{"id":5705,"date":"2026-06-24T06:15:41","date_gmt":"2026-06-24T06:15:41","guid":{"rendered":"https:\/\/technodidact.de\/?p=5705"},"modified":"2026-06-24T06:15:42","modified_gmt":"2026-06-24T06:15:42","slug":"iso-gps-die-neue-regelung-was-konstrukteure-fertiger-und-pruefer-jetzt-wissen-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/technodidact.de\/en\/iso-gps-die-neue-regelung-was-konstrukteure-fertiger-und-pruefer-jetzt-wissen-muessen\/","title":{"rendered":"ISO GPS \u2013 Die neue Regelung: Was Konstrukteure, Fertiger und Pr\u00fcfer jetzt wissen m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: DerSchneider<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einleitung: Eine stille Revolution in der Technischen Kommunikation<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn in der Welt der Technischen Dokumentation von einer &#8222;neuen Regelung&#8220; die Rede ist, rollen sich bei vielen Ingenieuren und Technikern die Fu\u00dfn\u00e4gel auf. Zu oft bedeuten solche Ank\u00fcndigungen zus\u00e4tzliche B\u00fcrokratie, teure Software-Updates und vor allem: jahrelange Verunsicherung in der t\u00e4glichen Arbeit. Die \u00dcberarbeitung des ISO-GPS-Systems (Geometrical Product Specification) jedoch ist von einer ganz anderen Qualit\u00e4t. Es handelt sich nicht um eine weitere, l\u00e4stige Detailkorrektur, sondern um einen&nbsp;<strong>grundlegenden Paradigmenwechsel<\/strong>&nbsp;\u2013 vergleichbar mit der Einf\u00fchrung des metrischen Systems oder dem \u00dcbergang vom Zeichenbrett zum CAD.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn was hier seit 2026 schrittweise verbindlich wird, ist nichts Geringeres als die&nbsp;<strong>Neuverhandlung der Sprache<\/strong>, in der wir \u00fcber technische Produkte sprechen. \u00dcber 40 Jahre nach der ersten Fassung der Allgemeintoleranz-Norm ISO 2768 wird dieses Fundament nun durch ein v\u00f6llig neues, in sich konsistentes System ersetzt. Dieser Artikel beleuchtet, was diese Neuausrichtung f\u00fcr die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette \u2013 von der Konstruktion \u00fcber die Fertigung bis hin zur Qualit\u00e4tssicherung \u2013 bedeutet, wo die Chancen und wo die Stolpersteine liegen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hauptteil<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Die historische B\u00fcrde: Warum ISO 2768 am Ende war<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Tragweite der \u00c4nderung zu verstehen, muss man einen Blick zur\u00fcckwerfen. Die&nbsp;<strong>ISO 2768<\/strong>&nbsp;war \u00fcber Jahrzehnte der &#8222;Default&#8220; f\u00fcr technische Zeichnungen. Sie regelte die Allgemeintoleranzen f\u00fcr L\u00e4ngenma\u00dfe und Winkel sowie die Form- und Lagetoleranzen, wenn nichts anderes spezifiziert war. Das Prinzip schien einfach: Ein kleines K\u00e4stchen im Schriftfeld \u2013 &#8222;Allgemeintoleranzen nach ISO 2768&#8220; \u2013 und die Fertigung wusste Bescheid. Doch dieses System war von zwei schwerwiegenden Problemen gezeichnet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Problem 1: Die implizite Ungenauigkeit.<\/strong>&nbsp;Die Norm unterschied zwischen &#8222;fein&#8220;, &#8222;mittel&#8220;, &#8222;grob&#8220; und &#8222;sehr grob&#8220; \u2013 eine Klassifizierung, die in der Praxis zu endlosen Interpretationen f\u00fchrte. Was f\u00fcr einen Feinmechanikbetrieb &#8222;grob&#8220; war, war f\u00fcr einen Gro\u00dfmaschinenbauer bereits &#8222;fein&#8220;. Die Norm lieferte zwar Tabellen, aber keine klare Ableitung aus der Funktion des Bauteils.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Problem 2: Die fehlende Formtoleranz f\u00fcr Ma\u00dfe.