{"id":556,"date":"2026-03-04T10:09:39","date_gmt":"2026-03-04T09:09:39","guid":{"rendered":"https:\/\/iobseu-xejul.wordpress.com\/?p=556"},"modified":"2026-03-04T10:09:39","modified_gmt":"2026-03-04T09:09:39","slug":"spqr-2-0-romische-dekadenz-als-mahnung-fur-die-fuhrungskultur-im-dax","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/spqr-2-0-romische-dekadenz-als-mahnung-fur-die-fuhrungskultur-im-dax\/","title":{"rendered":"SPQR 2.0? R\u00f6mische Dekadenz als Mahnung f\u00fcr die F\u00fchrungskultur im Dax"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn heute \u00fcber den Zustand von Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert wird, f\u00e4llt oft ein historisches Schlagwort: die&nbsp;<strong>r\u00f6mische Dekadenz<\/strong>. Einst Sinnbild f\u00fcr den Niedergang eines Weltreiches durch Ma\u00dflosigkeit, Korruption und den Verlust von Gemeinwohlorientierung, dient der Begriff zunehmend als Analogie f\u00fcr Fehlentwicklungen in der deutschen Wirtschaftselite&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.capital.de\/geld-versicherungen\/deutsche-dekadenz-vernichtet-vermoegen--33180536.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.kunstforum.de\/artikel\/uber-die-entstehung-der-res-publica-aus-dem-geist-der-emporung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Doch wie weit tr\u00e4gt der Vergleich? Ein Blick auf die aktuellen Geh\u00e4lter, die F\u00fchrungsstrukturen und das Verhalten der Dax-Konzerne offenbart durchaus beunruhigende Parallelen zum sp\u00e4tr\u00f6mischen Imperium \u2013 aber auch signifikante Unterschiede.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Anatomie der Dekadenz: Vom Rom der Kaiser zu den Dax-Vorst\u00e4nden<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Niedergang Roms war kein pl\u00f6tzliches Ereignis, sondern ein schleichender Prozess, der durch innere Zerr\u00fcttung, wirtschaftliche Schieflagen und eine entfremdete Elite beschleunigt wurde&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fau.de\/2019\/04\/news\/forschung\/wie-kam-es-zum-untergang-grosser-weltmaechte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese historischen Bruchlinien lassen sich eins zu eins auf die Gegenwart \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Die unermessliche Kluft zwischen Arm und Reich<\/strong><br>Im alten Rom klaffte eine immer gr\u00f6\u00dfere L\u00fccke zwischen einer kleinen, superreichen Oberschicht und der breiten Masse der Bev\u00f6lkerung. Diese Entwicklung wiederholt sich heute in den Vorstandsetagen der Dax-Konzerne.&nbsp;<strong>W\u00e4hrend einfache Arbeitnehmer um Reallohnverluste k\u00e4mpfen, haben sich die Managergeh\u00e4lter von jeder realwirtschaftlichen Vernunft abgekoppelt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahlen sind eindeutig: Im Jahr 2024 verdiente ein durchschnittlicher Dax-Vorstand rund&nbsp;<strong>3,8 Millionen Euro<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/management\/geld-zehn-millionen-und-mehr-diese-dax-chefs-sind-die-spitzenverdiener\/100144036.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Vorstandsvorsitzenden der Spitzenkonzerne kassieren deutlich mehr. Allen voran SAP-CEO Christian Klein mit atemberaubenden&nbsp;<strong>19 Millionen Euro<\/strong>, gefolgt von Mercedes-Benz-Chef Ola K\u00e4llenius (12,7 Mio. Euro) und dem Doppelverdiener Oliver Blume (VW\/Porsche) mit 10,6 Millionen Euro&nbsp;<a href=\"https:\/\/pumpkincareers.com\/blog\/dax-vorstand-gehalt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/management\/dax-vorstaende-gehaelter-steigen-zwei-bekommen-mehr-als-10-millionen-euro\/100144821.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders perfide ist die&nbsp;<strong>Explosion der Gehaltsstruktur<\/strong>. So verdiente die Vorstandsriege von Adidas das&nbsp;<strong>95-fache<\/strong>&nbsp;eines durchschnittlichen Mitarbeiters&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/management\/dax-vorstaende-gehaelter-steigen-zwei-bekommen-mehr-als-10-millionen-euro\/100144821.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Schere erinnert an die sp\u00e4tr\u00f6mischen&nbsp;<em>Latifundienbesitzer<\/em>, deren schier unermesslicher Reichtum in keinem Verh\u00e4ltnis mehr zu den verarmten P\u00e4chtern und Sklaven stand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Ma\u00dflosigkeit und Selbstbedienung<\/strong><br>Wo Dekadenz ist, da ist auch die Ma\u00dflosigkeit nicht weit. Das System der Vorstandsverg\u00fctungen ist ein Paradebeispiel f\u00fcr diese Entwicklung.