{"id":5432,"date":"2026-06-19T06:47:29","date_gmt":"2026-06-19T04:47:29","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=5432"},"modified":"2026-06-19T06:47:29","modified_gmt":"2026-06-19T04:47:29","slug":"das-grose-windstrom-ratsel-warum-20-mehr-windrader-kaum-mehr-strom-liefern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/das-grose-windstrom-ratsel-warum-20-mehr-windrader-kaum-mehr-strom-liefern\/","title":{"rendered":"Das gro\u00dfe Windstrom-R\u00e4tsel: Warum 20 % mehr Windr\u00e4der kaum mehr Strom liefern"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Widerspruch: Zwischen 2020 und 2025 wurden in Deutschland tausende neue Windr\u00e4der errichtet, die installierte Leistung der Onshore-Windenergie stieg um rund 25 Prozent \u2013 von 55 auf 68 Gigawatt. Doch die tats\u00e4chlich erzeugte Strommenge blieb nahezu konstant: 2025 wurden etwa 106 Terawattstunden (TWh) Onshore-Windstrom ins Netz eingespeist \u2013 kaum mehr als die 105 TWh des Jahres 2020<a href=\"https:\/\/discussion.fool.com\/t\/germany-wind-turbines-electricity\/125033\/3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Ein Anstieg der installierten Leistung um ein Viertel bei einem Zuwachs der Stromerzeugung von gerade einmal rund einem Prozent \u2013 das ist das, was Fachleute mittlerweile als das \u201egro\u00dfe Windstrom-R\u00e4tsel der deutschen Energiewende\u201c bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Handelt es sich um ein systemisches Problem? Um eine statistische Verzerrung? Oder um eine Verkettung mehrerer ung\u00fcnstiger Umst\u00e4nde? Die Antwort ist komplex \u2013 und sie offenbart grundlegende Herausforderungen der Energiewende, die weit \u00fcber die Windkraft hinausweisen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die nackten Zahlen: Leistung vs. Ertrag<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um das Paradoxon zu verstehen, muss man zun\u00e4chst zwei unterschiedliche Messgr\u00f6\u00dfen sauber trennen: die&nbsp;<strong>installierte Leistung<\/strong>&nbsp;(gemessen in Gigawatt, GW) und die&nbsp;<strong>tats\u00e4chliche Stromerzeugung<\/strong>&nbsp;(gemessen in Terawattstunden, TWh). Erste ist eine&nbsp;<em>Kapazit\u00e4tsgr\u00f6\u00dfe<\/em>&nbsp;\u2013 sie sagt, wie viel Strom die Anlagen&nbsp;<em>maximal<\/em>&nbsp;liefern k\u00f6nnten. Zweite ist eine&nbsp;<em>Ertragsgr\u00f6\u00dfe<\/em>&nbsp;\u2013 sie sagt, wie viel Strom tats\u00e4chlich&nbsp;<em>produziert<\/em>&nbsp;wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Jahr<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Installierte Onshore-Leistung (GW)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Onshore-Stromerzeugung (TWh)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Kapazit\u00e4tsfaktor<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>2020<\/td><td>ca. 55<\/td><td>ca. 105<\/td><td>21,7 %<\/td><\/tr><tr><td>2021<\/td><td>\u2013<\/td><td>\u2013<\/td><td>18,7 %<\/td><\/tr><tr><td>2022<\/td><td>\u2013<\/td><td>\u2013<\/td><td>19,5 %<\/td><\/tr><tr><td>2023<\/td><td>ca. 62<\/td><td>ca. 116<\/td><td>22,2 %<\/td><\/tr><tr><td>2024<\/td><td>ca. 64<\/td><td>ca. 111<\/td><td>20,2 %<\/td><\/tr><tr><td>2025<\/td><td>ca. 68<\/td><td>ca. 106<\/td><td>18,2 %<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quellen: Energy-Charts \/ Fraunhofer ISE, eigene Berechnungen<a href=\"https:\/\/discussion.fool.com\/t\/germany-wind-turbines-electricity\/125033\/3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders aufschlussreich ist der&nbsp;<strong>Kapazit\u00e4tsfaktor<\/strong>&nbsp;\u2013 der Anteil der installierten Leistung, der tats\u00e4chlich \u00fcber das Jahr hinweg genutzt wird. Er sank von 21,7 % im Jahr 2020 auf 18,2 % im Jahr 2025<a href=\"https:\/\/discussion.fool.com\/t\/germany-wind-turbines-electricity\/125033\/3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Das bedeutet: Jedes neue Windrad liefert pro installierter Leistungseinheit&nbsp;<em>weniger<\/em>&nbsp;Strom als seine Vorg\u00e4nger. Die Anlagen werden leistungsf\u00e4higer, aber sie stehen an ung\u00fcnstigeren Standorten und werden seltener von starkem Wind erreicht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die sieben Hauptursachen im \u00dcberblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Paradoxon l\u00e4sst sich nicht auf eine einzige Ursache reduzieren. Vielmehr wirken mehrere Faktoren gleichzeitig \u2013 teils verst\u00e4rkend, teils \u00fcberlagernd.