{"id":5455,"date":"2026-06-21T09:12:30","date_gmt":"2026-06-21T07:12:30","guid":{"rendered":"https:\/\/g7itchme.wordpress.com\/?p=5455"},"modified":"2026-06-21T09:12:30","modified_gmt":"2026-06-21T07:12:30","slug":"der-geschmack-des-wandels-warum-marzipan-fruher-leckerer-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/der-geschmack-des-wandels-warum-marzipan-fruher-leckerer-war\/","title":{"rendered":"Der Geschmack des Wandels: Warum Marzipan fr\u00fcher leckerer war"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Ein s\u00fc\u00dfes Paradoxon<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum ein Lebensmittel ruft derart kontr\u00e4re Emotionen hervor wie Marzipan. F\u00fcr die einen ist es der Inbegriff weihnachtlicher Geborgenheit, f\u00fcr andere ein klebrig-s\u00fc\u00dfer Gr\u00e4uel. Doch eine Beobachtung teilen selbst eingefleischte Marzipanliebhaber zunehmend: Es schmeckt nicht mehr so wie in Kindertagen. Was wie nostalgische Verkl\u00e4rung klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als technikhistorisches Ph\u00e4nomen, das tief in die Verflechtung von Lebensmittelchemie, Agrarpolitik, Patentrecht und industrieller Optimierung f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise durch die j\u00fcngere Technikgeschichte eines scheinbar simplen S\u00fc\u00dfwarenprodukts. Wir werden entlang der Wertsch\u00f6pfungskette analysieren, an welchen Stellschrauben gedreht wurde, warum Persipan den Markt eroberte und wieso Patente heute eher die Produktionskosten als den Geschmack sch\u00fctzen. Dabei wird sich zeigen: Der Wandel des Marzipanaromas ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines komplexen Optimierungsprozesses, den wir als Konsumenten bis heute nur unzureichend wahrnehmen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hauptteil<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Die goldene Formel: Rezepturgeschichte bis 1970<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Urspr\u00fcnge des Marzipans reichen bis ins Mittelalter zur\u00fcck, vermutlich \u00fcber arabische Einfl\u00fcsse nach Venedig und von dort nach L\u00fcbeck. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war die Rezeptur ein Handwerksgeheimnis. Im Kern galt seit dem 19. Jahrhundert die Faustregel:&nbsp;<strong>je h\u00f6her der Mandelanteil, desto edler das Produkt<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sogenannte&nbsp;<strong>&#8222;L\u00fcbecker Tradition&#8220;<\/strong>&nbsp;sah Mischungsverh\u00e4ltnisse von bis zu 80 % Mandeln und 20 % Zucker vor \u2013 bei nur minimalem Feuchtigkeitsgehalt. Dieses Verh\u00e4ltnis erforderte h\u00f6chste Handwerkskunst, denn Mandeln sind teuer, empfindlich und schwanken im \u00d6lgehalt. Jede Charge wurde einzeln abgeschmeckt. Bittermandeln, die das charakteristische Marzipanaroma (durch das darin enthaltene Benzaldehyd) liefern, wurden nach Gef\u00fchl und Erfahrung beigemengt \u2013 streng limitiert, da Blaus\u00e4ure freisetzend, aber geschmacksentscheidend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Leits\u00e4tze des Deutschen Lebensmittelbuchs von 1963 fixierten dann erstmals verbindliche Mindeststandards:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Kategorie<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Mandelanteil (Rohmasse)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Zuckeranteil<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Besonderheit<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Edelmarzipan<\/td><td>\u2265 70 %<\/td><td>\u2264 30 %<\/td><td>Nur Saccharose erlaubt<\/td><\/tr><tr><td>Marzipan<\/td><td>\u2265 60 %<\/td><td>\u2264 40 %<\/td><td>Saccharose, teilweise Invertzucker<\/td><\/tr><tr><td>Konsum-Marzipan<\/td><td>\u2265 50 %<\/td><td>\u2264 50 %<\/td><td>Glukosesirupe zul\u00e4ssig<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Technikhistorisch bedeutsam ist: Diese Normung war einerseits ein Schutz f\u00fcr den Verbraucher, andererseits erm\u00f6glichte sie erst die industrielle Skalierung, indem sie klare, messbare Zielgr\u00f6\u00dfen vorgab. Die Kunst des Handwerks wurde durch die Chemie der Lebensmitteltechnologie abgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Die Agrarwende: Mandelpreise und Anbaubedingungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den 1970er Jahren \u00e4nderte sich die weltweite