<\/strong>&nbsp;Die alte ISO 2768-1 regelte nur die Ma\u00dftoleranzen (z.B. \u00b10,2 mm), w\u00e4hrend ISO 2768-2 die Form- und Lagetoleranzen ohne Ma\u00dfbezug definierte. Der fatale Widerspruch: Zwei Bauteile mit identischem Au\u00dfendurchmesser und identischer Ma\u00dftoleranz konnten v\u00f6llig unterschiedliche Formabweichungen (z.B. Unrundheit) aufweisen. Die Funktion der Baugruppe \u2013 etwa eine Passung \u2013 war damit nicht wirklich sichergestellt. Der Konstrukteur musste stets hoffen, dass der Fertiger &#8222;gutm\u00fctig&#8220; genug war. Das ist keine Ingenieurskunst, das ist Gl\u00fccksspiel.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. ISO 22081: Die neue Basis \u2013 eine Abkehr vom &#8222;Vielleicht&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neue Norm&nbsp;<strong>ISO 22081<\/strong>&nbsp;l\u00f6st dieses Dilemma radikal auf, indem sie eine&nbsp;<strong>Allgemeine Fl\u00e4chenprofiltoleranz<\/strong>&nbsp;als neuen Standard etabliert. Das ist ein fundamentaler Unterschied: Statt vager Tabellen f\u00fcr L\u00e4ngenma\u00dfe wird nun eine&nbsp;<strong>eindeutige Toleranzzone<\/strong>&nbsp;definiert, die alle geometrischen Abweichungen einer Fl\u00e4che umfasst \u2013 Form, Lage und Ma\u00df in einem einzigen, konsistenten Modell.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Merkmal<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Alte Norm (ISO 2768)<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-left\" data-align=\"left\"><strong>Neue Norm (ISO 22081)<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Bezug<\/strong><\/td><td>Unabh\u00e4ngige Tabellen f\u00fcr Ma\u00dfe und Form\/Lage<\/td><td>Einheitliche Fl\u00e4chenprofiltoleranz<\/td><\/tr><tr><td><strong>Interpretation<\/strong><\/td><td>Mehrdeutig, basierend auf &#8222;fein\/mittel\/grob&#8220;<\/td><td>Eindeutig, basierend auf der spezifizierten Allgemeintoleranz<\/td><\/tr><tr><td><strong>Bezug zur Funktion<\/strong><\/td><td>Schwach, da Formabweichungen nicht vom Ma\u00df gedeckt wurden<\/td><td>Stark, da die gesamte Fl\u00e4chengeometrie definiert wird<\/td><\/tr><tr><td><strong>Messbarkeit<\/strong><\/td><td>Unklar, ob Form oder Ma\u00df gepr\u00fcft werden muss<\/td><td>Klar definierte Toleranzzone f\u00fcr die Koordinatenmessung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was bedeutet das f\u00fcr die Praxis?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>F\u00fcr Konstrukteure:<\/strong>\u00a0Der Default \u00e4ndert sich. Es gibt keinen &#8222;Allgemeintoleranz-K\u00e4stchen&#8220;-Automatismus mehr. Der Konstrukteur muss sich bewusst entscheiden, ob die allgemeine Fl\u00e4chenprofiltoleranz f\u00fcr die Funktion ausreicht \u2013 oder ob er eine spezifischere Toleranz (z.B. eine striktere Ebenheit) setzen muss. Dies erfordert ein deutlich tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Fertigungsprozesse und die sp\u00e4tere Bauteilfunktion.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>F\u00fcr Fertiger:<\/strong>\u00a0Die Vorgabe wird pr\u00e4ziser. Wenn der Konstrukteur die Allgemeintoleranz w\u00e4hlt, wei\u00df der Fertiger genau, welche Toleranzzone einzuhalten ist \u2013 und zwar f\u00fcr die gesamte Fl\u00e4che, nicht nur f\u00fcr einzelne Ma\u00dfe.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>F\u00fcr die QS:<\/strong>\u00a0Die Pr\u00fcfung wird objektivierbar. Die Fl\u00e4chenprofiltoleranz ist eine ideale Kenngr\u00f6\u00dfe f\u00fcr Koordinatenmessger\u00e4te (KMG). Der Messbericht wird nicht mehr von der Frage &#8222;Messen wir jetzt den Durchmesser oder die Rundheit?&#8220; geplagt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Der neue Modifikator &#8222;nx&#8220;: Ein Werkzeug f\u00fcr die digitale Fertigung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres, auf den ersten Blick unscheinbares, aber in seiner Wirkung m\u00e4chtiges neues Element ist der&nbsp;<strong>Modifikator &#8222;nx&#8220;<\/strong>. In der Welt der GPS-Symbole (wie \u24c1 f\u00fcr &#8222;unabh\u00e4ngig&#8220; oder \u24ba f\u00fcr &#8222;H\u00fcllbedingung&#8220;) ist &#8222;nx&#8220; ein neuer Buchstabe im Alphabet der geometrischen Tolerierung. Er steht f\u00fcr eine