wurde daher Anfang der 1970er Jahre v\u00f6llig \u00fcberarbeitet. Die zweite Generation der H\u00e4user setzte auf eine massivere Bauweise, doch der Zenit war \u00fcberschritten. Ab 1980 kooperierte Quelle schlie\u00dflich mit dem Hersteller Zenker \u2013 das eigene Programm war Geschichte<a href=\"https:\/\/www.moderne-regional.de\/interview-quelle-fertighaus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Neckermann<\/strong>: Josef Neckermanns Unternehmen geriet selbst in eine tiefe Schieflage. Neckermann setzte in seinem letzten vollen Gesch\u00e4ftsjahr vor der \u00dcbernahme 3,5 Milliarden D-Mark um, die Umsatzrendite lag jedoch bei nur 0,12 Prozent. 1977 wurde Neckermann mehrheitlich von der Karstadt AG \u00fcbernommen. Die&nbsp;<strong>Neckermann Eigenheim GmbH<\/strong>&nbsp;firmierte fortan als reine Vertriebsgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Ende einer Branchen-Ikone<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gesamte Fertighausbranche verlor bis 1974 etwa ein Drittel ihrer Kapazit\u00e4t<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/land-der-burgen-a-30d476ef-0002-0001-0000-000041392803?context=issue\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die \u00fcber Karstadt angeschlagene Neckermann GmbH fusionierte 1999 mit der ebenfalls angez\u00e4hlten Quelle AG \u2013 eine Allianz der Geschw\u00e4chten. Der Konzern KarstadtQuelle (sp\u00e4ter Arcandor) schaffte es nicht, die beiden Versandt\u00f6chter erfolgreich nebeneinander zu positionieren<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/fertighauser-per-postkarte-bestellen-1275826.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2009, fast auf den Tag genau 47 Jahre nach dem ersten Kataloghaus, meldete Arcandor Insolvenz an. Neckermann verschwand als Marke, Quelle wurde abgewickelt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Eine Utopie am Ende einer \u00c4ra<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fertigh\u00e4user von Quelle und Neckermann waren keine Fehlinvestition. Im Gegenteil, sie verk\u00f6rperten die Hochphase des deutschen Wirtschaftswunders so perfekt wie kaum ein anderes Produkt: seriell hergestellt, \u00fcber Massenmedien vertrieben und in Rekordzeit aufgebaut \u2013 und doch war der Schritt in den kapitalintensiven H\u00e4userbau f\u00fcr Versandh\u00e4user, die mit niedrigen Margen operierten, eine strukturelle \u00dcberforderung. Das Scheitern an den Produktionskosten, den logistischen H\u00fcrden und der anhaltenden Skepsis der Kundschaft gegen\u00fcber dem &#8222;Barackenimage&#8220; von Fertigh\u00e4usern war letztlich vorprogrammiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch bleibt ein Verm\u00e4chtnis: Ohne den Versuch der Versandh\u00e4user, den Eigenheimtraum zu demokratisieren, w\u00e4re die Industrialisierung des deutschen Wohnungsbaus, wie sie heute in der weitgehend standardisierten Massenproduktion von Wohnungen und H\u00e4usern selbstverst\u00e4ndlich ist, kaum vorstellbar. Die &#8222;H\u00e4user aus dem Katalog&#8220; waren eine Avantgarde \u2013 eine Avantgarde, die an den harten Realit\u00e4ten des Marktes zerbrach, aber den Weg f\u00fcr alles ebnete, was heute als moderner Wohnungsbau gilt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Allgemeine und historische \u00dcbersichten<\/strong>:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>DW (2009). &#8222;Kleine Quelle-Geschichte&#8220;. [Online]<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/fotocommunity.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fotocommunity.de<\/a>.\u00a0&#8222;Haus aus dem Katalog&#8220;. Foto-Kommentare und Bildbeschreibung.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Spezifische technische und museale Details<\/strong>:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/moderne-regional.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">moderne-regional.de<\/a>\u00a0(2022). &#8222;Interview: &#8218;Wir w\u00fcrden selbst einziehen!&#8216; \u2013 Quelle-Fertighaus im Freilichtmuseum am Kiekeberg&#8220;. [Online]<\/li>\n\n\n\n<li>Sch\u00e4le, Philipp. &#8222;Wohnen aus dem Katalog \u2013 Translozierung eines Quelle-Fertighauses&#8220;. In: Denkmalszentrum 2022\/2023 (PDF). [Online]<\/li>\n\n\n\n<li>Freilichtmuseum am Kiekeberg. &#8222;Quelle-Fertighaus&#8220;. Museumsdokumentation. [Online]<\/li>\n\n\n\n<li>Tagesspiegel (2005). &#8222;Wirtschaft: Fertigh\u00e4user per Postkarte bestellen&#8220;. [Online]<\/li>\n\n\n\n<li>Spiegel (1973). &#8222;Land der Burgen&#8220; (Archiv). [Online]<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Unternehmens- und Unternehmergeschichten<\/strong>:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Welt (2009). &#8222;Der Fertighaus-K\u00f6nig Streif wird 90&#8220;. [Online]<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/fertigbau.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fertigbau.de<\/a>\u00a0(2021). Pressemitteilung: &#8222;Streif ist Gr\u00fcndungsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau&#8220;. [Online]<\/li>\n\n\n\n<li>Wikiwand. &#8222;Streif (Unternehmen)&#8220;. [Online]<\/li>\n\n\n\n<li>saai | Archiv f\u00fcr Architektur und Ingenieurbau (KIT). &#8222;Vorgefertigte Atriumhaustypen Neckermann Eigenheim GmbH 1963-1965&#8220;. [Online]<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zeitgen\u00f6ssische Berichte und Nutzererfahrungen<\/strong>:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>BAU-Forum (2011). &#8222;Neckermann Fertighaus Baujahr 1964 Erfahrungen&#8220;. [Online]<\/li>\n\n\n\n<li>Landeszeitung (2022). &#8222;Ein ganzes Haus geht auf die Reise&#8220;. [Online]<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von DerSchneider Eine Utopie des 20. Jahrhunderts war die Vorstellung, dass der Sehnsuchtsort der Deutschen \u2013 das eigene Haus mit Garten \u2013 k\u00fcnftig nicht mehr in m\u00fchevoller Einzelarbeit auf der Baustelle entstehen, sondern bequem auf einer Doppelseite eines Katalogs bestellt und nach kurzer Zeit per Lkw angeliefert werden k\u00f6nnte. In den 1960er Jahren befl\u00fcgelte genau [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,21,32],"tags":[2408,3284,3640,4835,5668,6691,7796],"class_list":["post-5148","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-ruckspiegel","category-industriegeschichte","category-techarchaologie","tag-fertighauskrise-1973","tag-industriegeschichte-wohnungsbau","tag-kataloghaus-1960er","tag-neckermann-versandhaus","tag-quelle-fertighaus","tag-streif-fertighausbau","tag-wirtschaftswunder-architektur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5148\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/technodidact.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}