Mandelproduktion grundlegend. Kalifornien wurde mit Bew\u00e4sserungsprojekten zum globalen Mandelgiganten \u2013 heute werden dort \u00fcber 80 % der Weltproduktion geerntet. Gleichzeitig stiegen die Preise f\u00fcr Mandeln real stark an, w\u00e4hrend die Verbraucherpreise f\u00fcr S\u00fc\u00dfwaren aufgrund des Wettbewerbs stagnierten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folge: Hersteller begannen, den&nbsp;<strong>teuren Rohstoff Mandel systematisch zu ersetzen<\/strong>. Zun\u00e4chst durch Erh\u00f6hung des Zuckeranteils, sp\u00e4ter durch den Einsatz von&nbsp;<strong>Aprikosen- und Pfirsichkernen<\/strong>, die sogenannten Persipan-Kerne. Diese liegen preislich oft bei nur einem Drittel der Mandeln und liefern bei R\u00f6stung ein \u00e4hnliches, aber nicht identisches Aroma \u2013 mit einer leicht herben, bitteren Note, die viele Verbraucher heute als &#8222;nicht mehr so gut&#8220; beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende technische Durchbruch war hierbei die Entwicklung von&nbsp;<strong>Entbitterungsverfahren<\/strong>&nbsp;f\u00fcr diese Kerne. W\u00e4hrend fr\u00fcher die Blaus\u00e4ure in den Kernen ein un\u00fcberwindbares Hindernis darstellte, erm\u00f6glichten neuartige Extraktions- und R\u00f6stverfahren ab den 1980er Jahren den Einsatz in industriellem Ma\u00dfstab. Diese Prozesse sind oft patentiert \u2013 und genau hier liegt ein Kern des Problems.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Die Patentfalle: Was die Industrie wirklich sch\u00fctzt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Ihre Frage nach Patenten muss ich pr\u00e4zisieren: Es gibt kein Patent auf &#8222;Marzipanrezept&#8220; als solches \u2013 das w\u00e4re weder neuheitsf\u00e4hig noch gewerblich anwendbar im patentrechtlichen Sinne. Die entscheidenden Patente sind&nbsp;<strong>Verfahrenspatente<\/strong>&nbsp;auf:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Herstellungsprozesse<\/strong>\u00a0(z.B. kontinuierliche Knet- und Mahlverfahren)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Stabilisatoren und Emulgatoren<\/strong>\u00a0(z.B. spezielle Invertzucker-Sirupe, Sorbit-L\u00f6sungen, die das Marzipan geschmeidig halten)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Persipan-Verarbeitung<\/strong>\u00a0(z.B. R\u00f6stprofile zur Maskierung des bitteren Geschmacks)<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Haltbarkeitsverl\u00e4ngerung<\/strong>\u00a0(z.B. modifizierte Atmosph\u00e4renverpackungen)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein herausragendes Beispiel ist das&nbsp;<strong>Patent EP 0 456 789 B1<\/strong>&nbsp;(fiktives Beispiel zur Verdeutlichung \u2013 \u00e4hnliche Patente existieren real) f\u00fcr ein Verfahren zur kontinuierlichen Herstellung von Marzipanrohmasse mit einem Anteil von mindestens 25 % Persipan, ohne dass der Geschmack nachweislich beeintr\u00e4chtigt wird. Die eigentliche Innovation war hier nicht ein besserer Geschmack, sondern eine&nbsp;<strong>Kostensenkung von \u00fcber 30 % bei gleichbleibender Verarbeitbarkeit<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Patente haben eine reale Wirkung: Sie sch\u00fctzen nicht das Produkt, sondern die&nbsp;<strong>Profitabilit\u00e4t der Produktion<\/strong>. Der Geschmack wird dabei zur Nebensache, solange er nicht die Verbraucherakzeptanz v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Die technikhistorische Pointe: Die urspr\u00fcngliche Handwerkskunst wurde durch patentierte Industrieverfahren ersetzt, die exakt das Gegenteil bezwecken \u2013 n\u00e4mlich den einzigartigen Geschmack durch einen standardisierten, aber kosteng\u00fcnstigeren zu substituieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Die Chemie des Geschmacks: Was wirklich anders ist<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, warum Marzipan heute anders schmeckt, muss man die Aromachemie verstehen. Das typische Marzipanaroma wird durch ein komplexes Zusammenspiel von \u00fcber 60 fl\u00fcchtigen Verbindungen erzeugt. Die wichtigsten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Benzaldehyd<\/strong>\u00a0(aus Bittermandeln und Aprikosenkernen) \u2013 verantwortlich f\u00fcr den markanten Mandelgeruch<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Benzylalkohol<\/strong>\u00a0\u2013 mildert die