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Der Standort-Effekt: Die besten Pl\u00e4tze sind vergeben<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Windr\u00e4der Deutschlands wurden dort errichtet, wo der Wind am st\u00e4rksten und best\u00e4ndigsten weht: an den K\u00fcsten, in den Mittelgebirgslagen und auf exponierten H\u00f6henz\u00fcgen. Diese \u201ePrima-Standorte\u201c sind heute weitgehend belegt. Neue Anlagen entstehen zunehmend im Binnenland, in Waldgebieten oder auf weniger windh\u00f6ffigen Fl\u00e4chen. Der Wind ist dort schw\u00e4cher, turbulenter und unbest\u00e4ndiger \u2013 die Ausbeute pro installiertem Megawatt sinkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt ein Ph\u00e4nomen, das Fachleute als&nbsp;<strong>\u201eWindschatten\u201c<\/strong>&nbsp;oder&nbsp;<strong>\u201eStealing\u201c<\/strong>&nbsp;bezeichnen<a href=\"https:\/\/discussion.fool.com\/t\/germany-wind-turbines-electricity\/125033\/3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>: Wenn Windr\u00e4der dichter beieinanderstehen, entziehen sich die vorderen Anlagen den hinteren einen Teil des Windes. Die Fl\u00e4chennutzung wird intensiver, aber der Ertrag pro Anlage nimmt ab.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Das Wetter: 2025 war ein au\u00dfergew\u00f6hnlich schwaches Windjahr<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Windgeschwindigkeiten schwanken von Natur aus stark \u2013 mal j\u00e4hrlich, mal saisonal. Das Jahr 2025 war in dieser Hinsicht ein Negativrekord. Besonders das erste Quartal erwies sich als au\u00dfergew\u00f6hnlich windschwach. Der M\u00e4rz 2025 war sogar der wind\u00e4rmste M\u00e4rz seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1950<a href=\"https:\/\/www.erneuerbareenergien.de\/technologie\/betrieb\/132-terawattstunden-2025-blieb-das-noch-drittbeste-windjahr#navigation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gesamt-Windstromerzeugung (Onshore und Offshore) lag 2025 bei 132 TWh \u2013 das waren 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr und deutlich unter den Rekordjahren 2023 (139,4 TWh) und 2024 (136,4 TWh)<a href=\"https:\/\/www.erneuerbareenergien.de\/technologie\/betrieb\/132-terawattstunden-2025-blieb-das-noch-drittbeste-windjahr#navigation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.ise.fraunhofer.de\/en\/press-media\/press-releases\/2026\/german-public-electricity-generation-in-2025-wind-and-solar-power-take-the-lead.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. H\u00e4tte 2025 ein durchschnittliches Windjahr erwischt, w\u00e4re der Ertragszuwachs vermutlich deutlich h\u00f6her ausgefallen. Doch genau diese Abh\u00e4ngigkeit vom Wetter ist ein systemisches Problem der Windkraft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Netzengp\u00e4sse: Abgeregelter Strom z\u00e4hlt nicht<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiterer, oft untersch\u00e4tzter Faktor ist die&nbsp;<strong>Abregelung<\/strong>. In Zeiten hoher Wind- und Solarstromeinspeisung sind die \u00dcbertragungsnetze vielerorts \u00fcberlastet \u2013 insbesondere beim Transport von Strom aus dem windreichen Norden in den industriellen S\u00fcden. Die Netzbetreiber m\u00fcssen dann Windkraftanlagen vom Netz nehmen, um eine \u00dcberlastung der Leitungen zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese sogenannten&nbsp;<strong>Redispatch-Ma\u00dfnahmen<\/strong>&nbsp;haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. 2024 wurden bereits knapp 8 TWh Windstrom abgeregelt<a href=\"https:\/\/www.erneuerbareenergien.de\/technologie\/betrieb\/132-terawattstunden-2025-blieb-das-noch-drittbeste-windjahr#navigation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>; f\u00fcr 2025 lagen die Zahlen bis September bei \u00fcber 4 TWh<a href=\"https:\/\/www.erneuerbareenergien.de\/technologie\/betrieb\/132-terawattstunden-2025-blieb-das-noch-drittbeste-windjahr#navigation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Das entspricht dem Jahresertrag mehrerer gro\u00dfer Windparks \u2013 Strom, der zwar erzeugt, aber nie ins Netz eingespeist und damit nie verg\u00fctet oder gez\u00e4hlt wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Die Solar-Kannibalisierung: Wenn sich zwei erneuerbare Quellen gegenseitig verdr\u00e4ngen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der wohl \u00fcberraschendste Erkl\u00e4rungsansatz kommt ausgerechnet von der Solarenergie. Seit 2022 erlebt Deutschland einen regelrechten&nbsp;<strong>Solarboom<\/strong>: Die installierte Photovoltaik-Leistung stieg bis Ende 2025 auf fast 117 GW<a href=\"https:\/\/www.ise.fraunhofer.de\/en\/press-media\/press-releases\/2026\/german-public-electricity-generation-in-2025-wind-and-solar-power-take-the-lead.