&nbsp;<strong>Nur noch 32 Prozent der Bez\u00fcge sind fix<\/strong>, der Rest sind kurzfristige Boni und langfristige Aktienpakete&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/management\/dax-vorstaende-gehaelter-steigen-zwei-bekommen-mehr-als-10-millionen-euro\/100144821.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Diese Konstruktion zwingt Manager zwar zum Denken in Quartalszahlen, belohnt aber oft nicht den nachhaltigen Unternehmenserfolg, sondern geschickte Finanzakrobatik oder Aktienr\u00fcckkaufprogramme, die den Kurs kurzfristig treiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So war der Mega-Bonus von SAP-CEO Klein weniger einem operativen Wunder geschuldet, sondern vielmehr dem Umstand, dass der Aktienkurs des Softwareherstellers seit 2020 um&nbsp;<strong>126 Prozent<\/strong>&nbsp;gestiegen war&nbsp;<a href=\"https:\/\/pumpkincareers.com\/blog\/dax-vorstand-gehalt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dies erinnert an die r\u00f6mischen Prokonsuln, die ihre Provinzen auspl\u00fcnderten, um sich in Rom selbst ein Denkmal zu setzen \u2013 der Unternehmenserfolg wird maximal kurzfristig zelebriert, der langfristige Niedergang jedoch oft eingeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Elit\u00e4re Abkapselung und fehlende Diversit\u00e4t (au\u00dfer beim Geld)<\/strong><br>Im alten Rom f\u00fchrten die Gener\u00e4le und Senatoren ihre Privatarmeen und betrachteten das Reich als ihre Beute. Heute f\u00fchren Manager ihre Konzerne oft wie eigene F\u00fcrstent\u00fcmer \u2013 und schotten sich ab. Zwar wird Diversit\u00e4t gro\u00dfgeschrieben, in der Realit\u00e4t sieht es jedoch d\u00fcster aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Deutsche Vereinigung f\u00fcr Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) bescheinigt den Dax-Konzernen zwar eine bessere Unternehmensf\u00fchrung, bem\u00e4ngelt aber weiterhin eklatante Defizite:&nbsp;<strong>Frauen sind in F\u00fchrungsebenen unterhalb des Vorstands massiv unterrepr\u00e4sentiert<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.boersen-zeitung.de\/unternehmen-branchen\/dax-konzerne-werden-besser-gefuehrt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Und wenn Frauen es doch ganz nach oben schaffen, wie Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, ist dies noch immer eine Schlagzeile wert&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fr.de\/wirtschaft\/eine-frau-die-liste-an-ceo-impact-ranking-erstmals-fuehrt-zr-94127368.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Die Gehaltsunterschiede sind frappierend: Weibliche Vorstandsmitglieder verdienten 2024 durchschnittlich&nbsp;<strong>3,28 Millionen Euro<\/strong>&nbsp;und damit 24 Prozent weniger als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen (4,02 Mio. Euro)&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/management\/dax-vorstaende-gehaelter-steigen-zwei-bekommen-mehr-als-10-millionen-euro\/100144821.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Eine neue, selbsternannte &#8222;Senatskaste&#8220; formiert sich \u2013 vornehmlich wei\u00df, m\u00e4nnlich und abgeschottet von der Lebensrealit\u00e4t der Belegschaft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die aktuellen Geh\u00e4lter: Ein Abbild des Niedergangs oder des Aufschwungs?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist der Widerspruch in der aktuellen Datenlage. W\u00e4hrend die einen Studien einen&nbsp;<strong>Anstieg der Geh\u00e4lter um drei Prozent<\/strong>&nbsp;auf durchschnittlich 3,8 Millionen Euro vermelden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/management\/dax-vorstaende-gehaelter-steigen-zwei-bekommen-mehr-als-10-millionen-euro\/100144821.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/management\/geld-zehn-millionen-und-mehr-diese-dax-chefs-sind-die-spitzenverdiener\/100144036.