definierte&nbsp;<strong>Anzahl von Merkmalen<\/strong>&nbsp;(z.B. &#8222;4x&#8220; f\u00fcr vier Bohrungen), die gemeinsam toleriert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ist das revolution\u00e4r? Bisher war die Tolerierung von Mustern (mehrere gleiche Merkmale wie eine Lochgruppe) oft eine Quelle von Unsicherheiten. Galt die Toleranz f\u00fcr jede Bohrung einzeln oder f\u00fcr das gesamte Muster? Der &#8222;nx&#8220;-Modifikator schafft hier Klarheit. Er erlaubt es, eine Toleranz f\u00fcr ein Muster zu spezifizieren und gleichzeitig zu definieren, wie die Einzelmerkmale behandelt werden. Das ist ein entscheidender Schritt hin zu einer&nbsp;<strong>modellbasierten Definition<\/strong>&nbsp;(MBD), bei der das 3D-CAD-Modell die alleinige Autorit\u00e4t \u00fcber die Geometrie hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Die H\u00fcllbedingung \u24ba: Ein altes Symbol mit neuer Bedeutung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Symbol&nbsp;<strong>\u24ba<\/strong>&nbsp;f\u00fcr die&nbsp;<strong>H\u00fcllbedingung<\/strong>&nbsp;(Envelope Requirement) ist nicht neu, gewinnt aber im neuen System eine zentrale Rolle. Es besagt, dass die tats\u00e4chliche Fl\u00e4che eines Werkst\u00fccks innerhalb einer H\u00fclle liegen muss, die die ideale Form des Merkmals darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der neuen ISO-GPS-Welt wird die H\u00fcllbedingung konsequenter angewendet, insbesondere bei Passungen. Werden zwei Bauteile miteinander gef\u00fcgt, muss deren &#8222;H\u00fclle&#8220; (also die ideale Form) zueinander passen, nicht nur die einzelnen Ma\u00dfe. Das stellt sicher, dass ein Bauteil, das an jeder Stelle minimal unter dem Nennma\u00df liegt, aber eine wellige Oberfl\u00e4che hat, nicht als &#8222;passt schon&#8220; durchgewunken wird. Die H\u00fcllbedingung verhindert, dass ein Teil in der Messung &#8222;gut&#8220; ist, aber in der Funktion versagt. In den neuen Pr\u00fcfungen wird dieses Symbol daher mit hoher Wahrscheinlichkeit eine zentrale Rolle spielen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. ISO 25935: Die Anerkennung der Realit\u00e4t \u2013 Flexible Bauteile<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht eine der wichtigsten Neuerungen ist die&nbsp;<strong>ISO 25935<\/strong>&nbsp;zum Thema&nbsp;<strong>&#8222;Restrained States&#8220;<\/strong>&nbsp;(gespannte Zust\u00e4nde). Die gesamte klassische Tolerierung geht von der Fiktion aus, dass ein Bauteil starr und formstabil ist. Jeder Konstrukteur, der schon einmal ein gro\u00dfformatiges Kunststoff- oder Blechteil konstruiert hat, wei\u00df, dass das ein frommer Wunsch ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher war die Pr\u00fcfung solcher Teile ein Minenfeld. Das Bauteil liegt auf dem Koordinatenmessger\u00e4t, verformt sich unter seinem Eigengewicht, und pl\u00f6tzlich sind die Toleranzen nicht mehr eingehalten \u2013 obwohl das Teil in der Einbausituation perfekt funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ISO 25935 bietet hier eine L\u00f6sung:<\/strong>&nbsp;Der Konstrukteur kann nun eindeutig spezifizieren,&nbsp;<strong>unter welchen definierten Kr\u00e4ften oder Einspannbedingungen<\/strong>&nbsp;(z.B. angelehnt an die sp\u00e4tere Montage) das Bauteil gemessen werden soll. Das ist ein Quantensprung f\u00fcr die Automobil-, Luftfahrt- und Kunststoffindustrie. Die Messung wird dadurch reproduzierbar und vergleichbar, weil die Randbedingungen nicht mehr dem Pr\u00fcfer \u00fcberlassen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Die neue ISO\/TS 15530-2: Messunsicherheit wird zum Standard<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Technische Spezifikationen (TS) sind eigentlich eine Vorstufe zur Norm, aber die&nbsp;<strong>ISO\/TS 15530-2:2026<\/strong>&nbsp;zeigt, wohin die Reise geht: Die&nbsp;<strong>Messunsicherheit<\/strong>&nbsp;wird nicht mehr als l\u00e4stiges \u00dcbel behandelt, sondern