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>, die Stromerzeugung aus PV legte um 21 Prozent zu<a href=\"https:\/\/www.ise.fraunhofer.de\/en\/press-media\/press-releases\/2026\/german-public-electricity-generation-in-2025-wind-and-solar-power-take-the-lead.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem: An sonnigen Tagen wird mittlerweile so viel Solarstrom produziert, dass der Markt zeitweise \u00fcbers\u00e4ttigt ist. Da Solarstrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bevorzugt eingespeist werden muss und zudem oft g\u00fcnstiger ist, wird die Windkraft in diesen Zeiten vom Netz genommen. Manuel Frondel, Bereichsleiter \u201eUmwelt und Ressourcen\u201c am RWI Leibniz-Institut, bringt es auf den Punkt: \u201eAb 2022 hat es einen neuen Solarboom gegeben, das d\u00fcrfte zur Kannibalisierung beigetragen haben\u201c<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/bericht--produzierte-windstrom-menge-stagniert-trotz-massiven-windrad-ausbaus-37465270.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. An fast allen sonnigen Tagen werde inzwischen \u201eviel zu viel Solarstrom produziert\u201c<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/bericht--produzierte-windstrom-menge-stagniert-trotz-massiven-windrad-ausbaus-37465270.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung: Nicht der fossile Konkurrent, sondern der erneuerbare&nbsp;<em>Schwestertechnologie<\/em>&nbsp;verdr\u00e4ngt die Windkraft vom Markt \u2013 ein Problem, das mit zunehmendem Solarausbau noch wachsen d\u00fcrfte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Alterung und Repowering: Nicht jeder Neubau ist ein echter Zuwachs<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Statistik der \u201einstallierten Leistung\u201c bildet nicht immer die Realit\u00e4t ab. Denn parallel zum Zubau neuer Anlagen werden alte, weniger effiziente Windr\u00e4der stillgelegt und durch leistungsf\u00e4higere ersetzt \u2013 ein Prozess, der als&nbsp;<strong>Repowering<\/strong>&nbsp;bezeichnet wird. 2025 wurden beispielsweise 456 Turbinen mit einer Gesamtleistung von 631 MW abgebaut. Der&nbsp;<strong>Nettozubau<\/strong>&nbsp;\u2013 also die Differenz zwischen Neubau und R\u00fcckbau \u2013 lag bei etwa 4,6 GW. Das ist immer noch ein beachtlicher Zuwachs, aber der Bruttozubau von 5,2 GW t\u00e4uscht eine h\u00f6here Dynamik vor, als tats\u00e4chlich vorhanden ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Zielverfehlung: Der Ausbau bleibt hinter den Vorgaben zur\u00fcck<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutsche Politik hat ehrgeizige Ziele f\u00fcr den Windkraftausbau definiert. F\u00fcr Ende 2025 war eine installierte Onshore-Leistung von 76,5 GW vorgesehen \u2013 tats\u00e4chlich erreicht wurden nur 68,1 GW<a href=\"https:\/\/www.ise.fraunhofer.de\/en\/press-media\/press-releases\/2026\/german-public-electricity-generation-in-2025-wind-and-solar-power-take-the-lead.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die L\u00fccke betr\u00e4gt mehr als 8 GW, also etwa 10 Prozent des Sollwerts. Selbst wenn der Ausbau wie geplant vorangeschritten w\u00e4re, h\u00e4tte dies die Ertragsprobleme allerdings nur teilweise kompensiert \u2013 denn auch die neuen Anlagen stehen ja zunehmend an schlechteren Standorten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7. Statistische Unsch\u00e4rfe: F\u00fcnf Jahre sind keine ausreichende Datenbasis<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine wichtige Einschr\u00e4nkung kommt von den Forschern selbst. Manuel Frondel vom RWI weist darauf hin, dass eine Zeitreihe \u00fcber f\u00fcnf Jahre hinweg \u201enoch keine ausreichende Datengrundlage f\u00fcr eine abschlie\u00dfende Analyse\u201c liefere<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/bericht--produzierte-windstrom-menge-stagniert-trotz-massiven-windrad-ausbaus-37465270.