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>, sprechen andere (wie die EY-Studie) von einem&nbsp;<strong>R\u00fcckgang um drei Prozent<\/strong>&nbsp;auf 2,57 Millionen Euro f\u00fcr einfache Vorst\u00e4nde&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fuer-gruender.de\/blog\/dax-so-viel-verdienen-vorstaende-und-ceos\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. Dieser statistische Effekt erkl\u00e4rt sich vor allem durch die unterschiedliche Zusammensetzung der Stichproben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fakt ist jedoch: Die Schere innerhalb der Chefetagen \u00f6ffnet sich. W\u00e4hrend der Durchschnitt der Vorst\u00e4nde stagniert oder leicht sinkt, schie\u00dfen die Spitzengeh\u00e4lter der CEOs durch die Decke. Die Top-Verdiener knacken immer neue Rekorde und&nbsp;<strong>entfernen sich in ihrer Bezahlung nicht nur von der Belegschaft, sondern auch von ihren eigenen Vorstandskollegen<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/pumpkincareers.com\/blog\/dax-vorstand-gehalt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Leviathan und die Konzerne: Eine toxische Symbiose?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im antiken Rom wurde der Staat zunehmend zu einem Selbstbedienungsladen der M\u00e4chtigen. Politikwissenschaftler wie Peter Sloterdijk warnen davor, dass diese Entwicklung auch in modernen Demokratien zu beobachten ist&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.kunstforum.de\/artikel\/uber-die-entstehung-der-res-publica-aus-dem-geist-der-emporung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>. \u00d6konomen wie Peter Seppelfricke zeichnen ein d\u00fcsteres Bild einer &#8222;deutschen Dekadenz&#8220;, in der eine ineffiziente Politik und m\u00e4chtige Unternehmen eine Art Schicksalsgemeinschaft bilden \u2013 zulasten des B\u00fcrgers und Anlegers&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.capital.de\/geld-versicherungen\/deutsche-dekadenz-vernichtet-vermoegen--33180536.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Symbiose zeigt sich heute in der Diskussion um Subventionen, Lobbyarbeit und die Besetzung von Aufsichtsr\u00e4ten. Die Dax-Konzerne profitieren von staatlichen Rettungsschirmen und F\u00f6rderprogrammen, w\u00e4hrend sie gleichzeitig Rekordgewinne einfahren und ihre Manager \u00fcppig entlohnen. Diese Doppelmoral \u2013 Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren \u2013 ist ein klassisches Merkmal einer&nbsp;<strong>dekadenten Sp\u00e4tphase des Kapitalismus<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Noch ist es nicht so sp\u00e4t wie in Rom<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verlockend die Parallele zur r\u00f6mischen Dekadenz auch ist, sie hinkt an einer entscheidenden Stelle: Das Westr\u00f6mische Reich ging unter, weil es irgendwann keine Kontrollmechanismen mehr gab. Der Dax hingegen unterliegt strengen Transparenzregeln, und Institutionen wie die DVFA oder Aktion\u00e4rsvertreter (DSW) \u00fcben durchaus Kritik an der mangelhaften Vergleichbarkeit der Geh\u00e4lter oder der fehlenden Nachhaltigkeitsorientierung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.boersen-zeitung.de\/unternehmen-branchen\/dax-konzerne-werden-besser-gefuehrt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/management\/dax-vorstaende-gehaelter-steigen-zwei-bekommen-mehr-als-10-millionen-euro\/100144821.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack. Wenn die Vorst\u00e4nde der Dax-Konzerne weiterhin&nbsp;<strong>Geh\u00e4lter beziehen, die in keinem Verh\u00e4ltnis zur Leistung und schon gar nicht zum Wohlstand der Belegschaft stehen<\/strong>, droht die Entfremdung zwischen Kapital und Arbeit endg\u00fcltig un\u00fcberbr\u00fcckbar zu werden. Die &#8222;r\u00f6mischen Verh\u00e4ltnisse&#8220; in den Chefetagen sind kein Mythos \u2013 sie sind eine reale Gefahr f\u00fcr den sozialen Frieden und die langfristige Stabilit\u00e4t der Marktwirtschaft. Der Unterschied zu Rom ist nur: Wir haben noch die Chance, die Kurve zu kriegen, bevor die &#8222;Barbaren&#8220; vor den Toren stehen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn heute \u00fcber den Zustand von Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert wird, f\u00e4llt oft ein historisches Schlagwort: die&nbsp;r\u00f6mische Dekadenz. Einst Sinnbild f\u00fcr den Niedergang eines Weltreiches durch Ma\u00dflosigkeit, Korruption und den Verlust von Gemeinwohlorientierung, dient der Begriff zunehmend als Analogie f\u00fcr Fehlentwicklungen in der deutschen Wirtschaftselite&nbsp;. Doch wie weit tr\u00e4gt der Vergleich? 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