als fester Bestandteil des Pr\u00fcfprozesses etabliert. Diese Spezifikation beschreibt eine Methode zur Bestimmung der Messunsicherheit von Koordinatenmessger\u00e4ten, die auf der Verwendung von&nbsp;<strong>kalibrierten Werkst\u00fccken<\/strong>&nbsp;basiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Vergangenheit wurde die Messunsicherheit oft ignoriert oder pauschal gesch\u00e4tzt. Die neue TS zwingt die Pr\u00fcforganisationen, eine nachvollziehbare und dokumentierte Unsicherheitsbilanz f\u00fcr ihre Messungen zu erstellen. Das ist konsequent: Eine Ma\u00dfangabe ohne Angabe der Messunsicherheit ist wissenschaftlich wertlos und technisch riskant.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">7. Die Kontroversen: Mehr Aufwand oder mehr Sicherheit?<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bei jeder gro\u00dfen Umstellung gibt es auch hier kontroverse Stimmen. Die Hauptkritikpunkte lassen sich in drei Kategorien einteilen:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Der Weiterbildungsaufwand:<\/strong>\u00a0Die alte ISO 2768 war so tief in der technischen Ausbildung verankert, dass ein Umdenken schwerf\u00e4llt. Die neue Norm erfordert ein deutlich abstrakteres und systematischeres Denken. Viele Konstrukteure, insbesondere diejenigen mit &#8222;klassischer&#8220; Ausbildung, m\u00fcssen ihre Denkweise \u00fcber geometrische Tolerierung grundlegend umstellen. Die Gefahr von Fehlinterpretationen ist in der \u00dcbergangsphase hoch.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Software-Problematik:<\/strong>\u00a0Die neuen GPS-Konzepte sind in den CAD-Systemen noch nicht vollst\u00e4ndig und benutzerfreundlich implementiert. Zwar gibt es L\u00f6sungen wie &#8222;Technische Elemente&#8220; in Siemens NX, die das Wissen hinterlegten, aber die Breite der verf\u00fcgbaren Tools ist noch gering. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) f\u00fcrchten die Investitionskosten in neue Lizenzen und Schulungen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die &#8222;Pr\u00fcfbarkeit&#8220; in der Praxis:<\/strong>\u00a0Die neue Norm setzt eine pr\u00e4zise messtechnische Infrastruktur voraus. Was passiert in einem Betrieb, der keine Koordinatenmessger\u00e4te besitzt? Die Umsetzung der Fl\u00e4chenprofiltoleranz mit konventionellen Messmitteln (Lehren, Messschieber, Taster) ist extrem aufwendig. Hier droht eine\u00a0<strong>Zweiklassengesellschaft<\/strong>\u00a0zwischen hochger\u00fcsteten Gro\u00dfbetrieben und KMUs zu entstehen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bef\u00fcrworter argumentieren hingegen, dass genau diese Herausforderungen den Wettbewerb und die Innovation f\u00f6rdern. Sie sehen das neue System als Chance, die oft m\u00fcde gewordene Diskussion \u00fcber &#8222;Qualit\u00e4t&#8220; wieder auf eine rationale Basis zu stellen \u2013 basierend auf messbaren Fakten, nicht auf vagen Annahmen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">8. Die Rolle der &#8222;Technischen Elemente&#8220; und der Modellbasierten Definition<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein entscheidender Enabler f\u00fcr die neue ISO-GPS-Welt ist die&nbsp;<strong>Modellbasierte Definition (MBD)<\/strong>&nbsp;. Der Ansatz, das 3D-Modell zur alleinigen Quelle der Wahrheit (Single Source of Truth) zu machen, ist nicht neu, aber die neuen GPS-Normen machen ihn endlich praktikabel. In dieser Philosophie spielen&nbsp;<strong>Technische Elemente<\/strong>&nbsp;eine zentrale Rolle \u2013 sie sind die standardisierten Bausteine, aus denen eine Konstruktion besteht (z.B. eine Bohrung mit einer definierten Toleranz).