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a>. Die j\u00e4hrlichen Windschwankungen sind so gro\u00df, dass ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen installierter Leistung und Stromerzeugung sich erst \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume verl\u00e4sslich nachweisen l\u00e4sst. Was wie ein Paradoxon aussieht, k\u00f6nnte sich in einem windreicheren Jahr ganz anders darstellen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tabellarische \u00dcbersicht der Ursachen<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Ursache<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Wirkung<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Bedeutung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Ung\u00fcnstigere Standorte<\/td><td>Niedrigerer Kapazit\u00e4tsfaktor pro Anlage<\/td><td><strong>Sehr hoch<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Schwaches Windjahr 2025<\/td><td>3,2 % weniger Ertrag als 2024<\/td><td><strong>Hoch<\/strong>&nbsp;(einmalig)<\/td><\/tr><tr><td>Abregelung durch Netzengp\u00e4sse<\/td><td>Bis zu 8 TWh Verlust pro Jahr<\/td><td><strong>Mittel bis hoch<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Solar-Kannibalisierung<\/td><td>Wind wird bei Sonnenschein verdr\u00e4ngt<\/td><td><strong>Wachsend<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Repowering (R\u00fcckbau alter Anlagen)<\/td><td>Nettozubau niedriger als Bruttozubau<\/td><td><strong>Mittel<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Zielverfehlung beim Ausbau<\/td><td>Weniger neue Anlagen als geplant<\/td><td><strong>Mittel<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Kurze Beobachtungszeitraum<\/td><td>Statistische Unsicherheit<\/td><td><strong>Gering<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Historische Einordnung: Ein wiederkehrendes Muster?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ph\u00e4nomen der stagnierenden Ertr\u00e4ge bei wachsender Kapazit\u00e4t ist nicht v\u00f6llig neu. Schon in den 2010er Jahren gab es Phasen, in denen der Zubau neuer Anlagen nicht mit einem proportionalen Ertragszuwachs einherging. Neu ist jedoch die&nbsp;<strong>Systematik<\/strong>&nbsp;des Problems: Es handelt sich nicht mehr um einzelne, vor\u00fcbergehende Effekte, sondern um strukturelle Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die besten Standorte sind ersch\u00f6pft. Die Netze sind an ihren Grenzen. Die Solar-Konkurrenz w\u00e4chst. Und die Wetterabh\u00e4ngigkeit bleibt ein unkalkulierbarer Faktor. Das \u201eWindstrom-R\u00e4tsel\u201c ist daher weniger ein R\u00e4tsel im engeren Sinne \u2013 die Ursachen sind bekannt \u2013 als vielmehr ein&nbsp;<strong>Indikator f\u00fcr die Grenzen des bisherigen Ausbaupfads<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausblick: Was bedeutet das f\u00fcr die Energiewende?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erkenntnisse aus dem \u201eWindstrom-R\u00e4tsel\u201c haben weitreichende Implikationen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstens<\/strong>: Die blo\u00dfe Erh\u00f6hung der installierten Leistung ist kein hinreichender Indikator f\u00fcr den Fortschritt der Energiewende. Entscheidend ist die tats\u00e4chlich erzeugte und eingespeiste Strommenge \u2013 und diese h\u00e4ngt von Faktoren ab, die sich politisch nur schwer steuern lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zweitens<\/strong>: Der Ausbau der erneuerbaren Energien st\u00f6\u00dft an&nbsp;<strong>systemische Grenzen<\/strong>, wenn die Netzinfrastruktur nicht parallel mitw\u00e4chst. Die Abregelung von Windstrom ist nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust, sondern auch ein Zeichen daf\u00fcr, dass Erzeugung und Verbrauch r\u00e4umlich und zeitlich immer weiter auseinanderklaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drittens<\/strong>: Die&nbsp;<strong>Kannibalisierung<\/strong>&nbsp;zwischen verschiedenen erneuerbaren Quellen ist ein neues Ph\u00e4nomen, das in der Planung bislang untersch\u00e4tzt wurde. Je mehr Solar- und Windkapazit\u00e4ten installiert werden, desto h\u00e4ufiger werden sie sich gegenseitig vom Markt verdr\u00e4ngen \u2013 es sei denn, es gelingt, den Strom zu speichern oder in andere Sektoren zu lenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Viertens<\/strong>: Die Wetterabh\u00e4ngigkeit bleibt die gr\u00f6\u00dfte Unsicherheit. Ein windreiches Jahr wie 2023 kann die Statistik kurzfristig aufpolieren, ein windarmes Jahr wie 2025 l\u00e4sst die Bilanz deutlich schlechter aussehen. Die Energiewende braucht daher nicht nur mehr Windr\u00e4der, sondern auch mehr&nbsp;<strong>Flexibilit\u00e4t<\/strong>&nbsp;\u2013 durch Speicher, durch eine bessere Netzanbindung und durch eine intelligente Steuerung von Erzeugung und Verbrauch.