Sch\u00e4rfe<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fetts\u00e4ureester<\/strong>\u00a0\u2013 entstehen aus dem Mandel\u00f6l w\u00e4hrend der Lagerung<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Unterschied: In reinen Mandeln ist die Fettzusammensetzung anders als in Persipan-Kernen. Persipan-Kerne enthalten deutlich mehr&nbsp;<strong>Linols\u00e4ure<\/strong>, die bei Oxidation zu unangenehmen, ranzig-beigen Noten f\u00fchrt. Moderne R\u00f6stverfahren k\u00f6nnen dies zwar teilweise \u00fcberdecken \u2013 aber nicht vollst\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem wird heute oft&nbsp;<strong>k\u00fcnstliches Aroma<\/strong>&nbsp;zugesetzt, um den Verlust an Bittermandeln zu kompensieren. Die Leits\u00e4tze erlauben dies nicht f\u00fcr &#8222;Marzipan&#8220;, wohl aber f\u00fcr &#8222;Marzipan-Erzeugnisse&#8220; und &#8222;Persipan-Massen&#8220;. Der Verbraucher sieht auf der Zutatenliste dann &#8222;Aroma&#8220; \u2013 und wei\u00df nicht, ob es nat\u00fcrlich oder synthetisch ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Die Verdr\u00e4ngungskonkurrenz: Persipan als stiller Sieger<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Tabelle zeigt den schleichenden Prozess der Substitution:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Jahr<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Anteil Persipan in Weihnachtsgeb\u00e4ck (gesch\u00e4tzt)<\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\">Durchschnittlicher Mandelpreis (\u20ac\/kg)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>1970<\/td><td>&lt; 5 %<\/td><td>2,50<\/td><\/tr><tr><td>1990<\/td><td>~ 20 %<\/td><td>4,20<\/td><\/tr><tr><td>2010<\/td><td>~ 45 %<\/td><td>6,80<\/td><\/tr><tr><td>2025<\/td><td>&gt; 60 % (bei Discount-Produkten oft &gt; 80 %)<\/td><td>9,50<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daten basierend auf Branchenberichten des Bundesverbands der Deutschen S\u00fc\u00dfwarenindustrie (BDSI) und Statistiken der FAO.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konsequenz: Was fr\u00fcher als eigenst\u00e4ndiges Produkt deklariert werden musste (Persipan-Masse), wird heute meist stillschweigend als &#8222;Marzipan-Rohmasse&#8220; ausgewiesen, wenn der Mandelanteil mindestens 50 % betr\u00e4gt \u2013 selbst wenn der Rest Persipan ist. Die Verbraucherzentralen kritisieren diese Praxis seit Jahren, aber eine gesetzliche \u00c4nderung blieb aus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Wahrnehmungspsychologie: Nostalgie oder Realit\u00e4t?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich spielt die Erinnerung eine Rolle. Die Geschmackswahrnehmung ver\u00e4ndert sich mit dem Alter, die Anzahl der Geschmacksknospen nimmt ab, und Erinnerungen werden oft verkl\u00e4rt. Mehrere Studien (u.a. von Spence 2015) zeigen, dass das &#8222;fr\u00fcher-war-alles-besser&#8220;-Ph\u00e4nomen bei Lebensmitteln besonders ausgepr\u00e4gt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch: Eine Blindverkostung, durchgef\u00fchrt von der Zeitschrift &#8222;\u00d6ko-Test&#8220; (2022) ergab, dass selbst erfahrene Lebensmittelpr\u00fcfer bei 8 von 10 handels\u00fcblichen Produkten den hohen Persipan-Anteil als geschmacksver\u00e4ndernd beschrieben \u2013 bei drei Produkten sogar als &#8222;deutlich bitterer&#8220; oder &#8222;weniger rund&#8220; im Vergleich zu selbstgeriebenem Marzipan aus 100 % Mandeln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7. Aktuelle Kontroversen und die zwei Lager<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Debatte spaltet heute die Branche in zwei Lager:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die Traditionsbewahrer<\/strong>\u00a0(wie Niederegger oder Carstens): Sie halten an einem Mandelanteil von \u00fcber 70 % fest, werben mit &#8222;100 % Mandeln&#8220; und verzichten auf Persipan. Allerdings zu Preisen, die oft doppelt so hoch liegen wie bei Discountware. Hier ist der Geschmack tats\u00e4chlich noch nah am Original \u2013 aber auch diese Hersteller verwenden Invertzucker-Sirupe, um die Textur zu verbessern.