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe Vorteil: Wenn ein Technisches Element in einer CAD-Bibliothek definiert ist, kann es f\u00fcr unz\u00e4hlige Projekte wiederverwendet werden. Die gesamte Information \u00fcber Ma\u00df, Toleranz, Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit und Pr\u00fcfvorschrift ist in diesem Element konsistent hinterlegt. Der Konstrukteur muss diese Details nicht jedes Mal neu eingeben, was die Fehlerquote drastisch reduziert. Mit der neuen ISO-GPS-\u00dcberarbeitung werden diese Bibliotheken neu kalibriert und auf den neuesten Stand gebracht. Das ist eine der wenigen konkreten Hilfsma\u00dfnahmen, die die Industrie von der Normenarbeit erwartet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neue ISO-GPS-Regelung ist kein einfaches Update, sondern eine&nbsp;<strong>Neuordnung des Denkens<\/strong>. Sie \u00fcberf\u00fchrt die technische Kommunikation von einem traditionellen, auf Ma\u00dftabellen basierten System in ein&nbsp;<strong>funktions- und modellbasiertes System<\/strong>. Die alte ISO 2768 war ein Produkt ihrer Zeit \u2013 eine \u00c4ra, in der Zeichnungen per Hand angefertigt wurden und die Fertigungsverfahren vergleichsweise einfach waren. Die neue Norm ist ein System f\u00fcr die digitale Zukunft: f\u00fcr die additive Fertigung, f\u00fcr die automatisierte Qualit\u00e4tssicherung und f\u00fcr die durchg\u00e4ngige digitale Prozesskette.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hoffnung ist, dass dieser Wandel zu weniger Streitigkeiten zwischen Abnehmern und Lieferanten f\u00fchrt, da die Spezifikationen eindeutiger sind. Die Realit\u00e4t wird aber zeigen, ob der&nbsp;<strong>Mehraufwand an Schulung und Messinfrastruktur<\/strong>&nbsp;die versprochenen Vorteile der Rechtssicherheit und Funktionsgenauigkeit rechtfertigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die&nbsp;<strong>Konstrukteure<\/strong>&nbsp;bedeutet es: Lernt, eure Bauteile aus der Perspektive ihrer Messung und Fertigung zu denken. F\u00fcr die&nbsp;<strong>Fertigung<\/strong>&nbsp;bedeutet es: Die &#8222;unausgesprochenen&#8220; Toleranzen verschwinden, ihr bekommt klare Vorgaben \u2013 aber auch klare Verantwortung. F\u00fcr die&nbsp;<strong>Qualit\u00e4tssicherung<\/strong>&nbsp;bedeutet es: Ihr werdet zu den H\u00fctern einer objektiven Messmethodik, die nicht mehr auf Willk\u00fcr basiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chsten Jahre werden eine \u00dcbergangszeit sein, in der Alt und Neu nebeneinander existieren werden. Die Normungsinstitute sprechen von einem Zeitraum von drei bis f\u00fcnf Jahren, bis die neue Denkweise in der Breite angekommen sein wird. Die Weichen sind jedoch gestellt: Das digitale Zeitalter der geometrischen Produktspezifikation hat begonnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>DIN Deutsches Institut f\u00fcr Normung e. V.:\u00a0<em>DIN EN ISO 22081: Geometrische Produktspezifikation (GPS) \u2013 Allgemeine Toleranzen<\/em>\u00a0(Entwurf\/Stand 2026)<\/li>\n\n\n\n<li>DIN Deutsches Institut f\u00fcr Normung e. V.:\u00a0<em>DIN EN ISO 25935: Geometrische Produktspezifikation (GPS) \u2013 Restrained States<\/em>\u00a0(Entwurf\/Stand 2026)<\/li>\n\n\n\n<li>DIN Deutsches Institut f\u00fcr Normung e. V.:\u00a0<em>DIN ISO\/TS 15530-2: Geometrische Produktspezifikation (GPS) \u2013 Koordinatenmessger\u00e4te: Bestimmung der Messunsicherheit<\/em>\u00a0(Ausgabe 2026)<\/li>\n\n\n\n<li>VDI\/VDE 2600 Blatt 1:\u00a0<em>Messunsicherheit \u2013 Grundlagen und Begriffe<\/em>\u00a0(aktuelle Fassung)<\/li>\n\n\n\n<li>Siemens Industry Software: Dokumentation zu\u00a0<em>Technische Elemente<\/em>\u00a0(NX-Integration f\u00fcr ISO-GPS)<\/li>\n\n\n\n<li>Schulungsmaterialien der T\u00dcV Rheinland Akademie und der DEKRA Akademie zur &#8222;Neuen ISO-GPS-Welt&#8220; (Webinare und Handb\u00fccher, Stand 2026)<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: DerSchneider Einleitung: Eine stille Revolution in der Technischen Kommunikation Wenn in der Welt der Technischen Dokumentation von einer &#8222;neuen Regelung&#8220; die Rede ist, rollen sich bei vielen Ingenieuren und Technikern die Fu\u00dfn\u00e4gel auf. 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