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskrepanz zwischen 25 Prozent mehr installierter Windleistung und kaum einem Prozent mehr Stromertrag ist kein Fehler in der Statistik \u2013 sie ist das Ergebnis einer Vielzahl realer Effekte: schlechtere Standorte, ein schwaches Windjahr, Netzengp\u00e4sse, Solar-Kannibalisierung und ein Ausbau, der hinter den Zielen zur\u00fcckbleibt. Das \u201egro\u00dfe Windstrom-R\u00e4tsel\u201c ist damit weniger ein R\u00e4tsel als eine&nbsp;<strong>Bestandsaufnahme der Herausforderungen<\/strong>, vor denen die Energiewende steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die Zahlen richtig lesen will, muss unterscheiden zwischen dem, was&nbsp;<em>technisch m\u00f6glich<\/em>&nbsp;ist (installierte Leistung), und dem, was&nbsp;<em>tats\u00e4chlich ankommt<\/em>&nbsp;(Stromerzeugung). Die L\u00fccke zwischen beiden wird gr\u00f6\u00dfer \u2013 und sie zu schlie\u00dfen, wird eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre sein.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Fraunhofer Institut f\u00fcr Solare Energiesysteme ISE: \u201eGerman Public Electricity Generation in 2025\u201c, Pressemitteilung, Januar 2026\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ise.fraunhofer.de\/en\/press-media\/press-releases\/2026\/german-public-electricity-generation-in-2025-wind-and-solar-power-take-the-lead.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Fraunhofer ISE \/ Energy-Charts: Datenplattform zur Stromerzeugung in Deutschland\u00a0<a href=\"https:\/\/www.erneuerbareenergien.de\/technologie\/betrieb\/132-terawattstunden-2025-blieb-das-noch-drittbeste-windjahr#navigation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>RWI \u2013 Leibniz-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung: Analyse zum Zusammenhang von Windkraftausbau und Stromerzeugung, zitiert in der \u201eWelt am Sonntag\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/bericht--produzierte-windstrom-menge-stagniert-trotz-massiven-windrad-ausbaus-37465270.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Deutsche Wetterdienst (DWD): Windaufkommen im ersten Halbjahr 2025, zitiert vom Umweltbundesamt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.erneuerbareenergien.de\/technologie\/betrieb\/132-terawattstunden-2025-blieb-das-noch-drittbeste-windjahr#navigation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Bundesnetzagentur \/\u00a0<a href=\"https:\/\/smard.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Smard.de<\/a>:\u00a0Daten zu Redispatch und Abregelung erneuerbarer Energien\u00a0<a href=\"https:\/\/www.erneuerbareenergien.de\/technologie\/betrieb\/132-terawattstunden-2025-blieb-das-noch-drittbeste-windjahr#navigation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Fachagentur Wind und Solar \/ Marktstammdatenregister (MaStR): Installierte Leistung und Anlagenzahlen 2025\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wind-energie.de\/themen\/zahlen-und-fakten\/deutschland\/?page=4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n\n\n\n<li>\u201eWindkraft: Tausende neue Windr\u00e4der \u2013 warum der Stromertrag trotzdem stagniert\u201c,\u00a0<em>Die Welt<\/em>, 2026\u00a0<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/plus6a197b15672896fe8f165ba9\/windkraft-tausende-neue-windraeder-warum-der-stromertrag-trotzdem-stagniert.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Widerspruch: Zwischen 2020 und 2025 wurden in Deutschland tausende neue Windr\u00e4der errichtet, die installierte Leistung der Onshore-Windenergie stieg um rund 25 Prozent \u2013 von 55 auf 68 Gigawatt. 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