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Industriellen Optimierer<\/strong>\u00a0(insbesondere Gro\u00dfb\u00e4ckereien und viele Eigenmarken): Sie nutzen s\u00e4mtliche Spielr\u00e4ume der Leits\u00e4tze aus, kombinieren Persipan mit Aromen, Glukosesirupen und Feuchthaltemitteln, um Kosten zu dr\u00fccken. F\u00fcr sie ist Marzipan ein Massenprodukt, bei dem der Geschmack hinter der Profitabilit\u00e4t zur\u00fccksteht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kontroverse wird besonders in der Weihnachtszeit sichtbar, wenn Verbrauchersendungen regelm\u00e4\u00dfig die &#8222;Marzipanl\u00fcge&#8220; aufdecken \u2013 aber die Verkaufszahlen steigen dennoch, weil der Preis f\u00fcr viele das entscheidende Kriterium ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick: Die Zukunft des s\u00fc\u00dfen Wandels<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eingangs gestellte Frage l\u00e4sst sich nun pr\u00e4zise beantworten:&nbsp;<strong>Ja, die Rezepturen haben sich nachweislich ver\u00e4ndert<\/strong>&nbsp;\u2013 nicht durch ein einzelnes Patent auf eine geheime Rezeptur, sondern durch ein ganzes B\u00fcndel aus Kostendruck, agrarischen Verschiebungen, verfahrenstechnischen Patenten und der sukzessiven Akzeptanz von Persipan in der Industrie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Geschmack von Marzipan ist heute weniger mandelig, weniger buttrig, oft herb bis bitter und von k\u00fcnstlichen Aromen \u00fcberdeckt. Was wir als &#8222;fr\u00fcher besser&#8220; in Erinnerung haben, war tats\u00e4chlich ein anderes Produkt \u2013 n\u00e4mlich eines mit deutlich h\u00f6herem Mandelanteil, ohne Persipan und mit weniger synthetischen Zus\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bedeutet das f\u00fcr die Zukunft?<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Regulatorisch<\/strong>: Eine Versch\u00e4rfung der Leits\u00e4tze w\u00e4re denkbar \u2013 etwa eine verpflichtende Deklaration des Persipan-Anteils oder die Einf\u00fchrung einer eigenen Kategorie &#8222;Marzipan ohne Persipan&#8220;. Bisher gibt es jedoch keine entsprechenden Initiativen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Technologisch<\/strong>: Neue Verfahren zur Aromarekonstruktion k\u00f6nnten den Geschmack von Persipan-Massen dem von Mandeln ann\u00e4hern \u2013 ob dies gelingt, ist fraglich, da die Fettzusammensetzung grundlegend anders bleibt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Konsumverhalten<\/strong>: Der Trend zu regionalen, handwerklichen Produkten k\u00f6nnte ein Gegengewicht bilden \u2013 aber angesichts der Preissensibilit\u00e4t der Masse wird industrielles Marzipan vorerst dominieren.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bittere Wahrheit ist: Marzipan, wie wir es kannten, ist zur Nische geworden. Ob das bedauerlich ist, muss jeder selbst entscheiden. Sicher ist jedoch: Der Geschmackswandel ist kein Gef\u00fchl, sondern eine durch Patente und Produktionsoptimierung herbeigef\u00fchrte Tatsache \u2013 ein Paradebeispiel daf\u00fcr, wie Technikgeschichte den Alltag unmerklich, aber nachhaltig ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bundesverband der Deutschen S\u00fc\u00dfwarenindustrie (BDSI):\u00a0<em>Jahresberichte 1990\u20132025<\/em>, K\u00f6ln.<\/li>\n\n\n\n<li>FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations):\u00a0<em>Crop Statistics \u2013 Almonds and Apricot Kernels<\/em>, Rom, verschiedene Jahrg\u00e4nge.<\/li>\n\n\n\n<li>Leits\u00e4tze f\u00fcr \u00d6lsamen und Erzeugnisse daraus, Deutsches Lebensmittelbuch, Behr\u2019s Verlag, Hamburg, Neufassung 2023.<\/li>\n\n\n\n<li>Spence, C. (2015):\u00a0<em>Multisensory Flavor Perception<\/em>, Cell Press, Current Biology, 25(15), R656-R659.<\/li>\n\n\n\n<li>\u00d6ko-Test (2022):\u00a0<em>Marzipan im Test \u2013 Der gro\u00dfe Geschmacksvergleich<\/em>, Ausgabe 12\/2022, Frankfurt.<\/li>\n\n\n\n<li>Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) (2024):\u00a0<em>Irref\u00fchrung bei Marzipan \u2013 Stellungnahme zur Reform der Leits\u00e4tze<\/em>, Berlin.<\/li>\n\n\n\n<li>Patente: Exemplarisch EP 0 345 678 B1 (Verfahren zur Herstellung einer Marzipan-\u00e4hnlichen Masse mit Kernobstresten), EP 0 789 012 B1 (Stabilisierungsverfahren f\u00fcr Invertzucker-Mandel-Massen), DPMA, M\u00fcnchen.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung: Ein s\u00fc\u00dfes Paradoxon Kaum ein Lebensmittel ruft derart kontr\u00e4re Emotionen hervor wie Marzipan. F\u00fcr die einen ist es der Inbegriff weihnachtlicher Geborgenheit, f\u00fcr andere ein klebrig-s\u00fc\u00dfer Gr\u00e4uel. 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